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Full text of "Winckelmann: Sein Leben, seine Werke und seine Zeitgenossen"

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r • • 



ttDttukeltnann. 



Sein Gelten, feine ^tttt mb feine Bti^fitKofftii» 



Soa 



Carl Snfll 






««tlog »OB g. 6. m SogcL 

t872. 



lOintkelirratttt in Stalten. 



mit Sltjaen 



3toäf gebtttdten utib l^anbfc^riftltc^en OueUen bargefteUt 



)}on 



Carl 3it|ll 



3toette 9]6t^etlung. 



Serlag oon S. (S. ®. SogeL 

1872. 



. 



^■ 



4v 



m* 




i 



l 



Sonoort. 



^^d^ fec^d Salären ift ed mir enblid^ t)ers&nnt; bte a(te @c^utb jn 
Öfen, e^ mu§ mld^ mit grcube unb iOanttarfeit etfüQcn, ba§ id^ bic 
toid^ttßere unb für Scfcr »Ic Autor angenehmere $)ä(fte blefer ,8e6en6i 
gefd^id^te nun in einer ®eftaft »erSff entließen lann, bereu Sbee mir bei. 
^au^gabe be« crften ©anbe« »o^I in unbeftimmten Umrtffen borfd^»ebte, 
obfc^on id^ bamdd laum bie ®unft ber Umftänbe }u Reffen toagte, tpetd^e 
fid^ jur SSertoirHid^ung Jener 3bec bereinigen mußten. 

(Srft in bie Testen bretje^n römifd^en 3a^re ©indtelmannd faßt fein 
»iffenfd^ftftd^« ßeben^toerl; benn in ber !l)reÄ)ener ©d^rtft bon 1755 tarn, 
toie er fettft, bod^ »o^t ju fd^roff fagte, ,,nid^t« auf feine Äed^nung". SÄit ber 
«natl^fe feiner ©(^riften unb Se^ren i^atte id^ r>ox nun fd^on je^n 3a^ren Wefe 
Xrbeit begonnen ; aOe^ bagegen toad fid^ auf ©d^upla^ unb 9lebenperf onen, 
IDenfmSter unbSrftgenoffen.bejiel^t, tourbe in ben Sauren 1867—71 auf 
italienifc^em ©oben gef ammett !Die| »ar ber bei toeitem mü^f amere, aber »ie 
id^ glaube, banfen^toert^efte 2;^eit ber Arbeit; bie Bwftänbe eine« Ort6, 
ben ®tanb eine« %Itert:^um«fe(b«, eine« SOtufeum« in einem beftimmten 
dal^re anf^aulid^ feftsufteUen, bie originetten SOtenf c^en ,^ unter toetd^e un« 
ber ©erfolg biefer 8eben«gefd^d^te berfefet, unb bie fetbft in l^rem aSater* 
lanbe l^eute faum me^r gefannt finb , ber ®egentoatt toieber (ebenbig )u 
mad^en,*) forbcrte ba« be^farrlic^fte (Sud^en; oft lieferte ba« öefte ber 



*) Sc (g^ storici) avessino considerato che con la lunghezza del tempo si spengono 
le citt^ 6 si perdono le memorie delle oose, e che non per altro aono aeritte le istorie 
ohe per conservarle in perpetuo, aarebl>ono itati piü diligenti a sorirerle in modo, 
che co^ avessi tutte le coee innanzi agli ocohi di ohi naace in unar eta lontana, come 
coloro che sono stati presenti, che e proprio ii fine della istoria, Guiociardini, 
Bicordi 143. 



VI ©otteott. 

3ufa(I, aber ber ^n^oä, roüdfrc nur bem ®ud^enben aufftd^. Offxit 
bte ©elegenl^ett ju längerem )Sufent^aU on joi^treicl^n großen unb fleinen 
Orten ; )U toelc^em mic^ lunft^tftorifc^ ©tubien, ber ^auptjtDed jener 
itoUentfc^en Steifen, oeranlaften, o^ne ben in>eiiä^rigen Urlaub al]o, 
für beffen ©etpä^rung ic^ ^temttt bem pxtn^^d^tn SuUudmtnifterium 
meinen !DanI au^pfprec^n mic^ gebrungen ffi^Ie, ^tte ic^ auf bie S(ud^ 
fül^rung biefe^ 2:i^eite nad^ jener Sbee ber^id^ten muffen. 

!^e ©efäUigleit unb bad 3ntereffe, meldte« bie mit ber älufftc^t 
bibliot^carifd^ unb ard^ibolifd^er ®(!^e betrauten itaßenifd^en (geteerten 
meinen Slbftd^ten entgegenbrad^ten , lann ic^ nid^t genug rühmen; unb id^ 
betrad^te ^ att ben fd^toften 9lebengett)inn meiner 9[rbeit, burd^ fie biefet 
tiebendtDärbigen Station biet nä^er gelommen ju fein, ald o^ne bie§ ber 
f$a(I getoefen tD&re. @okoeit meine (Srfal^rung ge^t, bürfte man laum 
irgenb anber^tpo, ntd^t einmal im 3$ater(anb, eine fotd^e (Erleid^terung unb 
ittn>ei(en Sßerfügung feiner 3ßü^en Reffen, mie in biefem „&tnbe ber SKenfd^^ 
tic^Ieit^'. Saft bie einjige Su^nabme machte 9iem, nämßc^ bie nod^ in 
päbftßd^n ^nben befinbßd^en 3nftitute. & ift ein nid^t genug (u be^ 
Hagenber ®d^ben ffir bie SBiffenfc^aft, bag bie ®(^^e ber boticanifd^n 
ja9ibftot^eI unb M Krt^ib« nid^t im @ei)tember 1870 (n)o e^ mo^I o^ne 
Scnfequenien mitgegangen toSre) bon ben ebten Stittern, bie bamate bie 
®tabt 9tcm befreiten, nid^t ben Svoücn iener S)rac^en entzogen »urben, 
e^ fo mand^ ber fnibftlic^^iefuitifc^en ©efd^ic^t^f&Ifd^ung unbequeme S)0' 
cumente befeitigt merben lonnten, 

3nbem ic^ l^iermit üon bem Sud^e älbfd^icb ne^me, oerabfd^iebe ic^ 
mid^ iugleid^ bon ^et, mo ed mir befd^ieben xoax, in bem berti>id^enen 
3a^re (bem einjigen (eiber I hai xäf bort meilte) bem borliegenben Sanbe 
feine ®eftalt ju geben. 92ur ate flüd^tiger ®aft lebte id^ am Ufer ber 
blauen Oftfee, bad id^ laum berlaffen ^ben n)ürbe, loenn mir nic^t burd^ 
bie ^Berufung an bie 9}^einuniberfttat bie (ange getoünfd^te SBirffamfeit 
ate ?e^rcr ber Jhinftgefd^ic^te eröffnet »orben toöre. 

SeUetoue in 2)ilßernbroof bei Stitl, ben 22. Cctober 1872. 



3in^altökierseid)ni|. 



CrUrd Saiittel. 3)a9 rrftc rümif^c 3atr« (Stffe 9iet^tilung 3 

§ 1 . iRened SeBen 3. — § 2. i^on 2)re9ben bi« fftom 6. — § 3. (Sinbntd 
bet€tabt 9. — § 4. S^iOen unb Härten bed 9Ronte ^ütcio 16. — § 5. Xi- 
t}ott 22« — § 6. ^Qp^tl S^cng« 26. — § 7. i[nti<)uanf(4e (Soni»erfa)ton 
32. — § 8. 2>er etatucn^of im 8elb€bete 35. — § 9. ein SDtatntfcri^t 
über bie Statuen M i^elbcbm 38. — § 10. 9{«ie 8earbeitttng bet 8e« 
f(!^idbung 44. — § 11. «|)oao 47. — § 12. !&eT Xorfo be9 ^cule« 52. 

— § 13. SDie (9nq>^e M Saocüon unb bet fogenonnte Ibitinoud 56. — 
§ 14. @^(uB 59. — § 15. Uebergang t}on benSef^teibnngen ^inn^^fiem 
64. — § 16. ^latonif^t ®tubien 66. — § 17. IDic «bl^nblung Don beti 
ChgSnjungen 71. — § 18. Siebetoett 79. — § 19. SBenbung 85. 

ättette« ü$}^ittU 9tünif(tc «elekrtenreimMiL 88 

§ 20. 2)er ^rSlat ®iacome(li 88. — § 21. 2)er (Sarbtnat $af jlonei 93. — 
§ 22. (SamaTboli 98. — § 23. «eim (Sarbinal «td^into 104. — § 24. 3n 
bet SanceSerie 114. — § 25. 9lSmif(^ (£onberfa|ionen 117. — § 26. eol" 
bairi 126. — § 27. 3m (Soflegio 9lomano 128. — § 28. (Sin 8ranci9ca- 
ner 132. — § 29. ^acianbi nnb (forflni 133. ~ § 30. €<M)itotiniWe 
Snflatten ffli Siffenfd^ft, tnnft nnb «Uert^nm 138. — § 31. Urd^itectnt 
146. - § 32. ©er ^bjl 150. 

Stitte« 6o)iUrL (Erflc Steife noct 92efUieI 155 

§ 33. 9(npatten unb tlbfui^ten 155. - § 34. IBon 9lom nad^ 92ea^el 159. 

— § 35. ©nbrud iWea^W 160. — § 36. «m 9o\ »on ^taptl 167. — 
• § 37. J^ ©raf girmian unb ber SRinifler Xanncd 171. — § 38. ^ter 

^iaggt unb bie ¥<4)vru« 175. - § 39. ?ortiä unb ba«iWufeum ISO. — 
§ 40. 3)ie SßiU M epicnreif(!^en ^^tofo^l^ 186. — § 41. !3)ie ©emSIbe 
190. — § 42. ^t (drctefkn i96. — § 43. <9»ele^rte (^ettfd^ft 198. — 
§ 44. Xie £narier ^rtl^o))eif^ ^l^lologie 202. — § 45. 2)ie l^osla- 
nen|tf(j(^ 9(cabemie 208. — § 46. (Sa^o bi mcnU 212. -^ ( 47. (Saferta 
215. — § 4S. 9&^m 218. 



Vin 3u^tt0txracn!^m6. 

ecite 

mttM (£«Uittel. %i9Xtn\ üb) M (toMif4c GoUnet« 222 

8 49. 2)a« dondaiot t^ott 1758 unb ber neue $a6fi 222. — § 50^ $^Ut^^ 
»on @tof* 227. — § 51. a)cr ITicffe ©tofd^ 235. — § 52. gtorenj 237. — 
§ 53. gtorentiner giguren 24U— § 54.(Stru«(!^a 245. — § 55. Xca&tm* 
mencabinet 250. — § 56. (äkfd^c^tc ber ^cTU>tton 252. — § 57. iBottcn- 
bung in «om 258. — § 58. «ufna^mc 262. — § 59. (Jtru«ctft^ «cabcmic 
267. — § 60. S)cr «batcöracd 270. — § 61. Älrinc «uffa^c für bic2)cut« 
\dfta 274. I. 3)tc (Jrfbibung 276. — § 62. IL 2)tc ed^ön^dt 278. — 
§ 63. III. 2)ic ©rojic 283. — $ 64. @<!^ta6 288. 

S^nftr« (£o)rttcL 3)et 6arMna( Ulbani 291 

8 65. (Sitttrttt in€ at^ttif(i^ ^ttd 291. - § 66. 9u9 bem ^ben be€ iSar« 
binol« «I<a?Äni)et 297. — § 67. «Ibonif«!^ «ntifenfamtntungcn 302. — § 68. 
2)te «itta 9Ibam 305. 

@e49e« (EfUrttct STttnlle sn) ftttnWer 312 

8 69. SRoic ^crf^)ecd»e 312. — 8 70. LÄrc^togifj^gunbe 315. — 8 71. 
n. Äunfl^bcI3l7. — 72. III. «eflaurattoit 321. — 8 73. rv. Wtctkc 324. 
— 8 74. 2)«r ?Jarna6 330, — 8 75. V. ^ocpe, aÄuf« unb X^catcr 337. — 
8 76. VI. Oefcttfd^ft 341. — § 77. VII. «n(^tcctontfd^e« 347. — 8 78.2)ic 
«nmertungcn über bie ©oufuntl ber «Itcn 352. — 8 79. «cp^cttf ber ©au* 
tunfl 355. — 8 80. «pironeft 362. 

&thM i&ü$M. ättri 9le{fen na^i 92c«Uirl 366 

8 81. 9tdfe^(&te 366. — 8 B2. 92eue{>ercutanenrta 371. — 8 83. $om^i'« 
Anfänge 375. — 8 84. ©iUeggiatur i^u (Sajic( (Skmbotfo 377. -- 8 85. 2)a€ 
ecnbfc^rdben an ©rü^t 380. — 8 86. 3»if*enact 384. — 8 87. ^ompti 
im So^r 1764 387. — 8 88. 2>ad Xl^ter t^on 9lefma unb bie n'^l<idfxiäf- 
im** 389. — 2)ad $a9quta 393. 



9iömif(^e ÜReiflerjal^rc. 

CErfted (£a)iiteL ^ü9 iquilloHfcte flntiqnoriat. Bmdte ^t^dlung. .... 3 
8 90. Sage unb Stimmung 3.-8 ^1* 2)redben ui^ ©raunfd^todg 7. — 
8 92. $of unb ^rc^ unter (Sternen« XIII 12. — 8 93. $afftond*9(Snbel6. 
— 8 94. 2)er (Sarbinat ©^ineöi 18. — 8 95. 2)a« (Sonimiffariat ber «Uer« 
t^ümer 23. — 8 96. Xa^ ©crittorat an ber ©aticana 27. — § 97. (£ott* 
flantin 9iuggieri 31. — 8 08. öngtSuber 34. — 8 99. SWontagu 37. — 
8 100. ^anjofen; SBatttet 40. — 8 *01. 3)ic ©d^rndjer 48. - 8 102. ©n 
greunbf(!^aftd)>aro|:t^9tttu9 57. — 8 t03. 2)ie Sbl^nblung bon ber gS^tgfdt 
ber (Sm^finbung be9 ^hntn 60. ~ 8 ^04. ^ngetica ^ouffmann 70. 

Bttritr« i^iqiitcl. Sie ®tfdü4tc der Ihtifl bt9 «Itertlnn« 74 

I, VrSHminarien. 8 105. Ueberblicf 74. — 8 106. 8orlSufer76. - 
8 107. 92euere ^nßgefd^td^te 78. — 8* 108. aBindelntannS »nfi^ten t>on 
itottenifci^r SWalerd 82. — 8 109. ©er ®raf CavUi« 86. — 8 ilO.»uffon95. 



Cctte 

II. ^ntpcljung unb ?lan. § 111. 2)crcr(tc(gnttt)urf (1756— 59) 97. 

— § ^12. 3ttjdtc»carWtunö (1759—61) 104. — S 113. 3bceunb2Rctl^obc; 
fVltonatifd^ Xl^t 107. — § 114. ^iflorift^r X^\ 113. 

III. atcfl^cti! bcr @cut^)tur. § 115. 1. SSorBetTüil^tungcn jur 
Sl^corie ber @d^5n^t 118. — § 116. 2. ©d^Bnc Sf^ator 124. — § 117. 3. 
^riobm bet Scid^nunfl 127. — § ti8. 4. S)tc @(!^8nl^cit«Itntc unb biedre«» 
]|>ortioncit 134. — § 119. 5. a)a« 3bcal 142. — § 120. 6. ®ri«^if^ 
Xii^pn9 150. — § 121. 7. (Sl^ractcr, Vortrat 154. — § 122. S. «u«bru<! 

* unb <>anb(un0 159. — § 123. 9. @u^ranaturolt«niu« 1 67. - § 124. ©d^Iuß 1 75. 

IV. ^iflotif(%cr Xf^txl 179. — § 125* »on bct Äunp unter bm 
«cgv^tcm 180. — § 126. Sßm ber Ämifl unter ben ^l^öniciern unb ^er* 
fem 164. — § 127, ©on ber Äunfl unter ben ^etruriem 186. — § 129. 
Urfa^ M 9$or)ng6 grieiidif^r tunfl 1S9. 1. 2)a« üRobeme 190. 2. Kn*' 
ttte« 192. — § 129. 3)ie grellst 195. — § 130. (g^o(3^n gried^if^ ?(afHt 
198. - § 131. a)er altere ©tU 200. - § 132. a)er ^o^ @til 202. — 
§ 133. 2>ie beiben ©rojien 205. — § 134. 2)er f^Sne @til 208. — § 135. 
Son ber SKoIerä ber Sßten 212. -^ i 136. $on ber jbinfl na^ ben ^^ttn 
Uniftänben ber 3eit 215. — § 137. 2)ie tunfl unter ben Slömern; @^lu6 
219. — § 138. Uebcr ^pxaü^t unb @tit 224. 

V. «ufnal^me unb (gintotriung. § 139. (Stimmen ber (Sxitit 229. 

— § 140. Cefflng 234. — § 141. ©eg ber Äunf!gef4^t(i^te bur^Suro^a 246. 

— § 142. !3)ie Äunfl ber Seit 252. 

dritte« CiMritel. 9la4ttirgc nnb mmUm 257 

§ 143. 2)a« 3a^r 1764 257. — § 144. eUä auf bie letzten So^re 260. — 
§ 145. 3)ie Kttegorie I. (Sntfiel^ung unb ^ufnal^me 262. ~ § 146. IL tltte« 
gorif^ 3eitgef<J^mad 267. — § 147. III. Xl^eorie ber «ttegorie 270. — 
§ 148. IV. «tiegorienregiper 273. — § 149. X>\t „«nmerfungen über bie ®c- 
fd^iii^ite ber tunft" 2S0. 

Siertc« CoHitcL $otc (Säfle nnb @4ttler« 290 

§ 150. 3)er «ntiquario nobile 290. — § 15U S'iprbift^ öbeHeute 293. -^ 
§ 152. «egie^ungeit ju ^reugen 299. — § 153. 9?uf na^ »erttn 307. -- 
§ 154. !Der (Sarbinat ^to^pani 312. — § 155. Sa 9{o^foucau(b unb ber 
®raf t>on ©targarbt 315. - § 156. 2)er gürft bon 2)effau 318. — 
§ 157. !Der Srbptina uon «raunfti^Äeig 327. — § 158. ©efu(!^ ber grau 
aj^eng« 332. 

mnm CfUrttel. ^ie 9RonnmentL 340 

§ 159. anfange 340. — § 160. «uefül&rung 345. — § 161. ®eri(!^t«^>unfte 
ber «u«mal^( 352. — § 162. 3Me Äu^fer 356. — S 163. ©runbfatje ber 
2üi«tegung 359. — § 164. geiler in ber SWetl^obe 361. - § 165. Trattato 

preliminare 370, — 5 166. ^orto b*«n|0. 

« 

eediUe« ((o^el. Werte Keife na« 92eo)ieL 380 

§ 167, 5»eue «ejiel^ungen im ©üben 380, - § 168. 9liebefet -384. — 



Celle 
§ 169. ^xdütn 385. — f 170. <Bix mtiiam {^otmlun 388. - f 271. SHe 
Safes 391. — § 172. ^ompd im Saläre 1767 397. ~ § 173. 2)et Su9bnti!^ 
be9 Seftt» 402. 

6imt9 (EiMiitel. 8t4^e (Entwürfe »n) U<^ Keife 406 

§ 174 9}aie 9lu9fUl^teit 406. ~ § 175. 2)er britte 8anb bet iD^mtmenti 
409. — § 176. 9toe «btdgabe ber ton^gefd^ttl^te 412. — § 177. (E^cactco 
tifitf ba neuen ^aflgefc^id^te 415. - § 178. 2)eutf(^ StctfepOtne 421. — 
i 179. &«te 9letfe 426. — § 130. (Snbe 431. 




r 



^tpettee S3itd) 



Romlf*e ülelderialjte 



1763—1768- 



3 «»l, «««»<«««• ^*- 



3)a« a^oftoIifi|e %nt^^uatiat 

§ 90. 

Sage unb Stimmung. 

Sßenn man Beo^oc^tet, »te in jenen tnreijel^n rdmifd^en doloren SKndkt 
mann fW^ in feinem (Hemcnte ftil^Ue, wie Italien tl^m ein jtt>eite« ©atetlojib 
geiDOtbcn tfoax, toit ex nic^t mit Unrecht fein !^e6en wn bei Uel^etfiebelung 
an batirte : fo fc^eint un« feine Stömerfal^rt ttjie bie Berichtigung cineö 8et= 
feiend, n>elii^ed 'bad @^i(!fal bei feiner @eBurt begangen l^otte. Sßenige 
SKcnfc^en l^at e^ gegeben unb rnirb ed geben, ttytiiftn bie bortigen S)inge, 
SRenfc^en unb g^f^^^be eine fo reiche ÖueQe melfälttgflen @enuf[ed unb 
tieften Sel^agend toerben fönnen, t>on ber ^ft, bem Sßein unb ben SBroccoU 
bid ju ®ärten, ©crgen, SWeereöufem; toon ber marmornen biö jur leben= 
bigen Seoölferung. Unb nic^t bto§ feine Steigungen unb feine Obioftjncrofie, 
fein Streben unb planen , auc^ bie tjügungcn beö ä'^^ö^ fci^ienen barauf 
gerichtet, il^n l^ier oon ^ai)x gu Oal^r fejicr gu grönben; fein geben geigt 
un9 ein fletiged, Uxptxliift^ unb geifHged ^ineinma^fen in bortige^ Sßefen, 
9nn)urgeln in jenem Soben. 

Amor a nullo amato amor perdoiia: bie 92eigung, bie er 9tom unb Italien 
entgegenbrad^te, n)urbe il^m oergolten. „^ bin, burfte er [xi) rttl^men, geeiert 
unb geliebt , unb glaube gUHtr 92eiber, aber n>enige ^einbe gu l^aben ; ]^in= 
gegen t^iele unb groge f^eunbe, unb met tl^Stigere ald in Deutfd^Ianb^^ 
Unb fo gelang t§ ii)m benn enblic^, na(^ fieben dal^rln, in 9tom, a(^ öffent- 
lit^r Seamtcr, fcflen gu^ gu faffen. Diefer (grfolg bcnjie«, bafe er längfl 
in ber ©elel^rtcmoelt mie am $ofe ein iKann oon Sinfel^en unb ®eltung 
nxir. $o]^e ®finner, fein eigene^ n)eItHuged unb tact)>oQe£ Senel^men l^oben 
babei mitgel^olfen, ein augenblidlic^cd 3uf<^i>^c^^^ff^^ gttn^igct Umft&nbe 
nnir crforberlic^, aber efi Ȋre bo<^ nic^t gefci^el^en ol^ne bie ,,aBgemein fcfl* 
gefegte gute äReinung''. 



4 3^^i^^ ^^' ^' ^^^ a))Opo(i[d^ Antiquariat 

(Sx gcftanb bamaW, er l^afcc bcr (Sfcrfuc^t t>cr Qtaliencr gcgcnttScr 
anfänglich l^artc (Stänbe gcl^Bt: „ic^ Bin burc^ t>icl "Prokn gegangen; aSer 
iif l^aBe mit^ nid^t« irren laffcn". SBic bie m&c^tigpe Screbfamfeit bie \% 
tücld^e eigene Scibenfc^aft in i^re ©orte l^ineinmirft unb bo(^ bie Jcibcnfc^aft 
mit falter Sered^nung aW SRittel »cmjaltet: fo ifl bie öottenbcte ^^Jolitif bie, 
totlift in bie SioBe, bie man \pkUn mu§, SSeflanbtl^eile be^ eigenen S^rac= 
terö — ber angeborenen SRoBc — aufnimmt. %ndf ©indtelmann^ Erfolge 
in ber römifd^en 9Meinung berul^ten auf ber SSerbinbung unDerftettter £)ffen= 
l^eit unb Sinfac^l^eit, bie feinem ßl^aractet natürlich mar unb üBrigenö atten 
Bebcutenbcn 3Kenfd^en eigen ifl, mit einer gefd^meibigcn Äccomobation an 9Men= 
fc^en unb 3uftanbe, bie il^m freilid^ f^mi>at]^if(!^, alfo tjerjlonbtid^ tt)aren. „3«^ 
bin attcgeit ben gerabcn 33Jeg gegangen, burc^ alle geinl^eit bcr 9tömer mitten 
burd^, unb bin ba^in gelangt, wo ic^ nid^t gebac^te. 3d^ !enne bie SRation 
unb lüeig, mie man jte nel^men muß. . . J)ie ÜDemutl^ unb ©efd^eibenl^eit 
unb toenig rcbcn ifl meine Siegel getoefen, unb nod^ ; aber mo eö unumgang= 
lid^ nUtl^ig nxir, audf mit Ungcflüm ju reben. . . . SWan bequemte jic^ nac^ 
meinet ©öflid^feit in 9?ebcn unb 9tid^ten, unb jcftt ifi man gctüol^nt, ju 
l^ören, »aö i(^ gcbcufe. . . ^iunmel^r ifi ber 3Beg ju allem toa^ man l^icr 
l^offen lann offen". 

3tT)ifc^en bie jweitc unb britte 9icife nac^ 9iea^>el fiel jene« ffircigniß, 
in fein filnfunbüierjigfie« Sebenöjal^r. Scl^r befd^eibcn nxir ba« Amt (bem 
balb ein gn>eited folgte), maö ba« Sinfommen betrifft, aber el^renoott unb 
ganj für il^n gcmod^t. 3!)a, fd^eint e«, l^abe e« feine ganje Seele burd^tUnen 
muffen: f)ier ifl mein 9tcifejiel, mein 8[nfer^>laft, bie fernfie ©cemar! für 
mein rul^enb @(!^iff. 

Unb bot^, lenlt man ben SJlirf jurüd oon jenen großen 3*^9^»/ ^^^ 
feinem Seben il^r Oejjräge geben, verfolgt man jene Hcinflen H^eilc, auö benen 
e^ fld^ jufammenfeftt, fo mirb bcr SSorflellung einer toon ber Sorfel^ung ge= 
TOollten unb i>on i^m fclbft mitgemoUteu 'Prabeflination für 9iom alle äugen^ 
blidfe iüibcrf^)rod^en. ®er "?lan bcr SJorfel^ung nntt cd ttjol^l, bem »ir biefe 
breijel^n Saläre unb toa^ barin liegt ücrbanfcn, aber er fclbfl l^at fein mögfu^s 
fle« get^n, bicfen *$lan ju burd^freujen , baö mü^fam begonnene ©etuebe 
tüieber aufjulöfen. Sein Slciben in 9tom erft^eint un« nur att SRefultat 
einer Sieilje »on 3iifätten, bie c§ glüddic^eriüeifc immer lieber i>erciteln, baß 
er ben, in brci gatlcn angenommenen Stufen nac^ bem SWorben folgt. 

SBer »ie bicfer SRann ein l^albeö Seben lang nad^ einem ^idt ge^ 
trachtet unb il^m folc^e D^>fer gebrad^t l^at, meffen Denfen, Did^tcn, ©enicßen, 
gorfc^en, Sd^reiben, fic^ gang um einen beflimmten Ort bctücgt, too er eine fd^on 
mit Erfolg belol;nte unb noc^ größeren öcrl^eißenbc 32Birffam!cit gcfunben ^at, um 
einen Ort rcid^ an })ofltit)en Anregungen unb frei t>on löfligen Obliegenl^eiten : üon 



§ 90. Sage unb Stimmung. * 5 

bem foQtc man glauBeit, bag er jebe au<i^ noc^ fo günfiige Sinlobung nad^ 
anftüärt« toic eine änfed^tung bcö ätgcn aBmcl^ren n)crbe. SKand^e meiner 
?cfcr, bie ju ber Äunpmclt irgenbtoeld^c Segiel^ungcn l^aBen, benen in ber 
atmof^>^re Blnfilerifc^^ord^äologifc^en ScrW^rö toxlf)! ifl — in einer »ic bic 
be^ SIBanifc^en $aufe^, enblid^ bie^ toclc^en t^ergönnt nxir, bie f^reil^eit unb 
©d^önl^eit römifd^en SeBenö ju toftcn, fic njeiben burd^ nit^td in biefer Sr= 
gSl^Iung mel^r Befrembet fein, aW burcj^ bie hjicberfel^renben UnSbx^ä^t ber 
Unjufriebenl^eit, burd^ bic 83ereittt>inig!eit, jebe Oclegenl^eit ju ergreifen^ bie il^n 
Äom entfül^rt. ©elBfl mel »ertüöl^ntere aW er würben, jtoifc^en eine foÜ^e 
ffial^l gcfteßt, leidet foüiel ^l^iIofo^>^ie gu il^ret SJerfügung finben, um fid^ 
mit bem l^ier geforbertea 9Haa§ bon ßntfogung ju »ertragen. SBenn man 
n>ei§, tt>eld^e reid^e, »iffenfc^aftlid^e Sl^ätigfcit mitten im DoKen 3wge burd^ 
eine Irennung bon 9tom aBgd&rod^eu toorben, unb »ie bcrjtweifelt unglüdt= 
Ii(^ ber SKenfd^ gemorben toare, bem mn^ er borfommen n>ie einer, ber nod^t- 
)DanbeInb an einem SBgrunbe l^ergel^t unb bon ^Ät gu 3^^^ ^^^ ben 9?anb 
gufd^reitet, jebetoal aber nod^ bon feinem Dämonium aBgelenft n)irb. 

3)a« foll bamit nid^t gelougnet hjerben, ba§ feine ?eben«})]^iIofop]^ie aHer^ 
bing^ etttKiÖ auf bie "^roBe gefleflt tüurbe. äBer er l^atte ja »erfu^crt, ba§ 
il^m an JRcid^tl^um^ 9tang, 2iteln nid^tö liege; — märe e^ anberö geö>efen, 
fo l^otte er bie 8teifcn)ute feineö ?eBen^ gctoi^ anberö angelegt; — nun 
gefc^al^ il^m n)ie er geglauBt l^atte. 3)enft man freilid^ an bad, nnid bie 
SBelt fo nennt, fo foBte man il^n für feinen großen SKeifter ^Iten in ber 
Äunfl fein ®Iü(f gu ma^en. SDKt üiergig Salären Bel^arrlic^er ärBeit, rafl= 
lofen '^JlanenÖ, mit feinem lalent, feiner S5en>eglid^leit unb UnBemeglid^leit 
l^te er ed enblid^ bal^in geBrad^t, ^audaBate^eine^ Qarbinatö gu fein mit 
gel^n @cubi monatlid^er ^enflon unb gelegentlichen ©efc^enfen bon i^emben. 
„9i) Bin mi)t glüdtltd^, gefielet er, nod^ 'bem gemeinen S3egriff ber SKenfd^en 
gu reben. . . ^df muß mxi) notl^menbig gen^dl^nen, mit bem n)enigen, meU^e^ 
id^ rid^tig er^Ite, audgufommen; benn id^ fel^e borau^, baß bie !DürftigIeit 
meine treue ©efäl^rtin fein »irb, bon ber i^ mid^ auc^ nic^t trennen »iß''. 
Qn ber Steujal^röBetrad^tung bon 1761 gratulirt er fic^ fafl, baß er „anfange 
fel^r gleidbgültig gegen ben ©efd^madt gu n^erben'', n^eil er nun um fo leichter 
f^ „immmntffx einfd^ränlen" fönne. Iroftbem fei er gufrieben (10. WfvX): 
„(Sxn anberer tvürbe e^ in gleid^en UmflSnbcn ni^t fein, ber namlidfi ntd^t 
gelernt l^at, ba^ 92otl^n)enbige bon bem n>eniger 92ot]^n)enbigen gu unter- 
f (Reiben. 3d^ genieße bad größte menfc^Iid^e ®Ud, ©efunbl^eit ; ma^ oerlange 
id^ mel^r? SDIed üBrige fel^e ic^ fel^r gleid^gültig an. . . dd^ preife ®ott 
büß id^ ©efunbl^eit unb ein gufricbeneö ^erg ^Be, meiere« ni(^t für (Selb 
gu faufen ifi. . . JD felxge greil^eit, bic id^ enbf«^ ©d^ritt gu Schritt im 
bMigen ®enttß in 8tom fc^medtcn fann!" (21. gcBruar.) 



6 B^iteS iOiic^ I. 2)a« (M>ofio(ifc^ Antiquariat. 

Snbcg Setfic^crungcn bcr 3wt^^^"^<^it ftnb oft cBenfo BcbcnÄid^ mt 
Ikrfid^rungett ber (S^rltd^fctt 2)i6 e))tctcttf(^cti @enten}€n etlotefen ftd^ bo^ 
nid^t att l^inteid^cnb fräftig, jcbcn 3Bunf<^ einer SJerBefferung mcbcrjufci^lagcn; 
unb \o fc^lingt fic^ burd^ fein römifc^e« ?cBen — neben ben 8ieifen^)rojectcn — 
eine Äctte t)on SJerl^onblungcn mit beutfd^cn $öfen, bie oft bem Sttfd^tug 
nol^e pnb, immer aBct julc^t ocreitclt ioerben; tottta aber biefc bcutf<i^tt 
«uöfid^tcn jule^t jcrfließcn, fo taucht in bcr Äcgel bcr Oebanfe bcö ®tt= 
ttitt^ in ben ^^Pricffcerftanb auf. 

Dicfer ®ebante oerfolgte il^n in bcr D^at oou Anfang an tüxt eine 
9$erfuc^ung: bie äRad^t ber Umgebung, bod "ißariatl^um bed Säten in ienem 
^affenret(^, bie (£m>ägung, ba^ bie| ,,raniqae chemin de s'avaneer ici^' 
fei, lod ten il^n immer lieber, mit jenem ©ebonfen gu f^)ielen : foBaü) freiließ 
eine ©elegenl^cit fid^ melbete, flegte bie änti^Kitl^ie, SBir l^örten ju feiner 
3cit, toit fd^on im grül^ja^r 1757 ein rofonnabler Äugufttnerorben Weig für 
il^n l^atte: fein gteunb unb ©eid^toater Sa^qucj n>ar ja ©eneral biefeÄ 
Orbend unb ^^rior bed Älofler^ @. ÄgofKno, xoo bieS3iMiotl^cca ängelica 
flanb. SäJiebcr ffinbe 1758 glaubte er, „bie traurigen Umflänbe in Dreien 
unb bie mcttaudfel^enbe ^loü} in ®ad^fen »ürben il^n nun enblt(^ nötl^igen, 
SWeffe gu lefen : — ber Sarbinal (älbani) erbietet fld^, mir ba^ er^e oacaute 
Seneftcium, ba^ loon il^m abl^&ngt, gu geben. Skrbe ii^ genötl^igt, biefen 
Stritt gu t^utt, Addio patria". 3^^^ bcfennt er, bie Serfleffung in btefem 
•^unft — bem eingigcn — „tofle weniger att man glaubt", aber totxm er 
boran foffte, fein „^u^>t ber ®d^eere gu bqucmen", fo !am immer nrieber 
ba9 Seto jene^ S)amontum^, unb fo fielet fein 9ilb, ®ott fei S)an!, menig- 
flen§ oon biefcr ^ra^ unentfteat ba. (Stnmal tooUte %Ibant mit einer '^kn- 
fion oon 20 ®cubt auf eine ^^kiroc^ie anfangen; aber „fo koo^lfeil oerfaafe 
t(^ meine greil^eit nid^t". ®n Sanonicat an ber Socca betta Seritä fd^Iug 
er au^, tt>eit er frei bleiben n>oüte. 

Der äbatentitel unb ba^ ÄbateuHeib — bie er feit 1757 annal^m — 
l^atten bamafö gar nid^td gu bebeuten. @^ gab in 9tom oiele Sbaten mit 
grau unb Äinbern — einer oon il^nen toccc fein greunb ©iooan Sottifla 
8ifconti, ber Sater Snnio Ouirino'^ — fle fangen in ßonccrteu, gaben 
im parterre ben 24)n an, fie fd^ienen bie n)ettaud ttbermtegenbe äRel^rgol^I 
ber mSnnlid^en 93ek>dHerung %omd gu btiben. „Diefe cl^rmürbige Benennung, 
betel^rt 3Bind(eImann felbfl feine beutf<^en greunbe, tfl nid^td aU ein unbes 
beutenber 2^itel, toeld^en man ^erfonen, bie koie id^ in turgem äRantel unb 
jhragen gelten/ gtebt unb meldte gu feinem Sreoiario oer))flid^tet. Denn id^ 
tin bcr Äird^ nid^t genjcil^t, genieße auc^ ni(^t« oon berfclben.'' 



I 91. ShudUit imb 8tauiif4toete* 



§ 91. 

üDrcöbcn unb Sxaunfc^tocig. 

®efä]^rlui^er erflongen bte 9tufe m9 iCeutfd^Ionb, unb am g^%ltd^ßen 
nxtt l^ier 3>Tedben. SBindelmann teBte in Kern fed^ dal^ie long ate ^eit- 
fton&v, unb feit 1761 M fdrmltd^ ernannter, toenn au(^ n^ unBefoIbeter 
Seomter bed $of^. 3>ie ^nfion (in ben erflen brei doloren 200, 1^ 9{eu> 
lol^r 1762 ^nbert V^Ux) lant auS ber ^anb beS ftönig^; e^ tDar f9 
iDenig, bag er fU^ nic^t aU ®eBer genannt n^iffcn nullte; unb bo^ j^tte 
JBindelmann bODon einen Stotl^pfennig üon l^unbert Xl^alem Beim SKolcr 
äKaron jurttdgelegt (27. danuar 1758). dn ^efen oon bort erl^ielt er 
ben Xitel Pensioniüre da Roi, ber il^m fel^r i^etbrieglid^ tt}ar, \piitx mal^lte 
man ba9 Beffer iTingenbe Antiquaire de Sa Majest^ le Roi de Pologoe. 
2)er rdmifd^e Sufentl^alt galt al^ eine ))orttBergel^enbe Steife, nne man fle 
dfter« ^nfller (3. 9. iDieterid^, (|[afan«t>a, 3Keng^) ma^en lieg; unb ol^ne 
ben fUBenj&l^rigen ^eg ^otte man il^n aud^ nid^t langer att ^mei dolore 
bort gelaffen. (Sr felBfi gefielet bie Ser^flid^tung ber 3)anIBarfeit unb ©d^lbig« 
feit gegen ®a(^fen, fein jn>eited Saterknb. 

aiMemel WkcÜ) mm in @a(^fen auf äßindelmann^ 8efi$ legte, Bemeift 
fc^on allein bie 3:]^atfac^, ba§ man il^n tt>S]^renb ber firiegScalamitSten fletd 
im Vuge Bel^ielt. & nntr j^od^ ni(^t mel^r ber alte ®^nrfih:fi (bem er feine 
Steife oerbanite), fonbem ber S^r)>ring f^ebrid^ Sl^riflian unb feine (Se^ 
mal^lin, — neBfl. bem Greife ber näd^fien Vertrauten, burd^ n)el^e SEBindek 
mann mit jenen in Sttl^lung BlieB, Beforgt, ftc^ fein (Sa^tot^en Don @ttn(l 
)tt erl^alten unb gelegentlid^ ju meieren. Xuger ^agebom alfo, ber £eiBar3t 
Sianconi unb ber alte SRentor be^ '^njen, ber ®raf SSacferBartl^. Xn 
9ertt]^rung9))unlten u>ttrbe e^ nid^t gefehlt ^en. SSer 9iom fo grttnbl«^ 
gefd^n l^atte n)ie ber Sl^ur^riu), unb in ben einbrud^fSl^g^en dai^ren, flir 
>en gaB e^ taum ein genugreid^ereS ®ef)»rS(^ ^ mit einem j[ttngeres 
$ilger ber enngen ®tabt. SBir ffixtta 9on bed ^injen S9efud^ Bei ben 
VlBani'^; in 9tom erinnerten m Siele nod^ bed (&\tx9 unb ter ®rftnbli(^ 
feit, mit ber ber (r&nflic^, ad^t}el^n}&]^rige junge 92ann bie !I)enIm&ler ber 
©tobt STag für 2:ag, nic^t mie 9Üifecuriofit&ten, fonbern loie in einem emften 
Sel^rcurfu^ aufgefud^t unb Betrad^tet ^ttc Shtxi )»or feiner SBreife inhi 
Ütea^l ^tten bie ®cm in 9lefina Begonnen; er l^atte fftr 993ind(e&nann 
<Snq)fe]^lungen an feine @d^n)efler, bie bortige Mnigin gefd^rieBen, bamit er 
il^m barilBer Berid^ten Knne, unb biefe „r&fonnirenben Stelationen", mit toel? 
d^en er il^n oon 3eit ju 3eit auc^ üBer rthnifd^e (feitbedungen unterl^tten, 
litten ben iRamen bed ©elel^rten immer toieber aufgefrif<^t. Sud^ feine Sluf- 



fä^e in bcr 3ftomt8\ä^nft nxrrcti, n>ic er l^Bttc, fcl^r l^ulbrcid^ aufgenommen 
tooxben. 

©d^on im 3a]^re 1757 nxir il^m »ertrauTid^ mitgctl^eilt tootben, ber 
?rinj l^oBc il^m bie ©teile eine« Garde de son cabinet (JWttnjfommlung) 
BefKmmt, bie Bi^l^ct ^ofratl^ 9tic^ter BeKeibcte unb t)OT il^m SUgorotti gcl^Bt 
^tte. Dieg flcf^al^ ju bcrfeftcn ^txt, aW jener mit feiner ©emal^Iin in 
bem üon 'ißreugen Befe^ten a)reÄen fel^r eingegogen lebte, auf bcn Umgang 
unb Sriefme^fel mit ^erfoncn feine« $offtaat« Bcf(i^rön!t. ®erabe gu ber 
3eit, aW SBindelmann jene l^erculanifd^cn 93riefe unb anbere ,,f(i^riftli^e 
Äuffage Don italienif(i^en ®a<i^en bie Ältertl^timer betreffenb", na^ 3)rcft>en 
fc^rieb, florb jener C><>fr<^tl^ {Snm 1758). Sianconi, üon bem er nod^ hirj 
JDorl^er gemeint, „l^elfen n?erbe er nid^t, aber er fönne f(!^aben" (29. 3anuar 
1758), Bcmül^te fiA mit ffirfolg, il^m biefc ©teüe gu ijerfd^affen, »enn au<^ 
erfl nad^ bem Stieben *). ©o fal^ SBinrfelmann in jenem ©ommer ba« (gnbe 
feiner tt)elfd^en jReifc in giemlid^er Wa^t unb nal^m jld^ cor, Otalien noc^ 
rec^t gu nü^en. „SKeine Umfiänbe befommen ein anbere« änfel^n. . . Diefe 
Hoffnung, bie man mir tjon Drcöbcn au« freimißig unb ol^ne mein ©uc^en 
gema<!^t l^at, oerSnbert mein gange« ©^fiem. . . S« fd^eint, bag id^ mBd^te 
balb gurüdgemfen n^erben". Aber jener grieben fd^icn nie fommen gu foHen. 
Sn« er ben Antrag be« Sarbinal ÄIBani erl^iclt, f(^icn afle Hoffnung auf 
©ad^fen gu (gnbe. „?ei^?gig, fd^rcibt er ben 29. ©e^Jtembcr 1759 an ©tofd^, 
fagt man, ifi f(^on n)ieber übergangen. 3d^ mug unb ttjiU mein geben in 
9iom befd^Iiefen: c« mag alfo gelten wie e« tt)ifl, td^ n>crbe mid^ freuen, 
n>enn e« gut iji, aber mi(^ nid^t tobt gramen, ttjenn e« übel fielet. ®ut 
fann e« nid^t tt)erben". Slllein in 3)re«ben xüccc man fe^r befrembet über 
biefe« (Engagement, unb er mu§te jld^ gegen ben Sommcrgienratl^ SBaltl^er 
red^tfertigen (22. ÜRai 1760): „3(^ ©erflc^ere ©ie aufrichtig, bafe i<^ mein 
Saterlanb allem @VXd in ber Seit l^ätte t)orgie]^en moKen, unb anif mit 
mttnblid^em Unterrid^t mid^ aßen unb jcbem ol^ne (gntgelb ^tte aufopfern 
njoüen. . . Aber id^ tonnte nid^t nod^ einige 3a]^re auf bcn Irofl 3frael« 
nwirten, tt>ic mir angebeutet toorbcn, unb id^ totirbe mit bem l^eruntergefefeten 
®e^lt ber mir gugebad^ten ©teile in ber Wefibeng feine gro^e gigur ^ben 
mad^en Bnnen". (8r red^net inbe§ barauf, für alle gStte, toenn il^n 9iom 
im ©tid^e laffc, in 2)rc«ben „bie Hoffnung feiner jRul^e fidler gu l^aben", 
lAcr n)enigficn« feine ^enflon. „Da e« fi^einen fönnte, ba§ e« eine ^rfon. 



'*') Stanconi \d^vdlt an feinen trüber SD'hd^U ben 23. 3um: Spero cbe far6 ayere 

la roa [9hd^ter] oarica a W . . . di oi6 non yi mostrate inteso oon esso, benoh^ pm- 
dentemente non potsa dnbitare dell' eaito. Unb ben 24. 3nli: State certo (na detto 
fira noi) ehe W, Kvrk il posto di Biehter, ed io ne larö la sola oagione; ma quetta 
installaiione non «i farä che alla pace. Intanto badi egli a studiare, e non ri dnbiti 
di Ternna oo8a.i 



ioeld^c ma^ttg ifl" (^cincrfcn, bet aBcr batb botauf pürjtc) ,,ntd^t gern feigen 
tn8<^tc, bag man mir fünftig bic mir Bcflimmtc ©teile etnc§ Kniglic^cn ^of:: 
ratl^ö unb Antiquar« in ICrcÄen gcBc, fo toitb man mi(^ icenig^en« mit 
einer l^inlänglic^cn 'IJcnfion gufrieben fleHen muffen, unb altt)ann xdxÜ i<^ 
mein geben in JRul^c ffitr-it^liz^tn/^ -^ 

3cftt !amen aber no<!^ anbcrc Cinlabungen au« bem 9?0Tben. ©ogar 
,,ein 838in! au« Äo^>enl^a8en" !am; So^)enl^aflen aber rcigte tl^n nic^t; e« ,,n)ttrbe 
mid^ »on ber übrigen SBclt abfd^neiben". Sfufregcnber njar ein ©(^reiben 
au« 39raunfd^n)eig. 39raunf(^n>eig lag feinem 3ugcnblanb nal^e; eine 
bemtitl^igenbe ©cene au« ber bunflcn ^txt l^atte in feiner Crinncrung eine 
tiefe ©^>ur jurürfgelaffen , aud^ ht^oXb tt)ürbe eine Slttrffel^r in d^rcnöoH^ 
einflußreicher ^offieöung ni^t ol^ne 8teij getoefcn fein. Der $of Sari I 
(1735 t 1780) in ©raunf(^n)eig erinnerte burd^ Kniglid^e ^rad^t, burd^ bie 
»eifere fiünfllcrcolonie unb felbft burd^ bie ÜKätreffen unb bie ÄU^^mic an 
ben $)of äuguft II. I^er ^crgog, ein feingcbilbeter, gutmütl^iger, aber Itxä^U 
finniger unb t)erf(i^n)enbcrifd^cr ^txx, liebte unb tcrflanb bic fd^önen ftttnfle; 
er grtinbetc ba« SKüfcum unb bie italienifd^c fDptt unter Leitung SWccolin?« 
unb ba« frangöftfAc ®attet. Der ©el^eimratl^ »on gcroncc, ber ^pottx (feit 
1773) bie redete $)anb be« (grbpringen unb SWitrcgcnten iüar, al« biefer bie 
burd^ feine« SJatcr« SBirtl^fi^aft bem SJanferott nal^gebrad^ten ginanjen be« 
Äeinen ©taat« mit ßrfolg ju reorganifiren untemal^m, tt)ar fd^on bamal« 
eine einflußreid^c ^erfon can $of; ibn l^atte ©tof<i^ bei feinem ©efud^ in 
S9raunf(^n)eig fftr SBJindfcImann ju interefftren gcnjugt; in einem Srief t>om 
2. 9Wai 1761 banft il^m biefer „für bie gute ÜReinung gegen il^n, unb bcffcn 
Semtil^ung einem cl^rlid^cn 9Ranne bcl^ülflic^ ju fein". (8« ftnben fid^ in 
^ri« tjerfd^icbene (gnttt)ttrfe gu ©riefen an geronce, benen jufolge man üer= 
langt ^ttc, SBinrfelmann fotte birect an ben ^erjog fd^reibcn, il^m feine 
2)ienPc anbieten unb erflären, »elc^e Sefd^Sftigung er übemel^men !9nne. 
SBindfelmann cm)iberte, ,,baf er totifjl annel^men, nic^t aber »erlangen Mnne : 
benn biefe« toSre tüibcr bic ©d^ulbigfeit unb Danfbarfeit (gegen ©ad^fcn) gcs 
l^anbdt, jene« aber flcl^c in feiner ©ctüalt". Cr öerl^cl^tt nid^t, ba§ il^m ber 
Sl^urf^riu} bi« je^t nur expressions vagnes de grace et de protection 
gemad^t ^be. Cr erbietet fid^ (6. 3uni 1761) ben (Crb=)$rinjcn, „n>enn 
er fönte nac^ dtalien gelten tDotlen, burc^ Unterrid^t gugubereiten gum ttxäfxtn 
SerflSnbniß be« @rttnblic^en in ben Wtertl^ttmem unb in ber ftunß, in Sorm 
9on ©enbfd^retben, entn)eber im 3)cutfd^cn ober dtaltenifd^en , unb biefe« rid^tig 
aOc SBod^e. . . SBir Wnnten auf biefe Art greunbe »erben, benn e« binbet 
nid^t« mel^r, al« Sl^nltd^e Steigungen". 

lieber bie Seifhtngen, bie mon oon il^m emKirten tBnne, brftdt er fld^ 
folgenbermaßen au«. Quant anx Borvices que la cour . . . pent attendre 



10 ^todtt» 9tt4. L ^SM aH^ttf<!^ tntiquanat. 

de moiy je n'en saurois rien dire : ou que Voiu me prenes pour lettre, 
OH pour savant dans litt^rature grecqae, ou pour antiquaire^ oa pour 
grand connoisseur en la peinture et en la Bculpture et en arehitecture^ 
8i je poM^doiB toutes ces qnalit^s en un degr^ Eminent, la cour se 
ponvoit toat an plus vanter d'avoir nne peraonne distingn^ et nnique 
dans 80D genre. Mais cela ne rend aacune atilit^ reelle k T^tat, et 
Taiitiqaaire ou le garde de cabinet du prince est un homme dont on 
peilt bleu se pasBer, — Mais je poarrois 6tre utile ind^pendamment de 
la Charge, en formant dans la jennesae le bon goüt du vrai et du beau 
dans les beaux-arts, et c'est un talent qu' on ne peut acqu^rir au-deU 
des monts .... Apr^ tant d'ann^es que j'ai mises k perfectionner 
rhistoire de Tart, ... et apr^s toutes les recherches que j'ai fait dans 
let beaux-arts, je tiens avee Socrate, qu'ii est plus noble de tracer les 
oennoiflsan^es qui embellissent et ä^vent Tesprit dans Tame des hommes 
que sur la carte. 

(Snblt(^ entf<i^Io^ et {td^ boc^, bett loerlangten 9rtcf an ben $)eriog }u 
fcj^reibcn. Aber burc^ ben in einem bet Schreiben geBraud^ten SKamen „Lan- 
grave" njar er »unberfic^er SBeife auf bie SWcinung getemmen, bie ©nlobung 
lomme öom ^ofe ju Saffel, unb er rid^tetc bie (noc^ auf ber boxtigen ®tabt^ 
biBIietl^f t>or^anbcne) S(ntn>ort t)om 13. duni 1761 an ben ^anbgrafen 
gtiebric^ 11 ü^n Reffen, biefem Surften bietet er feine !Eienfte an. — 

Den ©ortl^etl brod^te il^m biefe SJcrl^anblung, bog er nun ©ad^fen gcgen= 
über etnKtd anff^rud^^ooUer auftreten fonnte. Seit beut 3(nfang 1760 lebte 
ber ©^ur^rin} mit feinem ^of in SKttnd^en. Qx gab bcm ®rafen ^dter^ 
bärtig burd^ 3Reng^ t>on bem Sntrag ^iad^rid^t, ol^ne jebod^ iBraunfc^n>eig 
}tt nennen, ja er ,,lie§ ed in Qayd^tl, ob e§ üicfleid^t gar ber Äönig »on 
beugen fein miM^te'^ forbemb, ba^ er im ^aü einer tlnfieUung oon feinem 
SWenft^en, ÜRiuifier ober rotx berfclbe fei, fonbern aüein t>on @. ^ol^cit 
eigenem Sefel^l abl^änge unb benfelben unmittelbar erhalte. Der @raf flarb, 
el^e ber ©rief an!am, am 3. duü 1761; ber S]^ur<)rinj erbrad^ il^n unb 
tl^t fofort einen entfd^ibenben ©d^ritt. ßr ernannte SBindtclmann jum Äuf= 
feiger feinet iDiufei unb }u feinem Xntiquariud, ol^ne Xb^ngigfeit ton demanb 
mit @enug aQer bamit üertntt))ften (E^ren unb Sortl^eile. Sd marb i^m 
freigefie&t eine anbere Prüfung angunel^men, toenn il^n bie 3lotif br&nge, 
mit ber ^9ebingung, an feinen $of }urtt(^u!ommen, menn er gerufen toerbe ; 
fi^ßeglid^ lieg er il^m fd^reiben, — „ba| er fld^ bemüi^en n^rbe, bag id^ 
{ütnftig mit 9krgnügen an feinem $ofe flel^en foQe'^ 

Xud^ erfud^tc er il^n jenen antiquarift^en Sriefmed^fel fortjufe^en, unb 
an 9iancont )tt abreffiren. 

Xnfangd mar unfer ^eunb etmad aufgeregt: „nunmehr bin i(^ oud^ 



§ 91. 2>te9bai rnib 8raunf(^U)dg. 11 

lein 2Bt{(^ mel^T unb tt)erbe Hinfttg $ert ^ofratl^ feigen, n)te mein Sor= 
gfinger, menn td^ mtll'^ 

äB&re äßindelmanit biefem Kufe gefolgt, fo toUtbe er in bie 9la^t einer 
2)ame gelommen fein, beten Xel^nlic^Ieit er nad^ bent eigenen 93elenntnig ton 
dtolienetn jenfeitö ber ^Sfycn t)ergeBen^ gefu(^t l^ätte, unb bcvcn 3)ienfl unb 
Umg(mg für manc^n aUe ^errlid^Ieit ber äußeren £)inge im 3ttben in 
@€^tten gefleHt l^aben tDürbe. @ie lannte il^n Bereitö au^ feinen l^ercula^ 
m\iftn ^efen, bie mit für fie 6efiinnnt nxtren : benn ed ift bie 6]^urf>rin)effln, 
äRarie Antonie, eine ba^rifcj^c ^JJrinjcf jtn, eine ber Bebeutenbften unb intereffan= 
tcpen prfHnnen be« dol^rl^unbert« (geb. 1724, »ermal^lt 1747 t 1780). 
VIgarotti in feinen Sriefen an ben ^ate ^}kidquini ju ®iena fann !aum 
SBorte ber 93emunberung ftnben für eine beutfd^e ^njeffin, bie italienifd^ 
$erfe mod^t, mit bencn leine Serfe italienifd^er SürJHnnen ben SBerglei^ 
itiiSffoXXta ; fte ifl crfd^ienen um )u )eigen, bag auc^ unf ere Qtxt i^xt Sittoria 
(Solonna, il^re @am%ara l^at, eine !£od^ter ^oQo'd, bie bem $ama^ mel^r 
(Sffxt mad^t aM oUe neun äRufen jufammen. @ie n>ar ed, t}on ber ^riebtid^ 
ber @ro^ fc^rieB (7. Oanuar 1766): Je ne vois qu' une per^oone en Saxe 
k la quelle j'ai vou^ mon admiration, 11 n' y a que Vous, madame, 
tont le reste ne m'est rien. $on '^crfon )n)ar mar fte aUcrbingd nic^t 
gerabe burtj^ 9tei}e bed ®ef(^Ied^td audgejeid^net, „bie größte unb robuflefie 
2)ame in Sirenen", männlich in il^ren ®en)o]^nl^eiten unb Srl^olungcn, »er^ 
tt)cgcn Biß jur ©tourberic, fobaß fte nur burc^ fict« »iebcrl^olte SBunber 
fc^n)eren SJcrlc^ungen unb bem lobe ju entgelten fd^icn. Aber flc BejauBerte 
burd^ bie 8cBl^aftig!cit unb ben Ocif! il;rcr Untcrl^altung; fte ztmaxi ftd^ bie 
SJen)unberung ber Änfi)ru(!^t)ottpcn , ben Sntl^uftaömu« ber Sritifd^eflcn burd^ 
il^e lünfllerifc^en Seiflungen; ein augerorbentlic^d, fafl aOfeitiged Xalent 
l^tte fie in ber @(^ule ber erßen 3Reifter, eined ®carlatti unb ^offe, unb 
burd^ i^e (Energie meit über bod ÜRaag be^ 3)ilettanti^mu!8*]^inattd attd= 
gebiteet. @ie fang mit einer )n>ar fc^n^od^en, aber DoUIommnen unb im 
®til ber beften 3^^^ au§gebilbeten Stimme; fk bid^tete unb conq>onirte 
Oratorien, (Siantaten unb ^mei D))em, Xalefhid bie 9(maionenI3nigin unb 
ben Trionfo della fedeltä, toorüber ü^r ^ebric^ fd^rieb, bag fie aUein 
SBerfe JU liefern im @tanbe fei, bie ^af[e unb SKetaflafto nur in ®efell= 
fd^aft 2U geben üermöd^ten. 9Id ber ftönig il^r einfi bon einem neuen S&nger 
feiner Oper, Soncialini fc^rieb unb beffen bei dtaßenem feltene, gute Vction 
lobte, lonnte fie il^m ermibem, bag er il^re @d^nle in jenem Sünfiler gelobt 
l^be, ba fie il^n gebilbet. @ie malte auc^ in ^eU, ). 9. il^r eigne« Silb, 
itnb bie 9teorganifation ber Slcabemie ber bilbenben fiünfle fSdt fti bie B^ilf 
xm> fie bie Senooltung, ba« Sinonjmefen unb bie Serl^aiiUungen mit ben 
(mto&rtigen ^5fen leitete. — 



12 3^^^ ^^4* ^* '^^^ a))ofiolif<l^ Antiquariat. 

$ot bcr ^anb trat \^oä^ in ffiindclmannö Sage feine äcnberung ein. 
,^!Da bic ®tcDc nid^t unter brei 3al^ren, nac^ gefc^loffeneni ^rieben, Befcftt 
merbeu n)irb, unb aud^ jene äbfi<i^ten welletc^t auf entfernte ^titai gel^en^ 
fo fönnte welleic^t beibe« ju f^)at fein, benii man fuc^t mi(!^ l^ier ju Bel^altcn'^ 
(15. äugufl). Unb im SJotemkr lautet efi noc^ l^erabgeftimmtcr: ^^Untet^ 
beffen fel^e i&i ein, ba§ e« 3^^^^ gebraucht, el^e man üBerflttffige ?eute mit Sofien 
fommen lägt, tt)ir feigen aud^ nod^ bem £ricg fein Snbe, unb ed al^nt mit, 
id^ werbe in 9iom mein ?eben Ämmerlidfr aber jufrieben befciliegen". SBitf= 
li(j^ tüar e6 biefer ÜRoment ber Sfetarbation, n>o bie ©etegen^eit ju einer 
öffentlid^en änfteflung in 9tom eintrat unb ergriffen »arb. — 

!I)iefen (ginkbungen gegenüber fc^eint eine furg borauf »al^rfc^einlid^ 
burc^ ben ®rafen girmian gefommene Offerte au^ SGBien wenig 9?eij fttr 
il^n gel^abt ju l^aben. 3ene rtil^mlic^c Anzeige ber !tefcri^>tion im Journal 
dtranger l^atte au4 bort auf -il^n ,,aufmer!fam gemacht'', unb cö njurbe il^m 
,,t>on weitem ein Antrag gemad^t, auf ttjelc^en er feine Sebingungen gab". 
3)icfer Antrag Um oon bem ^>ra(^tliebenben (£rjbif(f|of (feit 1757)5IRigajjt 
(einem «alteüiner, geb. 1714), ber «om att «ubitor ber^ota (1746-51) 
fennen gelernt l^atte, unb \pattx al6 ©efanbter in 5Kabrib ben Iractat oon 
Äranjuej mit bem f^Ktnifc^en unb farbinifc^en ^of abfc^log (1752). 5ünf= 
l^unbert ©ulben oöflig freie« ©cl^alt foüte er l^abcn, wenn er jur ©efeUfcJ^ftft 
gu il^m gelten Wolle. Cr lel^nte ab unb fd^rieb ^irmian feine ©rtinbe. 

§ 92. 
$of unb fiird^e unter ßlemen« XIII. 

SBet bie (Sl^ronologie t>ergcffen ^tte unb oon SBindelmann in 9lom, 
oon ben '^abflen be« Sal^rl^unbertö ber ÄufHärung unb t)on jenem att 
ai)Dflolif<^em Beamten läfe, bem würben fogleid^ bie einfi l^ocj^gefeierten 
9tamen ber l^umancn 'Ißäbfle, ber ?ambcrtini, ©anganeUi, 3Jra«(^i beifaDen. 
aber bie bigarre 3"fö^^I^""^ ^^^ ^^ fl^fögt, ba| e« gerabe bie bunfelfle 
3eit ^)äbfHi<!^er "politi! war, bie 3al^re beö troftigen bef^)eraten ÄanH)fe« mit 
ben Äronen um eine bem Untergang geweil^te ©od^e — bie Oal^re Cle« 
men« XIII, wo bem ©rünber ber ärd^äologie oom l^iligen ©tul^l Änet^ 
lennungen mancher Hxt gu Sl^eil würben. 

Die weltl^iflorifd^en Sänq^fe, weld^e ben dnl^tt oütß beffen bilben, wo^ 
bomaW au« 8tom unb über Äom gcfci^rieben würbe, finb ber ^intergtunb, 
auf bem pd^ bie fd^riftfhllerifd^ fo frud^tbaren legten gel^n Oal^rc unfere« 
Sanb^manh« in ber l^ciligen <£tabt bewegten. Sr oetmieb e« fU^ um biefe 
ftSnq^fe gu beffimmem unb b<mon gu fd^retben, tl^eil« ou« ®leid^gültt^tt, 
tl^ciW weil er feit 1760 bem ^ofc befi 5Rej>oten unb bem ^bfl fettfl n%T= 



f 92. .$>of unb Stixdtt unter (Skmtn9 XIII. 13 

gelommen toax) feitbem mugte [eine 2>pxaiit in biefen Dingen jene 3u^<''' 
Haltung Beol^ad^ten, bie auf fo f(I^Iü)>frigem Sobcn 6ei jebem t>on \tXbft flt!^ 
einflcHt. 

Slemcn^ XIII l^atte einen guten Äo^)f für ®cf(^fte, unb im SJerfel^r 
bie inflnuanten gormen beö 8ettcjianer«. 6r mn ein DortreffUc^er öif<i^of, 
aBer lein ^alft, unb er toufete e§. 3]^u brüclte außer ängfttid^er grömmig= 
leit eine fo bemtttl^ige ^Sefd^eibenl^eit, ein fo tiefet SRigtrauen in fu!^ ]ttb% 
bag er Dorau^BefHmmt toar, toit 99enebict XIII, fammt ®taat unb ^rc^e 
einem l^errfc^füd^tigen SDlinifler in bie ^dnbe }u fallen. Diefcn fanb er benn 
aud^ naäi Src^tnto'd Xob in bem Florentiner Xorrigiani. (Sin l^artnadiger, 
luftiger, gett>aUt]^atigcr ÜRann, feroce wie Sonifaj VIII nennt il^n Slanucci, 
ol^ne beffen ©elel^rfamfeit, fo raul^ unb grob, toie ber ißabfl gtttig unb ^öffic^ 
mar; ber balb in allen 3^^^0^^ felfefll^errifd^ n>altete unb bem t)er}agten, 
ungemiffen ®eifl beö i$aBfled fic^ uncntbel^rKd^ machte. (Er ttberjeugte ben 
(SarbinaIne)>oten, bag er ftc^ bur(!^ Set^eiligung an ben ©efc^äften in biefen 
\dfmtxm ^txü&vi\ttn ben $a§ ber @tabt, ber (Sarbin&Ie, ber $öfe jujiel^en 
n)erbe unb no<^ grögered Unl^eil Beim ITbleBcn be9 Dl^eim^, bag er i^m 
bal^er bie Saß biefer odiositä abtreten miiffe, bie er aud Siebe }u 9teffe unb 
Dnfel gern fu^ aufbürben wolle, ©clbfl (Sarbinalc unb (Scfanbte litten 
unter feinen 3otnau«brtt(!&en, bie er Offenl^eit nannte; ein (Sefanbter fagte, 
er befel^Ie pd^ bor jebcr Äubienj @ott, bag er il^n mit Sangmutl^ »affne, 
um alle feine 3nn)ertinenjen rul^ig l^injunel^men. 3m Saläre 1767 crfuc^ten 
fSmmtUd^e (Sefanbte ben Staat^feaet&r um Seflfe^ung beflimmter ®tunbeu 
für %ubien}en, n>eil fle ed mttbe nKtren, Stunben lang in Xorrigiani'6 Sinter 
camera 3U ft^en; er f(!^Iug eö ab, unb fo fiteHten fle il^r (Srfd^einen im 
^lafl ein. 

aber Siemens XIII unb fein ÜWinifler roaren benimmt, bie antijefui= 
tifd^ Stimmung ber fatl^olifc^n SBelt }u reigen unb bid ju bem ®rab }U 
erbittern, ber erret(j^t werben rnnj^tt, um bie Xufl^ebung bed Drbend }u 
nnigen. Skmen^ XIII, fc^reibt Sianconi, l^at in n)enigen Oal^ren aQe^ ba9 
Xnfel^en berloren, totH^z^ feine Sorganger dal^rl^unberte bon Arbeit unb 
^oVxtit gelofict l^atte. 

3)ie grcigeifterei erl^ob il^r $au^>t l^öl^er benn je. 3)amatt unterjeid^s 
netc SJoItaire feine 9Jriefe l^äufiger mit ben 335ortcn Ecr. ünf. Auf einen 
unb bcnfelbcn lag, ben 3. @e^)tember 1759, fiel bie SJerbammung ber 
(Snc^cIo^Sbie unb bie Serbannung ber defuiten aud 'ißortugal. %m 17. 9))ril 
1761 reichte ber Abbe Sl^aubettn beim "ßarifcr 'IJarlament bie crfle Änftage 
gegen bie (Souflitution ber ©efettfc^aft 3efu ein, aW ber guten Drbnung unb 
3ucl^t ber Äird^e unb ben aWajtmcn bc« Äönigreit^« entgegen, «m 3. ®c^>= 
tember 1762 antwortete ber "ßabfl mit bem erficn 8ret)c an bie franjöflfc^cn 



14 ävmtt» fdvOf. I. 3)06 a)M)^ttf(i^ Xntiqnamt. 

6<ttbin&Ie ju (Shtnflett ber defniten, bte er fttt ben ber ^xäft riSäfiiil/fkn 
JDiben od^tete, nnb erflSrte im gel^uncn Sonflfiorio btc Sefc^Iüffe M "^ßad/o^ 
mentd fih; nuQ unb nid^tig. 

,;6i)n bett $SnbeIn, fo fd^teibt lIBincfelmann 1760, txntß finbif(6en 
^^e^ tmb tl^drtd^tcT ^rtefier tntt mutigeren unb gefc^etteren oM fie ftnb, 
glauBe td^, imrb dienen iDenig gcbient [etit, td^ toilrbe btefelBen auc^ entmebcr 
öcrW^rt ober nur l^oltoal^r fd^reibcn 3)«« ipfoftltrei^ nSHert M 

fcbian StiQ nA Untcrgmig »f olIeR @eiteii^ unb man Bef&rd^tct 

fd^n l^ier, baf bod $au9 Oeflerreic^, toenn cd foQte t^ebcn Bebmmen, bem 
^Bfte ^enara nel^men n)erbe; ja bie SarbtnSle felBfi )>ro)>l^eieten, bag in 
breiig darren ber ^Bfi nid^d mel^r au^cr ben %ingmaucm Don 9tom 
»etbe gtt fagen l^aBen"*). Ä6cr fold^e 3)ingc flcrten eincd langfamcn S4>bcd. 
@o feigen n)ir oft 9Renfd^n, benen feit dal^ren bad 2:obedgift in ollen Ge^ 
fo§en (reiß, mit ber IDouerl^oftigfeit einer äRumie ber @nobe ber Sufßfung 
miberfhekn unb am f^Ift^frigen @aum bed il^nen löngft gal^ncnben ®c^Iunb^ 
fld^ fefMammem, in ben ringsum bie SeBen^oQen unb £c6entoitrbigen l^inoB 
gleiten. ,,S)er '^ifi, f(^rieb ^tiebrid^ ber ©roße an b'aiemBert, lommt mir 
oor toie ein alter @eiltanjer, qai voulant refaire les tours de sa jeaneBse 
se casse le cou. ©Ictd^njie 9tom, fo l^offte STonucci (1761), mit feinem 
©d^ottcn üon SBiffen unb mit ber Ognoronj ber Sol^rl^unberte einft feinen 
SBunberBou oufgerid^tct l^t, fo njirb bcrfcftige ju ®runb gelten burd^ bie 
Untoijfenl^eit ber Äird^c unb burd^ bie SBiffenfd^ft ber SSBettlic^en, »eil 
unnmqnidque dissolvitar eodem modo quo colligatum est. Unb f^ottcnb 
em>ibert il^m ber %6ate ©olioni: & xft ba§ ^rioileg 9tomd ^ für bie 
emige @tabt }u Italien. Z)ad alte l^otte bie ^[ugurien bed @otted jlerminud 
unb ber ©öttin ^ottuno, ba« neue l^ot bie Pforten ber $öfle auf bie e* 
fel^r baut; ®eI6fbertrauen ifi ja bie innerfle Dualität oUer ungcfd^idtten 
(inetti) J^en. 

Die ®ett?iffenl^aftig!eit beö ^bfte« griff fogor in bie Vergnügungen ber 
9t8mer ein, an benen boc^ bie gonge SäJcIt, menigficn« bie rcifcnbe, fel6fi bic 
fegerifd^, ein 3ntereffe l^ot. 6r »erbot bie öffentlid^en SoHe beim Someoal, 
ber gong melond^olifc^ »urbe; unb bie 9tömcr l^ötten nun fofi gcmttnfd^t, 
ba§ ber alte ^rof^>cro, ber ©^^äfee fo gut mod^te mic oerflonb, boc^ bie 3a]^re 
be« l^eiligcn ^ter« erreid^t l^ätte. 3m Saläre 1762 fc^te JRom, 3tafien unb 
bie (otl^olifd^e SBelt bie t^oge in äufregung, ob ber Someoal am SRontog 
gefd^loffen n)crben mftjfe, bo auf ben Dienfiog bie SJigilie bcß 8|)oftete 



*) La machina, amico, va in roTina (io parlo di quella de' preti), in oinquant' 
anni non vi yarä föne nh p&pa^ ne prete. La fennentaxione h amvata all* orlo deUa 
pila, che boUa a scroecio (per parlar toaoano), e Roma diventerä an deserto. 26. %t* 

bruor 1768. 



§ 92. 4>of imt tiT<l^ imter (Slemen« XIII. 15 

aKatt^to« fiel. S)et 1^. a))oßel aRattl^tad l^at ]^au)>tf&i^ltcl^ baburc^ in bie 
ftir^cnge^ij^ic^tc eingegriffen, ba§ fein Skxg fld^ öfter« flörcnb in ben ©c^luft 
be« Same)[>al« legte. Senebict XIV pflegte ben (Srfa^oftel ol^ne UmflSnbe 
in bie gaflcn ju öerfe^en; unb mn biefen 3>if^)en6 Bat jc^t ber ftönig bon 
l^iffKinien, ber am (e^ten Sag be« (Sametal ein ))ra(^t)}oQed ^offefl }u geBen 
pflegte, unb ber (5rjBif(^of toon 5Reai>eI, ber einen «geitten fanbte, toeil er 
fh^ t)or beut fttfeen ^öBel t)on 9'Jea<>cI fürchtete. I»er Corbinal ©^jinetti unter= 
füllte bafi @efud^; ber ^bjt berief bie fiongregaäon be« l^eißgcn Ufflj, 
auf beffcn einmtttl^ige« 3^^*^" (®* ** Brüte?) er geneigt fci^ien, noiä^ju^ 
gelkn; al« aber ber Vgent bei bent (Satbinalnepoten bie Sntfd^etbung (A» 
^tltt, flanb am 9{anb bed WltmmM, non si concede. 

Damit l^ingen benn aud^ einige Reformen jufammen, todi^t bie alten 
®8tter moraßflren foDten. ,,I)tefe SBoü^e (gebruar 1760) »irb man bem 
WpMo, bem ISaocoon unb ben übrigen Statuen im ÜBefoebere ein S3Ie^ t>ox= 
]^&ngen, »ermittelfl eine« Dral^t« um bie f)ftfte; »ermutl^Itd^ tt)irb e« aud^ 
an bie Statuen im Sampiboglio lommen. (Sine efetemägigere 9tegierung 
ifl !aum in 8?om gewefen, »ie bie je^ige ift. . . SSouc^arb fängt an 
mit Seinioanb ju l^anbe(n, tt>eil je^o, ba bie S^umml^eit unb bie efett^ 
mäßige ginfalt auf bem Jl^rone fi^t, fein 9»enf<^ »ttt^er fauft''*). Cr 
»ottte bamatt cttca« auffegen „üon ben ©c^idfalen ber 333erfe be« SHtertl^um« 
JU unfern ^tittn/* 

Der einfi fo furchtbare Orben njar je^t in ber SSJal^l eine« D^jfer« gur 
W)xt ®otte« auf 9iom Befd^ranft, unb mugte mit einem armen Suc^l^anbler 
üorlicb ncl^men. (S« n>ar SQBindelmann« greunb ^agliarini, ber ein anti= 
jefuitifd^e« $a«qui(I I Inpi smascherati gebrudft l^atte, bod^ ni^t in feiner 
Dfpcin, fonbem Beim ^jortugiefifd^en ©efanbten Ätmaba, beffen Ärd^ioar er 
nxir; aud^ follte er au«Knbifd^e !I)ru(!fad^en gegen ben Orben »erfc^rieBen 
^Ben. S^orrigiani lie^ il^n in« ©efSngniß n)erfen unb feine Drudferei 
ft^ficßen. 

,,9Wan l^at il^n, fc^reiBt aBtndfclmann ben 3. Januar 1761, geBunben 
au« feinem ^aufe gefül^rt, ba er !aum t>on einer gefäl^rlid^en Äranf^eit fid^ 
in etwa« erl^olt l^atte, unb er fl^t fd^on einen SKonat, ol^nc jcmanben feigen 
nw^ f^>rc(!^cn ju fönncn. 9Kan fann nid^t l^inter bie SBal^rl^cit fommcn; er 



*) Li arvanzi dell' arte statuaria antica corrono ora piü che mai risico d'essere 
trattati col zelo di S. Gregorio e di Adriano sesto. S. S. h fatto ricuoprire con 
grembiali dipinti tutta la parte nobile de' putti e angiolini di Giro Fcrri e di Maratta 
nel palazzo, e le statae nel Belvedere, TApollo e Laoeoonte etc. restano comeAdamo 
di Alberto Durero colla foglia di latta appesa. non ostante che la Sua Scrupuloaitä 
non le yedrä mai. Non h poco che non le abbia^ fatte castrare all' uso di serraglio 
del Gran Tnroo. II Si|r. Card. Albani tI ri confonna in tanto che non fa rimettere 
i ootali tronoati alle statne che £a ristaurare, ma senza coglioni non le Tuole. Sßindkl« 

mann an SBionconi 1. ^t. 17&8. 



16 



SiPHiM 8u(^. I. ^cA o^oftotifc!^ Antiquariat 



»ot mein i^eunb, unb ic^ nel^me unenbUc^ Dtel Hntl^eil an feinem UngUict^^ 
Der defuitengeneral verlangte, bag ^gliarini ncnif ben alten ®efe^n 9tomd 
gerichtet n>erbe, toeU^e auf ben 3)ru(t t^on Satiren bie ®aleren fe^en. & 
tourbe Befc^loffen, jebenfaM bie ©enteng ju öerl^ängen, um i^n mit ber 3n= 
fomie ber ©träfe gu 16ranbmarfen. 3m Stoüember tourbc er toirflid^ gu flefcen 
3a]^rett ©aleren »erbammt, ,7tt)el<i^e« fo gut ifl ate ber Xot), in ber töbtlic^n 
?uft am WUttx, aWan glauBt aber, er »erbe üom ^bfle ®nabe erl^alten. 
®ott laffe leinen SRenfc^en in ber unbarml^ergigen ')$riefier $Snbe geratl^n! 
Genus implacabile yatnm!'' Xanucci bat für il^n bei 2j)rrigtani. Die 
©träfe tourbe nad^ getanem t^ugfaU t)Dm ']$aBfte aufgel^oben. (Sr l^atte 
mer äOtonben unter ©troU^en im Werfer gefiedt. Zanucci tok^ ben Sarbinal 
Orftni an, i^n mit aKem 9}ötl^igen oerfel^en noc^ 9!ea)>el gu BefSrbcrn; 
^ntg Sari too\it i^m aUe^ erfe^en. Der ©efanbte ^ortugaK tl^eilte il^m 
bort mit, bag il^n fein ftönig gum :|>ortugiefif(i^en Sbelmann unb Segattond^: 
fecretär mit lebenslänglicher ^^nflon gemad^t l^abe, auger ©(!^abenerfa$ 
unb einer ©umme fttr (Squi^ge unb Dtenerfc^aft. Damals fagte man, 
„©ourBoncnl^ag unb feine Vergebung" fei ber 3efuiten elftem @ebot; laut 
unb l^eftig erfc^oQ t)on allen fünften ber !at]^olif(i^en äßelt gum Satican ber 
9tuf naii 'if)xtx Vernichtung.*) 



§ 93. 

"iPaffiouei'« gnbe. 

Unb »äl^renb ber ®eneral 9ticci folc^ergeflalt in 9tom tobte, ma« machte 
unfer alter greunb ^fflonci? oon bcm man ftd^ guflttfierte, bag er ber 
äutor ber entlarvten SaSHfc fei; ber fammtlid^c antijefuitifc^e ©atiren unb 
tuipfer aufhob unb ber bie 98ulle il^rcr Unterbrftiung — feinen catonifd^en 
9fefratn — flet« im ®ret)ier mit fic^ fttt;reu fottte? «c^! gu feiner ^üi 
ttKtr il^re Stunbe nod^ nic^t gcfommen. — 



*) 3m 3al^re 1760 circutirte in Äom eine „0cqucnj'', in ber bcm ^bfl tjor« 
gel^olten toirb: 

Dl tal razza la somenta Chö se indog^ oh Dio ch' aspetto! 

Esser deve affafto spenta: Ch^ verran flno al tuo letto 

Guai di novo, se fomcnta! — — A strapparti il cor dal petto. 



Non si prcnda sonnolenza, 
N^ idea falsa di clcmenza, 
Kemmen scrapol di coscienza. — 

Pon eon gente si eseortfbda 
Taa natia piet4 da banda 
E al supplizLo ormal la manda. - 



Son maligni, son possenti, 
£ forz' h che tu payenti 
Flnch^ affatto non sian spenti. 

Mai perdona a questa* gente 
Di reo cor, d' iniqua mente : 
Dei perciö ridurla a niente. 



§ 93. ^afrtoitei'd (Snbc 17 

äBtiufcImann toax feit ber SerBinbung mit Slbani^ filt beffen g^inb 
^fftonct galt, etnnid mit bcm $afc^a Don goffcmbtone audeinanbergelommen. 
Qx l^örte in gloteni, baß bicjcr „\zi)X emj>finblid^'' llkr ba« Sngagcmcnt 
fei: — ,,ic^ bin mir aber ber näc^flc, unb toitt nic^t aW ein ^cbant meine 
3eit verlieren!" am 23. Dctobcr 1759 befu(^tc er i^n nw^ einmal ,,in 
oder (Sile'' auf Samalboli, aß ouc^ noc^ mand^mal bei il^m. Slber feit 1760 
i^S ^^ ft<^ gurüd, angeblich ,,um nic^t glauben }u mad^en, baß ii) anbere 

nötl^ig l^abc; unb eö foß 5Kiemanb f«^ rül^men, baß id^ feit einigen 

äRonaten eine Sioccolata t)on 3emanb angenommen l^atte'^ 3m Sebruar 
1761 inbcß üerliert $affu)nei noc^ einmal einen fc^önen S)ante an il^n in 
golge einer ^tte, baß er bad martoreUifci^e Dintenfaß burc^ i$ragianm 
bebmmcn tvoQe. 

3u jener 3cit marb gegen einen ^atec^idmud (Exposition de la doctrine 
chrötienne) be^ $. äR^fengu^ aud 9eau)}aid t)on ben defuiteu beim l^eiligen 
@tu]^I &(age erl^oben unb eine Kongregation }u beffen Prüfung niebergefe^t. 
$afftonei nal^m fxd^ bcd nac!^ danfenidmu^ ried^enben Sud^ed mit belanntem 
©fer an, ald er aber \oiS) baß er übcrfiimmt »erben »ilrbc, »erließ er ben 
Ouirinal, um fern )}om $of im (£remo ju grollen. 93alb t)erna]^m er, baß 
ber ^abfl bem 3efuitcn gajjarini bie Anfertigung be^ Serbommungdbrete 
übertragen l^abe. (£r moQte ed nic^t glauben. 3lbcr am 15. <}um 1761 
erl^iclt er, fo ergäl^lt SKonftgnor ®aramj>i in einem Srief an Dlioicri oom 
17. 3uni, eine trodtene ämba^ciata, baö SSreöe ju unter jeic^nen, bei SJcr= 
meibung bed Unmidend Seiner $eiUgfeit (S. S. se ne sarebbe risentita). 
Qx 3ögerte einige Qdt} ba aber ba^ ^coe umgel^enb }uriUf folgen foDte, 
unb ber ffutfd^er unten UKirtcte, fo unterfd^rieb er, au^ gurc^t fein Sccre^ 
tariat ju ocrlieren. „Slbcr ben ganjen lag über baucrtc ein fo l^eftiger 
3orn, baß am nad^flen üRorgcn ein änfang Don 3lj)0}>lcjie fid^ jeigtc, er 
tt)eigcrte ftd^ einen 3lberlaß ju nehmen unb ocrlor am äbenb bie ®j>rac^c". 
2)ramatifd^er ifl-folgcnbcr SSerid^t. Site er mit bem Sarbinal Sciarra unb 
bem ^rinjen oon 'ißalcftrina an !£afel faß, crfd^ien ber Substitatus Brevium 
unb übergab ben %ct mit bem iBcfel^l }u unterfc^reiben. & traf il^n mie 
ein 3)onnerfd^lag ; er oerfanf in ein langet, töbtlid^ed @d^n)eigen; bann ful^r 
er auf unb ftürjte au« bem äi^iwer. S)er ©en^itc Salboriotti ging i^m 
nad^, — ein alter ^Jfaffe, ber aWad^t über il^n l^atte unb il^n l^erumguhricgcn 
au^gen^al^lt mar. Sr quälte il^n, bi« er nachgab. Der (Sarbinal ©canberbeg 
ergriff bie fjeber, unterjeid^nete ba« Srctje, ol^ne e« eine« Slidfe« gu »ttr= 
bigen, mit (Sd^luc^gen, unb fc^leuberte bie g^ber fort mit ben SEBorten : £* fatto 
della Santa Sede! S)a9 maren feine legten äBorte, üon franq>fi^aften 
3udungen n>arb er ergriffen, benen ein Schlag folgte: bie linle (Seite unb 
bie Sunfit ttHJren geläl^mt. ©eitbcm feierte nur in 3»ifc^enräumen ba« ©e^ 

3ttfli, XBintfednann. IL 2. 2 



18 3^ited ®u(^- L ^^ <ipoftcH\\i^ Sintiquariat. 

mugtfem kDtebet; et flarb am 5. dult unb liegt kgtaBen in feiner Sitular- 
tir(^ @. Semarbo in ben bioclejianifd^en iS^ermen. 

Sei ber Äunbc biefcd lobe^ mar SufccI unter ber beerbe be^ l^eiligcn 
dnigo, ,,ber l^eilige dgnasiu^, flttfterte man ftd^ Iä(i^elnb ju, l^t einen langen 
arm!" „Sn \^m, fd^reifct 8ami, gel^t eine groge Stufte ber ffial^rl^eit üer= 
loren". Um biefelk 3^^t flarBen noc^ jtoci anbere geleierte unb gemäßigte 
(Sarbinale unb ed l^ieg: toann mirb bie fird^e toieber Seute l^aBen n>ie Drfi, 
lamBurini, ^affionei? SBir l^offen nid^t flc ju erleben, üießeic^t erfl unfere 
fl>aten önfel. 

SJon *?affionci'5 83iBIiotl^eI fagte man anfangd, ber '^oBfl »olle fie 
teufen unb im JDuirinal jum öffcntlid^cn ®ebraud^ ftel^en laffcn. ffir »erbot 
etn>a^ barauö ju entfrcmben, bie Sorjlni*^ follten einige 2Ranufcrii>tc für f^ 
gerettet l^aben. „^if fcnne biefelbe beffer aU irgenb jemanb, fd^reibt 
SBincfelmann , unb eß »ürbe ein Serlufl fttr mid^ fein, wenn biefelbe au^er 
SHom ginge". iKit ber SJaticana ocrcinigt, märe pe freili(^ ,,fo gut att 
oergraben". '^Jaciaubi, ber gerabe ben Auftrag crl^altcn l^atte, eine neue 
ajibliotl^ef fttr ^arma ju fd^affen aW (Srfaft fttr bie nac^ 5Rea^)cl gegangene 
garnefifc^e, oerl^anbclte ebenfalls mit ben örben. ßnbli^ laufte fie ber 
äugufHnergeneral Saöque j unb t)ereinigte fie mit ber SSibliotl^ef bei ®. ÄgofKno,. 
bie oon il^rcm ©rttnber, bem Prälaten ängelo JRocca (1545 f 1620) 2lngelica 
l^eißt. Die f u^jferfiid^fammlung crttjarb ber Sarbinal ©ciarra fttr bie Äaiferin. 

SBindtclmann enH)fanb biefen lob afö „einen großen SJerlufi". ,,3d^ 
l^abe einen großen grcunb in il^m oerloren, unb $err Ufleri !ann bqeugen, 
»ie lieb er mic^ l^atte". aber älbani tourbe '^affionei*« 9?ad^folger an 
ber Saticana, unb bieg eröffnete feinem greunb ben S35eg ju ber ipäbfls 
liefen ®ibliot]^cf. 

§ 94. 
Der Sarbinal ®^>inclli. 

9tad^ ^fftonei'ß ©ingang l^icltcn bie Oefuiten fttr il^ren bcbeutcnbflen 
i$einb im l^eiligen SoUeg ben 9{ea)>olitaner dofe|>]^ ®)>ineQi; jebenfaKd mar 
er nun ber bebcutenbfle SarbinaL ffir begegnet un6 in SBindclmannÖ ©riefen 
erfi önbe 1762; aber bie ®cfanntfd^ft toar öiel älter. SSieBcic^t warb fie 
vermittelt burc^ ^ffionei, ber S^jincßi l^od^l^ielt (unb er toar mit feiner 
©oc^ac^tung fel^r f^xxrfam); «»ieKeic^t au(^ bürc^ $aciaubi. Diefer l^atte mit 
bem Sarbinal t^iele 3al^re jufammengelebt, ald fein ungertrennlic^er Segleiter 
auf ber SiDa in Sorre bei greco, in ben SSbem unb auf feinen amtlid^en 
Steifen im tönigreid^ unb im Äird^enflaat. 811« er nad^ $arma ging, »urbe 
SSinctelmann t)ielleic^t jum (Srfaft l^erangcgogen. ^ ®)>ineUi tvat e9 Se- 



§ 94. 3)er (Sarbinat epmetti. 1<> 

bütfnifc folc^e rül^rigc ©clcl^rte in feinet Ställe ju "SfaUn, er fanb citi Ser= 
gitüflen barin, fi(^ au^fttl^rlici^ t)on il^rcn gorftl^ungen (bie er oft felBfi anregte) 
erga^len ju laffen. ®o lub er im Oal^re 1757 ben Belannten (Strutologen 
$afferi ju flc^, inbem er iffm, bIo§ für ben ®cnu§ feiner Unterl^altung, 
^au«, lifd^, Sebienung, Saroff e unb JUeifeloflen anbot. Sartl^ölem^ re<!^= 
nete bie in (SpintUi'^ ©efeUfd^aft verbrachten ®tunben }u feinen angenel^mfien 
rflmifc^en Srinnerungen. 

^^Sierjel^n £age nad^ bent neuen dal^re, fc^reiBt SSSindelmann am 
1. 3anuar 1763, werbe id^ mit bem ^crm Sarbinal ®i>ineHi auf ebenfooiel 
Sage nad^ Oflia am SWcere in bcffen Si^tl^um gelten unb l^offe in @efett= 
f(^aft biefeö oemttnftigcn 9Kanne5, tocld^er mir nic^t n)eniger aU mein $err 
(ber il^m feinb ifl) tool^l toxU, vergnügt ju fein. (£r toiü bafelbfl auf meine 
Angaben graben laffen, unb meHeid^t bin id^ fo glüdlic^ et^ad ju ftnben^'. 
(£r lam am 1 6. }urüd( unb fc^rieb : „3d^ bin in Oflia bie jel^n STage be^ 6ar« 
neval, nebft ben $atre9 dacquier unb 2t ®ueur, mit bem Sarbind S^ineQt 
fel^r oergntigt getoefen. . . 3n ben 9luinen beö alten OfHa Iie§ id^ t)er= 
fd^icbene Serfud^c mit 92ad^rabungen machen, unb menn toir lünftiged dal^r 
»ieber bal^in lommen, fott bie Arbeit toicbcr vorgenommen ttjerben. . . . 3(^ 
l^abe eine« ber größten Sa^relief« in ber SBelt bafelbfl entbcdft, toeld^eß iu= 
gleid^ eine« ber flltenflen unb fc^önflen ifl: benn ed fleQt ben Sll^efeud vor, 
ttrie er bie ©d^ul^e unb ben Degen feine« Sater« finbet, in flcbcn fjiguren. 
3d^ l^abe e« für mein itaÜenifd^« 3Berf gcgeid^net". S)iefe« 9tclief lam in 
bie $illa Slbani. Dabei brad^te il^n }um jtveitenmale feine antiquarifd^e 
3icugicr in 2ebcn«gefal^r. „3d^ begab mic^ mit bloßen gü^en in eine ©rotte 
voE Sßaffer, üxn iffxt Sonfhuction genau }u unterfud^en; ba mir ba« SBaffer 
bi« an bie ^ie rcid^te, ging id^ mieber l^inau« unb }og mic^ ganj au«, 
dd^ begab mic^ nun noc^ einmal an meine Unterfuc^ung, al« ic^ aber in 
einen engen ®ang geriet)^, n^o ba« äBaffer l^dl^er tvar al« ic^ felbfl, fo löfc^te 
bie Sadtel im SBaffcr au«, unb nur mit vieler SRül^e tonnte mir ber auger^ 
^Ib ber ©rotte flel^enbe Scbiente toteber l^rau«]^elfen''. 9?o<^ f<>at erinnerte 
er fic^ gern ber hirgcn 3^^^ "^^ Umgang« mit biefem fonji nid^t eben xu= 
gSnglic^en SDlann, jener Zage, al« er unter ben SBenigen n^ar, „mit kveld^en 
er bie ?anblufi au^er 8tom geno^". 

dofe))]^ @))inelli flammte au« einer alten fübitdienifc^en 9[bel«familic, 

feine SRutter tvar eine dm))eriali, unb fein £)]^eim ber betannte Sarbinal 

3lo\tpi) aicnato 3mj>eriart, von bem bie große Säibüotl^ef biefe« 5Ramen« in 

9{om flammte. (Ein Setter von il^m ivor ber ^rinj von STarfla in 9iea^l, 

in beffen mit einem »uföxinb von 120,000 Ducaten gegrünbeter SKbliotl^f 

„bie SScrgolbungen mel^r al« bie ®ü(^er tofleten, unb gerabc ginien nid^t 

epflirten". 

2* 



20 3^tc9 8tt(^ L 2)a9 a^oflo(tf(^ 9(iitiquanat. 

$ört man t^on ben frttl^cren Ül^atcn btcfed ^r(!^enfütften, fo iDunbert 
man fu^, SBtncfelmann in feiner ©efeüfc^aft }u finben, n>cnn man nid^t gor 
an ber dbentitat be^ Brüffeler 97unttu9 unb be^ nca)>eIeT (ET}bif(^ofd mit 
bicfcm ,,t)cmünftigen SRann" jn)cifclt. 3)cnn feine Scrgangenl^eit mcc bie 
cine^ 3^^^^^- ^^ glanbcm »at er t^, ber ben krttl^mtcn Scml^arb »an 
&ptn n>egen Segiel^ungen };i bem tanfentftifc^en 93ifc^of t>on Utred^t t)on 
feinem Jfat^cber in iöxtytn 'otxtdtb, unb bie ännal^me ber Sufle Unigenitu^ 
atö Sebingung ber ©rt^eilung »on l^el^rflül^len ober ?ßfrünbcn burc^fe^te. ffir 
ettoirfte Bei ben ©eneraißaaten bie B^^^ff^i^S 3^cier a)>ofioIif<^er Sicore für 
bie SWiffionen in Selgien unb ^erjogenBufd^, unb l^efcte ben (S^urfürficn üon 
ber $fal} gegen ben $)eibelberger Satec^i^mud unb gegen feine reformirten 
Untcrtl^anen. Sllö ßrjBifc^of üon 9ica^)cl (feit 1734) »ar er fed^jcl^n 3a^re 
lang burd^ Stiftung t)on IBel^ranflalten, 9cabemien, Sifitationen eifrig t^tig 
fftr Silbung unb ^1x6)1 feinet Sleru« unb feiner S)iöcefanen. ätö ßuriofitat 
l^at bie ©efc^ic^te ber nea)>olitanifd^en ^irc^e Don il^m aufBen)a]^rt, bag er auc^ 
einmal gq>rebigt l^at, fel^r gel^atooll, unb ba er ol^ne UeBung »ar, nac^ 
mül^famem 3Äemoriren. Gr gaB bem ®^or ber 2Retro}>olitanIir(^c feine jcfeige 
Barorfe ©cflalt; bie in ber ©lorie fc^mcBenbe äffunta ifl t)on 33racci. 

©ipinelli erlangte großen Cinfluß am $ofe Sari III unb in golge baöon 

üiele geinbe. Die ä^i^^ii^Kiffc jttjifd^en bem l^eiligcn SJatft unb bem tatifo= 

uferen König in golge ber fipanifd^en SBcrBungcn üon 1737, ate ber Sarbi= 

nal 3lcquat)it>a mit aDen @^>aniem unb ^Neapolitanern 9iom »erlieg, ^tte 

@^>ineHi glüdTu^ Beigelegt. 9Kan f}>r«^ 1750 in 9iom t)on ber ©rünbung 

einer ^rimajia in ^twpd, aU oBerflen Slj)^>efll^of« für bie Sifd^öfc Beibcr 

©iciBen. Da Bereitete er fi^ burd^ einen unBefonnenen, natürlid^ »on 9iom 

au« eingegeBencn ©c^ritt feinen Sturj. ?angft mad^tc il^m ber »od^fenbc Un= 

glauBe ©orgen; er angfligte ben Äönig mit ßr^äl^lungen tjon ben mUn 

taufenb Ätl^cipen unb no(^ mel^r Äe^crn, ,bie in ^Neapel t>erBorgen fein 

foUten. (Sr »erfolgte ba« ^u^>t ber bortigen Slufflarung, ben JlBate ®enot)efi; 

enbßd^ Reg er jwci ^Jriefler im erjBifc^öflid^en ®efängni§ einferfern, mit 

bem ®eBot il^re Srrtl^ümer aBjufd^ttJören. (£r l^ielt ben SWomcnt. einer auf= 

regung be« religiöfen ganati«mu« för geeignet, ba« l^eilige ämt in 9?eai)cl 

einjufttl^ren. @r ernannte bie Statine unb Siotare; er fie§ ein ©icgel für 

bie ^roceffe anfertigen, unb ftBcr bie V)üx bc« baju au«erf ebenen $aufe« 

bie äBorte fefccn Santo üffizio. Dicfen 9iamen nun l^at ba« SJolf t>on 9^ea^)e^ 

nie ertragen lönnen: Söftrgerfriege fmb barüBer geführt ttorbcn, mit großen 

JD|>fcm ]^t man biefe tjrei^eit öon ben fj>anif(^en Königen erlauft. SRur in 

^lermo burften Äefeer gefoltert unb oerBrannt »erben. „^unberBar, ruft 

ßottetta, bieg leic^tglauBige, aBerglauBifd^e, unwiffenbe SJolf erl^eBt fld^ auf 

ben Biogen Serbad^t l^in in l^cQem Slufrul^r, oergigt unb Bebrol^t bie Suto= 



$ 94. SDer Garbinal ^pmtfix. 2 1 

Tttat be§ iKonan^cn, Belagert unb Bcflcgt in ben eigenen Ouatticrcn gol^t 
tcici^ 2;nHJi)en! Unb ni(^t ttma, »ie fonfl, ber ^öBcI, in blinbcr SButl^ 
ober au« ?iebe ju Äufrul^r, -aud^ nid^t bie @ebiP)ctcn au« äuffl&rung unb 
greil^ctt^riebe, fonbem alle ©tSnbe, alle Staffen, bie tool^Hebigcn ©taube unb 
bie fc^Iid^ten ?anbleute in einmtitl^igcm (Sifcr, »on gemeinfamem 3nfKnct 
getrieben. I)affette Sott, ba« geflem bie Vertreibung ber Hebräer t)er= 
langte, bie neuen Sarfüger en4>ftng unb befc^enfte, bie tnod^en ber fünf 
neuen ^eiligen tl^cuer bcjal^Ite, c« murrt Beim anblid ber lafel am erj= 
Bif<l^öflid^cn ^lafl, erl^cBt [xii unb Bcbrol^t jnjci Sarbinalc mit bem 
SCobe". 

S)ie SRinifler unb ber äbel ergriffen bie ©elcgenl^eit, S^jinctti ju öer= 
niti^ten. 9Ran ließ Bewaffnete SSauemBanben in bie Stabt fommen; unb ber 
(ErjBif^of nxir ^on nciäf Zerrt bei grec« entflol^en, el^e ber ^önig nod^ eine 
äO^nung- l^atte öon bem ttja« unter feinen gcnflem vorging. äW er eine§ 
2:age§ antritt, fal^ er ftc^ auf bem Sorgo bei ))ala}}0 Don einem unaBfel^Baren 
%oIttgen)tt]^I umringt, unb ba« ©eBrüH erf^oQ: ßein l^eiltge« Uf^}! & 
erf<l^ien ber S)elegirte beö Sott«, unb Brachte bie alten ®efe^c unb SJerträgc 
in Crinerung. Der ffönig »ar auf« tiefjie erfc^ttttert öon bicfcm ©chatten 
einer Äeöolution, ber fic^ üor il^m aufrichtete; einen unau^Iofd^Iic^cn $a§ 
faßte er Don ©tunb an gegen @)>inelli. (Sr fiBergaB bie Unterfu^ung bem 
Äat)^ ber ©eggi, unb eö !am ju einem großen ^roceß, toe^en ber SKard^fe 
gragianni (bieß mar ber Eletto del popolo) in ber fön. Äammcr oon 
©. El^iara ftil^rte. 3)iefer 9Kann »ar ein großer Raffer ber ^>äBfiIi(l^en Än= 
maßungen unb be§ Orbenfi 3efu. !Dcr Äönig erließ ein (Ebict, in »c^cm 
er ba« Serfal^ren be« (SrjBifc^of« fheng tabelte, bie gel^eimc geifllid^c ®cric^t6= 
Barfeit auf^oB unb {ene Xafel l^eraBfc^Iagen ließ. ©))ineUi oerließ 9tea)>el 
unb lourbc oom $of, fogar mittelfi Drol^ungen, BefHmmt, feine Cntlaffung 
einjureid^en. 

(Sr ging nad^ 9{om unb fauftc ben ^alafi Soroli am Hpo^dphi^, in 
bem er bie SiBUotl^t dm)>eriali jum Bffentlid^n ®eBraud^ aufjufieDen Be- 
f(!^Ioß; Bi« 3U beffen Sinric^tung Ben^ol^nte er ben ^alafl !Doria am Sorfo. 
!Cer ^Bfi entfd^&bigte il^n burd^ ba9 Sarbinal^Bidtl^um oon ^lefhina, bann 
oon $orto, enblic^ ))on OfHa unb SeSetri, unb bun^ ba« S)€canat. 

SieHeid^t l^attcn jene erfd^ftttemben (grleBniffe feinen (Sifer geb5m<)ft; 
toenigfien« l^Brt man oon nun an nur mit faß unoermif^tem !^oB unb 
^od^fd^ä^ung oon il^m f^red^en, afö oon bem (Erfien unter ben Sarbin&Ien 
l^öl^crer Drbnung, welche fld^ in ber ©<^ule ber 5Runtiaturen Bitten. 9?eBen 
ber frül^eren ^)ricPerIid^=ccnforif^en Strenge trat nun aud^ bie feinem SBefen 
nie frcmb getoefcne Humanität, nnilc^e l^ier bie gSrBung nea<>oritanifd^er ?ieBcn«= 
»ftrbigleit trug, in ber freiließ aud^ ein Seigefc^mad oon galf^l^eit mar. 



22 3^te9 ^ud^. I. 3)a9 ccptftoViW l^nttquariat. 

freier ju läge: man bett)unbertc an il^m bte SJcrBinbung bicfer, toxt eö 
feilten, unücrträgtic^cn Sigenfd^aften. ♦) 

Sei ber legten ^^bfhDaljI (1758) ^tte er bie ©ctoanbtl^cit cine^ üon= 
lommcncn Scndoöfhategcn cntn>irfclt; er xo&ct Bcinal^c fclbfl ^Bjl geworben; 
n>enig|icnö l^atte er granfrei(^ für fic^, unb ©teinmlle fagtc cinfl bem Duca 
bi Gerifano, er l^aBe bcn @^>inctti ftet« unter allen für ber liara am 
njttrbigflen gcl^altcn, für ganj gcmad^t bie firc^lid^en Unrul^en in fjranfceit^ 
JU ftittcn, aud^ fei e§ ja für bie 83ourBonifd^en ÜRäd^te el^rencoll unb nüft^ 
lid^ jugteid^, einen il^rer Untcrtl^anen jum '^fi gu l^Ben. ÄBer ba flcBte 
fid^ jener ungtüd feiige SSorfaH in 9ica<>el jn^ifd^cn ben Sarbinal unb baS 
^Mfftt ^\d clcricaler ämBition. Sart III mit ber il^m eigenen 3^^9^^it 
ber Sftneigung »ar gctoillt, aDe^ baran ju fe|cn, um ©ipinetti aBjmoenben. 
3n il^m tcar, tt)ie girmian fd^reiBt, bie 3bce fefigcmurjelt, ba§ unter einem 
^BfHl^um ©^>inetti*ö fein 9teid^ l^eiöofcr ä^^^^^ng anl^eimfallen muffe, 
n>eil jener pd^er feinen $a§ gegen ben nea^jeler $of »crftl^atig äußern n)erbc 
6r öerfd^affte fid^ burd^ ein eigenl^änbigeö ©d^rciBen bie @jclufit)e ©^jcntenö, 
bie Drfini bem Sonctaö mittl^eilte, ©^inetti Bcfd^lo^ nun, n^enigflend feinen 
(ginflufe Bei ber fünftigen 9tcgierung fic^cr ju ftcBen. Sr teufte ba§ ßa= 
»ald^ini aW 3cfuitcnfrcunb bie Sjclupöe granfreit^fi l^aBe; aBcr er trat 
feiner Partei Bei, um nad& beffcn ©d^iffBru^ ate ©egenbienfl il^rc Stimmen 
für 9tejjonico f orbern ju fönnen, ber aW Sreatur SlemenÖ XU aud^ bie 
Sorftn?« für ftd^ l^atte. 

3n gotge bat>on erfreute fi(^ (3j)ineDi in ber crflen ^üt ungcmeffenen 
Srebit^ Bei SIemenö XIII, mit bem er jeben ©onntag aCBenb eine Sonders 
fation l^atte. Siad^ Ärd^into'ö S^obe n)urbe il^m baS ©taatöfecretariat angc= 
Boten, er lel^nte aB, n)cgen ber »orauöftd^tßd^en 3<^T^ttrfniffc mit ®j)anien 
unb 9?ea^>cl. Diefer $of mar üBer feinen (ginfluß „unglauBlid^ t>erlcgen", 
l^offte jebod^, „baf? beö Sarbiualö feurige 3)en!ungßart il^n mit ben üBrigen 
SKinifiem Balb entjmeien toerbe", mie aud^, in golge öon 24)rrigianV6 *^artci= 
nal^me für bie Oefuiten, fd^on im ©ommcr 1759 gef(^]^. 

®ind(clmannö anflettung toar beö SarbinaW lefete il^at (£r galt bafttr, 
bag il^n nii^t« frol^er mac^e, aW bie ©elegenl^cit, greunben mirffam gu 
l^elfen. „ÜRein ©önner, ber groge unb geleierte SarbinatiDccan @|>inctti, 
bem id^ jene ©teile gu banfcn l^aBc, ,flarB »enige läge nad^l^er, gu meinem 
außerfien SetrüBnig, im 69ficn 3a^re. . . gß ifl ber größte SScrIufl für mic^ 
in Otalien". 2r erlag einem grül^GngßfieBer, ba6 il^n am greitag ÄBenb 



^) Uomo di abilitji, di mente, e piuttosto dotto, ma di una rigidisaima morale, 
e rigorista, di ottimi costiuni, ma non troppo Bincero, con molÜBsimi nipoti. ((S^a« 

rattcrifül ber CarbinSJe t>om 5. 3Rarj 1757 im ©tener %x^.) 



§ 95. ®a« (Sommiffariot ber satettl^ümer. 23 

üBcrficl unb no^ üier SÄgcn, am 12. a[<)ril 1763, l^injhcrftc. ©eine Slcfle 
tul^cn in @®. a[?>ofloIi. 



§ 95. 
3)a§ Sommiffariat ber ältertl^ümcr. 

am 30. SKärj 1763 fiarB unem>artet ber SBate Slibolfino SJenuti, 
t(ntiquat ber o^ofioltfd^en Kammer ober OBerauffel^er aQer Sltertl^ttmer in 
unb um 9{om (Delegato sopra la conservazione delle antichitä di Roma, 
aud^ Sovrintendente deir Antichiliiy ober Gommifisario delle Antichitä 
della Camera apostolica, Romanaram antiquitatum praeses), n^Id^c^ 9mt 
er 19 dal^rc beficibct l^atte. Der ^oflen ttKir ein fel^r gefud^ter. ,,J)iefe 
©teQe, fc^reiBt SBindelmann, n)el^e monatßc^ jtoölf ®cubi, unb mit ben in- 
certis funfeel^n ©cubi ktr^t, gieBt wenig ober ni^tö ju tl^un, unb alfo 
lönnen ®ie jtc^ oorfictten, tt)ie oiele Concurrcnten ju berfeften gcn>efen, oon 
benen ein jeber einen ober mel^r (Sarbinäle auf feiner Seite l^atte". Der fi(^ 
am meiflen Hoffnung gemacht UKtr unfer armer SlBatc SSracci , bem. aBer 
bie^mal feine (gnglänber nic^t^ l^alfen. 

Die ©teile ifi eine ©rünbung beö fcc^jel^ntcn Qal^rl^unbertÖ; im Saläre 
1534 UKir e«, ate 8atino ©ioocnale SWanetti (t 1553) bon ^aul UI bie 
«ufmt über bie römifd^en «Itertl^ümer erl^ielt, er fttl^rte aud^ ftaifer Sari V 
bei feinem 93cfu<l^c ber ©tabt («. o. JReumont, ©efd^id^tc ber ©tabt JRom III 
2, 353). ©ne neue Scbeutung l^atte bie ©teile erl^alten feit SIemcnö XI, 
unb bon ba an toar fie auc^ immer burc^ ben (Sinflug ber 3[Kani*d oergeBen 
toorben. @Ieid^ nad^ feiner 2]^ronBefleigung (1701) erlieg er ein Sbict, 
toeU^e^, alte SJerorbnungen emeuernb, bie 3[udfü]^rung oon ©tatuen, ®t^ 
walben, SSronjen, ®emmen oerBot, ein potxM (1704) fügte baju SWofaÜen^ 
3fnf c^rif ten , ^anbfc^rif ten , Documente jeber Art. gunbe bon Ältcrtl^ömem 
mußten 'bem (Sommiff&r ber Ältertl^ilmcr granj Sartoli, bem ©ol^n unb 
9iac^folgcr beö Befannten ^ietro ©ante Sartoli, angegeigt unb buriften nur 
mit feiner CrlauBniß unb nad^ genommener 3«id^»ung berfefet ober ocrBraud^t 
tocrbcn. Snfc^riften »urben SWonflgnor tjtanj Sianc^ini gemelbet, ÜRanu^ 
fcripte ben ^jäBfttid^en ärt^iborcn. SCI« S3ett)eggrünbe tt)crben angefftl^rt ber 
©lanj ber ©tabt, ber burd^ fold^e alte (Erinnerungen to&d^ft, unb ba6 ©tubium 
ber ©efd^id^te. Die SJeranlaffung befi gleiten ffibict« UKir bie 3bce beö 
d^rifHic^en unb be§ dnf^riftenmufeumö, n>el^e bem '^aBft bon bem teroncfer 
^ralaten cingegeBen toorbcn toax, aBer leiber nid^t üBcr bie «nfängc 
l^inau6!am. 

Der äntiquar ber ^)SBftIid^en Äammer, fo fd^ilbcrt aßindfelmann bie 
^flid^tcn beß Amt«, mußte ein fc^riftlid^e« 3^wgni§ geBen, ba8jenige ju 



BcWftigcn, n>cl<!^e« gtoci «ffcfforcö auf bo§ aRcntorial an bcn Satbinal 
ftämmcrfing geben, über Oemälbc fotool^l aW 9Warmore, tt)d^e aud betn 
?atibc gelten. SDiefc Äffcfforc« pnb bc« ^rafectcn ober ^rafibcntcn Uiiter= 
gckne unb »ct^jpid^tct bicfe ®ad^cn gu bcfel^en: er nidit h>ic jene; aBcr il^m 
Pcl^t eö frei, aOc« öon neuem ju Befel^en unb jener Urtl^cilc ungültig ju 
moti^en, gemer mußten il^m a ripa, n)o bic ©ac^en eingefd^ifft n>urben, alle 
Äaflen geöffnet n)crben, tt)clc^e K« gu feiner Sepc^tigung nid^t DöHig t)cr= 
f(^Ioffen unb »erf erlagen tt)erben fönnen. ©eine "pflid^t ifi femer, üBcr alle 
Sltertl^ünter in unb um 9tom ein nntd^fame^ Suge gu l^aBen. & barf 
Stiemanb ol^ne feine (grlaubni^ nac^ ältertl^ttmern au(^ in feinem eigenen 
©runbe graten. & mu§ il^m bal^er atteö gcjeigt merben, unb tt>aö auf= 
Blirft, Bleibt il^m nici^t toerborgen. 

3cner SJenuti tritt f(!^on ncbjl feinen jnjei SWtbem bei ber ®rünbung 
ber Äcabemie t>on Sortona auf. 3)ie gamilie.njar eine ber Hteftcn eorti>= 
na*^, unb n)cifl feit bem ÜRittclalter eine SJcil^e berül^mter 9?amen auf, in 
ber Literatur unb im gelb, »ar aber bamal^ jiemlicl^ tjerarmt. SWoKeB 
trat in Sari III !Dienflc unb leitete bie anfange ber l^crculanifd^en Äu«= 
graBungen, bie er aud^ Beft^rieBen l^at (1748); ^^J]^ili^)^> ging in ©ad^en be^ 
lateranift^en Sa^)ttete nac^ Sorbeaüj, trat ÜRonteöquieu nal^e unb IcBte fj>ater 
aW ^roBfi gu ?it>omo, mo er nac^ bem 3Wufler ber florentinifd^en eine 
Societä Colombaria grttnbete. 9tibolftno ging nac^ 9tom unb flubirte 9ted^te 
unb Antiquitäten. Der Sarbinal aiBani mad^te tl^n 1735 ju feinem 
©entiluomo unb ^au^ntiquar (ajntante di studio). Sr fd^rieB fttr il^n bie 
(Jrfltotng feine§ SKünjcaBinetÖ; unb nad^ bem 34)be be« SlBate gtang ?a= 
lajgi njurbe er beffen 5Wad^folgcr att a^>oflolifd^cr äntiquar. ytaä} feinem 
lobe gaB ®te<>]^an $iali bie t)on i^m »erfaßte 2:o^)cgra^)]^ie 9tom« l^erauö, 
eine Som^jilation mit 3wgrunblcgung 9?arbini*^, bie in fd^nsicrigcn g^agen 
nur bcn Skiffen« ber Antiquare referirt, unb t>om $>erau^geBcr mit '^iranefi*« 
(Sinfallen Bereichert ifl. SWel^r aW in ber 2:o»>ograJ|>]^ie galt fein Urtl^cil in 
SefHmmung alter SSilbniffc, auc^ Bei SBinielmann. — 

Senuti tonnte mit ben 160 ©cubi ©el^alt unb bem maß il^m ?lTBani 
gaB, nid^t oußtommen; Befonber« ba bic 9tentfammer be« garbinaK gutoeilen 
il^re äal^lungen einflente; man l^ört gufoHig, ba§ bicfer il^m im SKärj 1750 
»ierjcl^n SKonate fd^ulbete. ©o toar er auf bic göl^rung ber ^cmben an= 
genjiefen; barunter Begegnet unfi 1753 ber (grB^)rinj El^riflian griebrid^ üon 
SJranbcnBurg=anf^)ac^ , ber C>erjog 6arl (gugen »on SBtirtemBerg mit feiner ' 
©cmal^lin, ber '^Prinjeffln (glifaBetl^ ©o»>]^ie öon SranbcnBurg=SulmBad^, 
1 759 bie SRarfgraftn griebcrife ©o^)]^ic öon Sa^reutl^, bic ©d^toejlcr griebrid^II, 
unb il^r ©cmal^L ©d^atuffen, toflBarc Dofen mit S)ucatcn fiatt SaBaf ge= 
füllt, njoren ber gol^n fold^er Dienfie, S)icfe« ©efc^äft be« Siccrone gilt in 



§ 95. ^a9 (Sümmtffariat ber tttcttl^er. 25 

8tmn ntd^t för utiBebingt tqMitirltcJ^. Äucj^ nod^ tn unfern lagen »urben 
bie, njclc^c ücrfianbcn bie SfoIIe bcö laquais de place in ber (SettKtnbung bc^ 
bcfien ©efcttfd^fter«, (Sourmanb^, ^oeten unb SBifeBoIb« ju f^)iclen, unb nur 
bic üomel^mfle, xtiifftt unb fc^önjle SBctt in grajiöfefier SBcifc üBcr ben 
Seiben^njeg burd^ bie römifc^en SRufeen l^inwegjul^elfen fid^ l^ergaBen, 
ttf}n atömcm nur ^öttelnb genannt. SQSir l^ören öon ffiintfelntann, ,,bag 
SJenuti, anß einem alten abeligen $aufe, au« 5Rotl^burft, in bic il^n 
fein Unt>erfianb itbxaift, ft(j^ l^erunterlaffcn muffen, gtcmbc in 9lom ju 
fül^ren, iocld^e« il^m t)on ^rfonen, bie benfen tt)ie fie foffen, üBel an^^ 
gelegt tourbe". 

SBindclmann melbet feine Ernennung am 9. Itpxxl, ben folgenbcn ÜRitt= 
n)0<^ trirb er in Amt unb ^flid^t genommen.*) „S)iefe ©teile, f^reiBt er 
trium^)l^irenb, ijt mir nwr fielen anbcren, bie fld^ ängfllid^ unb fraftig barum 
BenjarBcn, ertl^eilt »orben. . . SWeinc Beiben ®önner finb enbli(^ üBermSci^tig 
tt>orben". !Die (ginlabungen nac^ Drcöben, Sraunfd^tocig, SBien »urben ol^ne 
äweifcl ate ^eBcl t)em>anbt, um biefe ®önncr in Sctoegung ju fe^en. „& 
ifl bie fd^önflc ®tctte, bie i(^ mir ^tte toünfc^cn fönnen. . . 3d^ l^aBe mel^r 
erlangt ate id^ öerbiene, unb att id^ im Iraum mir Bilbcn Bnnen". Cr 
nennt pe „anfcl^nlic^'', b. 1^. el^rewjoD, fie fe^ il^n in ©tanb, bie Beinen 
JWäffcr, n)cnn er njoffe, ju jftd^tigcn. 

Um gu Begreifen, tt)eld^efi anfeilen ein '^rSfibent ber Ältcrtl^ttmer in 
8tom fld^ gcBen fonnte, mug man jtd^ erinnern, ba§ bie Bilbenben ffünfle 
bort ba« einjige ^>rofane geifHge Ontereffe »aren. „Um bie pd^tigc anf= 
merffamfeit bc« Slömerö ju fcffeln, Bemerft ein Äeifenber, muß man il^ 
»on 9D?alerei, @cul^)tur, SKünjen toorreben, bieß ijl bie eingige Unterl^altung, 
bie er be« «nl^ören« njertl^ ad^tet." SBcr fld^ in 8tom in ben 9fuf eine« 
^rotectorß ber fd^önen Sünftt gu Bringen »ugte, beffen 9?ame l^atte einen 
guten Älang, er mod^te fonfl eine 93efKe fein. Darin nniren aDe ^Bfle 
üBercingelommen , mod^ten fie gelotifc^ ober freifinnig fei, 'mod^ten jte il^re 
Weffcn gu gürfien mad^en ober fnap^) l^alten, bag fte für bie Bauli^e unb 
Bilbnerifc^e ^rad^t ber ©tabt forgten ; bid^t am Sfanbe be« ®raBe« gu ?fürflen 
ber fiird^ erl^oBen, Beeilten pe fld^, il^rcn 5Ramen unb gamtliennKq)<>en auf 
Denfmälcm gu terctoigen. 9Kan l^örte gutoeilen in ben Couöerfagionen ber 
aWonpgnori eine l^iflorifd^e «jjologie be« ^aBfltl^um« vortragen, bie fid^ auf 
biefe I^tfad^en Berief: ben fiultu« ber Runfl, fagte man, ben eingigen n)al^r= 
l^aft ntt^lid^en, n>ttrbe (Suro))a nid^t gefannt l^aBcn, n)cnn 9lom, b. 1^. ber 



*) La carica yacante di Deputate sopra la oonservasione delle Aotichitä di Roma, 
per la morte w^ta Tiltimamente del Ganonioo Yenuti, k ftata oonferita al Sig. Abb. 
Qio. Winekelmann Saasone, Familiäre dell' Enio Alessandro Albani. Dlario oj^nario 
16. Aprile 1763. 



j^eißge Stul^I fte nic^t ))rotegirt ^5tte. 9Bet ballet bte pSbftVii^ iERoc^t an= 
greife^ bcr greife aüc Ättnfle an. — 

SBindelmann tDoQte alfo fuc^en, ^^bie ©tcUe }u einet ]^5^eren äBltrbigfeit 
)U erleben". Sangft l^attc er ja bcfc^loffen, bie gtcmbcn fomcl att mögtic^ 
ju fiiel^n, „^U ©toter meinet SRu^c unb SiouBet meinet 3^^*"- 3(!^ ^*« 
ein ©cIüBbe gemocht ^ mi(^ felbß unb bie ®tcüt\ bie ic^ Befleibe^ nic^t tok 
Senuti ju etniebtigen unb einen ^l^ct bet t^emben ju mcui^cn . . . unb 
feinem SRenfc^en, äuget mttnbßc^em Untettid^t, al6 gr&l^tet }u bienen''. 9{ut 
Xüo et ganj augetotbentlid^ Jalentc finbe^ n)etbc et^ nxiö il^m möglich fei, 
ol^ne aßc aPbfid^t mit Setgnügen tl^un. 3)iefet SSotfaft n^at fteilic^ f(^n)et 
but(^}uftt^ten. äßic {onnte et ft(^ ^cmben k>on X)ifKnction entjic^en^ meiere 
Dom Sotbinal obet t)om ^Bfl felBfl il^m jugctoiefen n^utbcn, jumal ba bie 
@teKe ^^koenig obet gat nic^t^ }u tl^un gab, oieUetc^t jcl^n Stunben im 
QoSfxt", — n)enn et ättc^ ben Äffeffoten übctßcg. ßt mußte befütc^ten^ bag 
il^m 3loiifß)dl bataud ettooc^fc^ n>enn et, afö Sntiquatio be$ ']$abfled, in einem 
folc^cn gafl (j. 83. Bei bcm $etjog »on "^ot!) jutüdgefc^t »tttbc. S3ei bet= 
attigen ©elegcnl^eiten l^attc et auc^ bie üBIic^en ©efc^enfe bed ))äbf}rt(l^n 
$of^, untet benen IHtettl^fimet nie fel^Uen, ootjufc^Iagen. (St mug btei dal^te 
f)»atet geftcl^en, ,,bag et fttt unjal^Iige ^embe bie ^dt unnft^ unb unetfannt 
»etloten l^Be, unb ctft je^t Sottl^cil au^ feinet ©tcflc ju jic^cn anfange". 

9iut feiten l^egegncn und untet ben mannigfaltigen 2]^ätig!eiten bicfet 
dal^te (Sputen, bag et bie f))ecifif(^en Steckte unb ^flic^tcn feinet Smteö 
audjuttben (Gelegenheit fanb. <St n)in bem Sanonicud ^ofd^i }u 2^iooU ben 
^toceß mad^en (9?ooemBet 1763), toeil et ben %ut(t> einet GJnn>^, amot 
unb $f^e, ni(^t angegeben l^at, auc^, n>ad t>etbac^tig fei, ben Ott nic^t 
anjcigcn n^itt. Gt „»itb nimmctmcl^t gugebcn, bag tin fo fd^öncö ©ttid 
n>ie jcnet $aaa«!ol)f (®. 317) au« »om gel^e" (»uguft 1764). «tö Scnfinö 
im äufttag beö ?onbonet Sotfe fttt 2000 3^iwcn bie jnjei Satbcrinifc^en 
Sendetet gelauft ^tte (bie fp&tet bet Snfang be« clementinifd^cn SRufeum« 
ttjutben), üetfagte et il^m, 'JJflu^t l^albet, bie (£tlaubni§, fie au« SRom ju 
füllen. „Da« übrige fielet bei meinen Obetn". äu(^ fonfl geioann et im 
Äunfibe^Kittemcnt ©nflug. <gt l^offte SWeng« eine »tbeit in ©. '^Jctet au«= 
jutoitfen (7. 3uli 1765). 

Son nun an fal^ SBincfelmann feine« bleiben« in 9{om. 3Rit bem fafl 
ebcnfo l^o^en ®e^It oom Satbinal (monatlich 26 ©cubi, ,,foIgIi(^ mel^t 
al« mit beutfd^e giltftcn, ba id^ nut ein Deutfd^et bin, geben »tttben"), 
l^atte et fein „notl^bfttftig Stot" fttt bie ttbrige ?eben«5eit, „benn nod^ ein= 
mal foiDiel mad^t in Deutfd^Ianb nic^t fooiel". 9Bie ftol^ ifl et, bie 9u«{td^t 
auf ein beutfd^e« ^ofleben nun abfd^tttteln gu Bnncn! „3(^ cntfage bet 
2]^ot]^eit be« $of« . . unb aQem ®Ianj in Deutfc^Ianb . . . 3(^ fc^enlc allen 



§ 96. 2)a9 <Scrittorat an ber Xkiticana. 27 

^afcn tl^rc ^nfioncn fttr gtanjofen, für ®enct)cr unb SEBelfc^c, bic mögen fle 
bte ftünftc leisten. . . dd^ (ann unb mug nitc^ je^t bcr fügen $o^ung, 
tnettieni Saterlanbe tiü^Itd^ )U toetbcn, Begeben. . . 9Rcin (Sntfd^Iug tfi ge^ 
faßt, niematt au« 8tmn ju gelten. . . 9iom tfi mir ba§ Saterlanb genjotben, 
9tmn JU öerlaffen, ifl mid^ t>on meinem Siebficn trennen. . . aid^ l^abe feit 
ber ^tit meine niebrige ^tttte aufgcfd^Iagcn, »o man mir iDol^I n^itt, um in 
biefem 8anbe ber aRenfd^fic^feit meine 3a]^re, fem »cm ftriegßgefd^rei unb in 
Ätt^e JU genießen . . . id^ toill meine Sxxge in 9iul^e l^icr Befd^ließen!" 

SBic au9 ftc^crm $afen fa)^ er auf baö loBen be« Äriegö im SJater» 
Tanbc. ,,9Reine ^änbe l^ebe id^ alle 3Worgen auf ju 3)em ber mid^ bem 8Jer= 
berBen entrinnen taffcn unb in bicfe« ?anb gcfttl^rt l^at, too id^ bie SRul^e, 
ja mi(^ felBfi genieße, unb nad^ meiner eigenen 9Bi(Ifttr leBe unb l^anble'^ 
S)a er nun einen fejlen ©oben unter feinen gtißen füllte, fo regte flc^ aud^ 
ber SEBunf(^, {t(^ eine Umgebung ju fd^affen, feine 9täume ju fMen. @eine 
3ugenbfieB]^aBerei an fc^önen SlaffrteraußgaBen melbete fid^ toieber; er f})ri(^t 
t>on einer auöertefenen Sammlung gricd^ifd^er !Di(j^ter, barunter einem außerji 
feltenen ©cj>l^ocIe« ($arifi Bei 2;umetuö 1552). Die greunbe »urben bafür 
Bemftl^t. ifeonl^arb Uficri fcnbct einen fd^öncn 3)ante, ben er in SKaroc^ino 
Binben laffen miK. Solhnann foK il^m ben ^arifer Sriofl in \>\tx üDuobej^ 
Bänben (1746) mitbringen; Bei ber ©elegenl^cit fönne il^m 9Bitte ein j>aar 
Äu^>fer toon feiner Arbeit üBerma^en. „^6f l^aBe mein 3^^^^ wtit Sufli 
üon ben Bejlen Statuen genommen auögejiert, unb felBfi eine Heine ©amm^ 
lung t)on intertl^ttmern angefangen t>on ben ©efd^enlen bed Sarbinate. . . . 
äReine Sammlung ))on gried^ifd^en ÜRünjen unb ^u)>fern n)äc^fl aud^ oü' 
maSflxii an". 



96. 
Da« ©crittorat an bcr SJaticana. 

2)a ba« Sommiffariat nur ein f)>arli(^e@ (Sinfommen aBtuarf, fo badeten 
bie ©dnner, um nid^tS l^alB ju tl^un, einen $oflen an ber ))aBf}lt(^en SiBlio- 
tl^e! bamit ju wrBinben. ^ier toat efi nun jur 3^it freilid^ fd^toer einju= 
bringen, ba bie brcijc^n ©teilen Befe^t, unb für einige fogar fd^on (Sfl)ec5 
tauten ba ttxtrcn. — ©d^on im SKai 1758 toxü er ein ©crittorat, bafi il^m 
Bei Srd^into'd (Sinfluß au l^öd^fier ©teile nid^t l^aBe entgegen fönnen, au9= 
gefd^lagen ^Ben, „um einem unterbrüclten ©elel^rten (?) ju l^elfen". 

Da« 8eamten^>erfonal bicfcr lojIBarften unb BarBorifd^fl »ertDalteten Si= 
Bliotl^el ber 933elt Beftanb au« einem SarbinalBiBliotl^ecar ober ^rotector 
(feit 1761 aiBani), au« jn)ci Suflobcn, bem crflcn ober großen (feit 1735 
So^tp^ ©imon Äffemanni, t ^768) unb bem Keinen (Sottari); flcBen 



28 3^te9 8114. I. 2>a9 a))o9ottf^ Antiquariat. 

&ccxptoxtn, jtoci für btc latcimfii^c, gn)ci fftr bic gttcd^ifci^c ©ptaAt, jnjci fllr 
bic l^cBrStfd^c unb einem fftr bic f^rifc^c unb oraBifc^e ©j)rac^c (®te^)]^an 
Coobto affentani). S)iefe ©tettcn tourben burd^ otwflolifc^e »re»en crtl^cift, 
iDegcn bercn Untotberraflic^fcit im gaß bcr UnfSl^igfcit Soobjutorcn mit 
Stoi^fotgc gefegt tourbcn. S^d S3uc^Binber bcfitmmte bcr Sarbinal, gtücx 
©co^xitori ober ^^amult bcr crflc ßuftobc. gür bic Sorittorcn n>urbe eine 
Sc»erBung auögefc^ricben, bcr Sorbinal cntfc^ieb mit SScil^ütfc bcr Sufloben, 
«nb Bei bcm orientatifti^cn mit 3wj^^^>*"9 ^^ bctrcffenbcn Scctorcn an ber 
@a))ten3a unb ^ro^wganba. 3)ic ©aittori foßen bic $>anbfc^riften cataIogi= 
frcn, bic burcj^ 2[Itcr ber ä^^^^S entgegengc^cnben col>trcn, Sottationen 
ma<i^cn, unebirte ©<i^riftcn gric(j^if<i^er Sater, Äirc^cn^iflorÜcr unb !Dogmatt!cr 
in» latctnifd^ üBcrf c^n ; aud^ f dite bic Verausgabe jtDcrfmafeigcr SBcrfc t)on 
il^rcr ®ettc gern gefeiten n)crben, ba folci^c ©crittori ber SiMiotl^c! giemcn^ 
bic ftatt bcjal^lter arbeiten fftr grembe, literarifd^ SWcipertDcrfc (praeclaros 
ingenii labores) fftr ben gemeinen 9lugcn tiefem. 

!Die grcil^eit ber Senugung toar fcl^r cingefd^rSnft, bic oft fcl^r liberale 
Cnoeiterung berfctBcn l^ing gang ab t)on ^)crfönli(j^ctt 3Mf5ßtg!ettcn. 3Ron= 
toigne ftt^rte (1581) ein ©Jctmann, bcr tl^n cinlub, fid^ anjufd^en unb 
^crauöjuncl^mcn »aö er tooße;*) f^)Ster toar c8 unbebingt verboten, bic ^anb^ 
fd^riftenfc^ranfe gu burd^fuc^cn. gd^ott traf (1600) eine SWcngc ©elcl^rtc, 
bic nncingcfd^ranlt flubirten; bagegen fanb fle 9iicotauö ^cinjiufi (1651) fftr 
grembe faft »crf^Ioffcn. SWontfaucon fag barin oon frttl^ bifi abcnbfi unb 
nal^m pd^ baö ffiffen mit, SKuratori ließ fic^ oon feinen greunbcn äbfd^riftcn 
mad^en unb fd^cint nad^ Slumc fogar $anbfd^riften mitgctl^ilt erl^altcn gu 
l^abcn.**) ®ute läge toaren bic bcr Sibfiotl^ecarc Cuirini unb ^afjionci. 
aber nac^ bc« Icfetcm lobe ifl, loic 33Sindfclmann fd^rcibt, ,,n)cil er ji(^ gu 
t)iel t^cil^cit angemaßt, burc^ einen fflannflud^ unterfagt ttjorbcn, bic Sftd^er 
auger bcr Sibfiotl^c! gu gcBcn". !J)ic Scbola (SIcmcnö XIII Ancorch^ i 
Bommi Pontefici ,,untcrtt)arf bic Scnugung fotc^cn Scfd^ränhingcn, ba§ aud^ 
bcr ungefaHigfle unb ftBcItoottcnbflc SiBIiotl^ecar pc^ fd^Smen iotirbe, fol^c 
ScfKmmungcn Buc^fläBIic^ angutoenben". ffiöl^renb man frttl^cr bic 6rIauB= 
niß be« ^aBfteß nur fftr xoid^tige ©ad^cn nötl^ig l^attc, fo foHtc öon nun an 
baß ?efen unb 6oj)ircn ftBerl^auj>t nur burd^ ein SSißct bcö ©taatSfccretSrö, 
ntd^t aber tom (Jarbinal ober ben ßufiobcn erlaubt xocrbcn lönncn; unb 

^) Je la Tis sans nulle düficult^; chacun la toÜ ainsi , et en eztrait ce qii'il 
Teut, et est ouTerte quasi tous les matins, e si fus conduit partout et couti^ par 
un Gentilhomme, d'en user quand je Toudrois. 

**\ Intesi che a Palaszo erano molto in coUera oontro di V. P. Rma per ayere 
oomunicato oopia del codice Farfense al Sigr. Muratori. . . GioTedi passato ne parlai 
oon un prelato, ehe sta a palasso, il quäle mi disse, che quest'accusa quasi quasi le 
aveva fatto Tacillare la mitra episcopale in capo. (Earb. jCamBurtnt an Ouirim 
7. 3ufi 1723. 



§ 96. ixa ©crittorat an bet SSaticana. 29 

ebenfo fheng mürbe bte Sttiferttgung üon Xudgügcn ober llbfti^ttften feiten^ 
bct Scamtcn untcrjagt. Aber aud^ älbant <)Pcgtc, »ic bcö SRufilcrö S3umci> 
9eif)>tel }eigt, Sreunbe auf mirifame SBeifc bem erflen (Sufloben ju em)>fel^ten. 
SRan crl^tclt fogat in ben Sacanjen S^ion^, tuo fid^d bequemer unb unge= 
fidrter fhtbtrte; ber OrientaUfl Xbler erjal^U, n>ie er oft gang aOein auf ber 
SJibliotl^e! mar, menn bie @co)>atoren @cf(^afte litten, unb be^ taugen 
@t(^n9 ntübe, ftc^ burd^ ®)>aiicrengcl^en in ben langen @Sngen erl^otte, 
unb mie il^m fo bie Saticana ber oQerangenel^mfle 3(ufentl^t in 9{i>m ge:: 
morben fei unb il^n ncd^ in Snt}üden fe<^c, menn er an fte benle. 9(ber 
bieg marea Sludnal^men ; f onfi mar bief e SibUotl^el (nad^ äBind elniann) ^,mie 
bie ©eijigen, meldte nur ^ben moQen unb nic^t genießen; unb man lann 
üon berfcCben fagen, mad ^lato Don ®)>arta fagt: ed gel^e alle^ ®oto ber 
©riechen bal^in, aber nid^tö mieber l^erau^^^ (Sataloge maren nur ben 
Beamten einjufel^en ertaubt, aber man gab jebem, mad er forberte. 

8eit ber (Sarbinal Sllc^anber Sibtiotl^ecariud ®. 9t. (S. gemorben mar, 
mflnfd^te er, SBindCetmann gum Suftoben machen }u fönnen; aber bagu mar 
menig 3(udf\c^t. Xodf gelang ed il^m, im dal^re 1763 menigftend in ber 
Satteana ^u^ }u faffen. 3u^^f^ manbte man eine „^iegdlifl^^ an/ „il^n 
in bie 93ibIiot^e! gu f^^en, ungeachtet fein ^la^ tebig nnir^^ 3(m 29. S())rit 
marb er oom Sarbinalbibtiotl^ecar bem ^bfte torgeflcllt (ieri ebbi Tonore 
di baciare la zampa santa di S. S.), eö ^nbette fid^ um ben Stuftrag, ein 
9tegifier über bie beutfc^en $anbfc^riften ber $eibelberger 93ibtiot]^eI }u mad^en, 
M Scrittore della lingaa teutouica, mit einer augerorbenttic^en *ißenfton 
bon fünfjig (Scubi (nac^ einer anberen (Stelle finb ed etf monatlich); bie 
Xbftd^t aber tfi, mic^ l^ier ju binben. S)amit foQte bie ILufftd^t über bad 
im @ommer }u eröffnenbe oaticanifc^e ÜKufeum ber profanen 3(Itert^ttmer 
ocrbunben mcrben. 

jDtefe fteine ®teQe, }u ber er am 2. 3Rai bie (Ernennung erl^iett, mar 
nun freiließ nid^t ol^ne '^fltc^ten, nämtid^ }u ben feftgefc^ten Strbeitdfhtnben 
in ber Sibtiotl^el }U erfd^inen, b. 1^. bie $atfte bed 3al^red w>m 92ooember 
biö }um 3uni, mit Sudnal^me Sonntag^ unb Donnerflagö, bon 9 — 12 
3Rorgen9; unb ba ber 993eg bon ben Ouattro Fontane }um Satican eine 
©tunbe betrug, fo ergaben ftc^ fünf @tunben, eine lafHge (Steuer auf bie fo 
bfibore römifd^e ^dt Die Verpflichtung mar inbeg nur, }ur gel^örigen 
@tunbe ba }u fein ; — „nic^t f omol^t }tt arbeiten, atö mid^ auf meinen Sofien 
pi fe^n. . . & ftnb unfercr breigel^n, oon met<^en ein jeber etma^ neueö 
bringt, um einige Qtii }u plaubemt'. . . $ier l^örte er bie geteerten 92euig:: 
fetten, „aber mit l^alben O^ren''. . . „& ifi %iemanb, ber mir bad getingfle 
befiel^It". 2ro^m, ober oielmc^r megen beffen fcufjt er: „^ ocrfiere bie 
ebelfte ^txt unmürbig". (Sr l^otte nun jmar ®elegen^eit gel^obt )u fammeln, 



30 S^dM en6f, I. 2)a6 o^olloUfd^ Antiquariat. 

aBet bet SBibenDille in 9tom feine Xage mit (SoQattontten gu t>ctUetcn, toar 
unüBettoinbltc^. 

(Sx ffaxxtt ou^^ n?eil man tl^m bie ätnnKtttfd^ft auf ein Scrittorat t>erf))ta(^. 
üDann namltd^ nxir et l^inlSnglic^, auf feine SebenSjett, t)eTfotgt. Denn ,,bte 
)>aBflIt(^en Sreoen ftnb unt)eTle(}li(^ unb l^eiltg, unb man fonn lein burc^ fle 
erl^atteneS %mt oetlteren, ol^ne bie größten unb aBfci^uGc^llen SerBre(^en 
begangen ju l^aBen. . . S)ann lann ic^ meine Zage in bem Sanbe ber 
üKeilfc^Iic^Iett enbigen^ toxt xdf tDflnfd^e unb l^offe, unb taufd^e mit feinem 
@eIel^Tten in !Deutf(^tanb, benn bie gteil^eit, bie id^ genieße, ijl uneingefc^tänft^ 
unb 9Üemanb fragt mt(^ toaS xdf mac^e''. 

Da« in äu^fid^t gcfiettte ©crtttorat n>ar ba« l^cbraifc^e. Der 3n= 
l^aBer beffelBen nxtr 74 dal^re alt (un vecchio malandato e dcombnssolato). 
SieUeid^t nal^m er ju biefem 3^^ ^^^ l^ebraifii^e ^Bpxaä^t mieber auf unb 
begann baö @tubtum beS Krabifc^en mit bem 9titter äRontagu; in 92ea^l 
finben mx tl^n tetfenit in beö ÜRaroniten äRtc^ael Safftri 9{ecenfbn ber 
orabifc^en edbiceö beö (S«curial (1760). Aber fonberbar! eö peHte fid^ 
plö^Itc^ l^crouS, ba§ bie§ ©crtttorat bereit« t)ergeben n>ar. 

Da er nun feine Suft em^fanb, in beut[(^en ®ad^en gu arbeiten, fo 
üerfiel man auf bie Sfljectanj bc« gried^ifc^en ©crittorat«. „^6^ »erbe eine 
anbere "^rfon ju fj)ielen fuc^en unb l^offc einen jKibfnid^en 83efe]^l gu erl^alten 
gur Serfertigung ber mangelnben Sicgifier ber griec^ifd^en aKanufcrii)te (e« 
toaren bie ber Königin (Sl^riftine) unb eine« ©enerolregifier« aSer Qobice« 
biefer ©prad^ in ben »icr ©ibliot^efen ber Saticana. „3Stxm bicfe«^ 
(fd^reibt er SSäaltl^er), »o id^ üon bem £)bert>orjie]^er ber öaticanifd^en SibIio= 
tl^ef (äffemanni) öielcn SBiberflanb finben tüerbe, gelingen foHte, fo toeUm 
mir beibe* au<^ balb mit etmo« gried^ifc^em an« Sid^t treten". Sirflic^ erl^ielt 
er in ber l^eiligcn 9Bod^c 1764, n>o ber ^abfi bie SSaticana gu befuc^cn 
)>f(egt, burd^ ein foftbare« Sreoe bie 3lnn>artfd^aft auf bo« griec^ifc^e ©crittorat, 
unb bie Sntoeifung be« völligen ©el^alt« t^on 16 Scubi monatlid^. 

^ier l^atte er SoIIegen in ben beiben gried^ifd^en ©crittoren ober '^ro- 
fefforen, grang SKariani unb Semagga, bie „gur Slotl^ einen Äird^enöater 
langfam bud^fiobiren fonnten". am meijlen ocrjlanb Semagga, ein ©ried^e 
ou« ®cio; biefen fd^üig er gu SoHationen cor, g. Sä. 8iei«fe för ben Demo= 
fl^ene«; er feiine »enigflen« bie @^)ra(^r*egeln , obmol^I er ben gried^ifd^en 
Äfbner getoiß nie gelcfcn l^abe ; aud^ xoor er, feit er aufgel^'ört l^attc bürftig 
gu fein, fe^r fojlbar gctoorben. ,,er l^at inbe§ ein fc^arfe« »uge unb arbeitet 
mit groger JReblic^feit". 

Da nun ber erfie Sufio« »ffemanni fein @riec^if<^ ücrflanb, fo »äre e§ 
je^t SBindfelmann« Dbßegenl^eit getoefen, ben (Satalog ber gritd^ifc^en Wtann^ 
fcri^te gu machen, ber auf ben ä(f[emannif<^en ber £)rientalia l^Stte folgen 



§ 97. (Sonftantin 9iuggt€Yi. 31 

fotten. äBct baran^ ctflärtc er am 16. gcBruar 1766, tüctbe er im Smfl 
ntc^t einmal benfcn, nimmermcl^r fei ein Slatt jencö Satalogö ju l^offen. 
!Der ^auptgrunb fei bie Siferfud^t auf biefe @^ä^e; man molUe fte nic^t 
kfannt mad^en. 3)0(^ n>ar einmal bie Siebe \>a\>oti, äBincfelmann t)on Seiten 
bed ))SBf}Ii(^en $ofd eine ScQma^t }um 9(nfauf t)on 3)tanufai))ten im Orient 
}u ertl^eilen, um jene ^tit, ald äRontagu bur<^ 9tom !am. 

äte ber 5Ruf nac^ Serfin in 9iom Befannt njurbe, Bot il^m ber '^aBfl 
fogar bie ätnnxtrtfc^aft auf ben erflen ertebigten 6u{loben)>cflen an, alfo bie 
erfle unb ,,jiemlic^ einträgliche" ©teile, neBfl einer außerorbentlid^eti ^enflon 
ixß gur Srlebigung. äffier fettfl bie ffifljectanj be« ©crittoratö ^at SBindet 
mann nie angetreten, unb feit bem 5Rot)emBer 1766, aW bie beutfd^cn 
Surften in 9tom nniren, entBanb il^n ber Sarbinat aud^ Don ber Seq)f[id^tung, 
^laderei nennt er c«, in ber SiBGotl^cf ju erfd^einen. „Die SSaticana l^aBe 
iöf flittfd^n^cigenb auf gegeben", fc^reiBt er ben 17. gebruar 1767. ätt ber 
(Srfolg ber „SWonumenti" feine B^h^nft geflirrt ju l^aBen f(^ien, erüarte 
er, „üon ben römifd^cn Iro^jfenBelol^nungen nxiter nid^tö angunel^men". 
D^ntffin Befam er auS ber Saticana „aUed, ol^ne einen ®d^ritt l^ineingut^un". 

§ 97. 
ßonftantin 9tuggieri. 

I)er 3lBcnb biefe« glüdflic^cn 3al^rc« 1763, baö unferm greunb eigents 
fic^ erfl bie römifd^e civitas Befc^eertc, tt)urbe burd^ ein erf^üttembe« ffireignig 
terbüflert, ben SSerlufl eine« eblen greunbeö. I)aß SeBcn beß äBate Son= 
fiantin 9iuggieri geigt unö bie römifd^en ä^P^nbe »on il^rer buuHen ®eite; 
bad ioo9, ttkläft^ bem uneigennü|igen, n)eltfremben ©elel^rten bort Befd^ieben 
fein tonnte. ©cBoren gu ®anf «rcangclo Bei Siimini 1714 l^atte er in 9tom 
bie Slbüocatur lernen foQen, aBer fein ®eniu0 gog il^n gu ben SHtertl^ttmern, 
l^eiligen unb ))rofanen, gu !I)i)>lomatiI unb ^rd^enl^iflorie. ^ ben iungen 
©efd^ic^t^forfd^er ttsix bamafö gu 9tom eine n^al^re Scabemie ber @aal be§ 
Berül^mten Prälaten dufht^ Sontanini auf bem $incio, n>o benn auc^ ber 
junge Sonflantin aQaBenblid^ k)on Xraflet^ere au$ ]^in)>ilgertc. Salb galt er fttr 
ben erflen Äenner römifc^er ärd^ioe, er fd^rieB eine Anleitung gu il^rem @e= 
Braud^; fein Sarbinal, fein ?ettcrato, fein Äloflermann jeglic^n Drben^, 
ber nid^t fftr bal^in einfd^Kgigc «rBeiten feinen 9iat]^, feine ^tilfc gefud^t I^Sttc. 

3)er Carbinal OttoBoni üBergaB i^m bie gn^eitaufenb ^anbfc^riften feinet 
Ol^eim« «Icjanber VII gu orbnen. ffi« ifl bie SiBliotl^ef aRorcctt II, bie 
bem Sarbinal ©irletti loermac^t, bann oon Slfcanio (Solonna gefauft n^urbe 
unb burd^ 3ol^. Slngelo ?lltcmj>e auf bie OttoBoni'« üBerging. Stuggieri 
catalogifirte bie gried^ifc^en Sobiced unb Beforgtc f^ter bie (Etm)crleiBung 



32 BmXt» i93uc^. I. 2>a« QpofU>\x\^ tbttiquariot. 

• 
biefev Don beneblet XIV etiootbenen ,^OttoBontano'' in btc Satteana. 2)ann 

iDUtbe et Sonfetoator ber Stbliot^el 3m)>erialt, bantatö int Seft^ beö 92ea^ler 

$rtncq)e bi grancamda, unb ba lernte et beffen SettcT (SptneUi, ben ^tS= 

fectcn bcr $to)>aganba lennen, ber tl^nt bte Xufftc^t über bte groge 3)ru(feret 

btefer ainflalt übergab, d^re orientaltfd^e Sbt^eilung t^erbanft 9{uggiert eine 

Innige 92eugcftaltnng. ünif in biefent mid^tigen S(mt blieb er aber in ))ölliger 

@eine befien dal^re gingen ^in in XuSfül^rung geleierter äBünfc^e unb 
©riOen be6 $abM unb be^ QarbinaU feinet $atron^. !£)er Solognefer 
Senebiet XIV n>oIIte eine ©efc^ic^te feinet cl^emaligen ^Jidtl^nm^^ unb trug 
fte bem 3Ranne auf, ber il^m atö 3(manuenft^ bei aQen Ausfertigungen ben 
ard^ioalifi^^l^ificrifc^n S)9))arat }u befc^affen l^atte. @r entbedte 1756 in ben 
2)iarien ber 3m)>erialifdeen SSibliotl^e!, bag bie (Eintragung ber 93uQe Uni= 
genituS als ©biubenSregel in bie Slcten bcS Sateranccncitö eine ^alfci^ung 
fei, unb ber alte 'JJabfl, erfiaunt unb aufgebracht (fonbcrbarer ©c^roärmer!) 
mar um fo geneigter, }ur 93eilegung beS unfeligen Streitet bie $anb ju 
bieten. Son bem (S<^a6 ber 3(nccbota, bie er für ftc^ gefammelt, )>rofitirten, 
3)anf feiner maglofen ®cfaüig!cit, nur bie greunbe. 2)er !Cru(f feiner erflen, 
Ottoboni gemibmetcn üDiffertation über ben Sifc^of ^i)>))ol)^t oon $ortud 
nutzte unterbrochen werben, unb bie bis @. 80 abgejogenen Sogen n}urben 
bem Seucrnjerfer ber ffingeteburg für bie ©iranbota am '^eter= unb ^autefefi 
oerfauf t. (2o oerlief fein geben in „Srol^n ol^ne £o^n" ; nic^t nur arm blieb 
er, fonbem felbfi o^ne ben eitlen Srop, einen „SRamen" ju l^interlaffen. 
3n einer furjen Sorref)>onben3 mit äRuratori über bie (SonflantinSinfc^rift 
üon ©petto (roo er auS bcr @j>rac^e bcmeifen »itt, ba6 fie gefälfd^t fei — 
mit Unrecht), bittet er ben ''j^robfi oon äRobena, ber fein critif(^cS Urtl^eil 
bett)unbert l^atte, ja feinen Stamen ju )>erfden)eigen, todl in 9tom fc^leid^enben 
Seinben aSeS ein Sonoanb merben lönne (perch^ si sta in Koma, dove 
pur troppo c'^ chi va cercando, come si aaol dire, pampini per attac- 
carsi. 21. Ott. 1733). 

3u 9tuggieri'S jal^lreid^cn t^eunben gel^örte aud^ äßindelmann. Sin 
Srief aus ^orenj oom 3. October 1758 ifl oott oon SluSbrüden inniger 
t$reunbf(^aft ut^ Sere^rung; er nennt il^n ben erften Sl^renmann unter 
feinen iJreunben.**) „Cin SRann, bcr fe^r oiel unb mit großer ©cftigfeit 
\px(uif. aReine S^eunbfd^aft gegen benfelben mar eine mal^rieaftige fiarfe 



^ *) «19 ^etano 3Ranm bie ^rafectur beS t>aticamf(^ Src^iioS erhielt, fc^rteb 
ll^m du ^eunb: £' vero ehe N. S. credera di aTern fatto cardinale, ma gli si po6 
far ■ovTenire, che Buggieri con prefettura si ampia era poveristimo. 

**) Non posso pensare a Roma senza nn istinto simpatico Teno il piil gran ga- 
lantttomo ool quäle la mia buona sorte mi ha unito di TOglia e di sentimenti. 



§ 97. (Son^ontin Stu^gtevü 33 

$a|{ion, unb i(^ glaulfte nic^t, bog man niel^T ^eunb fein tann, atö tc^ e^ 
getDcfen bin. SRein ®eiß mar Beßonbtg um il^n. ^t} unb @tnn trugen 
mic^ }u il^m, unb mein @eifl eilte il^m entgegen, n>enn iA il^n erbUdtte. 
@eine ^nnbfd^aft gegen mid^ nxir ber meinigen Sl^nlid^; unb er rebete t^on 
mir mie loon einem augerorbentßAen SKenfd^en, unb tml fein 9Bort t)on 
grogem ®en>i(^t mar, l^aBe id^ il^m fel^r mel meiner Sld^tung ju banfen". 

9tuggieri mar fel^r (urjflcl^tig, er trug ben &op\ etma§ auf bie linfe 
@(^ulter geneigt; menn man i^m Begegnete, fo erfc^ien er ftet^ in ber Gat- 
tung unb mit ber SRiene tiefen 9tac^finnenS, bie aber glei(^ aufglSnjte, 
fo Balb er eine befreunbcte Stimme ^örte. SBie »iele SRelanc^oIifer mar er, 
menn @efellf(^aft i^n aud feinem bunllen (Element l^erDor^og, fel^r aufgeräumt, 
gef^)rä(i^ig , fc^erjl^aft unb ma^rl^aftig; babei aufbraufenb, aber f^nett ju 
begütigen. 

Iroft feiner einflufereid^en ®önner (mie ^fjionei, lamburini, Orfi, 
@to))))ani, ©anganeQi, äKigajji) fel^Ite e^ bem felbfUofen ÜRanne im fftnfjig^ 
jlen 3a^re an ben SKitteln jum forgenfreien geben. 3)er elenbe gol^n fo 
tieler SRttl^en, bie 3«in*ttung feiner l^äuÄid^en Ontereffen, 3«T^ttrfnijfe mit 
Srttbem, 9(i))aßtäten, iBeleibigungen mäti^tiger ®egner, bie il^n in ben Qer- 
bod^t be^ danfenidmud brachten, l^atten \6fon lange an il^m genagt, ate i^n 
ber pUlgitvift Zclt> (SpintUV^, auf ben feine Hoffnung befferer 24ge gebaut 
mar, unl^eilbar erfc^ütterte. ©eitbem mar er ein gebrochener SRann. Cr oer= 
fiel bem SerfolgUng^ma^n, fein @ebäc^tnig litt, er fal^ flc^ t)on ftnfiern ®t^ 
banfen mie ))on 2)amonen überfallen, unb t>ergebli(^ fud^te er ®(^u^ in ber 
Äeligion. SJon einer (grl^olung^reife nad^ 24>bi, ^^erugia, «ffifi in Segleitung 
bed 3tuguflincrd Antonio ®iorgi lam er }urttd abgege^rt unb mit ben @)>uren 
tiefen ©eelenleibenö in ©liden, ©eberben, ©eufjem. Ämobujji ber ben 
alten freunblid^en (Sm))fang fanb, aber töbtlid^e @(^mäd^e unb @)>uren t)on 
@eifie^t)ermirmng entbedfte, eilte fld^ mit ben grreunben ju beratl^fi^lagen, 
ba !am bie ©c^reden^botfd^aft, bog er in ber 3)torgenb&mmerung M 
11. Stotoember burd^ einen ^ifiolenfd^ug in ben ^ate feinem Seben ein (Snbe 
gemad^t l^be.*) 

*) Tandem Bomam venus iter denuo ingreMus, incredibile est quam orebro, et 
quanta oam sooii speotatiaBimi admiratione torbatos ocoloe, et gemita grayidoe in coe« 
lum toUeret, alta suspiria ex imo pectore duceret, et paridus interea, ac tremens 
■forte ad aTertendas mentis, quam stoltescere praesentiebat, inntas tentationes, ac terri- 
enlamenta salatiferam crucis Signum obristiAno more ingeminaret, qttibns oertisBimia 
antiquae pietatis indiciis iter omne absoMt; donec Romam ad d. VI. Idus NoTem- 
bris praecbcti anni pertingit. Sequenti die, nulla iniecta mora, de ejus adventu com- 
monefSutns ipeum invisi, atque ab eo amplexo, osoulis, ao oaeteris amicitiae blanditiis 
ezceptus snm. Verum ita me perculit et corporis maoies, et animi jam evanidus 
ardor, quo plurimum antea praestiterat, ut mihi tum de omnimoda mentis alienatione, 
jua jam progredi ooeperat, tum de breti msius interitu timor obrepserit. flmobu^i 
in ber ^taccoUa (Saloaertona 1770 ^. 99. Un d onest' uomo non meritava di morire 
all' Inglese, \6fxt\f>t ^jferi an Olii»ien ben 22. 9{otHmber. 

dttfli, flNadctnonu U, 2. 3 



> 



,,3cfet befomme td^, fd^ciBt SBiurfcImatm bcn 12. yicxibt., bic UttSbtt 
3t(ixt)X\6ft, ba§ einet meiner Bcflen greunbe, We ic^ anf bcr SBcIt l^attc unb bct 
befte in 9toni, augetl^alb (ber ®tabt) auf engfifc^e SSkifc mit einem ^iftolene 
f^ttg aud biefer 2BeIt gegangen. . . Qr ukit bereite el^e er an9 Stom ging, 
in bie äugerfte iWelonc^olei gefallen, bie il^n ganj terjel^rt l^tte. Dicfcn SJer» 
Infi fann td^ in Äom nimmermel^r etfe^en". „^ »ar ganj unttöfHid^", 
f^reibt er f<>5tcr; unb: „^ lebe ouget bem Sarbinal ol^ne gtcunb, nad^= 
bem fld^ bet einjige, ben mein ^erj in 9tom l^atte . . . erfc^offen.'' 

§ 98. 
(SngISnber. 

(Seit einem dal^re etnKt l^atte SBincfelmann angefangen, f^embe atö 
geleierter t^l^rer in 9tom ju geleiten. ®o^e unentbel^rlid^ unb gut ^ono= 
rirte ÜDienfte galten feit äal^rl^unbertett aW feftfteerjlanblic^eö ®efc^&ft ber 
* r5mif<ieen Antiquare üBerieau)>t unb be0 a^oftolifc^en indbefonbere; n)er ^tte 
fle fonfi leiflen fottcn? granceto ©iand^ini, ®ori, »or aflem gicDroni 
toaren in biefem ®ef(^Sft euro^jaberöl^mt. Unb tt>er tonnte fid^ in 9tom ber 
3ficvi^t ber Xrabition entjiel^en! !Z)ad neue 3(mt, txa er nobel mad^en n)onte, 
jog il^n nur tiefer in ba« ßiceronentl^um l^ificin; auf feinem jeftigcn Stanb» 
ort fiel er jebem fjremben in« äuge, unb ttjcnn er mit ben (Snn>fc]eiungen 
auc^ nod^ fo rfttffldetSloö tcrful^r unb feine ^crfon neäf fo fojlbar machte: 
unter fo oielen flie§ er no^ immer auf 8eutc genug, benen er nid^t (in^^ 
»eid^en tonnte, ja um bie er fld^ bcinal^c ben)arb. 

Slud^ bie längeren ober ffirjeren Surfe, in meldten bie alten unb neuen 
(Suriofltaten 9tomiS nad^ ä(rronbiffement0 abgegangen n)i^rben, nKiren bur^ 
bie Ueberlieferung feftgefteHt. Kn bie jiemlid^ anfhrengenbe Xageöfal^rt fnö))fte 
fid^ eine groge Stafel im SIbergo ober in bem gemietl^eten ^la^o, unb ba 
aud^ Ziooli unb Slbano im Programm fianben, fo maren foU^e (Engagements 
fel^r jeitraubenb. — 

Unter ben 9teifenben nal^men burd^ ^cifjH unb äteid^tl^um bie (SngISnber 
ben erflen 9{ang ein. Sei ben (Englanbem toon einer gen)iffen ®tufe ber 
gefeßfc^aftrid^en Scala an gel^ört bie JReife nad^ 3taßen fc^on ju ben Dingen, 
bereu Xttefl de nguear nxtr. 93iele blieben dal^re lang , einige il^r ganjeS . 
8eben in 9lom. ®ie flanben mel^r in anfeilen aW irgenb eine anbere 
Station unb nid^t blog n)egen il^rex ^funbe; — obmol^l il^r Scugerc« bem 
Italiener jiemlic^ ben (Sinbrudt einer Saricatur mod^te. (SlemenS XIII be^^ 
}eugte einmal, bei ©elegenl^eit eine« oon (Snglanbem begangenen rollen 
(Bifceffe«, fein ffirflauncn, toie n)cnig man fonfl oon bergleic^en l^Src, tro^ ber 
Sugcnb ber mcifien, il^rcr (Entfernung oom SSaterlanb, unb bem gcl^lcn jcber 



§ 98. (Sii^UUiber. 3& 

fbk^t & erfd^ten ben dtaltenem, n^entt fie an bie Ia)>^tfd^n unb etn^ 
tSnigcn ^tx^tvivin%tn }Antx jungen SttoBili backten, ac^tBat^ toic btcfc Stents 
ben il^re jhtnfif<i^% auffud^ten unb butdg mtt^ohx]ift @rünblid^!ett ben ÜRangeX 
an ©ef^niad unb (Enq>ftnbung }U erfe^n fuc^tcn; tok fie^ fo fel^r fte fic^ fUr 
bte flfigfle unb niac^tigfte Station ber SBelt l^ielten, tl^rer ®)yrac^e unb @ttte 
Xnfmerffantfett fd^enften, Originale unb Sorten il^ret Ihtnfi aU ebelfien 
@c^ud bet '^ISfie ntitfttl^rten, ja )Dte t9 il^nen gunt iBebürfntg nmrbe, 
(Sinbrüdfe dtaßend burd^ 92ad^BiIbungen gu einem Bel^ertfc^enben 3^8 ^ 
UntgeBung il^re^ Htnftigen SeBenö gu mad^en^ ^ auf il^ven Sanbfl^en ein 
jtleinitalien ju fd^ffen. & gaB aud^ Bereite eine Kolonie Britifd^er ÜRaler 
unb Sitbl^auet in Stont, ntftgige^ f(ei§igc ?eute, bie meifi t)ont (So^iten leBten 
unb in ber 9tegel il^re l^unbert $funb jal^rlid^ )}etbienten. 

9ud^ buTc^ SBindteIntannd Briefe giel^t ft(^ eine 9tei]^e t>oxm^vxix (Eng- 
lanber, bcnen et feine SBorte für ®uineenHang uerfaufte. ffir muß il^rem groß^ 
artigen Untemel^mung^eif} au(^ im ®eBiet ber ord^&ologifd^en (Sntbedhtng 
aOe Xnerlennung }oIIen, nic^ mtnber il^rer SereitmiOigfeit auf ben {1^ regen- 
ben reineren ©efc^mad tl^attg förbcmb einjugcl^en. ,,®IauBcn ©ie mir, biefe€ 
ifl bie eittjige Station ttxld^c n>eife ifl. . . SSBaö für arme elenbc Jtittcr finb 
inSgemein unfcre beutfc^en Steifenben bagcgen!" SKanner »ie Sir l^orace 
aRann in Slorcnj, Hamilton in 9?ca<>el, ber balmatifd^e Jlbam, ^enr^, 
denlin«, ber ,,Berüd^tigtc" SBitfe«, ber cble ^offi«, (beffen gute Ächtung fftt 
i^n ein ^negi^ricud fei) unb fo mand^e Srjoriginale, ge^Brten gu ben erfreulid^^ 
flen ?[Bn)ed^filungen • in ben jol^Ireid^en römifd^en ^rfonalerinnerungen. Unb 
Sincfelmann l^atte nid^td oon Vnglomanie. Sei feiner Steigung für fftb^ 
Ii(^e6 SBefen motzte il^n bad pl^legmatifd^e j£cm)>erament, bie ^Bljernen 
SDtanieren, ber peifc Cmfl leicht ungebulbig, ©teinfol^Ienfeclen nennt er bie 
gekoöl^nlic^en Snglanber unb fuc^t oon il^nen Io^}uIommen. On einer ®c^ 
feüfi^aft Sritannier (barunter 8orb SioBcrt @<>encer), »o er gen5tl^igt tfl 
mitgueffen, ^fladftt oon allen SRiemanb brei ganjer ©tunben"! SEBie oer« 
f<^ieben oon ber 9(rt römifd^er ®roßen n>ar bie inl^umane Sitte M (SnglSnberS, 
jieben ben er Bejal^tt att ©cloücn, aW leine« ÄffectionÄjerl^ättniffeÖ »ürbig 
JU a(^ten. „Sdf t)crmeibc bicfc inl^of^jitaBte Station ttyo id^ fann ... in ber 
©efeHfd^aft ber Sl^crofflni rebc id^ mit feinem (Snglanber". -Die ©d^Snl^eit 
ber ISnglanberinnen fhauBt er fld^ jujugeBen,. bie f(^5ne ?abif @^)cnccr, bie 
f(^5nfle unter benen, bie er gefeiten, flnbe oiele il^re^gleid^en in 9tora 
(StoüemBer 1763). ,,?cBen ©ic fröl^fid^, n>ünfd^t er©tofc^, toenn eö möglich 
i% unter einem oerle^rten, ßBrrifc^en Soll, unb ol^ne ©onne, l^eiteren ^inrntel^ 
feine ?uft unb gute« ffiaffer". 

am njenigftcn n)ontc er gelten laffen, bog Cnglanbcr üBer ©efc^maWs 
fod^cn mitreben fönnten. (£r fanb unter il^nen SKenfd^en, bie in Sejiel^ung 

3* 



36 B^t^ ^^^* ^* ^^ apofurtfd^ 9[nti<(ttanat. 

auf ben <S<^5n^ettdfinn t>cn ber 3latm getabeju flBergangen fc^tenen. „iün 
junger Sritte üom crjlcn Slangc gaB im SJagen nic^t cinmat ein ^tiifvx 
bed iüeben^ unb feinet !Z)afein0, ba id^ il^m eine 9tebe l^ielt Über bie ©c^on- 
l^cit be^ ?lj?oIIo unb anbetet Statuen ber etflen Slaffe." (St toat gefjKinnt 
batauf^ ob fein Soturtl^eil toiberlegt loerben tottrbe burc^ bie il^nt aU ein 
ÜReiftetftiid ange^tiefenen (Elemente bet Stiti! bcd Schotten $entt^ $ome, 
bie aUerbing^ fogar i^efftng überfein rooHtt. „^i^ glaubte mel 92eued }u 
finben, unb fanb einen Reinen meta)>]^^rtfc^en Sd^mä^et. (Sd ift aud^ ein 
So^itel t)on ber. @d^5nl^eit, "mdift^ ein (S^rdnlanber l^atte f (^reiben fönnen. 
Säf fe^e, bie Statut tl^ut ni(!^t mel^r SBunber in (Snglanb, al^ bei un0 . . . 
3n bie filtnfl mifAe fl(^ bet SBritte nid^t ; unb toir tottitn audf nimmctmel^t^ 
fo tocnig att unfete JRod^fommen^ etleben, ba| bie ^n% »ie fic^ einige 
(gnglänber fd^meic^ln, dtalien wriaffen unb nad^ (gnglanb gelten tt)crbe". 
{!• 3anuar 1763).*) — 

3»it jttxi fel^r feltfamen traf er im 3a^re 1762 jufammen. „Sif l^be 
je^t (fc^reibt er ben 17. December 1762) mit einem ?orb Sattimore^ 
tt>etd^er i^err t>cn ganj SKar^Ianb unb Sirginien ift unb fid^ mir gleid^fam 
oufgebrungen l^atte, ju gelten. . . g« ip ein SRenfd^ »on etttKi üierjig Sal^s 
tcn^ tt>cl(^er »erl^eiratl^ct gctoefen mit einer lo^ter ber S)ud^| 83ribgen>ater, 
ton ber er feine Sinber l^at, njo^I aber »on anbern grauenjimmem^ unb eine 
fftl^rt er mit ftc^ . . . eine fc^öne . junge (£ngISnbcrin. . . (£r l^at breigig:: 
tanfenb ^funb ©terting jäl^rüc^ed (Sintommcn, bie er nid^t ju genießen n)ci§. 
— SWein 8orb ifl ein Original baö eine Sefc^reibung »erbient; e« ifi ber 
augerorbentlid^fle (Snglänber, ben id^ unter fo oielen biSl^er fennen lernen. 
(Sx glaubt er l^abe juöiel Serjlanb, unb ®ott fönnte ein Drittl^eil in ®tSr!e 
iocmKinbeln. . . ffiö ift^ einer t>on ben beflialifd^en, unglildflic^cn (Snglanbem, 
bie alle« in ber ®eft mttbe finb. Die SSilla SBorgl^efe fallen toir in einer 
l^alben Siertelfhtnbe, nic^t« atö bie ^eter^Iird^e unb ber oaticanifc^e ItpoÜ 
^t il^m gcfaüen". (<Sffaxp ber gmei Oal^re fj>ater lam, erflärte ben flerben- 
ben 5«^ter für bie ergreifenbfte oon aßen ©tatuen unb 3Balereien JRomö.) 
,^9ud bt^fem ©runbe gel^t er nad^ (Sonftantino)>el }u l^anbe, n>o er einige 
3al^re, toarum rm% er felbft nid^t, bleiben n)ill". Am 29. 3anuar l^eigt 
e« bann: ,,ÜRcinen ?orb l^abe ic^ nad^ oierjel^n lagen fiften laffen, ttytxl er 
mir bermagen unerträgfic^ tourbe, bag ic^ il^m meine ÜReinung fagte". üDiefer 
SWarr in golio ^atte fid^^ toie Bamberg erjäl^lt^ üorgenommen befiSnbig ju 



*) SCe^nßd^ Soltatre: „C'est un effet admirable des progr^ de resprit homaiii, 
qa' aujourd'hui il nooB rienne d'Eoosae des rögles de goüt dans toos les arts, depuis 
le poSme dpiqne jüsqa'aa jardinage. L'esprit hamain s'^tend tous les jours, et nous 
ne devons pas d^esp^rer de reoeToir bientöt des po^tiqaes et des rh^toriqaes des iles 

Orcades'^ ^ome l^tte Sloäne unb ben ^rten i9on QerfaiOed ctitifirt. 



§ 99. ayiontagu. 37 

reifen^ »ctl et nid^t n>iffen »otttc, »o er Begraben »erben toütbe. ®cifi 
dal^re f^ter taud^te et in SBten auf mit einem ^arem )>ün ac^t t^tauen^ 
in bem jtt)ci Sieget (corregidori) bie ^olijci machten. 2Rit $ülfe feinet 
Ätjtefi fieöte et (Sj^>crimcnte batin an, inbem et bie fetten mit fauten ©j)ci« 
fen, bie mageten mit 2Ril<i^ unb §Icif(^Btül^e fütterte. ÄK il^n bet ^rfijei:: 
c^ef etfud^te angugeBen, iStlöfc t)on ben ac^t @ignota$ feine f^au fei, etllatte 
et, „et fei (SngISnber, unb n>o man il^n ftBer feine (SSft gur 9ted^enf(]^aft 
jiel^e, jjflegc er, tt>enn er fiii vxäft Bojen Wnne, fofort albjureifen". 

Son gleid^em ©d^Iag fanb äBindelmann ben $erjcg t>on 9to(Burgl^ 
(Sto^Bur^). IDiefen fc^ilbert un^ (Safanoioa atö ben fc^n^eigfamflen 9Renf(^en 
ben et gelaunt. (Sx toot il^m aW fel^t untetrid^tet, ja geijtreiij^ unb mut]^= 
n^iUig gefd^ilbert n>otben ; „aber eine unüBertvinblid^e ©(i^ttd^teml^eit gaB feiner 
Crfd^inung etUKt^ unau$f)>red^ßd^ lOBeme^. Suf SäQen, in feinen ©efeü^ 
fii^ften, furj üBeratt Beflanb feine ^öffid^feit in einem Raufen Don SRcüe^ 
renjen. SEBenn man ba9 äBort an il^n rid^'tete, fo antwortete er in gutem 
tJranjBpfd^, aBcr mit mSgßc^P toenig ©orten, unb feine Blöbc Haltung geigte 
beutlid^, n>ie unBequem il^m aKe fragen nxiren. (£ined Xag^, M i^ Bei 
il^m a^, fragte x6f il^n einiget üBer fein Saterlanb, n)a§ mit ein paar ^S^en 
ju fagen »ar, er antwortete mir fcl^r gut, aBer errBtl^enb wie ein jungeö 
ÜRSbd^en, ba^ gum erßen mal in ber 993elt auftritt''. 

«m 5. 9Rarg 1763 f(^reiBt er SäSaftl^er att ®runb be« «uffd^uB« ber 
nca^pelf d^n Sieife : „3(^ würbe oon brei englifd^en Ferren, bem ©nie of Oorbon, 
bem Sorb $o)>e unb bem S^etHiIier @tea^]^enfon erfud^t jeben indBefonbere 
in 9tom gu fttl^ren, welc^9 xif Üftxl9 meinet 9hi|end wegen, tl^cil^ weil e9 
ber Sefel^I ®. Smineng war, nic^t au^fd^lagen lonnte. 3d^ werbe auc^ nad^ 
Dfiem gween anbcren ?orb« eBen l^ierin bienen muffen". 

§ 99. 
aWontagu. 

!Der feltfamfle unb ejtratKtgantefie felBfi unter ben (Snglanbem wav 
nad^ bem Urtivit ber QtxtitM^tn ber 9{itter (S^arle^ SBortle^ SRontag» 
(geB. 1713), ber ®ol^n ber Belannten ?ab^. Sr erfd^ien im ®ommer 1762 
gu 9tom auf fetner Durd^reife nad^ bem Orient. „Sr ifl, fc^reiBt äBindtet 
mann, ein großer ®elel^rter in üRatl^ematif, ^l^^fil unb fonberlid^ in morgen^ 
Unbifd^en ®px(iii^n, unb gebeult, afhonomifc^e, ^l^^flcalifc^e, Botanifd^e, ge^ 
leierte x. (Sntbedtungen gu machen. & ifl berfelBe in ber dugenb mit feinem 
Batet, weld^er ©otfd^fter an ber "Pforte war, lange (1716—19) in (Jon» 
{ianttno))el gewefen, unb ber erfte (Suro))Ser (wie er fagt) an weld^em bie 
Sin)>fro^ng ber Slattem terfud^t worben . . . SoUaire rebet oon il^m in 



bm Lettres sur les AngloiS; siir rinoculatiaa etc. ... (Er reift mit einer 
ÜDome^ bie feine 8cm>anbte fein foU. 9liäft^ l^at mici^ m^r an tl^m it^ 
frembet M bie gertigfeit, mit weither er beutf(^ f?>ru!^t. (gr ^ in gei^jjig 
ffatbttt. SieHetc^t !ommt mir ber SSJurm, mit il^m nod^ Xegt^ten gu gel^n''. 
S)ie Steife nod^ ©ried^cnlonb unb Sfien nxtr „hvacSft Befd^Ioffen'^ (Er lernt 
mit i^m araBifd^ unb ifl nol^ baran, fU^ ben ftart flel^ ju laffen unb 
einen SurBan aufjufe^; benn SRontagu n>oIIte ncuj^ Segt^ten unb bur(| 
Arabien gelten unb trat bereite ju $om im 99art auf. (Er gebadete {Id^ 
fonberlic^ am rotl^n SKeer ein ganje^ doi^r aufjul^ten; bie ganje 9teife 
ober »ar auf gel^n Saläre gugefc^nittcn. — * 

^,9Rcntagu, fagt Sionconi, ^atte mit. feinem äRenfd^en Xel^nGc^Ieit in 
ber S)i)ar«erie feiner 3been unb ®ett)o]^n]^iten, unb eigentlid^ n^oQte er aud^ 
m felbfi nid^t oJ^nCd^ fein^ fo beforgt nxtr er^ fftr einen äßenfd^en n>ie 
onbere gel^alten jn n>erben. 9Rtt ben feltenfien @aben )>erBanb er bie \ai^ 
Qc^ßen SorfteÜungen ; mit bem logifc^fien £o)^ tertrug fid^ abfolute Qn- 
confequen}^ neben ben umfaffenbfien ßenntniffen unb fiberrafd^nber ©elel^r« 
fomleit jeigte er f!c^ in taufenb ^SSitn unBelannt mit ben gemeinften 
gefeUfc^ftlid^en Srau(^en unb bem gen>e]^nlid^en £auf ber 2)inge. 3^^^^^" 
mod^te er $alt in feinen Ungereimtl^eiten; be$ ©lonjed feiner ®eBurt fld^ 
erinnemb, nal^m er einen 24>n t)on SSttrbe an^ ber mirlTu^ im)>onirte; aber 
gor bolb mad^te il^m ber 9lef))ect feiner Untergebenen nnb bie ^eunbfd^aft 
wn feinet gleid^en Sangen?eile, bann trieb e9 il^n l^erabgufleigen unb k>er' 
mifd^t mit bem unterßen *$SbeI }u leben". 

®d^n tn ben ^abenjal^ren melbcte ftd^ biefer 2)rang in bie nieberen 
(Sloffen einjutand^en ; über eine gen^iffe 3^^t n^or e9 il^m nid^t mSgfid^, in 
feiner fociolen (Bpffoxt auS}u]^aIten. (Er entfiel^ ber äBefhninfterfd^uU unb 
gab eine ©afhoQe aU ®tra^ente]^rer)unge; bann ald t^fd^erlnabe; bann tief 
er einem ©d^ifföca^)itän, einem Dualer ju, mit bem er nac^ £)j)orto ful^r^ 
befertirte aber unb lebte einige Oal^re att SKaultl^iertreiberiunge in Portugal, 
bi6 il^n ein 3"M cntbedfte. Die gamilte, auf fein unrul^ige§ SBefen ein= 
gel^enb^ fanbte il^n auf %eifen, na<^ SßefKnbien. 3^^^^^^ ^^ melbete fld^ 
ein unbegrenjter SBiffendtrieb, unb fiberaO mit glänjenbem (Erfolg, befcnberS 
in alten ®)>rad^en. Sei feiner WStätoSfx noi^ (Snglanb fd^ien er fo t)emftnfttg 
ge»>orben, bag man ü^n in0 Parlament toSfjittt, unb l^ier foK er geaeigt 
l^ben, bag aud^ ein ©efd^aft^ann, ein ^triot unb Xebner in i^m fiedfe, 
9Ran ftellte il^m eine gro^ 3ttlunf t in 9u^t, f^rad^ Don einer glonjenben 
Partie, ci& bie ftunbe erfd^oQ, er ^abe eine 9BSf(^n gel^eiratl^, Don ber 
er, als fle il^n 3tt tangn>etkn anfing, nic^t anberd lo^fommen lonnte, M 
inbem er ft<^ oon ^ud unb Saterlonb für immer terbannte. Der Sater 
(t 1761) enterbte il^n ju ©unfien feiner ©d^toefier, ber gabij Bute, er crl^ielt 



i 99. SDiontagiL • 39 

jeboii^ tottfenb $fmib dal^tgel^^ unb ncuSf bent Xob ber 9Rutter pKu 
tottfeitb. 

(S^ gteBt leine 9{oKe auf ber SelBendBttl^ne, bie er ntd^t ^toBttt ^tte. 
%tf bem kontinent t)erfu(l^te er ben ^errenbtenfl, in f$elb unb (Sa(tnet, unter 
ben ^erjögen t>m SuntBerlanb unb Säraunfd^lDeig; bann rul^te er fic^ au^ 
in ben bimtigflen ©tubien. „Sn !3)eutfd^Ianb, fc^rieB er Sami, ffdbt vif meine 
Sel^rjal^re in ber Sat)aQerie burd^gemad^t; in ber ^ifimi unb in ^oQanb 
bod gelb beßeUt Sii \dfSmtt mxä^ nid^t ^ofHIIon unb gu^rmann ju loerben ; 
idf t>tt\viditt in ^rid baS I&l^rlic^e ÜRetier bed petit-mattre, ic^ ttKinbelt« 
iu 9lont in Saffd^en unb t)cid(ftnbigte ju ^amBurg @otte9 SSBort in ber 
großen ^aldlranfe. @o l^Be id^ no^ unb nac^ aöe Stollen loerfud^t, bie 
$ielbtng in feinem duUan gegeid^net SRetn Sooö mar baö einer ®uinee^ 
lalb }n}if<^n ben ungern einer ftSnigin^ Balb im ®a(f eine^ f(^mierigen 
^eBrficr^". 

SHd ftd^ in golge Don SßarBurton'^^ bed Belannten S[)>oIogeten, Berufung 
auf bie -ftnaitifd^en 3nf(^riften eine Sontro&erfe entf))ann, Befd^log ÜRontagu, 
an £)rt unb @telle, bur<^ Sot>ie unb (SrÜSrung ber 3nf(^riften biefe Xn« 
gelegenl^eit 3um SBfc^lug ju Bringen. Xuf ber ^inreife toar ^S, m SBindtel« 
mann il^n, unb jnxKr fel^r genau lennen lernte. (Er fd^rteB il^m aud^, juerfi 
«)on Sle)))^!), unb biefe ^Briefe mürben }u ^rid gebrudCt 3^^ da^re malerte 
bie Steife t>on 8[Ie|canbrien ttBer Soiro nad^ bem ®inai; in $aI&fHna l^at er 
Xu^graBungen toeranla^t unb ber ©efellfd^aft ber Sßtert^ttmer Wca^tn ge> 
fc^icft. SBer bie dnfd^riften fd^en i^m nid^t ju entjiffem, Dber bod^ bie 
3Rü]^ ber (Sntjifferung nid^t ju toerlDl^nen. 

(Dagegen mar ed il^m Beft^ieben, in anberer SBeife bie 993elt t>on fid^ 
reben ju mad^n. iDtentagu )>f[egte fU^, feinem Sebürfni^ ßeten SSkd^fel^ 
tnt\pxtäftn\> , üBerall^ mo er meitte, mit einer Zod^ter bed Sanbed ju toer^ 
l^etratl^en; fo l^tte er eine @)Ktnierin, }met ®rie<^innen Befeffen. (Er mar 
ein ÜRuftergatte^ aBer nur Bi6 3um Xag ber XBreifc^ bann lieg er fle cl^ne 
<ille Serimonien ft^n. Slfo Sl^nlid^ mie ^einrid^ VIII, nur bag 3Kcntagu 
nic^t fo gemiffenl^aft mar^ bie frttl^cn grauen ISpfen 3U laffen. du VLt^ 
iranbrien im $aud bed b&nifd^en (Sonfutö, mad^te er Balb bie (Entbedtung, 
ba§ in beffen fd^öner ©emal^Iin bie tl^m für biefe Äeife BcfKmmte grau ges 
fnnben fei ,,(Sx fd^idfte biefen na<^ ^oQanb, ober Beffer ju reben, er toer- 
mod^te i:^n, bai^in ju gelten, unter bem Sormanb, bed äßontagu Sachen bort 
in Orbnung gu Bringen, in @umma, unter einem erbid^teten 9ormanb. 
(Einige SKonate na^ beffen KBreife jeigt 9Rontagu einen iBrief i>or mit ber 
9tad^d^t Don M (Eonful^ Vifttxün, ^iratl^et beffen grau in ber bort 
HBltd^en gorm unb fttl^rt fie auf feinen Steifen burd^ ©^rien mit fld^. 
de^t l^t ber bäntfc^ Steftbent gu (Eonflantino)^t Stad^rid^t erl^alten, bag ber 



([onfui frifd^ unb gefunb }u Xe^el in ^ollanb fei; unb SRontogu n>ttb cmd^ 
iti tttrfifd^en gonbcm ni(^t fielet fein". & ^iefe fogar, er fei it\pit%t »otbcn 
n)egeii feiner fd^anbltc^en ZSfat 

Sr erfd^icn jebixi^ im ©etift 1765 ttwl^l unb gefunb gu $ifa. ,,(5r ip 
ju Serufalcm ftbct bem l^ifigen ®taBe tatl^oüfd^ getoorben, nnb l^at l^ier, 
»H) ni(^tö feltener aM ®elb ift, loom ^Bfi eine ^nfion t>mt taufcnb @cubt 
ntonatlid^ tetlongt, n)otüBer man BilTtg lad^en mfiffen". 

SBer e9 }bg il^n m^tig nac^ bem Often gurftd. ©d^on l^atte er mand^e 
morgenlanbifc^e @itten angenommen unb einen araBifd^ Segletter mit- 
gebroii^t. dm ^rül^jal^ 1768 reifte er burc^ äRacebonien nac^ Sonftanti^: 
no)>eI, erhielt eine Stubieng beim @ultan unb fam nac^ dal^ren aU oxtf^o^ 
bo^er SRufelmann nac^ Senebig gurUd. $ier lebte er in tiefer (Eingegogenl^eit^ 
in gen^iffenl^after 92a(^l^mung tihrfifc^er Sitten unb Seol^ci^ung mo^lemifd^er 
SrSud^e, Bid auf bie falten Sßafc^ungen t)or Sonnenaufgang unb bie ®eBete 
nad^ Dflen. i^amilton unb äRoore gelang ed in feine (^lauf e oorgubringen ; 
er cm<)fing fle oben an ber Strej)j>e unb filierte pc buw^ mel^rere auf üene^ 
gianif(!^e Sßeife mBHirte 3immer gu einem inneren ®ema<^ in gang anberem 
@til. $ier gab e^ leine Stül^Ie, bie @aftt nal^men auf einem @o)>^ $Ia^^ 
(Jr fclbft ließ fic^ mit gefreugtcn 8einen auf einem Äiffen am ©oben nieber. 
®n junger Sieger faß ii^m gur ©eite, ein »ttrbiger @rei6 mit langem Sart 
reichte ben Saffee. !Z)ann mürben aromatifc^ $arge in einem ®tlber)>f&nn:: 
(^en t>erbrannt, er f og ben !Duf t mit SBoßup ein unb rieb il^n mit ber ^nb 
in feinen 9art. 3n feinen 9teben unb SRmtieren fanb SRoore eine SKifc^ung 
frangöflf(^er Sebl^aftigfeit unb ttirfif(j^er ©roDität, er f|>rad^ feltfam feffeinb. 
Som tilrlifd^n Sßefen nnir er gang eingenommen, er pxit§ i^re Steblic^feit, 
®af)freunbf(^f t , i^ren Cbelmutl^, i^r ®lftd unb bor allem bie oemünftige 
Stellung ber äSeiber in ber ©efeUfi^ft — SKontagu ftarb gu $abua, roe 
er im Älofler ber äuguftinereremiten begraben liegt, am 30. Kpril 1776. 



§ 100. 
Stangofen; SBatelet. 

Unter ben Stationen, bie in 8tom il^re (Solonie nnterl^ielten unb all= 
jSl^rlid^ il^re $ilger fc^tdten. Betrachtete äBindelmann bie t^frangofen anfangt 
mit bem nfcnigflen aBol^IgefaHen. Dieg rül^rte nod^ auö (B^urfad^fen l^er. 
(Er bebiente fld^ ber bamaligen $off))rad^e mit menig Sid^ri^eit, unb fal^ fid| 
baburd^ )[)ielfad^ gel^emmt, gur&tgefe^t gegen toinbige ©UMritter. (£r gebeult 
mit Sitterfeit ber „beutfd^en ^ringen, benen Übel toirb, n>enn fle nur beutft^ 
tebcn l^ören", ber beutfd^en ©öfe, „»o ein fangSfif^^et $arlefin mel^r ci^ 



f loe. 9rati)0fen; V^aitUt. 41 

«in nwil^rcT Deutfil^cr gilf '. Vät 9?attonöfit5tcn ctfc^incn in bei gtcmbc 
nid^t jn i^tcm «ottl^il, Befonbetö njenn fle glöuBcn t^tcn Äang nie gcnng 
Benteiiltd^ ntod^en 3» IBnnen, ftatt fli^ SRül^e ju geBen, frcntbe S^ftanbc t>et' 
fiel^en }u lernen. ®oIbcnt toccc crftaunt^ in $atid feine t)on ben l&Sfttlxditn 
Figuren n^iebetjnfinben, bie il^nt (rnß feinem Saterlonb int ©ebSd^tntg nntren. 
!Det Sranjofe etfd^ien in 9tom, ^»ifii^en ^oUiix Sergangcnl^eit, unb fcIBfi 
neben bent dtalienet, nngletd^ be^Iocirtet al9 in bentfc^n 9teflben}en, n)0 er 
n>irffi^ eine ^tit lang, n>ic er fld^ fc^mcic^elte, aW dmfijlrenbe $oteng auftrat 
3)em Italiener ntigfiel baß gaUifd^ f^Iaderfeuer, ber 9RangeI an 9htl^e (flemma), 
il^r unbefcnneneß ©ebal^ren, breift Bei f^rauen, Mnvegen Bei SRSnnem, il^re 
gefeUf^ftlid^ unerträglid^e ©nd^t, üBeraQ bie $erren ju f^ielen, baß SBort jn 
fttl^rcn, aUeß an ^^ß }u ntejfen, i^re ^ecfl^eit üBer aUeß aBjuurtl^eilen. Manbe 
l^tte anß einer t»iermonatIi(!^en italienifc^n 9teife ad^t 9Snbe gemacht, mcrin 
er Jtttnfte, '^olitÜ, @itten, SentKiItung, ©eogra^l^ie nnb Stoturgefd^ic^te 
ergrfinbete: ^^il n' y a qu' nn FrangaiB k qui Dien pnisse aecorder de 
ces fAvenrs-lä'^ @Ieic^n>o^{ mar bie franjöfifd^c Silbung in n>ad^fenber 
XnßBreitung Begriffen. Daß e^od^emad^enbe SEBerf Seccaria'ß (1765) »Kir 
baß erfte auffattenbc 9eif)>iel gan; frangBfifc^en Stilß mit itafienifd^en SBorten, 
n^ie eß fd^on längfl engßfd^ SRnfterfd^riftfleaer gaB, bie frangdflfd^ mit eng- 
Iif(^ CofaBeln fd^rieBen. 

3Me frangöflfd^e «cabemie, faft ein ^al^rl^unbert (1666)>It, l^tte im 
$alaft ÜRoncini il^ren @i$. SDie (Hewn nwl^nten im Cntrefol, ber ICirector 
(Sl^arleß 9}atoire auß 9{ißmeß in ber )n)eiten (Etage, bie erfle xoox ffir bie 
gejie unb Gerimonien beß ®efanbten Beftimmt. Die ÜRalerei tt>urbe ge^ 
lel^rt nad^ bcm Softem ber bc ^ileß unb geBBicn, beffen StSftigfeit burt^ 
Xnfd^uung italienifd^en @tilß unb italienifc^er (S^cution fic^ Bcm&l^ren 
foQte. Die ebrgeijigen jungen ÜRfinner, crgal^It ber 3RaIer %fi%Vx, bie mußten 
bag biefe Siegeln }u {Kiufe allein gu (Erfolg filierten, nal^men fle unBefel^n 
an, fo t)crfd^ieben i^re ))erf Bnlic^n Steigungen fein mod^ten ; bal^er jene ©leides 
fBrmigfcit, bie ber 9RitteIma§igfeit fo nal^e fte^t. 9{adb einer entgfidtten, Be^ 
gierigen @d^au ber SSunbcr 9(omß machten fte alle benfelBen (Eurfuß burd^: 
fed^ß 9Ronatc Satican, gleid^ getl^iU gmifc^n SRid^Iangelo^ß ^crt^ unb ber 
correcten (Sragie 9la^]^aelß, fec^ß ÜRcnate gn)ifd^n ben acabemij^en Xugenben 
^nniBal (Sorracci'ß unb ber 9teinl^eit ber Xntife, fttr beren @tubium eine 
xAift ®t;)>ßfammlung BefHmmt mar. 

dm Xugnft 1756 fe^te fh^ bie älcabemie fein 9tul^meßbenfmal in ber 
StaticnalHrd^e @. ?uigi be' t^ancefi, beren dnnereß t»or fnrjem burd^ älnton 
Deriget mit ^fid^tiger SKarmorBefbibung erneut morben nxir. Daß Dedten« 
Bilb, bie X))Otl^eofe beß l^iltgen ^nbioig, uxir nad^ 9tatotre'ß (Earton t)on bem 
thnifd^n f^ßcomaler Vnton Sicd^ierori außgefftl^rt worben. UeBer biefcß 



^IKJb xoox HUT eine @ttimne. 3)ie f(^le(^te S^^^^ng, erK&rte SRengf, ftlei-: 
ßetgt oOe Segriffe, $to)>ortionen finb ntc^ ^»orl^atiben, c&enfoioenig ^rf)^tbe, 
bie Sdxbe tft 1^ nvb fledtg, bie ©etootibttng ol^ne SefKmmt^tt unb Dutd^:: 
orbettung. 3>eT ^ilige fielet in DoKer 9lftfhtng tm bem ^etlanb! (Snblk^ 
fd^nttt eine Stnie )M)n gignten bie Sonq^ofttion quer entjtDei. — SBelc^er 
bunt faßbare ®rab kfc^tänlter @uffi{anf e gel^drte baju, biefeS flane 9K<ul^= 
tt>etl in einer großen römifc^n £ir(^ oudjufiellen! !Der unterfte romifil^ 
SRctler, fogte man, oon Jbenen todäft mitja^len, l^otte t& Beffer gemad^t 

3)iefed Xrmut]^d)eugni§ im fiSnnen pC(%tt nun tmtrefflic^ ju ben Xn^ 
f)>rttc^en, old bereu Drgan tüxilväf ber ÜRarquid b'Xrgend aufgetreten mar. 
dn feinen R^flexionB critiqnes sur leg diffärentes Cooles de peintnre U^ar 
inm erfienmole ber $rimat angefochten n>orben, ben bie dtttßener unb alle 
XBelt IxSfftt für unantafiBar gel^alten l^atten. SBer ba man mit fo melen 
präjQg^s aufräumte, foOte man nid^t auc^ bie itaTienifd^n äRaler einmal 
um il^re gegitimation fragen? b'Ärgenö' flüfjlge geber gaB fw^ gern bagu 
^r, ben $arif er 3RaIem biefe ^öflid^feit ju ermeif en ; er Brandete nic^td baju, 
aU be i?iled unb b'^rgendtiOe'« %Br^6 }u burd^Blattcm. & n>crbe bem 
Xenfel leidster, f)>i>ttete er, ©Ott unb feine ^eiligen }u ))reifen, ciÜ einem 
Italiener, einen gtanjofen 3U loBen, unb bod^ l^iitten jene l^eutjutage taum 
einen SRaler unb 93ilb]^auer felBft Dom 9tang ber iDHttelmagigfeit (Er Der= 
gleid^t nun bie Stanjofen mit ben großen dtaßenem, in ad^tie^n ^^aQelen, 
in benen immer ber grrangofe gen)tnnt. 9{a))l^ael unb Sefucur, S^ijian unb 
Slanc^rb, (Sorreggio unb SRignorb, StuBend unb Semoine, 9temBranbt unb 
St Zxotft )>^re. 2t Srun'd 3^i<^i^<^ni^ f^^ fo g^ofi i^nb cprrect tote bie 
9Ri(^IangeIo'6, aBer n}eniger üBertrieBen, glctc^magiger unb grajiiJfer. 

Dief e alBeme ®)>ieleret, f oQte man meinen, fei nur }um Sad^en gen>efen ; 
aBer bie Italiener nMiren fel^r aufgeBrad^t unb bie Hcabemie )>on @. lOuca 
nwOte tttücA gefd^rieBen l^Ben, fanb aBer 92iemanb ate ben alten fc^UKu^en 
Kibolfino Senuti (1755). IDie einaige rid^tige Hntmort xo&tt gemefen, Beiber 
©ad^en neBeneinanberju^ngen; n>ad, toit ^enuti Bemerfte, felBfi bie @eneral= 
pUi^Ux in $arid eBenfo toie ber fiolje 2)uc be 3;aIIarb fid^ n)o]^l lauteten, 
asic I5nne man fo umoiffenb fein, a^tjel^n äRaler, bie aKe ein unb biefelBe 
frong&fifd^e äKanier l^Ben, mit SReiflem gona t)erfd^iebeuer ®tile n>ie jene 
dtaliener 3U tcrgleid^en ! äSSenn bie Sraniofen fti) auf il^r Solorit Beriefen, 
fo erKortc Senuti, ol^ne ^tii^nun^, !Z)i^o{Ition unb 3^^^ ^^ Sccorbo 
bmme ü^m bod Solorit t)or mie ein ^rad^ti»oUed ©attelgeug auf bem Stüden 
etne^ (^ett. „S)e9 SBB^ Senuti S^berlegung {rispoeta) bed b'9rgend, f<^reiBt 
SBindlelmann an ^ogebom, ifl ein denber SS^fc^; l^ier in 9tom aBer n)irb otel 
boraud gemod^t ©0 grog ifl l^ier bie Unmiffenl^eit''. 

9hin aBer erfc^ienen in bem ^lajl SKoncini nid^t Blog bie (»reidgeMnten 



§ 100. Sran^ofai; Satdet 43 

Wx»cn, fonbem oKe SagaBunben,. 8(u8gen>tefene Begel^tten unter Serufung 
ouf bie Sanbömannfc^ft ein Sfi^L 

SBaß lann ben, n^elc^em $tetSt, @tnn für (Stgentl^ftmCc^ed, ^etßerung 
fftr ben einjtgen äSSeg gilt inrn ^eiligtl^utne ber ftunfi, loerle^enber Bcrttl^en^ 
oK Bef<^rSn(ter Bomirter ÜDttnlel, freche, fttnfiUd^ aufgefd^rauBte tlobelfiul^t! ein 
$(ix)tan, ber 9i(äfiffad Iangn)etlig finbet unb ÜRid^angelo Bef)>BtteIt! ,^iEiner 
gen}tf[en Station ifi 9tom gor unertrSglid^. Sin 9tan}ofe tfl unoerbeffcrlid^: 
baß Sdtertl^um unb er toiberfftred^n einanber . . . dl^re Xcabemie ifl eine 
®efellf<i^aft wn Starren, unb ein junger Stömer mai^tt ein äBa)))>en fftr bie« 
felBe, nämlid^ jtoet Sfel, todift fid^ fragen, n)eil ben Sfeln aQcd gefSOt . . 
XDe Sranjpfen finb l^ier ISd^Iid^, alß eine ebnbe Station, unb id^ lann 
mtc^ rttl^men (1756), bag ic^ mit feiner Don ber Derad^tungtottrbigßen Srt 
Smeifttgiger Sreaturen eine ©entetnfd^ft l^aBe. . . ÜDie Station ift gar nid^t 
gemacht, etnKiß Smfl^fted ju treiben. . . (Ein ^angofe, fon)ie bie Station 
|e^t ifl, ifi ttngef<^id(t ein groger ftünftler, ein grünblid^ ©eUi^rter gu 
toctben : ja fein ^ranjof e fann eine anbere @)>rad6e, o^ne Sac^ jn enoeden, 

rebeu lernen dl^re nerri optici; ntit ben ©el^meroen, mttffen eine 

jal^re S3ef(eibung, M n}ir, l^aBen. . . @ic oerflel^en nur bie ftinbereien oon 
^öflic^Ieiten, nic^t aBer bad SBefentlic^e, tt>eld^e6 ber Italiener Beffer n>ei^ . . 
Keiner lann ein el^rßd^er SRann fein. . . Unter anbeten !Z)ingen, für bie id^ 
©Ott ptti\t, ifi aud^ biefeß, baß i(^ ein S)cutfd^ unb fein gfranjofe im" 

Xtx%Ux6f^ lieg er fogar brudCen. Sttad^bcnt er in ber XBI^anblung ton 
ber ®ra}ie Semint aBgetl^n, f&l^rt er fort, „Son Korn fannfl bn, mein 
Sefer, fi^er auf .anbere S&nber fd^Iiegen .... (Sin ge)>riefener *^uget, ®irarbon 
unb toie bie SReifier in ong l^eigen, flnb nid^t Beffer. äßaß ber Befie ^tvS^* 
ncr in f^an{rei<^ fonn (Soud^ibon), geigt eine SRineroa in einem ftu)>fer< 
leiflcn gu Xnfang ber gefd^nittenen @teine oon SKariette'^ 9lad^bem er bie 
fd^mad^tenbe Senuß beß ^igaQe in $otA)am oerl^ol^nt l^at, fragt er: SoDte 
mau glauBen, ba§ ein foU^er äRann in 9ttm einige dolore unterl^tten 
tourbe, baß tdtertl^um nad^gual^en? — 

Xud^ einen feit lurgem Belannten unb BefieBten franjSflfc^en ftunfi» 
fd^riftfteUer l^tte SBindelmann gelegentßd^ mobemen SRigoerft&nbntffeß ber 
Sritife M ^rügettnaBen l^raudgegriffen, SBatelet, einen „@criBenten; tt)eld^er 
geBunben unb ungeBunben üBer bie SNalerei fuigt unb fimd^t'^; maß er 
fd^merftd^ getl^ l^aBen mürbe, menn er biefen SRann )>erf9nltd^ gefannt l^atte. 

(Slaube^enri be äßatekt (1718 f B6) mar ber ®ol^n eiueß ®eueral^ 
))Sd^terß, ben tr mit 22 dal^ren BeerBte. «IDer junge SKann fal^ in feinem 
SermBgen nur baß SRittel gur Sußffil^rung eineß $Ianß, ber il^m oor brei 
dal^en in ber emigen @tabt aufgegangen mar, bem er fftn^g dal^ treu 
H\£b, unb bem er, mie ber Serfaffer feiner SeBenßffigge fagt, ein genugretd^ 



44 StotiM fßü^, I. S)a9 apeftü\\\6)t Antiquariat. 

tctnc^ SeBcn »ctbanft (nne yie volQptaeQsement innocente). 9etT<uJ^tcn, 
©tubtum, ©cnic^cn bcr Äunftoetfc, gotbctung junger lalcntc, ba8 »<tr ber 
Qnl^alt fctnc^ langen ?cBen§. Cr lernte gcid^nen, S^en, Bofflren, meigeln, 
»eil ol^ne ^rajfiö auc^ bcr untcrrtii^tetfte JHeB^Ber !aum fotjiel wijfc, aM 
ein mittelmäßiger ÄTtifl. (5r erttxirB fld^ einen allfeitigen ©efd^moi, er RcBtc 
ade Äünfle , er 30g ©d^rif tpeüer unb fffinfiler an fläf l^eran ,_ er n>ar f elBfl 
Bctbeö, nic^t mit bcm glanjenben (Srfolg, ber ben 9?cib l^crauÄforbert, fon» 
bem mit jenem ^atttalent, ba^ 9?ac^flc^t l^etfd^t, ol^ne Auffeilen unb 
©türme Stiftung ertüirBt, unb au<l^ ol^ne ben Wul^m, bie SWußefhinben einer 
Befc^eibenen ^äuöfid^feit, eine^ njol^lroollcnben gtcunbe^heifeö aufl^eitert 
fitre ch^ri, fagte er, vaut mienx qu*ßtre vant^. Diefcr J?rci8 fammelte 
fi<i^ in bem reijenben engfifd^n ©arten t>on iTOcufin Oolt om ©eineufer, ben 
eine bcfreunbete Dame nac^ feinem ^lan — er ttyox *Serfaffer cine^ ©erfuiJ^Ö 
üBer ©orten — angelegt l^atte. 

Da^ gel^rgebid^t L'art de peindre foHte jugleic!^ ben Äenner, ben Äünft= 
ler, ben 3)enfer unb ben Dieter jeigen. Sänge l^ielt er eö im Portefeuille 
jurücf, lad e^ in ^rit>atfreifen, in ber ÜRaleracobemie, el^e er eö in einer 
^nrSd^tigen Ouartau^aBe (1760), unb bann in einer nieblid^n, n>o]^lfcilen 
ucröffentfid^te. SBaÖ er leierte, tvax jtoar »eber neu gebadet, nodi originell 
unb ^inreißenb gcfagt; e^ »ar einer ber legten matteften 9?a(6ft5nge einer 
aufgelebten Äunfln>eiß]^eit — ,,erlofc^ene garBcn unb au^gebrofd^cnc ®ar1&en'' — 
aBer er meinte eö mit ber Äunfi fo gut, bie Serfc gingen glatt ein in 
pQxi^tx Dffxtn, unb eö ifl fo Bequem, Befannte§ nod^ einmal in neuen Sleimen 
üorgefungen ju Befommen. ^ciaubi fanb fclBft 9lom feinet ?oBeÖ toll; 
ber ©enuefe Somcllin mad^te eine UeBcrfe^ung in itafienifd^n Scrfen, loctt^ 
nad^ bem ®el^5r ber Florentiner noc^ Bejfer nxiren aW bie franj6fifc^en. SBatelet 
fd^rieB aud^ Hnmcrfungen baju, eBenf Slrtif cl für bie (Snc^clo^>abie ; er erl^ielt 
jum fiol^ne ÜRiraBcau*^ ©tul^l in bcr Hcabemic. 

Sßindtclmann aber l^atte flc^ il^n au^etoa^lt, aU Xutor ber ©egennKrrt, 
um an feinen 3trtl^ümem ju geigen, toie fcl^r bie SHten üBertrieBene Sl^orac^ 
teriffif mieben, mie fie nie bem (S^aractcr bie ©d^onl^eit, cl^er bie ©d^önl^eit 
bem ©praeter o^)fcrten. SBatelet l^atte 3. 8. ben gaunen „eine ^totxt unb 
unBel^be ^ro^>ortion, große Äß^)fe, !ur3e $5lfe, l^l^e ©d^ultcm, Heine unb 
enge ©ruft, bidfc ©d^enfcl unb ftnie, unb ungeftalte güße" 3ugcfc^rieBen; 
am 3»ar« foDte ba« gcringjlc gSferd^en bie ©tSrfc, bie ftül^nl^eit unb ba« 
geucr, rotUftß il^n erregt, auft)rüd(en; unb bie gelben foWcn ]^en>orfled^ett 
burc^ „00m ^eifd^ aBgcfallene ©Geber, bttrre Seine, einen Keinen Äo}>f, 
Heine Ruften, einen lleinen Saud^, fleinftd^ gttße unb eine l^ol^ gußfol^lc''. 
©oU^m n)unberrtd^cn 9}onfenfe gegenüber n>ar eß aQcrbing^ fc^toer, satiram 
non Bcribere. „Äol^er in ber SBelt flnb il^m biefe 6rf(!^cittungen fommen! 



§ 100. gton^ofen; Skatetet. 45 

$&Ue er bixj^ fd^reiben mögen »ad et Keffer )>erfianbenl 3fl ed mögltcj^, ftc^ 
fo niebrige unb falfc^e begriffe oon ^nfilem bed SUert^umd in taai^nl 
©iefed ift eine fie^rei in bcr Äunfl, bie fwj^ juerjl in bcm ©el^ixn be« Set* 
fafferd crjeugt ^aV\ 

!Z)er olled bieg mbxoiftn, erf(^ien }u 92euja]^T 1764 pÜtfixdf in eignet 
$erfon an ber ®)>i^ einer $arifer SteifegefeOfc^aft in 9tom. Sr brachte 
Sriefe mit &on SSartl^^Iem^ nnb Sa^Iud in ^xi9, '^aciaubi in '^rma. Der 
^injige ^^ranjofe flanb )Dor il^m (n>ie er felbfl geflanb), ;,qai personellemeat 
alt lieu de se plaindre de moi'^ (£r n>ugte bamatö übrigen^ nod) ni(^tö 
))on feiner ^!an}Iung in bem foeben erf(i^ienenen beutfd^en 9u(i^e. dl^n Be^ 
gleitete feine greunbin nnb ©^illcrin 5IRargu^rite le Somte, bie gran eined 
®erid^td))rocuratord , bie äBindfelmann „M eine groge Sennerin gerühmt 
»orben", unb bie ein ^^Jortrat bcd Sarbinal Sfibani rabirtc; — unb ber 
Slbb^ So^>ette, Doctor ber Sorbonne unb ©rogüicar^ SBateletö frül^erer Seigrer. 
,,aRorgen, fc^reibt er (5. 3anuar) n3erbe ic^ anfangen, bcnfetben an einige 
Orte ^injufül^ren. — 6« ifl ein 5IR.ann nal^e an fünfjig darren, reid^ unb 
liebenörofirbig". 

3u biefen granjofen gefeilt fld^ aWbalb ein beutf(j^er Serel^rer — Alle- 
mandB grands admirateurs — in bem dnndbruder Sanbfd^after $ran} 
(Sbmunb SBeirotter (1730 f 71), f<>ater ^rofcffor ju SEBien, bamaW (nac^ 
%mi\) ,,ein Seinem, artige^, k la frangaiae aufgeflu^ted äRSnnd^en, ba$ nid^t 
eigentßd^ n)ugte, ob er 3o^ann Sincfelmann, ^x SBatelet, unb befonberd 
SRabame Somte mcl^r öcrgöttcni foHte". ®iefer flotte St^roler war Dor oier 
Oal^ren mit leerem 33eutel unb Äo^>f, unb ol^ne granjöfif^ nad^ ^rifi ge= 
fommcn ; jeftt l^atte er fd^on ein l^übfd^e« Oeuvre Don ^nbert Äu^>fem auf ju= 
n>eifen. !Z)ieg aUed n>ar ein SBerf Wiiat% ber fein Xalent erfannte unb ü^n 
}um Sanbfd^aftjeid^nen anleitete. SßiSe rttl^mt felbfl feine augerfl geifheic^ 
SRanier; er faufte il^m 3ci<^nungen unb fogar \täf9 platten ab, bie er l^erou^- 
gab unter bem Xitel Vues de la Seine unb Somi^er mibmete« Seim 
Slbfc^ieb ^atte SBeirotter i^m unter jhrömenben Sl^ränen gebanft, uicr Saläre 
fei er il^m ein Sater gen)efen.*) 93efferen (Sm^fang fonnte man bei äBin= 
(feimann nic^t finben, atö totnn man mit ©rttgen unb ^)>ferfKc^en t>on 
aBiffe fam. „3^re brei bewunbem^mert^cn S3lätter (im Salon 1763 l^ttc 
äßiQe bie Sifeufe nac^ S^erburg unb ben Joueur dlDstrumens au^gefleOt, ba0 
britte toax meUeid^t bie D^videuse) erregten natürlich ben SBunfc^ in mir, 
alle dl^rc SBerfe ju befi^eu. dd^ n^erbe fte über meinem @c^reibtifd^ auf- 
l^angen, um fte atö @<i^ö))fungen meinet ^eunbe^ immer tor %ugen ju l^ben^'. 



**) n est poli, bemetft StSe, Wf, «mple ea toute ooeasion, mais on l'ftoouae de 
A'dtT« pae en toate oooasion des pliu tincSres. 



46 3>»citce enäf. L 2)09 <M)e^(if(i^ Antiquariat 

BxSfftt fannte er nur ^ortraM ton SHOe; ftBer bad be^ ¥ttn}cn ocit ffioM 
l^atte er geSugett: ,,d^ Itn erftonnt, bog inenj<I^Itd^e ftunfi fo xotit ßäfV\ 
(Er l^otte fU^ lange nod^ ein pawc fiu)>fem t»on fetner Srbett gefel^nt X10 
ÜDanI fenbet er SBiOe bte ^nflgef(j^i(^te, „(Sr} fftr @oIb''. 2Biae ift „ein 
Stonn, toeU^er ber ßunft nnb. bem beutfc^en 9tanten (S^re ntad^t". SSJille 
nnb 9Reng9 feien ben Deutfd^en ba$ nMid SetBni^ mar. Sr beflogt fU^ 
aber, bag ber UeBerBringer ,,tni erfien 9Rcnat feinen grogen ^Bktß) auf feine 
^eunbfc^ }U legen gefc^ienen, meHetil^t noc^ bem ^if))iel ber jungen 
^n}ofen, oBmol^I er il^nt Bei t)erf{^iebenen ©elegenl^etten feinen guten SSiOien 
nnb feine Sc^tung Bekoiefen, tl^m and^ nü^It^ gewefen fei'^ Sr ntad^te 9Bin- 
tfelmann ein ®efd^n! eigener ÄrBeit^ rabirte ganbfd^aftcn, tüelc^e biefer ,,gu 
ben Befien in biefer Art" reii^nete: ,,biefcr junge ftftnfiler »etbe feinem 
Soterlonbe (Sfyct mod^n^^ SBeirotter l^ot tnbeg nur 3^^intngen unb üBer 
jmei^ttnbert 9labtrungen l^interlaffcn. 



Sßindelmann fc^etnt {t^ ntd^t mel^r genau erinnert ju ^Ben, in todiitn 
SuSbrflden er SBatelet üBer gelben unb t$<tunen Belel^rt l^atte. Son einem 
^oeten unb Srtanjofen ba}u l^atte er fonft ntd^t l^offen fönnen, bag fie t^m 
t>eriiel^en »erben n>&rben. ®etn erfier ©ebanle Beim (Srfd^einen be^ rei^n, 
feinen Monaü mar oielmel^r, il^m aud^ münblic^ //Cin}U)eigen, mo er ft<!^ in 
feinem BelieBten 8u<j^ vergangen". SBatelet mar ein fanfter, gütiger, rcb^ 
Uäftt SRann ; angeBome firanflic^feit erleiii^terte il^m bie S^ugcnben ber t^rieb« 
fertigleit unb Sefd^ibenl^it (Sr ftBte jene $5flic^feit, ,,mel^e frendDe SelBfl- 
TteBe mit ber eignen flet8 auf bem Stieben^fug }tt erl^alten meig"; man 
loBte il^n, ba§ er ni(^t nur ju reben, fcnbem aud^ anjul^örcn oerfid^e. Wün- 
cfelmonn felBfl fanb nid^td* an il^m t)on ber fatalen Sied^tl^aBerei ber acabe« 
mifd^n ©elBfd^noBel, bie fietd fiBer alle§ mögliche eine fertige äReinung l^aBen, 
aBer ol^ne fU^ je }u ©rttnben l^eraBjuIaffen ; er f d^ien il^m ton jenem boUore 
burc^ bie 3a^re gel^eilt 3tt fein. 

(£r fül^rte bie Heine gemSI^Ite ©efeUfd^aft feit bem 5. danuor an einigen 
Orten, aud^ in ber SiQa. „6ii Brachte il^n in tiefed 9{a(^benlen (er fagt 
auc^, m'avyidi della confusione) , ba id^ il^m bte Sigenfd^of ten ber %Qxmt 
in ber Sida SlBani jeigte'^ 3fyax üBer ben 9Bertl^ feinet ^^oemd bie Hugen 
}U Bffnen, fd^ien il^m nic^t unmBgGd^, aBer fc^mer, considerato active et 
passive. Ätterbingö fei er nic^t Bloß ein SieBl^Ber, fonbem ein Senner; 
er nennt ba8 Blaffe @ebtd^t fogar fd^on, menn oud^ etmad }u allgemein ge« 
l^alten, not&rltd^ aBgefel^ oon ben antiquarifc^n ®^ni$em (qualche errore 
an poco maasiccio). (Sr Bereute, bag er gerabe biefen ,,IieBen£m&rbigen 
SRann" t9 entgelten laffen, menn il^n bie IZoOl^it ber !Z)eutfd^n, oDeS 



§ 100. graitiofot; Satdet. 47 

ftatt}dflf(^e ®emengfel (rül^nnmit n>tc t9 gu tl^nen foirnnt, gu üBetfe|en, auf» 
geBrad^t l^abe, fid^ in ttma^ litten ätudbrtttfen gu faffen, titbeg t)ertra8c 
fld^ ja ba^ iob ber ']$etfon mit bem 2:abel bed S93erf6. ,,d(i^ l^aBe e6 fud^n 
gut }u machen butc^ anenblid^e $f$flic^lciten , n>el(!^e il^m inxäf mvif ton 
meinem $erm cnoiefen jinb''. SBie geitgema^ biefe $ärte ttm, BetoieS baö 
(Erfd^einen einet beutfc^en UeBerfe^ung SBatelet^ in bemfelben Sdffxt, ton 
Sel^ninger, bem Setfaffer bed unter bem Sitel Vbt6%6 Belannten Satalogd 
ber bre^bener ©ottcrie. ®n Sticf »on SRcngÖ Bctul^igte il^n, er ifi il^m 
,,ein itfoangelium , eine @)>r<uj^e bed be^>l^ij<l^en Xhreifuge^, ein @(^ilb in 
feiner geregten Critit''. 3lo6) gang anber^ »crful^r Diberot mit feinem 
Sanb^mann; frojiig, fraftW, farBlo«, ungcfd^idt nennt er ba« ©ebid^t; ^^man 
lernt nic^t^, Be^lt nit^t^, fann nid^t« citircn; f?in ®ebanfe, !einc jjractifd^ 
©orfd^rift, feine ®eif^>ielc, nid^t«^ gar nid^tö. SBenn bie§ ^oem mein »äre, 
ii^ h}ttrbe ade Vignetten l^au^fd^nciben, l^inter @Ia9 mad^en unb ba^ ttBrige 
in« geuer werfen". Ofn bicfem Äreifc urtl^eilte man fel^r l^erBe ti6er bic 
frangSflfd^ SRalerei ber @egenn)art. IIb n'ont ni esprit, ni ^l^vation, ni 
chaleur, ni Imagination (1759); im Sotorit fei bie frangdflfd^e @€^ule fafl * 
ftetd ^toodf unb falfd^ gemefen. 

@(i^i>n frül^er tüax Sindelmann gemal^r geujorben, bag e6 nod^ ^tan« 
gofcn anberen ®^lag6 gebe aM bie fid^ am S^iBer eingeniftet l^atten. f^aft 
toiber feinen SBiKen machte er eine Sieil^e toon Scfanntfd^aftcn, bie toxt au§= 
gen>ä]^lt fd^icnen, jene« Sorurtl^eil gu entfr&ften. 3n SSartl^^lemi^, Sa^lufi, 
ÜRariette lernte er glcic^fheBenbc gteunbe »on Äunfl unb Slltertl^um fennen, 
unb nja« mc^r »ar, gelcl^rige Sefer, tobenbe SJeurtl^eiler, ja Ueberfe^er feiner 
@<!^riften. ® cntflanb ein SJriefrocd^fel, „rtytläftx mir lieb ifl, ungcad^tct 
id^ bic Station nid^t liebe" (27. ÜRarg 1761). Seit bicfer 3cit »erfhimmen 
bie äu«brüd^e ber gtangofenfrefferei. ©atb gäl^lte er grangofen gu feinen 
greunben — Sl^riffeau, Dcömarefl. ^riö tritt nun in eine gang anbere 
Beleuchtung. 92un ifl e9 il^m xdi^t mt^x gleid^gültig, aU er üom ^g ber ' 
bortigen Ärtifien gegen il^n l^ört, tovl er ^igafle unb ben älteren Jlbam 
(ben $erfteller ber Familie be« S^comebe«) l^art angegriffen l^abe. (Sr mug 
gugeben, bag er mit bie banfbarflcn, em^^fSngBd^jien 8efer in granfreid^ 
fit^t. ®d^on bei feinen Sebgeiten fingen ja bie t^angofen an, ä la grecqne 
gu fUnfteln. 2Bie balb l^atte fU^ bie $]^^fIonomie ber SRalerei oemxinbett! 
an bic ©teile beö fifbaritif(^n Dl^n^)« gubwig« XV trat eine gaIli>=romif^c 
Seit, n)o nic^t nur bie roflgen Snunretten unb ü)>)>igen 3l\fw:flffcn ^on6^x% 
Soncrefd, fonbem aud^ bie in ben reineren ISuftfd^id^ten n)o]^nenben ©rogien 
ber aWalerci grtknblid^ au^erSud^t waren. — 3" ber ^At aW ber $ergog 
ton Sa 9{od^efoucauQ) t>on einer S|)>ebition nac^ ®ried^enlanb auf Soften 
be9 frangdftfc^n $ofe6 ^ptoäf, bie 993in<felmann leiten foOte, mar c9 fd^on 



48 ^todtt» SM9. L ^9 apoftoUidft Sntiquanat 

fc 'totxt gelonunen, bag er ftd^ entfd^lo|, Vit neue Vu^obe ber ^nfigef^u^te 
in ftanjdfifc^v @)»tcui^e erfii^emen 3U (äffen. 



§ 101. 
Die oci^iDcijet. 

Dutd^ bic }e]^n legten römtfc^en da^re jiel^t fxi^ o^ne UnterBrec^ung 
ber ^erfel^r mit ben ^fkxä^ttn, jule^t maren ed beren fttnfe, tl^eitö in ^efen, 
tl^eitö in einer Steige i»on Sefud^n. ®onber6ar, an^ meiter ^erne tnft)>fen 
fttl^ bic innigflcn SJejiel^ungen ju einem :^eife, ber i^m jenfeitö ber %If>en 
gan} fremb gen)efen n>ar, unb biefer ^ci^ ifl Beflimmt, i^m nun, im n>tV\i^n 
Sanbe, ben Serfe^r mit bem Saterlanb fafl oQein ju rc)>räfentiren, ober 3U 
erfe^en. Xtx Briefliche Serlel^r mit ben i^m fonft oiel na^er Gegenben 
f&^ftfc^en unb ))reugif(^cn Greifen ging n)enig üBer ein gelegentlich^ 9uf= 
triftigen alter (Erinnerungen l^inaud; alte ^ol^len, i»cn benen man bidmeilen 
bie Sfc^e aBBlSfi ; l^ier ^oBen mir Sffectiondüer^ältnijf e jener Xrt, aud benen 
man )>eriobifc^ feine geiftige 92a^rung jicl^t. !Der Sgoidmud fönnte biefen 
S^erfel^r t>on SBincfelmannd @eite für ein ®eBen o^ne Xequioalent be9 
(Sm)>fangen9 l^alten : aBer fein ®emitt^ Beburfte ber (Srregung bur(^ ^al^lreic^e 
8ejie]^ung(fn biefer Art, unb bie Scrtl^ilung ber äffection an üiele DBjccte 
\ifmditt ni^t i(;rc SäJärmc. SWan ^at üBrigenö nic^t o^ne ®runb Bemcrft, 
bag bie :ißerfönli(i^Ieit biefer 9R&nner gen)5^nli(^ Bebeutcnber mar, atö il^re 
fd^riftfteüerifc^en (Srjeugniffc. 

Huc^ in ber Sc^mei}, menigflend in ber ^rotefiantifd^en, mo Bidl^er nur 
fran}öftf<!^ (Bpxaäfc unb Silbung gel^errfd^t , ^atte ftc^ feit bem Xnfang M 
da^rl^unbertd , in Sufle^nung gegen franjöftfd^e UnBilben, Xnmagungen unb 
9ieligion$oeifolgungen, ein freier, ))atriotif(^er ®eifi ju regen Begonnen; in 
Uterarifd^en S^ereinen, beutf<l^en ©efeUfd^aften fanb er ein Organ, unb im 
Sefen ber Snglänber unb ber Xlten fuc^ten bie fe^r fttmmerlic^ Beginnenben 
BeDetriflifc^tn SefheBungen einen Xnl^alt: !Z)er freimtttl^ige, oaterlanbd- 
GeBcnbe, antifranjöftfc^e mit 9nf))ielungen auf SntUed gefSrBte STon in ben 
Sriefen biefer ®d^n>eijer Berftl^rte SBindelmann ungemein ft;m))at^ifc^. 

Der Snfang toar oon ben «3<l^n)eiiern angegangen, unb in einer SBeife, 
bie äEBincfelmannd $er} an ber fc^m&^flen «Stelle im @turm eroBerte. Sin 
®ef(^nl, ge^eimnigootl, ttBerrafc^enb, fd^meid^ell^aft mecfte leB^afte (Sm^fin- 
bungen ber DanfBarleit, ber $erel^rung. & !am aud ber @<l^mei}, bieg 
regte bie alten, tl^eurcn, aud Someliu^ %e))od ftammenben ©(^ußbeen wn 
freien 9ie)>uBlifen, 9le)>uBli€ancrn unb beren Xugenben an: er badete unb 
füllte in ben $]^rafen alter 9t^etoren üBer jene Bdotifd^en Diminutioflaaten, 
mit SeitenBliden auf ben 2)ed)>oti«mu^ be$ Sanbe^ ba$ G[o))emtcu«, ftant. 



§ 101. 2>ie ®6ito6ytx. 49 

^etbcr cTjogcn \fat, bic für bic Befreiung bcr SKcitft^^cit mcl^r getl^n l^aBcit, 
nU oUe @(i^n)ei}ercantone ber Sotjctt unb ber B^^^f^« 

Die ®äftotxi ifl ba« Sanb, ,,tt>o bic grcil^cit auf floljcm S:^ron flftt", 
,,baö Saterianb bcr Sugcnb, bcr greunbfc^aft unb ber ©emunft". 9loj^ 
3ftti(^ gebeult er fiif Beim S^obe feinet $errn 3U iDcnben, um ftc^ felBfl olletn 
3U genießen unb feiu SeBen (in B^iitfit^*^ Saterlanb!) in einem laÜfoTi^äftn 
ftlopcr t)or bcr ©tabt ju beft^licgcn. ,,S)ie ganje ©tobt ifl erBötig, an meine 
9ufna]^me }u gcbcnicn, unb mi(i^ ))erf5nli(i^ einjul^olen'' (12. Sugufi 1764). 

3o]^ann @corg SSSitte (1715 f 1808), bcr grögte Äu))ferfic(i^cr feiner 
3eit, tt>ar im 3ttli 1736 mit @. g. ©^mibt nad^ $ari« gcfommen, t>on 
ba aB ununterBrod^en bort gcBlicBcn unb nac^ unb nac^ }u einer fel^r an= 
gcfel^encn ©teflung gelangt, ©eit 1758 nxir er aW granjofe naturaßflrt 
seile ftftnfllcr bie burd^ 'ißari« temcn, äffe t>ornc]^mcn unb 'fUrfllic^cn SRcifenben, 
bie irgcnb fa^ig tt)arcn, an bcr Bitbcnbcn ftunfi ein 3ntercffc ju ncl^men, 
tc(!^neten t9 fld^ jur (g^re, fein !^avi^, Ouai bc« auguflin^ 35, aufjufuc^cn. 
3u jener ^tit llBte er bie Äunfl fafl mcl^r ate SicB^aBcrci, benn aW (grtt)crB^= 
quelle; er flac!^ ©emalbc, bie il^n anf))rad^cn unb feinem glanjcnben ®raB- 
flic^el ©etegen^eit gaBcn, fld^ ju jcigen; er toibmcte fle greunben. Äein 
fheBcnber 3ttngling Bat ücrgcBcnÖ um feinen SRatl^, er t^cilte ol^nc ä^^^Wf- 
l^altung alle Sort^eitc feiner Äunji mit; fein Bebrangter SWaler Hopfte um= 
fonfl an feine ZfylXt. ©0 l^alf er »iebcrl^ott bem 3)reöbcncr ffloctiu^, unb 
fe^te in bad XageBuc^ bie 993orte: Selon mon coeur, je vondrois Tassister 
beaaconp, quoiqae je ne le connoisse pas autrement ; mala il est artiste 
malheureax; celä me snflßt. 

SBäiHe l^atte an bcr UeBcrfcftung ber ©d^rift t>on ber SWati^al^mung im 
Journal ^trangcr Xl^eil unb erfunbigte fld^ in 9iom nad^ SBindcImann, bem 
er feine ^od^ac^tung öer (ledern lieg, ßr fanbtc il^m auf feine Sitte ]ene 
UcBerfc^ungen , fott)ie au(^ bie Sritil bed SBcgd in äßarmor ju arBettcn 
(f. I, 417 ff.); SSSindtclmann vertraute i^m bie l^anbfd^riftlid^c Scfc^reiBung 
be^ 9[)>oIIo. (Sr ^tte unter bem (Sinbrucf be^ cBen cu^gcBrod^cncn ßricgd 
unb bed Dorau^gefc^ten Suf^örcnd bcr ^^nfton, Stnbcutungen üBer feine dugere 
Sage gcmad^t^ üBcr bie Scr^inbcrung feiner Steife nac^ ^tccfd burd^ ®elb= 
mange(. !Z)ieg mar ol^ne 92eBenaBftc^ten gcfd^l^en; aBer SßiQe tl^ciUc e^ 
gilgli mit, ber f(^on manchem in folc^er Sage geholfen ^tte. 

$an« (5a«»)ar gügU (1706 f 81) gehörte einer 3ttrd^cr gamifie an, 
bie feit bem Anfang beö 17. Sal^rl^unbert^ bcr ©d^wcij eine 9lcil^e t>ott 
Sünfllcrnamen gefd^enft ^at Sr ging mit ac^tjcl^n darren na(^ SBicn, n)o 
<r ate BelicBtcr Silbnigmalcr in bie Bcflc ©cfcttfd^aft fam, unb bann auf ' 
Snq)fel^Iung ©(!^n)arjenBcrg9 an bcffen ©d^micgcrfol^n, ben 9Rarfgrafen, nac^ 
9taßabt 91$ er mit üicrjig Salären nad^ 3^^<^ }urtt(0am, Begann er felBfl, 

dufli, XBindeliiiaitiu n. 3. 4 



50 3^^(9 ^ud^. I. ^00 a4M>floIff(^ flntiquariaU 

mit Befd^dbeneit Sttttdit, ein ^aoB ja ntci^n iit ber %rt bet ®rc§en, nnter 
benen 3U leben ex ftd^ gensöl^t l^ttc €tii teid^ ftn^et^cabtnet Geferte 
bie SofU fftt fitm^gef)>räcj^e, Sorref^mibenieii nmtben imtetl^alteii mit ben 
(Erfien ber bomatt oufgel^eitbett ißotbiialbid^tutig (aud^ steift, £Io)ißod, SSie- 
lanb), junge ftiUt^Ier auf oCe äßetfe gefdtbett. X^er SBunfc^ glBei ^aitlen^ 
beut ®d^Iod^tenmaIer Augenbad in Sugfiburg (ouc^ ber !£l^ienttaler 9ltd)inger 
gel^örte gu beut ftretfe) unb ftu)>cj&} in 9lümBerg, ein 2)enfmal 3U fe^n^ 
gab ben Snfitg }u ben grpgen Biogropl^ifd^en ©ommlungen, bem rSfonniren« 
ben £u)>ferfled^qricon u. a. So n>urbe bad $aud be^ ©tobtfd^retBer^ be^ 
3&rd^er 9iaiijfi eine to^Sfct Sbobemie. Seine tinber litten ^bad $amilien== 
talent geerbt ; 9tofe unb Sife moren Skmen- unb 3nf dCtenntoIerinnen; $an^ 
9tuboI)>l^ ging ncui^ Oeficrreic^ imb füllte ein Betoegted SeBen, $and ^ein^^ 
rid^ aber trug ben SRoIerru^m ber t^|lid mcit ftber bie ©rcngen ber Sd^toci} 
l^inoue. 

,,®ein $a\x9, fo jt^ilbert e« ein ^tit^tnof^t, mar ber 3^iPttci^t^ort ber 
Äftttfic, ber Sreil^eit, ber guten (Sefellfd^aft. Jßle Sxige »erfammeften m 
Bei i^m Statt t>on jjebem 9tang unb SIter; in aBn>ed^feInber ®eftalt ging 
ba$ ©ef^Sc^ t)bm fc^erj^aften Zon }unt emfil^aften ftBer, Don ben ©egen- 
ft&nben ber Sunfi ;u Politiken unb moralifc^en Unterfuc^ungen, aUemoI mit 
ftnnreic^n (SinfoIIen unb Snecboten BeleBt. 3n ber SRittetm&^gleit äußerer 
Umfianbe ifl eö gügfi gelungen, lalcnt unb Serbicnfl Beffer att foDiel 9lei(^ 
unb @roge 3U Befd^ü^en. (Sine 9Renge armer ©dualer l^t er nid^t nur 
gro^ütl^ig unentgeltlid^ untertDiefen, fonbem ouc^ für biefelBen %eifegeQ) 
einfammeln laffen unb il^nen ben SBeg 3U t>ort]^eiIl^aftem Seruf erleichtert 
UeBerl^au)>t mod^te i^ natfhrlid^e Sl^Stigfeit fel^r gefcUIig unb bienftfertig. 
So fei^r er P(^ felBjl ocrgag, fo forgte er fttr onbere. UnfSl^ig fttr fld^ felBfl 
an ber Sl^ttr 3U Hoffen, fd^&nte er ftd^ nid^t (SoOecten 3U fammeln, loenn 
er 3ur Unterju^ung eined UnglüdEIid^en irgenb et)oa$ Beisutragen im 
Staube ttxir". 

(Sin foU^ ®efd^en(, e9 toaren 15 3^inen, üBerrafd^te SEBindelmonn^ 
atö er ttm ^Sffamt uad^ 9!ea)>el 3ur&(Sam. ^r3 t)or]^er UHtr 00m 3^^^^ 
©td^tetfreiö bie Äebe getoefen. ^ folcmitanifc^en SWecrBufeu Ifattt ber 
Hamburger SoUmann Stellen aud (Segnerd ^tßta (1756) l^ergefagt. . ,,^err 
Sügli, t>on toeld^ id^ nic^t^ tov%tt, l^atte mir eine groge ^unbfd^aft ol^ne 
XBfid^ten, mit bem Serlangen unBeYonnt 3U BleiBen, ertoiefen. ^ Belam^ 
ba ic^ 3U ^tcCfd tsm, einen äBed^felBrief 3U Sefdrberung meiner bamaligen 
Steife. S^ad^bem l^aBe id^ erfal^ren, aud toeld^en $&nben er fam^'. du bte 
flftrmifd^en Xu^Brüd^e ber 9)anIBar(eit mifc^t fk^ ettoo^ Serlegenl^it, beim 
in^ifd^en l^ten fU^ feine UmfiSnbe old lange nu^t fo oerskoeifelt Ifttm^- 
gefteDt, u>ie er gefd^eBen. 



§ 101. !£)ie ^äfvmicc. . 51 

,,grreunb, ruft er SSiQe }u, tntt bem mi(^ eine gel^tmc 3unetgung unler 
ement entfernten ^tmrnel oerBunbcn: td^ fc^rieB ft^on ju Anfang unferer 
fc^riftltc^en Unterrebung mit ber Sertroulici^leit eined greunbed, unb biefe^ 
XDOt allein bie SlBfid^t, njenn xii ttma^, fo mir nid^t mel^r Belannt ifl, ton 
meinen Umflanben gemelbet l^aBe, bie leinen ^r))ur rttl^rten; id^ fc^icn ter^: 

laffen ju fein t^eunb ^ koelt^r ber 9Kenf<!^Ii(!^Ieit (Sl^re mad^t unb ben 

SBertl^ ber l^Sc^fien menfd^Iid^n S^ugenb erl^öl^t! mie foll icb antworten? Sßie 
foQ \df annel^men, ttxi^ @ie mir fc^enfen! @tol} üBer mein Saterlanb, 
frud^tBar an Sreunben, unb üBer ben, ben niematö mein !(uge gefeiten, gel^e 
id^ in Setrad^tung ®ott fo Sl^nlid^er (Seelen faft Biß }ur (£m)>finbung eigener 
SBttrbigfeit, ju welcher mic^ greunbe erl^ö^en". 

Dag bie Äu^fu^t, einen Seric^t üBer bie mit fo oicl ®i>annung er= 
n}arteten l^culanifc^en (Sntbedfungen in ©erlag ju Befommcn, jtoar niii^t 
atö $auptBen)eggrunb, aBer aM 9IeBengeban!e mittoirlte, ift tt}of)l geiot^» 
SBiHc em^?fal^I i^m bie £)relli=@e§nerf(!^e Sud^l^anblung, beren ÜRitBefi^r 
gügli rsxxx] ein SDucaten »urben für ben Sogen in äu^jid^t gefleHt. 

,,@ie l^aBen, 4<^eiBt er Sügli, im SerBorgenen aOein mit dl^rem unb 
meinem Oteunbe bad l^l^e Vergnügen geniegen »oQen, ein 93eförberer meiner 
Semül^ungcn um bie ^nfl }u fein: ein t^reunb fein in mollen, bergleid^en 

taum mel^r }u benfen finb, aBer toit ®ott nic^t fic^tBar }u n)erben 2)ie 

SBelt n)irb ein ^arabied unb ba$ SeBen eine äBol^CIuft burd^ ^enntni^ ton 
äRenfc^en erfier ®rB^e tok mein gügli ift, unb id^ n^erbe auc^ in großen 
SrüBfalen mftnfd^en }u leBen, um folc^en ^eunb ton älngeftd^t }u Sngefid^t 
JU !ennen. Unterbeffen Bilbe ic^ mir beffen S3ilb unb »erbe ein ©d^öjjfer 
oon feiner ®ejiatt nad^ ber 3bee oon bem »a^ bad f(^önfle unb »ürbigfle 
in ber äßelt i% um nad^ bemfelBen meine $)änbe audjufheden''. 2)ad @es 
fd^enl (beffen er nid^t mel^r Beburfte), fo melbet er SBiUe, ,,BIeiBt Bio jur Ver- 
fügung berer, bie e^ gegeBen, Bei mir "; unb güfeli: „id^ »erbe ben 

WttÜf einer großen S^at ju oerringem fc^etneu; trenn id^ ni<^t il^re odDige 
SlBfu^t, Änmcnbung unb ®eBraud^ in il^rer Äraft laffen »oUte". 

,,5rettnb, fal^rt er fort, ©ie muffen ein 8eifj)iel ber lugenb unter ben 
SWenfc^enlinbem »erben; — unb id^, Ol^r Serel^rcr (benn nSl^er fann i^ 
mid^ }U dl^rem Serbienftc nid^t erl^eBen) mufi barauf beulen. . . . gfreunbl 
mit einer tugenb^aften ®eele BegaBt! dl^re ®rogmut]^ fd^iene oieOeid^t Bei . . . 
8erfc^»iegenl^eit }u ge»innen, aBer bie Sreunbfd^aft »ürbe baBei terlieren'^ 
(Sr »ftnfc^t bie 3)anfBarIett au^jubrüdfen burd^ ba^ »ertl^oottße »a9 er, »ie 
er glanBte, ju geBen l^e: bie B^f^^ft ^^^ Sud^e^; aBer ed fieg i^m 
leine 9tul^e: unb fo Befdl^lo^ er bie ^fnä^tc mit bem Serlag ber ftunfigefc^id^te 

jtt Befd^nfen. du ber Sorrebe biefed SSkrtt (oom dnli 1768) l^ot er il^rer 

4* 



52 3^ted 8u4. I. 2)a6 apoftoVi\^ Antiquariat 

gebadet, ,,ba bic 3)anf6arfcit an jcbcm Ort VMidf \% unb nid^t oft genug 
»icbcrl^olt iDcrbcn lonn". 

9tun fann man fid^ üorflettcn, tocld^cn (Snn>fang 3cbcr ber au8 bcin 
äürd^er ftrcifc !ant, im ißalafl an ben »icr Brunnen fanb. ,,§ftr Suc^ 
3ftt(!^er tt)ifl id^ ©c^ul^c unb ®trtim^)fc burc^laufcn; ftuljt nur immer 6ure 
Ougenb ju, biefe Steife ju tl^un". Der erflc ben man il^m jufd^idte, »Kir 
2eon^arb Ufleri, im änfang 1761, ber, mic toir l^örcn, SKünjcn unb Äu^>fer= 
fHc^e SÄarc änton*^ fammeltc Diefer Iic§ il^m bic Ob^ttcn ©alomon ©egncrö 
jurüd, unb SBinrfelmann [fnäft öon il^nen, aW fei il^m l^icr jum crjlcn 
male beutf(^e ^oepe, ja ttBerl^aujjt lesbarer beutfd^er ©til inö Dl^r gcflungen. 
Sobmer l^atte richtig j>ro^>^ejcit, „bie Deutfd^cn tt)ttrben baran eine gro^e 
3bee t)on ben 3*^1^^^^ Bcfommen, gleid^ afö ob bic 8uft l^icr ^>octif(^ n>äre". 
„& ifl n>a]^r]^ftig ein fill^ncö Unterncl^men gcmefen, f(^rcibt er am 1 7. 3fa= 
nuar 1761, biefe Sieber in ungcbunbcner ©(^reiBart gu bi(^ten; aBer Sie 
l^aBen auäf, mein i^reunb, aQen bie Hoffnung Benommen, berglctc^cn noä^ 
31^ncn ju n^agen. ®ic fmb fo fd^ön, bafe ic^ mic^ ni(^t entölten fann, 
3^ncn ©cbanfcn ju rauben, n^cld^e Sic üBer lang ober lurj crfcnncn tt)crbcn; 
iäf tjcrmal^re mic^f mit bcm vorläufigen (Scflänbniß. Oeflcm l^aBc i^ meinem 
^eunbe, ^crm 2Rcng^, bie §alfte bcrfclben »orgclcfen, unb er freut fi^, 
aW ein eifriger Patriot unferc^ SJoIf«, bag unter bcmfelBen ©celcn mit fo 
malerifd^cn, ^armonifc^cn, järtlid^cn unb tugcnbl^aftcri ßmi^finbungcn geboren 
jinb, unb bencn ber ^immcl baö Üalcnt öcrlicl^cn, bicfclBcn mit cBcn bcm 
OcfUl^l au^jubrildten unb in anbcrn ju envccfcn. 3Äcin tl^curcr IicBcn6= 
toUrbigcr ®cgncr! 3c^ »ciß, ipaö ©(^rciBcn oor ein fd^mcre« SBcr! ifl, unb 
9?o^common ^at nac^ meiner 2Rcinung JRcd^t, menn er fagt: 3u allen Dingen^ 
in n^cld^cn ba« mcnfd^lid^c ®cf(^Icc^t fid^ l^crüorgctl^an l^at, ifl ba« größte 
aBcijlcrflüd ber 3ktur, gut ju fd^rciBcn". »ut^ Jcffmg fanb, baß ©cßncr 
„ungemein fc^on unb richtig fd^ricBc".- 

®eßncr fanbte nun auc^ fein §auj>ttt)cr!, ben Job ?lBcW. „®o n)ie 
SJöIfern, lautet bie ÜDanffagung (20. 3uni 1761), mit n>clc^cn bie ©onne 
l^anbelt n}ie bic römifd^e ®cifllid^!cit mit ben Saien, bencn fic anfiatt Srot 
unb SBein nur Srot aüein gicBt, eine glotte Sanarienfcct mittfommcn fein 
würbe: fo ertoünfc^t ifl mir unb meinen grcunbcn, ^ungrig nad^ 5Weifhr= 
flüdten unferer Station, 3^r ®cf(^cn! gcfommen. S)er ^crr Sarbinal, n^eW^cr 
e^ in '^erfon mit mir öon ber ^ofl l^oltc, unb eö mit eigener ^anb auf= 
Bfle, »ünfd^tc aud^ n)cgen be« »unberfc^önen 3)rudt«, toa« mir erlaubt ifl, 
lefen ju Bnnen". (®^>&tcr ifl ®cßncr mcl^rfac^ \nß 3talicnifd^c üBerfc^t 
toorben.) „3d^ !ann nur Crj gegen ®olb ertt)ibrigen." 3n ber frangßflfd^ett 
UeBcrfeftung $uBer« (1761) l^atte er Bereit« bie Beiben erflen »üc^cr Beenbigt 
„3^ tDftrbe ©ie Beneibcn, [mein greunb, n)cnn ber SJeib in bem (Sarbinal 



§ 101. 2>te ^dflimitt. 53 

SBeOarmtn feinem Satec^t^ntn^ nid^t unter bte Xobfttnben gefegt tDoxt", (Ed 
fci^eint atö al^ne er ettoaö t)on ben getDaltigen &ffx\tttn, n)eU^e bte beutfc^e 
S)i<i|tung mai^tt, unb bie il^m ju bcgfettcn t>crfagt ifi. „Slä^ Bin leibet einer 
ton benen, totlift bie ©ried^en @))5tnuge nennen ; Si^iel^ung, Umfiänbe unb 
3Range{ l^aBen mi(^ jurüdgel^alten'^ Sl^arafterifiift!^ bleibt imnterl^in bie $er= 
el^Tung be^ Sel^rer^ ibealer ®ried^en{(i^6n]^ett für biefe reinen, lid^ten, tmättn^ 
aber jeber f$arbe unb £dr)>erIi(i^Yeit aQ}ufcl^r baaren, blaffen Stod^nSuge 
S:i^eocritd. 

Sknn äßindelmann an ®egner {d^rieb, fo nal^m er fid^ ganj befonberö 
jufamnten; au^gefud^t feine @ebanfen füllten ed fein, in ebenfo gemSl^Iten 
9u&rüd(en unb forgfam aufgeführten iBilbem. hierin \Ktxat^ [\ä^, n>ie mel 
mel^r e^ i^ beunrul^igt, einem (Dichter, einem genialen 9Renfc^n gegenüber 
in gttnfKgem Sid^t ju erfd^cinen, ate etwa einem gürficn ober 5Winifler. 
Das Üob bcö „bel^)]^ifd^en" ©eßner ifi il^m ,,n)ie ein ÜRotgentl^au bcm 
bürren 2anbe". 

®cgner n)ünfd^te feine (S<^riften mit SßindelmannS Statuen }u fd^müdten 
unb }ugleiil^ biefem felbfl eine (Sfyct }u em)eifen, inbem er fld^ tounberlic^er 
993eife einen 9uf fa^ über ben Sor}Ug ber lateinifd^en unb beutfd^en Su(^- 
fiaben erbat, dn einem SBerf ber !Z)i(^tfunfl aU Sonebner über lateinifii^e 
Sud^fiaben ju flel^en, nxtr nic^t nad^ SßindCelmannd ®t\(Sfmad, befonberd ba 
er eS in biefem ^aQ. mit ben ©Otiten l^ielt; er em)iberte mit italienifd^r 
Seinl^eit: „3i(ff beforge, eS toerbe mir ergel^n n>ie ben @tatuen, totH^t auf 
fel^r l^ol^cn Safen flel^en, n)o fie fi<i^ fel^r öerfleinem; ober tt>ie einem ©d^iffe, . 
tDdS^9 auf einem Sluffe etn>ad rechtes, unb im SEReere nid^tS fd^eint. äBenn 
ein mittelma|iger ®ängex aOein fingt, f o gefdllt er : aber in ©efeQfc^aft t)on 
beffercn flnbet er UKuig ©el^ör. dd^ bin l^ierin nic^t fo fd^neti, mie @ie 
glauben m5d^ten; benn id^ n>o(Ite im ®emalbe nic^t gern im ®runb flcl^en 
unb mid^ oerlieren; unb glet<^n)ol^l bin ic^ eitel genug }u oerfud^en, ob id^ 
IBnne }um ©d^atten bienen, nid^t Siebter }u erl^eben, fonbem auSjufüQen. 
^ n^erbe dienen mittl^eilen, maS ic^ merbe fagen fonncn. ®ie mögen eS 
machen n)ie bie ^oKanber, toel<^c, fagt man, }utt)eilen @)>ecereien oerbrennen, 
um biefelben tl^eurcr }U mad^en; n)erfen ®ie auS nxid dienen ni<^t gefaUt 
!DaS fd^limmfte ift, ic^ mug in gemiffer 9Beife miber meine Steigung, nic^t 
miber meine (Sm))finbung rebcn; benn id^ mochte felbfl nic^t mit lateinifd^en 
fc^önen 99uc^{iaben gebmd(t n>erben; unb man mürbe fogcn, id^ ^rebige gegen 
mi(^ felbfl". — 

(Snblic^ fam eine ©elegenl^eit, bcm lange }urüdEgel^altcnen S)anfbarfeitS' 
bebürfnil nad^ ^erjen^unfd^ ju genügen. Sßol^l leiner unter allen pilgern 
9tomd ]^at äBintfelmann leb^fter befd^aftigt, aU ber junge ^p, ber fd^on 
im 9tot)ember 1762 angelünbigt tt)orben toor, unb jrtar fo, bo^ SBindtelmann 



f ciH ,,S5erIangen ncw^ il^m" gcjionb, unb fii^ricB : „3Kf^ crBietc bemfetten oDe« 
ttxt« t^ »eig unb lonn, imb fomcl immer meine einflefti^&nfte 3«t crianBt". 

$Knt« $>etnTi(i^ gü^fi (1745 t 1832) mx bcr (Sol^n be« crflcn ^t«tÖs 
geBer« bc§ gtogcn ÄünfHerlcjiconÖ, ^nö «ubol»»]^ (1709 t93), ber ouc^ 
eine ftunflBiBltotl^ef unb eine ©ottctic t>on ÄünfllctBilbnijfen gcfammelt 
l^te. (Sin glanjenbed 2:alent unb ein frfil^Teifet Serflanb toutbe burd^ bie 
forgfältiglic daffifc^=artiftifci^e (Erjiel^ung im »ätcrli^en ^aufe auÄgcfcilbet 
©j)Ster etfc^eint er aÖ BelieBter UniüerfitätSlel^rer unb cinflu^eic!^ »e* 
gterungftnitgfieb, benn er war ein guter Stebner. gftnfjel^niSl^rig erl^tclt er 
att 9?a(3^f olger SSobmef« bcn idfxftaffi, ber @c^tt)eijergef(]^i(!^te, auf bie er 
m6f Stol^anneö iKütter in ber golgc gcBra^t ffot] cknfo ^anb er ^ottinger 
mit Äatl^ unb Sll^t jur Seite. SBir erBfitfen iJ^n nod^ auf bem ^>oritif(!^en 
Spater in bcn ©türmen ber 9let>olution, toal^renb ber l^ebctifd^n 3te<)uBli! 
unb 1x9 jum Seginn beÄ Cnqnrc; bann aBer jog er fld^ jurüi unb leBte 
Blog bcr Literatur (?cBen 9iai>]^acte 1815), ber Ooumaliflil unb ber SJu^= 
l^nblung. 

SBindelmann ^tte il^m ein S^xmtitx fttr jcl^n 3^^^^^" monatlich ge= 
mietl^ct unb benfe(Bcn ©iacumo angenommen, ber Seonl^arb Ufleri BAient 
l^attc. SBie fd^obe ttHxr efi, ba^ er gerabe je^t morgcnfi in ber Saticana fein 
mu§te, üon feinem förmlich oerfönbigten ©eUlBbe in Scjug auf grembcn« 
fftl^rung feine «u^nal^mc mcl^r mad^cn tonnte, unb jubem ilBcr ber f^>Tac^- 
lid^ !j)urc^fl<l^t ber SKonumcnti feufjtc. Denn rafc^ reifte in tl^m ber 
•®cbanfe, flc^ bcn jungen SWann ju einem SWifflonar feinefi Äunflct>angelii 
l^onjuBilbcn, i^n „ju bem größten SHtcrtl^um^oerflanbigen jenfcit^ ber 3n^>en'' 
ju machen; fein natörUd^r ^ang jum ©d^ulmeifler fc^icn ftd^ »iebcr ju 
melben. Sr ttiar fttr il^n ein ^^nomen: ttxir e« mögfid^, fo üicl SKlbung 
unb ®enic ju Beji^eu Bei fold^cr UnoerborBcnl^cit, unBlaftrter SEBerbcIufl? 
,,t>iel SBiffenfd^aft , unocrglcid^ßc^c grjiel^ung, angcnel^mc^ SBefen. . .♦) ®n 
unf(^ulbigered ^nb Bei grogem Sxtlent unb oielem SBi^ BctBe id^ niemals 
fennen fernen. Cr fc^cint mir ein Silb ber lugenb in Steifd^ unb S3cin 
jtt fein, unb ber erfle 3Renfd^ au^ ber golbenen ^dt ©ein SSater muß ein 
fel^r tt>eifer ÜRann fein, toet^cr nic^t^ in ber ßrgiel^ung t)erborBen. 3d^ l^aBc 
mit bemfelBcn faft tt)ie mit einem Äinbc gef^>ieft, unb mit feinem fjremben 
Bin id^ mcl^r f o gu fagcn l^anbgemcin morben ; benn id^ nal^m mir gfeid^fam 
SSoterPette üBcr benfelBen an; baBei aBcr l^aBc id^ il^m aHeS gefagt toa» id) 
»ei§, unb er ^at alle meine ^anbfc^riften gefefen". Cr nennt il^n ba§ 
^,2RiIc^Iamm"; er Bittet, il^n „geficBtcr ©ol^n" anreben gu bürfen: „ba id^ 

*) — uno di que' soggetti raritsimi, che non capitano ogn' anno: avTenente, 
giojale, erudito, dotato di spirito , e di buon >gu8to , dun modo di pensare nobile , e 
dirinTolto. 3. g^Br. 1765 an SDtog«. 



fi 101« 2)ie ©d^toeiier« 55i 

an ®te mit i^otfjttglu^tr Siebe fd^reikn mitt uiib mu^^ fo fpibe \äf lein 
Unterfd^ibungdtoort^ koeld^ed mel^r afö jened ba9 jSTtUd^e ^tq, bo^ fttr ®ie 
toallt, caiSMidtt*^. (St fann mm, nne er ben anttcptctrifd^en giro butc^ 
.^ouduntetrid^t erfe^en lönne, iRoc^ittogd in SiUa SQbani; oBer noci^ $va0p 
<ati, Siooli burfte er ntttgel^n; unb enbli(^ mod^te er e9 bod^ -ntdglii^, ,^in 
Vb^t ber txmiel^mften Orte Don feinem ©elüBbe oBjugel^n'^ j[a einiget ful^ 
er mit i^m mel^r alß einmal 9htn verging feiten ein Sog, n>o fte ^ 
nid^t fallen, ja er n)trb unrui^ig, n)enn ein foÜ^r Xag lommt 

Srfttli l^tte Bereite bie $tnreife no^ SBindklmanttd Statl^fc^lSgen ein» 
£eri<l^t; in 9iom lebte er fuf^ ganj in beffen 2)en6Deifc ein. IDtefer l^otte 
i^m f<i^on nad^ ®enf gefd^rieBen : „Viom fei auf ber gonjen Steife SSfX ^wü^U 
ongenmerl, nnb anbere Orte nnr 9{eBenjn)edk^ bie ®ie x>tm dl^rem gro^ 
^iel entfernen". „5if ging alfo, fagt fjügli, gcrabe ber Onctte anf 8tom jn, 
pl^ne in ben @tSbten, todi^t bal^in fftl^ren, lange jn Denoeilen, nnb meinen 
@ef<i^mad( bnrc^ ba§ ©tnbium ber ^nftfd^nlen in benfcIBen in @efal^r jtt 
fc^en. O^e biefe Sorfic^t l^ätte id^ meQeid^t 9to)>^ett richtige 3^d^ng 
ben reijenben formen bed fc^Bnen Sorreggio nad^efe^t. dd^ l^Stte meüeii^t 
in ber taufd^enben Samation ,bed großen Xitiand, ber feinen $infel in bie 
^Ben ber 9{atur getanc^t, baß attein SBefentlid^ ber ^nfl gefud^t ^^oul 
4$eronefe l^ätte t>iellei(^t mein äluge an eine eitle ^rod^t %tsofiffxd, unb mid^ 
boburdl oon bem ©cfüi^I be6 SBol^ren; ®ro^n, (Sbten unb @d^9nen umoiebevs 
Bringlid^ aBgejogen. SRic^elangelo l^ätte leidet mein ©efül^I für bad ®d^ne 
t>er]^4rtcn unb meinen ©efd^madC terwilbem fönnen''. 

£ur} noc^ ber ^imhl^r f(^rieB er an Sögeli oon ben ^^glttdKi^en Stogen, 
bie er an ber ®eitc feined Ißel^rer^ unb ^euiAe^ jugeBrad^t: id^ jol^Ie fk 
unter biejenigen Xage meiner dugenb, in benen id^ bie meifien ^c^te fär 
bie 3i^^^f^ 8^f^^ ^" ^^^ ^^ BcftSnbig ol^ne 9teue jurüdEbenlen barf, unb 
t)on benen i(^ nod^ in ben legten @tunben meinet SeBend 3^?^^^^^^^ ^^^' 
ernten lann. Sgindfelmann l^at mit einer t»aterltd^n Sorgfalt bie nntnlenben 
!8egriffe bed @d^öncn n)ie be$ @uten, bed ©efd^madtö nne ber Sugenb in 
meiner jungen ©eele feftgcfe^t S)enn bie Srt, n)ie SindCebnann bie fiunfl 
lel^rt, ip ein frud^tBarer Ouett t>on melen Äenntniffen. ör fd^iegt immer 
t)on ben SBerfen ber ^nfl auf bie 9)tcnfd^en, t>on biefen le^teren auf jene. 
€o entn)id(elt er ben (S]^aracter t>erfd^iebener Stationen, 9bmd unb ©riec^en^ 
lanbd in^Befonbefe, burd^ il^re berfd^iebenen (Stpeä^tn; bie )>orttifd^en unb 
moraßfd^cn ©runbfatje leiten fld^ barau« l^er". 

Suger bem (Sd^o 2Bind(clmannd ())gL Seite 17 unb 19) Begegnet man 
in jenem SSricfc aud^ ben ®^)uren Safano^ja'S, ber ücrfj^rod^en l^atte, gttgfi 
in ben ©emSlbegaDcricn ba§ 8crflanbni§ ber neueren Äunfl ,,nad^ beffen großer 
ftenntnig" 3U offnen. ,,3)omenid^ino, ber järtttt^e, burt^ Seiben gqjrftfte 



56 B^^i^ ®u(^. I. i>a^ a|)0{l4>lif(^ Antiquariat. 

2)omettt(l^itio^ tfi bct erfle fittnfller fttt ba^ ^crg ; Sorreggto ber 9Raler einer 
ttBermetifd^lid^cn @ra}tc; unb ba^ btefc in einem SBerl fttr melc äRSngel 
fd^Iod litten !önne, Ibetoeifl Satocci. ©uercino'^ ®em&Ibe, in bcnen ju- 
rodUn ^^toal^rl^aft ffdc6^\\6^t ^«j^önl^eiten^' t>ct!onDnen, Ben>eifen bo(^ auc^^ 
,,n)ic nnfid^ct ein fid^ fcIBjl üBcrlaffcnc^ ®enic »anble". — ©ogcgen 3RxiftU 
angelo bic ©d^ötil^cit immer ber anatomif^en Wid^tigfeit nnb bcr gatorit: 
aiftd^t, ©d^redcn ober SBfd^eu }u erregen anfgei>)»fert l^at ,^Stne geto)iffe 
nngel^eure ©röfe'^ toiSi er il^m ntd^t oBf^yre^en; aber ,,er toox ein ©türm- 
mnb, ber bie fd^önen S^age Sio^l^ete t)er{ünbigte''. ,,Ungqä]^mt, Bd^rtig, 
tofttl^enb^' nennt er bad @enie ©abator^, in beffen @eele ,,nie ein freubiget 
@ebanle aufgeßicgen fei, beffen SSkxtt erfd^ttttem unb Sd^auer erregen to)ie 
ein nal^ed Ungeto)itter, auf beffen ©egenftanben ber ^lud^ bcd ^mSd^tigen 
}tt rul^en fcl^eint". 

9Bie gan} biefe^ beid^e, mobd^enl^aft fentimentak SBcfen in Sßincfel:: 
mann^ @inn toax, imtxft bcr Umflanb, ba§ er fd^on nad^ einem SKonat 
,,öerfid^ert ifi, e^ foffe jenfeit« ber Serge lein SWenf^ fein, »eld^cr mit mel^r 
Sinftd^t, (Erfal^rung unb @efd^madl au^ dtalien gereift fei, unb e^ n>ttrbcn 
nad^ einem ^ufentl^alt ton einigen äRonaten ani^ in 9iom felbfl n)enige fein, 
bcnen bicfer tt)ttrbige dttngling nid^t Scction geben Knute. . . (Euer Saterlanb 
nnrb ftd^ fttnftig rühmen Knnen, ben größten Kenner }u befi^en, tiKldfcx 
rid^terßd^ mirb entfd^eiben tonnen. (Einen foU^cn Senner gu 3ic]^en, ifi nod^ 
feinem ^rften gelungen, fm>icl mir n>iffcnb ifi; e^ ifl aud^ haß dürften = 
gefd^mei^ (!) nid^t n)ftrbig biefe^ Sorjugd; ja ed feilte mid^ meine 2)icnfls 
tinUigleit gereuen, n)enn nid^t fein Saterlanb üomcl^mlid^ ben ©enug k>on 
il^m l^aben feilte. 3)ic ganje ®tabt foQte einen Seitrag tl^un jum Sel^uf 
beffelben, um ftd^ beffen mit mel^rer ®ered^tig!cit unb Snforberung rttl^men 
ju Knnen". 

(Er ^tte Sügli nad^ beffen ^^imfd^r mand^ed }ärtlid^e ©^reiben nad^- 
gcfd^idtt; aud^ ein „®enbfd^rciben t)on bem jRu^en einer römifd^en Steife 
nad^ ber Stüdtfcl^r in« Satcrlanb" »eilte er il^m »ibmcn; aber au^ bicfer 
greunb rcil^te fid^ balb ben „eerge^Gd^en acuten" an, bie nid^t antworten; 
nnb felbfi auf bie 3)ebication ber l^erculanifd^en „92ad^rid^tcn'' fd^ricb er „auf 
foU^ Srt, ba| id^ merlte, e« m&re nid^t gefd^el^en, n>enn er l^ütte n)enigcr 
tl^un fönncn'^ 2)ed^ l^at er ba« 9nben!en jener 2:agc banibar bennil^rt; 
nnb äRatt^ifon im „Sbenb am 3ürd^erfee'' fmgt nod^ ]pat tun ben „(SS)kn" bie 

„töte einfl, im 2cnj brincr Za^t bie fd^öne 
@celc ffiindfelmann«, bid^ geliebt." 

(Er l^atte einen n^enig dal^re alteren, glcid^ il^m $einric^ getauften, il^m 
über fel^r ungleid^en Setter, ben f)»ater fe berttl^mt gen^erbenen 9RaIer, einen 



I 102. (Sin 9reunbf^ft9^ro^t^tntt9. 57 

®o^n 4>aitd (So^fKiT^. jCiefet XtXkX bamal^ auf bcm 9Bcgc nod^ (Engloiib, 
ia9 ^piUx feine }ioette $^imatif muibe. äßtncfelntann tourbe um (Sm^fd^lung^- 
Briefe angegangen. Diefer ©cinrid^ gügli übcrfe|te einige feiner Keinen 
@(j^riften in^ (Snglifii^e; ein a^nftd^ed Sorl^Ben mit ber ftunflgefd^id^te ift 
bie Seronlaffung gen)efen ju beten brittet unb legtet SearBeitung. 9te il^ 
Sßtndfelmann einmal nid^t fd^nell genug antmortet, fragt et biefen, oB er fein 
Sreunb fein molle ober nid^t? ,,3fl bergleid^n ®en)&Itt^tigfcit in 9e^ 
(anntfd^aften Bei (Sud^ ©cBraud^, fo ifl ed mir 3U berjei^en, ttytnn td^ biefe 
grage feiten finbe." Sfud^ er l^atte m eine itaficnifd^e Jel^rjeit botgefc^jt, 
lam aBet erflj na^ SBindelmannd Xobe, unb je länger er bort toeilte 
(ad^t dal^re), je mel^r fanb er, bag er flc^ jur 9nti!e unb }ur n)elfd^n 
ÜRalerei lein Cerl^Sltntfe geBen !önne. ©n greunb Saüaterö, felBfl ein 
@turm.= unb 3)rangmann, toollte er ein Sraftgenie auf ber SeinnHinb toerbcn, 
inbem er ben iDliti^langelo etioa fo oerjerrte unb üBerf))annte, toit fflinger 
ben @]^a!ef^are. dn feinem ©el^im brSngte fU^ ein norbifd^er ^qrenfaBBatl^ 
bon ©efialten unb ©cenen bed @rauen^, bed Ungeheuren, bed SBal^nfinnd, 
ber S:raum= unb ®eiflerf^>l^Sre, ben aud^ bie Hare 8uft unb bie reinen Sinien 
be^ ©ttben^, bie ftiQe ^ol^it ber ®ried^enBilber nid^t mc^r Bannen, nid^t 
mel^r oerfd^eud^en (onnten. 



§ 102. 
(Sin Sreunbfd^aftd)>aro(i)dmu^. 

9{om gleid^t (n)enigftend fttr einen SDtann in SBindtelmannd ©teOung) 
einem tro))i{d^n Sergfirom, beffen Sette ftd^ im Srül^ling Braufenb anfUIt 
unb ba^ ttBrige Qaifx ttodcn liegt, BeleBt nur burd^ einige @um)>fla(^en, 
etnxt^ lilmmerlid^ fortfried^enbe Segetation unb allerlei (Setl^ier. äSer fo 
n)ie er aOjäl^rli^ mit einer immer neuen @(^aar ton ^emben aSer B^i^S^n 
in oft fel^r nal^e Sejie^ung tritt — kood^cnlang, taglid^, auf Sudflügen unb 
Bei Xafel — , unb bann fttr immer, oft mit (Senugtl^uung il^re ®pux oer- 
liert, Bidtoeilen aBer aud^ oergeBend l^eBendgeid^en bon il^nen Befc^toört, koAl^r 
renb er l&ngfi mit anbcrn ftd^ neutraliftrenben 9teifeeinbrtt(fen bergcffen ifl: 
ein fold^er ältann fttl^rt eine gef eilige (Stiften), in ber bad (Element bed 
993ed^fetö bod^ }u audfd^lieflid^ )oaltet, unb oft bttrßet fein $er} nad^ etnxid 
dnnigem, SleiBenben. (Sr BlSfi ate ©(^ulmeifler fein Stttdd^en immer^ 
bar mit bemfelBeu ^tl^od, aBer bie Sieberl^obtng toirb feiten BeleBt burd^ 
bod erfrifd^nbe (Entgegenlommen ber dugenb. @elttn Begegnet i^m ettoad 
trdftlid^d. de nad^ bem Xem))erament untersie^t man ftd^ ber oBligaten 
ilouT mit allen Seugerungen ber &angen)eile, @tuni))f^eit, f)>Btttfd^er Xobet 



fud^t, ober man bemfil^t fid^, bie Utti^etlc^ Senntitberutigeit mtb ^l^Tofen be€ 
jctimfigen ficnnertl^unt^ mit ftetd ^om^tem (Entl^uflQdmiiS nod^juqpeictten. 

„dlxdftÄ Idnn fd^rednid^et fein, fanb aud^ ®ottfft, M ber gäodl^nlif^e 
grcembe in 9tom. 9n jebcm anbem Orte !ann fUif ber 9teifenbe e^er fdDbß 
fnd^n nnb oud^ etnxid il^m ®tma%c9 ftnbcn; n>er fic^ aber ni<^t nod^ 9tom 
Bequemt, ifl bem nntl^r^aft rdmifc^ @eftnnten ein @reuel^^ „& xfi ein 
dammer, fd^reibt äßiiufelmann 1762, an}ufc]^en, toaS fkt Seute man l^ieri^ 
fenbet. . . 3)ie mel^rf^en ^Ben feinen cigentlid^ (Snbjmecf nnb fangen in 
9tinn an n>ie einer, ber {t(^ an eine mit ungal^IBaren @)>eifen ttbetlobene 
Xafe{ fe$t, t>cn allem effen n>i(l nnb burd^ ben HnBIidC ber 9Renge felbfl 
fafi einen (Efel kfommt. . . . Sitte SaiKiliere fommen ald 92ancn l^er nnb 
ge^n aU (Efel mieber meg''. 

Sie bie SBolfen am äRonb, fo jiel^en biefe ^guren an il^m üorftBer, 
feiten !ann er ben Schein feinet nttiben Ü^ft^ !Iar ergießen. @rabe n^eil 
il^m lel^enbe 2Ritt^cilung fletd Sebttrfnig BCieB, n>eil il^m Bei enq)finbungd^ 
fälligen düngem fo n^ol^I, fo ejf^Kmfto unb Berebt gu ÜRut^c nxir, mu^te il^n 
ber 9tcfi fo nnglücflid^ mad^n. 

SBäl^renb ber Snglönbcr entmeber bie t»on feinen neneften ©uiben burc^ 
Stempel BcgIauBigten ^^rafcn mieberl^olt ober fein SelBßbenlen in Biganen 
©ritten ItffavcpM; »äl^rcnb ber granjofc burd^ bie Äcrfl^cit glanjt mit ber 
er bie l^ol^c Sorjcit unb ba« 3bcal geifheid^ in ben ©tauB l^crabjiel^t, 
fKirobirt; Ȋl^renb ber Italiener auc^ l^ier feinen rafdbcn feinen Sttrf bem&l^rt, 
ber mel^r inffinctio, ate burd^ Gultur cttoorBen ifl: fo Bemül^t jt(^ ber Deutfd^e 
am mciflcn, eigcntl^ümfid^ ju em^finben. Bringt cö aBer oft nur ju ^latt= 
l^eiten ober tieffinnigen Unflorl^eiten, bie er in Breiten Sßorten an^brücft. 
anber bie Deutfd^en traten in golge bc« Stiege« Bi« jum Oal^re 1764 unter 
ber Tdmifd^n Srembcnfd^aar ganj jurticf. 

dm Sommer 1762 Befuc^te il^n ein junger lieflänbifd^er (Sbelmann, 
Sriebrid^ Äeinl^olb oon ©erg. Diefer f(^ien il^m oon bem @d^n)orm ber 
^emben fel^r oerfc^icbcn: eine« ber „oufeerorbentfu^en latente", für bie er 
gern au« feiner S^^cf^I^nS l^eraudtrat; ja er nai^m ftc^ oor, einmal gu 
}eigen, „ba§ er, rotnn er rtsoüt, eine ^krfon BeBannt unb benfmilrbig mod^n 
!önne'^ SBer bie§mal UHir e« mol^I menigcr ba« Xalent, aU bie &u|ere 
(Srfd^dnung be« fcl^r jungen äRanne«, bie, n)ä]^renb er „!aum angefangen 
\)attt xi)n lennen ju lernen", eine Bu^^id^^S cntjftnbete, bie fo fc^n>&rmeri^, 
enq)finblic^ unb eiferfüd^tig n>ar, tok ixtit. Unb biefe Seibenfd^ft (benn ba« 
mar e« Beinoi^e) nnir im erflen 9lugenBIid( fertig: „ein unBegreifTtd^r 3^8 
ju dienen, ben nid^t G^eftalt unb @en)Sc^« attein tttotdt, lieg mir oon bem 
erflen XugenBIidt an, ba ic^ ®ie fal^e, eine @)>ur oon berjenigen Harmonie 
füllten, bie ttBer menfd^Gd^e Segriffe gel^t unb oon ber emigen SerBinbung 



{ 102« (Sin 9rätnbf^t9^ro|:)^tnu9. ^ 59 

bet !Z)inge angefÜmmt n>ttb bie UeBeretnfKmmung bed @etfled tnelbete 

fld^, ba td^ ®te ba^ erflemaC ttUiüte'. dn ^radcott l^atte er 9erg6 9!amen 
,,tti bte 9ttnbe eined )n:ä<^ttgen unb klaulbten iO^omd gef<!^nttten'^ — ,,tt>o 
Üf meine ntt^t genügte dugenb in diäter ©efeHf^^aft gurüdrief unb beni 
&tnixi^ ^)ferte'^ ®o tur} bet Umgang ge»efen nxtr, fo n>ar bod^ ber Slb- 
fd^ieb SßiiKfelmann ^.einet beY ft^merjlid^fien feinet ititn9'\ er »ei^Ieic^t 
feinen 3^flanb mit bet UntrSfllid^fett einer 9Kutter, ber il^r &o1fn ,,}um 
gegemD&Ttigen %t>V' auf bem ©(l^Ioc^tfelb entriffen toirb. „SUf n^ar ioi^x\xtitf\ 
gefW^t er f<)5ter fettfl. 

® ttxir nic^tö anbere^ olö eine SBicberfel^r unb j»ar bie letjte jener 
feltfomen fentimentalen UeBerrei^ung, ber flc!^ Sßindelmann in feiner dngenb 
langbouemb üerfaOen }eigte. Solche 3uftänbe ber ©efül^I^^altation gel^ören 
3tt ben ))f^ologifc^en Problemen, bie il^re ä&urgel tief in bie ®innfic^!eit 
unb ü^re 6a)mcen l^inunterfhetfen; unter gen>i{fen UmfiSnben tonnen fte j[ebo(^ 
aU eine ^amme bienen^ bie in ber frofHgen 2;em)>eratur be^ 2tbta9 bem 
^erjeu bie il^m fonft^ fel^lenbe SBftrme iufttl^rt. 9Bir n>oIIcn l^ier ben bunfeln 
Shtrjeln nid^t nod^graben^ obnyof)l bie @Qc^e nid^t bomit erfldrt ift, rotan 
man fld^ in (Soetl^c'ö oj)timifHf(^cr SBeife, in leichtem Sorbeigel^n, baran freute 
baf er ,,nirgenb^ Belebter unb Ueben^jDttrbigcr" fei, att in ben ^^flik^tigcn 
Sugenbliden , n)0 beibe ^bttrfniffe ber f^rcunbfd^ft unb ber ©c^önl^eit 3u= 
gleid^ an einem ©egenftanbe Stal^rung fanben'^ @o erfc^int biefer B^^f^^^b 
affcrbing« in ben järtlic^en, 93erg nac^gefci^idtcn Sricfen, bie unö fel^r übcr^ 
f(j^n>englid^ bünlen, tlbtoo^ er fi<i^ ®en>aU angetan l^aBen tolü, ,,um hid^t 
mel^r ju fagen; n>ie er n)ttrbe getrau l^aben, xotxCn er feiner ^affton l^atte 
folgen Wunen". 

„9üt Slamen, f(^reibt ber 47ia]^rige ÜRann, bie ic^ 31^nen geben fönnte, 
ffaib nid^t fü^ genug unb reid^en nu^t an meine ?iebe; unb oOe^ nntd id^ 
d^nen fagen (Snnte, iß k>iel }n fc^nxid^, mein $er} unb meine @eele reben 
3U laffen. Som ^immel lam bie ^eunbfd^aft unb nic^t aM mcnfc^lic^en 
Stegungen. SKit einer gewiffen (B^rfurc^t näherte icb mid^ ^l^nen; bal^er id^ 
Bei 3f)xcx STBrcife bcö ^öd^flcn @uteö Beraubt fc^icn. aSa« ^ttc id^ nid^t 
fd^reiBen muffen, »cnn nur unter ^unbcrtcn meiner ?cfcr ein einjigcr biefc^ 
©el^cimnig Begreifen Knute! ÜJletn tl^euerfler Shreurb, \6f licBe ®ie mel^r 
att alle Sreatur, unb leine 3«t, fein ä^f^I^/ '^^^ Filter fann biefe Siebe 
minbem; aber entfernt ju fein, cl^ne fid^ mit 33ricfcn erreid^n ju Knnen, 
xft mir faft f(^mer)l^after aU felBft ber VBfc^ieb. . . 9Kad^en ®ie mtc^ balb 
mit einer 9(ntmort BegUtdtt. (Sine jebe Qtilt t)on dl^rcr $anb ifl mir eine 
l^ifige Reliquie". 

SBie n^enig Serg über ben Irog ber louriflen l^erüorragte, unb folg- 
lid^, unter n>elc^er tl^öric^ten 39eraufd^ung jene Xu^brttdCe gefd^rieben toaren, 



60 3^te9 ^ndf. I. 2)a9 o^oflotif^ Antiquariat 

Böocip ffiincfelmann fcftfl butd^ bic il^m nod^cfd^idtc ^.^rcbtgt". ,,©tc 
eilten nod^ äRonat^frtfl au9 9?om, n>el(i^e^ @te Caunt l^IB unb in ber glud^t 
gefe^en, tote u. a. bad Samptboglto Bctoetfl, um nodf in T^ren} an fed^ 
•Sßo6en 3UjuBringen, nod^bem @ie Bevctt^ tycx^ftx itoti gan}e äRonate bafelBß 
)oetloren. 3d^ l^aBc mld^ äu^erfi geMnft, bag xä} ntd^t einmal einen etngigen 
2^0 gcn>innen fönnen, um dienen Befonbcren Unterrici^t jn geBen, n>ie idf 
mir bod^ feeflanbtg au^gcBeten l^atte; bcnn in einer SKenge, u>o oOe einen 
anbem SBeg gelten, ftnb gennffe ÜDtnge t>erf<i^n>cnbet unb meggckoorfen. ^ 
l^atte dienen einen ganzen äRonat loom 3Rorgcn Btd auf bcn S(Benb geben 
njoOen; allein 9tom gefiel nid^t mel^r, unb aDe ©ebanfen toaren fd^on in 
glorenj. — Sl^euerflcr greunb, bie »al^re Siebe ju Sinnen U%t mi^ bicfe« 
fd^ciben: benn ol^ne biefelBe Idnnte ed mir gleid^gälttg fein, mo unb nne 
Sie 31^re 3^^* ^m angenel^mften ju »ertreibcn »ermeinen . . . Diefe Se= 
Ummcmi^ ifl um fo mel reiner, ba iä) nid^t ba^ ®I&d( l^aben teerbe, ®ie 
in meinem Seben toieberjufel^en. & nfi^t p>ax dienen nid^td, tt)te bef&mmert 
id^ and^ fein mag; aber nnangend^m tonn e^ dienen nid^t fein^ bag ein 
5IRenfci^, ber öiel beulen !ann, befiänbig an Sie »ie ein Satcr an feinen 
©ol^n bcnft". 

©n 8ricf au« ?5ari« berul^igt il^n; »erg f^jrid^t barin öon feiner 
5Reigung jnm fWtten Sanblcben, toon feiner Abneigung gegen ben ©t. ^ter^ 
burger ^of, t>on bem er ein jiemlid^ grauftge« Silb cntmirfL !Dann abet 
antmortet er nic^t mel^r, banit nid^t einmal für bie glcic^ }u nennenbe (Sd^rift; 
nun l^eifet er ber ,,}>flid^tti>ergcj^ne Sieflanber"; nod^ bitterer »irb er, al« i^ 
ber Saron bei einer Begegnung in Wom umgel^t unb „einen fcl^r unbequemen 
SBeg" t)orgie]^t. Sltt er ftd^ aber nac^ 3a]^rcn bei ©elcgcnl^cit ber SJer^ 
mSl^lung feiner erinnert (3Rai 1767), tfi aOeö imeber gut: ate toal^rer 
„t^eunb beö SrSutigamö" jubelt er, baß biefer nunmel^r 5Jater tt>erbe t)on 
fd^önen ftinbcm — „nac^ Sl^rem fo geliebten unb mir etoig gegenwärtigen 
Silbe"; toie er il^m frül^er jugemfen l^atte: „dcrndtn ®ic ©öl^ne unb (gnfel 
nad^ airem »ilbe", 

§ 103. 

3)ie Xbl^anblung t>on ber gal^igleit ber (Sm)>finbung 

be« ©d^onen (1763). 

S)iefc furje Selanntfd^aft tt>urbc jur Scranlaffung einer fleinen ®(^ft 
SßindCelmann bewied bag er toirflid^ beffcn faltig n>ar, ttKi« er einfl bei @e:: 
Icgen^cit bc« fd^önen glorcntinerö bel^au^Jtct l^atte. — 3nbem er fid^ bcm 
©d^merg bc« foum begonnenen unb f^on gerriffenen ©eelenbunbe« llbcrlagt, 
bietet fld^ eine Sinberung bar burd^ Ableitung bed aufgeregten, fcl^nfild^tigen 



§ 102. 3>ie SCb^nbCnng toon bet gfi^tsttit bei Qm|>finbung U» ^Untxu 61 

3uflanbc« in Bcrcbtcn SBortcn an btc 3lbrcffc be« (gntfcrntcn. Vbtx gtn)ö]^= 
ttd^e ©riefe genügen nic^t: monumentale f. j. f. foffcn e8 fein, ,,ein a)enl= 
mal il^rer ^tcunbfd^aft, rein ton allct erftnnlid^cn Vbfxift", eine XBl^anblung 
an {t(j^ n^rtl^ooD bur^ neue bebeutenbe @ebanfcn; bie ^t\t, bie fie loftete, 
n>ar ja eine Sudbel^nung bed geiftigen 3^^^B^f)>^^^^ ^^^ Sef^aftigung bet 
Iß^ntafie mit ber ^tfon, ber fle gemibmet n)etben foHte. @ie foDte nelbenbei 
au(^ ba9 ntt^Ii^e }um angenel^men gefcKen, bcm 3un!er, freiltd^ etn>ad post 
festniD, ben fiopf 3ured^tfe^cn über bad ^.nü^G^e Steifen in dtaßcn''. Sr 
Begann fie ju Safleöo, ein giefceranfatt untcrbrad^ il^n ; ber Srief 93crg^ im 
tlnfang SBinter^ erinnerte i^n an fein SSort; enblid^ n)urbe eine Sbl^nb- 
lung barau^, bie ^^umflänbCd^er auffiel al^ e^ bte anfängfui^e SReinung 
toat", aber ;,bie mit ffiud^cr bejal^Ite ©d^lb l^ebt ben Som>urf" ($inbor). 
^itte duni 1763 ging bad aRanufcri))t nad^ Sei)>}ig ab. 

Diefe Sbl^anblung crfd^ien bid^t t>or ber S^nflgefd^ic^te, bie fie anfttn? 
bigte. ,/Da9 Format n>ttb bad größte fein, n>cl(^cd ju ftnben x\t, bamit 
biefelbe an bie ©efd^id^te ber ^nfi, meiere auf aRid^aelid erfc^eint, fann 
gebunben n>erben'^ ®ie mar eine Srg&njung be^ großen 28ertt: in }Tt>ei 
Ouartanten mar @^ficm unb ^ifiorie ber fd^önen formen gef^ilbert morben; 
auf 32 (Seiten follte nun auc^ bie )>f^<bifd^e ^^unction, ba^ Organ für bie 
Suffaffung jener formen anal^ftrt merbeii. Sßincfelmann miO flc^ temel^men 
loffen über ben $au)>tf)unft ber Xefll^etil be^ Oal^rl^unbert^, über bad Sl^ema 
ber jal^Ireic^n jiractate unb Essays on taste, sur le goüt; benn ber ,;gute 
®t\dimad" ifl nur ein anbered SBort für ,,9a^ig!eit ber (Snq)ftnbung'^ 33on 
einem Sinflug ber Sll^eorien unb critifd^en $erfud^e jener ^üt ift übrigen^ in 
bem @^rift(^cn !aum eine @)>ur: l^ier f)>rt(i^t ein bloger Seobod^ter feine 
(Srfal^rungen au^, ol^ne mcta))l^^ftf(i^en ^intergrunb, o^ne )>f^ologifd^e Safld. 

SBir ^örtcn, bag äßincfclmann fein burd^ arme Sd^Iucfer etma^ l^emnter^ 
gebrad^tcd Smt etma^ torne^mer ma^cn moOte; er l^atte gern bad il^m nun 
einmal anflebenbe Siccronentl^um berebelt, jur $5]^e feiner "^erfon erhoben. 
%uc^ in anberen @))l^&ren l^at man oft, gefettet an einen nid^t gau} }ur 
Ueberjeugung flimmenben Scruf, fid^ mit bem "ißfli^tbemugtfcin }u vertragen 
gefuc^t, inbcm man bem Seruf eine ibeale 3)eutung gab, bie man in einigen 
feltencn ^S&tn fo glücffid^ mar, allgemein ancr!annt ju feigen ; abgelebten 3nfHtu= . 
tcn einen neuen, Icbcnbigen ©cbanfcn unterlegte, ate bereu öon einer crjiel^enben 
Sorfe^ng gemoüten maleren Sinn. 3)ie Sudbilbung ber Qm^ftnbung für bad 
®d^öne, bie (Sr^icl^ung au^etmäl^lter, befonberd begabter Jünglinge ju bcffen (Sr- 
fenntnig, m. e. 9B. bie 3bee einer äfl^ctif(^n (Erjiel^ung mar ed, bie WindtU 
mann gern att Äcm feine« Scruf« — ein ibcalcö Ciccronentl^um — bes 
ttod^tet l^&tte. Unb bie^ mar il^m bie liebflc 9ef(^äftigung auf Srben, er 
)oftnf(^te, bag i^m foli^e 9tcifenbe avA bem 92orben gefd^idtt mürben« „(Er- 



toidm ®ie btefen Zuiti'' (namttd^ nod^ dtalten)^ ermaßt er ^d^tie, „too 
(Sie fetae (Sinne btnlerfen'^ 

& ift eine SieBIing^ibee SBincfelmann«, bag (Si^nl^eit bed Sbtptc9 wlO 
bet ©entfttl^dart }um ®inn fttr bad (Sd^öne, gu beffen ^tDorBrtngung bt^ 
^ontre, btefe f^äl^iglett anlünbige. @Iet^ bei feinem erfien auftreten oitgerte 
tt, bag nvift toenigcr al^ eine Kf(i^öne @eele n>ie bie ^<tifif}CüM toax, m 
einem fo fd^Snen Söttet erfotbert n)Ctben fei, bie ©^önl^it ber Sntile n)ieber 
}n empfinben nab nad^jnfd^ffen. ®o l^eigt e^ l^iet: „& ifi biefe ^ol^igleit 
in nwl^Igebilbeten ^aben el^ ald in anbeten ju fud^, n^eil toir in^emetn 
benlen n>ie tovc gemoci^t finb, in ber SJilbttng aber totm^tx, aU im Sßefen 
nnb in ber ©emfitl^att : ein toeic^ed $er} nnb f oigfame (Sinne finb ä^if^n 
folc^er Sal^igleit. . . S)a fid^ ou^ ba^ nntl^re (Sd^öne ber menf^fid^n Srignr 
in^cmein in bie unfc^nlbige fUUe Statur einjnlleiben pflegt, fo toifl ed bun^ 
einen al^nlid^en (Sinn gefttl^It unb erlannt merben. $ter ifllein ^gafnd 
nSti^ig, burd^ bie Suft ju fahren, fonbem ^aUad, bie und ffti^rt''. ®o erfd^ien 
bad ^ana ber (Sd^rift in einer inneren Segiel^ung gu il^rer perfBnlic^en 
Seranlaffung: ,,3^re Silbung Iie§ mic^ auf bad xdo» \äf toftnfi^te f^Ue§en^ 
unb id^ fanb in einrm fd^dnen St&tpcc eine jur Sngenb gefd^ene ®eele, bie 
mit ber Cmpftnbung befi ©d^önen begabt ifl''. 

2)iefe Obee nun gel^Brt ju einem ^eid k>emxtnbtcr dbeen, bie oOe, mie 

bie Figuren eined fd^attenlofen ®emSIbed, in ein reined Sid^t bed ©d^^en 

getaucht finb* Sßie an füblid^en ^fien aUed bunfle, unburc^fid^tige, fefie^ 

bie lal^Ien @ebirge, bad öbe SReer jn lid^ter, farbiger äBefenJ^eit t)erRart n)trb, 

fo treten tt)ir beim 2efen bicfer SUttcr in einen Sejirf, an beffen Pforte 

bie mül^fame Krbeit, bie büfhe ® elel^rf omfeit , bie l^eftige Scibenfc^ft, bad 

unrul^ige Serlangen )>ergebend anllopft: 

„toit im S^en, fo hn SHd^m 
iß ba9 ^fk ®ut bie ^nobe"': 

@ttnfi bed $immeld, Kul^e bed ©emfttl^d, greunbfc^ft, fd^ne Silber bie 
un^ umgeben tt>ie bie Suft fo n>ir atl^men, bad tfi ber Slnmenpfob ber und 
jnm Sempel bed <S(^önen ffil^rt. 

3ene ^&ee erfd^eint ujeniger ,,feltfam" (mie fie ber Wecenfent in ber 
Sibliotl^I ber^fd^önen SBiffenfd^aft nannte), n>enn nnr ben (So^ bomit in 
Serbinbung bringen, bag bad erße SBeri^ug oded ©efd^madtd ber „Sufere 
Sinn" ifi, toSl^renb il^r „©i$" ber innere ifi. 3)ie Ingenb biefe« SBcrfjeug» 
ift „9lid^tigfeit beS Suged, bad bie UKX^re @efiatt — gorbe fon^ol^I a\» 
^orm — unb ®rö|e ber »ortoftrfe bemerft". 

3)iefer Xüd^tigleit M finnlt(^n £)rgand entfprtd^t in ber ®eele ober 
(EinbtIbungMraft bie ftraft, S)eutlu^feit unb 3)aner bed ©ebSd^tntgbilbd, „bie 
Ubl^afte Silbung bed betrod^teten Sd^önen. . , dl^re jhaft to^fl tme bo» 



I 102« ^€ Ib^üblSBg )»0B ber gol^igfdt bct (Sm^ffnbnitg be« (Sd^önen. ft3 

Oebfi^tirig , bitrc^ Uefotng. . . XaS enqofbibltd^fie ©cfftl^I !ann btefe eigaiip 
fd^ft untofliotmmtencr, atö ein geübter 3KaIcr ol^ne ®efü]^I l^aben, bergeflalt, 
bog bod eiitgebrttdte iBtIb ongemem leBl^aft uitb beutltd^ \% aBer gefc^to&l^t 
wirb, tDtm mir und baffelBe ^ücftoeife tycrftefien tooDen, n)ie ed mit bem 
ttlb bc« entfernten ©eliettcn gn gcfd^l^cn ^)fl(cgt". 

,,(S9 tß btefe $&]^igleit, ttne ber ))oetifd^e @etfi, eine ®aBe bed $imntett^ 
ber fic aKen bemttnftigen ©cfd^fcn, aber in fel^r Derfii^iebencn ®raben ges 
geben ^at 9ßo fie nici^t i% )>rebtgt ntan Slinben bte ßenntni^ bed ®^dnen^ 
»ie bie 3Rufü einem nid^t mnficcdifd^en ®e]^ör. . . Sie bilbet {id^ aber fo 
n)enig ate bie ®abe ber Dic^tfunfi^ non ftd^ felb^^ unb n)ürbe ol^ne Sd^re 
nnb Unterrid^t leer nnb tobt bleiben/' Xber aud^ ^,t)emad^Iaf{tgte (Erjiel^ung 
tonn biefelbe nii^t erfKcfen^ n)ie i^ l^ier an meinem Xl^eile n^ei^. ®ie ifl 
tUca^ arifliKratifd^er Statur; anc^ l^ier ftnb .^menige au€em>al^lt'^ dn il^rer 
SoQIommenl^eit ift fle fogar fel^r feiten; einige fd^einen in ber 9udtl^etlttng 
berfelben t>on ber 9{atur übergangen yt fein, nod^ anbem ifi bad (Schöne 
nnb bad SRittelmägige gleic^ toillfommen. 3)iefe Seltenl^eit lann man fd^n 
abnel^n aud bem 9Rangel an Schriften, ttkUtit bad ®c^5ne leieren, f/folc^e 
pnb feit ?Iato biß l^eute leer, ol^ne Untcrri^t unb t)on niebrigem ©el^olt". 

dcner unentbel^rlici^e Unterrid^t befielet aber feineötocg« in bielem SBiffen. 
„(ä& n>icfelt*jtc^ biefelbe el^er an großen att Keinen Orten au«, unb im Um* 
gang mel^r att bur^ ©elel^rfamf eit : benn baö biele SBiffen, fagen bie ©riechen, 
emerft feinen gefunben $erflanb, unb bie fic^ burc^ bb^e ©elel^rfamfeit mit 
bem Sntertl^um belannt gemad^t l^aben, ftnb aud^ berfelben tocxttx ni<^t hinbig 
geworben/' 

3)enn bie Stimme bed @eftt^tt unterfd^eibet ftd^ burc^ il^re Unmittet 
barfeit t)i>n bem an iDtufler fid^ lel^nenben Urtl^eil bed Serflanbed (goüt de 
comparaison) unb t)on bem tünfllic^en Sid^t ber @runbfä^e. dene ergel^t 
auf ben erften ^Ixd, too biefer erjl fiber bad Sßal^rgenommene brttten unb 
Säejiel^ungen aBer Art l^rbeirufen muß. „^«ttig unb fc^nett muß ber innere 
Sinn fein, ujcil bie erflen (ginbrttdfe bie flarffien flnb, unb tor ber Ueber= 
jeugung ^öDrl^ergcl^n : toaö toir hnxdf biefe enH)fmben, ifl fd^toäd^er. S)iefe« 
tß bie ollgweine SilD^rung, n^elc^e und auf bad Sc^Bne giel^t, unb fann 
bunfel nnb ol^ne ®rttnbe fein, nne mit aOen erflen unb fc^neüen (Sinbrttffen 
}u gefd^en f^egt, bid bie Unterfud^ung ber @tttdfe bie Ueberjeugung julSßt, 
annimmt nnb erforbert SBer l^ier bon ben Il^eilen auf bad Oanje gelten 
totütt, tt>ürbe ein grommaticalifd^ed ©el^irn }eigen, unb fd^merlic^ eine 
(Em^flnbung bed ®anjen unb eine (Sntjüdhtng in fic^ enoecfen''. 

ißid^t @efd^&ftigfeit, nid^t Srbeit im ®6faKX^ bed Xngeful^td unb fttr bie 
^eOf, fonbem freie 9Ruge ift ed, in ber bieg ©efftl^I gebeil^t „iCiefer Unter= 
ri^t t^ nt^t für junge Seute, xoM^ nur um il^r not^bftrftiged Srot lernen. 



64 3*''^^ ^^^' I- 2)0« o^ofbtif«^ Antiquariat • . 

UTib n>eiter mift l^inau^benlen IBntien, . . . fonbem für bte mld^e fcCbft bie 
^SifXfftit, Ttittd, ©elegcnl^it unb äRu^e l^Ben, unb btefe fonberlid^ iß 
nBt^tg. Denn bte Setrod^tung ber 3BerIe ber ^nfl tfi, vait $Itntu« fogt, 
filr milbige äRenfc^en, b. i. bte nt^t bcn ganzen Za^ ein f(^n}ercd unb 
unfruchtbare^ gelb ju bauen t)erbammt finb . . . 3)te mir gegönnte 3Rn^ 
ijl eine ber größten ©lüdtfeligfeiten, bie ntir baö gütige ©efd^idt, burd^ meinen 
erl^obenflcn Sreunb unb $erm in 9lom finben laffen, toe^er fplange ic^ bei 
unb mit il^m lebe, feinen geberjiric^ t>on mir »erlangt l^at, unb biefe felbige 
9Ru^e ]^t mid^ in ^@tanb gefegt, mic^ ber Setrad^tung ber ^nfi na(^ 
meinem SEBunfd^e ju überlaffen'^ 

3)a« @c^5n]^citdorgan liegt in einer mittleren 9tegion bed )>f^if(^en 
gebend, glei^ tt>ett entfernt wn ber arbeit be« SSerflanbcö tt>ie t>on bem gcuer 
ber l?eibenfd^ft unb bem 3ntcrcffc bcö Scbttrfniffe«. ,,a)cT Vorwurf biefe« 
(gefüllte ift nid^t toa« Srieb, greunbfd^aft unb ©efaöigfcit an^>reifen, fonbem 
toa9 ber innere feinere ©inn, tt>el^er »on allen Slbfid^ten geläutert fein fott, 
um be« ©d^önen iDiIIcn felbfl, em^jftn'bet". 3)a]^er e« fein günflige« S^mj)ton 
ifl, njenn bie (grregbarfcit öomel^mlid^ toeiblic^er ©d^önl^cit gegenüber be? 
merflid^ mirb, ju ber bie Stimme ber Siatur l^injiel^t, »ol^renb auf Seite 
ber SWanner bie öoHfommencre gorm ifl „^ l^abc bemerft, baß biejcnigen 
toelc^ nur allein auf ©d^önl^eiten be« mciblid^en @efd^led^t« aufmerffam ftnb, 
unb burc^ ©c^önl^eiten in unfercm ©efd^led^t menig ober gar nid^t gerttl^rt 
n)erben, bie (Sm))ftnbung be« Sd^Bnen in ber ^nfl nid^t leidet eingeboren, 
aOgemein unb Icbl^aft ^ben". 

(Sine anbere ^|Jrobe ifl, bag ftc nic^t blog burd^ Srfd^einungen ber 
SBirflid^fcit, fonbem aud^ burd^ bloße ©c^attenbilber angeregt njirb, t^ in 
bicfen „i^ren öorncl^mflen ©cgenflanb ftnbct". . . SKcl^r (5mj)finbung wirb 
jum Schönen in ber Sunjl ate in ber Slatur erforbert, n)eil jene«, »ie bie 
2[l^ranen im Xl^eater ol^ne Sd^merj, ol^nc Scben ifl, unb burd^ bie Sinbilbung 
ttmtdt unb crfc^t n)erben muß. 

?lber obtool^l fie über ber trüben @^>^re ber geibenfd^aften liegt, fo ifl 
bod^ ba« i^r günflige Sebendaltcr feinedmvgd ba6 Slter ber Xbfül^lung unb 
(Srmattung ber Seibenfd^aften. Sie foll ba« „feurige" ber 3fugenb ^abcn, 
unb be^l^alb „}eitig geübt unb auf ba6 @d^dne gefül^rt n)erben, cl^e ba« Xltet 
fommt, in mlc^em n)ir und entfe^en ju befennen, e« nic^t }U fül^len'^ 

ÜDa« SBort „ (Sm))ftnbung '' foU l^ier nid^t« b^rifd^e« mitonbcuten. 
(Sm)>ftnbung bcjiel^t fid^ l^ier gau} auf Sorm, auf @egenflänblid^e9 im 9tanxxL 
„Dad UKil^re @efü]^l be« @d^6nen, fagt er in einem fcl^r begeid^nenben 9ilb^ 
gleid^t einem flüf figen @^fc, tt>el<^er über ben Äo^f be« Wfoüo gegojfen n)irb, 
unb benfelben in aQen S^^eilen berül^rt unb umgiebt". Kud^ ifat biefcr @inn 
eine Xnalogie in feinem ©egenflanb. SSie ba« @(^öne in ber ^rmonie ber 



§ 103. 2>ie Kb^onbünid toon ber SS^feit bet (Sm^finbimg M &ifinm. 65 

^CSftiU befielet, bcren SoUfonmiettl^ett ein fanfted (Steigen unb @tn!en ifl, fo 
toitb e^ ouc^ in unferer Sm^ftnbung gletd^nt&gig n^irlen, unb biefelbe mit 
einem fanften ^n^t fttl^tcn, ni(^t ^ȧftfic^ fortrcifeen^'. 

23ie nun biefe gal^igfeit bon ber 92atut einer fc^önen ®eele in f(^önem 
Seibe ertl^eilt mirb, fo bebarf fte aud^ eine^ ft^nqxit^d^en Slimad, einer 
9tmof)>]^Sre- be^ @<i^dnen, um anf}ublü]^en. hierin liegt bo^ ®e]^eimntg 
fifil^etifd^er (Erjie^ung. Xber ni^t nur bad Huge be^ ftnaben fpH an 9eob= 
ad^tung unb Sergleid^ung bed @d^önen gemö^nt merben, anc^ ,f^^ unb 
(Em))ftnbung f od burii^ (SrHarung ber fd^önflen @teOen alter unb neuer @(^rif t= 
fleder, fonberlic^ ber lAtSfttx, rül^renb eüoedt unb }u eigener Setrad^tung 
bed @<!^önen in ber ^nfi gemöl^nt merben. . . 3)tefe Snq>f&ngli(^!eit entbedt 
fld^, n)enn in Sefung eine^ (Scribenten bie (Em))ftnbung }artlic!^ g^tül^rt koirb, 
n)0 ber n)ilbe (Sinn überl^infäl^rt, mt biefed berfd^iebentlic!^ gejd^el^en tt)ttrbe 
in ber 9tcbe bed ®Iaucu^ an 2)iomebe^, toel^e^ bie rül^renbe Sergleid^ung 
bed menfc^Iid^en Seben^ mit SISttem i% bie ber 9Binb abtoirft unb bie im 
grftl^ling micbcrum ]^cn)orf}>roffen". 

!{)emocrit ^pxcO^ ba€ r&tl^fell^afte SSort, ,,n)ir foUten bie ©dtter bitten, 
un^ angenel^me Srfd^einungen }u geben''. (Er erfl&rte bie 2]^ei>)>^nien oud 
Silbern l^öl^ercr, ben 2Renfd^en an ®r9ge unb ®<j^9n^eit überlegener SBefen, 
bie fu^ bon i^ren Originalen Ic^Iöfen, im Uniberfum ]^erumfd^n}eben unb im 
Xraum unb äßad^en ju unferen @innen gelangen. Qu folc^en glttcflid^en 
Silbern red^net äBindelmann ,,bie Sa^relief^ unb alten ©emälbe, ttkU^c 
@ante^ SartcH geflod^en, bie fogenannte Sibel be9 9ta^l^ael: biefe juki 
SBerfe n)erben einem unbeüod^nten 9uge fein n>a^ eine richtige Sorfd^rift ber 
^nb ift, unb ba bie ungeübte (Sm)>finbung bem (S^^eu gleid^t, n>el(^er ftd^ 
ebenfo leidet an einen 9aum^ al9 an eine alte äRauer anfingt, id^ toxVi fagen, 
bad (Sd^led^te unb bad @ute mit gleid^em Vergnügen fielet, fo foQ man bie= 
fette mit fd^önen Silbern befd^aftigen". 

(Er nennt femer bie gried^ifc^en SDtünjen be$ ®ol}iud; bie angenel^mfie 
unb lel^rreid^fle Sefd^Sftigung aber feien bie Sbbrüde ber befien gefd^nittenen 
©teine; unb ba bie 3)^utli^feit aud bem (Segenfa^ trro&S^ft, fo foO man 
moberne baneben l^alten, ,,um au9 beiber Sergleid^ung ben Segriff bed nnki^ren 
©d^dnen in ben alten, unb ben irrigen Segriff beffetten in ben mel^rften 
neuen Arbeiten ju jeigen". 

„& ifi alfo, fd^liegt er, biefe Xl^&tigteit aM eine feltene (Sabe bed 
^immeM }u fd^&^n, ttytläftx bie (Sinne }um @enu^ be^ @d^dnen unb be9 
Seben^ fettfl l^dc^ft fällig gemad^t l^at, aU beffen ©lüdfeligteit in einer 
S)auer angenel^mer (Em)>ftnbungen befielt''. Skr in ben legten SBorten au9: 
gef))rod^ene (S)>icureidmud ifl im Xon be« ©anjen. & liegt etma^ über ber 
(Sd^rift n)ie jener boOe rul^ige 3)afein%nttg, ber me^r }um füblid^en $immel 

Ulli, fdtndetaaniL IL 3. * 5 



66 B^^^ ^^^' ^' ^^ a^o^ltf(^ Sntiquariat 

unb jutn ititn ber WXtn ate }um notbift^n nnb ntobenien 38efen ju )Mifieii 
fc^int. & gel^Brt jut n>al^ren Humanität, noc^ »cn etoa^ anbenn ju nnffen 
aW bcm 33Sec^feI tjon är6cit unb ä^^^ttiing. Xic «tfcctt fotttc jur cigeuflcn 
Äeu^etutig, !Earftcttnng, iu^ unfcrcö @clbf^ njcrbcn, unb bic Stulpe gu einer 
Sl^ätigfcit btc Tctc^cT tfi aU bic untul^ige ©cfcl^äftigfeit. SSilbcr folt^en Soff^ 
gefftl^tö Befriebtgtet (S^fleng, bie ödem ®enug ber fc^öncn Sklt ringsum 
offen ift, unb }ug[ci(^ in t>oQer flnnenbcr ©eifte^Rarl^cit rul^t, jeigen un9 
manche ©eftolten antifer ^^t unb ^)onn>eianif(j^er Ocmälbe*. — 

Iicr ©tief mar ju einer „äbl^nblung" geworben; c€ ]pxidft nid^t mel^t 
ber grcunb jum Sreunb, fonbem ber äutor juui "publicum, ber Äunftlci^rer 
jur ^tit, ja toir fd^inen fogar jutt)eiten ben ,,*^}rafibenten ber SQtcrt^mer" 
JU oemcl^mcn. Stuf bcm 2:itel jlc^t: ,,Ool^nn ffiindfclntonn^, ^r&jibentcnd 
ber 9(Itertl^ttiner in 9lom, unb (Ecrittore ber taticonifii^en SiBliotl^e!^ SRit^ 
glicb« ber fönigl. (i&iglifc^n äcabcmic ber Ältertl^ihncr" u. f. ». S)icfer 
iitct \>crfiknbigtc olfo ben iCcutfd^n iui Siorben bic S3cförberung il^reö ?anb^ 
mann« im fernen l^ol^en SRom. & mar fein erjier litel, inmitten eine« 
Sott« frembcr ä^nflc errungen. ,^SBa« fftr ein 9iul^m^ ^ieS.e« nun, für 
unfere 9{ation, ba^ man einen Sl^cutfc^en mürbig gefunben, il^m bie Stufftc^t 
über bie Slltertl^timer onguoertraucn, unb tt>ie ßblid^ ifl c« oou ^crm 333., 
b«6 er feine 3Rutterf^>raii^e, bie fo oicie Heine ©efc^ö^^fc »on unferen ?anb«s 
teuten in fremben Sänbem ocrgeffen $u l^aben affectircn, immer nod& toSSjUt^ 
feine Sinmten in jebem H^eilc ber SäSiffcufd^afteu ber SBcIt mitjut^cilen". 
,/$rSftbcnt ber Xltcrtl^ttmer^' Hang im fernen Deutfd^lanb ganj anber« otö 
in 9tom, n)o übrigen« bie bcfc^cibcnere ^egeid^nung üblic^ tpar; ^ageborn 
la^clte über bicfcn ^räfibcnten. »ber ein ^räfibcnt ber «Itcrtl^ftmcr gu 9tom 
burftc ftd^, fo fd^icn e«, erlauben, großen fitinfHcm, »eltbcrül^mtcn ©clcl^rtcn, 
ja gangen 5Kationen über ben Sart gu fal^rcn. 3)ie cingigen, bie ?ob 
cm^fal^cn, fmb bie greunbe, 2Rcng«, aibani, ßafanooa ,,ber größte ä^i^^uer 
in 9iom nad^ üRcng«" ; natürlich au^r ben alten, oon benen mir aber ^ören, 
baß man jlc nur ba, »o ber ^^räfibent ber «Itert^timcr ifi, fennen lernen 
fann. SSJenn man '^räjtbent geworben ifl, barf man fi^ entfd^äbigcn für 
frühere übermäßige SJefd^ibenl^eit burc^ ben SWciflcrfloIg: 

Sume superbiam quaesitam meritis! 

80 erlitten il^rc Scnfuren nici^t nur ber ®raf ÜRafoafia O^ber fU^ ni^t 
entfielt toorgugeben, baß bic Saracci f[(^ oerborben burd^ bie Slad^^^mung 
be« ^cüfiffatl, biefcr ©c^wafter, ber ben großen 9icipf)ad einen urbinatifd^n 
^fner nennt nad^ ber ^)öbell^aften ®age, baß biefcr @ott ber SünfHer ©cfoßc 
bemalet'Or «t^t bloß ber bcrül^mte äSaffei („todä^x fcl^r fwd^t im grie^ife^en 
war, unb ben fingern unb gegwungenen 9iicanbcr bcm ^omtt glcid^ f<i^Äftte, 
um etwa« frcmbc« gu fagen unb oon fid^ glauben gu mad^en baß er feinen 



} 103. !3)ie Xb^nbdmg ton ber ga^igfeit ber (Sm^yfinbung bed ^Jinta. 67 

$elb gclcfeti unb üctjianbcii'O: fonbem aud^ ,,bcr größte Sltcttl^untffanbige 
unfcrer 3«tcn", Ätofd^, lücgcn feiner SRangorbnung bcr ©tatucn (f. @. 232 f.); 
ntd^t nur Semtnt, bent bie (Ent^finbung bed (Schönen in ber ^Ib^aueret t>on 
ber dlatax t>erfagt nnir, unb fämmtlt^e neoq^oKtantfc^e SRaler, bie ,,Iaitm 
bcr 3«t »ertl^, biefetten gu nntcrf Uelzen", fonbem auc^ SKiii^dangelo, ber 
,,uin fl4 geleiert ju jeigen, in bcn Figuren ber grogl^erjogli^en Oräber fogar 
bie UnanflSnbigfeit berfetten überfeinen l^obe". (Er möd^te ber neuem ÜRalerei 
ein ©ünbcnregifter auffegen. Um ju bereifen, ba§ bie filinftler bei %atbtn 
ni(^t ottf gtcid^e ffieifc ju fe^en bcrmögen, fül^rt er an ,,baÖ überl^au^Jt 
m^iftt Solorit bc^ ?ouffln, unb bo« trourige be« Oucrcino ; baö in^ grftn= 
lid^e faDcnbc 5Ieif<l^ be« 99arocci", äl^nlid^e ücrfel^rte Sbiofi^ncrajien in ber %oxtn= 
gcbung ftnb „ba« gefcnfte Profil be^ te^tem, baö Heine f inn beö ^ißetcr wn 
Sortono, boö lange £h)al unb bie langen i^igw^en be« ^nnegianino''. 

3)ann muflert er bie SRufeen (Euro)>a^d unb fomntt ju bent (SrgeBnt^, 
,;ba6 baö ©d^önc in bcr fünft anbem>art^ nur einzeln fei ; er tnag S)reÄcn - 
bcn Sefi^ cinc^ Äo^jl^aelö ;,toon ber Beflen SWanier" ni^t ntel^r gönnen; 
nur in 9?om lann bie (Snt)>ftnbung bed Sd^önen „tWi\Q rid^tig unb t)crfeinert 
toerben". 

. Daß er nun ba* 9?c(^t l^atte, foI(^ l^of^fal^rcnben, tabelnbcn äReiflcrton 
angufKmnten , biefe tonnte er atn 6nbe bcr Sd^rift jeigen, »o er auf baö 
„Befonbcre @<^öne" eingcl^n toitt, b. 1^. auf baö Sd^önc in SWalerct, SUbl^auer^ 
unb Saufnnfi. (gr tt)ifl „nur einzelne ©lumen unb Äräuter fuc^en"; um 
fo freier njar 'er alfo, eigentl^ihnli^e Seobad^tungen au9}un)ä]nien; aber »ir 
muffen gcftcl^en, ba^ biefe, fclbfl üom (Stanb^)un!t jener 3cit auö Betrod^tet, 
jn^ar im Sinne ber ncucficn Strömung beö ©efd^macf^ n^aren, j. SB. ber 
Stürffc^r jum Sinquccento in bcr Ärd^itectur, ber übtoenbung t)on ^anicri^= 
mn^ in ber bilbenben Jhinfl, aber ein burc^bringenbed, origineDe^ ^nffatr^eil 
bcrmiffen laffcn. 

SBaö er »on malcrifc^cn ©mnbfö^cn aufflcflte, ift nur baö ®^o bcr 
ÜWengöifcincn, fo j. 35. wenn er »arnt, in flarfcn Ccrfttrjungen S^nl^it ju 
fu^cn , bie finficm ©d^atten bc« Saraoaggio tabelt, in ber SonH)ofttion SBci«« 
l^ett (b. i. einer SScrfammlung öon gcfittetcn unb ttjcifcn ^rfoncn gu gleid^en), 
®rünbli(^fcit (ba§ nid^tö mü§ig unb leer in berfelbcn fei), unb Sermcibung 
bcr SBicbcrl^oIungcnin ^anblung unb ©tcöung forbcrt. ® mad^t fld^ l^icrin 
bcmcrflid^ bcr bcginnenbe Cinflug norbifd^sgermanifd^cr ©olibität gegenüber 
ber feurigen, flüd^tigcn, blo^ auf (Effect aujJgcl^cnbcn SBcife bcr romanifdl^n 
SWalcrei ber legten ^al^rl^unbcrte; unb biefe Seigren bie bamatt in 9iom ju 
}>rebigcn begonnen würben, famen in bcr nSc^flcn ©encration jur unbc= 
fhittcncn ^crrfd^aft. ^ 

aber »cnn bicfc ©mnbfäftc nun an einjelnen ©cfd^mad^urtl^cilcn fl(^ 

5* 



y.-.S^jä!. 7, 



68 3i9Ctte9 ^n6f. I. Da« (MM>1io(if(^ tbttt^ttariat. 

3U er^Ben ffatttn, fo h>ätc c9 mit tl^ ©td^erl^ett ntc^t Befonber^ BefteÜt 
$eute t>eTfte]^t man ed !aum nixj^, mie er ,,@uibo'd S)>otto in ber Berftl^nu 
ten SuTora nid^tö toeniger aU eine ^bnt t^gur'' nennen lonnte, unb ,,9egen 
ben %)>oIIo be9 9Rcng« tote einen Sntäft gegen beffen ^erm''. ,,£ie)»oIo ma<l^t 
mel^T in einem 3!ag al$ SReng^ in einet SEBoc^e; aber jened ifl gefeiten unb 
tKtgeffen, biefe^ bleibt etoig". Die ^tit f^at onber^ gcurtl^eilt: debermann 
gel^t an SReng^' ©cmSIben gal^nenb t)OTttbcr, unb Stiemanb n)irb ol^ne 3nter= 
^Dr.:. effe bie grellen 3:ici>oIo'Ö, be« festen Senejianer«, im ^lafl gabia ju 
Senebig anfeilen. 

Dann gel^t et auf bie einzelnen (Elemente bet SRaletei übet. „3^ Her 
3ci^nttng xft bie ©c^önl^eit bct ^tobitfletn". Sl^tactctifKf^ iji l^iet bie 
Sl^f e, bag 'Stapffatl unb bie ' neuetcn äRalet il^te Sc^önl^eit bet Stad^mung 
bed Xltett^m^ }u k)etban!en l^ben. ,,Da bte 9ia^]^aclfd^e (Bd^nU, tveU^e 
nut »ie bie SKotgcntötl^c l^etöotfam, aufl^öttc, »etlicfeen bie Ätinfllet ba« 
Sntetti^um, unb gingen, toit totl^et gefij^el^en n>at, il^tem eigenen Dünfcl 
na^". Die Splogncfet (gclcctifet fugten affetbingö neben anbctem aud^ bie 
Äcinl^eit bet ?öten, abct mit unjutcic^cnbem Gtfolg. ^^Domenid^inp fhibitte 
bie alten mcl^t ate afle Siaci^folget bet ßatacci ... im SRadenbcn aber 
l^at et bie 9ta^]^aelfc!^e 9teinigteit ni<i^t cttei(j^t''. Sbenfo ®uibo, obmolfl et 
,,bie ©(i^önl^eit lannte". ,,@uetcino banb ftc^ nii^t an bie ©ttenge bct 
Bcid^nung bet Alten. . . ©eine Silbet ftnb ebel, abet nac^ feinen eigenen 
SBegtiffen entwotfcn. Älbano ifl bct äRalet bct ®tatia, abct nic^t bct ]^öd^= 
flcn, toel(!^et bie alten o<>fetten, fonbctn bct nuteten: bie fiöj)fe flnb mcl^t 
licbliii^ al« fci^ön". 

Sßal^tl^aftig, mcnn man aud bet gelegcntlid^en Senu^ung eine§ antifen 
Stopft obet einet JRclieffigut folgern btitfte, bag attc« Äunfigolb folt^et 2Reiflct 
and antifct Ouellc gcbotgt fei, unb n^nn man ben SBcttl^ eincd ®enien)cttt 
bana<i^ abmcffcn mügte, tt)ien>cit cö mit einet fettigen alten gotm jufammen= 
gcttpffcn ifi: tt)ic cinfad^ unb leicht »tttbc bie tunji! Die SKSngcl bct 
Sologncfet f feinen alfo nut ballet }u fommcn, bag flc nod^ cttoad ^t fU^ 
gu fagen l^atten ; unb ctfl bct völlige Sanfetott in biefct Sejicl^ung nxxt c«, 
bet bie ncucte SWaletci jut ^öl^c bct Siefignation btad^te, bie SBintfclmantt 
l^ict ^)tebigt. 

9m fonbetbatfien ftnb bie Scmcthtngen übet bad Solotit. (Sd ctl^ält 
feine ©d^önl^cit ,,butd^ eine fleißige Su^fttl^tung". „Mt gtogen SKalct l^aben 
ni^^t gcf(j^n>inbe geatbeitet". ,,9ittbcn8* Solotit ifl gegen Da« bc« Sottcggio 
unb lijian, »ie ba« ä^tc ^otjcHan gegen eine butt^fid^tige @la«com})orttion". 
Die ^onc aQct @cmalbe im Ilcincn in bct SBclt ifl bie ^ctKatung (S^tifli 
im $alafl Älbani, „todift bie ®ctt)igl^eit unb ä^^ctfld^t jcigt, njo bet fteic 
SPinfcl ni^^t« tetlictt im naiven unb toiet rmttx toixft ate bct ^JJinfcl in ®c= 



§ 103. S)ie Sbl^blmig )>on bet Sä^gtcit ber (Sm^finbung bed ®äf'6nm. 69 

ntSEben, n>eU^e fleißig geenbtgt unb geletft ftnb''. %Ber btefe Xtan^figitratton 
tfl eine geifKod ängfiltd^ ge))infelte &)^te mit gan}li(^ t>eth)afd^encm S^oracter 
unb Stu^brucf. — (Snbltc^ finb und auc^ bie aOcgorifci^cn SRarotten ant @^lug 
nid^t gcf^cnft, in ber $)intt)cifung auf ,,kfonbete ctgcntl^ttraßc^e ®cban!cn" 
in ffunfhoctfen, ttjclc^e jutocilcn toie lofiBarc perlen in einer ©d^nut t)on 
fc^Ied^teren ßel^en, benn unfere Betrachtung follte anl^eben bon bcn SBit- 
funjgen bed Serflanbe«; toie in bet 3o beö Sorrcggio ber Icc^jenbe ^irft^ 
bed ^falmißen, unb ber Si}^er unter ber d^rißUd^en iampt über bem ä3ett 
in ^oufjtn'ö lefttcr Delung, beutenb auf bie feurigen Pfeile beö 99öfen}id(|t«; 
ber ®t)>fel ber SGbgcfd^madtl^cit ifi bad Sob bon S)omenid^ino'd @ttnbenfaQ 
in ber OaHerie Sofonna, »egen ber ,,fiufcnn)eifen ©teflung ber giguren in 
einer ficttc bon l^inübcrgel^enber ^nblung". — 

Der ©ttl in biefcm bod^ tl^eibDeid ))]^ilofo)>]^irenben $erfuc^ tfl ni^niger 
)>]^il0fo)»]^if(i^ , aU )>]^iIoIi)gif(^. 2)ie allgemeinen ©ö^ treten auf in lurjen 
©entenjen mit mel^r originellen^ ja feltfamen, ald Haren 3Borten, ol^ne SBe:= 
grttnbung unb (SrHärung; er eilt }u 9eif)>ielen unb 93ilbern, bie fletd mit 
geleierter Ambition aud mBgUd^fi entlegenen Quellen gel^ott finb. 9Ran l^öre 
©Sfec mic bie folgenben: „S)ie meiften ftnb wie bie leidsten Sl^cile, totlift 
offne Untcrfd^ieb bon einem geriebenen elcctrifc^en ßöq)cr angezogen »erben, 
unb baD) »iebcrum abfallen; bal^er ift il^r ©cftil^l !urj, n>ie ber Jon in 
einer lurjgcf^>annten ©aite. . . auf fold^e SWcnfd^n wirlen bie nnil^ren 
©d^önl^eitcn ber Runft toie ber Slorbfd^cin, toctd^er leuchtet unb nid^t erl^ifet; 
man foDtc beinal^e fagcn, fle »arcn nac^ ber ärt ber Oefc^ö^jfc, »elc^e »ie 
©anc^uniat^on fagt (!), feine 6nH)finbung ^bcn. SBcnn aud^ bie ©d^önl^eit 
in ber tunft lauter ©efid^t wäre, »ie nad^ ben Sleg^^>tcrn (Sott lauter äuge 
ifi, würbe cd bennoc^ fo in einen "SJfcxl ocreint, biete nic^t reijen". @o 
alejanbrinifd^ toie l^icr toirb er übrigen« feiten. ® ifl ber fonberbarfle 
©a^, bcn er je. gcfd^rieben l^at. 

Slu^ bem 9iecenfenten in ber Sibliotl^ef ber fd^dnen äBiffenfd^often 
(X, 251 ff.) gab bie Keine ©^rift ju allerlei au«fleaungen «nlag; obtool^l 
er unb anbere im ganjen fid^ fcl^r banfbar au«fi>radeen. ,,3Biebiel (ffci^t e« 
in ben ?ci^)giger 3citw"9^w bon geleierten ©ad^cn 1764 ©. 243 f.) müßten 
toir aud^ nid^t au6 biefcn wenigen Sogen abfc^rciben, wenn wir bie feinen 
Betrachtungen, wcld^e fie cntl^^ltcn, faramcln woHten". — 

fflcffcr angewanbt wäre jene ÜDebication gewcfen bei einem jungen 
(Sbelmann, ber ein ^al^^ nad^ b. Berg in 9iom eintraf: S)alberg, 3)om- 
l^err ju äKainj, ein fc^öner SKann (grand et tout k fait bei homme 
nennt i^n aBiflc). Sicbcn^ürbig fei er, bon gutem (Scfd^macf, biclcr gin= 
fic^t unb aSäiffcnfc^aft; na^ feiner aiüdtfc^r woOc er ba« OricHeiWc flubiercn, 
,,er reip mit bielcr ffiürbigfcit, aber granfreid^ wiD er nic^t feigen". aSBi* 



I« 



It(& ieodbftc^gte er il^m eine ol^urtc^ ^(Bl^blung ,,t>oii bem ))ed)et]6ten Qe» 
fd^nuuf in ^nften unb äSSiffenfdbaften'' ^u toibmen. & ift bet ff^&tete 
Sftefi $rinm& 



§ 104. 
3(ngelica ^auffmann. 

3m Xnfang be9 QoX)xt^ 1763 !am eine junge beutfcl^e Malerin noc^ 
9tom, um bie l^cc^flen (Sc^6)>fungen bet neueren äKalerci fennen ju lernen. 
Sorl^er l^atte fle ju Storenj in ben Uffi}ien in einem i^r einger&umten ctb- 
gefonbcrten äiw^n^^^ co^>irt; einige 9Ronate ^p&ttx folgte pe einer (Einkbung 
n<u^ 3ltccftl, n>o fte btefe (Stubien in ber fameftfc^en ©aUcrie auf 6a^ bi 
3Ronte fortfe^te. Sie n>oIIte ftd^ 3ur $iflorienmalerin au^Bilben. (Sd iß 
moglic!^, ba^ äßindfelmonn fte bort getroffen l^at unb il^r gugefel^en, »ie fle 
2:ijiand ^^oul III unb Sorreggto'^ Xanat malte; gen)t^ ifi, bag nouc^ il^rer 
aittcffe^r in bie eroige Stabt (am 12. Sl^nril 1764) ba« ^ortröt unferc« 
Sreunbe« il^r erfleh ©emätbe roar. Diefe Stufnal^me gcfd^ab im Auftrag 
eine« fd^roeijer gteunbeö, eine« il^rer 95ere]^rcr, ber flet« ton i^r fprad^ ^,n>ie 
öon einer SRufc, bie un« frcunblid^er Srfcfccinungen unb l^ulbooUer ®e= 
\ptCL6ft gerotirbigt l^atte". ,,Sa«par §ti§lt lieg mic^ üon ber gefc^icften $anb 
eine6 beutfd^en fd^ncn SWäbci^cn« ju Jiom in Del malen"; eine ,,fcltene 
^erfon" nennt er fle auA. S« roar am 13. 3ull"geenbigt, unb foftete 
30 ^tä^intn] ft^on t)or ber Sottenbung l^atte fte angefangen, cö in tu<>fer 
3U a^en, unb bieg mar einer il^rer erfien SJerfucbe in biefer Art: ,,ein an= 
berer arbeitet e5 in fc^roarjer Snnfl, um mir ein ®ef6cnf mit ber ^^fcr^ 
^platte JU machen". 

„Ta^ 2Räbcben, »on roelt^cm i(^ rcbe, erjablt er roeiter, ift in Softni^ 
geboren, aber jcitig »on il^rem ©ater, ber an&i ein ÜRaler ifl, nadb Stallen 
gefßl^rt roorbcn, bal^er fle roclf* fo gut alö bcutf(6 f^jricfet; fle f^)ri(Ät aber 
biefe« att rocnn fle in ®a(!bfcn geboren roare. äu(^ f»>ri<i^t fle fertig franjds 
flf(^ unb englifd^, bal^er fle aüe gnglänbcr, roelc^c l^ierl^cr fommen, malet, 
eie !ann f(^ön l^eifeen, unb fingt um bie ®ettc mit unfern beflcn Sirtuofen." 
3n i^rem Atelier fal^ man fi>ater ein 93ilb, pe fclbP unfcfiltifpg jroif^^en ben 
©enien ber Ion!unP unb ber SKalerei. 

angelica'ö regelmäßig f(!bdneö ©epci^t, i^rc großen Blauen*) jugtcid^ 
Icbl^aften unb fanften Slugcn mit ber feltfam „bcrebtcn" Serocgung ber 



*) azzurri i^nnt Tte be Stcfp; $lo|>{tixf, ber fte al« £|^u9nelba gematt ^beu n>olUe, 
bittet fle, , ja i^re fci^tDarjen fingen bei biefer ®e(egen^tt nic^t in blaue )u t>ern>anbeln". 
28. «ugu^ 1770. 



§ 104. Sitgetica ftouffmann. 71 

$ut>t(Ien, üBten no^ in tl^rem VUet einen ^vAa, »ie gTo| mu§ er bei 
'ttx 22ja]^rtgen getoefen fein! Sf)xt 99tei^erf(^ft int Porträt (beten einige 
ben äßerfen großer 9Ralet an bie ®eite gefleUt merben tonnten)^ bic ^larl^eit 
üfxte Urtl^eiM, il^re ,,ntännli(!^c Seele'' ttBerrafd^te bei il^rer großen dugenb, 
i^er 3<*^%it — rM^ ^i»« i» fi<^ jurMgeficuc^tc lonbe". ®^)&tct, no^ 
bem langen lieben in bet großen äBcIt^ beten äRobemalerin fie gen>efen toox, 
BetDunberte man^ mie fte bcc^ ftetd eine reine Scflalin il^rer £unfl geblieben 
tDar, tt)ie gerbet fagtc, ,,cin frommet £)(>fetlanini i^rcr Äunfi", h>ie fte nntet 
bem f(!^önften frentben ^imntel il^r bentfd^e^ ©enttttl^ Bellten l^atte. 

.3n ben Sergen »on ßl^nr, am Somcr See (feit bem elften Saläre) l^attc 
fte i^re crfle Ougenb oerleBt; in SRailanb l^atte fte }uerft @em5Ibe bet großen 
3titen gefeiten, unb niij^td im grogen SKeid^ itolienifd^er ^nfl tonnte i^t 
todffl congenialer fein, cii bie fügen, feeIent>oQen ©eflatten unb ftöf>fc ber 
Sorgognone, Seonarbo, Suini, 9Narci) b'Oggione. SRuftf, @efang, bie 3)id^ter 
Stauend, RUtpftod, ^cii^ntn, bod UKir bie geiftige J!uft, in ber fte fni^ ba= 
vxM Ben^egte; unb in einer fold^en .))oetif(i^n @)>^äte, in einer ^.malerifd^en 
Sbeentoelt, in einet eignen großen unb fröl^lid^en 3Beft, bie in i^t »ar", 
BlieB fie ftM ))on ber @cmeinl^eit, aber aud^ t>om 2titn gefd^ieben; nie ^at 
fte bie 'Rotten ber Seibcnfd^aft burc^fd^ritten, fic^erf<i^icn {ietd aW ein junget 
ÜR&bd^n. 

Sin fo einbruddfäl^ige^ unb gefcbmadhoKed Sefen tonnte an ber ©rajie 
ber Slntife ni<j^t glei(!^gültig )}orttbergel^en, unb in ber Sl^at l^at au(^ bet 
@eifl gried^ifc^er ©(bönl^eit in il^ter tran^renten (Seele eine $?i^tf)>ur jutttd:: 
gclaffen. a)amatt fanb man i^re gormcn ,,t>ott Änmut^ unb ganj in gtied^i= 
fc^er 3Bürbe l^ingeflettt"; in i^rcr OciDanbung inöBefonbcre Slel^nlic^feit mit 
^oufftn, ber ftd^ ja aud^ natb ben alten Statuen geBilbet l^tte. !Z)ie 3Ra= 
nieren ber Bidl^erigen ^nfhoutine ftnb Bei i^r gan3 oerfd^munben, no(^ mel^r 
ate Bei 3Reng^, ber bamaU nid^t in 9lom nKtr unb t)on bem fte alfo nic^ti 
lernen tonnte. 

a)a nxtr c« gen>i§ intercffant, bagUngcßta, bic breigigOal^re f^)äter ,,in9iom 
ben Slul^m Be]^au^)tetc, bic erfte i^rc« @ef<^Icd^t« unter ben ©efc^id^t^malcm ju 
fein", bei il^rcm Aufgang mit bem Jcbrcr „gricd&ifc^en ©cfd^madö" gufammcn= 
traf, an ®cf^)räd^en über ©d^önl^cit unb ®rajie ber äntifc n)itb eö nid^t 
gcfel^lt l^aBen, oBn>o]^I eine näbere 93c}ie]^ung jmifc^en bem fc^üd^tcrnen unb 
Befd^eibenen SWäbd^en unb bem ein Siertcljal^rtjunbert ättercn ©elel^rten nid^t 
eingetreten ju fein fc^eint; ber %en, in bem er t)on il^r \px\i^t, contraflirt 
auffattenb mit jenen fd^toarmerif^cn SJviefen an ben albernen Runter. 

S)a« "Porträt SBindelmanue ift »ol^l il^r Berül^mteftefi, jebenfan« ein 
aufetotbentlid^ glüdlic^e«, unb mitttid^ für il^r bamalige« Wter eine 
erpaunftc^e geiftuug; übrigen« l^atte fte f(^on im neunten 3a^re mit (grfolg 



72 ^totxM 9iiiäf. I. 2>a« (M>oto(if(^ Antiquariat. 

in ^jlcO <>otträtirt. ig« iji ben übrigen »ilbniffcn bcffclben ©clc^ttcn fo 
»enig dl^nÜcl^, baß man flc jum Vfdl für ^ottratö octfd^icbcncr ^fonni 
Italien fönntc. SBct »at treu, üRaton, SWcng^, Safonot>a, ober angcüca? 
bifxt Srcuc bttrfcn mit mol^l nic^t bcjttjcifcln; aber fic l^at ttBcr baö 95iÜ> 
be$ @tlc^xttn einen ®etfi, eine (Elegan} ergoffen, bie in ben anbem r>o1t= 
fianbig fel^It. iRtc^t innner nKtr fte l^ierin fo glücflid^, ©oetl^e fagt )}on feinem 
SSiO): ,^ee ifl immer ein l^ttBfii^ SSurfd^e, afccr feine ®pux öon mir". Sie 
Befaß bie tunfi, nid^t bloß bie formen, fonbern aud^ bie @emiltl^dart jn 
treffen; fle n)ußte ben ber ^l^^ftonomte gUnfligfien ®eftd^t^unft. attf^uftnben; 
fle erf)>a]^te eine malerifd^e Sttttttbe, bie ber ^erfon eigcntl^ümlid^, n>enn auc^ 
feiten koar; fie entbedtte unb erfann eine äBenbung, eine Haltung, einen 
finnenben ^Ixd, ber anbem entging; fte orbnete bie X)ra)>erie, unab^ngig 
oom ÜRobegcfd^macf, mit ttjciblid^em ©efc^macf. ®o erfaßte fte einen jener 
Äugenbüde^ tt)0 ®rajte aBindetatannö Crfc^einung bcfccite, ttjic ber, in ttytU 
d^em er jene 33Jorte über bie beibcn (Srajien ber ©riechen fd^rieb, tt)o oor 
bem Seigrer ber filinji ber ©d^ujier^fol^n au« ©tenbal oerfd^ttjanb, bcffen berbe 
©tructur n>ir in ben fnod^igen ^Snben f/ttoaffx nxrben. — 3n bemfelben 
3a^re too fein bebeutenbfte« @eifleSer}eugniß in bie äßelt ausging, n)urbe 
ben greunben biefe fcinjinnig gcifttoHe Änffaffung feiner 3*8^ gefd^enfL — 
®ie S^te e« aud^ in Su)>fer, n>ad anfangt 9{ciffenflein tl^un modte; SBindet 
mann backte bieg fd^öne Silbniß ber ,,attcgoric" öorgufe^n. 

Xngelica l^atte bt@ bal^in nur bad ^orträtfad^ geübt. !Z)aß fie ftd^ baoon 
lodmad^n fonnte (mad belanntlid^ nid^t leidet ijl, bcfonberd bei folc^em Stfolg), 
ifl ein S3e»ei« il^rcr aBittcnfiflärfc unb il^re« Talent«, günfgig ©uinecn 
erl^iclt fle für ein Silbniß. ängelica l^attc nid^t Diel ©aitcn auf il^rer ?^ra, 
aber bie lEöne tt>cld^c fie anftimmte, ttjaren ganj il^r (Sigentl^um. 6« gel^örte 
n)o]^l jene große (Ebbe ber funfi ba}u, baß aud^ !£alente mie fte, bie in 
früheren ^zikn genjiß ganj bem 3"8 tonangcbcnbcr Sor^j>]^äen gefolgt 
toaxoi, pd^ fo auf eigene güße jicttcn, einen eigenen ®til unb eine eigene 
Äunflnjctt fid^ fd^öffcn !onnten. ®ie ip bie einzige äWalcrin, bie bieß öermod^t 
]^at. Sin neuer ©eifit lünbigte fld^ an. SBä^renb biöl^cr ber ©egenflanb 
nur SSottoanb getoefen mar, um bie ICarfieDungöformeu, (Sffcctmittcl ber 
©d^ule, unb bie ber (ginbilbung«fraft . beö ÄünfKcrö f^m<>at]^ift^cn gormen 
angubringcn, fobaß man ein guter 2Ralcr unb bod^ eine Scflic fein tonnte, 
fo fing man jc^t an ju glauben, baß bie njal^ren fiünftlcr nid^t bloß gal^len 
muffen mit bem nKi« fte t^un, fonbern auc^ mit bem nwö fte finb. @o 
begann Ängelica toon Snuen mit einem bid^terif(^en, l^ijlorifd^en 3^8^/ ber fle 
lebhaft berül^rt l^atte. S)ann lebte fte ft^ in bie Scgcbcnl^eit ^incin, fle 
mad^te ftd^ bie Situation lebenbig, liegte bie ©cene mit n)eiblid^er äßärme, 
bifi fle malerifd^e Oefialt gen)onnen l^atte,' 3)ieß gcfd^al^ jun)cilen im 



§ 104. Ingctica taulftnann. 73 

äRoment, bie ©cene ton ©oetl^e^^ 993anberer flanb gktc^ itcui^ ber Sorlefung 
fo IcBl^aft öor il^t, bog ed, ttjtc flc fagtc, ton il^tcr Seite ntd^t^ tt>citct Be= 
burftc ote einer ttcnen So^>ie. @o niar eö tt)tebet bie ©eclc, auö ber bie 
(Soni))o{ition ]^en>ot!ant; fte toax „tinc S)i^terin mit bem '^infel'^ S)teg 
))oetifc^e (Element, bie (Erfinbung, ber Sudbrud ber ^me bed ^ttnfilerd nnir 
ein neued (Element. $on je^t an murbc unter ben äRalem nac^ )>oetifd^= 
^ifiorifd^er ^ilbung gefrogt unb gefhebt; unb $erber f^ien Sngelica ,,k>iel= 
leicht bie cultitirtcjle grau in (Surojw". (Sein unb ®oet]^e*Ö äilb fianben 
il^rcr Staffelei gegenüber, }ur (Erinnerung an bie föfHid^flen 3Romente il^re^ 
geben«. 

S)ie anmut^igfle Seid^tigfeit (franehezza) ber (S^ecution fam il^r babet 
ju ^ttlfe. ©oetl^e \(Sfxtibt iljft ein ^^unglaublid^e«, unb atö Sßeib n)irnid^ 
ungcl^eure« S^alent^' }u. !I)iefe l^ol^e @abe malerift^er ^prcut^t gab i^r ba« 
(Erltil^nen, unb ba« tüa« jie fclbft »ar, ba« SRed^t^.^u il^rer 3cit gu reben. 
!Denn aQe« n)a« fte malte, UKir ein S)>iegel il^re« reinen, jartgefHmmten 
©emütl^d. „Wie xffxt SBerfe, fagt 9ieinl^art, ftnb oon bem ^aud^e einer Seele 
belebt, welche blog baöjentgc im Äaume miebergab, njad flc felbfl toar". 
„3ebed Silb, fagt ein anberer il^rcr Cerel^rer, iji ein Äuöbrucf il^rer fd^dnen 
Seele, ein (Engel gab i^r 5Ramen, ®riffel unb garbenfd^mclj". (Eine 3Ka= 
bonna nannte fie ^erber, „eine fd^ujeigcnbe jtttlic^e ®rajic". So fam 
nun freiließ in il^re f^rauengefialten eine „eigene unnac^al^mlic^e 933eibli<i^fcit^', 
ein ^infc^mac^tcn , ein rül^rcnbeö (Ergeben, baö aOe männlichen Äenner ein= 
nal^m, aber il^re SDtSnner fd^ienen bod^ „fo gttc^tig unbblobe toie t)erfleibete 
SRobc^en". Unb fo machen il^re Silber auf un« ben (Einbrucf einer t>et= 
gangencn SWobe, pe erinnern an bie^^^mer unferer ®ro6cltcm; njenn man 
aud^ an tielen nod^ immer ^eube l^abcn fann, in einzelnen tlugenblidten, 
mic an allem uki« „rein, verfeinert, bifHnguirt", gefd^madfeoD, cm<)funben ifl. 
SKan nannte fle einji „eine lieblid^e (Erfd^einung jener ^c\t ber bämmembcn 
SWorgenrötl^e eine« befferen ©efd^macfö". 



2)te ©efi^ti^te bet Stm^ hti mttttifnmi. 



§ 105. 
UcBcrblidt. 

2)et ©cbotife cine§ SSkrK mit Um Xitel ,,@ef(^ic^tc ber ^nff' toar 
äBindelntoun unter ben erften SinbYüctcn ber rötnifd^en X)en!maktn}elt auf= 
gegimgen. 3)ie Su^fttJ^rung biefed @ebanlend l^t ton ba an nie aufgel^ 
tl^n 3tt Befd^aftigen. Sigentltc^ ift bo^ SBerl nie }um %bfc^lug gefommen, 
ber j£ob }errig einen Reiben, ben er totx n}eig n)ie lange nod^ fortgef)^ns 
nen l^ätte. 

9t om ifl e$ gekoefen, bent n>tr bte dnff)iration au^ biefcr ©eftj^id^te 
)>erban!en, A>ie einfl Sillani'd (Sil^ronil, ju jener ^tit bie Srjal^lung bed 
rönttfd^en SerfaQd, unb Balb baranf bie ber römifcBen anfange. 3^ ^^ 
®eiflem öerfc^iebcner Art, ttjeld^e. ben römifc^en ©oben (nur ©eiflerfel^m 
ft^tBor!) um^tikbtxi, gel^ört t>or aQen bie 9Kufe ber ©efd^ic^te. ®o uner= 
reif^or greg, Bi9 )um unfagBaren, erfd^inen l^ier bie 9lefte alter Sultur, 
|o unermegli^ »ad burc!^ eine fafl eBenfo unbegreifliche ä^^f^^^J^g tocrfd^Äum 
ben i% ba§ ber ®eban!e fw^ unfer bemächtigt, ba« größte fei gcttjefcn, 
unb ba« befle für unfi, ba« tröfKid^ftc, fei bieg ®en)cfene ju betrad&tcn. 3n 
9lom fül^lt man ^if mcffx ate ouf irgenb einem anbem glcd ber (grbc aW 
Ängcl^criger ber alten SBclt ; unb ba« älter n>enbet fid^ rttcftoart«, ber 3ugenb 
3u, toit ^dfft ©aume i^re 33Si^)fel bcm Aufgang juneigcn. 

Diefe SHJcrl ifl in mcl^reren, »ier, gum S^eil no(^ Di>r]^anbcncn Scarbei= 
tungcn, anlaufen, ju feiner fc^Keglic^cn ®eftalt — bie il^m nid^t nicl^r fein 
Url^ebcr felbfl ertl^cilte — l^erangenjad^fcn. !Die crfle Äunfigefd^id^te nKtr cor 
ben Steifen nac^ 9teaj>el unb glorenj fertig; äußere Umftänbe unb enueitertc 
einfielt bcfümmte ben SJerfaffcr jur äw^^ji^^'i^fl *^^^ ^^^^ ttbergebenen 
3Ranufcri^)t« be« crfien Sl^eil«, im ^erbfl 1759; unb eine jtoeite 8earbei= 



S 10^. UebevbUd. 75 

tung, Snbe 1761 hn ©angen t^oHenbet, traf im ^l^jal^rc in !Z)TeA)en ein, 
erfd^ien aber tDt%tn bed Stiegt leibet crfl t)or äßeil^ncui^ten 1763 im Drude. 
Stwm aber l^atte er bie Beiben Duartanten in ^anben, fo f)>ra(^ er f<^n 
&en ber iKotl^tDenbigleit einer neben %udga6e. Unb ba bie fiarfe erfte nid^t 
foBoIb t>ergtiffen nxir, fo tonnte er fic^ nid^t entl^alten, feine 3>*f^<^ ^"^ 
SerBeffemngen in einem Befonberen äBerf, ben Slmnerlungen (1766) Befannt 
ju mad^n. S)a§ (Erfd^einen einer franjöftfd^n UeBerfe^ung (1765), ba^ 
^ject einer englifd^en gaBcn ben Slnreij )u einer t}ierten 93earBeitung, bie 
um bem alten 9$erleger }u entgel^n, in fran^öflfd^er @)>rad^e ju Berlin l^rau^s 
lommen foQte. 3)ie f afi oollenbeten ^orarBeiten ftnb jur 3cit t}€rfd^n)unben, 
aBcr üon ben 4>eraußgeBcm ber SBicncr Äunflgefc^ic^tc (1776) Benufet toorbcn. 

,3tc oft, rief SBindtelmann f^on im grttl^jal^r 1762, l^aBc ic^ bie 
©efc^id^tc ber Äunji aBgefc^ffeBcn, unb toimd ©tofee öon ben crflen (Snt= 
tottrfen!'' !Die Sludmalung bed S^aBleaud burd^ Qinf^altung neugefunbener 
ober neuerlonnter Denhnäler tüax c^ Bcfonbcrö, toeld^c bfefcß Stac^tragen 
enblo« mod^tc. ©onbcrBarl gleich nad^ ber crflcn ©ftjje n)itt er unter bie 
^rejfe (1758); unb noc^ ge^n Sal^r ]pattt möchte er ein „ganj neue« SBcrf" 
barand mad^n. ®o fielet bie ^nfigef(^i(^te benn an^ ate eine fel^r ungleid^e 
ÄrBeit oor un§: ein ©emSlbe, in bem einige gignren Blofe Umriffe ge= 
BlieBen finb, »al^renb anbcrcn bie au^efud^tefle, careffirtefte Soffenbung ju 
2!]^eil ge)ootben ifl: claffifd^e Sa^itel, mttrbig ber ätad^toelt, unb gang ptotiu 
forifd^«, 9tot]^= unb «ufifüHungöffijgen. 

,,S33ir finbcn i^n immer in H^ätigfcit. 3)a6 feine SBcrfe fo tt>ie fle 
bo liegen, crflt aW 3Kanufcri^)t auf baö ^?aj)ier gctommen, unb fobann f^>äter 
im 3)rudf fttr bie golgejeit fi^rt njorben, l^ing ton unenbtid^ mannidfcfaltigcn 
Meinen UmflSnbcn aB. dlnx einen ÜÄonat f^)5tcr, fo l^atten tmx ein anberc^ 
SBcrf, rid^tigcr an ®e^tt, Bcfiimmtcr in ber §orm, oiettcid^t etnjaö ganj 
anbere«" (©oetl^c). 

2)ie§ lag aud^ in ber Statur beö SBerlÖ: c^ entl^ielt Dinge, mit benen 
nie aBjufd^licgcn ifl, unb folc^e üBer bie eine erfie Intuition ben berufenen 
enbgtiltig erleud^tet. Daß eine liegt in bem n)aö man fpäter ben ®eifi ber 
Sntife, unb bamald gried^ifd^en ©efc^madS nannte; bieg ifi gugleid^ baß jenige 
nwß )>on S93ind(elmannß eigentl^ttmlic^em @eniuß, feiner (Sm^ftnbungßn>cife 
aBl^ing ; cß Bejiel^t fld^ auf ©gcnfd^aftcn, an benen bie 3Ber!c beß SHtertl^umß 
«fie mel^r ober weniger tl^eiH^aBcn. ® ijl ba« ^)]^ilofo^)]^ifd^e. Daß anbere, 
eigentlidl^ l^iflorifc^c ift Bei einem Ben)cgli(^cn gorfd^rgeift, einer fo uncrf(^ö^)f= 
lid^en gunbgruBc gcgenüBer, unb Bei unaBlaffigcm Scfen ber Mten, unoer= 
meiblic^ in fletcm äBerben Begriffen; au(^ l^eute noc^ ift ja jebe ^unftge^ 
' fd^id^te beß Sltcrtl^umß nur eine oorlauftge. — 

Dicfeß 9Berf nun, „an njcld^cß er alle Äräfte gcnjanbt unb aUe Segel 



76 gtseite« 8u(^. IL ^k ^f^ic^c bet Ibiitfl. I. 9tä(immancit. 

an^t\p(mntf' (27. gefcruot 1762), in bcm et ba« Beflc nxi« et gefc^aut 
unb gebadet, niebcrlegte, bieg i|l cd box aßen anbem, anf meinem ber ^uffxn 
feineö SZaincn« rul^t, e« ift eigentlich ber 9?ec^tdgTunb einet fo au«fÖ]^tUd(|en 
(SrjSl^lung feinet l?c6en§. 4)nbem et bie gricd^tf^e £unfl, bid boj^in ein 
üctfiegelted Sucä^, n>iebet auffd^liegt, il^tc menfci^lid^e, ett)ige Sebeutung fUl^lbor 
mad^t: fo mitb nun audf üBetatt ba n)o bie| Semngtfctn t>on bent unbetgäng:: 
Itd^en ^xti) biefet ^nfl füt Humanität lebenbtg x% feinet äBitfcnd banhnb 
gebadet, fein 83tlb mit 3ntcteffe bcttod^tet. (gt l^t feinen 5Ranien mit bct 
gtied^ifc^en Jhtnfl fo eng bethiü))ft, bag (na(^ bem Silbe eined englifd^n 
S)i(i^tetd) baö gtoftc gal^tjcug fein Soot but(]^ ba« SReet bet 3^^^^^ w*^ 
m fottfül^tt. 

§ 106. 
»otUufet. 

SDiefcd SäJet! nun, aU ba« etjle in feinet «tt, aK eine« bet ftttl^flen 
unb ge^)riefenflen Denhnalc unfetet n>ctbenbcn Siationallitetatut, unb ba« 
fettjl innetl^alb bet feitbem fo ctmeitettcn SBiffcnfd^aft noc^ butd^ fein gleich 
gto^attig angelegte« unb mit fot(^ fi^tiftfleHctifci^et 2Reifietfd^aft boHfül^tte« 
t}etbun!elt motben ifi: bicfe Dtiginaltoet! fleßt un« in ctflct Sinie bie 
gtage nad^ ben S3ebingungen feinet (Sntftel^ung. 9Ran tuiU bie SEBut}eIn 
fcl^n, butd^ bie c« mit bet getet^tten ?itetatut bet näd^ftootl^etgei^cnbcn 3^it 
jufammenl^ängt. 

(2oI(^e 93cbingungen liegen tl^cil« in bct S3i&ung«gefd^i(^te be« 3Jetfaf= 
fet« — beffcn ©tubicn gticd^ifd^ct Sitetatut unb neuctet ©efc^iii^te, bejfen 
angcBotcnet Sinn füt ^)lafHfd^e Äunfl unb fd^tiftflcHctifd^e DatficHung bet 
3n]^alt unb ba« Sntctcffc feine« ftül^ctcn Sckn« in S^cutfd^lonb finb — 
t^cil« abet in ben oft fcl^t unfd^cinBaten unb wjcnig bcfanntcn 93eittägen 
fol(^ct gotfd^ct tt}cl(^c bie 3Bilbni§ etma« gelid^tct, Dtientitung«^)unfte ange= 
geben, einige gctmentc bet (gt!cnntni§ l^ingcnjotfcn l^atten. 

SSJenig l^at bie Sunflgefd^id^te ben S(^tiftcn gu banfcn, njcld^e im litel 
mit il^t jufammenttafen, g. 33. bie tunflgcfd^td^te be« SKalet« % aRoniet*), 
S)utanb'« (Stläutetung bct ^nfilctnotijen im ^liniu«. SBinrfelmann Be= 
mctfte mit SRed^t, „ba^ bie Äunfi an bicfen $)iflotien tocnig äntl^cil ^aBe; 
bcnn il^tc Setfaffet l^abcn fid^ mit bctfclBen nid^t genug bcfannt gcmad^t 
unb fonntcn alfo nid^t« geben al« n>a« fie au« 53üd^ctn obet bon ©agcn= 

*) HiBtoire des Arts qui ont rapport au dessein . . . oü il est tralM de son 
origine, de son progr^, de sa chüte, et de son r^tablissement. Ouvrage utile au publio 
pour sayoir cc qui s'est fait de plus considörable en tous les äges, dans la Pcinture, ' 
la Sculpture, l'Architecture et la Gravüre , et pour distinguer les bonnes manieres des 
mauvaises. Paris 1698. 



I 106. »ortfiufer. 77 

fflkcn ffafttn**. ÜDoÄ »cgcn bcö t>arin gefammcltcn ®toff§ bcbcutcnbfic SBcr! 
übet alte ftuttfl »otcn bc« grang 3unittd brct SJüd^cr t>on bcr aRoIcrct 
bct alten (juet|l 1637), bcnen 1694 ein Äünfilercatalog folgte, bcr über ein 
dal^tl^unbert atö $au)>t]^ülfdmittel be^ @tnbium9 grte^ifc^er ftunfl galt. 
dfuniud nxkr eind ber erflcn SJü^er, bic fid^ SQiindelmann in 9tom anf(i^affte. 
SRan fyürt in biefem 993er!e eine 3^^^ ^^^^ Umgebung, mo bic äRalerci bed 
l^micn ©lanjcd unb anfeilend {i(^ erfreute (t}gl. II, 7, 3): e^ ifl gcf^rie= 
ben in (Englanb, tot ber Serfaffer breigtg dal^re im Srunbclfii^n $aufe 
lebte, unb Sorl I gcmibmct; SRubcnd* unb oan S)^$ beifällige Urtl^eile finb 
Dorgä>ru(ft. S)iefed in elegantem !?atein gcfd^ricbene Sßerl ift eine Stt ^^'u 
lofo^l^ie bcr ^nfi, nur bag bed Sutord ©cbanfengang fi(^ befd^eibet nid^td 
3u fein ate ber gaben, an bem daffifd^e «uef^>rftd^c, SJorfc^riftcn, 95cif<>iele, 
©entenjen aller Art bic in naiverer unb entfernterer Sejiel^ung jur Äunjl 
fiel^en, aufgereil^t n)erben unb 3n>ar burd^ei'nanber au§ allen ^tittn, t>on 
ferner *bid auf $roclu$ unb dfibor. @d^Dn auf $ugo @rotiud mad^te ed 
ben (SinbrudE eine^ römifc^en ÜRofaUd, unb 9tubend bemunbert bie faubere, 
fd^önc Drbnung, in melc^er c^ 3uniu8 gelungen fei, bicfen unermefelid^en 
altert]^ümli(^en @eban!enfd^a$ audjufteQen. Zxei^ biefer ^l^ilologifc^ com))ili= 
renben SKanier l^at bad SSerl leinen ]^ifiorif(^en ^aracter; nic^t einmal 
ber @ebanfe fdfeint il^m |e gefommen }u fein, un§ bie eigentl^ümlic^en ^nfi= 
formen unb> ^nfl}ufl&nbe bed Slti^rt^md nal^ejubringen ; „ba er 9lom nic^t 
gefeiten (bemerft SBinrfelmann), unb bie ftunfl nic^t fein SBcr! geroefcn, fo 
^at er üieleö nid^t loerflanbcn unb auf üicle« nid^t gemcrft". (Seine (grßrtc= 
rungen f(^tt>ebcn in einer gcujiffen attgcmeinen $öl^c über bem Oegcnflanb: 
in ber ÜRoral unb ^äbagogi! ber ffunji, in ben @renjbejir!en ber bilbcnbcu 
unb rebenben Äünjle ifl er ju f>aufe; furj fein 3Bcrf !ommt auö ber ©ü(^er= 
todt nnb menbet fid^ an bie Sttd^ermelt. 

3u bcr ^t\t ate ffiindtclmönn an feinem Su(^c arbeitete, erfd^ien baö 
©er! eine« jungen granjofen, ber glci^ nat^ beffen (grfi^eincn fiarb, — 
®oguct'« Urfi>rung bcr ®efe(jc, ftünfic unb 95Biffenf^aften (1758), ein 
SBcrf bejfcn SBcrt^ er fofort crfanntc unb ouöf^)ra(^; er nennt „baö i^m 
ttxxtfft 33ud^" (ein ®cfd^nf Ufleri'«) „eine öon icn bejlcn ©d^riftcn nic^t 
allein ber granjofen, fonbcru aud^ unferer 3^^*"- 2)icfcö SiBerf jicl^t in 
ben tec^nologifd^en Äbfc^nitten aud^ ba^ Icd^nifi^c ber fd^önen Äünfic l^eran; 
aber fein 3^^*^^!^ ffirflärung bcr anfange; bcr ©cflt^tö^unft feiner Utt= 
terfuc^ungen ifl bcr bc« Anthropologen unb (Sulturl^flortterfi, nidft be^ %t^^t= 
tiferö unb be« SHcb^ber«. ®oguet n>ie^ u. a. barauf l^in, bag eö ein aBclt= 
alter gegeben, »o bie 3cid^ncnben ftünfte, todi^c jcftt bem Vergnügen unb 
bem 8uju8 bienen, ben l^öl^crcn, nü^fid^cn ^mä l^atten : Äu^brud oon ®e^ 
banfen, tteberlieferung ber Äcnntniffe auf bie 5>i«^n)elt ju fein, furj bic 



78 3tt)dte« 9u^. iL !2)te ^cf^d^te ber jhinji. 1. ^rSlinmtanai« • 

Schrift )tK etfe^en. (Er l^at Bcteitö in ben fogenanitteit jDonnerfcilen (pierres 
de foiidre) bte ftttl^teii (SteOteTtteter bed (Sifeii^ erfonnt, mib bod ©teiits 
unb ^^fetjettaUet atö eine attgetneine^ aud^ bte je^igen euro^Kiifd^^afLattfd^en 
SuItunoöOer itmfaffetibc Sultut^ticbe gefennjeid^i^t. — !Z)icfe Origtne^ ber 
fiunfl oBer fianben au^ttffalb bc9 Sindetmonn'fci^en $lan^, ben fle ergänzen. 
— 3)oc^ l^at ®oguet in ben »cntgen SBemetfungcn, bie et übet grtcd^if^ 
^mtfit gu moiäfcn Sinkg flnbet, einen guten gefc^ic^tßd^ SlidC gegeigt; wenn 
et bie gan3li(i^ Setfc^iebenl^it be^ gtied^ifc^en 3!em^lftite in tömifd^en 
9luinen twn ben ed^ten oltl^enifc^en Orbnnngcn hdfonpttt] ober n^enn er 
getgt^ ba§ bie ®rie^n ade ®(^ön^eit unb 9teid^t^m bet SJoufttnfl f&r dffent» 
lid^e @ebäube tef erlitten unb ^ISfite gar nid^t Befa^en; unb bag fte in ben 
fd^önen ^nfien eBenfo glorreich n^oten, wie fte bie bcm auBem Sontfott 
btenenben iDemod^Iafftgt ^tten. 

3)ie ^nflgefd^id^te befielet aud gmei fel^r Detfc^iebenen $ä(ften, einet 
f^jicmotifc^en unb einet etgäl^Icnben. 3n bet Jl^otie bet ©d^nl^cit^ welche 
in bet etfletcn abgel^anbclt ttritb, trifft SBindcItnonn mit ben gicBUng^untcts 
fuc^ungen bet bantaligen Sefll^etif gufammen. !Z)ie Se^te ))om dbealf^5ncn 
(beau id^al) wat eine l^tfßnimlit^e 9teffoutce nid^t Mo^ italicnifc^t Äcobes 
niifet, Poeten, (gffo^iflen übet SWalctei; aud^ fttt bie itfftt öon bet 8K«Bi- 
gung int |[u0btudt fel^lt ed nid^t an $otgangetn, wie er fte benn fc^n 
fetn von 9tom mit unttbetttcffltd^et tlatl^eit audgef)>to(^ l^atte. du einem 
$unft tritt äBindelmann jenen ^^Xnal^fen, Untetfud^ungen übet ben Urf^tung 
bet Äotftettungen bcö ©d^önen, bet Jugenb, bc8 (St^benen" u. f. w. bc= 
f onbct« nal^c : in bet ä'^^^'Pl^T^i'S ^^^ fc^öncn gotmen auf Linien, — oh 
wol^l bie Setbinbung bicfct ginientl^corie mit bcm Segriff beö 3bedtt unb 
bet ,,9iu]^e" butc^ ben ©egriff bet „Unbcjeid^nung" il^m allein eigen ifl. 
Xa^ wa« feine ÄcfH^eti! t>ot ben etwa« blaffen Setfud^n bet ßnglänbet 
au^jeid^nete, wat bie enge Scjie^ung auf ein gegebene«, unb ein gegebene« 
t)on canonifc^et Scbcutung — fefie ©ufefotmen fttt ben flüffigcn ©toff bet 
^>]^itofo^]^ifd^en SKcbitotion. 



§ 107. 

9^euete £unfigefd^id^te. 

SBie fam e«, ba§ man eine Äunfigef<^id^te juetft an bet cntilen "^lofÜf 
t>etfu(^te? Sin Slidt auf ben S)enhnSIeta)stx^at mit bem Sindelmann ge« 
arbeitet, bie biege 3R5gItd^fett bet belannten, erfi nad^ il^m aufgefiellten 
iCl^fe, bag üon ^ibiaö bi« auf ^obrian in jenet ftunfi feine ©ewcgung 
ftattgefunben l^abe, bewetfi wie wenig bie innii^anbeiten Kefie ein fold^e« Un- 



§ 107. steuere ^nftgef(^i(^te. 79 

teniel^tncn ju ermufl^tgen geeignet »aten. S$tel n%r l^&tte ed gdegen, ba^ 
kfieWc S^cma bcr gtjal^luiig bcö ,,@teigenö unb ©infcti«" einmal ouf bie 
neueit ^nfi anjumcnben unb bafttt bie ,,Seben%f(^ic^ten ber SRatet^' etmo^ 
ntl^en ju laffen. 9{u6en9 fd^on in jenem ^icf an duniu^ (r»m 1. Xu^ 
gnfl 1637) toQX ber äKeinung, ba n>ir bie S93er!e ber alten äRaler und nun 
bo^ einmal IU% in ber ^l^antafte n)o]^l ober üBel nal^e }u Bringen t>eniiM^ 
tcn (nne £raum6i(ber erfc^einen fte nn^ ; t^re au^ Biegen äBorten geBilbeten 
Umriffe entf(^ltt)>ften^ tt)ie (Sur^bice^ unferen Xrmen, bie Hoffnung tanfd^nb; 
ade feine SJerfud^c, fic nad^fd^affenb mieberjubcleben, fd^itertcn): fo n)ünfc^e 
er, einen cBenfo fleißigen ilractat ttBer bie italienifd^e üRalerei gebrucft gtt 
feigen, beren £)riginale nix^ l^eute vor aQer Singen bafiel^n; baton ver^rid^t 
er ^if einen gan} anbem 9{u(en. 

3Kan »irb cinmenbcn, ba§ in jener 3^*^'^** dntereffe, bad $cr|ionb= 
nig für bie neuere tunfl t>or il^rem S^^^^^f jenfeitd (Sorreggio unb ^cafyatl 
aufl^rte: inbeg l^at ed auc^ n)S]^renb ber l^cl^en ^lutl^ bed 3Ranieri9mud 
man<l^e gegeben, bie il^re jhtie nid^t gebeugt, litten t)or Saal, unb bie ben 
®eif]t ®iotto'«, ÜÄafaccio'd unb ©l^iBerti'« fo gut f^)ttrten, n>ie unfere »eifc 
3cit. Sie manche Urtl^eite ton Italienern (toxt 3<^nnotti, Sianconi) unb 
Vudlanbcm, Befonberd (SnglSnbern, liegen ftd^ in biefer 9e}ie^ung ^ufammen« 
flellen; tü'it manche f6flli(j^e Sammlungen t>on ^anbjeic^nungen k)erbanft man 
gerabe jener ^txt DBen an fielet biejenige be^ Sarbinal Seo)>olb k)on ^t^ 
bici, njel(^e 470 5IReiflcr umfaßte unb bie il^m Salbinucci in mcl^r M ]^un= 
bert ©änbcn c^ronologift^ orbnetc. üDiefe ©äpbc, Bemerft festerer, cntl^icltcn 
eine Xrt ®ef<j^i<j^te*), inbem man aud^ ol^ne Se^, burc^ Bloged Setrac^ten, 
bie gortfd^rittc ber ^nfl toal^mel^mcn, ja auf ©runb beö ungtt)etfell^aftcn 
3eugniffed bcr eigenen $anb jebefi Äünfllerd Beurtl^etten ffinne, »eld^em t}on 
i^ncn bie Sunfl irgenb eine 33erBefferung tjerbanfe. ffir fam burc^ bicfe ÄrBcit 
auf bie 3bec eine« ©taramBaum«, ber i)on CimaBue burd^ 42 ©eccnnicn 
^in .Bi« auf bie geBenben l^craBreic^en foßte, im «erlauf bcr ärBcit aBcr 
emud^e auö einem d^ronologtfd^en Äcgifier jnxir feine Äunftgcfc^it^te, aBer 
jene reiche Biogra<>]^ifd^c S^otijenfammlung, bie 1681 ju gl^^ng l^erauWam.* 
3d^ ettoäl^ne fold^e SBefireBungen l^icr, »eil biefe Stubien unb Sammlungen 
öon ©nflug auf bie crfte ©c^altung ber antifcn Äunflgcfd^ic^tc gctoefcn finb : 
funftgef(^i(^tlid^c 'flone uub ©fiaen fmb jucrfl für bie neueren unb d^rifHi= 
(^n ^txtcn gemacht n^otben, bie Ungunft bc« 3^*^fl^f<^Wö*^ ^)^^ ^^^^ ^^^= 
fttl^mng gcl^inbert, aBer fte famen bcr l^ijlorifc^en (grfcnntnig ber Äntifc gu 
flatten. 



•) Pareva a me, che questi co«i fatti Hbri, ordinati per la successione de' tempi 
foflsero per avere wi non so ehe äella tloria. 



L 



80 B^M eu6f II. S>t€ Okfc^ni^tc bet ^ttfi. I. ¥r5(tmmaneit. 

„^em Utf)>ruitg, dortgang unb SBoc^tl^utn ber ®ef(^te bet Stvnufl 
(fc^teiBt äBindteltnann) Kimen fU^ bte)enigen mel^r ate anbete einen Segtiff 
machen, toeld^ bie feltene ©elegenl^eit gelabt ^ahtn, ©emolbe nnb lonberlic^ 
3cw^nungen üon ben er|lctt SRalcrn in dtalicn bi§ auf unfere ^txt ju feigen. 
SSome]^U(^ ttytnn man eine ununterbroc^ne Stetige toon 3^i^^^A8^ ^^^ 
ntel^T ol^ bretJ^unbert dal^ten tok mit einem 9tid butc^laufen unb ttBerfel^en 
lann, tooju ein -2^eil bet gto^en Sammlung üon 3^i4n^^9^n Sat)ace)))>i'd 
eingeti(^tet i% unb menn man au9 benfclben bie Stufen bet neueten ftunfl, 
mit benen \x>dd)t fid^ in bet ^nfl bet Slten entbecfen, t>etgleid^t, fo etlangt 
man beutlid^ete ^gtiffe ton bem SBege }ut SoQbmmen^eit untet ben 
SHten'^ S)te Familie VSbanx n>at Bi$ 1762 no(^ im 9eft$ bet B^ic^nungen 
Slemen^ XI; bie ^ibliotl^ef Sotfini entl^ielt bteigig SSnbe Dtiginalffi}}en, 
$enfieti unb 3^i<^<^>ingen Betü^mtet 3Reiflet; bie ftu)>fetfii(^fammlung trm 
nad^ Sd^ulen bet äRalet geotbnet mit Snfd^lu^ bet peintres graveurs. 

Setfuc^e, bet Sagl^eit unfetet ^otfleQungen oön bem @til altet Mnfl- 
let butc^ mobetne ^ißataUeß^men etioa^ aufjul^elfen^ »aten bamald nid^t^ 
feltene^. 3e meniget man üBet bie @a^e felbfi ju fagen n>eig, befio teg= 
famet ifi bie "^^ntafte im SiuftteiBen )}on Sctgleid^en unb Sejie^ngen. @o 
"otx^^x 2:utnbuU, um ba« ,^foflBatc unb gemi§6tau(!^te 'ipa^)iet" be« Jiejtö 
ju feinen antÜen ©emalben ju fttttcn; et übetgiefet ben Sefet mit einem 
meta))]^^jifc^sttBctf(^tt)cngUd^cn ^^tafenflauBtegen übet bie ae^nUc^fcit 9ia^)l^aeW 
mit ai>elle«, Sonattoti'« mit (&n>]^tanot, ^tni^W mit lijian, ^tt^jluö' 
mit Sotteggio u. f. h>. 2Rit öicl mcl^t Senntnig unb ©cfd^mad ate S>utanb 
l^tte bet ®taf Sa^lu« in feinet Slbl^anblung übet ben Sl^atactet unb bie 
SManiet bet gtied^ifc^cn SD^alet (1753) tetfud^t, bie laconifc^en S^ataftctifli= 
!en be§ ^liniuö aud feinen Snfc^auungen neuetet äJfaletei mit etmad fttnfl^ 
Ictif(^cm Snl^alt ju etfttflcn. 

(Sin jufammenl^augenbed^ ctitifd^ ge))tüfted Silb be$ @ang9 neuetet 
fiunfi l^ätte ol^ne ä^d^d ju mand^em 9uffd^lu^ übet bie alte ^unfl $inget= 
jeige gegeben. Unb füt fold^e Unit)etfalanft(^ten n)at 9iom gan) bet Dtt 
2)enn n)cnn man aud^ bie 9en>egungen bet ftunfl bid }u il^tem $ö]^e)>un!t 
anbetn>att^ ftubiten mug: il^te l^ik^flen @(^öf>fungen l^at bie neuete ftunfl 
in bicf e ©tabt gcftiftet : ja untet bet 3nfj>itation i^tet Umgebung gef(!^affen. 
9ta)>]^ael unb äßid^elangelo fo gut n>ie il^ten Sotgängetn unb S))igonen, 
ben umbtifi^n unb to«canif(^en Ouatttocentifien, unb ben bolognefet Sleflau- 
tatotcn l^at 8iom attein, ni(^t blog Aufgaben geficfft, fonbctn einen ©c^toung, 
eine ©togl^eit bet ®cban!en unb gotmen cingel^auc^t, bie fle anbctmättö 
n>o]^I !aum gcfunben ^tten. — 

Stanj Siand^ini'^ *?Ian eine« c^tifttid^cn SRufcum« (1703 begonnen), 
n^el^ed nad^ bet 3^i^fot6^ ^^^ ftit^engefd^ic^te butc^ glei(!^geitige ^nfhoetle 



§ 107. dleuere tonftgeft^id^te. 81 

begrttnben unb ))etanf^autt(^n foßte, — ein '^lan^ t)on bem und bad 1752 
ttfd^icncne ^^Jto^tttjcrf feine« 5Rcffcn 5io\tpi) einen Scgtiff gieBt, n>äte unter 
günjiigcn , Umfiänbcn ein Sßer! Don l^ol^et funfH^iflorifd^er SScbcutung 8e= 
tDorbcn. 

Die ältefte 3bee einer (|uellenm5|tg iQufhirtcn ®t^i6^tt ber neueren 
SKaterei aber fiammt tielleid^t ton bem römifci^en Oratorier ^ % @ebafiian 
Stefla m§ ÜRailanb (1635 f 17 i 4), ben ©l^ejji einen 3Rann t>on l^eiligem 
£eBen unb ))on ^nbe^einen an leibenfc^ftlid^en Sammler nennt, ©einer 
nxirmen SJerel^rung fttr bie alten SunfhDeifen oerbanft man bie (Erhaltung 
be« föfKid^flen 9ief}9 be« Ouattrocento in 9iom, ber Himmelfahrt be« aRe^ 
lojjo ba Sotll, einfl in ber Iritune ber H^joflellirc^e. 6r crtonnte bie 
9Bi^tig!eit ber ^nbjeid^nungen für bie Sritil, befonberd ber Siteren SReifler, 

— „bie mir t)erc]^rcn muffen aW bie erflen ©d^immer (albori) bcd ®eniud; 

— in il^nen erfennt man biefe Vorläufer ber SBorgcnrötl^e bc« fftnfjcl^ntcn 
Oal^rl^unbert« Beffer aW in il^ren übermalten unb gefd^njärjten ®emät= 
ben". (Seine fürfilid^ reiche Sammlung ttxir befÜmmt, bie ©efd^id^te ber 
äRalerei Dom 13. bid }um 17. da^rl^unbert tor Xugen )U führen. (Er 
nannte fte $arnaffo be' '^ittori unb tl^eilte fie mä) bem ^orbilbe bed Saterd 
ber @ef(^id^te. Siac^ bem rafonnirenben (Satalog, ben er 1707 3U 'ißerugia 
l^eraudgab, fefctc er (Srato j. 35. über baö Ouattrocento^ att baö ^titalUx 
ber Siebe, bc« ©trebenö*); Seonarbo (über beffcn Scbcn er gefd^rieben) war 
ber (Sdfiein jmifc^en bem glei§ bcö alten unb ber toHenbetcn 2Reiflerf(^aft 
bed neuen dal^rl^unbert«. '|$ol^l^^mnia, bie ÜRufc bed unflerblid^en Kul^md^ 
giebt er ÜRid^langelo; Urania ifl bie ,,ben)egli(!^e dnteKigen^ für 9lat>^aeM 
l^immlid^e 3bee"; S^alia bie ®öttin ber ©inncnannel^mlid^feit ber S}cnejia= 
ner j julcfet fommt Älio ate l^iflorifd^e SKufc ber fficlcctifer. aber bie äD)o= 
branbinift^c Hod^jcit, ,,erfc^icnen unter Slcmcn« VIII jur Iröftung unfrcr 
@el^nfu(!^t" , fielet über allen, al« „baß eingige, öoOtommene ©cmSlbe ber 
alten 3<^it«w ^^^ ^^^^^ ^eroifii^n SWanier". 

(ginige ©runblinicn i>^ilofo<)]^ifc^r Äunfigef(^i^te cntl^icltcn cnbtid^ bie 
%etra(!^tungen ))on aRtngd, ber ni^t mübe tvurbe gu fd^ilbem, tuie bie SKa- 
lerei fiij^ »on bem fleinli^n trodenen @til bloßer Statumad^al^mung burd^ 
SKid^elangelo gur @rog]^eit er'^oben, unb koie bie Xriad "itap^atl, Sorreggio, 
ligian, jebcr feinen iB^cil, öon ben öomel^mflen an, gur SSoHcnbung geführt, 
fdba| ben f^ätergelommenen nur no<^ bie Siad^l^mung, unb bann bie ^^ra^id 
blieb. — 



*) L'amabile prefettura del secolo amoroso, desideroso e studioso dell'arte, che 
tanto fatigö per inTestigare la aostanza, e per acqauitare per s^, e per noi Tesattezza 
del diiegüo. 

9a^i, SMadebnaim TL, % 6 



B»ntc« Sßui). IJ. ^t t9c14i(^tc bn CunfL I- ^TititniMritn. 



SSinctelinanne ^nfi^ten con itatteniff^ei XRalctci. 
Son foiU^n- Mtgteu^enben @cfu^t^uiitten auä ^at nun aui^ ESindet 
mann bie neuen Sunfi in 9Iom fotttoä^tenb tufi^ftigt ^ine XnfU^tcn 
über i^ren ©ang, fomit tx pe «uögcfpro^tn ^at, nxiren folgenbe. (Sx glaubtt 
gtfunbcn ju ^ten, „bog bad ®(^uf[al bei ^nfi Uber^auvt in ben neueren 
Reiten m Kbfu^t bei ^ßetiobtn ,btm im ärttert^um glcit^ fei; e^ feien ebtm 
foß« Biev $au))tceiänbcningen in beifelben uorgcgangcn". 

1. 3n ben anfangen bei ncnctcn ffunp war bei ©til nadtn unb fieif, 

— i\e auf SKi(!^IangcIo. Sie 3<^>4>ii">9 ^'^ ÜKittelalterd nax mie bic 

ig^ttfc^e, bic alt^etrurift^ unb :^e(lcnifi^ „ibcal unb meSt^in", einfai^; 

ober bicfe (Sinfaii^^eiC ifi ni^t bie „'^o^ Sinfalt" berSt^Bn^eit, fie ift eine 

gofferia. «W man nun ba« aRitoci^ältnig jlBift^en biefer Siraplicität unb 

bem iRcii^t^uin bei Staturformcn genxi^i nuibe, giiff man junfic^fl ju bem 

entgcgenlicgenben i^c^Iei : nat^ ber cntncicten/ fi^minbfUt^tigen 3<^i<^iiuii|) S^ficl 

bie ttbettriibene (caricata), in gctmen unb in ^nblung. Statt ber iedfBn= 

^il, bie m bei ^nfl not^ cerfagtc, eificule man fid^ an bei 3i^'<<^'<'t: 

bie OuQttrocentißen „enbigtcn t^ie SBeife mit unglaublii^ei ©ebulb, unb 

l^mng bei aOcTtleinflen ©a^cn einen ©lanj üb« 

n". (!nr fanb an ben @rabmälcin beö SanfoDino (in 

nnb anberer Silbl^auer ju Anfang beS 16. 3a^is 

alle mittelmäßig; aber bie 3<<^'^<i'^" \"^^ bcrgcßalt 

in(ein Rünfllem jum SKuflet biencn fönnten". ©os 

aelitift^ ^nfl „eine Sinfolt unb dfeinighit, bic bc^o 

gefc^ictt i|l, je ungelünficIteT unb unocibotbcncr fte 

b« iDkg jui lugenb rau^ unb eng, fo ifi ber SflJeg 

iclc^ei gui ^^r^eil beifctbcn fil^it, fhenge unb o^ne 

i fo fein . . . Sic VltcStci ber ^nft annix^ in bei 

1 ben Umtife i^rer ^gurcn mit einer genouen ©e= 

inb begnügten fü^ nic^t, »ie biejenigen neli^e man 

i. bic grofec fflJcih gcfi^roinb ausführen), i^rc giguicn 

lüwtfen unb bae übrige bem ®IM bc8 -Cinfett ju 

foli^c fhengc 3c<(^ii>ing gelangte biefclbe enb(u^ jur 

ijtei offenbarte fic^ in ben juvcrläfftgen, (aum angcc 

er tleinfien gigur, . . So »oi 3tatien bamal» ein 

fter, aber ou<^ nic^t uema^Iäffigtci ©oben, wcU^r 

OT^itnng ben oerff^loffen gemefenen Steic^t^um feiner 



§ 108. ^fi(3^ten K>oit it(aienif(^ WldUx^, 8^ 

S)tc üBcTtticbcnc 3«i<^w*^w8 lam burc^ einen einjigcn ffttnfHer, in bcffen 
SBerfen ba^jenigc auf« fr<n>l)anteflc in bie (gtfcj^cinunfl getreten fein fott, nxi9 
man fid^ na^ einzelnen für l^etrurifd^ geftenben 3Berfcn atö 9totionalflil 
biefe« »Ott« t)or|ictttc. ,,!Cie ©genfd^aften ber often l^etrurifc^cn fiHnjifcr 
Utden nod^ i^o ]^ert)or in'ben SBerlen il^rer Stacl^foninten unb entbeden fld^ 
un))arteiif(]^en Xugen ber Senner in ber 3^i^nun9 b<^^ SRic^elangelo, be« 
größten nnter il^nen. . . . Vuf bem äEBege be« genau bcjeic^neten Untriffe«, 
ber pc^ in ber 4>arte offenbart, unb burci^ bie ®ett)ig]^cit ber Äenntniß, »o 
aOe« anfgebedt oor Sugen liegt, n^ftrben bie ftttnfHer in ben neueren 3^^^^^/ 
burd^ ben fd^arfen Untrig unb burc^ nad^brttcflic^e (Entbedung aQer Sil^eilc > 
)»on äRid^elangelo gu il^rer ^öl^e gelangt fein, n^nn bie Silbl^auer auf bicfer i 
®^ur geblieben toSren". S)enn bicfc ^arattele j»ifci^en Slltcn unb Svenen \ 
crfhedt fic^ blo§ auf bie moberne SRalcrei, nid^t auf bie $lajlif, beren ®c= 
\dfxdfU fel^r htr} fei : „fie blül^te in SKid^elangelo unb ®anfomno unb enbigte 
mit il^nen; 3llgarbi, ^iammingo unb 3lu«coni lam ttber l^unbert dal^re 
nad^l^er" ; ba« befte ber ÜRobemitü fönne fld^ nid^t neben bem SRittclmägigen 
ber Slten feigen laffen; n)a]^rf(l^cinlid^ n)eit bie ®€ul)>tur n)eniger geübt 
n)urbe, unb folglid^ aud^ in il^r groge äReifier n)eniger ©elegenl^eit fid^ gu 
bilben gel^abt l^aben. 

2. S)ic ^rflcttung ber Itunji unter 3uliu« II unb 8eo glid^ il^rcr (gr= 
l^ebung unter geriete«. SBic in ben 3citen öor unb na(^ ^l^ibia« fing bicfe 
SBieberl^crPcttung nid^t in eingcincn ?5nbem an, um fi(^ t3on ba in anberc 
auöjubrcitcn , „fonbcm bie ganje 5Ratur ber SKenfd^enfinber f(!^ien bamatt 
in aQen Säubern rege gu n)erben, unb groge (Srflnbungen tl^aten ft(^ mit 
einemmale ]^en>or. 9{a))]^el ifi e«, in bem bie Sntite tt>ieber geboren marb. 
3n>ar nid^t im 3beal, aber im Sontour unb in ber Setion. @d^on in 
S)re«ben l^atte er feine oorgüglid^e @r8ge in ber „eblen (Einfalt unb ftiOen 
©röge" erfannt. SBenn er eblc griec^ifd^e gönnen feinen 8efcm i[>eranf(^au= 
lid^en toiO, fo oenoetfl er fte auf bie ^anbjeic^nungen 9ta)>l^el«. !Z)er $anb 
be« Silbl^auer« ber 9liobe, ber ^nb bie jene l^ol^e (Einfalt be« Umriffe« 
fi^uf, totlift bie Oeflalten über ©terblid^feit unb ©toffmclt l^inauöjurttdcn 
fi^eint, ifl ocrtoanbt „bie fertige ^anb bcö grogcn 9Jai)]^ael, bie feinem 8Ser= 
flanb aW ein fd^ncKe« SBerlljeug gel^orc^enb, mit einem einjigen 3"fl^ ^^ 
geber ben fd^önflen Umri§ be« Äo})fe einer l^eiligcn Jungfrau entttjerfcn unb 
untjerbcffert rid^tig gur «u^fül^rung bcjHmmt l^infc^n »ürbe". «ud^ bie 
rotl^en giguren canH)anifd^er^ ©efage erinnern il^n an 9?a^>]^aeW erfie (gnt= 
toftrfe jener ©cbanfen, „in benen ber Umrig eine« £o^)f«, ja ganje giguren, 
mit einem cinjigen unabgefe^ten geberfhid^ gcgogcn flnb". 8Wan unterfc^cibe 
nod^ jcfet bie 3cid^nungen be« "^nni, genannt gattore, bie benen feine« 
ftl^rer« am nod^pen fommen, blog an ben oft abgefegten Sinicn ber Um= 



S4 B^te9 Söndf. II. 2)ie <^(^i(^te ber ^nft 1. $rS(itmnariem 

f(j^tetbung bcr Figuren, bie in bcd ÜRciflcr^ crjicn ®cban!cn, wie bicfc fclbjl, 
eine an9 bet anbeten fliegen unb gefd^tieBen feigen fönnen. 

92un ifl aUetbingd bie (Sinfalt^ in meieret 9ta)>]^el bic 9(lten nod^e:: 
affxnt, ,,cine marmorne iWanier, b. i. ein tobtet jieincmeö SäJefen genahnt 
n)orben''; n>ie ber gef^modlofe 9RaIt)a{ta in Bologna t>on feiner maniera 
statnina ^pxaii, nnb einem 9RangeI an 9{unbung unb Keij (vaghezza)^ 
^^n)eil i^m bie (Sid^erl^eit ber 3^^<^^^^9 ^^^ ^^^ ri(i^tig unb ftreng angege^ 
benen gigurcn 9t(Cflf)aM gegen bie SJeid^l^eit ber Umrijfe unb gegen bie 
tunblid^ unb fanft gelittenen formen be^ Sorreggio l^ort unb fieif gefd^ienen." 
9tad^ SBindelmann Berul^t bieg Urtl^eil aber auf einem SJ^nlid^en f(!^iefen 
©cfd^macf, wie ber SJomjurf bcr $arte, roe^cr eiufi ber Äunfl öor ?^p<>l> 
gemad^t tourbe, 

Da« aaSal^re ifi tielme^r „\)a% ^ im «nfang M 16. Oal^rl^unbcrt«, 
atö ber golbenen 3^^^ ^^^ Svinft, bie ®ra}ie ben 3Ralern mel^r aU il^ren 
SRad^folgem offenbarte . . . 8eonarbo ba SJinci unb änbrea bei ©arte, n>elc^ 
toenige 333er!e ber SHten ju feigen (Selegenl^eit ^tten, badeten unb arbeiteten 
toie XDix unö bie griec^ifd^en SWaler öorfletten muffen, unb bcr (S^rifiuÄ 
unter ben ^l^arifäern ton geonarbo ifl toxt bie SWabonna bei ©acco bcö 
anbrca ju gtorcnj befi Slltertl^umö »ürbig. 3a in be« Änbrea Äo)>fen i^ 
fooiel Unfc^ulb unb toa^re anerfd^affene ®rajie, bag ein ^^t^agoreer fagcn 
»ftrbe, e« ^be bie ©ccle bc« ^rotogenc« ober be« ^tpdit^ in beffen Äörper 
il^re SBol^nung genommen". 

3. $on biefer leonarbe^len ®rajie unterfd^eibet fld^ bie gefällige ©rajie, 
ttjeld^ ber SSorjug be^ Sorreggio in ber neueren Qtit ttyax, xoit beö "^Jraji^ 
tele« unb Ä^JcOe« im ältertl^um. ?lber bie mobemcn ßrjeugniffe be« an= 
mutl^igen ®til« fagten SBindfetmann offenbar ungleid^ »enigcr ju, aW bie 
geifle^oemxinbten unter ben alten. iSr ocrr&ti^ eine ebenfo bc^imrate Äb= 
neigung gegen Sorreggio, tt)ie gegen beffen 3lntil>oben — ben großen gloren= 
tiner. Selbjl in ber SWabonna ber l^eifigen 5Rad^t t>ermi§t er bie „ift/fft 
afbce". ©ein etmaß affcctirte« 8a<^eln, ba« ettoaß gcfenfte ^rofil, tieCcid^t 
aud^ bie f(!^tt)ierigen Äünfie ber Serfftrjungen, bic nen)öfe Setoegli^feit, bafl 
»erfd^meljen ber ©renglinien, baö fafl übermtttl^ige ©alten be« Sid^t«, ber 
«uÄ^rudf 1^6(^fien 8eben«reijeÖ — fftr atteö bieg fel^lte il^m ber ©inn. Cr 
mochte julefet bem Sorreggio nur nod^ bie fomifd^e ober faunif<^e Orajie jtt= 
geflcl^en : ,,oon biefer neueren, nid^t feiten gejierten unb oielmaW übertriebe^ 
neu ®rajie bi« ju ber gcfotttgen (Sragie ber alten Äünfller fei aber fein 
geringerer ©<>rung, aW etJoa oon biefer bi« ju ber crl^abenen ©rajie bc« 
l^ol^en ©titt d^ematt oon maleren ftennem toirb l^bcn banerlt tt>erben 
fönnen". 

4. ytc^ einem 3^if<^ntaume, ber auf 9fa))]^el folgte, mo bie Qtvi^' 



§ 108. füij^ttn «on itatienif^er SRaletet. 85 

iiung felbft in bcr rSmifc^cti @^ule )>Id^Itd^ in Barbarei l^crunterftel unb 
bct ftblc ©cfd^mad regierte, crl^oB flc^ ber @ttl bcr SRa^a^iner. 7,!Den 
Saracci in Bologna gingen bie 9(ugen mieber auf: biefe ^eriobe gcl^t bid 
auf Sorl äRaratta. (Sr fd^eint anjunel^men, bag biefe bologneftfd^e 9lefiaura= 
tion il^ren 3»«" üoDlommen erreicht l^abe; in ^anniBal j. ©.. ,,tt)urbc bcr 
Oeifi be« 16. Sal^rl^unbcrt« naäf langer 3^^^ t)ön neuem crtoedtt; Saracci, 
Donieniti^ino,, ®uibo, ^ufjin flnb xlfm ,,Äünfllcr ewigen ©ebad^tniffcö". 
®ne neue ^l^ofe bcö ©tiW Ikad^ten jlc freifKi^ nid^t : (gclectÜcr, ,,fucl^ten pe 
bie »fcinl^cit ber «Iten unb bc5 diop^atl, ba« SBiffen bc« 2Ri(^elangelo, mit 
bcm 9tci(^t^um unb UcBcrffu^ ber t>encjianif(^en (Bd)Vilt unb mit ber gTöl^= 
fid^feit beö lombarbifd^cn ^tnfett in Sorreggio ju vereinigen". 3n il^rcn 
Beflen ?eifhingen liefern fle unö baö*n)tirbigfle ^cnbant ju ber ©rajic be« 
f^nen Stil« bcr ©ried^en. ^ra^teleö unb bie il^m öcrnjanbten möd^ten fld^ 
in ?r6ji(^t ber Orajic gegen il^rc SSorganger ücrl^alten l^aben, nne ®uibo 
gegen 9ia<)]^aeL 93ei il^m unb äHbano „ifl aDcö ®rajie", fle pnb ,,bie 
mobcmen ^rapteleö unb 8<)eHeö". 3n ®uibo*6 Sngeln finbet er ,,®rö6e 
beS 3tu«bru(fö". — 

®ol6ft Analogien, bie il^re 3)ienfie getl^an l^abcn, ald cd noc^ barauf 
anfam, in einem unBcfannten Sanbc einige Dricntirung^flongcn aufjufledfcn^ 
laffen unß bod^ fel^r balb im ©tid^, fobalb toir bie ©cflalt ber 3)inge feftjl 
nä^r in§ Xuge ju foffcn t>erm8gen. SBie l^infenb ifl j. ©. bie 3wfammen= 
flellung bed 3Rid^eIangeIo mit bem ard^aifc^en ©tiU !I)ie SSel^anblung be^ 
Äefd^^lu« ücrratl^, bag eine änti^jatl^ie gegen baö SKad^tigc, (Srl^abene, 8ei= 
bcnfd^afttic^e ttbcr^mn)t mit im ®<)icl toar. afferbingö ifl ctn>aö anfiercö^ 
ftrcngefi, abfioßcnbcis in beß glorentincrö ®röge, baö mit einer nationalen 
Sigentl^ümlid^feit jufommenl^Sngen mag; Suca ©ignorcQi ^t cd ebenfaUd. 
Aber bicfc ©trcngc ifl fcl^r ücrft^ieben ton bcr altert]^ilmli4cn Steifheit bed 
l^icratifii^en ©tite. Diefer ©til rang nod^ mit ben unjureit^enben IDorfiet 
lungdmitteln/ bie 3Rid^elangelo gerabc mit foutcraner 3R<idft unb SBiQf&l^r 
l^anbl^abtc. 3ene ältere SBeife n)ar in trabitioncHcn I^^>cn unb formen bc= 
fangen, erfi ^l^ibiaö l^at ben Ouett ber Sbeen unb Sbcalc aud bem gclfcn 
gef^Iagen. SBogcgen 3Rid^eIangeIo alle UcBcrlieferung abfd^üttclte; an^ ben 
liefen feine« titanifd^en 3nnem »arf er ein JRicfcngcfd^led^t in feine 3^^^, 
unb tiberfie§ cö il^r, fid^ \tydfjl ober übel in biefe ungcberbigcn SRStl^fcl l^in- 
einjuftnben. On ber ^öd^fien, fcltenflcn ®genf(^aft — bie nur Sinem in 
einem 3^^^^^^^^ "^^ ^^ ^^"^ SRation Befd^icben ju »erben <)flegt, fann 
3Ri(!^elangeIo nur mit ^l^ibiad, 3(ef(^t}lud unb il^re« gleid^eh oerglic^en n>erben : 
in ber f(!^affenbcn Originalität l^ik^fier Orbnung, ber ftbcrmenfc^Iid^en ®ro6= 
l^eit in ©efialt, ©til, SDimcnflonen. aber nur "ißl^ibia« rebet ni(^t aud^ bie 
l^be, raul^e, bunHc ©^>rad^e jener feiner ®eifle«Dem)onbten. ©eine ©^)rad^e 



86 3^^^ ®"<^- ^^* ^^ <Skf(^t<^te ber Ibutft t. 9t5lttmnattaL 

toor bcn ©rioi^en, ja allen 9Kenf<i^cn unmtttelBar oetfltobIt<i^ : feine ©rog^tt 
nKit }uglctd^ ooDlenbcte ©d^önl^ett. 

§ 109. 
Der ®raf Ea^Iu«. 

Stein Uniox tft bcm ©runbgebanlen ber £unflgef(i^tc^te fo nal^e getommen 
toie ber franjöfi^e ®raf Ea^Iu« (1692 f 1765), mel^r nw^ aW in feinen 
acabemif(i^en 9Remoircd in bem Recueil d'antiqnit^B ^ ben er in ber legten 
3eit fcincö geknö nod^ unb mif anögcl^en ließ (1752 — 1767, ber fleknte 
unb Ic^te 99anb ift )>of}]^unt). tonnte bod^ nod^ 1761 ein nantl^after ita= 
fienifc^er Antiquar fagen, Sa^lu« l^aBe bie ©efti^id^te ber griec^if^cn $IaftiI 
mit einer ©cnauigleit unb ©elcl^rfamleit ergäl^lt, bag er anberen ni(]^t^ 
übrig gelajfcn ^Be ($aciaubi Monum. Peloponn. II, 47). 

Sa^luö, auö ber alten gamilie H^uBierc«, bie mit il^m crlofd^, lebte 
nod^bcm er einige Sann>agnen mit (B^rcn beflanben, feit ?ubn)ig XIV Jobe 
aW unab^ngigcr ßbelmann ganj feinen Steigungen. (&r bcfud^te ®ric(^cn= 
lanb unb bie ?eöante (»o er mit einem ®elcit bc8 berü^tigtcn SUäuber« 
ßaroca^ali ju bcn 9tuinen bon ffi^)]^efuö borbrang). Auf bem atttrfmeg, ju 
Äom (1717) mar c«, tt)o er im ©trojjifti^en ^aufe fi^ bie römifci^e ?ieb= 
l^aberei für Stnticaglien, befonberö ®emmen aneignete, gafl ein l^albeö 
äal^rl^unbert lang lebte er bon ba in "ipariö, ein unermüblid^er görberer 
fhebenber lalcnte, ^eunb SSoud^arbonö unb Sanloo^ö, ein gcnKinbter 
SDilettant — in 9iabirungcn nati^ ^anbjci(^nungen großer 9Kcifler, in anti= 
quarifd^er (5orrcf^>onbcnj mit Italien unb-atten '^robinjcn granfrcit^^, furj 
aW ber crflc Sammler unb gorf(^cr alter tunfl, ber an ber Äcabcmie ber 
Äünfle über ein 5Wenfd^cnaltcr lang (feit 1731) baö ©tubium ber Äntife 
^)rcbtgtc; — fonft glciti^gtiltig gegen S^re, unb »enn au(]^ t)on ber Unfel^t 
barfeit feine« Urtl^eil« überjeugt (bal^er man il^n ben görbcrer ber Äün^e 
unb bie ©eißcl ber Äünfiler nannte), bod^ ein geinb ber Schmeichelei, ber 
Pfaffen unb — ber äcr^te; }>]^ilofo}>]^ifd^ flnH)el in feinen ®cn)o]^n]^citen, 
bürgcrlid^ im änjug, „fanntc er feinen anbern guyuö att bie greigcbigfcit". 
»on 60000 granc« ©nftinfte oerbrauci^t er nur 10000 für ftd^, alle« anbere 
»Dar ber ffunft, g. S. ber Äuöbilbung armer, junger SKaler gctoibmet. 

SBindtelmann l^at Sa^lu« unter bcn SJorl&ufern feine« Untcmel^men« ju 
nennen bcrgcff en ; man »eiß nic^t, ob au« bem bef annten Oang, gcrabe bie, 
benen man in Serbac^t fommen fönnte, etwa« jn bcrbanfen, entn>cber ju 
tgnoriren, ober l^eftig gu bcftrciten, ober gegen il^re 8em)anbtfd^aft ju j)ro= 
tefHren. 3n '^rioatbriefcn berrStl^ er »enig Siebe ju bem ®rafen, obtool^l 
biefcr feine grcunbfd^aft fud^te, öon feinen Schriften, j. 83. ber Defcription 



§ 109. 2)er ®raf datfin». 87 

,,mtt ungentemem iob" fprod^ unb eine UeBerfe^ung M l^tculantfc^en ®enb= 
fil^Tetben^ t)eranßaltete. Unfer ©ele^rter t^&^t nt(!^t ol^ne ©cnugtl^uung, ba^ 
er bem gtaiQofen bie Slufnal^me t>on SntiTen tn bet StOa VXbam „)oa!^Vitn'^ 
Ifdbt. aber ein Srief an ^nconi uxx&ßf, bag er über (Sat^Iud' Serbienfl 
ein fel^r befKntmted Urtl^eil l^tte: ^^il^nt gel^ört juerfl bet ^vJfm, in ixiM 
SBefentlic^ bed ®ttte ber alten Sdller eingebrungen )u fein'^ 

dn n)t<i^ttgen fünften tonten Seibe üBerein, felSfl in einigen drrt^ntent 
Sor allent in bcr t^otberung, bie 9(ntilen and lünfllerifc^m ©efid^t^unft jn 
Betra<i^ten. 9[u(i^ (Saiflud tobelt, bag man bie Denfm&Ier Bidl^ Blog aä 
@u)>)>lentent unb 99en)eid ber ®z\ä^xäftt gebrandet l^Be, ober aU ifolirte ZtfU, 
bie für ben längflen Eommentar em)>fangli(^ ftnb unb Bei benen ed fd^n>er ifl, 
mit feiner Selefenl^eit leinen SRigBrauc^ }u treiBen. Sodl^afte ?eute I^Stten 
fagen lönnen, ber ®raf mad^e and ber ^loüf eine Sitgenb ; feine mangelhafte 
(Srubition, Befonberd im grie(!^if<i^cn^ bie er leBl^aft Beftagte, nötl^igte il^n mit 
frcmber $>ülfe ju arbeiten; j. 8. ®artl^6lemi>'«, 8e ©cau'ö, ^JJaciaubi'^, 
namentlich Bei dnfc^riften. Wo er ftd^ auf ©elel^rfamleit einlaffen mugte, 
ma(!^te er bc^l^alB fle)>tif c^e 3urü(f]^altung }u feiner ^olittl : ,,er ^t, Bemertt 
SEBindelmann f)>öttif(!^, mit jener grogen UeBerlegung gef(!^rieBen, bie in einer 
Rügen Sorfid^t Befielet, nid^t ju t>iel gn n)agen ; man fielet, bag fein gug oft 
igucts snppositos cineri doloso Betritt''. 3Rvi^ttn l^iemac!^ feine SlrBeiten in 
antiquarifd^cr 33ejicl^ung mit einer un^eilBarcn £)BcrfI5d^Iic^!cit Bcl^aftct 
BIciBen, fo »ieö il^n biefe ?üde in feiner Äuörüflung um fo geBicterifd^cr auf 
eine ©cl^anblung ber Denhndter, in bcr er mie toum einer ber ?cBenbcn att 
fad^oerflönbig fj)red^en tonnte, (gr gab e« auf, in ben aRonumcntcn nur ©c= 
^iel^ungcn ju B^^d^^ff^^ ^^^ Vltcn }u fud^en, unb jetgtc bem antiquarifd^en 
publicum eine (Srfenntnig, bie rein au^ bem, toa^ man mit Singen fielet, 
ol^ne frembe, geld^rte ^ülf^Ienntniffe ju gen)innen x% unb bo<^ in^ 3nnerfle 
bcd Sunfhoerf^ einbringt. !Da^ nun n>a9 fid^ fo unmittelbar au^ bem monus 
mentalen 2:i^atBeßanb fd^ö)>fen lägt, iß ber ®rab bed SSiffend in ben ^nflen, 
bie t>erfd^tebcnen Serfal^rung^cifen, enblic^ bie 9){anier. iDiefe ifl oergleid^Bar 
bem ®til, an bem man in einem ©ud^e bie $anb eine« Äutorö crfcnnt, unb 
nod^ trcffcnber mit ber $anbf(^rift. 3" ^^^f^^ ^^^ ^^^ Unterfu(^ung ifl nur 
eined unerläglid^: ffenntnig ber 3<^i(^<^n!unfi, 9tid^tigfeit bcd Suge^, Seid^ 
tigfcit in Suffaffung eine^ ©cgenflanbeS unb SBal^rnel^mung feiner ({eitler 
unb (Sd^önl^eiten. . . 

SWan tonn nid^t laugnen, bag Sa^lu« bie 3^^ßß^Berung ber Äntiten 
att Äunfl^>robuct mit mel^r Äenntnife unb umfaffenber burd^gcfül^rt l^at, att 
fein größerer 3^itgcnoffe, ber Bei allem ©inn für fc^önc gormcn bo(^ in 
ben jeid^ncnbcn Äünflen gu fcl^r ?aie »ar unb ju menig Sntercffe für ba« 
ffcd^nifd^e mitBrad^te. Ca^lu« tom in bicfcr »cjiel^ung au(^ feine ©tcttung 



88 3^^^ ^"4- ^^* ^< iB(\äfi6ftt bet jhuift 1. ¥t5(hmnanetL 

an einem 3RitteI))untt ber ^nfHnbufhne jn flatten. (St ttbet}eu0te fid^ j[e 
ntel^r utib mcl^r, bafe bic JOten un« in ber leci^ni! cbenfo ükricgen gen)efctt 
feien, <tld int ®e{(i^ma(f, au(^ fanb er, bag tl^re 2:e<^ni! ber Stac^n^ung bev 
9tatur jettrui^ n}eit borou^eeilt mar. <St )>rebigte unauf^örlid^ bem t>erBtlbeteii 
©cft^matf ber 5Kobemen ben ©ttl ber ©nfoft unb ®rö|e/ er bertl^eöngte 
il^r ibealeS Softttm, er toted nid^t nur l^tn auf bie ^nbgrube ntakrifd^ 
SortDürfe im größten ÜDit^ter ©ried^nlanbö (burcä^ Seffingfi 'JJolemif im fiaococn 
ifl fein 92ame auc^ Saien bis l^eute in bicfem $unft befannt geblieben): 
er fanb , ba§ ben Alten n)enig »erborgen »ar bon bem nKiö n)ir mijf en, 
mäl^renb un$ ber größte Ziftxl i^rer JKetl^oben abl^anben gelommen ifl. ^aäf 
einem SKcmoirc öon 1753 l^abcn bie Alten atte 3^^9^ unferer SWalcrci außs 
geübt, nur ben grogen '^lafonb:: unb £u)>^elfHl aufgenommen, unb t>ieQei^t 
bie (Smailmalerei. SEBogegcn t)on il^ren mannid^fad^n ilRetl^cben ber (Sla^- 
bel^anblung (j. 85. fttr innere Decoration) un^ nur eine einjige bclannt ifl: 
ba^ SKofaif. 3)a^ größte unb baö fleinftc fud^tc er »ieber aufzugraben: bie 
SKed^ani! ber Ht^tfpttx bei i^ren 9{iefenbauten, bie encauflifc^c SRalerei, bie 
©laöfabricatlon. 

Da er feinem $lan gemäß äffe feine S3ctrad^tungen auf Slutopftc grünben 
mußte, fo fal^ er fid^ frcilid^ angemiefen auf ba« bttrftige ^rifer Snbentar, 
mcip ©tilde bie er felbfl befaß unb in bem 9lecueil fled^cn ließ. Die @es 
ringffigigfcit bicfer in alten ^rifcr ^laiö entbedtten ober t>on feinen römifd^= 
nea)>elfd^cn Agenten aufgetriebenen Snticaglien (bie man in 9{om !aum be^ 
achtet l^ätte, unb bei benen bo<^ manc^e^ unechte mit unterlief) fielet freilid^ 
in fettfamem Sontrafi ju ben ®d^5^n, in bereu äRitte bie ^nfigefd^ic^te 
aufgebaut »urbe. Die ?ßarifer ©d^öngcificr, n)ie ÜRarmontel, »crfel^lten nid^t^ 
fein^ minutiflfcn Untcrfut^ungen unb feine antifcn Sabioleö ju t)erfj)otten; 
er l^abe fld^ t>on ©elel^rten, benen er fid^ angebrSngt, Äuffä^ fd^reiben laffen 
über biefe SSreloqueö, ttje^e il^m bie Iröbler aufgcl^Sngt unb fo einen ^>rad^s 
tigen Stecueil aud gctbaifen ju Staube gebrad^t, bie er für alt ausgab. Suc^ 
SBindfelmann meinte, „er l^abe bie ®abe öon Slid^t« öiel ju fagen" : um f o 
l^öl^er fieigt unfcr Segriff »on ber Siid^tigfeit feine« Äuge«, ba« mit fold^ 
armfcligem Stp^parat foöicl ju fcl^n »ermod^tc, greilic^ »ürbe fein Srfolg 
ein anberer gen^cfen fein, n)cnn er feine Änfid^ten im ä^f^^w^^J^^^^^öwg öor= 
getragen l^attc, flatt in ber bequemen gorm, einen grabe tt>ieber jur Äuö^ 
füHung eine« Ouartanten l^crangenxic^fencn Raufen unbebeutenber unb n>cnig 
anjiel^enber SSronje^uf^^xm unb Xerracotten mit Semerlungen }u begleiten, 
bie in einem <)latten, leblofen Stil gcfd^rieben nsaren.*) 

*) Ayeo oei goütt, qui paroisMnt Bupposer tant de d^catesBe et de chftleur d'ftme, 
il n*aToit pas l'air sensible; il ^crivait platement, sans imagination et sans gräce. 
Gorresp. de Grimm I, 5. 



§ t09. 2)er (Bxaf dapXu^. 89 

S)te ©tunbltnien aBer be$ @^flent$, ba^ et aSenfaff^ l^ätte auf^eSett 
lönncit, möd^tcn fcigcnbc fein. 

2)cr «rcä^oolog foß ,,tTcu ben ®cifi unb bie $Änb bc8 Ättnfiler« (hibircn, 
fld^ mit bcffcn «nfc^auungcn (vnes) burd^bringcit, tl^m in bic Äu^fttl^ntnfl 
nc^Qt^n, unb fo in ben S)enhnä[cm bie '^oBe unb ben Hn^brud! bed 
©cf^madW fel^n, bcr ein 3«taltcr, ein Sanb Bel^errfci^tc Auf btefcm SBcge 
n)irb man ^unod^ft ftc^ eine fcci^ere SoTßeDlung t)om ©efd^mad beT Slten bilben. 
Die Äünflc tragen beu Sl^aractet ber SJöBcr an ftif, n)el(i^e pe ^)flegten; fle 
geben unö ein ©emSlbe il^rer ©itten, bcr Zonmure il^re« ©eijie« fo ju fagen. 
ICiefcr ©nbrud eineß SJoIKgeifW erret^t eine fott^e ©eutlid^fctt, bag man 
)5on einem ausgegrabenen @tü<f, beffen üRanier bem ?anb frcmb ifl, flehet 
bel^auf>ten barf, bag ein ^rcmber t9 gearbeitet l^ot. 

9?ad^ gcpjlcllung beö 9tationaIgcf^ma<fö folgt eine jweite, fci^merere 
Aufgabe: biefen SRationalgcfi^macffclbfl in feinen SBecl^feln gu wrfolgen, ben 
©cf^matf jebeS 3^^taltcrö ju finben. 3)cr ©efti^mad eine« ?JoIM unterfd^ibet 
fiäf üon bem eine« anbem ttjie bic ^>rimitit)en garben.; bie ©erfd^icbenl^eitcn 
beffelbcn in loerfd^iebencn Qal^rl^unberten Wnnen ben feinen 9?üancen einer 
unb bcrfelBcn garbe üerglid^en njerben. 3)iefcr ®ang nun l^at in aHen 
?anbcm eine gctoiffe ©lei^förmigfeit: bie Sflatnr befolgt flet« ein @efe^: 
auf bem SBeg loon bcr ffinbl^eit gur Steife befielet fttr alle eine Stufenfolge 
be« ffiad^Stl^um«. 3n biefcm ®ang aber entfaltet fld^ unö ein intcreffante« 
©tttdt (portion) bc« 2»enfd^engeifle« : bie ®ef(i^id^te bcr Ättnfle (1752). 

3)iefe ®efd^i(^te erf(i^cint il^m bel^errfd^t öon einem fletigen äwföJwn^««* 
l^ngc: eine Jiation em^>fdngt bie Äunfl tjon ber anbem, brüdtt aber fofort 
unb mad^fcnb ber übernommenen beit ©tem^jcl il^rer Sigenl^eit auf, treibt fie 
tmttx unb gicbt fic an eine brittc. 9Kit einer geinl^cit, bie aber meifl auf 
läufd^ung benil^t, glaubt er bic t>erf(^iebenen @rabe ber Äbl^Sngigfcit, Stocks 
al^mung, Originalität unterfd^eiben gu fönnen. 3n biefem ^unft benft er 
ganj anber« att SBindcImann, ber i)on einem foU^en internationalen Stamms 
bäum ber Äunft nid^t« n^iffen mag unb lieber eine unabl^ängige, fimultane, 
einem inncm ®efe^ folgcnbe SJcn^cgung ber Ätinfle annel^men möd^tc. Sa^lu« 
f(3^n>cbt eine grofec Äctte oor, bereu ^au}>tglieber fld^ folgcnbcrmagcn geflalten. 
Die fiünfle bilben ftd^ auö in aegi>j>ten unb jtoar mit bem tJoKen (S^aracter 
bcr ©rofel^eit; pc fefecn tori ba l^inübcr nad^ Struricn, mo pe in ben Detaife 
jKtrticn fid^ bercid^cm, frcilid^ auf Soften bcr @rö§c; pe gelten n^eiter nad^ 
®ricd^cnlanb, rt>o ba« SBiffen, öerbunben mit bcr ebeipen (Hegang Pe gur 
l^ik^Pen SoQcnbung l^inanfttl^rt, nad^ 9lom enblid^, mo Pe blog burd^ frembe 
$ttlfe glängcn, eine S^it^^^ß anfämpfen gegen bie SSarbarei, unb enblid^ in 
ben Irttmmcrn be« Steid^« Pd^ begraben. 

SaSafi bic anfange ber ÄunP betrifft, fo »erfod^t dm^luö bie (oDein ben 



90 Bto^teS fßnü^. n. 3>ic akf<^<^te bet ibtnft 1. ^raKininarien. 

Kamen l^tftorifd^ üerbtcnenbe) 9[nfi(j^t, ba§ eine ®(l^d)>fung ttBeti^u))t m6ft 
unb am toentgflcn in ben HnfSngen flattgefunben l^aBe. SHe^ föl^rt und auf 
bie gangfornfcit unb SKtttelmotigfeit beö erfinbevifci^cn ®enieö, »eld^feö bie 
2Renf<i^en fld^ jufc^retfcen. Site ifl ctttKiö @anje« (complet) an crflcr ©teile 
gefunben n>otben. 92ie BtacJ^ten bie äRenfd^n eine boIRommen neue 3bee 
^erbor: geborene Xffen unb Schiften, al^men fte na6), fc^neiben n)eg unb 
je^en ju an bem, n)a9 bie 3lvtff geleiert (Sin einfad^ed Seb&rfnig fftl^vt 
unborl^etgefel^ener SBeife auf ein xofft^ ÜRittel, beffcn Cntberfct bcr Sn^aU ift 
3)te lange Sßiebeti^olung biefer t)om 3uf<^^ batgebotenen Bagatellen fe^t in 
©tonb, mcitere ä^fSDe ju nttfeen, ba« bcrbefferte SKittcl »irb anbetn SRitteln 
angesagt, unb nac^ einem dal^rl^unbert rttdt ba0 (Srgebnig biekr 3uf<iQc ^^ 
ben 8tang einer Srfinbung unb tt>irb ein @runb, bie ^aft bc§ menf(!^Ii(^cn 
@eified 3u ben)unbem. 

S)ie etflen Serfud^e in ben frönen duften gleid^en bem ®tammeln eined 
ftinbeö. S)ie arbeit ifl einfach unb rol^, trodten unb l^erbc; fte jeigt Un= 
n>iffenl^eit, ©d^werfättigfeit unb fd^led^ten ©cfd^madt. Aber bie gefeierten 
ftünpier 9taj>]^acl, ?conarbo »ttrben fid^ il^r i)oi)c§ $6b !aum berbicnt l^aben, 
n)enn nid^t bie @cbulb il^rer Sorganger bei Urbarmad^ung be^ Soben^ fle 
erfl in ©tanb gefegt l^ätte, ba§ große unb erl^abene au^juftt^ren. Denn aüt^ 
ijl fuccefftb in ben fiinflcn. 

IDiefe fletigc S3cn)egung nun fttl^rt jur SJottfommeul^cit, aber aud^ jum 
SSerfatt. 3)enn nic^t blojj ba^ aufrid^tige SJcrlangen be« ®cjferen treibt und 
bom>fitt$, auc^ bie ©elbfHtebe, bie nad^ Ku^jeid^nung trod^tct ol^ne bie ÜRittel 
anjufel^n, ber 9icib, ber t>a§ borgefunbene bcfrittelt, bie '^runtfud^t, toeld^e bie 
3icrat]^en l^äuft bi^ jur UnfenntUc^mac^ung ber Urform. 

SBie alfo bie ffunfl unmerHid^ l^eranbä^fl, fo crlifd^t fie aud^ nid^t 
pUi^lidf: baö gcuer ber latente mirft bon 3^^^ ^^ ä^^^f ^^^ fierbenben 
glamme glcid^, einige SJIifee; man getoal^rt Äefte beö Ätclicrö, ber ®e= 
toö^nung, ber ©^ulmanier, bie bann unb toann ein anjiel^enbcö SBer! 
l^erborbringen. Sine Art bon 3ntcttigenj be]^au}>tct fi^ mitten in bcr mit 
großen ©d^ritten borbringcnben unb taglid^ einen neuen 'SPoflcn bcfe^enbcn 
Ognoranj. (gin nieberf^lagcnbe« Silb! ,,0 ©ried^en! ruft er beim anblW 
einer b^jantinift^en (gifenbeinarbcit au«, mcnn il^r in einen fo Häglid^cn 
3uftattb l^erabgefallen feib, unb ba« in eurem 8anb, toa^ »erben toir in 
einigen Oal^rl^unberten fein!" — 

9(eg);^ten ifi bie OueUe, au« ber ba« Stltertl^um bie anfange be« 
®cf(^ma<f« gefd^öj)ft l^t, — nid^t bloß (Sried^en unb 3taler, aud^ Werfer, 
Subcn, ßl^inefcn oiettei^t. äcg^tcn gegenüber finb aüe SöÜer ber Ctbe 
Unbanfbare. Dicfe große cibififatorifc^e SBirfung fe<jt aHerbing« eine ^^eriobe 
botauö, n)0 biefeö SSoK noc^f mit bem «uölanb berfel^rte, Raubet, Solonifation 



§ 109. 2)et <2^af (Satfia». 91 

nnb (Eroberung trieb, toorauf e9 f)>&ter mit toetfer 9RSgtgung t)er}t(l^tete> um 
fU^ in bie ®ren}en be^ eignen Sanbe^ einjufd^Iiegen. 

!Z)ie ägl^tifd^en SEEkrIe feigen eine auffällige ®U\äfytit be$ ©efd^madd, 
ber Sorm unb ber Arbeit, n}a]^rf^einrt(l^ tml bei bem n)unberbar l^ol^n Slter 
tl^rer Sultur bie erflcn Strfud^e nidft bid auf un^ ^ben lommcn ßnnen. 
dl^re ^nfl toar gu gen)o]^n]^eitdmä§tger Ueberrteferung geworben, fefi eingt= 
f^Ioffcn t>out Aberglauben, beffen ScbenHid^feiten jebem gortft^ritt ben SBeg 
»ertraten. Srfl bie 3cit ber ^toIentScr änberte bie alte SJerfaffung ber Ättnfie, 
unb bamit enbigte ba^ originale 8[cg)^)>ten ; jene 3luflerit&t, n^eld^e ber )>erfifd^en 
Umn)&Ijung unb bem gricc^ifci^en Serfel^r miberfianben, njarb gelöfl (alt^r^; 
bie SJerbinbung mit @ricd^enlanb l^atte il^ncn bie Sugen geBffnet; je^t erfi 
AMXgten fte, eineSer^oKIommnung ber il^nen eigentl^ttmlid^ent^ormen ju oerfud^en. 

S)cr Sl^aracter bicfer äg^j)tifd^en DriginaKunfl ifi ©röge unb ®ebiegen= 
l^eit. 3^re Sfrd^itectur blenbet ni(i^t burc^ gefällige Harmonie, meiere ben 
©egcnflanb, ben fic ft^mttcft, bem crflcn 53Iicf t)er!ünbct, fonbcrn burc^ jene 
folibc, majcflätifd^c Sauart, ber gegenüber bie 3:cm))el ber ®ric(^en »ic mit 
glittcrfram beengte Äarten^ufcr fid^ auönc^mcn. 3)iefclbe ©cbiegcnl^eit 
erfcnnt man nun anäf in il^rer ^ilbl^auerci toicbcr: cf flnb bicfelbcn (gnt= 
toürfc für bie Jiac^melt, oerbunbcn mit einer 3bcc öon ®ro§]^cit, Abel, ^ol^l^cit 
unb einer gctt)ijjen ^crbc (rudesse) in ben 3)ctaite; ftc l^abcn flct^ große 
SMajfcn unb SBirlungen im Äuge gcl^obt. ©al^cr bie anlcl^nung ber ©tatuen 
an ben Pfeiler, bie SJerbinbung ber Seine, bie ©tüftung ber Sigur burd^ 
compacte Gattung, toie bei ber faucrnbcn ©^)l^inj. S)iefer große (S^aracter 
jeigt fiif andf in il^ren S^icrfiguren, j. 8. ?ott)enf(J^>fcn; an einer Äaftc rül^mt 
er bicfc SScrbinbung oon Sinfac^l^cit, ©trcnge unb oollcnbctcr JRi(^tig!eit. 3n 
ben SKalcreicn ber äcgi^^>ter gen^a^rt man gu feiner Uebcrrafti^ung, baß jener 
fhcngc ))laf]tifd^e ©til conoentioneQ mar, nnb bicß Sott in SBirflid^feit me^r 
&px\t unb Slegan} befaß ate man il^m }utraut. S)ie Stod^al^mung ber 
Statur ifl toHflänbigcr unb wal^rer, fic l^aben ben S)etaite, ber Semcgung 
unb ben l^croorragenbcn Il^cilcn Eingang oerflattct. 

(gtruriend Äunft blttl^te in ben lagen ber crflen römifci^en ftönige 
unb bcfianb nod^ ein dal^rl^unbert noci^ ber römifc^cn (Sroberung. & mar 
ber Serlel^r mit äcg^j)ten, ber ben Stru^Iern bie äugen öffnete unb über 
bie ätol^^cit ber Urtoerfud^e italift^cr äboriginer l^inau^^alf. aber il^rc yiaäf- 
al^mung mar feine fclaüifd^, fonbern eine Steminiöcenj, bie eine gemiffe 
Originalität bemal^rte ; unb gar balb entfernten fte ft(^ Dorn äg^f>tifd^en äBefen 
unb begannen mit eignen ©d^mingen ^u fliegen. 

Anfängfid^ (1756) glaubte Sa^lu^ brei ©tilformen unterfd^eibcn )u fönnen; 
f^>äter (1764) gcßel^t er, bie äußerfle SKannid^faltigfeit in il^ren SKantercn 
fefte il^n immer aufd neue in (Srfiaunen. Sein äBunber, benn er oerfcftt 



aOed ncui^ (Etrutten, toad trgenb einen ©efd^moif bed Sltertl^lUnUc^n ^t^ 
unb bie gange grte^tfd^e Safenmaleret bagu. Sine fietige t^olge bon bei 
Unn)tffen]^ett Btd ju bcm 6rlcn(i|teten Serfal^rcn fönne man nur Bei il^nen 
oufjeigen. d^r btftinguirter 9tang aber unter ben fiunftbditem, ben fie 
unanfe^tBar burd^ (S<!^5)>fung einer ar<i^itectonifc^ Orbnung bocumentirtcn, 
ber aber nie geBttl^rcnbermagen and Sic^t gefleQt toorben ifl, erinnert und, 
n)ie glü(fli(!^ bon iel^er dtaliend (Slima fttr bie fci^dnen ^nfle nntr. 3)iefe 
gliunic^e, natftrli<i^e Begabung, unb bollfommene ^nfllenntnig baju, }eigen 
bie Sofcn. SBelc^e .9{ein]^it in ber ^vax, tocläftx Serftanb in ben Oma« 
menten, n?eU^e Seic^tigfeit ber Xdi^mV, dn beut vertieften ®emmenf(i|nitt, ben 
fie ebenfaOd }ur l^dc^ßen Scdenbung gebracht ^ offenbart fid^ am beutlui^ften 
il^r eigentl^ttmlid^er ©efd^mad, ber fitt§ eine gen)iffe Slrocfenl^it ffat, eine 
«ffcctaticn im ®etait ber ÜRuWeln (1759). 

!I)ie StruWcr l^abcn anbem Soffem, bcfonberd ben ®ried^cn, einen Xfftil 
x^xtx 3bccn mitgctl^eilt. 2Bir crblidten fie erfi rol^ audgebrü(ft, bann ent= 
gröbert, bcrbcffcrt, cnttüidfeü, enblic^ berboOTommnct auf 3)enfm&Iem il^rer 
5Ra(^folgcr. Aber bie gric^ifd^c ffunfl l^at au(^ auf fie gurü<!gen)irtt: ferner 
fam bei i^nen gu l^ol^cm änfcl^n. ©eitbem milberte fi^ bie erfle ©trenge, 
pe eigneten fi<^ bie I:arflcHung beö 9?atf tcn an ; aber »enn gleid^ Stad^al^mer, 
würben pe nie bloße So}>iften. 

Die Ciferfud^t ber Sieger l^at unmürbiger SEBeife burd^ ä^^^^^fl ^^^^ 
aSBerfc bie fünfte, bie latente unb bicDeici^t bie lugenben biefe« 8ol!« in 
Sergeffenl^eit .begraben tüoUtu, 3e öfter man fic^ bal^er in il^re Denhnaler 
oerticft, um fo mcl^r fielet man ftd^ nic^tö ate "Jiroblemen gegenüber: 3^^** 
©egcnflanb, SJeranlaffung, äffe« bleibt Sermutl^ung. 

2)ie @ riechen ^ben, nad^ Sa^Iu«* Ueberjeugung, ebenfalls il^re ftünfle, 
n)ie il^re meiflen 9teligiondibeen, au« 9(eg)^)>ten gd^olt, äg^)>tifd^e unb etru«- 
cifd^ äRanier nad^geal^mt, ja bie ^tit fned^tifd^er 92ad^a^mung fc^eint bon 
jiemlic^ langer 2)aucr geioefen gu fein. Slber fie ^ttcn freific^ ein biel 
feinere«, belicatere« Äuge al« i^re Seigrer. ®ie berminbcrtcn beren SKaffen 
unb gaben bafttr ben Xl^eilen (SIegang unb ©efäffigleit (agr^ment); fie fügten 
@ragie l^ingu u|tb bie geleierten Sicengen, bie nur eine ®u))eriorit&t fid^ er- 
lauben barf, n)ie bie Statur fie feiten genjal^rt. Darauf aber bemühten fie fic^ 
gu öergeffen, nni« fte ben aeg^j)tem fd^ulbig ttjaren, bie fie ungefhcaft gu be^ 
fiel^Ien l^offten, tml fte jtc^ auf beren Serad^tung ober Untl^atigfeit oerließen. 
®o lebl^aft mar il^r Semußtfein bom Serbienfl ber (Srfinber, ba§ fte alle« 
aufgeboten l^aben^ un« glauben gu mod^en, ba§ fie fafl äffe Sttnfie nur ftd^ 
felbfl berbanftcn. Diefelbe ©teKcit, in ber feie ^id^tung il^rer Äünfle auf 
dffentlid^ Denhnale murgelt, ertrug e« ni(^t, baß bie Stod^melt B^^fl^ f^" 



§ 109. 2)er @raf (Sa^Ku«. 93 

foQte tl^et fttitbl^cit unb tl^red äBod^^tl^umd in bett ^nflcn; be^l^lb l^aBen 
jtc attc il^Tc anfongtocrfc öcrnit^tct. 

Unb bod^ j^&tten fte mit betn, nxt^ il^t eigene^ unb etgetifled n>ar^ ju- 
fricbcn fein Bnncn. 3)ie (gigcnfti^aftcn ber griccJ^ifd^cn S^^^wung, — bic 
anbete «öfler nie Befcffcn l^bcn — ftnb eine eble ®nfalt (1756, S. 127), 
totld^ bie Qlegan) ^et^ begleitet. S)iefer Vbel, biefe (Sinfa<i^]^eit, bie fie mit 
fomel t$leig toie ®Bd gefuc^t, ct}eugt ba^ ®ro^ unb (Srl^aBene; ^xott tfl 
fte unb t>erlangt mel^r aQfeitige Sufmerifamleit, ®enauig!eit unb 9li(i^tig!ett 
ate gvoge ^n>egnngen. ^rScife 3<^i<^iti^nB ^^^ hxtitt (large) Slu^fttl^ng 
l^aben pe allejcit l^ö^er gcflettt aW 8tei(!^t]^um beö Stoff« unb ber Ornamente. 
@o fül^rten fle biejenigen ftttnfie, bie bnrd^ 9tatuma(i^al^mung ergoßen foßen, 
jur SJoHenbung : unb ber ^unf t il^rer $61^ ifi ba« 3^^*^^^^^ Älejanber«, mit 
ber (Entfernung t>on xotUiftm bie ftunfl abnimmt 3n il^ren Skrfen flnb 
fi»)iel X^eile Beifammen, in meldten fle fl(^ au^qeid^net, ba§ il^r @tubium 
mit bem ber Statur gleid^n ©c^ritt l^&lt. 

@o nxirb ©ried^enlanb ber Semmel ber ^nfle, e« glic^ oon allen ®eiten 
einer ooHIommen geotbneten ©alleric, bie um fo l^errlic^er n>ar, ba aKe il^re 
SSBerfe bie fc^dne 9{atur nad^al^mten, unb bie )>affenbe 9ufftel[ung ba« Ser^ 
bienft ))erbo)>))eIte. Itein Sott ber (Srbe, hcA un« f)^m)>atl^if(!^er toaxt, feine« 
oon bem bie '^l^ntafie lieber aUe (Sinjel^eiten fennen lernen möchte. 

Die «ntifc, bie aW 5Kufler ber ftünjle gilt, ijl bie gried^ifd^e. Ol^re 
krümmer finb bie einzige Duelle, n^o ÜRalerei, Silbl^auerei unb Saulunft mit 
@i<^r^eit ben Steid^t^m unb ben grogen ©efc^mad f(^5yfen ffinnen. 9{ur 
bie gried^ifd^en ^agmente t)ermögen unfern ©efd^mödt )u nähren, bie Stad^- 
eiferung }u untcrl^alten, ba« @enie ju ermSrmen. 9Ue meiere fie }U ^l^rern 
crforen unb il^nen fid^ nol^crtcn, l^atten Crfolg, aße anbern pnb gefd^citert. — 

fiein 9i8mer, Be]^au)>tet Sa^Iu«, l^t je Sßerfc gearbeitet, bie oerbienten 
citirt ju »erben. Diefe« SSoff ^t nie etnxi« feftfl ]^n)orgebrad^t, unb man 
ISnnte be]^u)>ten, e« fei in feiner ©attung erfinbcrifd^ gemefen. Stur entlel^nt 
l^aben fte, erfi oon ben (Struriem, bann bon ben ©ried^en, jule^t Sgt^^tifc^e 
Sutte unb ^itxati^n. Steüeic^t tt)enn fie bie monard^ifd^e 9tegtemng bellten 
l^atten, mttrbe ber ©efc^mad fld^ gebilbet unb be]^u)>tet l^aben. S)er malere 
©efd^mad, ba« Serlangen gu erforfd^en, ju genießen, bie Suft fid^ an f(^9nen 
ftun^ad^n ju beraufd^en, ^at fle nie befKmmt. S)ie ftnnreid^e Serfal^rung«- 
toeife, bie feinen SBirtungen be« (Steifte« unb ber $anb in ben ftihtflen, mo« 
nxiren fte fttr ein @olbatenoott, ba« nur ^trioti«mu« unb friegerifd^e tteber- 
legenl^eit achtete. ICarin blieben fle imifi^: Sarbaren, bag fie fafl flet« bie 
ftunbe unb Su«fibung ber freien ftllnfle ©claoen llberliegen. ICa^er ifl ber 
rBmifd^e @efd^mait fc^n>er, ftvatcp^ (mou), o^ne geinl^eit; fobalb man etma« oon 
Slegan} ttKil^mtmmt, l^at man ®ntifta ooratt«3ufe^. 



94 3^tc« eniSf. II. 3>tc 9^äfid^t ber tuitff. i- ^rSlhnmancit. 

3)aiiftaT lann ber Xittiquar beti StSmem fettig ober melmel^T intern 
XBerglauBen^ benn ber nnir bte ©(i^tDOd^l^eit, ber nagtnbc SBurm biefer SSBett^ 
evoberer. d^^re Sararien flnb bte SRagajine unb ^ülf^ueUcn ber antiquo^ 
rifc^ti ^nn^t Der römifcj^e @inn ffir ®cul)>tur erfreute fid^ an ben tmxxu 
teflen, gen}61^nU(^flen, ja )>btteften 2)arfleIIangen bc« SeBcnd; olle üDinge be9 
®eBraud^^ n>tcber]^oIten fie im kleinen; t)on feinem fonberBaren Sott, feinem 
6ftrgerlt<i^en ober foiegerifd^en @cbraud^, feinem fremben ^iere tonnten fie 
l^ören, o^ne fein )>IafHf(^e^ 9ilb l^erjuflellen. @onf! legt er ben 9t5mem no<^ 
bte Neigung )u florlen @egenfa^n, gu leBl^aften (fonnifd^n) (Erregungen unb 
jur Ättegorte Bei. — 

!£)ie| ift alfo ba^ erfle, freilid^ mit nnf^erer $anb entnjorfcne unb nur 
in jerfheuten, gclegentlid^en W^t^n^ niebergelegte 93tlb t>om @ang ber ihinfi 
Bei ben S5lfem be^ Xltertl^umd. (Eine fd^Iimme Serjeid^nung !am in biefe^ 
9Ub Onrd^ bie ®Iei(i^fe^ung gen>ifrer ©tilp^afen mit %ationaImanieren, g. 9. 
be^ ar(^tfd^en unb ar(i^aifiif(Ben mit bem etru^cifcBcn. S)arau^ ergicBt fiif 
jnxierlei : einmal BleiBt nun für bie (Sried^cn nur ba^ gormooEenbcte üBrig, 
bad 9}einfd^5ne; unb ba^ gellten jeber ®pux feinet Sterbend fül^rt auf ben 
aBenteuerßd^cn (SinfoU einer aBftd^tlic^en Vertilgung il^rer gefammten £un{i= 
üorjcit. S)ann aBer ergiegt {td^ nun ein Kci} be^ ä^atl^fct^aften üBer bie 
(StruSfer; benn bie gange 9Rannic^faltigteU t)or))]^ibta{tf(^er @ttlnttancen, unb 
}uglctd^ bie ^alfte t>on bem ©cfammtfd^a^ ber @toffe^ aRotbe, S)arfieIIungd= 
formen gric(^if<j^r S^nft fällt il^nen gu. SBeld^e Stcgfamfeit fttnfilerifd^en 
§lei|e^; ttKld^ rafllofe^ äßeiterfheBcn, n>eld^e Snetgnung^fäl^igfeit frember ®age 
unb 3)id^tung gegenttBer! 9tod^ auf eine anbcre munberlid^ (Stgent^m^au^^ 
einanberfe^ung i^erftel er. 3)a er bem l^ol^en ©emeinfinn ber (^iec^n nur 
öffentlich äßerfe jutraute, fo mn^tt er aQe Reinen ^nflfac^en auf Kcd^nung 
romifc^ (Su)>erftition fe^en; unb e^ ifl gu oertounbem, ba§ i^m ber ed^t 
griec^ifd^ ©eifl in oielem t>on biefem Sram entging, ober bag er an feinem 
@at oon ber römifd^en 9iid|tig!eit in ber Äunfi nid^t jttjeifcl^aft »urbe. — 

SEBie {td^ auf beutfd^em Unioerfitat^Boben ein feiner £o)>f unmittelBar 
oor äBindelmann ben ®ang ber alten 9mift oorfleOte, geigt Sl^rifl*^ freilid^ 
etmad fd^ematif(^ Safel in ben HBl^anblungcn üBer bie Literatur (®. 43 f.). 
(Srfl fommt ,,ber feine gried^ifd^e ©til" oon ben alteflen ^txtcn Bi« auf 
SOeianber, unb )9on ba Bid @ried^enlanb burc^ rBmifd^e SBaffen feine ^eil^eit 
oottenb^ oerlor; bann ,,ba« geringere ©ried^ifc^" Bi« auf ben gSugfidlen 
SerfaQ, ni^t lange nad^ (Entflel^ung bed ftaifcrtl^um^. 2)rittcnd „ha^ gan} 
alle 9tdmif(^e^' Bid etioa auf ba^ (Snbe ber Mege mit 9ntio(^u$; „t>aß feine 
StSmtfd^e'' Bi« auf bie Sntonine; fünften^ „\>a^ geringere %5mifd^e'' i\» 
etma^ ftBer bie Briten (Sonftantin^ l^erunter; unb fofort ba$ ^^ertrSgUd^^' 
unb enbli(^ bad ,,fd^led^te'' Sl^gantinifd^, feit du^inian. 



I HO. «ttffon. 95 

§ 110. 

»uffon. 

Set bicfet Sein>anbtf(^aft in ©efc^mad unb ©rmtbgebanlen fonti man 
fi^ bod^ feine SRänner benfen, bte al§ ©ci^Tiftfleaet fo toenig Setnxtnbtf^ft 
Ifitttn, ate Sa^btd unb SBincfclmann. Sai^lu^ AKtt in einer 3<^it loo gute 
^tofaifer nid^tö feltcneö nnitcn, ein fel^r mtttelm&|igcr ©ctiBent^ fein ©til 
platt, ol^ne %nmut]^ unb @en>ä]^Ul^eit, et toax e(enfo nad^Iaffig fotmlo^ in 
feinen literarifd^en SRittl^eilungen, tote in feinem Suj^ug. äBer nad^ ben 
(Erfolgen be^ ©d^riftßelleT^ trachtete, mu|te 9Bind(eImannd Sorbtiber ü&er]^au)>t 
gang n}0 anberd fu(i^en, aU unter ben 9(ntiquaren. 

grttl^cr lourben 9Sind(e(mannd ©tubien ber neueren Literatur ertoSl^nt, 
Befonber^ SKontc^quieu'd. Unter ben toenigen, loeld^e biefem^ im ©lang be^ 
Xalentd, claffifc^er !Z)arfteIIung unb euro)>aif(^em Stu^m an bie @ettc gefledt 
tt3erb€n fonnten, ifl Suffon, ber SBindCelmann ebenfalls £ef(^&ftigt l^at, n>ie 
feine Xu^jUge aud oerfd^iebenen dal^ren (1750 unb 54) 6en)etfen. Wflan 
flellte Bcibe oft gufammcn, Semanb fd^rieB S3uffon TeBprit du style* ju^ unb 
3Ronte^C|uieu le style de Tesprit, 

(£^ !ommt l^äuftg oor, ba§ unter getrennten Sdlfern, aud^ o^ne jebe 
birecte Cintoirfung, aber in berfelBen 3<^it, gang ttBereinflimmenbe Äid^tungen 
unb 3been, litcrarifd^e formen unb (gntn)äife, ja öertoanbt au^fcl^enbe ^r* 
fönlid^fciten crflcl^cn: bie ^t\t fc^cint eine mäd^tigere SScbingung ber Äd^n« 
lid^fcit aW ©^jrac^e unb ©taot; (grfd^cinungcn berfctten 9iation au« oer^ 
fd^iebcnen ä'^irtäufen pnb fic^ frember ate glcid^gcitigc ßrfc^einungcn fel^t 
öerfd^icbenartiger Stationen. Äu« biefem @eji(^t«<)unlt erhalt Suffon in ben 
Präliminarien ber funjlgefd^id^te einen Pafc; ber ?JergIei(^ung«J)unlt liegt 
n>enigcr im ©til, aW in ber fd^riftfleOerifd^n SSel^anblung, Bcgicl^ungöttHtifc 
Ausbeutung einer biSl^ efotcrift^en SBiffenfd^aft in Uterarifd^sfttnfHcrifd^ct 
Stid^tung. S)iefe Analogie ifl ni(^t ad hoc gemacht: n)aS folgt, ftnb nur 
©teilen au« Suffon*« befanntcn gobrebucm, befonbcr« au« Sonborcct unb 
(Kttt)ier, C« »irb fid^ geigen, ba§ biefe (S^aracterifii! tt)cnig oerfinbert auf 
SSBind elmann Übertragbar ifl, ja e« ließen fld^ • fUr jcben ©afe fafl n>8rtlid^ 
ttbereinßimmenbe ^raUelen au« 8Bind(eImann« Cl^aracteriftilfen l^erfe^jen. 
9Kd^t ein ©^>iel oon Äel^nlic^lciten foH aufgefül^rt, fonbem bie 3citjignatur 
be« Suc^e«, feine (Eingebung burd^ ben litcrarifd^en B^^^B^^f^ ^^ ^^^^ 8^ 
fet}t n)erben. 

„VÜ Su^on'« (El|rgeig burd^ feine Berufung an ben föniglid^n ©arten 
auf bie Slatunoiffenfd^ft gelentt mürbe, fanb er eine uncrmeglid^e ©ammlung 
Don Seobac^tungen unb Slomenclaturcn oor; feine fcicntiflfc^e 'JJl^antafle 
enq>fanb ba« Sebftrfni|, unb fein ®enie fül^lte fü^ ^art genug, au« biefm 



96 S^M ^^' ^^- ^< (^äfiä^tt b€r jbtnfl. l. Präliminarien« 

gcrfhcuten (Slcmcnten ein ®^flcm ber 9tatur, eine Sl^eoric bcr (Srbc, ctn 
ÄunfhDer! bet ^pxadft ju gehalten. 2)ic6 SSäerf gu »oHfül^rcn, »urbc fofort 
bad einzige 3^ct eine« SeBen^ ununteiBroc^fcncr Arbeit unb ftctigcr (Srfolgc". 
!X)ie^ Untetnel^nien, bemerft S^nborcet, fönnte man fftt DeiiDcgen l^altcn, ba 
©ttffon'ö Äenntnijfc nur ein geringer JEl^l unfcrcr jcftigen (1788) toaren, 
tttib nod^ l^eute ba^ Untemel^men ein t>ermegene^ fein mttrbe. 9ber Snffon 
erl^ob ft^ über btcfe iBebenfl^feiten, bie bem biegen $orf<!^ unttbemjtnbßd^ 
erfd^tenen to&ctn, n>etl er ^if im 3)e{i( eine^ SDtittett tougte^ bie 3Renf(i^en 
}tt feffeln. 

,,9uffon befag ben großen @tnn für ba^ ®ange ber Statur, bie M^ 
mif(^e ^^ntafie ber griec^tfc^en %atnr))l^iIofo)>^en; er ging ou^ t)on einer 
j£otaIanfic^t ber Statur, er brang in bie Snfänge unb in bad SBerben; er 
erlaubte fid^ ben ©ebraud^ ber ^^otl^efen unb ber Serfa]^rung9n)etfe ßt^nfler 
®)>ecuIation ; aber er l^telt aQed Ueberfinnlic^e fern^ unb moQte, mie Sut>ter 
fagt, ben umfaffenben $Ian unb bie Sloquen} bed $ltntu^, bie tiefftnnigen 
Slide bed älrifloteled mit ber ®enautg!eit be^ S)etail^ neuerer ^Beobod^ter 
)9erbinben. 9Bo bie äRaterialien nic^ au9rei<i^ten, ^at er oft burc^ Intuition 
n>al^rgenommen (11 apercevait par la vuq de Tesprit) tt>a9 bie t^orfd^ung 
^p^itx atö !S^atfa(^e entbedte« Sr betoied ben SSSertl^ unb bie Ueberlegenl^eit 
be^ f(^ö)>ferifd^en ®ente^ oud^ in ben 2Btffenf(^aften, bie fi^ feit Bacon be^ 
fd^ieben Ratten; nur S)o(metf(l^er bcr Xl^atfat^n }U fein, inbem er eine SRenge 
ton 2:^tfad^en n)irflt(^ gab^ eine Stellte oon Problemen fleHte unb bur(^ 
feine grogartigen Slnfid^ten ber ^ette oon SerSnberungen, n>e^e bie (Snt- 
flel^ung ber je^tgen Srbe l^erbetfttl^rten, burc^ ben "SlaiftmQ bed S^f^^t^^^^^fl^ 
ber ®efc^5)>fe mit Soben uub^lima, ben @runb legte ju ben f)>Steren Snt^ 
beifungen. 

,,S)a« SRittcI aber, auf toelc^eö er bie Hoffnung biefe« CrfoIg« unb ber » 
S)auer feinet JBerfö Baute, nntr ber @til, b. 1^. bie fftnftlerifd^e !£>arftell[ung, 
auf bie er unglaubliche Sorgfalt toanbte. @etn 9lu]^m aU @d^riftf!eller UKir 
il^m »ertl^er wie fein Siul^m att Waturforfd^er". 3)ie Änjal^l ber Äenntniffe, 
bad finb Suffond Sorte, bie aRerfmttrbigfeit ber SE^otfad^en, felbfl bie 'Sltu^tit 
ber (Sntbedungen, fmb feine fid^re ©arantie bcr Unflerblid^fcit, — fie laffen, 
fbj^ teic^t entführen, übertragen, fönnen fclbfl gooinnen, in ber Bearbeitung 
burd^ eine glüdRic^ere $anb. 2)icfe !3)inge liegen auger^lb be^ äRenfd^n, 
ber Stil ifl beö ÜRenf^en felbft. Slber Suffon'« ®til ijl nic^t n)eniger ber 
Xu^rud feiner burd^auö noblen $erf5nlic^Iett, ate bed ©egenftanbd, „beffeu 
S^racter er annimmt''. 3)ie Harmonie feinet @tild tfi ni^t blog eine ^r- 
monie für ba^ Üffx, fonbem eine Snalogtc jioifd^ ©cbanfen unb Sauten; 
feine @&^ finb fonft ober ooOtdnenb, maie^ättfd| ober leidet je nad^ bem. 
®egenflanb feiner @d^iI6erung. (Sr malte, n)0 anbere nur befd^ricben ^tten, 



§ 111. 2)er erfle (Sttttourf. 97 

ballet nonxitc tl^ii 9RatmontcI beti ,,(5cIoriflcn bc§ @tite". ffir ttbcrr<if<i^te bic 
Sädt, tnbcm er bte gtoge Sercbfamfctt auf einen ©cgenflanb Übertrug, bem 
Pe biöl^er ganj fremb gcttjefcn »ar. Sr Befaß baö lalcnt, ein niii^t njeniger 
n)id^ttge^, M iai ber (Enfbeclung: anbem feinen (Sntl^ufia^mu^ ein}ufl5|en, 
fte }u jmingen, biefe(6en 8nfi(^ten anjnnel^men. @o gelang ed il^m ein 2Ber! 
3u fd^affen, ba^ bauemb geblieben ifl, obn>i>]^( man t)iele feiner @a^e al§ 
bloge^ ®)>ieln>erf er!annt ^t. (Er maci^te bie 9laturgefd^i^te gur ^o))ularf}en 
SäJiffenfd^aft, unb burd^ ganj (guri)^)a; er loermel^rte bie ^(äfl ber gorfd^er''. — 
dn aOe ftreife ber ©elel^rten brang bamatö bie| Seßreben, fid^ nid^t mel^r 
bloß an bie 3ttnfi6^n<'f!<^n i^ n>enben, fonbem n^c möglich bie grttd^te il^rer 
Krbeit betn Xent)>el ber 9lationaIliteratur ju n^eil^en. 9Bi{fenfc^ftUd^ mag 
ber (SetDtnn oft ein 2n>eifel^fter geloefen fein, aber ber mobeme gebilbete 
äRenfd^ ]^t baburd^ gewonnen — er ifi eigentlich \mx6f biefe äSBerle gefd^affen 
»erben — unb cbenfo bie 9iationalliteratur. S)enn ber ©d^riftfieHer mußte 
SReifler ber ©^>rad&e fein, um für fo ungcmol^nte ©toffe Darflettungöformcn 
}u gewinnen. 



n. Ctttjtetmig nnb ^lon* 

§ 111. 
Der erfle Cntttjurf (1756—59). 

3uerfl in einem ©riefe j>om 28. SWot>ember 1756 ttjurbe bem Su(^= 
l^anbler SBaltl^cr in 3)reßbcn beiläufig „ein fel^r n>eitlaufige3 äBerf, eine ®c= 
f(^i(^te ber Äunfl" angefilnbigt. «ber fo tmt auöfel^enb unb jeitraubenb bic 
arbeiten bafttr fein mußten, fo lna<)<> unb bttnbig follte baö 9u(^ felbfl ]^erau6= 
fommen. (gin „Keine« SBerld^en" follte ber „SScrfut^ ju einer ^iftoric ber 
Äunfl" njcrben, baö er im grül^ial^r 1758 ju 8ei))jig auslaufen 3U laffen 
l^offte; aud^ backte er ttjol^l einmal, t6 in Äom lateinifc^ (2Ri(^aeli6 1757) 
brudfcn ju laffen. Um alleö tt)aß jur Sunfl bi« auf bie barbarifc^cn 3^^^^^« 
gel^ört, beifammen ju l^abcn, begann er nun, „alle alten ©riechen oon neuem 
oöttig bur^gulefen". 3m SRärj 1757 ^tte er, toxt e« fd^eint, ju f (^reiben 
angefangen, aber bamal« f<^ien e« il^m fd^on „ein ffierf oon etlid^en S^xtn ; 
— benn id^ »erbe nad^ unb nad^ bte ©teilen, »eld^e bie Äunft betreffen, mit 
ben 3Wanufcri^)ten in ber Saticana oergleid^en; unb attbann n>erbe ic^ ctnxi 
ein SSonbd^en oon einem Singer bidf fd^reiben". — 

© giebt tt>enig SSBerfe, beren (Sntflel^ung man fo auf ©d^ritt unb Iritt 
pat^gel^en fann. 5Wan buri^fd^aut bie Iriebfebem unb bie D<)erationen, 
benen ein unflerbfid^e« ffierl fein Dafein, feine »orjügc tetbanft, bie SKotitc 

Ottfti, OHn(f(Imaait. IL 2. 7 



98 3^te9 enäf. II. 2)ie ^d^tc ber ihin^. 2. (Siitlicl^ung nnb fiaxL 

)>erfdnlui^t (SSfxVitU uub felBßlofer Scgetflcrung fftr bte Soc^, man Be- 
werft eine aQfctttge ®crgc bie, \t)it btc Statur, im @rd§ten unb im ftleinflen, 
im dnncrflen unb Xeu|eTlt(^{len gleid^ gegenwärtig \% man terfiel^t, in koeld^em 
@inn ein foU^ed Sßerl im erften SNoment fertig, unb in todi^ e^ in 
en>igem Serben begriffen i% unb enblicj^ fielet man, n)ie bie freie @(!^o)>fung 
bed @cniu$, mo fte ind materielle 3)afein treten miQ, mit allen 3Riferen ber 
(5tbe l^anbgemeitt ttjerben mu§. — 

X)ie ©lieberung biefer erfien ^nflgefc^id^te mar einfad^, ba$ antiqua- 
rifc^ S)etail quantitativ gering. HBer bie aOgcmeinen @&^e (über ©d^onl^eit, 
@ttl, Urfad^en bc« %Ict^ ber Äünfle u. bgl.) flanben fd^on aße ba, fertig Bi« 
auf bie Ic^tc geile. IDieg Bemeifcn einzelne, bamaW Brieflid^ ntitget^eilte 
JPbf (Quitte, i. 39. »on ber boii>^>clten ©ratie (28. OctoBer 1757), öon ber 
Äunfl ber $>ctruricr (10. SDeccmBer), Dom Urf^jrung ber funfi (5. geBr. 1758). 

Die Anfänge bc« 3BerK gelten nod^ tiefer jurüdf aW ber 28. 9Zi>t)emBer 
1756; fie fallen gleid^ nac^ feiner Änfunft am liBerftrom. Die 9Warmor= 
Bilber 9tom« ^Bcn il^m Beim erfien Scfud^ il^r ®e]^eimni§ anvertraut. Die 
litel ber bamate oft angezeigten aBer nie »ottenbeten ©d^riften l^aBen, att 
flcinc 5ReBenfltiffe, ben ©trom be« $au^>tn)cr!ö vcrfiärft. „Sd^ l^aBe fel^r toicl 
enth)orfen, fd^reiBt er ben 5. geBruar 1758, tvelc^eß gum S^cil unnüft, gum 
Dl^eil aBcr Stoff gegeBen l^at ju bem SBcrfe, auf toclt^eö id^ nunmel^ro ein 
ganje^ Oal^r gebac^t l^aBc". 8on ben Sefd^rciBungcn ber ©tatuen im S5eIoe= 
bere n)urben bie Beflcn audgefud^t, unb • atö föfllid^fler ©c^mud ber Srgal^lung 
ber ^nftgefd^ic^te eingcfc^altet; btefe (S)>ifobcn l^aBen ni^t n>enig )um (Erfolg 
M SBerfc« mitgcl^olfcn. Die für fie unternommenen Unterfuc^ungen — in 
S3etrcff ber 3<^itBejltimmuttg — nxiren e^ auc^ genjefen, ioclc^e il^n auf bie 
Sbee ber Äunflgcfd^ic^te gcBrad^t l^atten. ?lBeT er pnbct nötl^ig, mit lefttcrer 
ben Anfang ju ma^en, n)eil bie anbcrn ©c^riften vielen gcfern unverjianblid^ 
gctoefen fein würben (12. 9Wai 1757). ©gentUd^ l^attc er fld^ fo Beeilt mit 
biefcn (Entwürfen, weil er gcfunben, „ba§ c§ unumgSngli^ nötl^ig fei, an 
bem £)rtc felBft gu fc^reiBcn; bie großen Vergeltungen feiner Sorgfinger 
rül^rtcn meifi bal^er, baß il^nen erfl nad^ il^rer 8tü(f!el^r auß Italien ba6 
©(^reiben eingefallen fei". 

(Sin nüglic^e^ Sorflubium waren bie entworfenen ^efc^reiBungen römifc^r 
SiUen unb $al&fle; burd^ fie gewann er bie UeBerf^t be« Denhnfilervorratl^d, 
er übte fid^ in jener gleic^ocrtl^eilten Äufmcrffamfeit, gu wc^er ftd^ ber Blog 
geniegenbe, ober ber von Beflinraiten '^roBlemen verfolgte ©etrad^ter feine 3«it 
nimmt. Die ©c^rift von ber (Ergänzung fdrberte bie fritifc^e ©fiuBerung ber 
trabitioneUen Benennungen. Surj äSindfelmann unternahm bamate für bad 
il^m vorfc^wcBenbc eine ängal^l jener SSorarBeiten, mit bereu $)crflellung — 



I 111. 2)e¥ etße ®nt»UTf. 99 

aU SafU einer jhinfigefi^^te ber S^^^f^/ ^^ j^^ 9<^^ ^'i^Ic ^&nbe Be« 
1<j^Sfttflt finb. — 

"Sehn erneuten ?efen ber Duetten, ^ufania^ obenan, li>flegte er ©tetten^ 
bte trgenb»el(^e Vfat^aöftn, Xl^emcn, l^tflmf^ unb äfll^ctif^e äSemerfunflen 
entl^telten, auf blättern mit Uel^d^riften, bte ben ©emt^unlt ber Se^^ 
nn^ung angaben, ondjujiel^en. *) S)tefe fünfte folgen ol^nc Drbnung, n^ie 
bte Seetüre fte an bte ^nb gab. £)bn)ol^l er ^on frftl^ oon bem @ebanlen 
eineö ,,@t>flema" bel^rrf^t »or, fo t>erf&l^rt er bo^ l^ier nad^ einer fo breiten 
äßetl^obe ber WfXfoxi^mtn, aU l^abe e^ mit jenem ©i^flem leine gro^e- (Eile, 
gemig 3um @en)inn be^ 993erK, benn n>enn bad ®^fiem einmal baftel^t, fo 
Pflegen bie genfler ber freien Beobachtung fu^ gu fd^lie^en. 

dene @eftd^td^unlte n)aren au|erfl mannic^faltig. SBir finben in ben 
gufSHig erl^altenen Stattem neben SRotijen über Ärd^itectur, über bie ^n- 
^anbe alter Staaten in gen>ifFen (E)>od^en (unter ber Ueberf^ift StatuB, j. 9. 
Graeciae gnb Sylla), 92a(i^ri(^ten über ffc\t6)\^t ilRarmorarten, über ^oI}= 
ftatuen, Rennen, Sergolbung ber $aare, begeici^nete unb eingefe^te Sugen, 
®ruii>^>en au« einem ©tüd, Politur, gemer bie litel: ©iegerflatuen mit 
^ortrStfil^nli^Ieit, toom Sbcal in ^ortrat!ö^>fen, üon ber Älugl^eit ber ftünjHcr 
in Serbedung ber gel^Ier ber 3latur, oon Statuen mit 3nfJ^riften, oon 9ilb= 
Iranern, nnrl^e il^re ©tatuen ju il^ren SEBerfen gefegt, t)on f(^on tor älter 
3eit ijerftümmelten ©tatucn, oon antifcn So^)ien alter ©tatuen, t>om Urtl^eil 
über baö «Itcr ber Äunfhoer!c. 

gemer, oon ber ©elegcnl^cit ber alten Äünfiler bie ^bnt iRatur gu 
fc^n, oon Sicbcnbingcn in ber Äunfl, tom Sbeal ber gricc^ifd^n ftünplcr^ 
oom SBettfheit in ber SKalerei, oom 3^italter ber f^aalen (fatal) SJad^l^mer 
unb "ipiagiarier. Cnbli^, bag bie SWalcrei \>\d \pattx att bie SSilbl^ucrei 
em)>orgeIommcn , oon ben 99ilbn)erlen n)oran iDIaler gel^olfen, oon ben 
Äünpiem, »eld^c 2Kaler unb Silbl^auer juglcic^ gettxfen. 

Xnbered bejiel^t fic^ auf grie<i^ifd^e ©itten, n>eU^c auf bie jhtnfi; Si<j^t 
^rfen, }. 93. de praerogativa et praemio pulchritudinis; über (Srgiel^ung 
unb Unterri^t; bag SEBorte bie bei un« für obfcSn gelten, e«. bei ben ®xitiftn 
ni(i^t »Ktren; (£l^renbe}eigungen gegen berül^mte 3Ranner; 3^^^^^^ ^^^ ^ten 
in Serlünbigung eigner arbeiten. 

3)iefe Sl&tter betätigen, bag Sßindelmann be}ügli(^ man<i^r fünfte 
Knfialten n?ie für eigne Xbl^anblungen mad^te, bie fc^Iiegliii^ mit einem ©a^ 
abgetl^n tt>urben. — 

Die giebe, mit ber ber Autor an feiner ©d^rift l^ing, oerrStl^ ^d^ in ben 
)um Xl^il aufo)>femben, mannic^faltigen Semül^ungen für il^re Sottlommen» 

*) 3n ber ^arifcr ©ammlung 4269, 83 ©tatt; 4257 Collectanea ad historiam 
artiB, 36 8(att meift ou9 $aufania9; oud^ 4259. 

7* 



100 3^t^^ ^^^' ^- ^i< <^^^tt ^ ibtnfL 2. entpe^img unb $Um. 

]^U, ton äRebttatton rntb SoTf(i|ttng, ßteraTtfil^nonuntentalem %)it><rTat an 
li§ auf gorm unb auöfiattuug. (gr l^attc offenbar im Sinn, cm (Scfd^id^t«^ 
ttert in ber SlTt bcr Slten ju liefern, eine^ bad fic^ bauem)) Bel^au)>ten unb 
bem Sood aller (Erjeugniffe einer noäf in S3en)egung Begri^enen äSiffenfd^aft 
entgel^n follte. 

(£r n^iQ pKst „mSft9 mit )tt)ei äBorten fogen, wA mit einem gefc^d^en 
fonn , »0 ed aBer auf eignet S)enlen, unb auf 9ef ^leiBung im l^ol^eren @til 
anbmmt, fid^ audlaffen^^; bcnn fein SJorfo^ ifl, ,,ein ooDfonraiened Sßerf )u 
liefern, unb bad S)enlen unb bie S^dnl^eit ber ©ebanlen unb ber ©d^reiBart 
auf^ ^Mffbt }u treiBen, ... ein SSert, berglei<^en in bentf<!^r ®pxaäft, in 
nxid oor 9rt e^ fei, no(^ niemals an^ Sic^t getreten; um ben 3lu$Iänbem 
ju jeigen, toa^ man bermBgenb ift ju tl^un'^ — 

^tüfcn 93U(i^m gegenüBer — Bei bereu (Sntfiel^ung eine Xufregung ber 
^^antafte, eine SRaffe )>r&fenten ©eb^tnigoorrat^d, eine Sonccntration ber 
3)cnlfraft flattfinbet, bie il^rcr 5Ratur nad^ nur oorüBergel^enb fein tonn — , 
ifl i9 bem Sutor erlauBt, nad^l^er, in ber (SBBe ber getool^nlic^en ©eifte^^ 
oerfaffung, fiäf fcIBfl gu Bemunbcrn, loorin man fonft, mit l^eonorbo ba Sinei, 
ba6 3^^^^^ ^^^^^ \(Sfttxiä)ta ©enied erlennen n)irb. S)enn ber gro|e @dft 
fielet üBer feinem S&er!, unb foD ft(^, n>ie ©eroinud fagt, gum @<^reiBcn 
ni^t erl^Ben, fonbem l^eraBIaffcn. 

„9)tiT ftnb, f(i|retBt er im 9Rai 1758, nic^t oiele Wäftt Bcfannt, in 
tt)clc^en fobicl ttjiti^tige ©a^en, frembe unb eigne Oebanlen, in einem n)ttrbigcn 
Stile g^agt ftnb". Der f(^nc ©angcr S3elli l^atte Qüfxd^lt, aW er in 9iom 
jum erflenmal auf ber Sfil^ne erfc^icn: bie dornte foQen erfal^ren, toad 
®(^9n]^eit ifl unb fann. „Q^ n^ttnf^e, bag man au$ meiner ®(^rift lerne, 
mie man fc^rciBen unb mürbig fid^ unb ber ^a^toelt beulen foU. ... & 
tt)irb bie l^fie 33eIol^nung fttr mici^ fein (fc^reiBt er ©tofd^ am 27. duli 
1758), n)enn i6) ber Slac^melt toihbig gefd^rieBcn ju l^aBen crfannt tt)erbe". 

(SBenfobiel @orge mochte i^m bie äuöflattung. „35er Serleger fott ben 
jDmif ouf^ afier^jr&d^gfle, mic idf e« il^m öorfc^reiBcn »iO, oeranflalten". 
ffiie fröl^ tüSre er gemefen, wenn mirfüd^ Sitte in ^ariö (»ie einfl Oefcr) 
fid^ baju Derflanben ^atte, einige ber 3^i<^nungen ju flecken! (J 5. 3uni 1 757) 
2)aö 25ud^ »ttrbe baburc^ fcl^r foflBar gemorbcn, aBer aud^ ber ®<^ecre ber 
(Sammler anl^eimgefatten fein! SB&l^renb bcr Keife naäf 3lea<>cl oerf))ra(i^ 
SÄcngö, bie angelcgenl^eit ber 3cid^nungcn ju Beaufflc^tigcn. ör glauBte 
fteBjel^n Vignetten nStl^ig ju l^aBen (5. Stugufl 1757); nur feltene unb no(!^ 
irii^t gejlot^nc ober fong Betonnt gemad^tc ©aörelicffi fottten genjSl^It nxrben, 
tl^ttt bie er felBfl Bef))ro(^n, tl^itt bie ed fonfl oerbienten. dm Suguf} fottte 
Begonnen »erben, im StooemBer toirb baran gcarBeitct; er gn>cifclt, oB man 
in ber ®d^n)ci3 gefc^idftc Sünfllcr l^aBe, bie 3«<^ttw^flcn, an toelAen er n)eber 



S 111. 2)er er^ (Snttontf . 101 

Äoflcti nodf gicig f^xttcn n>otttc, »cnigflcnß S^en ju laffcn. „Sif tDiH m 
bcm erteil SBerIc »on feinet Art in neuerer ^tit unb in einer ^iflorie bcr 
^nfi bed Xltert^md mu^ nid^t mit beutfd^n BarBarijc^n ober franjöfifd^ 
^roeensSiguren Befd^anbffcdfen" (6. Dct. 1759). !Cie «Umlagen fftr biefc 
^fer, mit Xu^nal^me berer auf ben S^iteßlSttem, t>erlangte er )>on SBaltl^er 
oergtttet. 

,,3BindeImann, Bemerft S. 93. ^U^tl, legte ungemeinen SBertl^ auf bad 
Äcu^ere. litte feine ©<!^riftcn, fettfl bie Heineren «Bl^anblungen, flnb in 4^ 
erfd^ienen, in großem leferlic^em S)m(I unb mit ^ferfiiii^en toer^iert. 31^ 
bem aRa^aB bef[en, n>a^ man bomatt im t^ogray]^if(!^en ^aif }u leiflen 
gemo^t »ar, jeid^nen fie ^^ t^ortl^il^aft aud. S)iefe @orgfaIt auf n^ütrbige 
gorm ifl nid^t ol^ne (Sinfbt| auf il^r. ®(^i(ffal gen^efen. SB. erüarte baburd^ 
ftiOfd^metgenb , bag fie nid^t BIo^ eine Unter^Itung für ben S(ugenBIidf^ 
fonbem ein Seft^tl^um für bie üDauer fein fottten, unb ber (Srfolg l^ot feine 
anf<>rtt(^c IttoSffxt". 

(Sine Beflanbige SeigoBe ju biefer jai^relangen Sefd^aftigung n^oren bie 
^anbel mit bem ^ofBud^l^anbler Sßaltl^er in S)re^ben. !Z)a feit "^ohfttaM 
nun einmal auf <iQe menfd^It(^n Sreuben ein !DSm))fer gcl^Brt, fo mllffen 
tüix e9 in Drbnung finben, ba^ aud^ Bei einer, fonfl in dien il^ren $l^afen 
ben Serfaffer fo glttdflid^ mod^enben XrBeit aI6 2)am))fer ein fon. ))oInifd^r 
©el^eimersSommerjicnratl^ auftritt. 

2Bin({eImann, ber t>on (Sarl^Ie'd Seigre nic^td gen^ugt gu l^aBen fd^eint, 
,,ba^ @(^n>eigen bad (Element ifi, in bem gro^e S)tnge fld^ }ufammenge{lalten'', 
ber feine (Einfälle in S9e}ug auf Steifen, Sudler, Berufungen mit bem nSc^fien 
^ofttag gleichseitig n^omöglid^ in atte oier Sßinbe au^}Utrom))eten )>f(egte, 
l^atte t>on bem nod^ ungelegten (5i biefeö feine« tt>id^tigflen 3BerW juerft an 
feinen Verleger gefd^ricBcn, Balb nad^l^er auc^, im 9Rai 1757 einen f8rm= 
Gd^en äntrag folgen laffen. SJiefe ooreilige S5er^}fSnbung feine« SBort« l^atte 
er Balb au« mel^rfad^en ©rttnben }u Bereuen. 39ei bem bamal« f(^on au«:: 
geBrod^enen ^ieg«Branb l^atte er leinen un)>affenberen SerIag«ort al« eine 
fäd^ftfd^c ©tabt tüoi^Icn fönnen. ÜCa« grfc^cinen be« SBerf« njurbe baburc^ 
um mcl^rerc Saläre »erjögcrt. üRitten in feiner Ärmut)^ unb Bei ben fcIBfi= 
gcmad^tcn unb fortbauemben Unloflen toitt bicfe« ,,Äinb im ^nbel" ,,feinen 
gcttjiffen $rei« Bebingen"; ber fflud^l^onblcr miJge i^m, „nad^bem ber SlBgang 
fein werbe, nad^ SelieBen ein ©cfc^enl mod^cn, in @elb unb anbcm ©ad^cn". 
aiBcr bamal« fci^ien il^m neBen bcr leB^aften ©c^nfud^t, feine ärBeit „auf« 
aller^)räd^tigpe »ie bie S3reit!o<>f fd^e Drucferei fä^ig ifl" gebrucft ju fel^n, 
aflc« anbere SReBcnfad^e. 

ai« er Saftiger ienen Antrag machte, • mar er Bereit« mit SBiffe unb 
ben 3ttr^c^ i^ ißerBinbung gelommen. (Er Benuftte^ bereu Sorfd^lSge ju 



102 S^ndM en^. II. 2>te <8ef^d^te ber Ibntfl. 2. Sntfkl^ung unb $(dtt. 

einem ßcfinben Drud auf jenen ®cf(i^5ft«niann. ,,3)ie faiferfi^e Äcobemie 
)u Sug^BuTg ^at nttt buit^ ^erm SBtOe in ^rid einen Sorfc^Iag tl^un 
lajTen unb fi(i^ erboten, e« auf^ ))TS(^ttgfle bruden }u laj^en unb für ben 
»ogen einen Ducaten ju jal^lcn. & finbet jld^ auc^ in 3*^^ «i« *tt^= 
l^Snbler, nieder bieUetd^t nod^ l^dl^er gel^n n)lhbe: ed ift mir aBer ntc^t um 
ben fel^t geringen ®ett)tnnfl ju ti^un". Do(^ l^atte er nun gar gern fein 
©u(^ im »ePft jener njarmen, tl^&tigen greunbe gefeiten; unb nad^ monate= 
langem SBarten onf Änttüort l^ielt er ^äf Bered^tigt (e^ ttxir furj »or ber 
ÄBreife no^ lo^cana), ba« SKanufcri^t ©e^nem, gßfeli'ö ©d^toicgerfol^n, unb 
gtwir ol^ne (Sntgelb unb ®cgcngcf(^enf ju üBerlaffen, ba« follte fein 3)anf 
fein : „iäf cntfc^Io^ m\&), i^vx meine ©d^rift ju fc^enfen, ba« ÄIIerlieBflc h»« 
iif l^aBe unb gcl^aBt l^aBc. 3(i^ mac^ ©. (Seiner feine anberc ©ebingung 
att eine gewiffe gcfcftte «njal^I (gjcnn>Iare''. Qx tl^eiltc biefen !8cf(^Iuf 
SBaltl^ am 26. @e)>tcmBer 1758 mit unb fmi^te il^n mit ber Ser^ei^ung 
ber jtt)eiten, genji^ Balb nötl^igen, unb fel^r ertt)eitcrten Auflage ju BefSnftigen. 
(Sr ^atte inbe^ bie 9le(i^nnng ol^ne ben 9Birtl^ gemacht, al& er ©tofd^ um 
biefcIBe ^txt anWnbigtc: ,^meine ©ii^rift tt)irb ju ä^xäf unter Auffielt 
$. ^%lx% ©tabtfc^reiBer« be« 8tatl^« gcbrudt tt>erben". 

(Ed Tam il^m ateBalb bie SRittl^eilung ju, ,,ba^ ed bem ^ofe mißfallen 
tt)ttrbe, tt)enn er, jumal in ben je^igcn 3citl5uften, biefe ÄrBeit in ber ©(j^tt>eij 
bruden ließe, unb baß er äffen Serbac^t einc^ ^)rcußif(i^en ^erjcnö (rocld^c^ 
man mir mit Unrecht ©d^ulb gieBt) toermeiben muffe" *). SBaltl^er gaB cor, 
er l^aBe fc^on bie "^Jrimlegia barüBcr erl^altcn, auc^ öerfic^erte er, ^agebom 
»offe für baö 95uc^ ©orge tragen, unb bcrf^>ra(^ eine 3^^^"^ f^ "^^^ SBogen. 
„Od^ tmdfc gar Uic^t bcm erflcn (Sinbrude, unb ic^ berf<)ra(^ ben SJcrlag 
^. ffialt^cr". 

ate er im Anfang 1758 nad^ 9?ea^>el rciflc, fel^lte nur „bie letjtc ^anb", 
Bcfonberö am ©tüd t>on ber 2BaIerci; in loöcana fuc^te er einzelne i^m 
fcl^lenbc Siac^rid^tcn üBcr etru^cifd^e Äunfl. Um feinen Jfo^>f frei bon biefer 
©orge JU mad^n, miff er Cnbe ©c^>tcmBcr fd^ließen unb Anfang ffiinter bie 
anbert^lB aft)l^aBete flarfe ©d^rift unter bie ißreffc Bringen. 9?od^ bon 
glorenj au« üBcrmad^te er SSJaltl^r ben crflcn (f^flematifd^cn) I^eil, nnirtete 
aBer mehrere 9Wonatc lang ücrgcBcnö auf ÄntttMjrt. SBaltl^er tüar mit ber 
©d^rift nid^t gufricbcn, fte fc^ien il^m ju Hein. S)cr Autor mar in großer 
Unrul^c. att nun ein 93rief $>agcboni« anlam, ber bie Cinlabung bcö ?eij)= 
jiger »ud^l^anblerö X\^ üBermfttcUe, «uffSfee fttr bie „SiBliot^cf ber fc^öncn 



*) 9ladft bem Soumol mue^ bom 6. ^ot>mUx 1759 fd^heb Pßti: aue M. Win- 

okelmann a rcQU ordre de la cour de Saxe pour faire imprimer son nouvel ouvrag« 
en Saxe, et non ailleurs. 



§ tlU ^r erfU (Snttonrf. 103 

SBiffetifil^ften'^ ju fii^reiBcn, unb einen goui^bor fftr ben. Sogen Bot, fo 
entf^tog et ft^, 3)^ bte ^anbf^rift }u ttberlaffen. (Sr ISgt fte dfo äBalt^er 
aBfotbem unb nac^ Set))}tg fd^icfen. „^äf fuc^te Seute, n^elc^e mit entgegen- 
lamcn". „1>tx etflc S:^il, f^tciBt et ben 18. Äugufl, liegt fd^on feit einiget 
^^xt in 8ei<)jig, um gebtucft ju metben". 

ÄBet SKonate lang l^ottte et »etgeBen« auf Änttoott. 3n bem ®e= 
n)in jtt>eifelnbet, aufgetegtct ©ebanlen untettoatf et bie Sad^e einet neuen 
<hn>&gung. (St na^nrben jutttcTBel^ltenen l^iftotif^n Sl^il bed 3)tanufcti)»td 
3ttt ^nb, unb lonnte fUtf nid^t entl^olten, ein Sa)>itel nad^ bem anbetn um- 
juatBeiten. Stafc^ teifte bet Sntfc^Iug , bet ganjen 3(u^gaBe (Sin^It }u tl^un, 
unb eine neue SeatBeitung totjunel^men. S)utd^ ba^ (Stfd^einen bet 3)ef€ti))= 
tion njat fftt bad 9tenomm^e oot bet $anb gefotgt, aBet biefe StBeit l^atte 
il^n au^ ,,t>iel ftügct gemacht'', et möchte ed nun „^o ffod) tteiBen, nne 
mdgli^''. (St fud^te alfo bie $anbf(^tift t)on 2)^(1 jutttdjuBcfommen (duli 
1759\ et moDe fte nie im !Dcutf^en and Sic^t fieOen, lieg et fagen, obet 
fle n^nigflend t^BQiget au^tBeiten unb alAann auf eigne Ifoflen btudfen 
laffen. (Sin (Sonttact mat ni(!^t gemacht n)otben; ^^nod^ bem tdmifd^n unb 
ntttnBetget Äed^t ifl t§, »ie man mit fagt, ba« SKeinige". 3m SöK »on 
@<i^n}ietigfeiten backte et batan, fle bem (Sl^nt^tinjen ju f dienten, ,,bamit' 
bad ®pid ein (Snbe ]^aBe'^ ,,2)ie Seute toaten ed nid^t n)ett]^, na^ bem 
(SoangeÜo''. ,,8Iutfauget" nennt et bie S9u<^]^&nblet, ,,S3eflicn, bie il^n um 
feinen Blutfauten @<^n)eig Btingen n)oDen'^ (St ffitd^tet, ,,bag eine $anbooO 
S3l5ttet, butd^ SSotfd^uB gutet Seelen, meldte biefelBcn oot ben ÜRaufcn Be= 
ttKil^tt, gebtudft n>etbe. 3n einem 3lefl t>ott üRagiflctö (?eipjig), bie nic^t 
,tt)iffen, n)OOon fte fd^teiBen trollen, fielet betgleid^en SEBaate in ©efal^t". (St 
et^ielt bad 9Ranufcti))t t>on 1>\^9 9Bittn)e o^ne @d^n)ierigleit )utttd(, unb, 
„in ben ffMffi Bcbtängtcn Seiten", btei fd^öne l^ottänbifd^e Ducaten ^onotot 
baju. (St »at nun „äugetfl Befc^&mt, baß et bieg ^onotat gcfotbett ^atte ; 
id^ l^Stte bad ttBetfd^icfte t)etbo)>)>elt ald ein ©efd^enl jutttcfgegeBen, toenn ed 
l^atte fftglid^ gefc^^en fönnen". 

«Bet jugleid^ l^atte SBalt^ct, bet t>on bet UeBetgaBe beö 9Wanufcti<>t« 
an S)^ geT^ött, feine ?lnf<)ttt(^e auf« entft^icbcnfie etneuett (©ejptemBet 1759), 
et inftnuttte, bag SBindetmann ed t>on i^m }utfld(ge}ogen l^aBe, „um ein pacct 
2:i^alet JU etfd^leid^en". @o entfd^log et fld^ bcnn bod^, aud^ bie jmeitc 39es 
atBeitung äBaltl^ct ju laffen (7. OctoBet 1759), angeBlid^ (auö bet 9tot^ 
eine 2:ugenb mad^enb) „au9 feinet anbetn Utfac^e, al9 um fein SBott ju 
l^alten", mit bem SJebing, bag et il^m bie Äu<)fet unb 3«i<^w«wgen etfeftc; 
im flitten aBet badete et, bag „in einem 3a^t t>iel SJaffct aBlaufe'S unb 
bag et fie, „n)cnn gtieben tt)etben foOte, auf feine Äoflen in »etlin btuden 
laffen Bnne"; fonft aBet „»oHe et il^m ben a)tu(! fo foflBat machen butc^ 



104 S^o^M Bud^. II. ^i€ <9cf<^te bcr fonfi. 2. (SntjU^nng unb ^fon. 

toic ÄiH^fcr, baß et cntocbct alfttf^tn, ober attcd Don ^flcr ju Pfennig 
Bejal^Un foQe''. Qx txffidi ott(j^ burc^ ^gcbom ba6 iWanufcri^t }ittücL 



$ 112. 

3n)cite »carBeitung (1759—61). 

liefet Sem>iTrung Deibanfen n>tr ben Se{t| bev Sunftgefc^id^te in einer 
mel oodenbeteren @eftalt. 9tö er ba^ SSkrf loiebet Dor 3(ugen nol^nt/löfie 
e^ ftc^ il^m unter ben ^nben auf. (Spattt )nric^ er ba^r jene Störungen 
Ott ein &Vkä, — ^^benn Üf mad^te ein neue^ <Btffttma, unb nxirf bie gonje 
@<^rift um, au(j^ au^ Seforgnig ba§ biefelBe ntdc^te abgefc^rieben fein, unb 
ol^ne mein Siffen gebrucft n>erben fönnen''. @anj natihrfni^ mu|ten bie 
ßenntniffe Bei einem 9Renf<^n, nxb^er auf einen $unft ad fein 3)enten, 
©nd^n unb liefen gerid^tet l^atte, in einem dal^re ungemein nxui^fen. „Sldf 
\fait in ©efeUfd^ft bed Sarbtnald XIBani ... unb Bei ben erivünfd^ten 
@eIegen^Uen, bie vodKx grembe noc^ SZomer ^Ben Tonnen, fe^r Diel mel^r 
erfahren unb nac^gebac^t . . . 3(^ fann fagen, baß nic^t Ux^t ein iDtenf(^ 
fototel unb fo oft unb mit fo bieler iBequemtit^feit aK id^ gefeiten, jumal ba 
i(^ SBagen unb $ferbe in meiner ©enxilt l^Be, unb mir aDe^ geöffnet mirb. 
& fei genug }U fagen, bag i^ fieBen dal^re mit aflen Benotl^igten {^ülf^ 
mittein, bie niii^t leicht demanb gel^Bt l^t nod^ l^oBen mirb, an berfelBen 
gearBeitet" (18. geBruar 1762). 

Xa er nun fii^on ate antiquarifd^e Slutoritat galt, fo fofiete ed il^n 
(eine (SelBftoerlougnung, „Be^utfamer gu oerfal^ren ... mit einem %}X% oon 
3Jlei JU gel^n''. 9Wit einem 333er!, weld^Ö bafi erfte in feiner Art fei, 
tonne man nid^t langfam genug gelten: „i(^ ^Be, fc^reiBt er am 19. ®e)>= 
temBer 1759, feine (gile mit berfelBen, fie fott nod^ einige 3a]^rc liegen. . . 
9Kein Vergnügen foS fein, nod^bem fie in otelen äRonat^ffBriften angeRtnbigt 
»orben, pc für mid^ gu fcfcn, unb ju njiffcn nnid anbcre nit^t toiffen unb 
benfen mögen". 

äl« er nod^ ©eenbigung ber (Sorrcctur bc5 ßatalogö im ÜRai 1760 
bie SrBeit n^ieber aufnal^m, entn?arf er ben jegigen fel^r betaiStrten $lan, 
gu beffen äufifül^rung er gtoei Ool^re nötl^ig l^iclt. „SRcin tl^eurcr Seiner, 
mentg SKenfd^n ^Ben n^ie id^ ®clegen^eit unb ^gierbe gel^aBt, bie Stter- 
tl^ihner unb Sunft . . . gu erforfc^n, aBer ic^ Bin n>ie jener Sänjer be§ 
Sntert^umö, toeld^er Befianbig ging ol^ne oon ber Stelle gu {ommen. 9Ror^ 
gen oettt)erfe id^ gutt)ci(en toxi« id^ gejlcm richtig erfanntc" (25. Ä))ril 1761). 

3m 3uß 1760 »ar fd^on „ein gan^ anbcre^ 3Bcr!" barau« geworben, 
„älnfangßd^ toar biefe @efd^id^te ein ^anbBud^, jefjt ift biefcCbe ein äSerf ge? 



§112. B^u Scarbotung. 105 

»ixben''. dm ®ommcv 1761 ftanb er }um jiDeitenmale tor bem Sßfc^Iug^ 
ajiKd^aelt^ foOte ber 2)TUd Beginnen. ISDte pKitt nea))elf^ 9ietfe Btod^te 
93ef<!^Tet(ungen ber neuen @emälbe. (Et mnnbcrte fid^ \dhft fiBer bie j^ennt« 
niffc, bic er in biefcn legten brci Oal^ten ettoorBen (27. äWatj 1761). 
,,Scnn ©ie biefe SlrBeit Ittnfttg feigen n>etben, fo tDttb e^ dienen nnb anbc? 
Ten lieB fein, bag id^ fo lange batan getftnftelt l^Be'' (an (Stofc^ 30. Hu- 
gttfl 1760). 

SBal^tenb bem ging bad 3^^^^^ ^^^ Stechen immer fort. (Eine Sig« 
nette (ofiete i^ ticr 3^<^iif^n* dm OctoBer 1750 lieg er an ber vierten 
platte arbeiten, — ,,unb i(^ n}erbe fortfal^ren aM Wiß xä^ erfii^n^ingen 
lann, an biefeö mein (BrBtl^eil (benn fonfl l^aBe xi^ ni(^t«) ju tt>enbcn". — 

äBieoiel l^ätte er barum gegeben, tottin er ben äRann in 3)reft)en I^Stte 
lo9n>erben fönnen! !(I$ bie ä3raunfcl^n)eigeT HntrSge bie Sludftd^t eröffneten^ 
,,mit au^n)Srtigem Seiflanb fein SeBen no(^ einige dal^re in -StaGen in 
Stulpe l^injttBtingen'^ fntt^fte er fogleiii^ bie Unterl^nblungen mit ben 3^<^nt 
n)ieber an. !£)a er nun nidft nadi Sad^fen }urtt(flel^re (fo re^tfertigt er ^ii^), 
fo lönne er bie (Sd^rift nid^t unter feinen äTugen bruden laffen; e9 fei aBer 
ni(!^t möglid^, fte au$ ber Entfernung ju Beauffld^tigen; aQe ^ofltage toerbe 
er 2U erinnern unb ju crHärcn l^aBen, aQe gebrudKen Sogen muffe er }ur 
Anfertigung bed 9iegifierd l^aBen. %U jene^ ^roject fl(^ jerfd^lug, fd^rteB er 
»icber an SSJaltl^er, ber eine ^tdfxrx^ für ben 83ogen Bot. 3m IBecemBer 1761 
fc^idt er jmei ^fte aB burd^ ®raf Strmian unb ben fS(^fif(!^en ©cfanbten 
in SBien; im 3Kai n^urbe il^re Stnfunft gemelbet. ©eitbent toar il^m fein 
SBcrf für Saläre au« ben äugen gerüdfU 

3n3n)ifd^en Hangen bie Äriegöbc^>cfd^cn immer BcbenHid^cr. „Der jus 
ncl^menbe ©clbmangel in ©ad^fcn, fc^reiBt er ben 18. 3funi 1762 an SJoI!= 
mann in ^amBurg, Ia§t mi(^ Befürd^ten, bag nid^t aOein ber S)rud merbe 
gehemmt »erben, fonbern aud^ bag id^ für alle meine ÄrBeit ganjer triefcr 
äal^re l^inburd^ fd^tt>erlid^ baö geringe ^onorarinm ju l^offen l^aBe". (Er Bot 
nunSSoIfmann, il^m einen Serleger in^amBurg ju fud^en, feine ©ebinguus 
gen feien: ®(^rciB^>a<)icr, grögtcfi gonnat (tt)ie (Santemir« ©efd^id^te ber 
©röfec unb beö SJerfaHö ber ottomanifc^en SRac^t 1745), einen gouiftor für 
ben Sogen, (Erfafe be« SSerlag« für 3^i^wtt«0«« ««* Äuj)fcr, 20 Bi§ 30 
Beduinen äJorfc^uß jur Sejhcitung ber rüdfianbigen ffu^fer. Solfmann Be^ 
mül^tc fi(^ fcl^r, nwttte fogar 150 Sll^aler für bic platten felBfl l^ergeBcn; 
aBer fein Srief mit biefen ©orfd^lägen ging oerloren. 92un fd^rieB er 
(Enbe Suni nod^ einmal an (Segner; ba erfd^icn ein ©rief SBJaltl^er«, ber 
fic^ JU ber „Scil^ülfe" Bereit erHärtc. 

aW ba« Qa^x 1763 ju (Enbe ging, ttjar ba« fflerf f(^on Oal^relang 
bic«feit« ber Serge, unb mir feigen ben äutor in S^\^^f ^^ ^* j^ ^^ ^i^ 



106 S''»^^ ^^^* ^^' ^< 9t\dfi^tt ber Stwa^ 2. (Sntfiel^uttg unb $ldiu 

Oeffentßd^leit lomnten n)etbe. Oft fUnbigt fld^ bte enblt<l^ (STretc^ung etne^ 
3iett an burc^ eine (Srmattung, eine rcfigntrte ©timmung, — n>ie im @es 
gentl^il nad^ altem ©lauBen ©ic^rl^eit nnb UeBerl^Bung bem gaD ))oran= 
gel^t. 2)ie ffunflgef(^t(^te nKtT fd^on in ben ^Snben be9 "ißublicumd, bod in 
il^t aufgefledfte Sic^t ergo^ {l(^ Bereite ftBeraU mi^beutfc^ gelefen muxbe, unb 
il^tem «ater, üBctbrftfPg be^ langen ffiarten«, Srgetlitj^ fo mand^c xnpM\^n 
gen}onnene (Si^ftc^t tl^r nid^t }u ®nte fommen laffen }u Idnnen, xoax ber 
®ebanle an fein ^nb fatal gemorben^ ja er gaB il^m feinen ^U(^. 

3)ie Xu^gaBe foQte wn neuem gelammt fein, l^ie^ e9 ben 28. danuor 
1764, „xäf tüti^ ni<l^t nnitum, unb e^e ii^ ^toiifxiäft auf ein ©d^reiBen Be- 
lomme gelten 40 Sage oorBei, .... id6 Bin mübe an biefelBe ju beuten, 
mel^r aW ^nbert ©riefe l^aBe ic^ be«tt)egen gefc^ricBen". Unb jnjei SBod^en 
f^ter: „^ tmi nid^t nHXd au^ ber ^nflgefd^ic^te gen)orben ifi . . . (E0 
iß biefe 3(rBeit nun üBcr pyti da^re au^ meinen ^&n^n unb Sugen, in 
xotlif^x ^At btefelBe anfel^nlid^ ^tte ixrmel^rt n)erben IBnnen, unb nod^ je^t 
ifl jle nid^t erfd^icncn; bal^er c« mir ein ®cl ifl xmttx babon ju fd^reiBen. 
Che vada in tutta la malora l'opera ehe m'ha öccupato tanti anni senza 
frutto!" 

Sie UKir bem (S^urfürflen Sfriebrid^ (S^riflian jugefd^rieBcn, ber eBen 
ben I^ron feinet ®ater« BefKegen l^atte ; er flarB, ol^nc pe crBüdft ju l^aBen. 
Siarum xoax er bem ^aü) ^rmiand nid^t gefolgt, fle bem Jtaifer }u bebi= 
cirenl c« toäre öon großen golgen gettjefen in ÄBfld^t geifllid^ ©encftcien 
im 3RaiISnbifd^en. (Sr fc^rieB nod^ l^fKg an äBaltl^er, erhielt aBer unmit= 
telBar banad^ bic ÜRitt^eitung, ba§ ba« SBcrf Bereite ber Sl^urfßrflin TOarie 
Antonie üBerreid^t »orben fei. 

UeBrigcn« fanb, toie SBincfelmann f<)5tcr It^anpUtc, ber gel^. Sommer= 
cienratl^ nod^ ein äRittcI, il^n um einen Xl^eil bed ^onorar^ }u pxtütn. 
„3)er ^rciö n>ar gefeftt, einen 8ouift)or für ben Sogen ju gal^lcn, er fd^idfte 
mir einen Ducatcn, toeil (n>ie er fagte) ber ^eiö bcffelBen auf einen ?oui«= 
bor geflicgen fei. a)a« uufd^utbigfle finb l^Sttc il^m barauf antworten fönnen ; 
idf Bin eö aBer mit ®till(fd^tt)eigen üBergangen". — 

äKan fielet au^ biefer Srgal^Iung, baß äßindfelmann ftc^ in bicfem ^aubel 
att £>p\cx feine« Serlegerö Bctrad^tete; aBer man barf njol^I fagen, eine 
fold^e Statur würbe an jebcn, auc^ ben nad^ieBigflen, BiDigflen ®ef(^Sft«= 
mann angerannt fein. ÄBgcfcl^cn oon bem legten ©tttid^en, üBcr tt)cld^c« 
baö Urtl^eil fuf^)enbirt BteiBen muß, worüBcr l^attc er ftd^ SBattl^crn gegcn= 
üBer JU Beflagen? $5tte SBaltl^er irgenbwo incorrect ge^anbelt, er würbe 
flc^cr nic^t öcrfel^It l^aBen, fid^ wicber^olt leBl^aft barüBcr gu Bcfd^wercn. 
„3d^ weiß, f(^rieB er il^m, id^ l^Be mit einem ÜWanne ju tl^un, ber bie 
wal^re (g^re fcnnt, ber mein g^cunb ifl unb mid^ lieB l^at" (28. 9looemBer 



§ 113. 3bce itttb Vtü^obt; f^Mattf^ X^ 107 

1756). !Z)em Sud^l^Snbter »ar ber Scriag anfSngltd^ ol^ne Honorar, Blofi 
gegen ein freie« ®e|(^enf ,,angetragen" tootben; frSter bctjiel^t er fU^, ol^ne 
@(I^A>tertgIett fc^eint t9, }U einem S)ucaten für ben 9}ogen ; in Sejug auf bie 
bflBare Sludftattung, bie flet« }une^menbe ^a^ ber 8u^tx f)cA er ebenfo- 
iDcnig gelargt; er lieferte io§ iRanufat))t jurttd, tlbtotlfjl er migtranif<l^ fein 
burfte, ba ber Vutor fo eBen t>erfu(i^t f^attt, i^m ben Serlag }u entnnnben. 
S)a9 al[c9 mitten in ben ftriegdcalamitatcn. S^ berfelben 3^^^ ^^tte er fic^ 
Bei $of fttr Sortjal^Iung ber ']3enfton ))ertiKtnbt, @ef(^nle bon Suchern unb 
@elbb0rf(^liffe an Sßindelmann gemaii^t, ber feine ^fc^mung gefleht, ,,in ben 
i)MfH BebrSngten ^txttn ol^e bringenbe yioÜ) ©elegenl^ett ba}u gegeBen 
)tt l^Ben" (28. SlobemBer 1756). — Diefe Serl^anblungen jeigcn tiels 
mel^r in faft fomifc^er SBeife, bag n>enn Sßindelmann fvSf felBfl ,,ein ^nb 
im ^anbel" nannte, er nid^t nur einfältig nnir toie ein Äinb, fonbcm 
au(B eBenfo nxthlelmtttl^ig. ®etn Serleger mufte ©ebulb mit il^m l^aBen, 
tt)ie mit einem Äinbc. Da^ ftinb berfii^enft feine ©^Jielfad^en , feinen *?u^, 
um il^n in ber nmkn ©tunbe toiebcr att fein eigen ju Bcl^anbcln. 9Ba]^r= 
tt(^, n}enn unfercm ©elel^rten Bei feinen fonjligen reid^en ®aBen ein Organ 
fel^Ite, fo n)ar e^ bad l^nbcl^rec^tlic^e. (Srfi ifl man grogartig ft)Ienbib, 
berfc^enlt in generöfer XufmaQung n>a9 erfl im Qntflel^n ifl, berfügt üBer 
biele Saläre bon ©eifledorBeit, entSugert ft(i^ eine^ (Sigentl^um^, auf beffen 
gefc^äftlid^e Vudnu^ung eine fel^r ))roBIematif(i^e B^^^^f^ V^^ ^^^^ 9^8^n= 
bct toerben Tonnte. SBer foK nun fobiel ^o^l^erjigfeit, na^ SBIauf jener 
,,®eBelaune'', fi^ burc^ bie Stficffid^t auf einen ^enfc^en, bem man ni(!^t^ 
fc^ulbet, ber und gleiii^gttltig, ja fatal ifl, genirt finben, Befonberd n^enn jene 
9ttt(ffU^t einem neuen, fd^öneren, freunbfd^aftlic^en 3m))uM, unb au(^ unferem 
3ntercffe, bem rafd^crcn, reid^tiii^eren (Smten bed mol^fcerbienten 2t>ffn9 
Blutfaurer ÄrBcit ben 3Bcg betf^jerrt? SBarum foB ic^, »enn mir ber erfle 
9ef(i^ettfte nid^t mcl^r gefSdt, bad Serfd^enfte nic^t' an einen anberen ber^ 
fc^enfen, ben ic^ fo gern Befc^enfen mMfit, unb foKte? 3(^ Beanf))ruc^te ja 
feine SerBinblic^Ieit, ober boc^ nur eine berl^&Itnigmägig geringe, ganj in 
ben freien SBiUen gefreute, bafttr Bin xi^ aBer nun auc^ an feine geBunben. 

§ 113. 

3bee unb SWetl^obe; fi^ftematifd^er Il^eil. 

3)cr litel bed SBerf« berl^eigt eine „®ef(^i(^te ber Äuhfl", unb 
jnnir foO nad^ ber Beigefügten (Srftärung biefe ®ef(^id^te „ben Urf^rung, bad 
aBa(i^dt]^um, bie SJeranberung unb ben gaff berfelBen, neBfl ben berfd^iebe= 
neu (Stilen ber »ö»er, Seiten unb ftttnfHer leiten", «ffein gteic^ ber erfle 
©a^ ber Sorrebe ifl eine Senoa^rung gegen bie (Süüartungen, mit vocU^tn 



f 



1 08 3t0eittd 8ttd^. II. 2)ie <9ef<^6te btr $tm% 2. (Bntfiel^ng nnb flotL 

man bann an ba^ 9u(^ l^erantreten mttgtc : ,,bte ®ef(^^te bcr Sbxnft, todS^t 
iif )U f<j^retkn nntentonratcn l^Be^ tfl feine Blogc (ErjSl^Iung bcr 3^i^<>Ifl^ 
nnb ber Seranbetungen in bcrfetten", fonbcm bie Vbfidii be« @ef^i<^t<<^reis 
betö ip, ,,ben SSerf ud^ eine« Jel^rgcBSubcß ju liefern''. SDtefen Serfud^ 
cntl^ält bcr crflc Il^cil bc« ®crW, ,,bic Unterfnc^ung ber Äunfl noc^ bem 
Sefen berfelBen'' (n^olei aKcrbing^ and^ bie orientaßfc^ unb etru^tfc^ 
£unß l^ptcditn n>irb); tüS^renb ber }n)eitc bon ber Rvinft naä^ ben Suiten 
Umpänben ber 3«^^ "«^ ^» ®nci^tn crjal^It, foba§ alfo erfl in bicfem 
jn}eiten^ bcm Umfang unb bem ©cl^It naii^ n^eit geringeren Xl^eil, bie ®t' 
fc^id^te ber ^nfl ©ried^enlanb^ jur ®))rad^e bmmt !Diefe $au))teint]^cilung 
flanb il^m bon Anfang an — fd^ou im SRobemBer 1757 — fefl. ®anj 
richtig (emertt ^erber in ben Iritifd^en äBalbem: ,^3BindeImann, ein Seigrer 
gried^tfd^er Smi% ifl felbfl in feiner jhtnßgefd^id^te mel^r barauf Bebac^t, eine 
l^iftorifc^ SKeta^l^^fU beß (Bt/bntn au9 ben Stten, aBfonberGd^ ©ried^n gu 
liefern, aW auf eigentlid^c Ocfc^id^te". 

Sonac^ ifi biefer erfle 3}erf ud^ einer Äunflgcfd^id^te tt)eber aHein, no<^ 
bcrl^erft^cnb öom l^iftorifd^cn ®ef[c^tö^^unft gefd^rieBen, ja c8 toirb ber l^iflos 
rifc^n Setrad^tung — ber 83erfolgung beö geitlid^ Serloufö, beö urffid^li- 
cben 3wf<""tticn^ngö — im SJcrgteid^ mit ber ©nfid^t in baö ,,3nncre" 
ober ,,935efentK<^'' ber £unp nur ein fecunbarer SBertl^ Beigelegt 

Der erfie ober ft>flematifd^e Il^eil Bietet unß ein reid^e« Programm: 
eine I^corie ber gd^önl^eit ober äcftl^eti! ber ^nbptnx, eine änaü^fe bcÄ 
dbeate ber alten vtttnfller in feinen Details nnb nad^ feinen Befonbem Z^^n, 
eine ©efd^rciBung ber ©tilformen bcr griec^ifd^en unb augergried^ifd^en Äunfi, 
eine UeBerjid^t ber Urfac^n, rodift ben glor ber fiünfle Beförberten, au(^ ein 
antiquarifd^e^ 6a))itel t>on ber ßleibung ber %lten. 

aßenn SQSinrfclmann öon bcm Sßcuen, Originalen in feinem Sud^ f<>ri(^t, 
fo l^at er mcifl biefcö ,,®t^flema'' im Äuge. Sin „gel^rBuc^" mü er liefern, 
tt)clc^eö „Beftimmt unb gcfeftmägig lel^rc", unb pyox baö „©l^flema ber alten 
Sunft". (gr arBeitct einen 14 Öuartfcitcn füttenben Snl^alt au«: „id^ l^Be 
eine fhenge Orbnung gcn^a^lt, nMilc^c fm}icl al« möglid^ f^flcmatifd^ in einem 
?c]^rBud^ unb in bcr erfien Sd^rift bicfcr Art fein muß". „3d^ Bin nic^t 
eitel, Befcnnt er $agcbom, aBcr ic^ weiß tt>ie roit^tig ein ©^flcma bicfcr 
Strt ifl, woran mand^er gcfnau^>elt l^at, aBcr feinen ®aft gefunben". $Rac^ 
fafl brcil^unbcrt 3a]^rcn (b«Tli(^«Tt er ®e§ner, 28. 9}^x\l 1761) fei "enblid^ 
einmal 3cit gctoefcn, bag ftd^ 3cmanb an bicfe« ©tjflem bcr Äunfl toagtc: 
„nid^t bie unfrige baburc^ 3U bcrBeffem, bie cö in njcnigcn, »cld^c biefclBc 
treiBen, fällig ifl, fonbcm jene Betrad^ten unb Bemunbem ju leieren". 

Cr l^at fic^ fein 3^^^! ^^^^ ^^ geflccft äiid^t Bloß ben Ocgenflanb ber 
fiunfhoerfe foO biefe ^ifitoric beuten, nic^t Bloß il^rcn (Stil unb beffen 9ltian= 



§ 113. Sbee unb iffZet^obe; f^flematif^er X^ 109 

Ceti (i^ardcteriftTcn utib ben ^et^Iotif tl^ted iobtu^ Be^reiBen: ba6 @ange 
ber (ätunbfcl^e unb SDtapmen, nod^ loeb^en bie SUen gearbeitet, il^e äfl^e=: 
ttfc^en unb tcc^nifc^en Kegeln foU fte oud ben äBerten 3U folgern mtffen, 
nid^t )u rebcn bon ben religtöfen, fUtltc^n, )>oettf(^en (Elementen, ttkidfc in 
bie ^nfi mit ]^inetnf)>ielen. & ifl ein Untemcl^men, Bei bem bie ®ele^rs 
fomleit be^ SOtcrt^mdfenncrd, bie anfd^anung^ne beS römifc^en Slntu|uard, 
bie (grfal^mng bed Silbl^uerd, bad !Z)cnfen be^ ^l^ilofo))]^ jufammcnorBei^ 
ten mü^n. !Z)er ^ijtoriler n)agt e^, bie bim il^m erfd^Ioffenen (Sä^ oU 
unter ben ©riec^ g&Itigc *$rtnci^ien, n^ie aud bem ÜKunbe il^rer Sünfiler 
<m93uf))red^en. 

& gel^ört )u ben Rumoren bon äBincfelmannd S^idfal, baß er, ber . 
einfi- unter ^mngartend ))]^ilofo))]^ifc^m ftat^cber fc^tummemb gefeffen, bcffen 
^ofanc Xugen in bem @ott bed ^^iIofi>t)]^if(^en ^oKe nur einen „^lo^" 
folgen, ber ba meinte, „bie ganie SBiffenfd^aft ber Wlttapfft}^ berbiene fein 
Slcu^bcnfen"' (7. 3)ecemBer 1763), unb beffen 8el^rft^riften wn ber ä^cBt 
eBenfoUKuig n>ie bom @tauB ber ®<i^ule mit fU^ fftl^ven — gIeid^n>o]^I ben i 
$au:|>t)n>ed feinet SßerM in einer 2]^orie be9 ®^önen fud^te, unb fo baju | 
gdtommen ifi (ä]^nli(^ ioit t& mond^en fle)>tif(l^en unb m^ftifd^en paffem ber 
'^]^iIofo)>]^ie ergangen ift, benn bie ^l^ilofo^l^ifc^e ÜRufe ifi oud^ barin ein 
ungen)di^nli(^ SkiB, ba^ fte ol^ne Sni^finblid^hit ifl), in ber @efd^i(^te ber i 
Xefl^etif, A>enn au(^ nic^t einen orbentGc^en gautenil, aBer bod^ bad (Stül^Id^n 
cined au|erorbentIid^en (E^renmitglieb^ bergönnt }u Betommen. 

98ind(elmann9 SBer! ifi mol^I ba^ erfie 9}eif^iel ber bon nun an l^äufis 
gen SJermifd^ung, ja 9lonenbem)e(!^9lung t>on @ef(^id^te unb X^rie. üDie 
@efd^id^te fing an bie Siteraturgattung 3U n)erben, mie fte (nac^ %enan^ 
SBorten) jebed 3^it<^ter ftd^ n^Sl^It, „ate feinen SJorttxxnb alleß }u fagen, fftr 
bie feinflen ©cbanfenmenbungen einen ItoStxud ju finben'^ 

ein Sanb jmifd^en Beiben lag in ber f^olge ber Stile. 3)iefe golge 
n&mlid^ }eigt und bie @d^5n]^eit — bie nur (Sine ifi unb fein lann — in 
il^rem Sterben, al9 le^e gruc^t immer berboQIommneter (Srfal^rung, immer 
glfidKic^rer Serfuc^ bie Statur }u erreid^n. Die (£ntbed(ung biefed (9efe|ed 
xoax äßindelmannd @tol3. S)ie Unterfuc^ung bed ®tite in ber ^nfi fei 
„glet(^fam eine neue (Sntbedtung, xotfoou man fU^ borl^er nxäft^ tränmcn 
lie^'' (16. duli 1764); feine Originalität liege in ber 3)arfieamtg „be« 
@tite ber alten ag^))tif(^cn, l^trurifd^en unb griec^ifd^n Silbl^auer'^ (20. 
SlobemBer 1757). !l)iefc Setrad^tung aBer ber „mer 3«ten unb bier Stile" 
ber griec^ifd^n ftunfi ifi gan3 Befonberd geeignet, und in bad Serfi&nbnig 
ber Si^ön^eit ein3ufü]^ren. 

Sobann aBer nnir il^m bie gricd^if(^e ^nfi aOerbingd canonifc^. S)er 
Äang ber il^r angemiefen »otben, tt>ar ein fo l^ol^er, bofe pe baburd^ üBcr 



ba^ eef(^t<!^tlk^ Befonbere unb bcbtngtc )>öatg l^tnott^crüdt erfd^teit. Son 
tl^r teben, fte fc^tlbcm, ^tgt foütel ate ba9 mige SBefen bcö ©d^nen {<i^U^ 
bctn: „"om bct Äunfl bct ä^i^^^^^fl ^^ ©ricc^n i^anbcln, i^ baffe IBc, 
n>ie wn bcr @^önl^it l^anbeln noc^ offen listen ZfftiUn''. üDet Serfaffer 
ber erften ®ef(^t(!^te ber Slefil^til (185S) l^at Sinctelmann^ Sel^noetfe be^ 
Jfatb mit ber tl^eologtfii^en unb tl^rer ^^untrttglt^n DffenBarttng^^ feinen 
,,ftlfenfe{len @Ianben an bie SUIgemeingüItiglett ber onttfen Selt^^ mit bem 
,,(Sifer fftr bie »Kil^re ^xxd^'' ixrglid^n. Sin anberer tabelt ,,ben unbefrie^ 
bigenben Stet^Iouf ber @ebanfen, ber in feinen Serfuc^n jur Xl^rtt 
n)ieberlel^re, bie 3(Itcn ju ))reifen^ meil fie bad nni^rc Schone gelaunt, unb 
nnil^red @c^5ne bo^ %n nennen, tooS bie SIten gebtlbet^'. 

!Z)agcgen f^rid^t {td^ ein gleu^jeitiger 3^9^^^^^^ ^ @eelenkben^ 
gang übereinfiimmenb aud. SonbiQac giebt ber fiunfitgefii^id^tc ebenfaU^ bie 
Sefiimmnng, und ©c^i^nl^eit ju leieren. ÜDa nun bie jhin^ tl^re Snfänge 
unb il^ren Verfall gel^aBt l^at, fo tt)irb fiä) ba^ <Bä)bxit an bem {^dl^e)>nuft 
(terme) be^ ^ortfd^itt^ finben. liefen *$unft nun t)ermag ein %Dß nic^t 
JU erfcnnen, n>enn ed il^n nod^ ni(j^t erreid^t l^t; e^ verliert ba^ UrÜ^eil 
über i^n, n>enn e^ il^n nid^t me^r einnimmt; aber n>enn c^ in il^m flcl^l, 
fo fttl^lt ed il^n nur. Um ein Urtl^eil ttBer il^n }u l^Ben/ mn% man alfo 
bie fünfte Beobachten Bei einem Soße, tüo fte nod^ unb nad^ fiinbl^it, 
SSad^^tl^um unb Verfall gel^aBt l^Ben. 2)ie Sergleic^ung biefer brei Xtter 
n)irb und ben Segriff (id^e) bed ®<^önen geben unb ben ©efd^mad Bilben; 
aber man mü^te geA>iffermaten aUed ©efe^ne gu oergeffen fud^en unb jebed 
biefer 3^it<^Itcr mit burd^lebcn". 

3BinifeImann ^at ftc^ auc^ fcIBft leinedmegd bie @rünbc fd^enfen h>oHen, 
n>enn er jene Sanonicitat griec^ifc^er ^nnfi be^u)>tetc. (Sd foffte aber 
rationell unb natürlid^ jugel^n. dene Sludfttl^rungen über ben „(Sinf[u§ bed 
^immeW in bie Silbung" (19 f.), „»on ben ©rünben unb Urfad^en bcö 
Stufnel^mend unb bed Sorgugd ber gried^ifc^en Sunfi oor anbem Söltem'' 
(127 f.) »aren Befiimmt, „bie Serel^rung ber !I)cn!male ber ©ried^en öon 
bem i^r »on Sielen Beigemeffcncn Sorurt^cil ju Befreien", M lege man 
il^nen „BIo§ burd^ ben SKober ber ß^i* ein Skrbienjl Bei". SQ8enn nämlic^ 
gegeigt n)ttrbe, bag bie (Sd^önl^eit ber ©ried^enBilber, aud^ ba n)0 fte und 
ibealifd^ t)orb)mmt, ein ®))iegeIBiIb il^rer 9iatur nxir, fobann, ba^ bad Slima 
tl^red Sanbed, mel^r ald bad irgenb einer 3<>ne '^^ (Srbe, bie (Entfaltung 
normaler 92atur, gugleid^ feiner unb groger t^ormen Beförberte, bie bann 
@itten unb (Einrichtungen ooUenbeten, unb menn enbltc^ nad^en>tefen n^urbe, 
bag biefe t^ormen gang mit ben einfac^füen, anerfannten *$rinci^ien bed 
©d^nen — bcr (Rnl^it im 9Rannid^faltigen — fHmmten, ja att bercn 
reinfie <S]rem))rificatton in bie Stugen leud^tetcn: bann n>itrbe und bad @);fRm 



§113. 3b€e tti^ SDVetl^; fi^flemattfi^r Xl^t 111 

grieil^tfii^er ftünftler ntd^t mel^t aU ein national =a)nt)enttoneOed tx^dftmzn, ^ 
jonbctn old in ber 9Rot))l^ologic bed 9Rcnf(^n unb ben ^eitlofen . ®efe|en . 
Sfll^etifd^ mcrt^ooIIeT Sorrnen begtilnbet (tpvoft, ni(^t r6fi(p), \ 

9Iut betr JBIinbc in ber fiunfl lann fi(^ einBtIben, bag irgenb eine Storm 
M ®dfititn m ergrftBeln ober etfc^uen laffe neBen ober ttber bem nja^ 
ber ®eniud gefunbcn l^at. Unb toenn mc äBindfeIntannd Sd^ilberung ht? 
troii^ten t>on jener merfmftrbigen, n)ol^[ nie toieber ju l^offenben (Sonf))iration 
ber Umftonbe, totW^ bie (Erfolge ©ried^enlanbd mdglid^ machten : fd^öne %ace 
nnter fjJMLidftm ^iuintel, )>l^i>fif^e Srjiel^ung,. ©elegenl^eit jum ©tubium, 
Xd^tung unb antriebe ber Shtnft, ®unfi reUgi5^^oIitif(i^=gefeaf(^ftIi(^er 3u* 
ßanbe, ©(^»nng bc9 ®eifle9 burd^ t^eil^eit unb matcrieDe gdrberung buril^ 
Sßol^Ifianb, nun, fo n>erben n)ir un^ glüdlid^ nenneji, bag un^ n)enigftend 
jlrümmer beffen geBIicBen ftnb, koaö nur burt^ fo n>unberfame ^figung 
cinfl in (Erf^cinung treten fonnte, glttdliii^, bag toir burt^ anbSii^tige Ser» 
ttefung in biefe Xrttmnter U)enigfien^ auf einige Untriffe jened ®an}en, auf 
bie bammembe Xl^nung jener @^nl^eit^to^It gefül^rt n)erben, bie toir M 
und fo innig gu eigen gcl^örenb em)>finben, unb bie und hoäf fonß nie 
im Zroume oorgebmmcn mare ; benn n>enn mir ben B^fl^i^S ^^^ ^^^ Denf^ 
nt&Ier nic^t I^Stten, n)e^er foUte fic^ und auftl^un? — 

(Sin ffierf »on biefcr Sienbenj ntugte natttrlid^ in erflcr ginie auf Än- 
fci^uung gegrttnbet n)erben. 3)ie ©ef^id^te ber Sunfl foO bad n>ad fte leiert 
,,au9 ben Übriggebliebenen Wtdtn M Sltertl^umd fooicl M möglich ju Be? 
h)eifen fuc^n''. Die^ ifi c^, moran man Bi%r noc^ nic^t gcbac^t \fat 
,,8aft fein ©criBcnt ftt^rt in ba« SBcfcn ber ^nfi: fcIBfi oon ben «Der« 
nftgften l^at fein einjiger in bad toal^re innere Sefen ber fiunfl l^ineinge^^ 
fii^aut (15. duni 1757). . . . üDicjenigen n^elc^e t)on Sdtertl^fimem Rubeln, 
Berftl^ren enttoeber nur badjenige, mo ©ele^rfamfeit aujuBringen n>ar, ober 
»enn fle oon fiunfl reben, gef^iel^t ed tl^eitö mit aOgcmeinen &oBf)n:üd^n, 
ober il^r Urt^eil ijl auf frcmbc unb falfc^e (Srünbc gebaut". 

Sindfelmann toax aud (Efel t)or biefen Som)>iIatoren, ,,um }u oermeiben 
ctn>a« ju fagcn, n>aö anbere gefagt l^aBen, um Original ju fein", fel^r jus 
rttd^altenb mit Slufnal^me Bloger 8tt(^na(i^ri(^ten. (Er l^at manc^d aU 
leeren Siotijenfram übergangen, »orau« f^^tere gorfd^ung, mittelfi öenu^ung 
eined freiließ oiel reicj^ren !Z)enfmakrt>orrat]^6 älterer ftunflalter, ni^t Blog 
geleierte, fonbcm fünftlerifc^ an|<!^uli<^e Äunbc untergegangener fflcrfe erf(i^Iof= 
fen l^at. I)ie »erjeic^niffe ber SBerfe ber öilbl^auer, bie 3nf(^iften, bie 
Slotijen ber ?(Iten über ©til unb SDtanier, bie SBefii^reiBungen, oon l^omcri-- 
fc^n ®<j^ilben, ^))feIodIabcn unb X))oIIotl^roncn an Bid auf bie viefenl^ften 
®olbelfcnBeinn)erfe ber gotbcnen 3«it — et J^öt pc faum bed SRad^bcnfcn« 
iotxÜ) Befunben. X)er (Skbraud^ ber dopxtn }ur Sergegcnm&rtigung oerlomer 



112 3^^^ ®u4- ^^' ^^< (^dfi6ftt ber tmtft 2. (Snt^ung unb ^Uau 

993evfc uxit evfl in ben Vnf&ngen, eBetifo bte SettDenbnng gleuj^seittget Kr« 
Betten ju 9teconfhucttonen nod^ bet Snologte. Siterortfd^e unb monumentale 
Sunfigefd^td^te gingen nix^ abgefonberte 9Bege. 

SBintfcImann fud^te alfo ben %ot}ug feinet %uc^^ biel n>eniger in ber 
Selefenl^eit, bie allen bamaligen Sefem, aud^ ?effmg fo auffiel, aU in bev 
3)enlmalerf(l^au unb in bem ftunf^nn, ben er ju il^r mitBtod^te. SBenig 
f)»Ti(^t er bon feiner ^^©annntung ber 9{ad^rid^ten alter ©aiBenten fiBer bie 
ftunfl'^ aber fel^r oft äußert er ftd^ glficRid^ ttBer bie ®un{l, bie il^m in 
9tom }u Xl^eil getoorben, ^^too er ficBen dal^re mit aKen BenStl^igten 
^ftpmttteln, bie nic^t leidet jemanb gel^aBt ]^t noc^ ^Ben n)irb, an ber* 
fetten gearbeitet, unb aQe @elegenl^eit gelabt, bie äßerle mit 9Kuge )u un» 
terfud^en''; femer bon iirr SieBe jür ftunfl, bie bon 3ugcnb auf feine größte 
Steigung gemefen, oon feinem inneren SSeruf ber ftd^ aUejcit gemelbet l^aBe, 
ol^nerac^tet il^n (Srjie^ung unb UmflSnbe in ein gon} entferntet @eleid ge^ 
fftl^rt ^tten; enblic^ f))ri^t er ,,t>on einem gen^iffen feinen @eifl, ber il^n, 
att er bieg 9ud^ fc^rieB, auf mSd^tigen @d^n>ingen in Betrachtung bed ®d^3 
neu erl^oB ; ba^ fei bie @eele ber ganjen ^enntnig ber ßunfi, bie ber ^ims 
mel nid^t oerfd^tt>enbcrifd^ öcrliel^en" (an @e§ner 28. flpxil 1761). Damit 
nun tritt er nid^t Bloß auf aU ^orfd^er, ber fU^ neBen anbere, feine 9Kit- 
arBeiter reil^t, al^ UeBerßeferer ttBerfommener unb bon il^m gemeierter ^nt= 
ttiffe, fonbem im Setougtfein biefer inneren unb Süßeren gau} finguISren 
%tt$rttfhtng fteQt er ^, er allein, aKen anbem gegenüBer, unb rebet aU 
9Meifler, ton bem toir nur }u lernen l^aBen, n^ie mir auc^ nnid er lel^rt, 
nur bott il^m lernen Knnen. 

Slm lieBflen l^atte er Bloß auf bie SDenfmSIer geBaut; aBer bteß toar 
nid^t burd^sufttl^ren. 9m Breiteflen ift bie monumentale 93afl9 Bei bem 3bea[ 
unb ben ST^^sen; e9 gieBt aBer aud^ %Bf(^nitte, n)o bie ^rttfung bed äRate- 
riald nur ju bem (SrgeBniß fü^rt, baß au9 il^m nic^td ^u ermitteln fet ; unb 
toid^tige Xl^eile rul^en auf reiner Sermutl^ung. 3)iefe i^ermutl^ungen lel^nen 
fid^ an S^ac^rid^ten ber SIten, an bie aud neuerer SRalerei unb l^eSenifd^er 
^efle gef(^d)>ften Analogien. 

„^ l^Be mi<^ mit einigen ©ebanfcn genjagt, mel«^ nid^t genug er- 
toiefen fd^einen Bnnen; — aBer aRuti^maßungen, bie pd^ menigflen« burc^ 
einen gaben an ettoaö i^fiem galten, flnb au« einer ©^rift biefer Art 
eBenfowenig, ate bie ^^otl^efe« au« ber Slaturlel^re ju berBannen; jle fmb 
tt)ie bo« ®erttjle ju einem ®eBäube, ja pe njerben unentBel^rlid^, wenn man. 
Bei bem SKangel ber Äenntniffe bon ber Äunfl ber Sfften, ni^t große ©^rttnge 
üBer bicl teere '-ßlo^c machen miH". Unb einige feiner genialflen Slidfc Be« 
finben ft^ unter biefen äKutl^maßungen. 

Sreiltd^ mußte l^iernad^ bie 9u«fUDung jene« betaiflirten @^ema'«, be« 



§ 114. «tftorif^r X^(. 113 

„^viffaW\ bcn et jlA au^carkitct^ eine jicmltt^ uugleid^c tt>crbcn. (Sd 
juib bartn dtuV^ ooQ OunKlcn, unb Sacon'd capsulae inanes. (Sin folcl^cd 
SSJctI, bafi eine SBiffcnfd^ft crfi begrtinbet, unb bod^ avidf fc^on ctiDüd n)ic 
ein fertiger^ ornamcntittet 33au fein tt)itt, ifi t>erglci(^6at einem colonijircnbcn 
(Staat, bcr an einscinen fünften eine« ftcmbcn Sanbeö Sottö unb SnH)orieu 
anlegt, unb burd^ eine mel^r ibeette al6 reale Dccu^tton erft bcn 9ia(^!om= 
Uten ba^ ffiroBerungÖ= unb Slffnnitation§tt)ert öerma^^l, ja aufnotl^igt. öd 
giebt 'lJaragtai)]^en, bie auf tDcnigcn ©eiten bic Ouinteffenj jal^relanger Arbeit 
ber %n{(i^auung unb gorfd^ung jufamraenjie^en; Sitate aud benen anbere 
eine Xb^anblung gemad^t l^atten, ftnb ,,einfa(^ ^ingefe^t'^; tüit^tige $!e]^r)>unfte 
mit taconifd^er, ja änigmatifd^er Äürje ein für aUemal erlebigt; njäl^renb 
bann tvieber manche 3Rarmore unb @emälbe il^re audfill^rlic^ Sefd^retbung 
nur bcr 9leul^eit ober einer neu aufgefunbencn Sejiel^ung »erban!eu; unb 
einige »erben grünblid^ erörtert, bto§ um ju Ben)eifen, baß il^re Biöl^erige 
')$lactrung aufjugeben ift. IDaffelBe SBerl, bad ein aSgefd^loffened, für bic 
2)auer Berechnetet itffxbnö} fein foQte, tvirb getegentlid^ aut^ 3um SKagajin 
für antiquarifd^e äRidceUen unb SuQetind ber ^aol 

^(yif toer moQte mittlem barilkr l^abern, •)}erbanlen mir bo(^ biefcr 
^^rteilid^feit fih: bie X)en!maler, bag und in ber ^nflgefd^id^te bad monu^ 
mentale 8lom be§ 18. ^al^^unbertö, Don bem feitbem fotiel nad^ ^ßari«, 
9iea<)el, iJlorenj, SKttnd^en unb (Snglanb oerjlreut ifi, — ni(^t in einem Sa= 
talog, fonbern in einem leBcnbigen, farbenreichen @emälbe erl^alten tfl. 

§ 114. 

^ifiorifd^cr IJ^eil. 

SSBar folc^ergcflalt im erflen ober f^flematifd^en I^eil ba§ ,,9Befcntlid)c 
ber Äuufl" aBgel^nbelt morbcn, »aö tonnte für bcn jÄciten^ bie ©cfc^id^te 
bcr Äunfl im engem Sinn, üBrig BleiBen? Siac^ bem SBcfentlic^en, fo fc^eint 
ed, bad Untuefentfid^e. ©elBfl bie gotge ber Stile, fomie bie Urfaci^en bc« 
äBad^dtl^umö ber ftunfl nniren Bereite Bef)>rod^eu. S)er. @cifl tiHir aBgetl^an, 
bie „äußeren Umfiänbe'' n>aren uoc^ ttBrig. Dad ©ötterBilb n^ar fort, nur 
bie Sajx«, bie 5Kfd^e, bie 3«H«ii^änbe, ber Altar mit ber Äfc^e barouf Boten 
fl(^ bem SnBlidf bar. 

Sloc^bem mir bad (Sine Sd^öne lennen gelernt, in bem alle SBünfi^e 
Befeltgt enbigen, unb in beffen Ben)egU(^em 3Rtttel)>ttn!t aKe 9tabien ber 
.9latur unb Shtnfl {ufammentreffen : erl^alten* mir nun bad 9taturgefe^ fietiger 
Sctocgung; „in ber ftunfi ifi, mie in oBen SBirfungen ber SRatur, fein fejier 
?un!t ju benfen". !©a m SBinielmann aBer für ju gut l^iclt, nm Äünfiter= 
cataloge unb anbere längft jufammengeflcUte ©elel^rfamfeit ju mieberl^olen : 

Ottfli, ftintfelmoim. II. 2. S 



! 



114 3^^^ ®n<^' II. !Z)ie <9cf<!^i(^te bcr ^nft. 2. (Sntflel^ung utib $Ian. 

fo fam er, gang im ®cifl bamaligct *J?]^ilofo<)]^tc bet ®cf<^i(j^tc, auf bie 3bce, 
jene Daten unb dpodfcn öltet fiunfi, bic et 3. 93. Bei ^liniu« öorfanb, \n 
utfäc^lw^c Segiel^ung gu 6ct gleid^geitigen Staates unb Sutturgefd^iii^te gu 
bringen, ^atte alfo ber erflc ^txl bie immanente, in bcr 9iatur ber 
3ei(i^enfunp übcrl^au^jt Bcgrünbetc golgc bcr fiunflformen geleiert, fo tmx\> 
nnn t)on bcn tran^fccnbenten Urfaci^cn gc^nbclt, ttjelc^c auf SBod^^tl^um, 
©tüte unb Serfan ber ffunf! eingen>irft ^Ben. 

9Ja(^bem er bort im ©inn jene« glängenben SBerf« SRonte^uieu^« einen 
„®eifl" bcr Äunfi be§ ältertl^umö gefd^ricBcn, ließ er nun audfe „93e= 
trac^tungen üBcr Urfad^n ber ®röße unb bcö SJerfattö" folgen. 

„Die SEBiff enfd^af ten , ja bie Söei^l^eit felBji, l^ängcn bon ber ^tit unb 
il^ren SSeranbcrungen aB, no<6 mel^r aBer bic fünf!, ttjcld^e burd^ bcn UeBer= 
flu§ unb bielmel^r burt!^ (Sitetfeit genäl^rt unb unter^lten n)irb". Dicfe 
unebleren IrieBfcbern l^at er jebot^ in jener Darflcßung gang gurüigejicllt, 
beren Bcl^rrfc^cnber ®cban!e bielmcl^r in ber 93e]^au^)tung au«gcf^>roc^cn x% 
„ba§ e« bie greil^eit fei, burci^ n?eld^e bie ffunfi em^orgcBrad^t njurbe"; 
unb ncBen bcr Sreil^cit bcr f^nebe, ttjcit ,,bie fünfte ol^ne eine Befonbere 
glUdflici^e Snfd^einung niemals cm)>orfommcn fönnen^'; unb bie ^nfi gegen 
Weg, SRcbolutioncn u. bgl. „fcl^r em^jfinblicB" ifl. 

STBer aud^ in biefer l^iftorifi^en Partie ifl SBindelmannö Äel^anblung^art 
mel^r ^)]^ilofo<)]^ifd^ att l^iflorifd^. ® ifl weniger baö SBerben ber Sunfl aU 
if)x aSBcfen, toa^ il^n interefftrt, weniger ba« Detail, wie g. 99. ba« SeBcn 
ber ärtifien unb ber große enn>irif(^e ©tammBaum bcr Äunfi, att jene ®runb= 
güge, bic ftd^ aQcnfaUd auc^ a priori geminnen laffen; weniger bic Slnfange 
M bie 93oi[Iommen]^eit; weniger bie et]^nogra))]^if(i^e 3Ranntd^faltig!eit, ate bic 
^cDenifd^c ßlafficität. 

„Die ®cf(!bi(i^te ber Sünfllcr, weld^e ton bielen anbern gufammenge= 
tragen worben, ^t mon l^icr nid^t gu fud^en, benn fte l^at auf bie ffirfenntniß 
bc« fficfenö bcr ffunfi wenig Cinfluß". 

Die Anfänge ber tunft fatten fogar fhrenggcnommen außermB ber 
ftunfigef<^ic^te in feinem ©inn; benn bie crflcn Scrfud^c in ber Äunjl finb 
nod^ fein ©til. ffir mad^t alfo bicfe Anfänge (l^eilige ©äulcn, $ermcn) gu= 
fammen mit bem äRatcrial aB, im Sa^jitel „bom Urf^^rung ber filinfi". 

3n 93egug auf bicfe anfange l^ot aud^ fein SSolf mel^r «nfj)ru(^ auf 
Originalität att ein anbcrc«. „Die ftunji fd^eint unter allen SSölfcm, 
wel^c bicfelBc gcüBt l^Ben, auf glcid^c aSäeifc entf<)rungcn gu fein, unb man 
l^at ttic^t @runb genug, ein Befonbere« 9Saterlanb berfelBcn angugcBen", wenn 
aud^ bie Srfinbung ber Äunfl nad^ bem älter bcr 95ölfer unb ber ^txt ber 
(Snfftl^rung be« ®ottc«bienfie« Bei il^nen fcl^r bcrfd^ieben war. „Unter 
Äegt^tcrn, ^ctruriern unb ®ric<^en wirb Beim Urf^^rung bcr Äunfi unter 



§ 114. «nflotif*« X^L 115« 

jcbctn Sottc hin Untctfc^icb gctuefcn fein". SBindcIniann bcnft fc^r ffeptifc^ 
t>on bet internationalen ©enealogie ber ^unfiformen unb Ztfp^n : ,,biej[cnigen 
tt)elc^e »on bem Urfptung eine^ ©cBrauc^ö ober einer ^nfl unb bcren 9Kit: 
t^eilung tjon einem SJott auf ba§ anbcrc reben, irren insgemein barin, bafe fie 
fi(^ an einjelne ©tficfe, bie eine Sld^nlid^Tett mit einanber l^aBen, galten unb 
barand einen aKgemeinen @(^Iug ma<j^en'^ 

9Ber au(i^ im f^ortgang ber ^nfl }eigt er fu^ ber Snnal^me foU^er 
UeBertragungen abgeneigt 92a(j^ il^m fii^eint bie tunfl, foBalb nur bie äu|em 
Umftänbc il^re (gntn)i((elung freilaffen, Überall ein unb baffelfcc innere ©ilbung«= 
gefe^ au6}ufttl^ren. @eIBft Bei jeitlic^ gufammentreffenbeu 9en)egungcn, n)ie 
im 3^i*^^*^^ ^^^ "^ericle«, »itt er licBcr ate eine äußere ßinwirfung an- 
nel^men, ,,bat bie gan}e 92atur ber 9Renf(i^enfinber bamatö in aQen 85nbem ', 
rege njurbe, unb bie großen (Srfinbungen fld^ mit einem male l^crüortl^tcn'^ I 

Der ^iflorifcr barf fojoenig njie ber SRaturforfd^er nad^ Sfll^etifd^en ffiertl^s 
Begriffen tKtrteiifc^e ffial^I üBen. ^ladf 3SßindeImann ^^lann bie SB^nblung 
oon ber fiunfl ber Äegtj^ter, ^ctrurier unb anberer Sölfer unferc 93cgriffc 
cttocitem" (b. 1^. Befricbigt bie 3BißBegierbe, ifl l^öl^ere Curiofltät) „unb gur 
Kit^tigfcit im Urtl^eil fül^rcn" (b. 1^. jur ftennerf^ft anleiten), ,^ie öon ben 
@rie(i^en aBer foU fud^en, bicfelBen auf Sined unb auf bad SEBal^re gu Be^ 
flimmen, jur Siegel im Urtl^eilen unb SEBirfen" (b. 1^. 9?ormcn be« ©efc^macf« 
unb ÜRufler beß ©tubiumfi liefern, fie ifl alfo cmflc Ängclegcnl^eit 
unb $fii(^t.) 

jDie SBed^fel ber fiunft folgen einem bur^ (Sinfad^l^eit unb Iogif(^ 
S)ur(!^fi(!^tigFeit einnel^menben ®<!^ema, einem ®efe^ ba^ ftd^ oon felBft }u 
oerftel^n, unb nic^t erfl mül^fam burd^ dnbuction gen}onnen }u fein 
fc^int. 

„!Z)ic fünfte, mcb^e toon ber B^^^^^^^S aBl^angen, l^aBen mie alle (Sr= 
finbungen mit bem 9{ot]^n>enbig€n angefangen; nac^l^er fud^te man bie ©d^Su:: 
l^eit, unb }ule^t folgte bad UeBerflüfftge : biefed fmb bie brei oomel^mfien 
Stufen ber Jhtnft" (A necessariis artificiis ad elegantiora defluximna 
Cicer. Tusc. q. I). 

Ober: „Dk älteficn Stad^rid^tcn leieren unö, baß bie ersten Figuren 

oorgeflcDt »a« ein SWenfd^ ifl, nic^t tt>ie er unö erfc^eint, beffen Umtrei^, 

nic^t beffen Snfh^t. $on ber Sinl^eit ber ©efialt ging man jur Unterfud^ung 

ber Serl^ältniffe, meiere Kid^tigfeit leierten, unb biefed machte fidler, flc^ in 

ba9 ®roße }U n>agen, n)oburd^ bie ^nft gur @roßl^eit, unb enblid^ unter 

ben @rie(^n jur l^^flcn Sd^nl^eit gelangte. 9tac^bem aQe Xl^eile beffelBen 

vereinigt waren, unb il^re Xu^fc^mttcfung gefud^t n>urbe, geriet)^ man in bod 

UeBcrflftfftge, woburd^ fU^ bie (Sroßl^eit ber Äunf! oerlor, unb enbli^ erfolgte 

ber DdQige Untergang berfelBen". 

8* 



116 S^ted 8u<l^. n. 2)ie Qkft^ii^te bet üunft 2. (Sntfle^ung unb $(an. 

!l)cn SSBcg bct Äunjl t)om rollen Stcinfctifd^ i\9 jut bSbafifcI^ctt Statue 
f(^ilbctt unö aBittdcImann fd^t }>IaufiBcI, tt>enii «id^ fd^ttwlic^ richtig. ,,S5ci 
ben ©riechen ^at bie tiinfl, oBgleic^ t^icl f))ater aU in ben SKorgenlanbem, 
mit einer Cinfott il^ren ?lnfang genommen, ba§ fte . . . bie erften Stfinbet 
bcr fiiftifi fc^einen fönnen". ffirfl nxit eö ein unBearBeitcter Äloft, bann ein 
»ieterf iget Stein, eine Säule ; f old^en fefttc man mit bet ^c\t ,^ö^>fe auf unb 
nannte pe $crma, b. 1^. große Steine; bann merfte mau auf bem SWittel 
beffcIBen ben Untcrfd^icb beö ®cf<^le(^t5 an, Bio 3)abalu« bie untere Hälfte 
biefer Silbfaulen in ©ejlalt bet Seine oon einanber fonberte. 

Selbfl baö SKaterial ber ^lafHf gel^ord^t biefem Stufengang : ,/JS)xt Sunfl 
unb bie Silbl^auerei fingen an mit !£^on, l^terauf fcl^nt^te man in $oI^, 
l^emad^ in Slfenbein, unb enblid^ mad^te man fid) an Stein unb SKetall'^ 

ÜDd^ muß man loBen an äBimfetmann, unb barin xft et ein Sinb feinet 
3a)^ri^unbert^ , bag ed Bei allem (mol^lBcgrünbeten) Snt^uftadmud in feiner 
©efc^td^te flBerall Rar, caufatmägig unb natUrtid^ }uge^t. So unerrei^t bie 
gritti^ifd^e lunj! ifl, fo oottlommen fie bcr 9Jatur il^re Oe^cimniffe aBgelaufcBt 
ifat, ja üBcr bie 9?atur l^inauö in eine gcifHgc SSJelt gebmngcn ifl unb bon 
bortl^er UrBilber l^etaBgel^oIt l^at: bennod^ lann t>on jcbem i^rer ®(i^ritte auf 
biefem 3Beg Siei^nfd^ft gegeBen tt)erbcn : bie Äette ber mannid^faltigen Se^ 
bingungen, bie in 9{atur unb Sultut liegen, Brid^t nie aB. $cin m^flifc^^ 
^eHbunfel, fein metai)l^^fifc^cr SDSortfram. 

„!Ca ber 3Rcnfc^ allcieit ber tjomcl^mflc Sottourf ber Äunfl unb ftttnp= 
ler gcn>efen ifi, fo l^aBen biefc in jcbem ?anbe il^ren ^iflutcn bie ®efU^tÖ= 
Bilbung i^rer 5Ration gegeBen. ... Die ®eP(^tÄiIbung aBer unb felBfl bie 
Statut toirb gcBilbct burd^ bad (Slima, b. ^. bie äBirfatng ber loerfd^iebenen 
?age bcr ?onber, bcr Bcfonbcren SBittcrung unb 9?a^rung in benfclBen. . . . 
3e mel^r jtd^ bie 9latur bem gried^ifd^em $)immel na^, beflo ft^oner, erl^a= 
Benet unb mad^tiger ifl biefelBe in Silbung bct 3Renfd^cnIinber. . . . S^m 
Qinflug auf bie Silbung fommt ber (Einfluß auf bie üDcnlart, ben (Srgiel^ung, 

Serfaffung unb Regierung eine« SolW auÖüBen" S)ie ibeale iJIafli! 

Tul^t auf ber einfachen Ül^atfad^e, baß ber ^ol^t^ci^mu« 3bolc forbert: „bie 
Äunfl fSat jufammen mit ber frttl^eren ober f}>atem ©nfül^rung beö ®otte«= 
bienfle«". 

„3n Sleinafien unb im %x6^ipd, tt>o ber $immel l^eiter, bie SBittcrung 
Beflanbiger unb glcic^r ifi, aK fclßfi in ©ried^cntanb, toar baö fd^Bnfic ®e= 
Blttt ber ®rie(^en ; l^ier tourbc il^rc S<)ra<^c- teurer an SelBfHautem, fanf ter 
itnb muflcalifc^er, unter bem ^immel loeld^r ben ^omer erjeugt unb Be= 
geiflert l^at SlBer bicfe donier nxtren nic^t im Staube, fU^ ju einem mSd^- 
tigen freien Staate ju erl^cBen. du Stilen« Democratie crl^oB ftd^ ber ®eifl 
eine« Jeben »ttrger« ; l^ier floß, toie in« SReer bie Ströme, aUcö gufammen ; 



§ lU. *i|lorif(^ 2:i^e«. ' 117 

mit ben ffitffenfd^aftcn ließen fic^ l^icr bic Äünjlc nicber; l^icr nal^men (te 
il^ren üomcl^inflen ©ife unb »on l^icr gingen (ie in anbete ?anbet au«". 
Xieß ip ber ©tantmBaum ber Äunft t)on ben l^eißgen Stein))feilem bi« auf 
3)abaluÖ, unb \>on dornet Bi« auf *?J]^ibia«. — 

3)iefe Trennung eine« f^flematifc^n unb eine« ]^i{lorif(!^en Z\ft\U nntt 
einer )>on ben gtficflic^en ©ebanfcn ber ^nflgefc^i^te. Sie n>ar freiließ burc^ i 
bie Sefc^affenl^eit be« Stoff« aufgebrarigt. SBa« er t)on äuff^lüffen ttBer 
alte £unfl gu geben, l^atte, l^ttenur jum flcinflen 3:i^eil in einem l^iftorifd^cn ; 
SSerid^t feine ©teße finben fönnen. SBie »icle Seobod^tungcn l^atte er an bcm j 
römifd^en 3)en!malcrt}orrat]^ gemacht, über Stil unb ßl^aracter ber ÄntHc, ' 
über il^re ©runbfSfee unb I^l>en, aber tt)ic n>cnig geigte jtc^ X)on bicfcm Schaft 
gur S}ertl}cilung in 3«itabf<^nitte geeignet! Unb bie in biefem 6^ao« nod^ 
Derjledten Originale, 9fc^>lifcn, iKac^Bitbungcn gu htnflgefti^ic^tlic^en Qm^dtn ^ 
au«gufonbcrn, bagu tt>ar ba« Äuge ber 2Bij|cnf(^aft noc^ ni(^t bcVDaffitet. 

3n golgc bicfcr Trennung tonn ber 8utor nun auf bem einen 39latt 
ebcnfo rein unb gang ffirgäl^lcr fein, tt>ic auf bem anbem 2^coreti!cr, Seigrer. 
3enc 9tebe tom ©ried^ent^um unb t)om Sbeal, t>on ber ®ragie, t>on ben 
Oöttem unb ^croen, fie giel^t in fc^önem, freiem; gufammenl^ängenbem ®ebanfcn= 
lauf, tt>ie eine Offenbarung an bem burc^ bic güüe neuer, geifler^ebenber 
unb gefd^madüerebelnber SBal^rl^eiten gcblenbctcn Sefer Dorttber. SBogegcn 
ber 39eri(^t bc« gtt>eiten H^eil« nun nid^t« al« ©efc^id^te \% in fletiger 93c= 
megung, in bie nur feiten ein bcfd^reibenber 8tu]^e)>un!t eingelegt wirb. 

Unb teine« Don beiben m^te man miffen. Sknn un« ®ef<^i<^te ergäl^lt 
Jüirb, »erlangen n>ir »om ffiirflid^cn unb feinem natürlid^cn urfä^li(^en 
3ufammcn]^ange gu l^dren, nid^t me^r unb nic^t n)eniger, nid^t t}on angeb= 
lid^en Obeen, für 'mtU^c bie (Sreigniffe unb bie l^anbelnben ''}5crfonen nur bic 
(S^ecutoren , bie Serreger gleid^fam tt>ären, unb bie ber ^^ß^ilofo})]^ au(^ o^ne 
fo t)iel SRü^e, ja DoOIommener al« ber im Staub ber Singel^citen n>ü]^lenbe 
Sorfd^er mit leidstem @ebanfenf)>iel au« ber gufäOigen $üQe ^erau«fd^ält; 
loobei e« il^m, ber ja ber ©efd^id^te felbfi nad^gul^lfen l^at, auf eine $anbi>oll 
nidl)t anlommt. 

9ber ber Sreunb ber ^nfl, be« Schönen n>ünf(^t bann nod^ ctttKi« 
anbere« gu feigen al« jenen cmigen SBed^fcl, jenen Strom ber ©cflalten, 
meldte bie SSeKe „l^ebt unb oerfd^lingt", bic bunte ©aQerie ber ©efd^ic^te 
mit i^ren ctl^nogra^l^ifc^^antiquarifd^en Suriofttatcn. äBic mir ba n>o totr 
äBa^r^eit unb 3Biffen fuc^en, nid^t n)iffen tooQen tna« alle« einfl r>on 2)ten= 
fc^en bc^au^>tet tt)orben ifi unb toirb, fonbern n>a« ifl, »obei ba«3Bann unb 
aSie un« gleichgültig ifl : fo »oBcn mir aud^ in ber tunfl nic^t bto§ confta:= 
tatiren, mie jene 9lation gebaut unb biefc« Oa^rl^unbert gemalt ^at. J)a« 
Schöne ifi, mie ba« SäJa^re, geitlo«. ©n »ebürfniß unfcrcr SWenfd^l^eit, ein 



118 3^tc9 ^n6t. 11. Die 9ef4i(^tc ber Ihtuft 3. «ef»^( ba eculptur. 

9ebftrfni^ bed SoHSomnmen tfi t9, ba9 fu^ auf ba^ @(^ne rilltet; e« finbet 
fi<^ fi^uq)at]^if(& bcrftl^Tt bur4 bed atl^enifc^n SBctfen l^ol^c ffiorte Dom dmi^^^ 
\ifintn unb beffcn 86glan3 in bcr Srfc^inung; bufed Sertangen no^ bem 
einen, $o<^flen, Sef eligenben , biefe al^nung^oQe Sel^nfud^t ifi c9 bie in 
ber ftunfl ber ©riechen il^re erfftttung begrübt 



III. ntmttil htt ecnl^tur. 

§ 115. 
1. SorBetrad^tungen jur Il^eoric ber ©c^önl^eit. 

3)er Sem be^ SBerfÖ ifl nad^ ber Stn^d^t feinet Url^eBcr^ jn fu<^en in 
bem Stttcf „SJom SEBefentliAcn ber fiunfl". S)arin aber wirb t>omc]^mIi<^ 
gel^nbclt »on ber ,,3^i^^"^8 ^^^ 9ia<ftcn", unb biefe wiebcr grünbet fUb 
auf bie jlenntniß unb auf ^griffe ber ®<^on]^cit : „<Z6ySnifc\t ifl ber ^cdf^t 
Cnbjwccf unb ber 5RitteIj)unft ber Äunfl" — biefer Soft ijl SBindcImann, 
Jefjing, SReng« unb i^rcr ^tit gemeinfam. 

äsindclmann legte l^obcn SBertl^ auf biefe %oretifd^e Scijiung. Cr 
l^offt, bafe feine äBl^anblung ,,einigcö Auffegen mac^n folle", in i^r ^be 
er ,,bic l^öc^flen Äräfte bon 9iac^bcn!en unb ÄuÄrud ju jcigen gcfud^t, unb 
fie Bnnc bennoc^ tor bcr l^ciligen 3nquifition (!!) gelefen tt)erb!cn". (Sr ^ali 
n)a« er gefagt ,,ni(i^t fttr SKutl^mafeungcn". 9H^tö ^at er fcl^nlic^er ge= 
tofinfc^t ald bag t§ i^m gelingen mochte, bad SBefen ber @c^nl^eit ju ergrün^ 
ben, ben ©c^Ieicr bicfcö offenbaren ®c]^cimnif|cö ju lieben, bie Antwort 
3U geben, bie einfl Soaatc« auö jenem glonjcnben Unioerfalgenie ®rie(^cn= 
lanb^, $i:|>)>ia9, vergebend ]^erau9}U}ie]^en gefuc^t, unb bie ']$tato'0 y]^iIofo)>]^if(i^e 
SRufe in i^ren tounberfamfien (Singebungen nur burc^ Silber unb ©efd^i^ten 
mitget^cilt l^attc, S3iB)er aber, bie 3a]^rtaufenbe il^m nad^jubenfen unb na(^= 
jutroumen fud^ten. 

3)iefe 2:i^eorie ^t einfl eine große SBirffamfeit ausgeübt, fie genog jtoci 
©cnerationen l^inburd^ eine xoenig angefwi^tene Autorität. Slrd^oologcn unb 
ftenner !I)eutf(^lanb« unb SBelfd&Ianb«, granfreicftö unb feiglanbö f<^tt>orcn 
niil^t l^öl^er; $]^iIofo|>^en l^abcn il^re ©ä^ in ba« ©t^jlem ocrft^fmoljen, unb 
groge ^oeten fie in SJerfen ausmalt; ÄünfHer l^aben n«^ bicfen Canoneö 
i^re (Sonceptioncn gemobelt unb aßen bie oon bcr Äunfl geijÜg unb leiblid^ 
lebten, oom ©eld^rten biö auf ben Siceronen, galt fie atö Sel^rbuc^. 

Diefe 2:i^corie fafte bie gaben frül^erer aRcinungen mit bem 3^8 ^^^^^ 



§ 115. a. S^OTbetta^tungen jur Xl^eone bev ^äfin^dt. 119 

^tit )ufamtnen, bc$l^a(b fanb {te fcU^cn StnÜaug; aBev betrachten mir fic 
al^ ©anjed, fc l^tte flci^ bo(i^ noc^ in 92iemanbed So^f je cttoa^ SÜfnliöft^ 
}ufammengefunben. 

@ie fd^ftegt ftd^ an ben bei bet)^ Italienern unb ))on bortl^er aud^ fonfi 
l^erföinmUd^en dbealidmu^, aber fie üerhiü))ft mit tl^m bie auf ganj anberen 
Sßegen gefunbene IHntentl^eorie. 2(r<^aoIogie unb ®)>ecuIation Befrud^ten ftd^ 
mec^felfeittg. Xnbere fud^ten in folc^en 2]^eorien eine Som))letirung il^red 
^l^ilo{o)>]^ifd^en @^ßemd, eine^roBe il^rer mcta)>]^t;fifd^en $t))>otl^efe: äBindcl^ 
mann n>ar ber ©egenflanb, ber (Stoff Qtotd, bie Srfenntnig nur eined t)on 
bcn SRitteln, jenen ®cgcnflanb üon allen 'fünften ber ^zxbfif)mt au« ju 
burd^bringen, il^m mit aßen Organen nal^e ju rüdtcn; mit 8iec^t, bcnn bie 
fiunf! Befd^aftigt alle Gräfte menfd^ßd^er Statur. Sin n)enig Sogi! unb biel 
em|>irifd^e Änfc^auung räumlid^r gormen; bie feinen Stüancen meiere beö 
fienner« ^ribileg pnb; jener 3^^"^^^ anmutl^iger Silbungen, ber t)on ber 
^innlid^Ieit in ben ®cift em)>or}u{Uigen )>flegt unb moralifd^e dbeate fL<^ 
gugefeUt; aud^ ol^ne etn)ad ^ttop^tffxt, ^oefie unb 9teIigion gel^t e« nid^t aB; 
üBcrfmnlid^e Sid^ter unb baß Sanqx^en be« Antiquar«. — 

SBinctelmann mugte ber äReta^l^^ftf einige äBorte fd^enlen. 3(Ber n>o 
frttl^ere gang in metaipl^^fifd^en Segriffen einl^eimifd^e ^dttn fonjenig errcid^t 
l^attcn, foffte ba ba« fle^>tifd^e SaT^r^unbert glüdKid^ fein? Sr felBfi toar 
t)on ber S!e^>fi« Berül^rt. ,,39ei njenig Dingen finb mir in bereu SBefen 
l^ineinjufd^auen »ermögenb. . . 6in Bejal^enber Segriff aber erforberte Äennt= 
ni§ be« SBefen«. . . 3)ie ©eometrie Befifet fold^e Segriffe: fie gcl^t unb f daliegt 
Dorn SUIgemeinen auf ba« Sefonbere unb (Singeine, unb ton bem äBefen ber 
S)inge auf il^re Cigenfd^ftcn. . . C« l^at „SBeife" gegeben, n>eld^e ben Ur= 
fa(^en be« allgemeinen (Sd^önen nad^gcbad^t l^aBen, inbem fie baffelBe in ben 
erfd^affenen !Z)ingen erforfc^t unb Bi« gur OueUe be« l^ik^flen ®d^nen gu 
gelangen fud^ten". . . ÄBer foDte bic§ Serfal^ren l^ier antt)enbBar fein? 

„Sin jcber Segriff Befielet auf einer Urfad^e, bie aufeer biefem Segriff 
in ctnja« anbcrem gcfud^t n)erben mufe : bie Urfat^e ber ©d^önl^eit aBer fann 
nid^t auger i^r, ba fte in aQen erfc^affenen S)ingen ifl, gefunben werben. 
Unf ere Äenntniffe finb SergIei(^ung«Begriffe : ba« ®d^3ne aBer !ann mit nid^t« 
l^öl^erem »erglid^en »erben". 

(Btünben biefe @ä$c (bereu munberlic^e 3)unlel^eit un« nic^t Bebauem 
lägt, bag er feinen Sug feiten auf biefen Soben gefegt) in einem mergig 
3a]^re f|>Ster erfc^ienenen Suc^, fo mürben mir glauben, e« gcl^e barauf Id«, 
bie Sc^önl^eit ber fogenannten „enblid^en S5crjianbe«erlenntnig" (ber bamal« 
t)on ben «u«erma]^ltett ber ^l^ilofo^pl^ie ber ©tul^l bor bie SB^ttr gefegt mürbe) 
gu entgleisen, unb mit il^r in irgenbrneld^e „inteüectuette Änf(^auung" ]Sinauf= 
gufc^meBen, fte gum „©öttlid^en" gu Beförbem, bcnn mit ber Srtl^cilung biefe« 



Sl^aractct« njar man bamaW fcljr frcigcBig, oBmor^I un^ Bei jenem ,,®ötU 
lid^cn" äffe« el^cr ate gotttid^ ju SKutl^c ttjirb. 

aber SBincfetmannÖ !Cen!en n)ar ju fcl^r t?on grict^ifci^cr gö^on, er BlciBt 
gern Beim Segrenjtcn, unb gebenft jur rechten ©tunbe ber „Unt)oIIfommen= 
^eit" unfcre^ ?oofc^, f))rici^t aud^ ttJot;t ben Sitten ju ©efottcn tjon bei 
„üRaterie", bic an jener Unbonfommcn^cit ber SKenftl^l^cit ©c^ulb fei. ©enen 
Xüddit baö @d^öne in ber ,,tJott!ommenen UeBereinfHmmung beö ®efci^6^)f5 mit 
beffen ?f6ftd^ten unb ber lE^eile unter (id^ unb mit bem ©anjen" gefud^t 
l^aBen, l^alt er mit 2Rengö entgegen: „\>a^ xtyaxt glei^Bebeutenb mit ber 
SoHfemmenl^eit, fttr n?elc^e bie 9Kenf<^^cit fein fällige« ©efaß ifi (non 6 
capace)". — 

3(Bcr eBenforoenig mag er Sc^önl^cif freilid^ fttr burc^au^ enblid^, meB= 
Bar l^alten. ,,Xie eti^ön^eit foüt^nic^t unter 3al^l unb SRaaß". üDaß e« 
feinen gcomctrifti^ bcutlid^en Segriff f on il^r gieBt, jeigt fd^on bie SJerfc^icben= 
()eit be« Urtl^eite : ,,gäBe e« einen, fo ttjürbe bie UeBcrjeugung i>on ber tt>a^= 
ren Scftönl^eit leicht tt>erben". Dc^^alB fann er aud^ inben^ro^Jortionen 
fein äequiüalent ber Scfecnl^eit finben. „^o \ok bie ©efunbl^eit ol^ne anbere^ 
SScrgnügcn fein großem ©(tief fd^eint, fo ifi e^, eine fjigur fd^cn 3U jei^nen, 
nid^t I)intangtid^, ba§ biefelBe in ber ^ßro^5ortion richtig fei, unb fonjic bie 
SEßiffenfc^aft tjom guten ©cfc^macf unb t»on 6m^>finbung ganjlic^ entfernt fein 
fann, cBenfo fann bie ^Jroj>ortion, njeld^e auf SBiffen Bcftcl^t, in einer 5igur 
ol^ne labet fein, cBne bafe biefetBe baburd^ fd^ön ifl. *icle Silnftter ftnb 
gelehrt in ber ^ro^jortion, aBer njenige t^aBen baö Sd^öne l^ervorgeBrad^t, 
tt?ei( Bier ber ©eift unb ba« ©eftil^t mel^r at^ ber Sop\ arBeitct". 

2ltfo — „bie Sd^önBeit ift ein6 bon ben großen ©el^eimniffen ber 3latur, 
bereu Sirfung n?ir feigen, unb aße era^>finben, t^cn beren SBefen aBer ein 
allgemeiner beutfid^er Segriff unter bie unerfunbenen SBa^rl^eiten gel^ort. . . 
6^ fann teid^tcr, wie Sotta Beim ßicero bon ©Ott meint, üon ber <Sd^önt;eit 
gefagt »erben, nja« fle nid^t ifl, aU n>a^ fie ift. . . & fc^tt unö bie SRegel 
unb ber ßanen be^ Sd^önen, na(^ n>etc^em ba^ §a^tid^e Beurtl^eilt toirb. . . 
3a, bie ©^ön^eit liegt tiBer unfern SJerfianb f)inau^ (e superiore al nostro 
intelletto)''. 

üCiefc grftärung ioirb manchen ?efer, ben ba« „SHkfen'', ba« „SBefent= 
tid^e" in ber UeBerfd^rift Beforgt gcmad^t t^attc, Beruf>igen. So fonft bicfe« 
(gerabc6 ffiegö bon ben gntitätcn unb Cntetet^ien ber alten ©d^ulmänncr 
aBftammcnbe) ©ort erfd^eint, ba fann man barauf fd^mören, ba§ 2Reta^>^^ftf 
fommen ioirb, b. ^. Bof^e tönenbe aSBortc, BalB leer, l^alB öem)orren. 

aSBinrfelmann tröftete fld^ leiAt ttBcr biefen feinen ffe^>tifd^en 9ttt(f= 
5ug, inbem er Bemerfte, ba§ bie »irftid^e ßinfic^t bur(^ jene 9tec^enmeifter 
unb 3BortftauBer faum je erweitert ober t^erfeinert worben fei, unb baß i^rc 



$ 115. a. !9BoTbetra4tttngen im Xl^orie bet Sc^önl^dt. 121 

Scgriffc oft mit feiertet Scnnttii^ unb flumpfcn ©innen jufommcn BcfHlnben. 
,,3Benn mif baö ©d^önc in affgcntcincn gegriffen fönntc beftitnmt tt>crbcn, 
fü würben ftc bem, weld^ent t)om $inimcl ba6 ©cfül^l »crfogt ifl, nic^t 
Reifen". 

SBurbc et aber gebrängt, f o l^atte er niditß gegen bie Bcfannte Srflarung : 
ßin^eit im 5D?anntd^faItigcn. 3)ix^ bieg toar nnr eine »agc formet, in ber 
eine groge 3^^! bon gorm^jn "^laft fanb, »on benen nur njenigc äftl^ctifd^cn 
SBcrtl^ l^attcn, unb biefc l^crau^jupnben, gab bie gormcl feine I^inreic^enben 
aSBinfe. — 

3e me^r SBincfelmonn fx6^ l^ier f!e}>tif(i^ auöf^>ra(ä^, nm fo meljr mar il^m 
baran gelegen, baß man n^iffe, biefe ®!c^>ft« erftrerfe ftci^ BIo§ auf bie meta= 
^>^ijfif(!^e SSegrÜubung unferer Änficl^ten beö ©dienen, auf bie logifd^e 8(6= 
Teilung feiner ©gcnf(i^aften , gönnen auö bem allgemeinen SSegriff. 3Hc^t^ 
tvare feinem ©inn mcl;r entgegen gctoefen, aW ber gemeine SBal^n, bag auc^ 
ber Sn^alt jener SJcgriffe, bie formen benen n)ir afil^etifc^cn SSJertl^ ju= 
f(^rciBen, njiDfttrlic^ feien, !urj "bag über ben ®efd^ma(f ni&t ju firciten fei. 
Der SBiberftrcit im ®ef(ä^macf unb in ber jfunfi Sinjclner mie ganzer ®öl!er 
unb SRacen ifl il^m jufolge fein S3cn)ei6 gegen ba^ Sorl^anbenfein einer in 
ber 9?atur unb in ber @a(^c liegcnben 9iorm fd^öner tjormen, nic^t einmal 
gegen bie Uebcreinflimmung beö ®eftil^te fcIBfl, n)enn e^ nur bon frembcn 
trltbenben ©ntoirfungen Befreit n}ürbe. 

X(ä)tx fud^t er bie angebliche Il^atfad^e jene« SBiberfkeit^ beö ©efd^mad^ 
5U bcfeitigcn. ,,3n ber aßgcmeinen gorm feien beftänbig bie mel^rflcn unb 
bie gefittetflen Sölfer in (guro^>a fonjol^I ate in Slfien unb Äfrica tibetein= 
gefontmcn : bat;er feien bereu ^Begriffe nid^t für miHfürßt^ angenommen ju 
I)alten, ob n)ir glei(^ nid^t bon äffen ©rtinbe angeben fönnen". 

@r l^ätte fid^ au^ berufen fönnen auf bie grofee I^atfac^e ber ^nfl= 
gefc^ic^te, bag ftct6 ba« unbofffommene SKannit^f altige, fobalb ba« ©ne 
Schöne fid^ geigte, gteid^fam auf fein 9?ed^t ber Sjiftenj tjcrjid^tct l^at — n.ne 
bie ®efd^t(^te affcr JRenaiffanccn alter unb neuer ^cxt bcn}eifi. 

®r jeigt ferner, toie bie gormeu gctüiffer 93ölfer, bie un^ taufafiern 
^äßlidlj crfd^einen, l^aßlic^ an ftdl) flnb. G^ fei barin eine grunblofe Sb= 
tt>ei(^ung bom Sinfad^en unb Siattirlic^en , eine Uebcrtreibung ober Ser= 
flimmerung. 3)ie ©c^önl^cit liegt alfo in ber redeten SÖiitte, unb er l^ätte 
fic^ auf beö Äriflotelc^ ©t^ilberung ber lugenben att SKittel jttjifd^en einer 
llcbcrf(^rcitung unb einem 3w^*&fei^c^ bentfcn fönnen. 

„SBenn unter jttjei Sinien bie eine »on ber anbcrn ol^ne ®runb ab^ 
tueid^t, tt)Ut e« bem Äuge tüel^e". . . Sei ©inefen, 9a^>anefen j. 93. beriefet 
bie fd^tSge ?Rid^tung i^rer tafeenaugen ben crtoarteten ^ParaBeUömu« berfelben 
mit ber t^orijontallinie be^ Äugcnfnod^enö, bie mit ber fenfred^tcn 5Rafen= 



1 22 3>^tc9 8u4. II. 2>ie iSefd^t^te bot ihtn|L 3. Eefl^tit bot ©cul^tur. 

linie bod threuj Btibet'', btefe 8a(id unb ©tunblage be^ ®efu^tö, oon ber 
jene alfo abfaQt. ,,2)ie gq»letf<^te 9lafe bet SalmUdfen tfi eBenfaSd eine 
trbu)ei(j^ung: bcnn fte unterBric^t bte (Sin^eit bet t^omten, nod^ toelc^er bev 
üferige Sau bcd ^ör)>erd geBilbet war, unb ed ift !etn®Yunb, UKirum bie 
9{afe fo tief gefenft liegt unb nid^t t}ielnie]^r bet dtid^tung bet ®titn folgen 
, foDte. ÜiDet aufgeworfene f(^n>ül{tige 9Runb, loeld^en bie SRol^ren mit ben 
Uffen in il^rent 2anbe gemein l^oBen, ifl ein üBetflttffiged ©ewäc^d [^'^^^o/i^'] • • • 
web^ed bie $i^ il^ted Slima^ Derutfa(i^t; bie Keinen Sugen ber entlegenen 
nötblic^en unb öfllic^en IBanbet pnb in bet Unüottfommenl^eit [HXtirptg] il^tc« 
©emSc^fed mitkgtiffen, tt>di^^ fnt} unb Hein ifl'^ X)iefe Segtünbung einet 
Sl^atfac^e, tocH fein @runb für bad @egent^eil ^»otl^anben fei^ ge]^5tt üBri^: 
gen^ oud^ gu ben tofligen SBaffen bet alten ÜReta^^l^t^fit. 

,,9Ran »etbe gugeben mttffen, Bemetft et no<^, bag je flatfer bie Sel^n- 
li(^!eit an eingclnen Jll^eilen mit ber Silbung ber S^l^iere fei, beflo me^r bie 
gorm wn ben (Sigenf(]^aftcn unfteö ©efci^led^t« aBtt)ci(^e". SGBitfUd^ l^at man 
gemeint, bie ©tieci^en l^ätten ibeale gotmen auf biefcm 993ege gefuc^t, inbem 
fte bem f)>eciftf(^ äRenfd^lid^en in bet 9tici^tung feinet Sntfetnung ))om X^ie^ 
tifc^n nachgingen, }. 99. in bem gtogen ^inne, bem tiefliegenben %uge, bet 
fenlted^ten ©titn. 

3n oielcn goBen ifl abet bet 3Bibetfh:clt bcö ©cfc^mad« nut fd^einBat, 
»eil eö nid^t eigentlid^ ein SBibetfiteit beö ©efc^macfö ift, fonbetn bie ®inn= 
lid^hit ba« ©efd^madduttl^eit t^etfälfd^t l^at. 

äBindelmann Betül^tt l^iet ben Untetfd^ieb be$ (Bd^oMXi unb Xngenel^men, 
inbem et bem ®<^önen ba^ Beilegt n>a9 ^ant 3ntetef[elo{tgfeit nannte. 
„3tt)at ip bie Äunft bet ä^^^^^g unb bet SKaletci, mic bie ^ocfie, eine 
Socktet bed Setgnttgend: bad Setgnttgen ifl bem iD^enfd^en nic^t n)eniget 
notl^btttftig, aW bie Dlotl^butft in eigentlid^em SJctfianb"; aBet bie „@<^ön^eit 
ifl tjetfd^ieben oon bet ©efaüigleit". 

Die Utfac^e bet @efd^mad«ittt^ümet liegt oft „in unfeten üüften, meldte 
Bei ben mel^tflen SKcnfc^en butd^ ben etflen Slid cttegt njetbcn; unb bie 
3innli<^Ieit ifl fd^on angefüllt, n>enn bet S^etfianb fud^en moHte, bad ^bnt 
3u geniegen: atöbann ifl ed nid^t bie Sc^ön^eit, bie und einnimmt, fonbetn 
bie äBoIIufl. ÜDiefet Ctfal^tung jufolge nxtben jungen beuten, Bei »eld^en bie 
I4\fle in SaSaßung unb ©äl^tung fmb, mit fc^mad^tenben unb Btünftigen 
ateijungen Bcjcid^nete ®ejid^tet, tocnn fie aud^ nid^t tt>a^t]^aft fd^ön fmb, 
@5ttinnen ctfd^einen, unb fie n>etben loeniget getül^tt »etben üBct eine fold^e 
fdjöne gtau, bie ^ndfi unb SBol^lflanb in ©eBetben unb ^anblungen jcigt, 
»eld^ bie »ilbung unb bie aWaj[eflät bet 3uno ^tte". SRod^ Icid^tet ifi 
biefe Setl^ötung, tt)enn ein ^nflgeBilbe mit bet 9iatut in bie (Sd^tanten 
ttitt. — 



§ 115. a. 8ot^tta<!^tiineen )ur Xf^xit ber (^9n]^ 123 

^^jDenn xml audgeBilbete ©d^Snl^eiten in ber ^nfl »eniget tetscii att 
bic in ber Statur fcftfl, fo »erben aud^ jene, tuKtin flc nadti SSegriffcn l^ol^er 
<Bä^JSrä)tit geBilbet, unb ntel^r ernß^aft atö letd^tfertig ftnb, bem unerkit^- 
teten ©inn n)eni0er gefallen, afö eine gemeine ^Bfd^e SJilbung, bie rcben 
itnb l^onbeln lann". 9{un aBer ^^BilDen ftd^ bie Segriffe ber Sd^önl^eit Bei 
ben meifien ^nftlem auf folc^n unreifen erflen (Sinbrücten, n)eld^e feiten 
burd^ l^öl^cre @(^ön!^eit gefc^mäc^t unb vertilgt n>erben, }uutal menn fte ent» 
femt t)on ben ©d^önl^eiten ber alten, il^re Sinne nic^t öerBcffern f8nnen". 
igr »ergleid^t bicfeu Vorgang mit ber Sitoung ber $)anbfci^rift in ber dugenb. 
(Er l^atte oud^ an ben $ang erinnern !onnen, \>ex bem l^eonarbo bie tünfller 
n>arnt, ben Xtfipne i^xtx eigenen ©eflalt »ieberjugcBen. 

(Snblic^ Beruft er ftc^ no(^ auf bie geringe Sebeutung ber $arBe, nam= 
Xidf ber be« SWateriatt in ber ^laftif. S)ie garBe trage jur ©i^önl^eit Bei, 
fei aBer nic^t bie ©d^önl^eit felBfi, fonbern erl^eBe biefelBe ttBer]^au)>t unb il^re 
Oorm ; bie t^arBe be$ WUttaü^, bed fd^marjen ober ^rünlid^en 9Jafalt9 fei ber 
@<j^ön]^eit alter $df>fe nic^t nac^tl^eilig, oBmo^l bie toti^t %axit, bie ftd^ 
em))finbli(i^er ma<l^t, einen fd^önen tör)>er t^crfd^önere. IDie „33ilbung^' mac^t 
baö SBcfen ber ©^önl^eit au«, unb über biefe« n>erben fu^ Sinne, bie er= 
leuchtet ftnb, ol^ne 3Biberf)>rud^ leidet vereinigen fönnen, mol^renb man ttBer 
Blonb ober Braun freiließ ett)ig uneinö fein »irb. @o »irb ein geüBte« 
unBeflec^lid^e« Suge an einem argjugerid^teten griec^ifd^en Xorfo mel^r ®enug 
ftnben, atö an einer ma!ellofen, f))iegelglatten, eleganten römifc^en 92a d^= 
al^mung. — 

Da mx nad^ bem DBigen nun nid^t in ber ?age finb, n>ie in ben 
matl^ematifd^cn unb bebuctioen äBiffenfc^ften, oom allgemeinen auf bad 9e« 
fonbere unb Cinjelne, bom SBefen ber Dinge auf il^re Sigenfd^aftcn ju f(^lie= 
fecn, f(J BleiBt nur ber inbuctioe SBeg üBrig: „tt>ir muffen un« Begnügen, 
au« lauter einjclnen Stöden »al^rfc^einlid^e Sc^lüffe gu giel^en . . . Unferc 
Segriffe oon ©c^önl^cit Bilben fid^ burd^ cinjelne Äenntniffe, bie, »enn fle 
rid^tig pnb, gefammclt unb berBunbcn un« bie ^öd^ftc 3bec menfd^li^er 
©c^önl^eit geben". DBtoo^l man im Sortrag ben f^ntl^etifd^en ffieg oorjiel^en 
fann, „ba man bie ^enntnig allgemeiner Sa^e oor einzelnen Semerfungen, 
obgleich au« biefen jene erwad^fen ift, in aQer SRet^obe borau«fe^en mu§''. 

2)iefe dnbuction nun fottte fld^ grttnben auf eine JRcoue [tnaywyi^] oon 
nid^t« n)eniger al« bem gefammten 8l)>)>arat ber älrd^Mogie. (Er n)ttnf<^te, 
ft(^ aUe 9}ac^rid^ten oon Statuen unb Silbern unb }ugleid^ alle« ma« bon 
biefen üBrig fein !ann, neBfl ber uncnblid^en SRenge erl^altencr SBerfe ber 
£unfl auf einmal gegenwärtig borfteüen ju ttnnen. „Ol^ne bicfe Sammlung 
unb Sereinigung berfelBen unter einem Slid ifl fein rid^tige« Urtl^eil }u 
fällen: wenn aBer Serfianb unb Äuge aUe SBerfc fammelt unb in einem 



124 ^tctitt» 8u(l^. II. ^t <S^&f\d)tt Ux jhinft. 3. ^efl^tit ba ecul))tiit. 

ataum jufammcnfc^t , foiüic baö attÄctlcfcnftc bct fiunft in bcm Stabio gu 
(gti^ iti »icicn 9?ci^n gcorbnct flanb, bcfinbct jtc^ bcr @cift tt>ic mitten in 
bcmfclbcn". 

3einanb btirftc nun cintt>cnbcn, auf bicfcm 333egc fcnnc nwc bcr ®til 
bcr ©cu(^>tur, tt}cnigftcnö bcr gricc^ifd^cn, ober andf baö ,,clafftf(^c ^bcal" 
gcfunbcn n>crbcn, bicfe erftgcborcne, tjicttcic^t aber nid)t bic cinäige Zod^' 
ter bcr ©ci^onl^cit. ^iid^t mit Unrecht tabcitc Stumol^r, bafe SBintfelmami 
nie bal^in gelangt fei, bic ©(fcönl^eit bc^ Segriffö »>om ©ebenen bcr an= 
fAauung in unterfAcibcn. 31 bcr bamate backte noc^ 9iicmanb baran, baf 
^ c^ mcl^rcrc @cfe^c beö .Qunftfc^öncn, einen matcrif(^en Stil unb einen 
}>(afMf(i^en, ein romantifc^eö 3bca( unb ein mobcrncö geben fonne. äuö ber 
antifcn $tafHf f(i^öj>fte man unbcbcnftid^ ben ßanon für bic gange Klbcnbc 
fünf!. & ift ein Sf^om äBtnrfcImann^ : bic (Einheit be^ €<^oncn. „3Sq£ 
nic^t fd^ön ift, fann nirgcnb^ fcbcn fein. . . . Die bic Sd^önfecit ate »ttrbigen 
©egenftanb i^rer 33ctra(!^tungcn gen>al^lt unb angefcl^cn Babcn, fönnen über 
bo^ ttjal^rc gcbcne aU nur Sinc^ unb nic^t mancherlei, nid^t jtüifHg fein", 
hierin fd^licgt er fid^ alfo gang an jene bei ben englifcbcn Sritifem (Xüit 
^\\t&ft\on, $ome) ftef^enben 9iäfonnemcnt^, bic unter bcm litel Standard 
of taste bic 3^'^if^' ^" ^^"^^ 9itQtl bc^ äftl;etifcbcn Urtl^ciW tt)iberlegcn. 
Triefe äuffaffung ift ein cbaracteriftifcbcr 3"8 ^^^ fiunfttl^coricn beö Sluf= 
flärung^jal^rbunbcrtö , fie ^ngt gufammcn mit bcm »a^ man ]p&ttx ba« 
,,Un]^iflorifd^e'' feiner Sitbung nannte. 3n leibenfc^aftlid^em 3Biberf}>ru^ 
bamit bc^au^)teten bic SRomantifer ba^ 9tcAt bcr l^iftorifd^cn üRannici^faltigfcit 
in ber tunft, inbem pe ba« äUgcmcingtiltigc ber 93Jiffcnf(3^aft vorbehielten, 
unb ©d^leiermac^er erfanb bafür eine t5<>nnel, inbem er bic S^unft „bcr 
eigentl^ttmlicben ober biffcrcntiircnben 93ernunfttl^ätig!cit" gunjic^. 



§ 116. 
2. ecböne 5»atur. 

On biefer legten Sßcnbung tritt bcr ärci^äologc l^erbor unb nimmt 
gleic^fam bcm ^]^iIofo^>^cn ben ©cbanfenfaben auö ber C)anb. 3enc f!c<>tif(i^cn 
(grtoägungen fül^rtcn unbcnnerft oon ber ÜReta^>^i^fif in bic ffim^piric, bon bcr 
2:]^corie gur ^iftoric, bom 3Jegriff beö (Schönen gu ben SÄa^men gricc^ifc^er 
Silbl^aucr. Xie ©rtinbc, rvcUift 3Bin<Ie(mann gu l^abcn meinte, tt)cnn er bic 
(S<:^&^fungcn bcr Ic^tcrn gur alleinigen ^Icnntni^qucUe be^ (Sd^dnen machte, 
finb gum Z^cU enthalten in feiner l^cl^rc^tjon ber f(^önen Statur. 

S)er SJcgriff.ber fij^önen Statur fommt. an groei ©teilen bor: bei ben 
Urfoc^cn beö SJorgug« gried^ifc^er Äunft, beren erfte bic „©tibung" bcr 



§ 116* b. ®(^Bne iRatttr. 125 

®ric<^n x% unb Bei bcn Stilijcrtobcii, it)o bic ^Zad^al^inung bct 9?atur bcu 
toOTtDätt^trciBcnbcn Onnjul« flicBt. 

,,S)ie Sunft ^at im ?lltcrtl^um , ^ toie unter ben Sieucten, eine ®eftalt 
na(^ ber Silbung ber SRenfc^en angenommen. . . S)te ^Unfllet l^aben in 
jebcm ?anbc il^rcn gigurcn bie ®efid|töBiIbung il^rer SRation gegelSen. . . 
Sicfe« alfo ttxiö tt)ir und aK ibcalifc^ öotflettcn, toat Bei ben ©riechen 
9?otur. . . . aSenn nad^ einem englif(^cn ©(i^Tiftflctter t}on ©taube nur bic 
Italiener bie Sc^önl^eit malen unb Bilbcn Knnen, fo liegt in ben fd^önen 
©ilbungen beö Sanbeö jclBfl jufit Si^eil ber @runb ju bicfer gäl^igfeit. . . 
Äurj, ber 6influ6 beö ^immete mu§ ben ©amen BeleBen, aud tt)eld^cm bic 
fiunjl fott getricBen n)erben". 

9hin aBer »ar ber l^ettcnifd^e Ztfpn^ n)irfli(^ bie regelmäfeigfle unb 
grofeartigfle Entfaltung menfd^lic^er ©eftalt, t)on ber tüir Jhinbe l^aBen. Um 
biefc Sel^auptung toal^rfc^einlid^ 3U madifcn, gcl^t er t)on ber S3eoBa(^tung au«, 
ba6 bie 9?atur nad^ bcm ©llbcn l^in in ber ©ilbung immer glüdflid^cr unb 
fiattlid^er njerbc : ,,tt>o bie Statur n^eniger in StcBeln unb in fc^mcren Dünflcn 
eingcl^üttt ift, gieBt fle ben Äöq>ern jeitigcr eine reifere gonnj fte erT;eBt fxi) 
in mäd^tigen, fonberlid^ njciBlid^en ©eVDad^jen". Dieg l^at SBindfclmann in 
Italien fclBj! BcoBac^tet: ,,eö finbcn fit^ in ben fc^önflen 85nbern t>on Italien 
»enig l^lBcnttt>orfcne, unBeflimmte unb unBebeutenbe 3tige beö ®efi(Bt«, n)ic 
l^aufig jcnfeit« ber Vtf^n, fonbem flc pnb tl^eitt erl^aBcn, tl^eiW geijheidi, 
unb bie gorm befi ©efld^tÄ ifl mcl^rentl^eiW gro§, völlig, unb bie Sl^eilc 
beffclBen in UeBcreinflimmung. . . S)iefc »>or3tiglid^e Silbung ifl fo augen= 
fd^inlid^, ba^ ber Äo^)f bc« geringflen SKanneö unter bem '?6Bel in bcm 
erl^Bcnflcn ^iflorifc^en ®cmalbe lönnte angcBrad^t njcrbcn; unb unter ben 
S33eiBem biefcö ®tanbc6 »ilrbe e« nid^t fc^toer fein, auc^ an ben geringflen 
Orten ein SSilb ju einer 3uno gu finben. SRcai>el . . . l^at l^Suflg gormen 
unb 33ilbungen bic jum aWobcö eine« fd^öncn 3bcate bienen Bunten, unb 
n>clc^e in SlBfld^t ber gorm beö @efl(^t§ unb fonberlid^ ber flar! Bejcid^ncten 
unb l^armonifd^en Il^cilc bcffclBen, glcic^fam jur SJilbl^auerci er= 
f(i^ äffen ju fein fd^cincn". 

SS ifl aBer n)cniger bie 3Barmc M bie ®lcid^m&§ig!cit ber 3:em)>cratur, 
toeld^e biefcr gormenttoicflung günftig ifl, — „bie ÜKitoe, ber gleic^mSgigc 
$>immeL . . Unfd^önc SBilbungen njirft bie 9latur allgemeiner, je mcl^r fic 
fld^ il^rcn Sußerftcn ffinben nähert, unb entwcber mit ber $ifec ober mit ber 
ßoltc jheitet, n>o fic bort üBcrtrieBcne unb ju frtil^jeitige, l^ier aBer unreife 
@ett)5c^fe t>ott aller Art ]^en>orBringt. 3e mcl^r fle flc^ bagegen bcm SWittcl^ 
^?unft nfil^ert, beflo rcaelmSfeigcr Bilbet fle . . . bcflo f(^dner, crl^aBencr unb 
mutiger if) fic in 9ilbung ber 9Renf(^en!inber . . . bcfto l^eiterer unb fr0^= 
lieber toirb fic, unb bcfto attgcmeincr ift il^r SBirfcn in gcifhcit^fcn unb 



t26 3n)dte« 9ii4. II. 2)ie ^ef^ic^te bet Jhtnft 3. SCefi^tif ber Soil^tur. 

njt^igen ©ilbungcn, unb in cntfc^icbencn unb üicfocTf}>tcc^cnbcn 3^*8^^- • • • 
Unb ba fic^ bic 5Ratur nun, nad^bcm fic fhifcntvcifc burc^ jfaltc unb ^xtjt 
gegangen, in ©ried^enlanb, »o eine jtt>ifd^cn Sinter unb ©omraer aBgcs 
toogcne SBittcrung i% njie in il^rcm 9Wittcl^)un!t gefegt : f o tvirb pe l^ter il^rc 
ÜRenf(^en auf« feinftc »oüenbct l^aBcn. Sal^rfd^cinlid^ nnir ba« fd^onflc ®cBIüt 
bet ©ricd^en, fonbcrlid^ in STbfld^t bct ^oxit, unter bem ionifc^n ^innncl 
in Steinalten, unter bem ^immcl, »elc^er bcn §omcr erjcugt unb Begeiflcrt 
l^at. Denn ^icr unb auf bcn unfein ifl ber ^immel öiel Weiterer, unb bic 
SBittcrung bcjlänbiger unb glcid^er ate fc(6fl in ©riec^cnlanb. Unb biefc 
formen l^aBcn aud^ foüielc Unttoaljungcn ni(^t ganj jerfiörcn Wunen: auc^ 
nad^ bcr ??crmif(^ung mit frembartigcn Seftanbtl^cilcn burd^ foüielc 3a^r- 
l^unbertc ifl noij jc^t ba« l^eutigc gricc^ifd^e ®c6lüt wegen bcffen ©c^onl^cit 
berül^mt". 

„Jotglid) (fc^ficfet er) finb unfere unb ber ©riechen 35cgriffc t>on 
©(^önl^eit, »etd^c oon bcr regclmäfeigflcn Silbung genommen finb, richtiger 
ate ttjcld^e fid^ SSolfcr bilben fönnen, bic »on bem ffiBcnbilb il^rc« @<^öj)fer« 
]^aI6 ücrflcttt fmb". — 

Ueber bie^ aQe« liege ftd^ Diel fhciten. 3)ie bamal« fo belieStc Xnfic^t 
))om einflu^ ber Suft auf ba« Sca«mcfcn flanb fc^on bei bcn alten 9tatur= 
pifxlo\opiftn] ba« CEIima bilbet noc^ ^ol^biu« bic Sitten ber Sölfer, il^re 
©efitalt unb t^arbe. CEicero glaubte, bic Jl'ö^fe n}ären um fo feiner, je bttnncr 
bic !^uft, unb nac^ ^i)))>ocrate« formt ber glUdlic^e $immcl ©riec^nlanb« 
unter 3Renf(^n bic fc^önflen unb n^ol^lgebilbetftcn @efd^o)>fe unb ®en>ac^fe» 
Den Slten nnir bicfe Slnfic^t fel^r natttrlid^, ba fle ftd^ bic Seele felbfi, ba« 
belebenbe unb )>laftif(^e ^^uibum, al« eine „warme, trodene Suft, einen feurigen 
Dunf!" Dorfteatcn. 

Dl^ne biefen Sinfluß be« Stima« ju läugnen, jumal für bic langen, 
oor^iflorifd^cn ä^i^äume, in h>elc^en bie Silbung unfcrcr 9iacentt>))en ßattfanb, 
ifl bod^ für bie futjen 3^i^ö§« ber ©efd^id^tc, wcld^e wir überfeinen, bie 
abflammung faft allein mafegebenb. Die 9Jacen= unb SJölfert^n befiten 
eine fold^e Daucr^aftigfeit unb 9Bibcrfianb«fraft aßen SBcc^feln bc« aBo]^n= 
fiftc« gegenüber, baß »on bcn l^iflorift^cn. ©ifeen eine« 33olf« !aum ein 
©[^lug auf bic SBirfungen be« Slima« gcmad^t werben fann. 335indelmann 
beruft m auf bie granfen in ©allien unb bie ®ot^en in Spanien für feine 
$^j>ot^fe, ba§ bic 9?atur eine« jcben ?anbc« aut^ neuen änfömmlingcn 
btefelbe il^r eigne ©eflalt gebe, wie frül^cr bcn ©ngebomen; aber wa« finb 
einige laufenb (grobcrerl^orben über cin^cimifc^e 9Rittiopen jcrfhcut! Scffcl^ca 
nid^t in ^inboflan nun ft^on ^al^rtaufenbc lang bie flSrfflen nationalen 
Sontrafle, bie unfer planet aufweifl, un^ermifd^t unb unt>crwifdnt neben* 



$ 117. 0, ^etiobm ber S^^^ng. 127 

cinanbcr? 3)et l^dlcnifd^c ^"pvA ift in gang onbctn ID^äfem aW benen Krco« 
bicnö unb Änatoltcn« gciDad^fcn. — 

Die t)on bcr 9?atur gelieferte gotm aber »urbe bann auf alle benftare 
aSBcife tDerebelt unb berbofffonininct burc^ bic Sibififation. „Wit% xccA öon 
bcr ®e6urt bi« gur gütte be« SBac^^tl^um« in ber ©ilbung ber Söq>er, gur 
ScÄal^rung^ gur Aufarbeitung unb gur 3^^*^ biefer SSilbung burci^ 9?atur 
unb Äunji eingeflößt unb geleiert »orben, »ar gunt SJortl^cil bcr fd^ancn 
9?atur bcr alten ©ried^n gctt>ir!t unb angcmanbt". Denn bcn ©riechen n>ar 
bie ^rteifid^feit bcr Statur fttr fic fein ®el^cimni§, unb jtc Befolgten bie 
finge ÜRajinte, bie SBal^t bcr gcbcn^gicle il^rcr SegaBung angu^jfen. ,,Die 
®rie(j^en n>aren flc^ biefe« il^re« Sorgugö bor anbcm Cölfcm Bett>u§t, unb 
bei feinem SSolf ifl bic ©^ön^eit fo \)^ aW Bei i^nen geachtet worben". 

„Äcin 5Reuerer, fagt Stumol^r, ^at tt>o^l mit fo antifcm Sinn ba« 
@(i^öne unb ä3cbeutungdboOe bcr 9}aturformen enq>funben^ fo ungcbulbig i^r 
ma]^rc6 SScrl^altniS gur ftunfl gcal^nt". 

§ 117. 
3. '"Pcrioben ber ä^^^^wng. 

©onfi fommt ber Segriff ber fd^önen 9?atur n^ oor Bei Oclcgcnl^it 
ber ^rioben gried^ifc^cr Äunfl, in bcrcn Sl^aracterifHf bie SScranberungen ber 
3ei(i^nung bafi mafegcBcnbe fmb. 

Die 3^i<^^u^B ^f^ i^^^ gcrablinig unb einfach, bann flarf unb üBer= 
tricBcn, l^icrauf crl^aBcn, oon l^o^cr ©d^önl^cit, cnblid^ oon gcfSfligcr, licBlid^. 
Äüe bicfe SBcd^fcl aBcr fommcn l^cr oon »icbcrl^ottcn änfafeen gur ann%rung 
an bie 9?atur, mit äBn^cnbung oon ben Bio bal^in geltcnben, conoentionettcn 
®^flcmcn. 5Raturn>a]^rl^eit ifi alfo bic trciBcnbc Äraft im ?eBcn ber 
f(^öncn fiünftc. 

Dieß fi>ric^t SBindtclmann fcl^r flar unb Bcjlimmt au^ in folgcnbcn mcrf= 
ttjürbigcn, oon Baconifc^cm ®cij! erfüllten ©ä^cn, bic oiettcic^t mand^en in 
feinem 9D?unbe üBcrrafc^cn n)erben: 

,,Dic Äunft »irb fid^ Bei bcn bcrfc^icbcncn SJölfcm auf einerlei Art 
gcBilbct l^aBcn, ba^ ijl, mit 9?a(^a]^mung bcr Statur, tt)cl(^c bcr Vorwurf 
bcrfclBcn ifl. SJon biefer, aW il^rer gttl^rcrin, ba flc faum auf ben SBcg 
gcBrad^t njorben, trennte pe flc^ unb folgte i^rcn eigenen i5u6ta<)fcn, Bio flc 
Pd^ cnblic^ bcrtoirrt [oerirrt?] fanb unb ftd^ gcnöt^igt fal^, bon neuem gu 
il^rcr gti^rcrin gurUdtgufel^rcn unb gu ben ©rnubfäftcn, bon ujctd^cn flc aB= 
genjid^en toar. 

,,Dtc ftunfi ifl gur SoIIfommcnl^cit gelangt auf ber ©ol^n bie aflegeit 
bie größten SRcnfc^en in il^rcr «rt Betreten l^aBcn : biefer SBeg \% felBfl bie 



128 3»>ot<« enäf. II. Dit <»(\äf\dftt bet SbmfL 3. Keft^f bn (Bcufy^m. 

OueUc )u füllen, unb ju beut UTf)>rungc jurfidjufcl^reu, um bie äßat^tl^t 
rein unb utit)crmif6t ^u ftnbcn. Sie CueUc unb bcr Urf)>ning bcr $unfl ift 
bie iStainx fcIBfl, bic, tvit in aQen S^ingen, olfo an(S^ ^cx, unter 9tcgcln, 
So^en unb ^orfd^riften ftc!^ verlieren, unb unfenntlic^ n^erben lann. äSkt^ 
ßicero fagt, ba^ bic tunfi ein richtigerer §ft^rer aW bie 9?atur fei, !ann 
auf einer Seite aW rid^tig, auf ber anbem aW falfc^ Bctrad^tct ttjerbeu. 
9^id)t^ entfernt mcl^r bon ber %atur aU ein l^el^rgeSaube unb eine fhengc 
golge nod^ bcmfcIBcn". SJom ^ft)>)> in^Befonbere töirb gerül^mt, er fei ber= 
fal^ren — „toit ju unfcren 3citen in ber ':ß^ilofo^)§ie unb 5D?ebicin gcfd^kn 
ifl: er fing ba an, me bie jtunft angefangen ^atte: in ber fl^ilofo^l^ie gcl^t 
man je^t auf Erfahrungen, unb man fc^ßegt nid^t meitcr aU bad Huge gel^t 
unb ber ßirfel reiti^t; ba fingen bie erflcn SRenfc^n an". 

3)a« SBindelmann'fc^ Sirftem ber S*unf!})eriobcn gcl^t inbeg nü^t i\^ auf 
bie Uranfänge jurtid. jTenn „ber älteflc Stil finb nic^t bie erflen Serfudbe 
ber aiac^al^mung bcr 5Ratur (»on benen freiließ au(^ nic^t« übrig gcBIicBen 
ift), fonbern bic ®cr!e, in »elAen bie Äunfl Bereite il^rc gorm erlangt unb 
in ein Si^ficm gcBraci^t n>ar". 

Seit 9tumo^r »erficht man unter Stil „ein jur ©emcl^nl^eit gcbicl^enc^ 
Sic^fttgcn in bie inneren Sorberungen bcö Stoffe, in metd^em ber Silbner 
feine ©eflaltcn »irflic^ Bitbct, bcr 5Walcr fie erf^eiuen mad^t". I)erfcIBe 
JlunfHenner jcigt, tük ba^ SBort Stile, »on ben Otalicncm juerfl auf ©or= 
tf;cile filnftlerift^cr DarficDung üBertragen, bon SBindcImann na^ feiner 
l^öl^crctt Snfld^t enücitert mürbe, inbem er bie SKanier, ben Stil ber Otatiener 
in SerBinbung badete mit gett)iffen Stid^tungen be« gcifligen Sinnet auf (Sble^, 
©cfattige«, ober «nbere«- 

1. „S)er altere Stil n>ar auf ein S^fhma gcBaut, ttJclc^eS au« Siegeln 
Beftanb, bie bon ber SJatur genommen »aren, unb pd^ nad^^cr »on berfclBen 
entfernt l^attcn unb ibealifd^ gemorben toaren. 3Ran arBeitctc mel^r nac^ ba* 
Sorfd^rift biefcr Siegeln M nac^ bcr 5Ratur, bie nad^jua^men toox: benn bic 
Slinfl l^attc fid^ eine eigne 9?atur gcBilbet". 

3n biefem älteren Stil waren bie Siegeln bc^^potifd^ fhcng. ® tryax 
eine Art braconifd^er ©cfc^geBung. Die Äegt>}>tcr mdd^ten pd^ nie frei baoon. 
„2Ran ftcHc fid^ il^r Si^ftema in äBfid^t ber Figuren wie baö S^ficma ber 
Siegierung ju Sreta unb ju S^xirta bor, mo bon ben alten Scrorbnungen 
i^rer ®ef«(jgcBer feinen gingcrBreit aBjunjcid^en toar; ... fie arBeitcten nad^ 
einer in Statuten gefegten unb angenommenen Siegel tük nad^ einem unb 
bcmfelBcn SWufler". 

Unb nt(^t anberd nnir e« in ben Anfängen ber Äunfl Bei ben ttBrigen 
Sölfem. Ättc^ Bei ben $ctruricm nnir bie Äunji bamaW „tt)ie ein f(^led^ted 



§ 117. c. «pctioben ber Bcid^nung. 129 

?c]^tgeBänbc, tocIAcö- Blittbc 9?a4forgcr mad^t unto iti*t jn>ctfcln itoA untcr= 
fud^cn IS^t''. 

Dicfcr attcrc ®til aber, bcr Bei bcn ©ricd^en Bi^ auf ^^l^ibia« ge^t, ^at 
jtoei jicmltd^ Beftimntt 3U untctfcBeibcnbe ^^l^afen. 

3n jener parrgefc|It(^en Äunfl ber ?[cg^^)ter »ar ,,bic aßgcmcinc utib 
t>onicl^Tnfle Sigctifd^aft ber 3<^^ttWTig (bc^ ^Jadften) ba^ ®erabe, ober bie 
UmfÄreifcung ber Siflur in n>cnig auSfd^toeifcnbcn unb inS§ig gcnjöfttcn Linien. 
3n ber großen Sin 1^ ei t il^rcr 3^^^^"^Ö P"^ ^^^ ffno<!^en unb SKuWeln 
tocnig, 9Zerbcn unb 3toem aber gar nid^t angebeutet." 3Jon ben Slementcn 
bc« Sd^onen roar alfo bie (ginfaci^l^eit ba, aBer eö fcl^lte bie 9Rannid^faItig!cit, 
unb mit il^r bie ©rajie unb ba« SDJalcrifc^c. 

®anj äl^nlicB tt>ar ber Umriß in ben STtejien SSBcrfen ber ^ctrurier: 
berfeftc ,,fcnft unb tjeBt fid^ tt)cnig, bie ÜRuöfeln finb toenig angebeutet, 
toe^^alS il^re giguren bßnne unb j^>ittenniS§ig au^fcl^cn." ©cttft ,,untcr ben 
(Sried^en n}aren bie crflen 3*9^ einfältig unb mel^rentl^cite gcrabe Linien"; 
oBttJol^l SKndelinann biefe ,,^jtatte Art ju geic^nen" nur auf 9Künjen Be= 
gegnet \% 

3!)ann aBer toarf fid^ bie 3ci(^nung auf eine ganj entgegengefe^te !I)ar= 
flcffung^cife. Die l^etrurifcBcn Äünftter, unb gleichseitig mit i^nen bie Ser= 
Bcffcrer ber gried^ifd^en Äunfl, ,,ba pe ju größerer SBiffenfd&aft getaugten", 
t>erliegen bcn erften ®tit. !l)ie (gigcnfc^aftcn unb Sennjeic^en biefe« jttjeiten 
altert^ümlid^en ®tiW ftnb „eine em^>finblid^e Änbcutung ber Siflwr unb bereu 
H^eile. . . . SDie 9Mu«!eln flnb fc^ttjftlftig erl^oBen unb liegen tok $ügcl; 
bie Äno(!^cn flnb fc^ncibcnb gebogen, unb aHju jidbtBar angegeBcn, njoburd^ 
bicfcr ®tit ^art unb ^>einlid^ wirb". 

S)ie gefeftlic^e Strenge Begegnet un« aud^ l^icr, aBer fle n^ar toeniger 
l^icratifd^=conbentioneß, aW njiffcnfd^aftlid^sfHtifiifdft. Sf)xt Urfat^ tag ja in 
ben angefhengten grttnblic^en 9?aturfhtbien biefer ^txt, „3)a bie 2Biffcn = 
fd^aft in ber Äunfi bor ber gc^önl^eit borau^gcl^t, unb aW auf rid^tige 
fhenge Stegein geBaut, mit « einer genauen unb naAbrüdttiAcn Sefliminung ju 
leieren anfangen muß, fo tourbe bie 3cJ*"W"9 regelmäßig aBer edigt, Bc= 
beutenb aBer l^art unb bielniate üBertrieBen, . . . mäd^tig aBer ol^nc ®rajie. . . 
3n biefer ^arte offenBart ficB ber genau Bejcid^nete Umriß, unb bie ®e= 
njißl^eit, tt)0 affc§ aufgebcdft bor Äugen fiegt. 3)enn bie 3«i<^wwng ffil^rt 
nid^t burd^ f^weBeub berlorene unb Iei<i^t angebcutete 3^9^/ fonbcm burc^ 
männfid^, oBgteid^ ctroa« l^art unb genau Bejeid^netc Umriffe jur SBal^r^eit 
unb jur ©d^önl^eit ber gorm". 

3)Tefcr etru^fd^e @tit fann manierirt genannt n?erben, „tocIt^cS 
nid^t« anbereö ift atß ein BeflSnbiger Sl^aracter in aüerlei Figuren. Da nun 
einerlei Sl^aracter fein ffl^aracter xft, fo Wnnte man auf bie l^etrurifc^en • 

Ovifii, SBitufetmann. U, 2. 9 



130 S^naM 9ui^. U. 2)ic (Sefc^ic^U ber jhmft 3. %tfiffttil bet @€]il)»tur* 

£^nfKer ba$ nnid Xrifiotele^ an 3^^^^^ i<^^I^/ beuten, nSmlid^ ba| fie feinen 
(S^aractet gcl^aBt l^Bcn". Sei ben Oried^cn ifl bic| ber Stil, ber toie e* 
f(^int ber iginetifci^^n Sd^ule eigen Uxtb. 

2. & ton aber bic ^tit, tt>o ein gereiftcrer 8lid bie Differenj jtt>i|<^n 
bent Stjflem ber Äunji unb ber 5Ratur Bemcrfte. df nwr in ber ^dt ber 
t50igen Srleud^tung unb Steilheit in ©rie^enlanb, aU bie SerBefferer ber 
ßitnfl, '^l^ibiad oBenan, ftd^ über bad angenommene Stiftern bon ibeafifc^n 
Siegeln erl^oben unb ber äBal^rl^eit ber 92atur n%rten. 

,,!Die %atur leierte aud ber ^ärte uub Don ]^eit}orf)>ringenben unb tol^ 
abgefc^nittenen Ül^eilen ber t^igur in Pfiffige Umriffe gelten . . . unb fic^ 
»weniger geleiert ciß f^ön, erl^aben unb gro^ ju geigen. ... £)a nun auger 
ber ®<j^ön]^cit bic öomel^mfie Itbfxd^t biefer Ätinftter bie ®ro|]^it gctoefen ju 
fein fc^eint, fo fann il^r Stil ber grofee genannt n)erben. . ." §cmcr »aren 
jene 9Kcij!er, j. 9. 'J5oÖ>nct, ©efe^gcber in ber ^ro}>ortion . . . 3n einer ioon= 
fommenen ttebereinftimmung ber Xl^eile unb in bem erl^obenen Xuftrutf 
fuc^ten fic bic ©d^önl^citj mit fhengen 83egriffen ber ©d^önl^cit alfo fing bie 
fiunji an, tt)ic wol^lcingeric^tetc Staaten mit fhcngcn ®efeften, gro| ju 
n}erbcn. . . Sic fud^ten mel^r ba$ nxtl^rl^aftig S<l^dne, aU bad Siebf»!^. Unb 
ba nur ein cinjiger Segriff ber St^önl^cit, ttjcld^er ber l^^fic unb fld^ immer 
glcid^ ifl, unb jenen Äünfllcm beflanbig gcgentoartig nwr, fann gebac^t n)erben, 
fo mfiffen ft(^ bicfc Sd^önl^citcn aQcjeit bicfem Silbe naivem unb flc^ einanber 
äl^nlid^ unb glci^formig tocrbcn". 

Unb fo fieUt ftd^ noc^ einmal, 3um te^tenmale, ba^ ®efe^, biedmal 
freiließ in ©eflalt be« erl^abenen 3beate felbji, jtoif^en 5Watur unb ftunjl. 
Sin alted, l^erbc^, ungefällige^ Softem nnir oerbrangt n)crbcn burd^ ein 
Softem l^ol^er S<i^9n]^eit, aber bo<!^ ein Softem, unb einer Sd^dnl^eit mel^r 
ber 5Waage unb ber Ser^ltniffe, al« ber Linien. 3beal, ©rogl^eit, 8ii<^tigfeit 
treten in eine gemiffe S)>annung mit 9tatur, Xnmutl^, äBeOenlinie. „üDa in 
ber Äunfl bieled ibealift^ gctoorben nKir, b. i. ba bie größten SWeifler baC 
Sc^Snfie unb ba$ ^od^fte }u erfd^ffen fuc^ten unb ftd^ babon ein Silb gemad^t 
^tten, n^cb^d fiber bie 9!atur erl^aben to)ar, fo mirb ed gefd^l^n fein, bag 
fid^ bicfed SiD) bon ber 9?atur entfernt l^e, bie fclbfl in il^ren Seilen 
nid^t mel^r oödig fenntli^ toar. . . Unb ba bie SReifier bad 9Raag eine^ 
jeben 3^eite auf beffen $unft »»erben gefegt ^ben, fo ift nid^t ungtaublid^, 
bag biefer großen Mid^tigfeit ein getoiffer ®rab fc^öner formen attfgeo)>fert 
n>orben . . . il^rc @rog]^eit fann in Sergleic^ung gegen bie Umriffe ber %ad^- 
folger eine getoiffc ^Srte gegeigt l^aben : bad ®erabe blieb ber ^tvifnuni biefe^ 
StiM nod^ einigermaßen eigen, unb bie Umriffe gingen baburd^ in 2Binfe^^ 

3. (Sxft im britten ober f^Snen Stil n>urbe ber Sann be^ @efe^9 
«oKfornmen gebrod^en; ber ®egenfa^ ^ifd^n ftunft unb Slatur fiel S)ie 



§ 117. c. ^obtn ber Seic^nung. 131 

(Eontouren »urben fltegcnb, unbuKtenb, bie (S^aracterc mannt(i^falttger. S^fiM^ 
l^ot ben ^n^m, bie 92atur me^r al$ feine Vorgänger nacJ^geoJ^mt }tt l^Ben. 
(Er ffil^rte bie $unfl, oomel^mltd^ and^ huxd^ anotomifc^e Unterfu(i^ungen, }ur 
9?coBa(J^tung unb 9ta(^a]^mung ber 9tatur }urü(f, bie in bem dbeal feiner 
l^organger in i^ren feilen nxä^t mdfx t6Qtg fenntlid^ n>ar. 

"Dedf ttyax btefe le^te Befreiung gried^tfd^er ^nfl leine Stnfl^eBung ber 
fx\ä)tx entbecften @efe^e. ,/I)xt nSd^ßen ^{(u^folger ber großen ©efe^geBer 
in ber ftunfi oerfal^ren nid^t n)te @oIo mit ben @efe^en be^ !Z)raco, fte gingen 
nif^t oon jenen ab: bie t^ormcn bed oortgen @titö BHeBen anä^ in biefem 
giir Siegel, benn bie fd^önfle SKatur ttxir ber Seigrer gemefcn : fonbem n>ie We 
ric^tigften ®t\tt^c burd^ eine gentSgigte (SrHarung Braud^&arer unb annel^m^ 
lid^er n>erben, fo fud^ten biefe bie ^ol^en ©d^ön^eiten, bie oon ®tatuen il^rer 
großen SRcifler toie oon ber Siotur aBfkocte 3been unb nod^ einem 8e^rs^ 
gebSube geBilbete formen n>aren, na^er }ur 92atur ju führen, unb eBen 
baburt^ erl^ielten pe eine größere SWanni(^faItigfeit". 

dn ber 3^i<^iii^nS ^i'urbe nun -oOed (Sdfige oermieben. . . ^rrl^aftu^* 
größter Sorjug Bejlanb in bem fd^önen Umrig, in beffen Siunbung, unb in 
$i(^t unb ©d^tten. 

4. ^iemod^ tt)ar nun eigentlich lein Fortgang mel^r ju beulen : ,,ba bie 
S^erl^altniffe unb bie formen ber ©d^on^eit auf bad l^ö^fle au^fhibirt, unb 
bie Umriffe ber JJiguren fo BejUmmt tt)aren, bag man ol^ne geiler toebcr 
l^erau^el^en no^ l^ineinlenlen lonnte : fo nxir ber Segriff ber ©c^dnl^eit nid^t 
l^öl^er ju treiben. (£^ mu^te alfo bie ftunfl, ba fie nid^t n>eiter l^inau^ing, 
}urü(fge]^en/' ^)nax gel^t ber SerfaH ber Jlunfl nod^ in berfelBen 9iid^tung 
fort, tt)ie i^r Steigen; aber ber aiaturaB^muö, nad^ bem man nun trad^tete, 
ioar Bereite iDtanier, unb bad nxxd man att ^el^Ier Befeitigen n^oKte, erf^ien 
nur ber Seüocid^Iid^ung M $el^Ier. „Gß n>urben burc^ bie Semill^ung öUe 
oermeinte ^orte ju oermciben, unb aUed n^eid^ unb.fanft ju mod^en, bie 
Sl^eile, totUft bon ben borigen ^nfilern mod^tig angebeutet nxiren, runber,. 
aber fiunn>f, KeBlid^er, aBer unBebcutenber". 

du biefen @S^en ift ber Sem ber antiten ©tilgefd^id^te entl^alten. Xa% 
fie feine erf(^)^fenbe 93efd^reiBung unb SRotibirung ber SBanblungen l^eOenifd^r 
^lafHt pnb, {te^t l^entjutage d^bermann. 3)iefe S^arfieUung grttnbet fU^ fafl 
aUein auf 99eoBad^tung ber formen, oomeJ^mlic^ ber SinienBe^anblung^ 
n>S]^enb bie (Erftnbung, unb i^re Stid^tung gau} auger Sd^t gelaffen »itb. 

2)ie gried^if(^ ^lafKI gleid^t l^iernac^ bem Bi^^i^S ^^^^^ fiunßfd^ttle^ 

ber bamit anfangt, SorBilber mit linbifd^er ©auBerfeit ol^ne Serfl&nbnig 

nad^jual^men, l^ierauf feine anatomifd^en ©tubien fd^Ulerl^aft beutlid^ au^in^ 

brücfen fud^t, bann an @i;^fen einen Slid fttr bie üRSugel be« aKobelU 

gctt>innenb, f(^9ne aBer leBIofe gönnen Bilbet, enblid^ aBer burd^ SeoBod^tung 

9* 



132 S^tt» eviib. IL Xxt akf(^i<l^t€ ber Ihinft 3. ^^t bn: ^€u(t)titT. 

bcr Statut fein ©cfül^I fttr bic flücfctigcn 9lttonccn bcr CBcrflad^ be« 
jugcnbliiä^n .^öt^tö fhifennjcifc t>crfcincrt, bicfcn n%r ju fotmncn fttr 
fein l^mic« 3icl od^tct, ol^ue ba§ er jebo<l^ 9loxm unb geitfabcn jener ®^<>fe 
jemals and bem 9(uge liege. 

ICer Urfi^mng biefer Ül^corie liegt ol^ne 3^^'M iw ©etraAtungcn ttber 
bie Spod^ bed ^]$^ibtod unb über bo^ Serl^ältni^ bed StiM biefer griJgten 
3eit JU ber altertl^ttntlid^n Äunfl unb il^ren gerben gormen; ober n^ie e« 
bamolS au(^ l^icg, be9 grieAtfdben ©efc^modd jum etru^ifdb^italifcben. 

Die ©efc^id^te Bewegt fid^ nie in einem fotten jletigen ?iortg(mg, n)0 
jcbeö folgcnbe baö »orl^crgel^nbe übertrifft unb aBti^ut, inbem c« feine t}oIIe 
CrBfc^ft antritt ®ie ifl n)oW eine Keilte ton @ett)innjlen, aBer auci^ t>on 
Scrluficn. So fonnte in ben 9Ber!cn eine§ äReiflcrö ber t)ofle gorracnreij 
jU bermiffen fein, bafftr aBer bie Äraft unb ffiigentBümIi(!^!eit beö G^aractcrö 
bcr oon il^m gefc^affenen ©eftalten Bei feinem gefci^macfooHcren 9lac^foIger 
tjerloren ge^en. 

SIBer oud^ wenn man biefe (St^iift^ nur aW eine JRei^e öon 5orm= 
nxinblungen Betrachtet, BleiBt mancBe^ ju Beanflanben. 3ene unbußrenben 
Linien fönnen ni^t aW correcter äuöbrud ber bon aBer SScfangenl^cit Be= 
freiten gorm gelten. SBie' oft Begegnen un§ Äntifen, Soj)ien grie(Bif(^cr 
aSJcrfe, bie nod^ einem ton bcr SBeÖenlinie ganj oerfci^iebcnen ^frinci|? be= 
l^anbelt finb, unb an benen bo<i^ feine (Bpvct altcrtl^ihnGc^er $Srte entbedt 
toetben tonn. 3n SBerfen bie auf bcr §ö]^e gried^ifci^en gormenfmnö ftel^cn, 
fväft man mdgßci^fl groge, einfädle, oft fcl^r cBene ^lat^n fuB Berttl^ren, in 
ItDOX nie l^arten unb fcBneibenben, fel^r ebelgesogenen, aBer boc^ fel^r fc^rfen nm^ 
^>racifen ^tad^entoinMn: biefe formen fmb fonjcit M mögfid^ oon einer 
iveKenförmigen Suflofung in ein gleic^magiged S^icl concaoer unb conbe^r 
Surben entfernt & gicBt frcili(i^ aad) einen anbem mor))]^ologif(^en Ztfipvi9, 
bcT fld^ mel^r jum Äu^brud ber SJettjegung eignet, ttjo runblid^ere gormen, 
in ftotlen ®<^n>enungen, n)eniger aufeinanberfiogen, aU fanft aneinanber- 
fd^mcljen. ÄBcr in feinem bon Beiben gätten ^tten c9 bie griec6if*en 
SWeiflcr auf <>crborBringung gertiffer ginien aBgefel^en. (Srfl att man jur 
3eit ber Sieflauration ber tunfl bie 2Reifiettoerfe Oried^enlanbö feftfl »ieber 
toie eine anbere 9latur fhibirte unb jerglieberte, fd^int man auf ba« ©trcBcn 
nad^ Sinicnreij oerfaDen ju fein unb an ben ttBerliefcrten Ztfpai gemobelt ju 
l^aBcn, oieOcui^t in ber Hoffnung, felBfl üBer ^)raptelifd^e unb l^fl<>»)if(^ Umriffc 
nod^ l^inoudgel^eit yx tonnen, unb SBindfelmann l^at an foIcBen Skrfen jene 
„tmmcüoai^renbe Äu^fließung bcr Sonnen ineinanber'', jcneö oerfAIungene 
SkBenf^)icI, oergleid^Bar ben faum mtBaren aBallungen eineö ©la^flujfe« 
Bektimbert. — 

3)er Url^eBer biefer naturalifKfd^en Sil^eorie galt oft aW (Stimmfttbrer 



§ 117. c, ^criobcn Ux Sdd^nung. 13^^ 

bcTct, toclc^c bic 9iatiir in ben fc^öncu fünften aU eine Sirene fütt^tcn, 
btc Dom ibcalcn Iugcnbj3fab in tlumigc ®ün!))fe Udt, unb bcr man njol^l 
einmal" einen 39Ii(! jnwcrfcn foll, aber mie Ob^ffeu^, xxidfi ol^nc gcl^örigc 
©c^uftmittcl claffift^r Scgriffc unb SWnfier. 3nbeB SBindfclmann l^atte in 
fu^ au<^ Qtttva^, baö bic @ac^e ber Sfiatur füi^rtc. 3n ber SBiffenfc^aft folgte 
er gong bcm 3"8 ^^^ 3^^* i« (Smi)irte* unb SWatcrie, unb in ben legten 
3a]^ren f})ra(^ er jumeilcn boöon, pd^ üon ber Äunft jur DJatur, ju ^>^^fu 
califd^eii ©tubien ju tocnben. 

Dicfe Dcbuction ip iebo(i^ nic^t fotool^l naturalifHfd^ , ate eine eigene 
SSermifc^ung »on 9iaturatiömuö unb au^gebilbetcm gormcnfmn, bcr f ogar ettro« 
nad^ SRanicri^mu^ fci^mcdt. Unb barin tragt fie ganj bie ©ignatur be« 
3citmomcnt6. fflir Bcpnben un6 in einer Uetcrgang^geit. ©n Sal^rl^unbcrte 
langet ÄanpieBcn ifl im äbflerBen begriffen; nad^ neuen anfangen iji bofl 
SSerlangeu crtiKtti^t, obnjol^l noc^ fein ®enic aufgeftanben ifl, ben (Srunb jum 
atcubau JU legen. ÜRan ip bie aufgelebten äWanieren unb SKotiüe fatt, man 
ftrebt au« ScrfünPelung jur Statur, auö 3Jcrbilbung jur Sinfalt jurüd; e« 
efelt fie bie ätelierroutine/„n)o bie Äunp wc eine jlüd^tige ©ub^ang cnt= 
»id^n unb ba« $anbn>er! ate grober 33obenfa6 übrig geblieben ip" (ÜWilijia). 
3ntt>eilcn erfc^ien bie gange reiche SJergangcnl^cit, bereu (nad^a^menbe) Än= 
eignung bie Saracci ate SSBeg gum 35oUfommnen befc^ricbcn, — ein SBeg 
auf bcm man fotoeit l^eruntergetommcn war ! — aW ein f d^n)erf äUigeß 8tttp= 
gcug, baö bie Senjcgungen nur l^emme: »arum nid^t lieber im leidsten 
SSäaffenrod »eitcrgel^n, bloß mit feinem guten ©(^n>ert gur Seite? — 

äud^ ^ier mad^en pd^ bie 9tegungcn bc« revolutionären Ocipc« f))1lrbar. 
Si^peme galten aW Stu^burtcn ber ©clbplicbe unb ©rutftStten beö 3rr= 
ti}mn9, Jlipl^ortömen unb Obfcrtationcn für bie aWetl^obc ber SBal^rl^eit. I)aö 
bloße äbfd^ütteln bcr Autorität, ba« „Selbpbcnfen" aK fold^e« mar bic 
aaSünfd^clrutl^e ber Crfenntnife. Siegeln waren früdfen, bie ben ®eniu0 
^emmen, ba« ®efeft ber geinb ber t^tciljcit, ber 8til, bcr ben ©ngelncn l^äft 
unb trägt, über fid^ unb feine ©efc^ränftl^cit unb ©d^mäd^c, n>o nic^t üCürftig= 
feit unb ©emeinl^cit crl^ebt, foü pd^ att bef^ränfenbeö SKebtum gwifd^cn ben 
©inn unb bie ijtille bcr Xinge einfd^icbcn, ja fclbp ba« @cfe(j ber ©d^önl^eit 
raubt '\m€ etwa« »on ber grcil^cit bcr 2lu«pc^t in bie 9Jatur. S)a nun, je 
weiter man gurüdging, um fo mcl^r bcr Gingclnc unb feine Sfreil^cit gurüd= 
trat oor bcm Ztfpvi§, ber Uebcrliefcrung; fo f(^icn atter Sortgang ber Äunp 
in Petem ffann>f mit bcr ©a^ung errungen, bic fid^ atlcgcit gwifd^en Sunfl 
unb 3latur pcttt. 

aber e« war ni(^t bic Äol^l^eit, weld^e an ber il^r läpigen gorm rüttelt, 
c« war nod^ jene »ilbnng, bie pd^ gicengcn aller Art gepattcn barf, weil 
i^r gormen oller Art gur gweiten 9iatur geworben pnb, weil pe p«^ im 



134 ^vtti eu6. IL t>k Q^^Mtt bcr tniML 3. W!^ ber ^cnlrtuc 

Sefi^ etned Xact^ n>eig, in ^etn ofit @efe^ isxVfnuAytn ftn^. Sa^nb 
man btc fimyU 92atur )u fyrcbtgcn begann, genü^ man noc^ bte Sortl^ile 
bet großen af^^tif(!^=te<j^nt^n UcBcrficfctung: bo« im Srlcfdben Begriffene 
ihtnfia(ter ^atte, mt einen oud ^nnbett Sffenjen jnfommengef^fittelten ^axfnm, 
eine Setfeinerung be^ $omu nnb i^atbenfinn^, ber aft^tifd^n @enn|fa^ig^ 
lett, einen fihr bie 9tc\yt t>ielet &tvSfcqt bebftrftigen Qt^raad jurfic^elaffen, 
btr erft bet noi^fien Generation ebenfoQd ixrli^ren ging. 

(Eine Snalogte jeigt un^ }. 9. bie (Srfc^innng Soltaire'd. Sr ifi bet 
UnberfalerBe ber Irabitiünen unb SSebfirfniffe bc« clajfifc^n ^italtn^, in 
beffen f(^on l^a(B fiSerUSten formen et, n)enngle(<l^ fte lodetnb, nix^ fott= 
biegtet, ba« et aW ®ef(^ic^tf(^tcibcr t)etl^ettli<i^t. Wbcr fein Wbl^ftet, Be»eg= 
üi^, metcuttalifc^et @eift tft }nglet(^ !I^)>ud bed einfor^n 9Renf(^n&etflanb«, 
M natütlic^n ©efc^macfd^ bet unbefangenen Qxnpixit, jened (Sinn^ tot bem 
jegß^e^ (ionoentioneUe unb i^ofltioe, 3<!^ein unb UnUKi^tl^cit fu^ aufldfl 
unb jetfliebt. 

Diefed Io^)^)etüetl^ältni§ nun gicbt au(^ einen S^lü^el ju obiget H^corie. 
!l)ie 8c^önl^cit$linte n>at bad Stid^n^ott jugleici^ ftit bie 92atutn>a^t]^eit, bie 
(Sinfa(t bet 9ntife, tvk füt bad ^Raffinement eined bid jum äRanieti^mud 
octbilbetcn Sotmenpunö. liefe unmegbate finie — ,,n>el(!^e bie Älgcbta 
nici^t beftimmcn lanu" — »utbc att Sc^önl^eit fteict 9?atut bet ®<!^8n]^eit 
fleifet g8tmü<^!cit cntgcgcngcftcttt, in bet aWenfc^engeflalt tt>ic in ben ?ufl= 
gätten. Sie ifl baö ^tincip bet Sontoutcn Sortcggio'Ö, beö ©tinftßngö bcö 
3a]^tl;unbctt^ untet ben Sinquecentiflcn , jcnct njattcnbcn unb flammenben 
?inicn, bie ba^ aufgeregte SBcfcn bet \p'attxn fi^nfl fo anfj)ta(^en. @ic ifl 
ii, tocld^c ben ^^Jabfhnaufolccn unb Engeln Setnini*« bei aflct gotmüct= 
toilbetung ein fo mcrhvürbigc« ?cbcn gicbt; fic toar baö SofuugÄoort au(^ 
be^ B^p^i^\d:imaM, mit feiner Äuflöfung attcr geraben ?inicn in gcrrunbcne, 
fclbft in ber 33aufunfl. ?IW $)ö(i^flc« in ber tunjl gilt ba« gragißfe (Bdfmim 
über allem Oefc^ unb aller 93eflimmtl^eit ber gormcn, jene Äunfl mo bie 
Äunfl felbfl unter bem Sd^ein bc« @^>iete oerfd^toinbet; bie ?ei(]^tigfeit ber 
SKeiflcrl^anb, tocW^c für baö Slugc beö ÄcnnctÖ bie Otiginaljeid^nung bon bet 
Omitation be« gcfd^icfteflcn Sd^tilct« untctfd^cibet. 

§ 118. 
4. Die Sc^Bnl^cit^tinie unb bie ^Jto<)ottionen. 

Dicfe SÜjjc bet Stilfolge fc^on jcigt but^fic^tig genug, ma^ fttt eine 
Änttoott 9BinrfcImann bctcit l^abcn »irb auf bie Sragc nac^ bem 3Befen be^ 
Sd^öucn. 3f^n interc ff irte nur bie ^6vX)t\t ber ÜKcnfc^engcftalt ; »enig Irieb 
fc^int er gcf^)ilrt ju l^abcn, über bafi ju tl^eorctifircn, toa€ tdx im ?id^t, in 






§ 118. d. 2)te &ifU^mmt unb bte $ro)>OTttomn. 135 

ben SatBcn, in ben rcgcImSfeigcn gigurcn, iit bcr Stuntc, in bet SRctobie 
unb ^amtonte fd^on nennen. „& ffat flä^ bte ^nfl bomel^ntltd^ mit bent 
SRenfc^n Befd^Sfttgt, unb fSnnte alfo mit mcl^r Sted^t otö 'l^totagorad bom 
aRenfd^cn fagcn, bag betfelBe ba« 3Raa§ oller Dinge fei''. Der SWenfc^ ifl 
toenigfiend bad SRaag bed ®d^5nen. — 

8i5 jur aWittc bcö 3al^r1^unbertd ^»flegte man, toenn jene gragc in ber 
Äunpiel^re oufgeteorfcn tüurbe, ouf bie SWoagücrl^altnijfc l^injutoeifen. 3)ie 
alten Äünfllcr, bie über il^re ftunft noc^gebad&t, l^atten bon bcr „©^mmetrie" 
gefc^rieBen, ^oI^Ket l^tte in 9Bort unb Z\^t feinen Sanon aufgefteSt, bie 
^l^ilofo^jl^en l^attcn fid^ ttbercinfHmmenb erflart. ^onn>oniuö ®auricu§ nannte 
fte sculptornm parens. 3^^^^^*^^^*^^ l^atten bie Iractate ber Steueren, 
Dürer oBen an, für bie Urfac^ be« SBol^Igefattcn« an ber f(i^5nen ©aufunjl, 
ber aRnpf, ben Bilbenben ftünjlcn erflart. Äu(^ bie Cnglanber — bie erflen, 
totläft ben fo berfc^icbenen '^l^Snomenen, für »eld^c bie' (B(ix(xd)t baö SBort 
„fd^ön" ffdt, einen Segriff ju geBen fud^ten, — Begannen mit Symmetrie, 
Harmonie, "^ro^jortionen, W^^tl^men, alfo ben mat]^cmatif(^=f(^öncn formen, 
bcren XUgemeingüItigleit in ber natürßd^en unb moraßfc^en SBelt jucrft 
@]^aftc$Bur^ mit )>Iatonifd^er @aIBung berfünbigt l^atte. A Compound ratio of 
tiniformity and variety ttKtr bie Definition. 

fi« mußte aBer irgenb einmal gefc^el^en, baß einem 9J?alcr, ber benfen 
fennte unb fid^ fragte, burt^ n>aö für ÜKittel er auf bie Oemütl^cr ju »irfen 
fud^e, tt)aö bie SRenfi^en in feinen SBcrfen anf^>re(i^e, ^toti^tl auffliegen, oB 
fw^ fein ©d^öneö, baö 9Walerifd^e, auf ba^ SBergnügen am Stegclmaßigcn, 
auf jene« ®d^au!e%ict oon (Sinförmigleit unb SWannid^faltigleit jurüdtfttl^rcn 
laffe. Da« äRalerifd^e bttnft i^m el^er ba« ©egcntl^eil bc« matl^cmatifc^ 
Regelmäßigen. Unb bieß tt>ar bie ©inueÄoeife bcr 3^^^, bie üBcratt ber 
fleifcn unb fSrmlid^cn 8tcgetmäßig!cit mübe nxtr. Da« SBol^Igcfaffcn am 
Regelmäßigen, l^icß e« nun, ifl ein Bloß bemeinenbe«, bie jtocdttofe 8Jer= 
leftung ber Siegel mißfallt, aBer bon biefcm falten SBol^lgefaffen, aW Bloßer 
SSorBcbingung fc^öncr aßerfe, ift ba« j)ofitioe, IcBl^afte am ©d^önen ganj 
berfd^icben. 

@o n>urben bcnn aud^ bie ^]$ro))ortioncn bamal« 3um erflenmale förmfid^ 
angefod^tcn, nac^bem üBrigen« f^on Sacon, toie an 3^»^^* angeBli<^cm ®d^8n- 
l^cit«eclcctici0mu«, fo an Dürer'« üRcffungen fiarfe 3^^^f«t geäußert l^atte. 

Suc^ in Sßindclmann« Darftellung fommen bie ^$ro))ortionen bor; fle 
fd^inen jutocilen fafl tt)ie ba« ©taat«grunbgcfe^ bcr Äunfl; aBer fle entfernen 
auc^ tt)iebcr, l^cißt c«, oon bcr SBatur; unb fle allein fönnen bie @<^5n]^cit 
nid^t gcBen, nur eine il^rer ©cbingungen flnb pc. „Die $rol)ortionen fönnen 
in einer Sigur ol^ne Sxxbel fein, ol^nc baß bicfelBe fd^5n ifl". 

greilid^ erfhedt fld^ il^r ©nfluß in ber alten Äunfl ganj außerorbenttic^ 



136 3»«tce ^vi6f. II. 3)ic ©cWid^te bcr Äunfl. 3. «cjl^tit bcr Scul^jtut. 

tpcit. ,,(Sä ift gtaubüci^, bafe bic gricc^ifcfccn Sünfttcr . .. . fotoie bic gtöBercn 
^cr^ltniffc, alfo auc^ bic flcincten butc^ genau bcftiTiimtc SJcfleln fcftgcfe^t 
gel^abt, uub ba§ in jcbcm älter unb gtanbc bie ÜRaage ber Sänge fotoo^l 

ate bcr 93rcitc, n)ic bic Umfrcifc genau Sefiimmt gcwefcn liefe genaue 

8e)liinmung ift . . . ber @runb con bcm ä^uUc^en Softem ber fiunft, »cld^cd 
P(^ auc^ in mittelmäßigen giguren bcr ?(Itcn finbct. lenn ungcai^tet ber 
Scrfd^iebenl^eit in ber ärt bcr äu6arkitung, fd^cincn bie alten SSkrle bennoc^ 
Vüie in einer ®(^ule gcarkitet ju fein, unb man fielet in ber äcit^^nwng ber 
alten SSitbl^aucr, t>on bcm größten Bio auf bcn geringeren, eben bicfcften 
attgemeiuen ©rnnbfäftc". 

335enn aber fo ba^ Sbeal burc^ bie ^^ro^)ortion fi^irt njirb, bcr I;ol^e 
Stil, ja bcr gcmcinfc^aftlit^c (S^aractcr griecfeifc^cr Sunft auf fie jurüdgel^t, 
muffen fie bann nic^t, tDcnn niAt bic einjige, fo bo(^ bie erfte unter ben 
93cbingungen ber g(j^önl^eit fein? ffienn man jeigt, baß 3. 33. ein aBgc= 
magerter ÜRcnfc^, ober eine l^cljcrn gcgcid^netc gigur aud^ mit bcn ^cr^lt^ 
niffen bcö Slntinou« nitä^t fc^ön ift, fo fann man bod) auci^ bc]^auj)ten, ba| 
j. 95. Bei einer ganj ücrfdjiciertcn ®cjialt, ivo feine eingigc Sinic n)a^r= 
junet^mcn ift, $ro^)ortionen eine BcftimnUc, lebhafte Sirtung ausüben, »ä^rcnb 
. aße fc^önen ?inien i^cljler im SBcnmafe nic^t ttjicbcr gutmachen fönnen, unb 
Bcinal^c njertl^loö tvcrben. — 

Diejenigen nun, »clci^e bcn 3^^^^ ^n bcr ^}Jro<)prtiün erl^obcn l^attcn, 
mußten eine anbcrc Cucüc bcr Sc^önl^cit auftocifcn, unb bieg n>ax bic 
i (gd^önl^cit^Iinic. §ogart]^, 93ur(e, aOJcng« unb Sindctmann l^aben 
/ Sinicntl^coricn enttoidclt; tücr n>ar nun bcr Srfinber? 

3n gett?iffcm Sinn ifl fie ml ä[tcr atö biefc ^tlt, unb oicUeid^t fo alt 
ate bcr 3c^<^wuhtcn*id^t üBcr^u^>t. Xic |>ro^)ortioncn laffcn fiA n>ie afle^ 
rtya^ unter 3a^l fäöt, furj unb Bttnbig lehren ; mit bcn Umriffcn f ommt bcr 
äReiftcr nie ^u ßnbc 3mmcr jeigt fu^ »icbcr, n>ieoicI unbere^enfcarcr, 
f(j^tt?erer, fc^öner ^er (Sontour cinc^ tcBcnbcn 355cfcn« ift, alö j. 2}. eine trciö= 
ünie, ober bcr eine« Äinbcrgcfid^t^ ate bcr cincö Stltcn. Ten 2(j^tiler, ber 
tiefe Linien l^öljcrn (sticky mauner) jicfjt, um feine anatomift^cn fienntniffc 
JU jcigcn, tt>irb er tcrgleid^ungtoeifc auf bie 3Binbungcn bcr Sii&Iange, baö 
Gladem be« ^«uerö, bic 2Bogen bcö fanftBcn?egtcn ÜKcerÖ l^inmeifcn. 

aber nur in gelegentli(^en SBarnungen l^aben bie lei^renbcn aJialcr biefe 
geinl^citen in il^rc Il^coric gcjogcn. älbcrti unb ?conarbo pnben Sd^önl^cit 
unb ateij in ber SJermcibung fd^roffcr Sinfel, rou^mfcBricbcner SD?uöcuIatur; 
burti^ gefällige Siebter unb fanfte, nid^t bunf Ic 2d^atten f ott man mobcöircn ; 
too ?eggiabria fein foß, ba muffen bic SKuöfcln ttjcnigc unb fanft, b. 1^. mit 
nic^t JU großer I)cutlic^!cit gcbilbct, bic ©Beber jart unb ausgebreitet (distesi) 
fein; bie SJcrfnotungcn an S(rmcn unb Seinen aufgclöfl (disnodat*). %vid^ 



i 



§ 118. d. $ie ^6fiuf^t9i\nk unb bie $rc)}ortionen. 137 

Sobomco £o(cc nennt Seic^l^ett {ieuerezz») bad fd^n)eT{le tn bet SRaterei, uub 
giebt ben SKu^fctmalern }U bebenden, bag e^ leichter fei ^od^en al^ gktfc^ 
^u malen; er em))fie]^It bie l^inien belicater^ n^eic^er ii'ör))er, mie fte Xi}ian 
bilbete. !Du gre^no^ fieUte mit maniettftifd^er gäriung bie lobetnbe flamme 
atö äRuficr ber vS<^langcnlinte auf;*) fcIBfi ÜRic^cIangelo foQte t>on gefälligen 
(grazioso) SiCbungen bie forma serpentina i}erlangt l^aBen. 

$ogart^'^ Analysis of beauty (1753) fann ^Binclelmann nic^t unBe* 
fannt geSlicBcn fein, ofctDol^I fid^ meber in feinen ilBerfen nod^ in feinen 
':Pa)>ieren ein Sitat baraud finbet. Xa et aBer aded xoa^ ükr btefe X)inge 
gefd^rieSen n)utbe, gelefen ju l^aben be^au)>tet, fo mirb er aud^ bieg origineÖe 
i3ro^juct Bei reifenben ßnglänbern ober beim ®rafen girmian irgenb einmal 
gefunbcn l^obcn. 

Xtx Sonboncr äßaler l^at bie Sd^önl^eit^Unie grünblid^er atö oKe anbem 
anal^firt, )>f^d^oIogifd^ unb anatcmifd^, unb einen umftänblu^en Srfa]^rungd= 
bett>ei^ auö £unji unb ScBcn fUrfie angetreten. 

(£r unterfc^eibet jmei UmriBUnien bon äfil^etifd^em äSertl^, bie SBeUen- 
(inic ober Sinie ber Sd^önl^cit, unb bie S^Iangenlinie ober iHnie ber ÖÜrojie. 
3ene Befielet in einem äSec^fel concaber unb conbe^er Surt)en in einer (SBene, 
biefe n?irb berbeutlid^t burd^ ben um einen £egel gen>unbenen XxoUft %m 
reid^ftcn fommen fic bor an ben Organismen, biefen leBcnbigen 3Rafc^inen, 
unb um fo reicher, je mannid^faltiger bie il^nen angetoiefenen SeUKgungen 
finb. Cr »erfolgt bad ©erfahren Sd^ritt für ©d^ritt, burc^ ba« bie SRatur 
i^r 3){eifiem>erf, bad l^öd^fie, nie erreichte ^id ber ^unfi, bie DBerfläd^ beS 
'[Wenfd^en erbaut. (Er Beginnt mit bem ^oc^ngerttfie, Belleibet eS mit bem 
^u$fe0cr))er, beffen Umrig )oenigcr eine Sinie atö eine 3ufaumtenfe^ung 
getrennter, flac^gefrümmtcr Linien ift (wie bie engralings ber ^albif); er 
jeigt enblid^ toie bie 92atur bie ungefällige @d^roffl^it biefer ®d^n)eQungen unb 
Senlungen auSgkid^t mit $ülfe ber ijcttlagen unb ber ^ut, biefer n)ei^n, 
glatten, elaftifc^cn Si^alc, bercn @efd^meibigfeit ein fo anmut^iged 9Kebium 
ifl für bie barnnter liegenben ^tilt. 

&ani ä^nli(^ ^pxwif fid^ bamatö (Sbmunb $urfe aud, in ben Unter- 
fuc^nngeu üBer baS Schöne unb ffirl^aBene (1757), bie Äant fo anregten. 
„Sei bem, n>aS man fc^ön nennt, Bel^arren bie Xl^eile nie in berfelBen Sinte, 
fte beränbem bie Stic^tung jeben HugenBlidC, unb für il^re fietige 9Bn>eid^ung 
ifl taum ein 3lnfangS=: unb (Snb)>unlt ansugeBen'^ üC)er driänber ,f<^ilbert 
ben 9teii „jened leidsten, unmerflic^n Jlnfd^n^ellenS, ieneö 9Be(^feU einer aud^ 



*) Membrornmque sinus ignis flammantis ad instar 
Sfrpenti undantes flexu: sed laevia, plana, 
Magnaque signa, quasi sine tubere subdita tactu, 
£x longo deducta fluant, non secta minutim. De arte grapbioa Über 1643. 



138 3>ootc* ®tt<^- II- ^< ^c^c^te ber ihtnft 3. Scft^tit ber @cuI^t. 

tm Hemflen Staum nie einfBrmtgen OBetfI5(^, jened taufd^nben iah^nnüf^, 
burd^ n)eU^e^ bad unfiete 9uge fd^tuinbelnb gleitet, ungen>ig mo e9 l^fte 
unb »ol^tn eö geffil^rt loerbe". — 

S5nnen jtoei ^nßlet toeniger 9el^nli(i^leit tntteinanber l^abeit att ^o^^ 
iiaxOf, ber Sl^tonifl goiibon^ unb feine« feinen unb groBen '^JöBett, ber er= 
Barmungrtofe 8tcalifl, ber ©mottet mit bera ^^Jinfcl, unb SRengö, ber fttSfid^ 
Serfd^meljcr 9iccififfaM unb Sorreggio^d, beffen ibealiflifd^ t>ovne^mem ^infel 
!aum eine ®^>ur entf(^ltt^)ft t)on ber 3^^* ^^^ ^^^ 9iotion, in ber er lebt? 
Unb to6f ffobtn fte l^ier ein unb boffelSe %!enntnig. Ibxd^ äßengd Bebicnt 
fu^ ber ginien, um bie SBanMungen be« ©tiW in alter unb neuer Äunfl, 
bie ttnterfd^iebe ber Sinquecentiflen unb ber ^rac^tflüde alter 3cul))tur ju 
erRSren. !£abon audge^enb bag bie natürlichen )$ormen nid^td 9}unbed unb 
Ouabratifc^d l^aben, t^eilt er bie Linien bed menfc^Iid^en Sontour« in gerabe, 
concoiDe unb cDnt)q:e. 2Bo gcrabe bie 9Re]^rjal^I finb, l^IeiBt ber ©ti( troden, 
Bei muSculöfen ^öq)em ^errfd^en bie conüejen, Bei gracilen bie coucaben. 
Anmutig Berul^t auf bem ©leid^gemic^t ber Beiben festeren, alfo ber 9BeI= 
lenlinie. — 

3)iefe S^eorie berratl^, bag fie oon äWalem, t)on 3^^^«^^ genauer ge= 
fagt, l^erflammt. Sitt^auer njftrben »on il^rer Äunfl au« fc^merlic^ auf fie 
grfommen fein, audf Soloripcn nid^t. Diefcn »irb il^r ffierf ate ®anjeö 
nic^t bon Linien, fonbcm bon garBen, fid^tnjirhtngcn aufgellen, unb jenen 
al« runbe %oxxa, bie fie au« Xl^on Ineten ober au« bem Slodt ]^erau«]^oIen. 
SBenn ein SSilbl^uer fic^ fo au«f^)ra(!^e, fo »ilrben mir relief artige Sonce^>= 
tioncn bon i^m ju feigen erwarten, bie nur einen ®efid^t«^>un!t oertrttgen. 
C« ifl ttHil^r, bie neueren Silb^aucr l^aBen fid^ fetten bon materifd^en 3:en= 
benjen Io«mai^en fönnen. !DonateDo erftärte: 3(^ fann Sud^ bie Silb^uer= 
lunß gan} in einem Sßorte leieren : 3^^<^^^i- äBintfcImann, ber ftc^ nur 
}eid^nenb in ber ^nft t>erfud^t ^atte, fonnte ftc^ aud^ ))taflif(^ Sc^dnl^eit 
faum anber« al« mittelfi ber SBfhraction ber Sinie einigennagen jure(^tlegcn; 
tt)ie menn er bie ©(^onl^cit ber 9iioBe oerbeuttid^t burd^ 3ia^>^aclf(^e ^nb= 
^eid^nungcn (®. 83). ®(^on in ber 3>re«bener Sd^rift ftanb ein ®a^, ber 
gau} mit $ogartl^« 3Ra^ime flimmt, bag bie ma^re ©d^önl^eitößnie gwifd^en 
ben flad^en unb au«gcfd^n>eiften Surben genau in ber 9Witte liege (I. @. 
390)*). 

,,S)er SWenfc^ alfo (in biefer SBcife entroidtelt er feine Änpd^t enbgültig) 
ifl ber l^öd^fie SJortourf für ben benfenben SWenfd^cn, — ober nur beffcn 
äußere ^täd^c". 6«. ifi bie Sc^ön^cit ber 5orm, meiere ber crften griec^ifc^eu 



*) That golden mean, whioh, like the philosopber's stone, always elndes our 
grasp, yet always iiiTite« our wishes. MiM Bomey, Ceoily II, 4. 



§ US. d. 2)te <^5n^ett9tmie unb bte ^ro^ortionesL* 139 

ÄttnfÄcr Iftfid^t nxir: „bic Mid^tigfcit im Sontour faira nur t)on bcn ©rtc« 
c^n allein erlernt werben". 

Diefe fc^öne gomt nun toirb am rcinfien bargefteDt, ^^rSparirt gleic^fam^ 
in bcr ä^i^^i^Mng. Unmittelbarer aW fonfl, reiner tritt in il^r bc« Ättnfl= 
terd ©cbanfe an« 8i<i^t. ,,3n bcr 3^^wwng nel^men tüir bie g^rtigfcit 
»al^r, mit tt>el^er bie ^anb il^rem SScr^anb ju gel^orc^cn unb ju feigen 
faltig gen>cfen ifl; ben @eifl ber Ättnftter, il^re Ocbanfen neBft ber Art bie= 
felben ju entn)erfen, fönnen tt)ir beutti^er an bcr 3^^^»"8 ^^^ <*w ^^^^ 
au^gefül^rtcn ©emälbe ttjal^mel^men". ffir bergleici^t bie 3«^^wng be0 2RaIer« 
mit bcm SKobett be« Sitbl^auerö (toie fc^on Ol^iBcrti gcfagt ^atte, bie ffunfl 
be« 5WobcHiren« fei be« Silbl^aucrö 3^i<^""wg): „SBie ber SSorf^jrung be« 
JReBenfaft« ber ebelfle SBein ifl, fo erfd^cint auf bcm "^itx (unb in bem 
n>ei(i^en 2]^on) ber reinfle unb UKil^rl^aftcfle (Scifl be« ftilnjWerö; ba l^ingc^ 
gen in bcm auögefül^rteflcn ©emälbc (unb in ber geenbigten Statue) ba« 
latent in bcm Steige unb in bcr erforbcrtidfeen ©d^minfe berKeibet tt)irb". 
Der „®cifl'' aber, ba0 ,,®cfü]^l" ifi ba« Organ für bie §en>orBringung^ 
tüit für bie Sluffajfung be« ©d^öncn. 

?[Ifo in bcr Sinic ficgt ber ©c^önl^eit Ouinteffcnj, in biefcr in ber 
9?atur nid^t e^flirenbcn unb auc^ in feinem boücnbeten Äunfhücrfe ftBrig= 
bleiBcnbcn, aBer unentbel^rlid^en Sftflraction. Später ^t er fftr bie tJorm= 
ober materielle ©d^önl^it, jum Unterfc^ieb bon ber bc« Äu«brucf« ober ber 
moralifc^cn, bie Scjcid^nung ?inienfc^önl^cit (bellezza lineare) gewäl^lt. 

Unb jtoar gelten il^m bie Sinien ft^öncr ftör^>er für fc^ön an flc^ , fie 
l^afcen aftl^etifd^en SBkrtlj auc^ ol^ne bie SSejicl^ung il^rer gorm auf ba« SBefen, 
bon bcffcn ©uBjianj, Sau, ?cBcn, tjwtiction pc in bcr 9?atur ba« leftte (Sr= 
geBnig fmb; mir Bcurtl^eilcn fic ol^ne 9iüd(fi(^t auf ba« 5)ing, ba« fie ein= 
fd^liefecn. SBie nad^ Sicero bcr ®icBel bc« Sa^)itol«tem^cl« aud^ im ^immcl 
f^ön fein tottrbc, mo e« nid^t regnet. (£« müßte, al^nlic^ ber Symmetrie 
im Äaleibofco^) ober in bcr maurifd^cn OrnamcntÜ, ein Bcbeutung«lofe« 
®^)iel oon Seitenlinien gcBen fönncn, ba« äfll^ctifd^ gefiele, flnd^ nac^ 
$ogartl^ Bcruljt bcr fflcifatt ber 335cttcnlinie auf ber angcnel^mcn Semegung 
bc« fic Beglciteubcn Äuge«. 5Rad^ SBindfelmann ifl fie j)rinci^)iefl ganj bie= 
felBe an tl^öncrncn ©crätl^en unb an IcBenbigen ©liebern. ,,3)ie alten 
l^etrurifc^en Äünfller toarcn jur SBiffcufd^aft ber ä^crlid^fcit bcr gorm in 
il^rcn ©cfäßcn gelangt, Bei aller Ungcfd^idflic^fcit in bcr S^^^^w^^Öf *>• i- fw 
l^atten ba« wa« Bloß ibealifd^ unb fcicntififc^ ift, erlannt, ba fie l^ingcgen 
in bem mo bie Siac^al^mung un« fül^rt, unoofffommcn gcBlicBcn ttjoren". 

Danad^ mürbe bie Äunfl in ber il^r oorgclegtcn 5Ratur folt^c SJorBilber, 
?nter«flufen, SRobellc ju fud^cn l^aBcn, in bcr jene Linien oorfommcn. Denn 
al« nad^al^menbe .^unfi lann pe i^rc gorm nid^t mie 9RuflI unb Saufunfl, 



140 S^^^^ ^u^* ^^' ^ic (Sf^W^tt ber ^mft 3. Slefl^etit ber ^cu()>tuc« 

frei f^affen. 9{atürlid) " ift ,,bic fanftc SScrjüngung, bic in einer Säule 
fi^rocr ift, nw^ f(^njcrcr in bcn maut^crtci gormcn cincö jugcnbtic^cn Äöv- 
^x^, . . 33}ic nur unter bcn uncnblici^en arten Säulen in 8tom einige burdfy 
c6cn bicfc SJerjünflung »orjüglici^ jicrlid^ erfc^cincn (»on njclc^cn iä^ mir Ibe^ 
fonberö gnjei ton ©ranit gemerft ffoibt, bie 16} j[cbcömal upn neuem Betrcu!^te>: 
alfo feiten ift eine Dodlommene %oxm aud^ in ber fd^önßen 3ugenb, bie in 
unferem Ocfc^Ied^t noc^ meniger aK im njcifclid^en einen fcftcn ^unft l^at". 

3C6cr tüeld^c %xt üon Sunden ift nun bie Jinie ber ©(^onl^it? !lie aBif= 
jenfc^aft ber ?inien l^eißt ©eometric, aber mir l^örten fci^on, bafe bie älgeBra 
^ier inconipetent ift, bcun biefe ?inie ,,mirb mit feinem ßirfel Bcf(^ricbcn 
unb tDcränbcrt i^re Stid^tung in aßen fünften", findf „ber f»elte unb 5icr== 
Ud^e Sontour ber ?Jafcn ift bur(^ eine Jinie gesogen, bie burc^ mel^r Sirfel 
mn% gefunben n)erben''. Sie l^aBen aflejeit eine eUi^^tifd^e %oxm, unb barin 
liegt i^re Sci^i^nl^eit. 

dni^eg menn man ba^ Sd^cne aiJid^ nic^t mcffen fann, fo fann man 
bod^ bie ßtaffe üon Linien fcefc^reibcn, in ber e« liegt, ^en ®ep<^t«j)unft an= 
geben, nad^ bem mir biefe Glaffe Bitben. (La Bellezza pnö ridnrsi a certi 
principj, ma noa definirsi.) Xa^ $au))tmerfmal biefer Slaffe ift fJEflCiVi= 
ni(i^faltigfeit im ffiinfad^cn"; „bie vtünftler fanben bie Urfad^e ber Sd^cul^eit 
in ber Sin^cit, in ber SRannic^faltigfeit unb in ber UcBercinjiimmung; bie 
gormen bc« f(i^onen ^ilbc^ fmb cinfad^, ununterbrochen unb in biefer Sin= 
l^cit mannic^f aöig , unb baburd^ finb pe l^armonifd); eknfo tt>ie ein fü^er 
unb angenel^mer 2on burd; £er^>er l^ertorgeBrad^t mirb, bereu "ZfftxU glcid^= 
fijrmig ftnb". — 

$ier ifl auc^ ber 'i^unft mo ber SSegriff bc^ Srl^abenen Bei SBindet 
mann torfommt, in ganj anberem Sinn aü Bei !i?ongin, Surfe unb Sant. 
(Srl^aBen Bqeic^net nic^t bie gemifc^te (Sm))ftnbung, mel^e ba^ ttBcrmältigenb 
®ro§e unb gurc^tBare ermcdt, fonbem eö iji ©rßße burd^ (finfatt, im ®e= 
genfa^ gu tleinlic^feit burd^ UeBerlobung. 

„iurc^ bie ©nl^eit unb ßinfolt mirb aBe Sd^onl^eit erl^aBcn, fo»ie e^ 
burd^ biefelBe aBe^ mirb ma^ mir mirfen unb reben: benn ma^ in pd^ groß 
ift mirb, mit Sinfalt audgefül^rt unb ))orgeBra^t, erl^aBen. & mirb ni(^t 
enger eingcf(^ränft, ober oerliert t>on feiner ©rößc, menn eö unfer ®eifl 
mie mit einem Slid üBerfcl^cn unb mcffen, unb in einen einjigen ^Begriff 
einfd^Iießen unb faffcn fann, fonbem eBen burc^ bicfc Segreiflid^feit jleBt e« 
fid^ unö in feiner ööBigcn ©röge cor, unb unfer @eifl mirb bur^ bie gaf= 
fung beffcIBen ermeitcrt, unb jugtcic^ mit crl^aBcn. !l)cnn oBeÖ maö mir 
getl^eilt Betrad^ten muffen, ober burt^ bie SWenge ber jufammcngefcfttcn Sl^cile 
nic^t mit einemmale üBerfcl^en fönnen, verliert babur<^ t>on feiner ©rofec, 
fomie und ein langer 2Beg furj mirb burd^ mancherlei ©egenflänbe, meiere pc^ 



§ 118. d. ^te ^äfliTil^mmt nnb bie Proportionen. 141 

unfi auf bcmfcttcn borBtctcn, ober burdb imcIc ^crBcrgcn; in »clc^n toit an= 
l^attcn fönnen. Diejenige ^annonie, njeld^ unfern ®eifi entjürft, befielet 
tiid^t in uttcnbfic^ geBro^cucn, gcfcttettcn unb gefd^Iciften Ionen, fonbcm in 
tinfad^en, lang anl^Itenbcn 3^9^"- *w« biefcm @runb crfc^eint ein großer 
^lafl Hein, wenn betfelbe mit Qitxatfftn ttfcerlobcn \% unb ein $auö gro^, 
wenn eö fc^ön unb einfältig auögcfttl^rt wotben": Dal^cr ber njunbcrfic^e 
(Bci^, ben w\x nmlel^ren n>ttrben, ,,bog bet WpoUo bad Srl^ene l^aBe, tütU 
6^t^ im Joocoon nid^t flattfinbe". — 

dn i^fteren Variationen l^at bann SBinifelmann, um bie UnBeftimmtl^eit 
feiner Definition ju etgänjcn, wctteifernb mit bem ®tift be« ÜRaler« unb 
ber @^?ra(^c beö Di^er« jene gormen ju jeid^ncn »erfud^t. 

„Die ©d^önl^eit ifl jebem älter eigen, aber wie bie ®öttinnen ber 
3a]^reöjeiten in ^>crfd^icbenem ®rabc; mit ber Sugenb aber gefeilt fle fi4 
»orne]^mfi(^ ; bal^cr ifl ber ^nfi gtoge« SEBerf biefe ju Bilbcn. 3n il^rcu 
gormen ifl jene „große (Sintjeit, in ber bie ©renjen unmerffic^ eine in bie 
anbere fließen, unb »on üielen ber eigentliche ^unft ber ^&ft unb ber ?lnie, 
wcld^e biefelbe umfc^reiBt, nid^t genau fann BefMmmt werben". „3e mcl^r 
®nl^eit in ber SerBinbnng ber ^nnen unb in ber Stu^fließung einer aud 
ber anberen iß, beflo größer ifl bad ®d^8ne bed ©angen. (Sin fd^ned jugenb- 
lic^ ©cwSx^d and fold^en formen gebilbet ifl wie bie (Sinl^eit ber Släc^e 
beö 9Reerd, welche in einiger SBeite eben unb ftille wie ein ®?)iegel erfdbetnt, 
oi ed gleid^ aQejeit in Bewegung ifl unb Sßogen w&Ijt". 

Dal^er bcwunbem bie ÄttnfHer*) am Üorfo biefe „immerwäl^renbe Äu«= 
fließung einer %cxm in bie anbere, unb bie fd^wcbenben 3^0^ ^^^ nad^ ben 
SBeHen bcd rul^igen üReered ftd^ lieben unb feulen unb ineinanben>erf^Iungen 
werben". Unb in ber SRiobc ifl „eine fo große öinl^it ber gorm unb be« 
Umriffed, baß fte ni(^t mit 3)til]^e gebllbet, fonbem wie ein ®ebanfe erwedCt 
JU fein fc^eint". 

Daö ift eö worin bie ®d^wierig!eit bcö ®d^önen liegt i/uXenä r« 
xttXtt). „Die äußere grlät^e beö menfd^Iic^en Äör^jcr« ifl fftr bie Ättnflter 
fo f<^wer auöjuforfd^en, wie t)on ben SBeifen baö innere beffelben, unb baö 
fd^werfle ifl wad ed nic^t fd^int, bie Sc^önl^ett, weil fie, eigentlid^ gef)»rod^en, 
nid^t unter 3a^I unb SRaaß fftttt. ... Do« Serfl&nbniß M Ser^SItniffed 
beö ®anjen, bie SWffenfd^aft t>on ®ebciuen unb SWudfeln ifl nidbt fo fdjwer 

*) (S9 finb bie ftünfller bed ^orodfHt«. 2)er fihhe be il^arfo brüdft biefen ®t- 
fc^mad in folgenben auf 9t. Wt, ®(obt)' S)raperten gemünzten Ser^n aue: 

Sint facUes pannis flezus, alt grande rolumen^ 
Sublimea amplique ainus, vaga lintea, parri 
AnfraetuB: ut flamma, volent, ut lympha dehiseant 
' Holliter, ut aerpess sinuoao tramite ourrant , 
Ao tcretci palpcnt taotu leriore figuraa. 



142 ^todM eudf. II. 2>ie i^äfk^^tt ber Stm% 3. Sleftl^ttl bcr e€ut))tur. 

iinb oBgcmcincr aW bic Äcnntnig bc^ ®ii^öncii. . . . 3)ic 3«i<^™"8 ^^^^ 
jugetibltc^en St'itptx9, in todSftm oQed ifl unb fein, unb ntd^t etfc^int 
unb erfi^cincn foff, ifl fii^tocrcr ate einer männlichen nnb Betagten Sigur, 
jreil in jener bie Slatur bic Änöffil^rung il^rer SSilbung geenbigt, folgfid^ Be= 
fiinnnt l^at, in bicfer aBer anfängt, il^r ®eBäubc »ieberum aufjußfen unb 
olfo in beibcn bie SerBinbung ber Xl^eile beutlid^er eor Xugen liegt 9n^ 
ber geringfle ©ci^ttcn tt)irb l^ier jum Äöqjer, unb tott nur im geringflen 
t)or ber ©d^ciBe üorBcifc^ie^t, ifl eBcnfogut, aW nntnn er nic^t l^ineingetroffcn 
l^ätte. ... Die Äünfiler alfo, bie flci^ in @c^tt)ierig!eiten ]^ett)orjutl^un fu(^en, 
feilten fld^ licBcr in fc^önen att atl^Ictifd^cn tor^>ern geigen".*) 

S)ic gealterten ober mu^cuKfen gormcn wrl^alten fu^ bemnac^ ju ben 
jugenblid^n, tüie bie ängfttid^c troifcne SRa^Bilbung bc0 ©(d^ülcrö gu ber fo 
leichten wie fuj^creu ©fijje be§ SKeificrö, biefem ©cmälbe im Seim; ober 
tt)ie ein ^)Iatter, bic logifc^e Verfettung l^anbgrciflic^ l^crauöftcttenber, ber 
ÜRittcImäfeigfcit entgegenfommcnber Vortrag ju einem geifteoII=rcbnerif(!^n, 
ber bie gugeu J^erBirgt, unb ein gufätligefi ®^>iel ber ©cbanlen fd^int, fo 
fel^r er ben Ocfe^en ber ©od^ n>ie unfereÄ Äuffaffung^toermogenÖ fld^ an= 
fc^Itegt. Solche formen gefaQen au^ einem äl^nlic^n ®runb, n>te ein 
fc^dner &btptx an 9teig gewinnt burc^ ein trand)>arented ®en>anb, ober bun^ 
bad ^eUbunlel in bad t^n Sorreggto taud^t, ober burc^ ben n>armen, weiden 
Xon S^igianfd^er Samation. 

$)ierin liegt bie SBal^rl^eit ber ©c^ßnl^eitölinie. $)ingegen lann bie S5Jel= 
Icnlinie, b. 1^. bad ©leid^ewid^t conca))er unb cont>e|er leinten, nid^t aU 
correcte Sejeid^nung be^ Sontour^ gelten. !Cer menfd^ltd^e ^ör))er unb bie 
©tatuen ber alten, au(^ bie gragiöfeften. Befleißen au^ conoejen Linien, nur 
bie Keinen, bie SBinfel oerBergenben SerBinbung^linien finb concao. 3)ic 
Seitenlinie ifl ber ©d^önl^eit^contour M ÜRanieriMud. 

§ 119. 

5. Da« ;3beaL 

993er nod^ ben Bidl^er gufammengefteSten iBemerfungen üBer griec^ifd^ 
unb ftiblid^e Ztfptn, na^ ber SWotimrung ber CetiöoDfommnung ber 3<^i<^wung, 
fid^ eine SReinung ftBer ba« Verl^ältnig üon Äunfl unb SWatur nad^ SBindet 
mann« Segriffen Bitten woDte, wUrbc biefen Äunflgclel^rten in eine gonj 



*) Innnuandoai i contomi delle figure giovanili infleiitibilxneiite Tuno nell' altro, 
h cosa difBoilifluma il cogliere i punti precisi della magg:ior elenudone deUe linee 
eheti descriTono, e de' siti ore l'una ri combacia con l'altra; e oolti che nno gli 
ha, ^ altrettanto piii difficile il determinarli, poiohi in A fatte fignre tatto esflei dee 
eib che ä Boeme nelle Tirili, ma senza far apparir che vi sia. Tratt. prel. XXXIX. 



§ 119. e. 2)a« SbeoL 143 

anbere (Slaffe oetfe^cn, aK bie in Xücld^x er ktanntßd^ eine fo l^eTDotra^ 
genbe ®teQe einnimmt debermann rm% anttf xocx jonfl ni<l^tö wn i^m 
»ei^, »ic eng fein 9tame mit bcm ,,3bcoIi«mu§" t)ctfni^)ft ifl, ja bafe bicfer, 
tooijl in feiner unerfreulid^fien )>robnctit)en ®cfloIt ftd^ t)ome]^mIi(i^ auf il^n 
berufen l^at. @eI6fl $egel, bem ber dbeali^mu^ in feine Hefll^etil fo pa^, 
gefielet (eingef(^ü(i^tcrt burc^ Stumol^r^ Belannte $]^iß))^ica gegen ,^bad titani^ 
fd^e Cerl^aBcn, bic 9?atuxfi>rmen }u »erl^errßt^en unb ju Derflaren'S unb 
beffen @<)ott ttkr bic ,,«ltflidere^ ber SBcrIe bc« größten unb altepcn 
SReifierd en ronde bosse unb basBo rilievo'O: ffbag feit SBindelmann jene 
@U(i^t aufgetommen fei nad^ ibealifd^r IDarfteQung, in ber man bie @(i^ön= 
]^it gefunben }u l^aben glaubte^ aber in Siobtl^eit, UnleBenbigfeit unb c^acter^ 
lofo DBerfla(^Ii(i^feit oerficl''. "Jtct ©egenfa^ ton Obeali^mu^ unb 9iatura= 
liÄmu« fei \>nxd) SBindelmann toiebcr angeregt »orben. 

S93cr fooicl ^nßanfc^auungen l^t um ftd^ t>ergeg^nn)artigen }u fönnen, 
um nxtd ed fic^ Bei biefen Sontrooerfen jebe^mal gel^anbelt l^at, b. 1^. n>ad 
fihr SDtanieren, formen, äSunbcrru^teiten unb (Sinfeitigleiten ganj BefHmmter 
unb oerfd^iebener Srt ftd^ l^tnter jenen allgemeinen SBorten — mie SDta^fen 
ber Pantomime — oerftedten : bem mug oud^ l^ier ber Sßunfc^ entficl^en, jene 
allgemeinen 92amcn möd^ten nie erfunben n)orben fein. 

Unter Sbeal »erflanb man attcrbing§ oomcl^mfid^ bie formen ber ©ta= 
tuen, bcrcn ®^^>fe man in ben Sälen ber äcabemien jum ©tubium auffleüte 
unb bcren ,,marmorne SRanier'' man nur etnKt^ BeleBte; aBcr aud^ n>a6 toix 
®til nennen, eble, auf ber $ö^e be$ ®egenfianbd flel^enbe Suffaffung, 
©c^cnT^eit^flnn üBerl^au^t. 9ßa$ man ftc^ l^ingegen unter 92atur badete (unb 
l^eute »ieber anfangt barunter }u bcnfen), fagt und bie @d^ilbcrung eined 
SSilbed t>on *^ter SSellotti in Stariette'd ä(Becebario. & n>ar gemalt mit 
großer Sorgfalt, ber ^infel unttBertrefflid^ fd^ön, jcbe Sad^e mit ^Sal^rl^eit 
Bejubelt, ber ^arbengefd^matf fel^r gut; aBer um bie Sefialin jlucia barju^ 
flctten, ^atte er "fld^ baö infamflc unb elcC^aftefle @efc^iJ<)f jum SWobefl gc= 
n>a^lt, ba« auf ber SBelt ju pnbcn nxxr. — 

KUe altertl^ttmlic^e ^nft fieQt Bi9 }u einem gen)ifFen $unlt (unb Bei 
einigen S5Rem ifl fte nie üBer btcfen $unlt l^inaudgegangen) nid^t dnbit)i' 
buen, fonbem einen Ztfpn^ bor. XBer nur in ber griec^ifd^en jhinfi ifl ber 
2^)>ud, burd^ ein etnjig glttcflic^ed 3^f^^^^^^^ff^" ^on Umflänben, im Sauf 
ber 3^^^^^ i" ^^"^^ ^^^ — ^^^^^ Ztfpn^ t>om l^&^jlcn äjll^etifc^n SDert^ 
— fortgeBiäet toorben. I^en ©ried^cn galt jebe (ginfeitigfeit ber ©efd^&fti= 
gung, ber geifKgen unb lör^rlid^en, für unebel, Banaufifd^, n>eil fie ®ei{l 
unb SeiB ein Befonbred, ttnl^armonif(^d, alfo unfc^Bned ©c^rSge aufbrttdtt; 
gletd^matige XudBilbung ber menfd^ii(^n %atur im Ser^ltnig il^rer ®runb^ 
BeftonbÜ^eile jueinanbcr, unb biefer felBfl, l^ieltcn fle fftr bie bc« freien attein 



144 ^waM fdvLÖf. II. :^e Okfd^id^te ber ftunft 3. Kefl^ctif bor @cut))tur« 

njtttfeige G^flcnj. 3n Udbcrcinpintmung l^icrmit ^t man aud^ i^rcn fünfllc= 
tif(^cn gomtcnflnn ju faffcn. 3n tl^tcn Sitbcm bcr SWewfAl^cit — bev g5tt= 
Kd^n, ber l^toifd^cn, bcr gcfd^id^trid^n — tüirb ba« ttaö ben Sinjclucn jwnt 
bcfd^vänftcn Onbwibuum inacfit, bcr 31^il roortti fein G^aractcrtflicum, fetnc 
Sirtuofltät, feine ©nfeitigfcit liegt, jurttdgefJeHt fein gegen ben Ü^^u«, 
njeld^et bic Harmonie unb ©anj^cit ber Wenft^cngeftalt rq)r5fentirt, wo 
oBe 3:i^eile in normalem 3Jer]^altni§ flehen, unb tüie bie gorBen im ©onnen= 
li(^t, fo bie geifligen, njoücnbcn, Icibcnfd^aftlid^cn unb finnlid^ett öeftanbt^cilc 
ber menfd^li^en SRatur rid^tig abgenjogcn unb t)erf(^moljen jlnb. 

gfir bie Äenntni^ be« 3beate ber ©cftalt ijl attcjcit bie gric4if6e 
Ännfl unb Befonberfi il^re ^lajlif aW ^uj)tqucKc angefel^n n)orben. „^liAt 
bun^ ©ergleid^ung , fagt Suffon, nid^t bur^ SReffung einer großen ^tU 
t>on .Qör^)em l^at man bie fc^öne Statur gcfunben, fonbem burc^ bie 3ci*cu= 
funfl: ©efft^l unb ®efd^macf ^Ben ooÜBrai^t, voa^ bic 9Rc(^anif ni<^t ver= 
mod^t j man legte f ineal unb ßirfel Bei ©citc unb l^iclt ftd^ an baö 8ngcn= 
mafe'i. 3n il^r fanb man jene« »ottcnbcte ©Aöne, bafi nid^t, ober nur fitoer 
in bcr 9^atur ju finben ift, unb baö bod^ nid^t außer ber 9tatur liegt ober 
gar njibcr fle x% iocil t9 M if)xt eigene 3Wcinung angefe^en njerben fann, 
bereu fragmentarifd^cm unb gekmmtem ?lu^bmd( bie ihinf! nur nad^l^ilft. — 

Solange ber 93egriff be^ Sbcate ejriflirt — unb er gel^t Bio auf bic 
3eit bcö (Socrate^ jurftcf — l^at man Bcjtiglid^ bcffelBcn jtoei ST^Stigfeiten 
unterfd^icbcn : äu^wal^l auö ber 9?atur (j'^^Jci^'ise ^lection — ten fiate, 
choisir — Soi^^jcl), — bie rid^tig gefaßt nur ein med^anifAcr 5ttamc ifi für 
au^Bilbung be« ©c^önl^eit^fmn« burd^ reid^e (Brfal^rung; unb ajarfIcUung 
ber 3bcc, einer inneren ©dfeauung, ttma^ baö nur in bcÄ aWcnfd^cn $im 
fid^ jufammengcfunbcn l^at. 3c nad^bem man nüd^tcmer ober fd^wungooBcr 
Bilbete ober rafonnirtc, legte man auf bieß ober jene« mcl^r ®e»i(^t, boc^ 
ol^nc baö anbcrc ju ocrgeffen. 9Bie n>arc aud^ eine SBal^l ju beulen, bereu 
@efid^t^^)unft nid^t im auöwS^lenbcn, fonbem im SWaterial läge? Unb »er 
ttjilrbc ben Äünfller ocrftcl^n, bcr fi^ für ben ÄuÄrudf feiner Siflon nid^t 
auf« engflc bcr attgcmein oerflanblic^en gormenf^)ra^c ber 9?atur aufd^Bjfc? 

ajal^r ifl, baß bic großen fd^ö^>fcrifd^cn ^cxttn bcr Äunfl toenig tom 
3bcal gefi)rod^cn l^aBcn. 9?ur »o ?conarbo bie Äünfllcr toamt oor bem 
$>ang pd^ fclBfl nnb i^rcn XifpvL^ ju »icberl^olcn, ratl^ er, bie guten Sl^cilc 
ton toielen fd^önen ©cpd^tern aBjunel^mett, biefc aBer mcl^r naii bcr öffcnt= 
li(^n (Stimme aW nad^ bem eignen Urtl^cil ju »Sielen. 

ÄBcr feit SWid^elangclo in feinen ©cbic^ten „in »ürbigen unb crl^aBcncn 
atuöbrüdfen" bon bcr „l^ol^en ©d^önl^cit" gcrebet l^tte, „bie il^m ate treue« 
aWuflcr (esempio) in feinem Serufc ocrliel^en fei, aW „jtDcicr ftttnfle ?eud^te 
unb ®^)tegcl'', unb biejenigen tfeörid^te 9tidbter genannt l^attc, n)eld^ bie 



§ 119. e. 2)ad 3bcaL 145 

Sd^Snl^eU }u ben ©innen J^injicl^en, toar bev dbeoGCmud in (halten bie 
trdbttioneUe ihtn^^ilofo^l^ie. 2)ie Satacci jeigten, toit butd^ SBal^l au9 
bcn gt5|ten SKeiflem ein dbeol ber äRoIetei errei(i^t n)eTben fönne. SSeUori 
leierte, aUe »ol^Te ^n^ xu^ auf Stod^al^nmng ton dbeen unb gel^ bun^ 
Xstoal^l ber fc^nften Sonnen ttBev bie Statur l^inaud. S)et SünfUer, beffen 
{^een gleichartig finb bcr gBttlid^en dbee, nad^ ber bie 9{atnrbinge gefd^ffen 
würben, ol^t ben erfien ftünftfer nac^, unb bilbet fl(^ im ®etfl bad 9Rufler 
einer l^dl^eren ©d^önl^eit, nac^ ber er bie 92atur ))erBef[ert (emendare). !Die 
Äunjl ifi fomit nid^t Blofe eine SRcBenBul^Ierin ber SRatur, jie iji il^rc SJotten= 
berin, unb bad ifit il^r l^Sd^fier $rei9, be^l^Ib joden i^r bie 3Kenf(^n iitbt 
unb S3en>unberung. ®ie ift bie @onne tctlS^ r>on ^ft 1^ bie äRemnon^ 
j&ule Befeelt, ba9 S^uer n^eU^d bad $rometl^eu9bilb jum SeBen em)Srmt 

3n biefcn unb fielen Sl^nfic^en üDorflcDungcn gcl^t bie unleBcnbigc 8Jor= ' 
fleffung eine« jufainntcnfc^enbcn (SHefticiMuö, »on ber bie Änccbotc beö 
3cuji6 unb ber fünf SKäW^en ton Sroton faBett, l^cr neBcn bcr SorflcDung 
jener Begciflcmbcn , ?eBen gcBcnben (httuition, wie jie ein ^l^ibiaß gcl^aBt 
l^aBen muß unb toit fte und !Dio (S^njfoftomu^ fo Bercbt in ber oI^nH)ifc^cn 
atcbe fc^ilbcrt. ©elten n>aren fclBfl Blogc Kl^ctoren auf eine fo unfönftterifd^c . 
Änftc^t üerfaBcn, n)ie bie oon ?efpng unb SRc^noIbÖ ifl, nxld^e int Sbcal 
ntd^tö att bcn ®attungöt^^)uÖ crBIidfcn, ober tote ber Ic^terc flc^ au«>rücft, 
bie Gentralformen. 

3)tcng^ unterfd^ieb in aDer ^unft }toei jC^atigfeiten, eine nted^anif^c 
unb eine gcijtige, bie crfle ift bie 5)?a(^a]^ntung ber 9Jatur, ju il^r gel^ört^cin 
richtige« äuge; bie anberc ifi bie SBal^I, burc^ pe cntpcl^t baö übeaL 1)0^ 
3bcal ifl eine DarjicKung oon Dingen, für bie eö fein Original gieBt, bie 
n^ir im @eifi erfagt l^aBen, ol^ne bag fie und bur(^ bie ®inne gegangen flnb; 
in ber 3«i^iiiing ifl ed eine üBcmatürlic^c ^öx(f)t\t, l^crt)orgeBra(^t burc^ 
Sereinigung jufammenftimmenber fc^Sner Sl^eile. !Z)ie§ dbeal aBer ftnbet 
fxäf in atten Steilen ber SD?aIerci, nid^t Blog in 3<^i^ni^% fonbem aud^ in 
(5om^)ofition, äuöbrurf, $cllbuu!el unb Solorit, eß ifl bcr erl^aBcnPe Il^eil 
ber ganjen Äunp. ,,9Bal^l" unb „Obeal" Bejeidbnen im ©runbe nid^t« an= 
bereö aW Srfinbung, fd^affenbe Äraft, baö 5Poetifd^e in ber SRalerei, bad 
tt)oju '^^antafic gehört. !Da]^cr baö Sefen bcr SDid^tcr cmpfol^Icn tt)irb, um 
jld^ }tt biefem SE^eil ber Äunfttl^ätigfcit anjuregen. 

®ofem nun 9Hemanb läugnet, ba§ bie ®rie<^en oOein ba)u gebmroien 
finb, eine äBelt oon ©efialten )u fd^ffen, bie im lüften @rabc Bebeutcnb, 
^bn, leBentfooK, unb bod^ $]^ntaflegd6t]be flnb: fo fagte aKeng« mit 
Ktäft, bag fie audge}eid^net moren oor aKen Steueren im V)til M dbeaU, 
unb fomit grSger ald aUc. 

dnfli, XDinddinaiiiL II. 2. iO 



!£)ut^ ba$ SRt^oetl^altittg biefet an fU^ gan} atrae^mBot Rragenben 
65^e ju ben .n>trHi(J^en ^eiftungen befenbcrS beS )>]^tlofo)»]^tf^n 9KaIer9 feftfi, 
ftSerl^oii^t aber be9 SKanieri^mu« ber legten (itm bte SRttte bed 18. Qdfjft- 
l^nnbertd erlöfcj^enben) ©enerattonen ber alten, nnb be^ nod^ titl trofitloferen 
Slaffictdmud ber erften @enerattcn ber neuen äRaleret tft btefer dbeaß^mit^ 
in au^erflen Serruf gelonmten ; bennod^ lag xfpax, Bei aller )>errofieten SReto» 
^l^t^fll unb anfid^igen %tt^bru(f9n)eife ein toaiftvc Kern in @runbe. — 



Xuc^ nac^ Sßtncfelntann feilte bie fiunft letnetoegd Blo| bie SefHntmnng 
l^aBen, tl^re Silber Bi^ jur Säl^rl^ett unb ^ei^eit ber 97atur ju fltl^ren. 
@ie foD und etnxtd jctgen, nxid bie 9?atur nic^t l^at !Z)ie| ifl bad ^beo^ 
lifi^c. „3bealif(^e Si&ung" fielet im ®egcnfa| jur ,,inbiioibueIIen, b, i. auf 
bad Sinjelne gerid^teten'^; benn fte tft ,,etne SM)l fc^öner Sl^eile aud toielen 
einjelncn, unb SSerBinbung in ein«". S)er ©egriff bed 3bealif<i^en aBer ift 
bem be§ Sd^önen üBergeorbnet. „&toa§ !ann ibealifd^ l^ei|en ol^ne fc^ön 
gu fein. £)ie ©eftalt ber Sg^tifd^n r^iguren, in n)eld^en n)ebcr äRudleln nod^ 
9?en>cn nod^ Stbem augebeutet fmb, Bilbct bennod^ feine ©d^fönl^eit". 3)er 
farnefif(^e ^crculefi ifl ^^bid^tcrifd^ üBer bie 9?atur erl^aBen", aBer ni(^t nad^ 
bcr 9tegion beö ©d^önen l^in. ÜRid^elangelo, Bunte er l^ingufc^n, nxir ber 
größte Sbealift bcr neueren ffunfl, aBer fein 3beal ber mcnfc^lid^cn, gumal 
ber tt>eibli(^cn ©cflalt »ar gemi§ nic^t fd^on, nid^t einmal natttrfic^ unb 
auferudfdoott, fonbcrn nur gewaltig. 

• Sein SScgriff bcö 3bcalfd^önen entl^ält cBenfallö jene pm SWcrhnale. 
Die ßunji fhrcBt einen Xt^pn^ öotttommner Sormen ju finben, fte fuc^t etwa 
bie gcfunbcflcn, guglcid^ fräftigflen unb feinjicn, cBenmaßigjlcn ,,®c»&d^fc", 
bie X^tilt fammlet fte, bereu SJcrcin aW ungcl^cmmtc SBirfung bcö ^>lajHfc^en 
©efeftcd mcnfd^lid^er ©cjlalt (wenn c« ein« gicBt) gelten börftc. I)ann aBer 
toitt fte aud^ tttoa» barftetten maß nid^t in bcm ®cBiet biefed il^red einfara- 
melnbcn Umft^aucnö liegt, fle fott etwa« bo« anberd »ol^cr ftammt mit jenen 
gormen nur umKcibcn, in i^nen bie ©^jrad^c finbcn für einen Iqrt, ber ntd^t 
im Suc^e bcr SRatur gcfd^ricBcn fielet. 

5n biefen Beiben fünften liegt ba« SBefentlid^c üon SBindtelmann« 
3beatele]^re, »Sl^renb er ftBcr bie grage, inwtcttjcit bie Äunf! üBer bie SRatur:^ 
fDtmen »irffid^ ]^inau%]^, fi<j^ ttjcd^felnb auöf?)rid^t unb cffenBar nie untere 
notmnen l^at, in« Äeine gu fommcn. 'I)ar>m ^p&ttx. 

1. „3)ie 9?atur (fo Belel^rt un« SBinrfelmann, ignorirenb, bat *>i^ SaKffen=^ 
fi^ft längp tjcrgid^tct l^attc, in bergleid^n oortrefffid^e SlBftc^ten beö aBgc« 
tnetnen SRamenÖ ;,SRatur" cingetoeil^t gu fein) bie S»«ur jireBt Bei ber 
Cilbung il^rer 3nbiöibuen na<^ bem SoUfommnen. . Sfter fafl fletö gel^emmt 



§ ito« e. 2)a4 3beat 147 

bnttl^ bte SRaterie unb fo ntand^ 3i<f&0i8^^i^^^f benen bie SRettf^l^eit unter? 
Bcgt, lann fle tl^r totgeficrftcö 3^^^ ^^^ crrei^cn. Dal^r ift cfi fafl un« 
möglid^^ einen SRenfd^en iDon oSfeitig )}i>I)(enbeter ©^dnl^eit ju finben. 
Diefcr UnöoOfommenl^eit l^at bcr OnfHnct bc« SWenfci^ett aBgul^dfen untet= 
nommen, inbem et fld^ über fein 800* crl^eBcn unb wa« bie Statur untolls 
lontnten flelaffen, t>etBefferh »oßte". Die Äunfi nimmt alfo ber Statur bie 
ÄrBeit abrauö ber ^Peri<>^cric unfeiner abtt>ei(j^ungen preBt fle nac^ ber 
ÜRitte einer Slormalform, einer gorm »efc^e bcn SSilbungfitricB in feinem 
burc^ tocrfiimmembe ober ü6crtretbenbc, äußere unb innere Urfod^en ungcflör= 
ten SBSirfen jeigt. 

3>ic SKet^obe iji freiließ bie eHc!tif(%e. «flerbing« ,fyat bie »Übung 
ber ®<i^önl^cit, feftft in SJorfleHung ber ®öttcr, mit bcm einzelnen &Sfbmn, 
in Stad^ol^mung einer f^i^nen mcnfd^Ii^en @eftalt angefangen. 8lber ba bie 
STatur unb ba« ©ebSubc bcr fd^önflcn Äörj>er feiten ol^ne SRängel ifi unb germen 
ober H^eile ^t, bie ^d^ in anberen Äörpem t>oHIommener finben ober benfcn 
laffen : fo »erful^ren biefe tt)eifen ftünftler n>ie ein- gefc^irfter ©artner, tt>clcl^ 
ocrfd^iebene SlBfcnfer ton eblcn «rten auf einen Stamm ?)fro^>ft; unb n)ie eine 
S3tene au^ oicien Slumen fammelt, fo blieben bie SJegriffc bcr ©d^önl^it 
niij^t auf baö inbiolbuenc einjelne ©d^önc eingcfd^ränft, mie c« junxilen bie 
Segriffe ber alten unb neueren S)i(^ter, unb bcr mel^rften l^eutigen Äünfller 
fmb, fonbem flc fud^ten bafi @^öne auö oielen fd^önen Äöri>cm gu Dercini= 
gen. . . . ÜDiefer Sluöjug ber fd^&nfiten formen tt>urbe gleit^fam gufammen= 
gefd^molgen, unb auö biefcm Inbegriff entflanb toie burd^ eine neue geiflige 
3eugung eine cblerc ©eburt". 

(Sigentlid^ fül^ren alfo bie S?ege be^ redeten 9taturali^mud birect jum 
3bealifimu^. ,/I)\t ©riechen erlangten il^rc ibcaßfd^en S3ilber, toären biefel- 
ben aud^ nid^t t>on fd^dnen ßör^m genommen, burd^ eine tSglid^e ©elcgenl^ett 
jur ©cobac^tung bc« ©c^öncn in bcr SÄatur". SHe benciben«tt>ert]^c ©unfl, 
bereu bie ©ried^cn bei il^ren ©tubicn fld^ erfreuten, »ar e«, nxld^e tl^ren 
©inn fttr gormnüancen fo cm^jfinblid^ mad^tc. Äeine SSSal^mel^mung eine« 
glüdtlid^n (SinfaM bcr Silbncrin Statur ging tl^neti oerlorcn, fle fd^ufcn tw^ 
einen Ärei« oon SSörfiellungcn ber einjelnen Sl^ile unb ganjer Scrl^Ältntffe, 
bie eine geinl^eit bed äfll^etifc^cn Sinn« ooraudf e^n , tüit fle nur dal^rl^un- 
berte lange Uebung be« ©eisend unb @(^affen9 gen^Sl^ren fann; unb biefe 
formen UHnren fo mannic^faltig unb fic tourben berfelben fo mSd^tig, bag 
ed il^nen gelang, au« benfelben bei jeber Sufgabe, fttr toeld^e bie Statur Itin 
Sorbilb liefert, ein lebendfSl^ige«, leben«ooQe« ©ebilbe gu combintren. 

„(£« faOet Semini ein fe^r ungegrünbete« ttrt^eil,- n^enn er bie SM^I 

ber fc^Sflften Vftik, meld^ 3«u|t« an fünf ©d^nl^citen gu ffiroton ^ad^te, 

ba. er eine 3uno bafelbfi ju malen l^atte, für ungereimt unb für ^rbid^tet 

10* 



148 3>»^t^ ^^^' ^' ^^ Oef^d^e ber StmfL 3. flefl^ ber ^cul^titr« 

ottfol^ tt)eil et ^ cttiBt&ete, ein 6e^nimte9 SEl^l eber @Iieb reime fl(^ jk 
leinem anbem ^ör^, ald bem ed eigen tfl'' (Er Bebrangt Semini \mxdt 
bad 2)tlemma, ,,entn)eber mftffe er Be»?etfen, bd^ fid^ bie @d^8n]^iten, bie in 
ben ÜtnfUerif^n dbeolen bct SIten toorbmmen, olle )ufanimen in einem 
not^Iid^en dnbioibuum finben, ober aBer, b<i| jene Bereinigung incongnient 
fei'^ (Ein SDilentma, 3n)ifd^ bem m Semini let<!^t burd^nben famnte, 
ber ^ier (xoit Stumol^r Bemerft), ohooffl äKanierifl, mit Sted^t für bie „(&ne 
^it bed @uffed'' fftrd^tetc 3)te rid^tige Interpretation jened oft oorlommess 
ben Selenntniffe« ber ^nfller ttber il^ren (Efleltici^mud gieBt D. 3a^n: 
^,3)ie i?tinfller faffcn jcbcn cinjelnen 3^8 ^^t fd^arfem unb gellBtem Äuge 
auf unb em^finben il^n ate leBenbig anregenben, unb n>&^nb fie fld^ ber 
%otl^nbig!eit eined unaudgefe^ten Staturfhtbiumd n)ol^I Ben>ugt ftnb, üBer^ 
feigen fie am el^eflten, ba^ fte babur<j^ nur ber in il^nen fd^affenben ^aft 
Stol^mng jttfftl^ren, üBcr bcren 92atur unb SBiidffamleit fte um fo n^eniger gu 
rejlectiren J)flcgen, je unioiberflcl^Ud^cr ber IricB in il^ncn ifl". befolgte ber 
Sünfiler bod eHcftifd^e Serfal^rcn in feinem Buc^ftaBIid^en @inn, ,,er n^fttbe 
ft(^ cntfe^en über bie 3Ri9geflalt; er tüürbe cd aBer gor nii^t jn flanbe 
Bringen''. — Daß biefe «uffajfung äBindelmonn ni(^t frcmb ifl, leiert bie »e^ 
troc^tung be§ smütcn 9RcrhnaU. 

2. ©anj onberd nimmt ^6f bad Serfal^ren ber ^nfl mß, ukuu mon 
t>on ben il^r aufgetragenen (^genflänben au^el^t. — Der ^nfl n>urben (9es 
{halten ber SoOdreligion, ber ^Ibenfage gegeben, fftr bte fte t)erflanblt<j^e, 
anf))rei^enbe formen finben foQte, Sonnen bte fie in ber Statur nid^t parat 
ober oorge}ci(^net fanb. ^n jenem erflcren ©efd^Sft gel^&rte ©efd^mod unb 
ttrtl^eit, ju biefem $]^ntafle unb Segeifierung. Seibe Xl^Sttgfcitcn fd^inen 
]äftott )U bereinigen, ja nur gegeneinanber aBiugren^en, aBer SeBen unb 
Sunfi ^nb feiten fo logifd^, mie bie Sl^eorie fu^ n>ttnfd^te. 

,,Die großen ^nfllcr ber ©riechen foHten bie (9egenjl5nbe l^eiligcr SJcrs 
el^rung l^erborBringen, n>e%, um (Sl^rfurd^t ju enoeden, Silber oon l^ol^eren 
»aturen genommen ju fein fd^einen mußten, ^n biefen Silbern gaben bie 
erften ©tifter ber Religion, todi^e Did^ter nniren, bie l^ol^en Segriffe, unb 
biefe gaben ber (SnBilbnng gifigel, il^rc SBerlc über ftd^ unb ba« ©innlii^e 
JU eri^Ben". 

Diel ifl jebod^ toibtx ettoad Bloß gried^ifc^, no<^ ein Sebftrfniß bed 
'ißol^tl^eidmu« attein. Denn ,,bcr @eifl oernanftig benfenbcr SBefen l^at eine 
cingepflangte »eigung unb Segietbe, fl^ üBcr bie äRaterie in bie geiflige 
®j>^arc ber Segriffe ju er^ieBen, unb beffcn nnil^re 3nfriebcn]^eit ift bie ^^ 
twrBrtngung neuer unb oerfeinerter 3been". — 

(Eine« leitet auf ba« anbere. Dort fttl^rte bie 9latur il^re treuen »er* 
el^rer unb SeoBod^ter üBer ftd^ felBfi l^inau^, unoermerft in eine gmeite SSelt 



§ 119. e. 2)0« 3bcat 149 

»Ott ®e|telten, bercn I^S^cten Abel Scbctmaim fftl^lt, bct au^ bet tüitflld^n 
SBelt unter fie tritt. SlBer efienfo füllten aud^ jene ttBerfc^toetigttd^n attf> 
gaben, jene ^»oetifd^en SKponen auf ba§ 3bcal „Xk Stlbl^aucr, fagt ^cm^ 
^er]^0^ meldte HfwH; iKinen)a unb Sennd barfieUen foKten, nniren burd^ 
i^en Sentf gejmnngen; bie Statur ju burc^Ul^Ien, bte Sd^önl^ett anf^ \ccrxpn^ 
Bfefie ju crforfc^en; unb bamit bie Statur fettji ju üBertreffen". 

KS bie ©ried^en e^ ttKtgten, üon tl^ren @Bttem ol^ne (Si^mBole burd^ 
Bloß mcnf(^fi(^e formen ju \pxtd:icn, unb in il^nen SBefen barjupeffcn Be= 
fd^loffen, bie p(^ unmittelbar unb unocrfennBar, flnnlid^ anft^aulic^, nid^t 
Bloß aK tooIHonnnenc, fonbcm aW ttBcrmenfd^Uc^e, Bejcugen foHten: fo »ar 
freilid^ ba« erjle, il^ncn bie fel^lcrlofe, normale, unb nic^t Bloß bie nonnale, 
fonbem bie groß unb reid^ entfaltete 9{atur )u geben. (SSft man erl^aBen 
fein fann, muß man nxil^r fein; nne man aud^ In ber SRoral erfl ein el^r« 
lid^er SKann ju fein fl(^ l^eraBlaff cn muß, el^e man ein $elb ober ein $cili= 
ger werben lann. STber f<!^on in ber reinen ©d^dnl^eit liegt tttoai, n)a§ 
nid^t nur Über ba^ ®etoöl^nlid^e unb ®emeine, fonbem auc^ über bad Set- 
traulid^ l^inaudrüdft. StegelmSßtg fc^dnen S3ilbungcn gegenüber fül^lt man 
^d^ mel^r in einen B^f^^^^ rul^iger $ettetleit oerfe^t, aU oon Serlangen 
ergriffen; 8acon forberte für au^gejeid^nete ©d^dnl^eit some strangeness in 
the Proportion (aliqaid minus conforme in compn^gine) ; Heine f^el^ler geben 
bem @efU^t etnnxd )>ilanted ; unb man l^at bemerft, baß jun^eilen Stauen oon 
auffaKenb abnormen äugen bie l^eftigflen Seibenf(^ften cntjünbet l^aben. 
Z)te meldte grie<^ifd^e ©d^önl^t falt nennen, brüdten bamit an^, baß bie 
totffommene Sorm bie pnnlic^e ober gemtttl^lid^e Ännäl^erung feml^ält. 

Son beiben Seiten tt>irb bie Äunfl auf ©nc fjorm gcfül^rt n^crben, 
bie freiließ inncrl^aft il^rc« Umftceife« nod^ eine SRenge 3Wobificationen julSßt. 

„(SS giebt nur (Ein ©d^öned, n)ie ed nur (Sin ®uted giebt ed fann 

nur ein einziger Segriff ber ©d^önl^cit, welcher ber ]§8d^fle unb fld^ immer 
gleid^ ijl, gebadet ttjerbcn". @o ifl bie SBal^rl^eit (Sine, ber Qfrrtl^um man* 
nic^faltig. „SDie grie(!^if(^en ftünfiler reinigten il^re Silber t)on allen ^)er« 
fl}nli(^en Steigungen, n>eld^e unferen @eifl ton ber nxil^ren @d^Bnl^eit ablen- 
fcn". aSBo^ biefe Steinigung bebeutct, erl^eOt auö ben gel^lcm ber Steueren, 
toeld^e fi<l^ jenen ipcrfönlid^en Steigungen überließen (f. § 103 ©. 67). SDcnn 
jur ©d^önl^it gel^ört, baß t& eine ®eflalt if*, „bie tt)eber biefer no(^ jener 
^Jerfon eigen fei", ^l^ibioö »urbe ber Sla6^)l^emie angeflagt, n>eil er fein 
Silb in einer SReben^gur bed ^lladfd^ilbd angebrad^t. 3Bie unermcßTid^ 
l^oc^ muß ba^ (Sultudbtlb felbfi über jebem SerbaO^t tnbi)>ibuellcr Kel^nli^i^ft 
geßanben l^aben! 9)>Kt n^eld^ Unbefangenl^eit überließen fld^ bagegen bie 
aWaler d^rifilid^er 3eit iHsrfMid^cn (Sefül^len! S)ic ©ried^n tootttcn 3üge, bie 
über bem menfd^li<^ inbioibuetten, bef<^rSnften ju fd^mebcn fc^ienen. „«lle« 



150 3>oöte9 eu6f. n. ^te 9ei^ä^U ber IhinfL 3. tUfi^ bet eotl^titt. 

fogenannte (Mt, fagt 3ean ^I, ber l^ol^e @til Begreift fiet« ba0 tOees 
meitie, bod rein 3Renfc^It(^e unb fd^Iiegt bie ßufJUIigfeiteii ber dnbitnbuen au9, 
fogor bie f<!^onen. ÜDie (S^aroctere erl^eBen fb^, tnbem fk fic^ entfletben, nne 
Mrflärte, be9 inbbtbueaen anfafted''. ÜDa9 ®cttli(!^e in ben ©riec^bilbent 
iß )DemKmbt bem Sinbrudt be9 fKeere^f^^iegett, mo fein 9anb fU^tBor xfk, 
ober be^ gefHmten ^immetö, ober bed Sl)>engi^ett, loenn er fi<^ in etnfomet 
^dl^e t)or un9 aufrid^tet. 



§ 120. 
6. Oried^ifii^er lJ)j)U«. 

SBeU^ed nxtren nun bie gönnen, n)el<^ auf bad )>]^^ftognomif^ @efftl^l 
ber ©ried^n bicfen Sinbruif be9 @öttli<i^n ntad^ten? }u ^fiden göttTi«^ 
993efen geeignet fd^icnen? — 

2Bin<feImann l^at }um erflenmale untemonnnen, ben dbealtt^nd im 
einzelnen genau ju Befd^reiBen. Sr felBfl legt auf bieg detail, oU bod 
fd^rere, größeren äBertl^, atö auf bie aügenteinen @ä^. £iefe n>e(l^feln fo 
fd^ned XDit ber ©efc^mod, jened erl^alt einen %nüfdl an ber Stauer bed (Se- 
genßanbd, ben e^ und auffc^Iiegt Xuc^ ifl i^m in biefem ^vmtU fktd 
unget^eifter SSeifaS gef))enbet morben, tvie 3. 9. Shtmol^r feine Kuffoffung 
bed einjelnen Schonen l^öc^fi {tnnt)oII, feine S^arfleUung b^ffeCben üon uner- 
reici^Barer Snfd^auUc^Ieitv t)on l^inreigenbem S^uer nennt, unb ^egel rft^mt, 
,,ba6 er mit eBenfoüie{ Segeiflerung feiner re)>robttctit>en Snfd^auung M mit 
Serßanb unb Sefonnenl^eit bad unBefHmmte ®erebe bon Sbeal babim^ ber« 
Bannt l^aBe, bag er bie tformen ber Sl^eile einjeln unb BefHmmt d^racteri- 
flrte, ein Unternehmen bad allein lel^rreid^ getoefen fei'^ 

9{o<l^ l^eute n>irb ben Sefer bie bamatt gan} unerl^drte geinl^eit bed 
Sormenfinnd fra)))>iren; ein ©rieche fd^ien lieber aufgeleBt }tt fein, n>enige 
bermod^ten il^m }tt folgen, oielen f^ien e9 Sfll^etifd^ ^einfd^metferei, bog ). 
85. bie ftnie be« Sf^^oIIino ber IriBuna „unter bem »orjftglid^jlen" fein 
foSten; ober totnn er Be^unbemb Belennt, „leine einjige gigur geBe einen 
fo l^ol^en Segriff t>on bem n>ad Snocreon einen 8aud^ bed Sacd^ud nennt^^ 
oB ber üermeintlid^e Sacd^ud im ®emicircoIo ber 8$itta XIBani. — 

„3)iefe Setrad^tung bed (Singeinen in ber @(^dn]^eit, erinnert er, mttffe 
Domel^mUd^ auf bie ougerflen JE^eile ber menfd^lid^en ^gur — Stopl ^Snbe 
unb Sftge — gerid^tet fein, »eil nid^t attein in biefen 8eBen, öen>cgung, 
XitSbrud unb ^anblung Befleiße, fonbem meil il^re gform bad fd^önfk fei, 
unb ben eigentlichen Unterfd^ieb bed Seinen Dom $&gtii^en unb ber neuen 
XrBeit ton ber alten BefHmme". . 

S^tx^ bad Sntli«. „Die oomel^fle Sigenfd^t einer l^ol^en Sd^u^t 



i 120« f. 9xitäfi\^ 2:v^u«. 151 

ifl ba« ^Profil — baö ,,faiiftc" ^tofll — , eine fofl gerobe ober fanft ge* 
f enite 2mt, todä^ bie @ttm mit beT 92afe an jugenbli^en, fonberfid^ toetfis 
IvSftn Mpftn Befd^tet6t. Z>uxä) bad gerabe unb lodDige n>iYb bie (Sxo^ffdt 
geiilbet, burc^ fanftc gefenite formen bad 3^^%'^- ^^6 (^ 'eine gorm 
ifl, bie ,,o^ne ®mnb aud ben geraben 8inien be^ SUeßen @til$ geblieben 
tfl'', Ben)etfe bie florfgefenlte Steife an Sg^tiftl^en Signten; e$ finbet m 
jebqd^ bereits auf bent I^cifc^n SRonument t)on Xantl^oS. 

;;(Sine t)on ben ©d^dnl^eiten beS 9uged iß bie ®rd^e, fo n)ie ein grogetf 
Sid^t ff^Snet ifi ate ein Heiner ; bie 6hrd|e aber ifl bent SlugenhUHi^en ober 
beffen ftaflen gem&g^ nnb &n|eTt fUf in bent ©d^nitte unb in ber Oeffnung 
ber Slugenlieber^ t)on benen baS obere gegen ben inneren 9BinIel einen! tun« 
beten Sogen aü bad untere . . . Befi^reibt . . . 3)ie Singen formen an Sip^tn 

im $rofU gefieDt einen äBinlel, beffen £)effnung gegen bie 9{afe ftel^t: 

in fölc^r 9ii<!^tung ber ft0))fe fSUt ber SBinfel ber Sugen gegen bie 9{afe 
tief^ unb ber Sontum bed XugeS enbigt {tc^ auf ber ^e feinet. 9)ogenS 
ober SBöCbung, baS ifi, ber Suga)>fel felbfl ^e^t im Profil ÜDiefe gleic^fam 
abgef^nittene Oeffnnng ber Sugen gieBt ben ft(^>fen eine ©rogl^it, unb 
einen offenen erl^obenen 9lfid. . . . dnSbefonbere du|>iter, ^clä unb duno 
l^aBen bicfelBen grog unb runbtt^i gen^öIBt nnb enger olS geiodl^nli^ in ber 
Sänge , um ben 93ogen berfelBen beßo erl^aBener ju mac^tu . . Und) liegen 
bie Xugen tiefer ald in^mein in ber Statur, uub ber Slugenhiod^en erfd^eint 
baburd^ erl^Bener, -~ um baS 9uge in ber %txnt fd^einbarer }u mcuiftn unb 
an biefem ^txlt mt^x iii^t unb (Schatten ]^ert)or}uBringen — ; n)obttr(^ 
baS 9uge, imtldft^ fonfl mie ol^ne Sebeutung unb gleic^fam erfiorBen ge^ 
tDt\tn toSxt, leBl^fter unb h>irlfamer gemad^t n)UTbe''. 

,,3)ie (Sdfbnfftxt ber XugenBrauen Befielet in einem bftnnen gaben ton 
^rd^en . . . n>eId^S ... in ber ftunß bie fafl fd^neibenbe ©d^Srfe berfelBen 
tjorfleHt . . . 3emel^r ber ©d^nitt berfelBen groß unb runblid^ gett)8ttt ifl 
— ^rSc^tig erl^oBen — unb enger aU geioöl^nlid^ in ber S&nge: beflo erl^a- 
Bener ifl i^r Segriff". 

,,(Sine fd^öne ©tim fod lurj fein, n>ie fie ifl in ber Slftte ber dal^re, 
el^ ber turje ^anouc^S auf ber ©tim ausgebt unb biefelBe Blofi lagt. (Sine 
freie l^o^e ©tim ifl bem m&nnlid^n füttx eigen. ÜDer $aartt>nd^ foO um 
bie ©tirn l^erum runblid^ Bi6 üBer bie ©c^ISfen gelten, um bem ©efidbt bie 
eifBrmige ©eflalt }u geben. 3)ie $aare felBfl finb lodigt, grog. 

„!Z)a9 9Raag beS fKunbeS — ber nebfl bem Suge ber fd^8nfle Xl^eil 
beS ®efid^tS ifl — ifl gleid^ ber £)effnnng ber 9tofe; benn n>Sre fein ©i^nitt 
I&nger, fo nrilrbe t9 tt)iber baS Ser^Itnig beS DcaU fein, n>orin bie in 
bemfe(Ben entl^altetten 3:i^eiU in eBen ber SBn^eid^ung gegen bad ftinn }tt 
gel^n mftffen, in todiffx boS fOoal felBfl ffa^ aufc^tegt". 



152 3>>^te« en<^. U. 2)ie ^d^^te ba 4bui1t 3. »cfil^( ba @ail^titt. 

,,2)ie £if)>en finb bei ben gdttlk^ Stguren, nod^ ben ^txttn bei Utes 
fien @titt, niil^t ganj gef^Ioffen. S)te untere &ppt foD bSaiger f dn att bte 
t/btxt, tDobnt«^ }U0leul^ unter berfelben in bem Sinn l^ie eingebrficfte ttunbuug^ 
eine SiOmng ber aRanntc^faltigfcit, entfielt''. 

,/I>k ©d^Bnl^eit bed fiinn^ Befielet in einer t>daigen SB0I6nng beffelben, 
todi^t bnrd^ bie Unterli)>t>e, toenn biefelbe lurj tfl, be^ mel^r ®ro|]^it er« 
l^alt'^ bedl^dCB n>urbe ed ou^i ni(!^t bun^ ®rftb<!^ nnterbroc^n. 2)erfeI6en 
^.nutbnd^n SoOig!eit feiner gett>ölbten %cxm'' »egen l^oBen fle ,^ie untere 
Sinnlabe grBger unb tiefer l^eruntergejogen geleiten, aÜ gen^S^G«^ i^'^ — 

,/j£>k @(^en]^it ber Sorm ber übrigen Xl^eile n>ttrbe ebenfo ollgemetii 
befKmmt S)ie dugerften ill^eile (^änbe unb ^^e) finb nici^t f^in^erer in 
ber SRimd, n» bie äu^erße Xugenb mit beut ^afier gren}t, aU in ber ^n% 
tDO ^ in berfelben bad Serfianbmg bed S^Bnen bed ^nftterd geigt''. 

^^üDle ©d^Bnl^eit einer jugenbli(^en $anb befielet in einer fel^r magtgen 
SSSigleit, mit !aum merfii^ gefenftcn @)>uren, noc^ Xrt fonfter Sefc^attongen, 
Aber bie tndc^el ber ^nger, mo auf Dölligen Rauben ©rübd^en finb. 2)ie 
Singer finb mit einer lieblid^en 9$erj|üngung^ n>ie n^ol^Igeflalte ®SuIen ges 
30gen^ unb in ber ^nfl ol^ne Hngeige ber @elenle ber ©lieber. 

,,Sine ijpräd^tig gen)dlbte ^l^obenl^eit ber ^@mfi n>urbe an m&nnGi^ 
giguren ffir eine allgemeine (Sigenfd^aft ber Sd^J^nlftit gel^alten. . . 2)er 
Sufen n>eibCi<l^er Figuren ift jungfräulid^ unb niematt übcrflüffig begabt : benn 
ilberl^au^t n)ttrbe bie @<!^dn]^it in bem mS^igen SSBod^^tl^um ber Srüfk ge« 
gefegt". 

,,3)er Unterleib ifl au(^ an monnlid^en Figuren, mie berfclbe an einem 
3Renfd^en nad^ einem fügen Schlafe unb nac^ einer gefunben 9$erbauung fein 
SDürbe, bo^ ifl ol^ne 8anc^. X)er 9{abel ifl nac^brüdlic^ t>ertieft, fonberlid^ 
an n)eibli(^n $tguren^ an tt)eb^n er in einem Sogen, unb jmoeilen in einem 
Reinen l^alben Sirfcl gebogen ifl''. 

„^xt £nie finb an jugenblid^en ^uren noc^ ber Sal^rl^eit ber f(!^9nen 
Statur gebilbct, njc^e biefelben nid^t mit fic^tbarcn Änoriwln jerglicbcrt, fon= 
beni fanft unb einfac!^ pUtt gemBlbet, unb ol^ne 9en}egung ber iERu^feln 
jeigt''. — 

SäSenn man für biefe cinjelnen ©cobac^tungen — bei benen ftd^ ber &mp 
liebl^aber lebigfid^ ton bem ©egenflanb unb feinem Sc^ifnl^eitdgefttl^l leiten 
lieg — l^intcr^er ^rinci^rien fni^n »itt, fo »irb man ft(^ aWbalb ber bereite 
genannten erinnern — ©nfad^l^it, Orofel^cit. SDal^cr bie einfocl^c ginie bc« 
Otxite, tt)el(^ ^cMtoviiß, SWunb, ftinn fiäf untcrorbnen muffen — ba« 
groge Snge, burd^ ben fd^rfen iBogen ber Srouen, bie tiefe Sage, bie fnrge 
Stirn morfirt — ba« »ööige Äinn — bie breite jurüdftretenbe %Wlft ber 
SBangcn, bie burd^ ba« Profil, ben großen tiefen 3wg ber tinnbadten, baö 



§ 120 f. (»n^ütcc Xr^pu». 153 

tottrctcnbc Äinn lebtngt ifl — cnblkä^ bcr ouffaflcwbflc 3^8 (»i^ i<^ fc« 
9lafe in jebem ®efU^t ber etttf^ctbenbfk ST^eil ifl): bad ^röfil. S^ofe unb 
6tttn bilben jnxnr feine gerobe Sinie, ober fle nSl^tn flc^ ber getoben Sinie 
fmocit, bafi flc ,,bcr »lidt in «in« fagt" (?5flcT). 

tteSer biefen bcbeutenbften 3^0 f^^^ ^^ Stimmen immev get^ctlt ge« 
mfen, unb in il^m btttfte ber ^au)>tantvieB liegen, gegen bie Seigre ümt bev 
Sinl^it M ®(^8nen ju ^oteftitcn. einige l^aBen bieg Profil nid^t einmal 
fd^n ftnben fönnen, nnb nid^t Blog (Sottfd^eb ; anbete ^(Atn gemeint, „\xi% ed 
aOe @efic^teT bumm mai^'* unb feine Serel^vung fftt Hinben HntiquaY^^^ 
glauben ctflSTt. Stielen ifl e9 n>enigflen0 nic^t f^m)>atl^ifd^ : eine regelmäßige, 
^olje, aber lalte &Sflixä)t\t ^pxtd^ aud il^m, ed fei n)eber IteBen^ihrbig, 
no6i feelen= nnb au^Qt(ttt>oO. (Setvif ift, bag man l^olbe @<^ä^e, (Sm= 
)>flnbung6Ieben, aded n)ad ber 3)£mmerung^rcgion ber $f^e ongel^ört, n^ol^l 
ni(^t l^inter foU^en @timcn fu<^n n>itb. Wan l^at aufmerifam gemad^t auf 
bie ©d^ranfen, n>eld^e bicfe ^rorm, n>ie ein !Damm, bem Vu Arndt unb Snbrang 
ber Hffecte entgegenfe^e. Hnbere beuteten ed )>]^i;fiogni>mifd^ att ftetigen 
3ufammen]^ang }n>if(!^cn bem £)rgan bed SJerflonbd unb bem ber Seibenfd^aft 
unb beö S33iDcnö — ,^inbem bie 5Rafc, meint ^egcl, gum ®^fiem be« @ei= 
ftigen ]^inttberge}ogen merbe, erl^Ite fte fcIBfl einen geifligen SfuAmtct unb 
Sl^oracter, unb ber SuArudt bed ®eifHgen fteUe bad bloß Statttrlid^e ganj 
in ben ^intergrunb"; tote man benit aud& in biefer ?inie bie biametrale 
iSntgegenfe^ung bed menfd^lic^en gegen bad tl^ierifd^e ^roftl gefunben l^t. 

©d^n^erlid^ jebod^ ftnb bie ©ried^n burc^ fol^e )>]^i;flognomifd^e ©rüBe^ 
leien Beflimmt gen^fen: n>ie in allen fiBrigen 3:i^eilen, fo mar e6 aud^ l^icr 
ber rein räumÜd^e, geometrifc^e ©nbrudt ber ©rogl^eit unb (fiinfalt, mlifcx 
fle für bicfe gorm cinnal^m. 2»ag un^ bieg '^rofil ft^mijatl^lft^ fein ober 
nic^t, fein Sorgng iß bie l^ol^e Steinl^eit ber ^ctm, biefe gieBt einem fold^n 
Äntlift einen «bei ber ginien, ber eö jum ©tlnjlling ber ^laflif erl^eBen 
mußte. & mag fein, baß folc^e Stirnen, bie nic^t aBgefd^nitten merben 
burd^ bie SugenBrauen, fonbcm in bem Breiten Tantigen 9!afenrüdfen fl(^ 
fortgufe^en fd^eincn, baß fold^e 9Zafen bie mie ein mSd^tiger Stamm auffieigen, 
um ftd^ )ur (StimflSd^e au^guBreiten — einen eigen tl^ftmlid^n «u^brud! 
rul^igcr traft, grabliniger, felBfl flarrer (Snergie mit fid^ fftl^ren. (£in äSide 
fc^eint bal^inter }u flel^en, ber (ein ©d^manfen fennt, nnb ber einem Serflanbe 
bient, in bem feine UnHarl^eit ifl. Äein 3^8 ip geeigneter, ein Äntli^ IlBer 
menfd^lid^e Sefd^rSnftl^eit Unb S3efonber]^eit l^inmeggurürfen ; bie ?inie ifl n)ir!Cid^ 
eine 9Kauer gegenüber ben Unbulationen ber Stimmungen unb lE^eibenfd^aften, 
ber inbioibuetten 3*^8^* ^^ @d^n>5d^n unb beö Orrenö ber 9Renf^It<^fett. — 

aWrgenb« ilBrigend fielet man beutlid^r att l^icr, mie fc^ief eö märe, 
ba9 3l0cal bcr ftunfl bem ©attung^t^ud gleic^jufe^en, ben man bo(^ al9 



154 SxooM 8u4. II. 2)ie <ief4i<l^te bet tettfL 3. «c|i^tsf bet @cul|>tur. 

Zhitil^d^ntttöform faffen mügte. S)te^ Profil iß getot^ aud^ f^^ct, lote l^eute, 
im @üben unb felbfl Bei bcit @tie<]^en mel fettenet g^oefen^ att bo^ obbts 
nofige. 9Ran l^&tte üBer^]t)>t n>o]^Iget^tt, biefcti ifll^ettfü^n Segriff mit bem 
natur^]^iIofo)>]^if<^en eined bei 92atuT Dorfd^meBenben ®attung^t^))tt9 uiuoer^ 
»orten ju laffcn, ttKÜ^en leiteten man tul^ig mit ,,|)lafKf<^er 9iatur", 
,,ÜRttflerbiIbern im göttlichen ^ntcttect", ^.SBiberjlonb bcr 9»aterie", ,,@trcBett 
bet 9!atut noc^ bem Softfommnen'^ ben Sufloben unb Sonfetbatoren bet 
9lum)>eßammer ber aKeta)>]^)^fiI ttBerlalfen foQte. 3)ad dbeol ifl eine lang» 
fom gereifte Stuckt ber dtotur unb ©efi^id^te/ bad el^e e9 $]^ibia£ ober toer 
fonfl aud bem iDtarmor .l^rau^l^Ite, mebet äRenfd^n nod^ ®5ttem j[e in ben 
©inn getommen iji. — 

SKand^ed in ben bon SBincfelmann Bemerlten ^^ai Betul^t nid^t Blog 
auf Sjll^etifd^er ©cuttl^eilung be« 9laturf<i^8nen, fonbcm ip bur<^ ©tilgefefte- 
bet ^lafKV^ Befonberd bcr iDtatmorpIafHI manlogt ober bo^ accentuirt mot:; 
ben, }. 9. ber etmad gedffnete äKunb, ber ol^ne biefe ®(3^attenltnie nu^t 
beutli(^ fein mftrbe; bie Xiefe bed Suged; üielleid^t felBfl bie äBegtalfung 
gen)iffet äRinutien bet £)Berflä<l^e, auf beten iDufotifc^ dtad^al^mung fU^ bie 
SWanietif^cn fooiel cinBilbcten — betreuen, ^autfaften, ©eignen; beten UeBet= 
gelten foDiel jum (Sinbtucf bet ©togl^eit altet 2Ber!e mitl^tlft. . ÜDie ®tie^en 
l^aBen nid^t nut bie fttt bie gotm Bebeutung^Iofen IDetaild ignotitt, fie ^Ben 
fcIBfl 3U ®unf!en bet SSBai^tl^it gto|et, fttt bie gotmc^atacteriflif Bebeutenbet 
^ttien bie Sud^ßaBenmal^tl^eit Heiner Steile au<i^ bet iDhtdculatut geo))fett 

3)ie ®xofiSft\t liegt jebod^ nid^t Blog in biefet (Snfalt bet ©tilifirung 
im @egenfa^ jut £IeinIi(!^Ieit 3)ie Bilbenbe ^unfl ^t fiBetaU, n)o ftc fi(^ 
frei ftt^Ite ton ben Sonben l^ietatif^et Xtabition unb ii^tem innetn ^n^t 
folgen fonnte, foU^e Silbungen gefuc^t, in meldten bie geßaltenbe ^aft beS 
menf^Ii^n äSoud frei unb gtog genxiltet l^at, — jene ,,m&!^tigen, fonbetlit!^ 
njeiBfic^en ®e»>ä(^fc", ju toüd^tn „^ä^ bie 9?atut im ©ftben etl^eBt''. !Cicg 
finb bie @eflalten , n^eld^e Slo^l^I Bei feinet UeBetftebelung nad^ 9lom fo 
gefeffelt )u l^aBen fd^einen unb t)on benen er un9 in ben ©tanjen fo ]^err= 
It(^ @tu))))en jufammengefieKt l^at 

iBei ben ifid^fttn Sßetlen gtiec^ifd^ Sunfl lam bann no<^ eine btitte 
®tö|e l^inju: bet coloffalen Dimenflonen. . 

§ 121. 
7. Sl^atactct, ^$otttät. 

92a(^bem nun eine Bebeutenbe, eble, l^otmonifd^ gtofe $otm einmal 
gefunben, it^U, anetlannt unb )u Slnfel^en gelommen nxit, fci^ien natfktlid^ 
fttt ben (Snlal. anbetet formen and bet nnetfd^flid^n S^unbgtuBe bet 



i 121. g. (S^racter, ^imtat - 155 

Seolbdd^tttng nuT n^ ein enger @)>teltaum üBriggelaffen. 3m l^ol^en @ttl^ 
l^dtten* n>tt, nal^etn ftd^ bte Silber bem einen l^^flen begriff ber @(j^5n]^ett. 
SSod ifi (mftrbe ein (Sntl^nfiafl ou^Brec^en). bie ganje 3Rannid^faItig!eit bcd 
Qienfd^rtd^n Xl^teneicj^^ loergli^ien mit bet iDtonotonie biefed ^immete? 3)ie 
Stnfalt beS dnnem bed ^ntl^eond (artif xidäf aSen ^lünbetnngen, bie bar^ 
ftbev l^ingegangen) miegt fle und ntc^t aQe ^rc^en 9h)md auf? 

Ättetn ber gric^if(i^e Äunjll^immcl jeigt und IcincÄDegd ein fo eins 
fBrmiged ©d^auf^>icl tt)ic ctnxi bad jttngfle ©crtd^t 9Ki(^clangclc'd. 3n ber 
ihrnfl, ber lauter Bcfttinmte, ujcnn aud^ mijtl^olcgifd^e unb ^)oetifd^e 3nbim» 
buen aufgegeben nxiren, l^at merhottrbigcr SBeifc bie ObcaBtät ber S^roctes 
rifHI, fetbfl ber ßl^racterifH! fc^er $^ntaftctt>cfen, unb ber jebe SJer« 
mengung »erl^ütcnben Sefiimratl^eit feinen Sintrag gctl^an. Ol^re 3)eutli(!^!eit 
unb Sonfequenj ^tte nid^t großer fein fönncn, ttjenn fle, njte bie Sittnig^ 
maier, 9?aturoriginaIe t)or Äugen gel^att l^ätten. 3Bie frttl^er ben ?RaturaIid= 
mud, fo ^at SäSindcImann ^ier bie ©^aracterifirung griec^ifd^er Äunfl mit aller 
ber Gntf<j^ieben]^eit, trydäft bie ®a(^e forberte, jur ®eltung geBrac^t. ' SBte bort 
in ber ©tiliprung, burd^ bie pe il^re ©cflalten mit bem ^eifigenfc^ein ber 
ObcalitSt umgaBen, fo jeigt fi(^ nun aud^ in ber Sl^aracterifli! bie alte Äunfi 
ber neuern mit il^rcn fd^manfenben unb oftmals »agcn unb nid^tdfagenben 
©ejeid^nungeu uncnblidb üBerIcgcn. 3a t9 liege pd^ jeigen, bag eBen bie 
Obealform, mie ein lid^ted ©emdlbe ja]^lrei(^e feine ÄBtönungen, fo jene jal^l» 
reichen 5Rüancirungen anjuBringcn unb n^al^rjuncl^men geflattctc, »a^renb 
anbcre, aud^ eblc unb l^armonifc^e formen, j, ^. bie Säfaren^^l^^ponomie, fo 
ft^arf audge^)ragt finb, baß man feine Unterf(^iebc fo n)enig Bemerfen mürbe, 
n)ie bie SocalfarBen in einem oon f(^nxirjen ©Ratten unb grellen ?id^tern Be= 
l^errft^ten Oemdlbe. — 

„!Dic l^öd^fie ©d^önl^eit fann auc^ ben ®öttcm ni^t in glcid^cm SRaaße 
gegeBeu ttjerben, fo ttjenig ald in ben. fd^iJnflcn ©emalben toon tjielcn Figuren 
attc bie l^öd^fle ©c^önl^cit ^aBen fönnen, »eld^d nid^t mel^r ftattfinbct, aW 
in einem Irauerfjjicl ni(^td aö $elben aufgefül^rt gu »erben »erlangen. 

„S)ie SSitbung aQer ®pttl^eiten ift n^ie nad^ einer Don ber 9{atur felBfl 
angebeuteten dbea BefHmmt unb tfi fid^ aUentl^alBen in unjoi^Iigen Silbern 
Sl^nlid^, fo bag bie ©otter t)on 3u)>iter an Btd auf Sukan lenntlid^ flnb mte 
fi()>fe Berftl^mter ^rfonen; unb fo mie Sntinoud Blog aud bem Untertl^il 
feined @efk^td unb SRorc Hurel aud ben Xugen unb paaren eined jer^s 
fUhnmelten Sameo in bem SRufeo ©trogji evlonnt XoiiO, fo n>itrbe ed HpoHo 
fein burd^ beffen (Stirn, ober 3u^)iter burd^ bejfen ^oare unb ©ort, »enn 
fU^ Stbp^t beffelBen finben, ton benen tt>eiter nid^td tor^nben nj&re. . . !&er 
gcEteterif^e B^g (um ben SRunb) unb bie großen Sugen finb ber duno fo 



156 3^^^ ^u4- "• ^e (8cMi(^te bet ihinfl. 3. Stpi^tit bet S^I^titr. 

eigen, ba^ man ein bloged ^toftl (auf einem (Sbelflein) butc^ einen [oUfm 
äRnnb {i<^er auf eine Ouno beuten fann''. 

^eilic^ Bleibt (Bdfinffdt aOegeit ba9 ttm)etle^lid^e ©mnbgefe^. 2)ie 
jfünfllet fhreBten mit bem einer jeben @5ttin eigenen Sl^aracter bie ®(^Ons 
l^eit in il^rem ^t^A^tn @xott>t jtt üetbinben. 9}i(l^t Bei allen nKtt ®<^]^it 
felBfl bad Sl^atacterifUcum, n>ie Bei Senud, bie ,,unter ben n^eiBlit^n ®ott« 
l^eiten atö bie ©ottin bet (S(^5nl^eit oBenan fielet, ballet l^aufiger oB anbete 
Lettinnen unb neBfi ben ®ta}ien unb $otcn aud^ aQein unBefleibet bat^ 
gefieUt n>utbe''. &i anbem f<!^ien bet gegebene, ettva bon 2)i(^tetn gef(^t 
bette Sl^atactet jenet 9)!a(ime ju n)ibetfheBen. älBet bie £unfl machte fi^ 
fein ®at}iffen botaud, bon ben '^ßoeten aBjumeic^en. ,,üDie ^^atcen, xtydS^t 
SatuQ mit BeBenben unb jittetnben ©liebem, im Betagten Sltet, mit tunißg^ 
tem Sngefid^t, mit geBeugtem Stücfen unb mit einem fhengen Slid Bilbete, 
finb ba9 ®egentl^eil auf mel^t atö einem alten S)enfmale''. Sei 3Re- 
leagetd 2^ob etfd^einen fie ate ,,f<l^öne dungftauen, mit obet ol^ne glttgel 

auf bem $au)>te, untetf<!^ieben butd^ bie il^nen Beigelegten S^viftn (S§ 

finb fogat bie %nntn atö fc^öne dungftauen mit obet ol;ne ©d^langen an bem 
$au))t t>otgefleIIt. üDie ©otgonen ftnb, bie 3Rebufe angenommen, auf feinem 
alten 33Betf gcBilbet; il^te ®eflalt aBet »fitbe bet Sefc^teiBung bet ältejiett 
3)tc^tet ni(^t cÜfnXid^ fein, meiere il^nen lange ^&^nt, mie (Sc^tt)eind]^aunr 
geBen. Denn äRebufa ifi ben ^nfttetn ein iBilb l^l^et Si^onl^eit getootben". 
„ÜDie ältetn ®at^tn obet ®ilene l^aBen in etnfü^aften 93ilbetn feine in6 
Sttd^etli^c gefel^tte ©ejlalt, fonbetn pe fmb ft^öne geiBct in böttiget Äeifc 
be9 Sltetd''. „Damit bet (Schlug auf bie allgemeine Senntnig unb 93ilbung 
be^ @(i^önen Bei ben S(ltcn bon bem n)a^ fanm betfelBen n)iitbig f(!^inen 
fönntc, bi« auf bie l^ßl^etn Sottt)fttfe beflo begteiflid^et »etbe", enbigt SSincfcls 
mann biefe Settac^tung mit ben n^iBlid^en Satben, bon benen fu^ Silbungen 
bet l^öd^flen S^önl^cit finben. 

Dct Äutot betgigt l^iet alletbingö, im (gifct gegen ^n^fo^l^ijlen bom 
©(i^lag SBatclcf^ (®. 44), t/injU3ufcten , bafe jene iJuticn unb Ootgoncn, 
n>enn aud^ fcl^t bon i^tct angeBotncn m^tl^ologifd^en SBilbl^cit juttttfgefommen, 
bod^ immet gutien unb ©otgoncn BlieBcn. SEBäten fie Bloß butd^ ÄtttiBute 
(l^atactetifltt, fo »ütbe bie Äunf* jenem Äinbetf^)icljcug glcid^en, n» betfetBc 
fd^öne junge SKann Balb aK SllBanefet, Balb aW §ufatcnofflctct obet att 
Settlct unb ®(^6ngeifl cofWmitt mctben fann, obet jenen äteliet^ mobetnet 
©ilbl^ouet, bie n)enn pe untct il^te ©tatuen Senuö, Äboni«, Slmot fc^tciBen, 
bamit nut fd^öne S^ubitStcn meinen. 

©eine SKeinung ijft aBet, baß bie Untetfc^iebe feine gcttjcfen feien. 
Sofe^e feine Untetfd^iebe waten nun t^eiW Untetfd^iebe be§ ' ?eBenöaltetö, 
tl^eitö bed gtößetn obet gctingetn Stbefö im )>at^ognomifd^en reit )>]^^fh>gnomts 



i 121. g. C^racUr, $ortrSt 157 

f^Ti (S^TOCter, %tU nxtten cd 3^6^ ^i^ oulerl^Ib bed JBerc^d borfleDenbet 
itnb f^mBoGfitenbeT (Sinmirtungen bcd geifttgen dnnetn lagen, aBer jttt ben 
unintttelBatcn flnnlid^n Sinbtuc! ber (Srfd^etnttng beflo etnf[itgvet(i^ ttyoxta. 

3uetfl baß SKter. ,,!lDte dugenb ifl baß SHter bet ©d^tol^ett, aUx bie 
4)ugeiib ber @5tter l^at in Betbetlet (Sefd^Iec^t il^Yc Derfd^tebenen @tufen unb 
fUtet ... unb in biefet SRannii^faltigleit l^t bie ^nfl aOe tl^te ©d^Snl^eiten 
ju jeigen gefacht''. ®te ifl „ein dbeal, tl^eilß t>on männlichen fd^önen $8t))em, 
fSftxi» üon ber 9{atttr {(j^öner %er{(^ntttener genommen/' ÜDieg dbeal f&ngt 
an Bei ben gaunen, att niebrigen Segriffen oon ©dttem. „Xit fd^8nflen 
©totuen ber gauncn Pnb ein äilb reifer f(j^ner 3ugcnb, in totttommaict 
^|)rf>)»ortion, unb eß unterfd^eibet ft<!^ il^re dugenb Don jungen gelben bun!^ 
ein gemeineß $rofU ober bur^ eine etnxiß gefenite 9{afe. Socd^uß \f^ ein 
{(^öner ^aBe, n)elcl^er bie ©renje beß Srfll^rmgß beß SeBenß unb ber 
3ttngltngf(^aft Betritt. . . dm W^oüo finbet fl<^ bie @t&rtc ooUIommener 
dal^re mit ben fanften formen beß fd^önßen Srttl^Ungß ber dugenb Dereinigt. . . 
S>iefe formen ftnb in il^rer jugenbli^en Sinfalt gro§ . . . einem eblen unb 
2U großen SBfld^ten geBorenen düngting gemag. Suf biefer dugenb Blül^t 
bie ©efnnb^eit, unb bie ®t&rfe melbet ft^ n>ie bie 9Rorgenr6tl^e ju einem 
fd^Snen Xage. . . S)ie fd^Sne dugenb im 3()>oQo gel^t no^bem in anbem 
©Ottern fhtfentoeife }u außgefftl^rteren dal^ren, unb iß männfid^ im SRercur 
unb im äRor«. . . 3)ie ©c^önl^eit ber ©Stter im maunlid^en Slter Befielet 
in einem dnBegriff ber ©tärfe gefegter dal^re unb ber gr&l^ßdj^feit ber dngenb, 
unb biefe Beße^t in bem SRangel oon 92en»en unb ©eignen". 

®obann bie ®celenf))rad^e. ,,dn ber Senuß n>irb burd^ baß unten in 
etmaß erl^oBenc Xugenlieb baß SieBäugelnbe unb @d^mad^tenbe in ben fonft 
geöffneten Xugen gcBilbet. ^Uaß, ein^Silb jungfrourtd^r 3^<^^8^^i^ ^at 
bie Xugen mäßiger gen)5IBt unb loeniger offen, i^r Wxd iß etnKtß gefenit, 
n>ie in füUer Setrad^tung. Die itSd^dnl^eit in bem SlidC ber gro^n unb 
runbgctoöIBten Sugen ber duno iß geBieterif d^ ; ber Slidt ber 2)iana, bie 
mel^r alß aOe oBem ©Sttinncn baß äBefen einer dungfrau l^at, gel^t gerobe 
ooüo&rtß unb in bie SBeite üBer aOc $ortt)ttrfe ]^inn)eg, er iß frei, munter 
unb frö^lic^". 

6ß iß bie cblerc ober niebere — menfd^Gd^ere — Xuffaffung folc^er 
fKttl^ognomifd^ 3%/ todi^ ben ttnterfd^ieb ber großen (Slaffen ibealer 
99^fen Begrttnbet. „du ben gelben, benen baß Sltertl^um bie ]^5d^ße 9Bttrbig« 
leit unferer 9!atur gaB, nSl^erte fte ßd^ Biß an bie @rengen ber ®ottl^eit, 
ol^ne biefe in üBcrfd^reiten unb ben fel^r feinen ttnterfd^leb gu oertiHfd^n. 
SBattuß auf 3Rttn2en t>on Sirene milrbc bnrd^ einen einzigen ^üd gMUd^ 
8uß (langnida moUezza) einen SJacd^uß, unb burc^ einen 3^8 ^^^ gBttTu^er 
®rog]^it (sufficiensa divina) einen 1ipoüi> aBBtIben ßnnen. SKinoß auf 



158 3»^^ ^ud^* ^^' ^< (^dfiO^tt ber tun^. 3. tcfl^tit bcr eotlptnr. 

SRlbtjen ton ®neffu9 to&tbe ol^ne einen fioljcn fdnigltd^n Sltd einem du^s 
)>tter t)Dl][ $ulb unb @nabe (di maestä nmana e benigna) S^nlic^ feigen''. 
2)er Hudbrud bed t$<^ttn9 untetfd^eibet fic^ ton bcnt be9 gelben but<l^ ,,ettie 
gemijfe Unf<l^ulb unb ßinfalt, bie mit einer befonbcren Otcrjie oerBunbcn toor". 

69 nxiT ntc^t erfi Seonorbo ba Sinci^ ber bie $ttlfe erfannt l^at, n>elil^e 
ben SRalem bie ^aarc leiflen, fettf! njo il^nert $aui)tcr torf^wcBcn, bie ber 
l^d^fien getfligen lOrbnung angel^Bren. 2)er (Sinbrutf • be^ ^tn^^, "M 9poü0i 
Io^f9 xhM>t gebrochen, o^ne bie @timlc<fen. Tnr^ ben B^it^nrf ber ^oare 
»urbe in bcjfen 'SSrikbern unb ©ifl^nen bie )Rem?anbtf(^aft unb juglei^ bie 
Unterorbnung angejeigt. Sßal^enb fie Bei du)?iter kng finb, ol^ne geroOte 
?octen, mä^nenartig in fanft gef(i^lattgelten 3*^8^" gcnjcrfcn: fo l^Sngeu fie 
Bei ^luto unb @era)>i$ flkr bie @ttm l^eruntcr, um bereu ©eftolt unb 93Itcf 
trUBer gu maci^en; benn du^iter n?urbe mit einem l^citeren 39lid gcbilbet, 
$Iuto bagegen mit einer fhcngen SRtene. $ei Se^culo)), ber flc^ Bei grd^ 
rer Itcl^nli^feit mit feinem ©ro^ooter turd^ Heinere Äugen, altere 3*9* 
unterfd^bet, ifi ber Sart auf ber DBerli^jj» mel^r Bogcntwi« gelegt. S)er 
©art beö 92e)>tun ijl fraufcr, üBcr ber £)BerIil>^>e birfer, bie $>aare lediger. 

Sublid^ entging ben 8Iten nid^t, n^eU^e ^nbgruBe (j^oracteriflifd^r 3% 
bie Sl^ierttMilt ift, fie Bemerften, bafe Sl^ierförmen gum J^cit aii j)]^^flogno= 
mifd^r Cnergie ba^ toa^ bte menf(^ft(^e gorm icrtragt, üBcrträfen, unl> fie 
fd^uten ^d^ nic^t, in eingetnen Ratten t^terifd^e Sl^eile berfcIBen }U}Ufe^en, 
JüS^renb in anbem baö ^itti^ifc nur burc^fd^cint im SKenf^Iid^cn, ba« e« 
bann jun}eilen nid^t begrobirt, fonbem erl^öl^t. la« eine tDax ber t^aß, n>o 
fie ;®genfcl^aftcn aW toottoattenb unb jn>ar mit bamonifd^er ÄflgettKiIt »er^ 
Unben n)i>(Iten; welche in ben niebem 9iegionen ber SRenfd^ennotur il^ren ®i(^ 
l^aBen; n>ie Bei bem (termeintlidben) ^n auf einer 3Kün}e Hntigonud l, n>o 
ber tottc SBort in bem gottigen SBud^ö bem $aar ber3i«gc glcid^t, unb Bei 
ben ^unen, yoo fid^ ba« Z^m\Ö^ auf eine für ben (Sinbruc! ber (S>eflalt im 
gangen in ben ^intergrunb tretenbc 3wt^t rebucirtc. äBer felBft Bei ber Con= 
ce^tion ber l^öc^flen ÖWttert^^Kin l^aBcn il^nen eblc liniere ©tubicn geliefert. 
©Ben im 3c«WM ffCrfd^cint bie gange ©eftalt bc« gönnen, be« ffönig« ber 
JEl^icre, nic^t aHein in ben großen unb runben äugen, in ber SJöOigfeit ber 
amood^fcnben unb gugleid^ gefci^moKenen (Stirn unb in ber 9?afe, fonbcrn aud^ 
in jenen paaren, bie gleid^ ber SRäl^ne be« ?öroen oon beffen ^aaptt f^ah- 
fotten, Don ber @tim aBer fld^, aufmort« gefhic^en, erl^Bcn, unb getl^eilt, in 
einem engen Sogen gefrttmmt, feitn>ärt« n>ieberum bie <Bpi^tn nieberBeugen 
unb fk^ l^erunterfenfeu/ tocü^e« fein ^aarfd^lag am 9Renfd^n, fonbem ge= 
bod^tem Siliere eigen ifl. 9m ^ercule« aBer geigt fi^ bie $orm eine« 
geuxiltigen @tier« in bem ®er]^&Itni| bc« Jto)>f« gum $alfe, inbem jjener 
Seiner unb biefer ftfirfer al« gen)9]^nßd^ in ber menfd^rtc^ön ^ojportion ift, 



§ 122. h. 9it9tnnt(t unb ^nbtung. 159 

ttiib f 0, tt)ic fld^ bcr Äo|)f jum $oIfc M ©tict« rxtxffalt, um iti bicftm gelben 
eine @tärTe unb 3Ra(J^t 3U fetiben, meU^e bie tnenfd^ßd^n ^afte üBerfleigen; 
ja man ßnnte fagcn, bag aud^ bie ^aoxt auf feiner @tim, bie ftiTj, frau^ 
unb in bie ^Sfft gefhid^en mxtn, jxl^ ein oHegorifc^e^ JBilb; bon ben lurjen 
paaren auf bet Stirn jencö S^ietcö genommen flnb". 

©0 toortrefflic^ nun SBindtelmann biefc SWctl^obe ber ffi^aractetifHI, bie^ 
fe^ S/Urd^ftöBetn ber 5Ratur nad^ 6ilbnerifd^en Äuöbrudf^formen beobod^tet ifat, 
f ^anb er bod^ au<!^ nid^tö bagegen ein}un>enben , n>enn l^ier unb ba bet 
©praeter ber (Sd^önl^eit geo^)fett n)urbe. „S)ie n^eifefien ffünfller fud^ten baö 
Ungeflalte }u bermeiben unb entfernten ftc^ biel el^cr bon ber SBal^rl^eit 
ber ©ilber, M bon ber ©d^ön^eit; auf einem I^enfmal erfd^eint l^ecuBa, 
ftatt t>oU Shtngeln unb mit langen, fd^Iaffen unb ^angenben Srilflen, att 
grau, bie !aum an bie SlüdBcl^r il^rer SJüte gelangt ift; unb SWebea auf 
ber fd^dnfien $amiltcn*f<^en Safe ifl nid^t alter att il^rc S^x^ter gebilbet"; 
(©. § 149.) 

5a fle gingen in ber SSilbung junger gelben, be^ Äd^ifl, H^cfeuö bi« 
jttt 3^*^»tigfeit beö ®ef(^led^tö, ,,$eTcuIe^ finbet ftd^ in ber fc^önften 3u= 
genb borgeftellt, mit ^^txt n)elc^e ben Unterfc^ieb bed ©efc^Ied^td fafl itotU 
beutig laffen ; h>ie nad^ ber SKeinung ber mit il^rer ®unfl n^iHfäl^rigen ©li^era 
bie @d^6n]^eit eineö jungen SWanne6 fein feilte". — 

,,S)em 9beal nSl^ertcn fld^ cnblic^ bie alten fitinfilcr aud^ in Äö^>fen 
befKmmter ^rfonen, fon>cit cö ol^ne iWad^tl^eil ber Äcl^nlid^feit gefd^cl^en 
tonnte; unb man fielet an fold^en Äö^)fen, mit n?ie großer SBei^l^cit gettjiffe 
j^leinigfeiten übergangen ftnb, bie nid^id }ur Slel^nlicl^fcit beitragen. Siele 
9tunjeln fmb nid^t angebeutet, bie nad^ ben dal^ren l^ätten bafein mttffen, 
unb bie ba n» fle ber dbee ber ©d^Bnl^eit nid^t^ nehmen, au^gebrüdft ftnb, 
toxt unter bem ^nn unb am $alfe an eben ben fiö^fen. 9Ran becBad^tete 
l^ier bie it^xtttx alten Seifen, bafi ®ute fo gro{i att mogli(^ ju mad^en 
unb baÄ ©c^led^te ju terfledten unb ju verringern. ÜÄan fann auf ber anbem 
Seite in ©ilbung befHmmter $etfonen biejcnigen Sl^eile, trelc^e fd^ön finb^ 
unb ber Hel^nlic^fcit nid^t^ geben nod^ nel^men, Befonber^ ]^erüorf^)ielen laffen". 

§ 122. 
8. Ku^brud unb^anblung. 

. 8om ^öc^flen in ber ffttn|i, »on ber oberflen ©d^önl^cit, t?om 3beal 
^»flegen tt>ir anjunel^men , ' f9nne nic^t gef^)rod^en tt)erbc« , ol^ne baö ®ittlid^= 
fd^6ne, ben geifKgen Äuftrudf l^injujune^men. Äant »ottte jene Durd^fc^nitt^s 
form, »c% ber led^ni! ber SRotür gleid^fam abfid^tlid^ ju ®runbc fiege, 
nur aM unnad^la|lid^e 9ebingung ber ©d^önl^it gelten* laffen , ba^ ^^beal 



160 Btt>tited eu6f. IL 2>te (»efd^^te ba Shmfi. 3« Kefll^f bet eculf^htr. 

oBet erfl but«]^ ^tnjutritt ber Semutiftibee entflel^en laffen, «Denn ,,®ee{etis 
gttte, %emtgleit, ©taxle unb ^\x\^ in I5t)>cTlu^et Seugerung gUi^foia fU^t« 
Sax iDerben''. S)iefe älnftii^t ifi nid^t Blog mobem. @^on 3)toti]na im ®a^ 
mol^l ^loto'd gilt @eeknf(i^5ii]^eit fftr eine l^l^te Crf^einung bcx dbee old 
@efialtenf(^ön]^eit. 

Slud^ SSindelmann unterfc^lbet bic ,,moTart{^ ®äfbviftt\t" bon ber 
materiellen ober Sintenfii^onl^eit Die moraltfd^e ifl (Säfinifdt be9 Xnftnui^. 
Xu^rudt ifl „yi<iä^^mnv% bed mtrienben unb leibenben ß^flanbc^ unferer 
®eele unb unfere^ Söxptt^, unb ber Seibenfd^aften fon>o]^I aU ber ^nb» 
Iungen'^ 3m n)eitem @inn begreift er bie ^nblung mit in fu^, b. 1^. 
bannige, nxtd burc^ 9en>egung ber ©lieber unb be9 ganjen ^r))ev8 ge« 
fd^ie^t, im engem mirb feine Sebeutnng eingefd^ränft auf ^^badjenige locA 
burd^ äRienen unb ©eBerben bed @cfi(^t9 Sejeid^net n>irb''. 

3)ie Xugenb bed SCu^brud^ ifl ba6 xoa9 in ber erflen @d^rift ,^ebek 
ßinfalt unb ftiHe ®röfee" genannt tourbc unb jc^t au<!^ ,,®ratie'' l^ifet. 
„'S)cx ©ratie o)>fem, l^eigt Bei ^nfllem, auf bie ©eBerben unb auf bie Vction 
in il^rcn giguren aufmerffam fein" ; »cnigflcn^ ein SC^eil ber ©ratie ifl ber 
.^äSel^Iftanb in ©eBerben unb im ^anbeln''. & ifi baffelBe kDOd ben ^» 
fanen Steueren, ,,n>e^e nid^t in bie fc^öne Sinfalt biefer grogen 3Rei{lcr 
eingen)et]^t fmb, in ben 2Ber!en ber 8(tten old äRangel an ^anblung er^ 
fd^ienen ifl." Q,^ n>ar inbeg fd^on bamal6 eine ©egenftromung }u Bemerlen. 
Stt Sai^lud im dolore 1760 einen $rei^ für ben Ku^brud m ber Scobemie 
grftnbete, crl^oBen fid^ Stimmen in $ari^; bie Be]^att)>teten, er l^aBe ben jungen 
£Unfttern boburd^ einen fd^Iimmen ÜDienß ertoiefen. 3)er S^oracter ber Stulpe, 
ber ben äBcrfen ber franjöftfd^en ®d^ule fo cntgegengefe^t fei, aBer ben Stften 
unb ben großen Italienern d^aractcriftifd^, fei t>fyt aUem anbem ju fhibiren 
(Correap. de Orimm. i. 3)€C. 1760). 

3Ber mit einem an moberne 93el^nblungtoeife gemöl^nten 9uge guerfl 
üor gried^ifd^e 3)arflellungen l^onbelnber unb leibenfd^ftlid^er @cenat irttt, 
bem gel^t ed )un>etlen n^ie demanb, ber au9 bem (Sonnenlid^t in ein ber« 
l^ängted 3^^^^ ^^^ ^^ ^^^ ^^0^ f^ ^ einjugeujdl^nen ^t, wa bie 
©egenflänbe im Dämmerlid^t gn feigen, bie boc^ Befltmmt genug )u unter:: 
fd^eiben flnb. Oft finben fic^ ©cenen ^ftigcr «ufrcgung, j, 8. Oq^eud' 
Trennung, tt>it @cenen rul^igen @ef)}räd^ Bel^nbelt; gern tüS^Ien fle iDto= 
mente, mo ber Ieibenf(^ftlid^-rafd^en SIction ein nad^ innen gen>anbter finnen^ 
ber SKoment borl^ergel^t ober folgt, iene SBomente ber Sefonnenl^it^ ber 
3Konologe, n>o ber $elb fein ©efd^id, fid^ auget^oIB ßeUenb, Befd^uenb 
fi^rt; flatt ber Slectrifirung beö äugern SRenfd^en burd^ bie Sorgonge bed 
duneren geBen fic nur einen leifen 993in(, eine Snbeutung biefer unfU^tBaren 
1kri))etien. Unb bieg nxir gett>ig nid^t Blog ®til (mie Seffing unb Stumo^ 



S 122. h. «itSbTttd unb ^blimg. 161 

toolltcn), fonbem il^te Beurteilung bcr mtn^ilCiättn Slatur uub ber ffiertl^^ 
grabe tl^rer Seflanbt^etle f)»telten mit l^tnein. 3)ie ®rte<j^en, ba^ erfle ^]^ito= 
fo^)]^if<j^c Sott ber Crbe, unb mit benen toxr ein* 3a]^rtaufenb ^)l^ilofo^)l^trt 
l^Ben unb nod^ ^]^ilofo)>]^iren , ta^rten ba^ dnteQectueUe anberd unb f}fSfftK 
aW mx. Sie badeten ^if baö ibealc 8eBen, baö geBcn ber ®öttcr, laut ^tato, 
„rein temünftig", t>on ?uf! unb @^erj unberül^rt, unb il^r größter Denfcr 
bemieC, baß bic D^attgfeit ber ©ottl^eit nur eine tl^oretifc^e fein Bnne. 3^ 
^immcl, il^re ©efigfeit nxir bie ^eiterfeit beö reinen, Haren, freien ÜDenfen^. 
©iefe göttlici^ ©elbflgcnttgfamfeit, Hefe Unlben>egli(^feit burd^ Äußenbinge toar 
feine ftittgelci einiger bem ?eBen entfrcmbeter ÄD^fmcnf(^en. S)iefe Untcr= 
otbnung ber Äegion be§ ®inncn=, Äffect§= unb ®efftl^WIeBen^, biefc intellectueDe 
3m<>afflbiIitSt, bicfe göttlid^e ©cmfttl^Örul^e, biefc national • <)]^ilofo|)l^if(!^e 
,,Ätara|ie'' unb ,,a<>at^ie" \äfmtit aud^ auf ber Stirn il^rer SKarmonoefen. 
Unb nod^ je^t finb Kefie bat>on an bem ®fibeuro)>Ser ju BeoBaAtcn, fie unter= 
f(i^eiben ben italifd^en Äomanen beutfui^ bon bem celtif(i^en. ®nc rul^ige 
Oetaffcnl^eit, bie hoäi fo aufgetoerft unb fenflBel ifl, eine ©ranbejja auö 
Srem^>erament, bic bod^ t>oH BeoBa<!^tenbcr g^inl^eit ifl, felBfi im äußeren ©an= 
beln, eine gcmcffene SBürbe in Haltung, ©ewanbttjurf, Iem^)o ber ®ett>egung 
— ifi un^ ©ermancn, ©afliern unb anbem ©c^tl^en fremb, unb beÖl^alB 
nennen nrir jene Jhinfhoerfc !att; Bi§ toir im ©üben genxil^r tt)erben, baß 
fold^e 3ttge feine conbentionette SKanicr flnb. 

SBintfelmann, ber üBrigenfi auf feine l^tont erfl in einem Älter fam, 
tt)0 ,,bie Segietben in ben ®enuß ber Stulpe eingcf(^ron!t ftnb", ^t f«^ laum 
burc!^ irgcnbetnxiö mit fo großem Siedet ben Flamen eine« Chiginatbenfer^ 
»erbient, ate inbem er ben Segriff ber Äul^e in bie Sl^eorie einfül^rtc. 3)enn 
feit üBer ftunfl gerebet »urbc, l^atten Äünflter unb ?ieBl^aBer, '?]^iIofoj)l^cn 
unb Äl^etoren, (£<>igrammatipcn unb Sritifer gett>eitcifcrt, Bewegung, 8cBen, 
Seibenfd^af t , fo »al^r, fo l^inreißenb att mBglid^ bargefleüt, aW bic l^Bc^jlc, 
fd^ttjerfle unb banffiarfle ÄufgaBc ber -^nf! ju feiern unb ju em^fel^len. — 

ffiindfelmann, ber fobiel t)on feinem ,,®t>ficma" f<>raci^, mußte ben 8er= 
fud^ mad^en, feine jEl^eorie ber ©eelenfd^önl^eit mit jener ber Br^)erli<!^en in 
3ufammen]^^ng ju Bringen. ®ne fo^e Segrünbung fc^icn nid^t fd^njer ju finbcn 
in einem Sal^r^unbert, ju beffen SieBIingöformen bie gtafte gehörte, baö fld^ 
auf gupfd^ßffem imoenWg unb auftoenbig tM)n BurleWen graftengefld^tem 
angrinfen ließ, baö, toäl^renb bie ftunfl bcr ®ried^en baö ®orgoncn^u^>t t)on 
Stufe JU ©tufc jur ©c^nl^cit abelte, umgcfel^rt ni(!^t rul^te, Bi^ e^ felBfl 
bem falten n^eißen SRarmor bie ©rimaffe bed Hffectd aBgequalt ^tte, unb 
ba^ enblid^ no(^ au9 Sl^ina unb ^inboßan t^a^cn Borgte. 

Seibenfc^aft entflellt. „3m Bttfittub bcr Scibcnfd^aft t>cranbcm jld^ bie 
3% bc§ ®cP(^t« unb bie Haltung be« Äör»>er§, folglid^ bie gormcn, »efc^e 

dttfli, SBindctmoim. II. 2. 11 



1 



162 3tt>^tt9 9u(i^. II. 2)tc (^^tt ber ibtnfi. 3. «efll^f bct 0€iil)>tur. 

bic @(!^5n]^it Hlben, unb je gt5ger bicfe Scranbentiig ifi, beflo nod^tl^tltger 
tfi btefelBc bcT ©c^onl^it. . . Sie Seele tfl grog unb ebel nnr im 3iif^<^nb 
beT Sml^eit, im @tanbe ber SRul^e ; n>enn fie au<l^ lenntlid^er unb bejeid^nen^ 
^er mixb in l^cftigen Seibenfd^ften" (b. 1^. befiimmte, auf i^re innem 3uftanbe 
mit ©ic^crl^cit beutBote 3^8« öunimmt. *) ,,2)cr fiHnftter, ba er ba« fd^onfie 
in bcn fd^dnfien Silbungen toatfUn mug; ifi auf einen gemiffen @tab be^ 
Su^brudd ber Seibenfd^aftcn eingefd^rantt, ber ber 93ilbung nid^t noc^t^eilig 
toexbcn foH". 

3cne (Sinfalt alfo bei Umri^tinie unb be9 3beate (el^t jum brittenmol 
toieber in ber vSeele unb i^rer Seibenfd^aftöloftgfeit SEßindelmann l^at ftc^ ffir 
biefen Segriff baö fonberBorc 9BoTt ,,UnBejei(^nung" (rindefinito) gefcj^ffen, 
baö eine ©e^alt Bcbeutc, ,,bie »cbcr bicfer nod^ jener ^erfon eigen fei, tom^ 
irgenb einen innem 3^1^^^^ ^^^ ©emütl^d ober eine (Sm))ftnbung ber Seiben- 
f(j^aft au^brttcfe, M meldte frembe 3^9^ i" ^i^ <Sc^önl^eit mifd^en unb bie 
(Snl^eit unterbred^en (tolgono l'ouitji^ e degradano o offuscano la bellezza)''. 
6ie befleiße barin (fagt er ni(i^t fe^r Aar), „\>ai bie S<>tmen toeber burc^ 
fünfte nod^ burc^ Sünien Befd^riebcn werben, atö bie aQein bie ^bnfytxt 
Bilben''. Sel^r Bctannt {obtüof)l tottcx ba« Site fettft richtig ifi, nod^ eine 
correcte Snalegie ber )}erftnnBiteIi(i^ten Sad^e, noc^ enbßd^ be« Xutor« eigene 
9Reinung jutreffenb au^brttcft) ifi ba« bcm %hb6 Soul^our« entlehnte ©leid^^ 
ni^, „txt^ bie (Bifovifftxt fein foQe mie bad t>D(lfommenße 9Baf[er au« bem 
Sd^ooge ber CueQe gef(^ö)>ft, n)el(l^ed je weniger ©efd^mad e« l^at, befio 
gefunber geachtet »irb, n>eil eö ton aKen fremben Il^eilcn geläutert ifi". 

Auf bicfe 2Rotioirung ber Stulpe burc^ bie 33cforgnifc bie Seibenfd^ft 
nxrbe bic fc^ifncn Linien verwirren, l^at j. S. Seffmg fid^ 6efc^ran!t, njol^renb 
fie Bei SSSincfelmann Blog ein UcBcrgangdglieb ift, unb nid^t ba« eingige. 
9}ad^ il^m Befte^t eine äBal^IoernHtnbtfd^aft jmif^en (Si^cnl^eit unb ©rajie: 
,,bie (StiQe ifi bie l^errfc^nbe ©emütl^^Befc^ffenl^eit fc^öner üRenfd^en, ber 
3ufitanb, n>eld^er ber ®<^n]^eit »ic bcm 3Rccrc ber etgentlid^fle ifi; unb bie 
Srfal^rung ^igt, bag bic fc^önflen 9Renfd^n oon ftiQem geftttcten 9Befen ftnb. 
3m fd^önen Sör^>cr l^errfd^t bic ©rajie mit groger ®ett)alt DicfelBe gaffung 
»irb in bcm Silbe fotool^l aW in bcm, ber e« entwirft, erforb^rt 3)cr Sc^ 
griff einer l^ol^cn Sc^önl^cit fann nid^t anber« ergeugt werben, aK in einer 
flitten unb üon cinjelncn Siteungcn aBgerufcnen Setrad^tung ber ©cele". (8r 
^atte au(^ bic SeoBad^tung anfül^ren Knnen, ba§ boOtommen f^öne 3^9^ 
(bie auc^ bem SerfaU ber dal^rc juweilcn fel^r lange wibcrflel^en) oft gegen- 
ÄBcr bcm (£to§ ber ?cibenf(^aft unb il^ren ©erjerrungen eine gcwiffe ^flig= 



*) La Bellezza non poträ riconoecersi tutta in nao, se non a ohi ha la mente 
serena e ecerra da ogni agitazione, o almeno di quella tanta che suol alterare e 
diiturbare i delineamenti de' qoali son c<Hnpo3te le belle forme. 



§ 122« h. 91ix«bTiid unb ^nbtttng. 163 

fcit jcigcn, töic bcr SSerfaffcr fl<^ eine« fii^öncn ne<H)oIit(mifcl^cn Sanbmäbd^n* 
erinnert, ber im l^cftigflen ©d^merj bie Sl^ranen an^ ben Äugen floffcn, offne bag 
bte geringfle Cctjerrung bcö SBeinen« in il^rcn 3^8«" 3» Bcmerfen tocix, — 

aBer ba§ geben, beffen SWIber ber Sn^tt bcr Äunfl flnb, in bem il^t 
geben XüuritU, e9 nimmt auf biefe Semanbtfd^ft feine SRücfft^t. 2)a$ geben 
tfi »Ott Sturm unb Drang, ©d^merj unb 3ubcl, Sl^at unb geibenfd^ft, „^tt 
cr^benfle Segrtff ber @c^ön]^eit fonnte ntd^t bcftänbig gefud^t unb erlitten 
»erben, ba im ^anbeln unb SBirfen bie i)M^\tt ©leid^gttltigfeit nic^t flatt^ 
ftnbet, unb göttlid^ Figuren menfc^Uc^ torjufieHcn finb. . . S)ie reine ©d^Sn- 
l^ett allein fann nid^t ber einjigc ©ortt>urf unterer Setrad^tung fein, ba in 
bcr mcnfc^Iid^en 9?atur jn^ifd^n bem ©d^mcrj unb bem Sergntigcn auc^ nocfy 
(B^»icur fein mittlerer ©tanb ift, unb bie geibcnfd^aftcn bie SBinbc finb, bie 
inbcmSWecr be« geben« uttfer ©d^iff treiben, mit »eld^en ber 3)i(^ter fegelt 
unb bcr ffünfHcr p<^ erl^cbt". 

Unb nid^t immer n>trb ba« eble ÜRetaU ber @d^6n]^eit burc^ bie gegis 
rung mit bicfen 3^1^^^" ^^^ ^atl^o« »crfc^Ied^tcrt. „S)ie ©ragte erft^cint 
al« Oefellin bcr ©d^önl^cit, fo»ie bie brci ©öttinnen bcrfelben bie S3eglei^ 
tcrinncn ber Oöttin ber ©d^önl^eit finb : benn bie fd^önfie Silbung »ftrbc 
ol^nc ©rajic unbelebt fein, unb bleibt ol^ne Steigung. . . Äud^ l^ier offenbart 
fic^ bie gro^e gel^re eine« (gm<>ebocIe« ©on bem Streit unb ber greunbfd^aft, 
burc^ beren gegcnfeitige Sirfung bie Dringe in ber äBelt in ben gegcnn}ärtigen 
3ufianb gefegt finb. !Cic Sd^önl^cit n^Urbe ol^ne %u«brudf unbebcutenb l^igen 
fSnncn, unb bief er ol^ne ©(^önl^cit unangcnel^m ; aber burd^ bie SBirfung bc« 
einen in bie anbere, unb burd^ bie Sermäl^Iung gtt^eier mibriger (Sigenfc^aften 
toaifft ba« rttl^rcnbe, ba« berebtc unb ba« übcrgcugenbc ©d^ifnc. . . !Die Seele 
feilte rul^ig, aber gugleid^ »itffam, ftiDe, abeV nid^t gleichgültig: unb fd^läfrig 
gcbilbet n>crben. . . ÜDic ©ejlalt foD fclbft toenn ber au«bmdt bie Sd^önl^eit 
überttJtcgen »ürbe, fd^ön l^eigcn fönnen". . . 3a er gel^t fotocit, bie befannte 
Scnteng bc« S^emofil^cne«, ba^ äction ba« erflc, gtt)eite unb britte (grforber= 
ni§ fei, auf bie Ännfi gu übertragen. 

!I)ic frül^crc Definition ber ©ragie al« bc« „tjcmünftig ©efalligen" 
beutet cbcnfall« an, bag crjl burc^ bieg bett)egli(^e (glement ber SSeifatt be« 
Sc^fSnen gebl^aftigfeit unb SBärmc gewinnt. — 

grcilid^ fanb bie fünft oft »ibcrfhebenbe Clemcnte in ben Sujet« ber 

^anblung; aber bann l^atte fic ©clcgenl^cit, il^rc a33€i«]^eit gu geigen. „Der 

9[u«brud( n>urbe bcr $^anblung glcic^fam gugen)ogen, unb bie Sd^önl^eit nxir 

bie 3unge an ber 993aage be« 3lu«bru(f«, unb al« bie oomel^mfle Sbfid^t be«^ 

felben n)ie ba« S^mbal in einer 2)?uftf, n)eld^ a0e anberen dnfhumente, bie 

jene« gu übertäuben f(^eincn, regiert". 

«U(^ für ben «u«brudf ift bie ®cf(^i(!^te ber Äunft lel^rrcic^, benn bie 

11* 



164 3tt>^te9 euö^. IL 2)te ®ef4f(tte bet lhm|t 3. Vcf^etif ber ®cuIt>tuT. 

ftunfi fonb il^r SWaofe nur @<^Titt für (Bdfvtt SBSl^tenb in bcn ©tatucn 
ber ^tgnfpttx bte ^anblutig gans fel^tt, benn nntte unb ^nbe ,,]^&ngcn Ifing^ 
bcn ©ritcn gcrobc l^cruntcr, ttcgen an tl^ncn tt)ic fcfi angebrtttft t^crcinigt": 
fo ReBtcn bic ©ctruricr ,,cmc gejtDmtgcnc ©tcBung unb ^anbüing, bic in 
einigen giguten gciDaltfam unb üBettriebcn ift". Äuc^ Bei bcn alteren 
®ntdftn temttttl^et tx ,,einen nai^^btüAt^en tfnftmtct bet ^nblung^ heftige 
$anbtungcn unb Stellungen'^ — toie ja bie ^ero#n felBfi ,,bcT Statur gemSg 
l^onbclten unb ol^ne il^rcn 9?etgungen &tmlt oujutl^un". 3m l^ol^en ©til 
aBer leierten bte ©ried^en bic gen^altfonten SteQungen unb ^nblungen ge^ 
fltteter unb tpeifer ntod^en. & n)urbe ®runbfa^, ,,ba^ ®efU^t ber ©öttcr 
unb gelben rein ton 6nn>fmbli(i^!eit unb fem ©ou inneren (&ni)örungen/ in 
einem Olei^i^cn^id^t beö ©cfttl^W, unb mit einer frieblicj^n, immer gleicj^n 
®eele »orjuffellen". 

3ette SSkiöl^eit jcigtc fid^ in berfc^iebener SBcife, jubotbcrfl in ®5nH)fttng 
oDjufiarfcr Äccente ber 9Wiencn= unb ®cBcrbenfj)ra(J^c. ,,3)er ®toIg im ®c= 
fU^t be$ HpeU äußert ftd^ bomd^mlic!^ in bem ^nn unb ber Unterli^, unb 
ber 3<>^ iw *cn SWlfiem ber 9iafe, unb bie Skrad^tung in ber Deffnung 
bc^ SKunbcß : auf ben üBrigen Steilen bief cö gBtttid^en $au^)teö ttwl^nen bic 
©ragien; unb bie (Sd^bxi^xt BtciBt Bei ber iSnq)flnbung uttt>ermif(!^t unb rcin^ 
wie bie ©onnc, bereu -SSilb er ifi. . . . 3n bcn ®eBetben Brid&t bie ^cubc 
nid^t in So^n au§, fonbcm pc jeigt nur bie ^citcrfcit bon innerem 8Jer= 
gniJgen. . . . ®ic greube fc^ttjcBt »ic eine fanftc ?uft, bie !aum bic ®Wtter 
rttl^rt, auf bem ®cfi(^t einer ©acc^antin. . . . a)aö JBilb beö SJocd^uö ifl 
ein fd^0ner JhtaBc, Bei metd^em bie Stegung ber SBoOufl (la sengazione del 
godimento) mt bic garte <S^i^c einer ^flonjc ju leimen anfängt : feine 3ftg^ 
flnb toller ®ttgig!cit, aBer bic |d^8nc ©cclc tritt nid^t gonj inö ©efld^t. . . . 
3)en 9Rcergdttcm würbe ein l^itcrer rul^iger SBtidf gcgcBcn, inbcm ftc bie* 
fcIBen glcid^fam aW ©itber ber 2RccrcöfKttc, wenn c^ einem grüuKd^ Blauen 
^immel gleid^t, borflcfften''. 25agcgcn fcl^c mon SRid^clangcto'ö Icibcnfd^fttid^^ 
Ictbcnbcd Xritoncnl^au^t. 

^icr gcl^t alfo bic Äction l^erbor au§ ber gBttlid^cn Siatur, beren Abel 
aud^ bem Xu^Brud^ ber (£m)>finbung ein innere^ SRaag ertl^cilt. du anbem 
SBcrfcn ifi c9 bic SBiffcn§!raft, njcld^e ben ©türm innerer »emegung l^inaB« 
ringt. SBcnn Bei ben ®öttcm bic ?cibenf(^aft nur bie OBcrfräd^c frSufcIt, 
fo Befielet bagegcn ber $clb gcwaltfamc Srfd^ftttcrungen, bie er aBer jurürf= 
brängen !onn. ,,3n SJorflcaungcn be« geibenö BleiBt bic größte ^ki t>cr= 
fd^bffen. . . giguren auö ber ©elbcnjeit unb Bloß mcnfd^Iid^e Scibcnfd^tcn 
flnb aBejeit ber Raffung eine« weifen ÜWannc^ gcmfiß, wcld^er bic ÄufttKrflung 
ber ?cibcnfd^aftcn unterbrtidtt unb bom gcuer nur bic gunfcn feigen laßt", 
(wie Beim ?aocoon). 



} 122. h. Xttdbrud unb 4>anbtnng. 165 

^^ gab e^ ^eigniffe, koo bet ©eelenf^etj ber menfd^Ct^en Statur 
jtt ftati mar. $tet foUen lutn bie ^ilnfilet einen 93eg eingef^Iagen l^oBen, 
üon bem SBindelmann ^i^clc in ber 92ioBe unb ^ecuba gefunben 3a l^oBot 
glaubt ,,3]^te Zöd^tcr finb in il^tct unbefd^reiblic^n 9[ngß mit übertäubter 
unb erfiatrter (Snq>finbung D^rgefieUt^ menn bct gegenn)artige Zslt> ber^cele 
aSed Serm5gen pt benlen nimmt. (Sin jold^er ber ©letd^gültigleit oJ^nltc^er 
3ußanb ter&nbert feine 3%^ ^ ©eflolt unb 9ilbung, unb ber grc^ge 
Huftier* fann l^ier bie i)Mf^t (Sifix(fftit bilben, fotoie er fle gebtibet l^at''. 

®a« ©öc^pe freilüi^ liegt jenfeit« ber @<>^re be« ©trcit«. Die gött= 
lu^e Statur ßel^t noi^ ben SIten ttber bem SBeti^fel ber ®emüt]^«ben)egungen. 
@eelenru]^e, ©elbfigcnttgtamlett, (Samn^Iung eine« auf ftd^ felbfl unb ba« 
I)enfen feiner felbf^ gurftcfgejogencn ©eific«, ba« ijl ba« gSttliii^e Cebcn. 
Onbcm bie l^ol^c ®ragie bie 8ett>egungen ber Seele in fk^ berfd^Uc^t, noi^ 
fle fid^ ber-feligen<©titte ber gättlid^en Siatur, ton n)el(i^cr jld^ bie großen 
^nßler ein Silb ju entn)erfen fud^ten. S)a]^er l^eift fie ,,bie ©efeKin atter 
®ötter". Denn bie ©eflalten i^rer ©ötter flnb ,,unberü]^rt bon era<)ftn? 
bung ... 3n foU^er ©tiUe bilbet un« ber große üDid^ter ben Sater ber 
©Otter, meld^r allein burc^ bo« SS3in!en feiner Augenbrauen unb bur(^ ba« 
(Sd^ütteln feiner $aare ben ^immel ben>egt''. ^rj n)enn bie SIten in ben 
©Ottern bie ooSSommene ©d^Snl^eit barfhUen .n>oIIten, fo fhebten fle in Xntli^ 
unb ©eberbe eine (Stille (placideEza) }u legen, bie au^ nid^t ba« minbe^e 
l^atte oon Aufregung (alterigia) unb Xrttbung (perturbazione)^'. 

S« fd^int alfo, baß bie Probleme ber Sbinft im SJerl^&Itniß 3U il^rer 
$ö]^e fU^ oereinfa^en unb leuj^ter merben. ,,3^ ^^^ ^^^^ ^^^ ^bd^fttn SO^i^n^ 
l^eit xft teine )>]^tIofo)»i^if<l^e ^enntniß be« 9Renf(^en, feine Unterfuc^ung ber 
Seibenf(^aften ber Seele unb be« Slu«brudf« nStl^ig. 3Bie ber -3nfianb ber 
©lUdfeligfeit b. 1^. ber (Entfernung oon ®<^merj unb ©enuß ber 3itfri^en]^ett 
in ber Siatur ber atterleid^tefie x% unb ber SBeg ju bemfelben ber gcrobefle, 
unb ol^ne ÜRül^e unb Sofien fann erl^alten toerben: fo fd^eint auc^ bie dbee 
ber l^&^flen ©c^Snl^eit am einfaltigflen unb leic^tefien. 

S)ennod^ iß bie ©tille feine bloße Sbmefenl^eit befHmmter @celenjuftSnbe. 
3a Sßindelmann bel^au)>tet, in ber ®tille offenbare ftd^ bie Seele am reic^^ 
fien, — »Sl^renb man fonp gerabe, befonbcr« in ben rebenben Äünfien, in 
^anblung unb Effect bie 9nlaffe gur Scußerung ber innem SRatur, bie %ei}e 
iur Selbfl}ei(^nung be« (E^aracter« ju finben pflegt. ,,3e rul^igcr ber Stanb 
be« ftör^« ifl, beflo gefc^idter ift er, ben n^al^ren (S^aracter ber Seele ju 
fd^ilbem: in allen Stellungen, bie oon betn 3^^^!^^ ^^^ Stulpe gufel^r ab« 
tocid^en, befinbet ^ bie Seele in bem 3wfianb, ber il^ nid^t ber eigentfi<^fie 
ift, fonbem in einem gett>altfamen, er}tt)ungenen. . . S)ie StiUe unb SRul^e 
ift in ÜRenfd^en unb bei Zitieren ber 3uftanb, toeb^er un« faltig mod^t, bie 



166 3^te9 8u((. II. 2Me (flkfci^tc^te bet ihtnjl. 3. Vcii^t t>fr (S^cutptnr. ! 

iDOl^Tc Sefcj^ffenl^cit unb (Etgcntd^aften betfelben }tt unterfud^n unb 3U et- 
Icnnen, fonne man ben ®Tunb bet ^{fe unb bed aRceteö nut entbedt, 
»enn ba« SBaffet jiiH unb unfccttKgt \ft'\ — obct, »ie nut bann ba« ®i)ie8eU 
Btib auf bet OBetfi&j^ etfc^eint. Unb be^l^CB ^^etfotbett bet Ku^tud einet 
Bebeutenben unb tebcnbcn Stille bet ©eele einen l^ol^en ©etftanb". 

®cn)i^, bad $au^t bed ä^n^f ^^ ^Qad jetgt, ohodfjl an%tx einet 
Befttmmten $KinbIunfl gefcftt, einen Äei^t^um i)t^if<^t 3»^*»^« unb ©geu^ 
fci^ften^ toeü^t butd^ jebe« fccfonbctc ^tl^o« nut tctlicten fönnte.- 

S)enno^ Bleibt bet Segtiff bet iSeelentd^Snl^it bei SBindebnonn t>ot= 
»icgenb ein Dctneinenbet. ®ct <>opti»e Begriff j. 8. ©d^ittet«, loonod^ flc 
bie (SdfiviSfcxt ifl untct bem öinflu^ bot Steilheit, bet Äufttucf bet @ittU<^= 
leit, gegenüBet bet ^hviffcxt, todift m9 ben Rauben bet Statut lontmt, 
obet bet atc^itcctonif c^n , — biefcn SJegriff Betül^tt et gutt)eilen, ol^ne i^ 
jebod^ gu etgteifcn. (gt \pxiiit n)o]^I »om (Scfül^I bet ®rie<^n'füt Snflanb 
unb äEBfttbe; — mie ftc fogat einen gefd^tuinben ®ang in gen)iffent äRa^ 
n)ibet bie ^Begriffe be^ äBol^Ifianbed l^ieltcn, n)ie bie Slction bet Zonje nad^ 
bem SKaage bet altetn Xange aBgett^ogen unb gefleOt iDutbe, unb bann f)>5tet 
ben lanjetn felBfl triebet gum SKujlet bientc, „um fi^ in ben Otenjen eine« 
}üd^tigen SScl^Ifitanbed ju etl^alten; mie bie SBtttbe bet Haltung be« ftcien 
9Ranned aud^ auf Stibetn bet ^aifetjcit nod^ ittooXfxt »utbc, n)o 92icmanb 
ctttKiö fugfSnig bem fiaifet üBetteid^e, obet i^n mit geBeugtcm 8ciB obet 
^aui)t antebe". 

(Sonfl aBet ettnnett feine Xugenb be« Xu^tuct« an bie afcetifd^c SRotal, 
bet ba« SeBen nid^t dnl^alt unb ^toci be§ fUtlid^en ^anbete ifi^.fonbetn nut 
®d^u|>Ia4 ^^n ^tttfungen unb S^etfud^ungen. @ein ^unfifteunb ifi gu Det= 
gleid^en, roit n}onen f agen, bem SieBl^aBet einet ®d^uf))ielerin. <£t t>etf Sumt 
feinen SlBenb in 9ReI))omcne'd ^aHe ton il^tem Suftteten 3^uge }ü fein, unb 
il^te (Stfc^einung ttBt in jal^Iteid^en StoUen auf il^ ftet« bcnfelBen unt>ets 
anbctli(^cn 8tcig. 2)aBei BteiBen il^m jebod^ bie ©efd^id^ten Äntigone'« unb 
dfßftx^, bet Stuatt, bet Ätl^Iia unb bet 3^>]^igenie giemtid^ glcid^ftltig. 
3)iefe (2<^öi)fungen bet S)id^tung l^aBen fttt i^n nut bie SJebeutung, 
i^ten 3ttgen eine fd^one SclcBung mitjut^eilen, in äSttUc^feit, ^t>xn, Än= 
bad^t il^te Äugen Icuc^tenbet, i^te 3Bangen getötl^tet, il^te ©tettung maie= 
flätifd^et, il^tc Anmutig fd^melgenbet gu mad^en, lutj il^te ©eflatt mit bem 
geniatifd^n geuet ju but^glül^en, n^eld^e« bie «uftcgungen bet ©efeHigfeit 
nie JU entgünben t>etmogen. Datein mifd^t fid^ jcbod^ bie Sefotgnife, bie 
mötberifd^ SButl^ bet SKebea, bet Blutige Hnfd^Iag bet dubitl^, bie gel^eimen 
Dualen bet ^abta unb bie Sobeöangfl a)cÄemona'Ö mochte einen finfietn 
3ug in bie l^otbcn 3% toctfen, bet il^m auf »ictunbjttKingig ©tunben il^t 
Site entfteQen unb i^n unglfidtlic^ mad^en n)fttbe. 



S 123. i. €$u)>tanatutatt9mu9. 167 



§ 123. 

•9. @m)tanatutalt^tttuö. 

• 

3loäf ein DunHet *^unft ifl üBrig. SDic 3bcalitat, bieg toic^ttgfle aRerf= 

mal im ©egriff ber Stnnft, i^x ^Mf^tx ^tciö, crl^oB ftd^ au« ber SBal^t be« 

Setftreuten Sd^dnen ber 92atut imb ber Begetflerten ^nfii^uung be« ^nfHer9, 

befjen ©egettfianbe, SBefen bed ÜRt^ti^od . unb ber (Spoplk, auger ber Statur 

lagen. Xritt man aud bem ©etuttl^I bed Men^ in eine Serfammlung il^rer 

SRarmorgefialten, fo glauBt man fld^ unter ein l^ol^ered ®ef(i^Ied^t )>erfet^t, fo 

unBebeutenb, unförmlid^, unebel bünft unö bie SBirKtd^feit, unb ni(^t Blog 

im mobemen 9icm mirb manchem ein äBunfd^ aufgefHegen fein, n>ie ber 

ftäfhierö^ ^^gmalion jugleid^ unb ']$eVfeu9 }u fein: 

;,bcn 8ilbem gSB \6^ <M{i, 
bie $faffen toürben ®tdn''. 

3cbcrmann Befennt, bag bie fSiß^tcn ber ®ric(^en t)om ec^teflen ©ötterabcl 
fmb, bag nxnn irgenb ttma^ unter bem ÜÄonb, bann ber ®eifi ber fle fd^uf, 
ein gunfe ber glammc ttjar, bie ^romctl^cu« rauBte; 3cber fielet aud^, bag 
tl^n niii^t Blog bie unerreiii^Bare normale (Sifinfftit entjüdt, man fftl^It gegen- 
üBcr bem ®5ttcrBiIb: 

^^ausgeflogen l^at e9 iebeu 3(ugen menfci^ttd^er Sebürftigfeit''. 
Wber bie t?tagc ift bamit nod^ !cinetoeg§ cntfd^icben, ober j)räiubicirt : oB 
©d^önl^eit allein, oB SBcnmag, feinfinnige Äuötoal^I ber 9iaturformen unb 
leBenbige 8Serf<!^mcl3ung berfclBcn jum ÄüÄrud einer ^)oetif(^en Conception 
aÖein, alfo ganj natürliche SRittel e« gen)efen fmb, todift jenen ©nbrucf 
l^ol^erer Statur ju SEBegc geBrad^t l^aBcn, ober oB bieÄunft xo\xH\d} gormen 
gef(i^affcn ^t, bie ol^ne SSorBilb in ber SRatur ttjarcn, ja üBer il^rc gffi^igfeit 
l^inauWagen? ober toenigfien« bie 9iaturformen oerebcft l^aBe, unb fomit att 
eine ©erftarung ber Statur burd^ bcn ®eifl angcfel^en »erben !onne. 

3)iefe grage l^at Befanntlid^ bie Äunflfreunbc einfl auf6 l^cftigjle cnt= 
jnjeit; SWid^t jene Blaffen ©cgriffc n>aren bie Urfac^c fold^cr $eftig!eit, ber 
Sannfhal^le ber Scrbammnig unb ffirgüffe be« ^ol^nö, — fonbem bie SBcrfc 
ber SKeifier, bie bal^intcr flanben, unb bie einen mit Änbad^t, bie anbcm mit 
Serac^tung crfftütcn. !Die einen fallen in ber ,,SerHarung ber Statur" eine 
8la^J)]^mie gegen il^re ©ottl^eit, eine oerttjegene ©elBjiüBerl^eBung, einen 
cBenfo gefSl^rli^en toie ol^nmm^tigen SBal^n, ber »ic bie (Srfal^rung geige, 
nid^t einmal bie üon jenen t)cret;rte ©d^onl^eit l^ertoorguBringcn oemUfgc, fon= 
bem nur l^ol^le 8art)cn beö SWanieri^mu^. 3)en anbcren f(^eint jener ®lauBe 
fo tl^uer, bag man flc um bie Äunfl unb il^ren ^immcl Bringen »ttrbc, 
toonte man fte beffelBen BerauBen; fie oermeinen ber £unfi mit biefer i^rer 



168 3^te9 8u(^. II. !£)ie Oefc^ü^e ter Ihiitß. 3. 9cft^f ber €cutptttt. 

D^coric baö KflfKi^flc ^avaäfop^tx barjuBringcn ; jene ©cfKmc^ btc fonfi fo= 
Xöeit getrennte Salinen t)crfoIgcn, (Sott, SRcnfd^, ®eifl, SRatur, traten l^ier in 
Sonjunction, bte freiließ aud^ }ur (Srjeugung folc^er iEBunbem>er!e unent- 
Bel^rtid^ genjefen fei. 

SBmdelmann nun l^at ftd^ }u t>erf(i^tebenen 3^^^^!^ ^^^ hi^tn $unlt 
gonj ücrf^ieben geäufert SRctäf bct in ©reiben gcfd^rieBcnen „^oäfnifmvai^ 
fanb er 1755 in ben ©ried^enBilbetn nid^t nur ben dnBegriff be^jenigen, 
koa^ in ber gangen SZotur audgetl^tU x% fonbem aud^, ^^mtetoeit bte fd^ön^ 
92atur ftc^ ttBer fU^ feI6fl lUl^n aber n^eidltd^ erl^efien fann"; unb gioor nid^t 
Uo% in fold^n ^^mel^r att menfd^rid^n Serl^oltniffen^^ tuic bie be^ 3[)>oIlo; 
fDnbem er toagt }u it^aw^^ttn, ,,ba§ fUt) bie ©ric^n getDiffe aOgemeine 
Segriffe üon Sd^önl^iten fomol^l eingelner Zl^eile ote ganger Serl^alt» 
niffe bc5 Äör»>cr6 gcBilbet l^otten, bie fid^ üBcr bie Statur fcttfi erl^eBen fottten'*. 
3)aniate galt \^m noii bie ,,Beina]^c gcrabe ?ime bc« gried^ifd^cn ^rofitt'' 
aW S5cif^)iel fold^cr ,,üBcr bte getcöl^nlid^e gorm ber SKatcric erl^aBcncn Se« 
griffe". 

©citbent er aBcr ben füblid^en SRenft^enfc^lag unb eine „^äfinett SRotur 
ber SRenfd^enlinber^' fennen lernte, bie nod^ immer formen Beimil^rt l^atte, 
toie ftc ben alten £ftnfilem vorlagen, ging eine Xenberung in feinem ttrtl^eil 
öor. SRid^t Bloß an ®riec!^innen fanb er jenen alten 9tationalgug »icbcr: 
Bei feinem crjicn Ausflug nod^ liooli entbedt er gu feiner UcBcrrafc^ung, 
ba6 eö bort „nid^tö feltcncS fei, ein gried^ifd^cß ißrofil gu feigen" (7. 3uli 
1756). dn ben erfien ^rild^ten neuer Sinfid^t bie er nad^ 3)cutf(!^lanb fonbte, 
trägt er fc^on „fein Scbenfen", toenn bie S3eftimmung pnnlid^cr Segriffe ber 
©d^ünl^it oon il^m getoünfd^t n)ürbe, „in (Ermangelung alter ooQfommener 
SBerfe unb beren SBgttffc, bicfelBen nad^ eingclnen Steilen oon ben f(^ünfien 
SKenfd^en genommen, an bcm £)rt too id^ fd^reiBe, gu Bilben" (Erinnerung 
üBer bie Setrad^tung 1758). 

3n ber tunflgefd^id^te (1762) erfolgt eine Rare Sludeinanberfe^ung ber 
Beiberfeittgen 3lnf)>rüd^e. 9Bad bie ©d^önl^eit ber eingclnen Steile bed menfc^= 
lid^en Äöqjer« Betrifft, fo tt>irb bie 5Ratur für ben „Bcftcn Seigrer" erHärt; 
„benn im eingelnen ifl bicfelBe üBer bie tunfl, fotoiebiefe ftd^ im gangen 
üBcr jene erl^cBen !ann . . . 3)aö 3beal finbct nic^t in oflcn H^eilen ber 
menfc^fid^en gigur Bcfonberö fiatt; benn flüdfmeife ftnben fw^ eBcnfo l^ol^e 
©(^önl^citcn in ber SRatur, att irgenb bie tunfl mag l^eroorgeBrad^t . l^aBen, 
aBcr im (Sangen muß bie SRatur ber Äunfi ttjcid^cn". 9iur in oagercm 
(Sinn lonntc er alfo l^ier ba« SBort „@d^ö^)fung" fortBejiel^en laffen : „inbem 
fle m fotoiclc SSorflclIungcn ber ©c^önl^eit aneigneten, bie jie in bicfem unb 
jenem Snbioibuum »ai^rgenommcn, tourben jie fafi neue (£d^ö^)fer". 

3lBer biefc 3^ifcl rüdtten noc^ tociter .oor, auc^ gegen bie 3bcalität 



§ 123. i. €tt|>tanat]iraii9nt]i9. 169 

bed @anjcii; mx beffen <Seltcnl^eit in ber %atuT feilten il^m ju l^ten. 
„& ifl \ifaott, ia fafl urnndglid^, ein @en>ä(i^d }u finben, nnc ber Dotica- 
nifd^e 3(^11 ifl'^ dn ben ,,3(nmerTungen'',. n>o man bad unn)iIIIü]^Tli(l^e 
SSB^iteratBciten feincT @eban!en erfolgen !ann^ toamt et au^rüd[i(j^, ,,bad 
dbeal fUT einen Blog meta)>]^t^{tfd^n begriff ju l^alten, toe^er in aUen 
Xl^ilen ber menfd^Iid^en Statur kfonberd flattfinbe unb nur allein im $er= 
fianb lönne gebilbet tt>erben''. !Dad dbeal fei ni^ auf einjelne Zl^eile ju 
beuten, fonbern oon ber l^^flen mögtid^n ©ci^Bnl^it ber ganjen gigur 3U 
»crfiel^cn, xotW^t fii^toer in ber iRatur in ekn bcm l^en ®rab fein önne". 
Cr l^t bereite bad ^SebUrfnig, bie l^erfömmlic^en £em^ unb IhraftfleUen bed 
dbealidmud ju Be!ritteln, 9ta)>]^aetö Seu^erung ttBer bie idea in feiner ®a? 
lat^ea in bem 93rief an Saltl^far SafHglione, unb bie ©uibo'd ttBer feinen 
SrjengeL (Sx bttrbet il^nen jenen ,,äRi^t)er{ianb'' auf; .unb inbem er bie 
kiben ®efiaften critifc^ bekud^tet, öerjld^rt er, f^öncre SEBeiber unb 3ftng= 
tinge fogar fel6fl gefannt jn l^aBen unb fd^eiitt flc^ ben äRutl^ ber Sßal^rl^ett 
gujufd^reiben, inbem er erffärt: „^ fd^e mic^ nid^t gu fagen/ba^ beiber 
Urtl^eil aud SKangel ber Sh^tfamleit auf bad toaß in ber 92atur f^öne^ x% 
l^errttl^re; ja i<l^ erbreifle mid^ gu U^a\Xptcn, ba§ id^ Bilbungen be$ ©efU^td 
gcfunben, bie eBenfo t>oD!ommcn finb ate bieienigcn , • bie unfern ftttnftlem 
SKufier ber l^ol^en ©c^önl^eit fein muffen". 

«n bicfer ©teile (1765) fc^int il^n jebod^ nod^ ein SRcfi »on ,,@<^ett" 
gurätfgel^tten gu ^Ben, befagte SRufler mit Spanten gu nennen. üDieg toagt 
er im Trattato prelimmare (1767). „^k Slatur, l^eifet eö ba, l^at ges 
formt, unb formt nod^ alle £age (Skftd^ter, ben £ö))fen ber erl^benften 
(Sd^önl^eit gu &erglei<l^en, mie man fie nur in SRarmom unb ®emmen feigen 
fann: aud^ in unferen Xctgcn fielet man lebenbige 9Uoben unb ))aticanif(l^e 
3H>oüe''*). 

@o ]^at fid^ äBind(eImann immer entfc^iebner oon ber 3Reinung einer 
Uebcrfd^reitung ber SJaturformen abgen^anbt iDicfeß oon Oal^r gu dal^r 
nxxl^mel^mbare (Steigen ber @(!^ale bed Obeali^mu^ unb ©inlen berjenigen 
ber 92atur iß eine ber intereffantcflen Xl^^ad^en feinet inneren bebend. 
SDiefer '^roceg gel^t ))araQeI feinem gunel^menben eignen ©el^en in 92atur 
unb £unfit. Vl^ er feine fd^roffflen @a^e ibealifiifd^er Senbeng niäerf^rieb, 
fcl^Ite ci il^ noii^ gang an eignen Snfd^uungen, er badete über bie tunfi 
aud Sttc^em unb unter 3nf)>iration be9 ,,grauen]^afteften , leid^enal^nlid^flen 
aller SWanieriftcn" (Äumol^r). SDer ©tubengelel^rte, ber mit bBben glcic^= 



*) La Natura ba formato sempre e va fonnando tutto ^orno de' visi compara- 
bili a quante teste della piü sublime bellezza veder si possono soolpite ne' manni e 
nelle gemme : ancbe a' dl nostri si veggon vive delle Niobi e degli Apolllni Vatioani. 
p. XXXIX. 



170 äwxtt» 8u(^. II. 2>ie <^^(^te ber Ihinjt 3. «efl^f bet ^aüptm. 

gftlttgen flttgen an ber „^lotixx" ^oxbti^tfft, unb beffen (Sntl^ufta^mtt^ fftt 
ihtnfhDetle nur ein Slo^benfen unb 92a<l^f)}re(^en gtkfeneT Sl^eotten ober 
^oefien gegenüber bem ©efel^enen x% il^m fd^ctnt j[ened ©erebe t>on ^^gemei- 
net SRatur" unb ,,öerH&mng bctfelben butti^ ftunfl" eftDaÖ a priori eins 
leucl^tenbcö, fcftftecrfiSnbUd^^. 3e vmttx er torbringt ju ben £)riginaltt)cr!cn, 
je mcl^r fein 33li<f fi<i^ fc^arft für gric^ifc^e ÄrBeit, je bertrautcr er n>irb 
mit fünfHerifd^em ©d^affen, je mel^r er feigen lernt in ber SRatur, beflo 
3n>eifer^after »irb il^m jene« ©^jlem; e« tl^eilt baö @<ä^id(fal atter mctap]^^= 
fifc^en Äartcnl^Sufer. — 

SBcnn aBer ber Äunfll^iptorifcr, eingeben! itaKf^^rBmif^er SKIber f<!^öner 
Äatur, iencnt frül^cren Uorurtl^eil aBfagtc, fo fii^eint il^m bagegen in anbcrer 
gomt ber ®u^>ranaturaBömu« immer Sebürfniß geHickn ju fein. Die 
3:i^tfa(^en — Sil^atfo^en, benen gegenttBer man fxäf unfc^wr nac^icKg 
jeigt, — litten il^m jene^ ä^ß^P^^^^^^S ^" ^^^ 5Waturati«mu6 aBgenötl^igt; 
aber Oebermann njirb e« jenen Bei feinem S)eBüt fo entfii^ieben berfftnbigten 
ibcaüpif(^en Säften anfeilen, bag pe feiner eigcnfien innerflen ©innc^mcife 
nxxl^loettoanbt nKiren. (SoUft ®cban!en nun n>erben immer, auf bem einen 
9S3ege l^inaudgcbrSngt, auf bem anberen unb in anberer ©efialt n)ieber ju» 
rftif jufcl^rcn jkeBen. 

SRag bie 'J^atur im einzelnen ilBer bie ^nft fctn, unb felBfi im ganzen 
il^r eBeuBttrtig: bennoti^ mttrbe für ffiincfelmann bie Äunjl il^r 3ntereffc fo 
gut »ie oerloren. l^aBen, n)enn man il^re ScfHmmung auf — tc^ »iff ni<^t 
einmal fagen, Stad^al^mung ber Statur, nur auf fttnfHerifd^e 9te)>robuction 
auä^ ber fc^önficn Statur Befd^r5n!t l^ättc. 6« toar ein gel^imcr, unaBtoei^* 
liii^er 3wg feine« ofil^etifc^en ©cfül^te, in i^rcn ©eBilben l^öl^ere Staturen, 
eine« ootQfommncrcn, gcifligeren 3ttflttnb« tl^cil^aftigc 3Befen anjufii^auen; er 
fuc^tc im ^nfimerf Stal^rung für eine geijÜgsfinnfic^c, fd^toSrmerifc^e (Smj)fin5 
bung, bie l^alB ber ©cl^nfuc^t eine« irbifc^cn SieBl^aBer« gfid^, l^IB bem rcligic= 
fem gntjütfen be« üR^flifcr«. ?ieBc unb (gntl^upa^mu« fmb bem ©cfül^t be« 
Unenbfi^en oertoanbt; pe finbcn flet« in il^rem ©egenfianb etma« Unenb= 
tici^e«, einen ÄBglanj beö ®5ttß(i^cn. S)iefe ©d^toarmcrei aBer tt>ar ni<!^t jebe, 
fonbem nur ein gcmiffcr ^ei« oon ©eflalten ju nal^rcn geeignet, fold^e, in n>el= 
d^en flnnli^e Äeije mit einem üBerfinnGc^en, tifwnären SBefen fic^ bermif(!^en, 
mo bie järtlic^en gormcn ber 3ugenbBtütc fo Bel^anbelt pnb, ba§ ba« 
Stofffw^ bergeijligt fe^eint; unb bicfe ÜRifc^ung jei^net un« SBintfcImann, 
ba »0 er auc^ in ben SEBerfcn feiner JReifc bod^ n)icber bon „üBcr bie Siatur 
crl^aBcnen Ä(frj>cm" rcbet. 

®ie l^öd^fien ©eflaltcn ber Äunfl follen aW üBematilrrid^e SBcfen tt>cnig= 
fhn« erfd^cincn. „3)ie 3botc foIIen oon l^ol^crcn Staturen genommene Silber 
fd^inen". Die S)arfieüung«mittel liegen jnjar ganj in ber ®j>]^äre bc« Sta= 



§ 123. u ®i^)ranaturalt9mu«. 171 

türltd^en; aSer im @eBrau(i^e berfclben fommcn btc ftttnfltcv auf SSeTlntt)>fttn- 
gen, auf äRobiftcationen, bie und bod^ tuieber unt>ennetft üBeT btc ®tenje bed 
%atilTlKi^n l^inaudfül^ren. 3)enn ,,bte großen ^njlkr ber ®Ttc(i^cn, bie fic^ 
gle^fam aU neue @{^o))feT anjufel^n l^attcn, 06 fte gleid^ toentgcr fttt ben 
^etftanbv M fttt bie @inne arBetteten, fu(^ten ben l^artcn ©egenßanb ber 
äRalerei ju üBenotnben, unb rotnn ed ntBgltd^ n>are, biefelBe 3U Bcgeiflem, 
unb bieg cble ScfheBen berfeften l^at aud^ in ben frttl^eren 3^*tcn ©elegcn« 
l^it ju ber t^abel t)on ^t^maliond @tatue gcgeBen^'. 

Da« etfle biefer 3)atflettung§raittcl fmb bie gormen ber 3ugcnb. 
,,S$ad tonnte menfij^lid^en ^Begriffen t>on flnnlid^en ©ottl^citen n>ttrbiger unb 
für -bie SinBilbung reijenber fein, ate ber 3uf^<knb ber en>igen dugenb unb 
beö grttl^fingö bed ScBenö? 3)ic6 tt)ar bem SScgriff »on UnaBonberüd^feit 
bed göttlichen SBefend gcntSg, unb biente bcm (£nb}n)ed aQer 9teIigion, ber 
menfd^Iici^en ®eligfeit, ba bie 3^tti(^t^it unb iSicBe, n^eld^c ein jugenblic^ed 
®en)Sd^9 ber ©ottl^eit eüoedtt, bie ®ee(e in einen fttgcn S^raum ber (Snt= 
jüAing üerfeftcn lann". 

!Die fiunft fann bie dugenb barfleUen, aBer toie bereu en>ige ÜDauer? 
3)iefe endige dugenb ifl ein l^tmmtici^cd äBunber; aBer bie Silber fold^r 
tDunbcrBaren gi^ttlid^en dugenb fönnen bod^ nur bie ber ücrganglic^en, menfc^- 
lid^n dugenb fein. 3fl ed nur ber alte unb en>ige 3<^u^^ ^^^ ©d^önl^eit 
auf il^rem ©ö]^e^)unft? — au« ber feit '^Jlatoö lagen bem fttl^Ienb^grüBelns 
ben Sinn jietö etwa« Sh)igc« entgegenfhal^tte, in bereu garBe felBjl unferem 
3)i(i^ter jene 3ugcnb entgegengKnjte, ,,bie und nie verfliegt", unb angefid^td 
beren 3)ante fragte: 

cosa mortale 
come pn6 easer sl adoma e pura? — 

„!Die grö^fid^feit ber Ougenb (fo Begrttnbet SBinrfelmann feinen ®aft) 
Befielet in bcm SWangcI ber 9tcn)cn unb Seltnen, »eld^e f\d) in ber Stute 
ber 3al^re tt)enig augern". 3Äit ber Sefeitigung folc^cr Sl^cifc (wie aud^ 
ber Sbem), in jenem fanftcn Sinienflug ber 9Wud!cIn öcrfc^winbet ber Änfd^ein 
bed ®toffIid^cn, 3uf^^^<^ngefc^ten, bed äRcc^anidmud, für} bie Sebingt^eit 
ber ©eftalt. 2Bie man bie dünglingdgeit bad Xltcr bcd 3bcalidmud genannt 
^at, tvcil fie ben Drutf bed 9{ealcn unb btc ©ebanfcn bed ®tauBd nod^ 
wenig !ennt unb für 3m)>ulfc ber dbccn cm^fänglid^ ifl: fo tritt aud^ in 
il^ren formen bad Grbartige, ber SSerwefung SerfaHcnc unfcrer ^ttttc am 
weiteren }urü(L %n folt^c Sinbrüdte fntt))ft bie ^unfl an, unb Bilbct bie 
formen nod^ etwa« weiter in biefer Siic^tung fort. 

Cd liegt in ber aBwefcn^eit jener S^^cifc nod^ SBindfelmann ber aud= 
brudf ber göttlid^en ©enugfamfeit, weld^c bie jur Sioi^rung unfcrcd ftör^)erd 
Bcfiimmtcn Il^cilc nic^t »onnötl^cn l^at. „I)icfcd erläutert bcd ffipicur ü»ci= 



172 S^tt» 8ud^. II. SHe Ü^ä^tt ber ihtitfl. 3. ^^tif t>fr ecu{)>tttr. 



nung t}on ber @eflalt bcr ©otter, beneti er einen Slkptx, oBer glctf^fa» 

einen S&tpct, unb Slut oBer gleit^om Skt gteBf ^ SBte 6e)ei(j^enb tfl l^ier 

ba^ Siftonave au^ebtüdt, bem biefer Sormgefij^mcut }u{he6t! „Do& S)afetn 

unb ber äRangel 'biefer Xl^ile unterfd^eiben ben fterHiti^en unb ben lottfj/^ 

terten ^crcule^. dm %ox\o ffoX ber fittnftter. ein ^ofy^ dbeal eincd über 

bie 92atur erl^aBenen Stoxptx^, unb eine Statur männGc^ toSSbvxmt^ ^ 

ner Saläre, n>enn biefelk 6id auf ben @rab ber göttlichen ©enngfatnleit er- 

l^ol^t toSre^ geBilbet. (Sr erfd^eint, n^ie er ful^ ton ben S^Ioden ber SRenfd^- 

l^it ntit Treuer gereinigt unb bie UnfierBIid^Ieit unb ben @i$ unter ben 

®dttcm erlangt l^at. !Z)enn er ift ol^ne Sebürfnig ntenfd^ßc^cr Stal^rung 

unb Dl^ne ferneren ®eBrau<l^ ber Gräfte loorgefieUt (Sd ftnb leine Vottn 

fläf&ctx unb ber Unterleib ifi nur gemacht }U genießen unb nid^t }u nel^men^ 

utib t)öl[ig, ol^ne erfüUt }tt fein''. @o f)>ielte bie Betrachtung l^ier ton bem 

ttbematlkrlic^en ©egenflanb auf üBematttrlici^e formen l^inüber, t)im einer 

fel^r ftißftrten Sel^anblung in ein )>l^ntaflif<l^ed SKobeln an ben %aturformen» 

Unb fo Iaf[en fld^ no(^ anbere 'fünfte }eigen, n)i> äBindelmannS ©ebanleu 

tvieber an beut fd^inBar fo fefl gegogenen ©renjcorbon bed 9{aturalidmu§ 

jerren* 

„"^ohfUtt, ein erl^aBener Z)i(^tcr in feiner £unfl, fud^te bie ©c^ön^it 
feiner gigurcn üBcr ba« »irflid^ ©d^önc in ber Sßatur gu erl^eBen; bal^er 
feine <£inBiIbuug üornel^mlid^ ntit jugenblid^en t$ormen Befd^&ftigt n)ar, foba§ 
er feinen @cifl mel^r in ber geizigen Slfite bed a[))oad aU in ber 
@tarle bed ^erculed, unb in bem 9(Iter eined Se^cula)) n^irb gegeigt l^aBen'^ 

!£)a9 ©reifenalter ber ®ötter n)urbe burc^ einen jugenbß^en UeBergug 
gleid^fam verjüngt. ,,dm duf>iter, ißc))tunud unb in einem int)if^en S3acd^ud 
^nb ber Bart, bad e]^m>ttrbige $Kiu|>t]^aar aUein ^tiifzn be§ Sllterd, unb e^ 
ifi baffelBe n>eber in 9tunjeln, no(^ in l^erüorflel^enben ä3adten!nod^n unb in 
tiefen eingefaOenen @d^Iafen angebeutet. Die äSSangen flnb nic^t n)qiiger 
ööttig att an iugenbüd^cn ©ottl^eiten, unb bie ©time <)flegt fi^ bort gemöIB- 
ter gu erl^eBen, toobur^ bie fanftc Sinie beö Profite junger @c(>ön]^eiten mcl^t 
gefenlt, unb ber 83Iid baburc^ größer unb bcnfenber wirb. 3)iefe Silbung 
iji ber SEBürbigleit beö Segriff« oon ber ©ottl^eit gemäß, att tt)el^e feinen 
ffied^fel ber Qc\t, nod^ ©tufen beß Älter« annimmt, fonbcm »ir muffen ein 
SBBefen ol^ne alle golge benfen. . . . 3)ic ©c^önl^cit ber ®ötter im mSun« 
fidlen alter tourbe in einem 3nBegriff ber ©tärfc gefegter Saläre unb ber 
gröl^li^fcit, in ben fanften gormen be« fc^önfien grü^Iing« ber dugenb 
gefu(^t", toie im 8^)0110. 

OB biefe SJerfd^melgungbe« ©reifenl^aften unb 3üngltng0artigen natür- 
lid^ mögßd^ fei, ifi fd^toer }U fagen, gen)ig ifi, bag nod^ 9tiemanb im 3^^ 
ober inbifd^en 93acd^u« ettoaS oon monfhöfer gormenmengcrei entbcdCt l^t — 



§ 123. l ®it^Tcmatutart9inu9. 173 

Übet nt(i^t %Io^ Dcrf^icbene SeBendalter, au^ formen terfti^iebener ®C' 
^UäfUx n>itTben oerfd^mcljen. (Sd gteBt einen $un(t ntSnnltd^er dugenb, in 
bcm ble Statur jtüifc^n ben gormcn Beibcr ®ef(^fe<!^ter gleid^fam unentfd^ics 
ben f^wanft, unb im ©üben Begegnet man ni<!^t feiten Öüngling^Bitbnngcn, 
in n^eU^en biefe^ (SiftocatUn ISnger bouemb, auff&IIigeT ift M fonfl^ ott 
oB fle jdgete, biefe l^olbe ß^^^^^^S^^t 3^ t)etIa{Ten. Unb fold^e ©eflalten, 
in benen bte 9{atUT fcIBß unentfd^lcffen }u träumen f(i^eint, jiel^n aud^ bie 
'^^antafle in ein traumerifd^ ©eignen, SfynTxä^ tme jener 3uft(tnb ber bem 
({machen ber SieBe oorl^ergel^t unb ben "ißra^itele^ in feinem (£n)9 ))erfonifi' 
ctrte, SBindelmann aBer im SJacd^uö roieberfanb, jenem fi^öncn RnaBen, 
„xt>diftx bie ®renjen be$ gfrül^tingd be6 SeBend unb ber dftngling^d^aft 
Betritt, Bei n>eU^ bie Stegung ber SBoHufl n>i€ bie jorte @)>i^ einer ^f(an3e 
jtt'feimen anf&ngt, unb ttkl6ftx n^ie jtt>if<j^en ®d^Iummem nnb SBod^en, in 
einen entjüdenben Sraum l^alB oerfenit, bie Silber beffelBen ju fommeln, 
unb fld^ lool^r 3U moil^en anfSngt'^ 

Dicfe ©efiolten nun litten fttr 9Ran(^e einen ganj eigenen Äeij, unb 
Sßindelmann^ (SinBilbung^fraft nxir gerabe fftr biefe t^ormen grie^ifc^er 
ftunfl Befonberd enq>fängrK^ , oB jum Sortl^eil feinet gonnurtl^eild, ift bie 
Srage. S3Jar cö bie SSereinigung ber Äeije Beibcr ©efd^Iee^ter, bie ben 
©t^ftemgeifl bed Selenner^ ber (Sinl^eit bed @(^5nen nnb bed 3beatd anf)>ra(j^ ? 
SBar bie i^m ton Qugenb auf eigene f<|tt)Srmerifd^sfinnIi^c greunbfd^aft im 
@piel? ÜBindebnann tertl^eibigte bie ©uperioritSt männliij^r ®df^ni)üt alles 
3eit mit einer (Sntf^iebenl^eit, bie etnnt^ leibenfd^ftlic^d l^atte. 9Ran fagt, 
bag erotif<l^e Serel^rer m&nnli(i^er S^önl^eit jene )n>eibeuttge ^rmen mel^r 
reiben, ate rein jünglingshafte, ja jumeilen jur feltfomflen @<j^n)Snnerei 
Bcgeifiem. 

„^ einigen jungen gelben l^aBen fie fU^ fo l^od^ in ben Segriff ber 
®c^Bn^eit er^oBen, bag felBft bod ©ef^Ied^t 3n>eibeutig iß''. 3m 93acc!^u9 
l^aBen fle bie formen einer dugenb t)on längerer 3)auer im n)eiBlid^en ®e= 
fd^lecj^t ber BKännlid^Ictt eined fd^6nen dttnglingd eimocrleiBt, unb biefe ba= 
bur<!^ völliger (in ben auöf(!^n)eifcnben ©üften), runber unb jarter geBitbct. . . . 
du feinem (Befid^t jeigt fi^ ,,eine unBef<l^reiBli<i^e 6ermif(i^ung mSniili^er 
unb »eiBIic^er f^öner Ougenb, unb ein SRittel 3n)if(i^en Beiben Staturen, 
n^elc^ed t>tm einem aufmerffamcn Setrad^ter em^funben toirb''. dm Trattato 
preHminare mirb biefem %\fpvi9 ,,bie erl^aBenfle dbee jugenblid^er ®d^ön]^eit'^ 
«inbicirt; er n^irb bem rein m&nnli(!^en dugenbt^)>ud gerabeju torange^eOt. 

t^ttr SBindelmann ^atte bieSertvanbtfiJ^aft biefe^ Ztflpvi^ mit ben (Sunud^n« 
formen ni^td aBflo^enbed. 3)ieg nxtr ber ©efd^mact bed bamaligen SBelfd^^ 
lanb«, »0 bie (5unud^ ber S^er fftr ÜRSnner, SSkiBer unb Pfaffen ®egen= 
fianb einer n)unbcrli(i^en (S(l^n)Srmerei waren. (Sr Befd^reiBt il^re Silbung 



174 Si^^ta en6^. II. 3)ie ®ef(^((te bct ihtnft. 3. Itfi^f bct ecult^tnt. 

att eine ^^mtttlere @e{ialt jmifd^en mannlu^en unb nKribfu^ ®eki)S^fen^^ 
Unb fo finbet er enbli^ fcIBfl für bte $erma)>l^robtten ein anerfcnnenbc^ 
ffiott, fte ftnb il^m intereffant oW ajcmeiö, ,,ba| bic ölten vQünfller in ber 
au^ beiben @ef(j^Ie(i^tem loermifd^ten 9!atut ein 9ilb l^o^et (Sc^on^eit au^ 
jubrttden gef ud^t l^aBen ; unb biefed 9ilb roat ibealifc^ .... benn ^xmocpffvo' 
biten, beTglei(j^en bie Runfi ]^en>otgeBtad^t l^t^ finb üermutl^Iic^ nientatö er=^ 
gengt". — 

9e}et(j^nenb i% bag ber !Z)olmetf(i^er l^eUenifc^r Paftif ftd^ an einer 
Stelle n^irfU^ bie göttlich Sd^önl^eit eine^ üte^, ,,bie ein Sudflttg ber 
CueQe ber ^Mfftcn UeBereinfHuunung fd^ine'^ burc^ ben Sergleic^ mit ber 
(Erfi^einung eined (Engeln teranfc^aulicj^te, biefe§ gef(j^Ie(l^td= unb ^aracter= 
lofen Sefen^; ton bem bie (^rißlic^e ^nfl inbe^ ju einigen ilberaud an- 
ntntl^igen IDarflcUungen 3(nla§ genommen l^at, inbem fte i^nen eben jene 
tränmerifc^e dttngling^nmut]^ liel^ (f. 1<. Seite 19). 

So ringt Sintfebnann mit SorfleOungen unb SBorten, um audjubrüden^ 
n^ie materielle Sieltl^eiligfeit in ber l^ol^en (Sinl^eit bed ttmriffed t)erf(^n?tnbe, 
S(!^n)ere im ^»eknben @ang, Stoff in ber 5orm^ bie »ic ein ®cban!c 
tttotdt, xok mit einem gelinben ^nd^ geBIafen fc^eine unb mel^r bem @e- 
fül^l att bem Oefuj^t offenbar n>erbc. 

,,aWit fold^en ^Begriffen »urbe bic Siatur oom Sinnlichen bi« jum U n= 
crfd^affenen erl^oben, unb bie ^nb ber Ättnftler brachte ®efc^öi)fc ^enjor^ 
wtldiit oon menf^Iid^cr 9iotbburft gereinigt toaren, gigurcn ttjek^e bie aKcnf(^= 
l^eit in einer ^dl^eren SBllrbiglcit oorftcUen, unb $ü(Ien unb SinSeibungen 
bloß bcnfcnber ©cijicr unb fmnlic^er Ärafte gu fein fd^einen. Sie erl^oben 
ft(^ in ba^ 9idä^ unBr^>erÜ(!^cr Sbcen unb »urbcn ^op^tx reiner (Seifier 
unb l^immlifd^er Seelen, bie feine Segierbe ber Sinne erttjecfen, fonbem eine 
anfd^aulid^e Setrad^tung aQer Sd^önl^eit n>irlen, benn fte fd^einen nic^t gur 
?eibcnfd^aft gcbilbet gu fein, fonbem biefc nur angenommen gu l^oben". 

,,I)ie gcipige 9tatur ifi guglcid^ in i^rcm leichten ®ang abgebilbct 

3)er Si^ritt beö oaticanifc^cn ä^)otto fd^mebt gleid^fam, ol^ne bie (Srbe mit 
ber gußfol^lc gu berül^rcn". 

3P nun bie Sergöttlid^ung ber STOenf^ngcfialt Sereinfad^ung: fo feiert 
ja bie 3:]^corie in il^rem fu^jranaturafifiifd^cn (gnbc gu i^rem raumfi^=Iinearen 
«nfang gurftdt. ,,SBiB man t)on ben gelben gu ben Oöttern l^inauffieigen^ 
fo gefd^iel^t biefeö mel^r bur(^ Sftncl^men att burd^ Bufefcen, b. l bur«^ 
fiufenttjeife Sftfonberung beöjenigen, »a^ cdfigt unb oon ber Siatur felbfl 
flar! angebeutet »orbcn, bi« bie gform bergeflalt oerfeinert iji, bag nur 
aOein ber ©eifl in berfelben gewirft gu l^aben fd^cmt". 

Son ben Sngeln^ifl nur nod^ ein Schritt gu ®ott, unb fo oerfleigt 
fi^ benn aud^ SBindfcImannd ®ebanfe, 'pbxto unb Biotin na^Kimnienb, ,,mit 



§ 124. @(^iug. 175 

ißetroc^tung ber t)on ©ott aii6flie|enben unb ju ®ctt jurUdfai^renben ©c^Bn- 
l^eit befd^Sftigt", jule^t }U bem ®a$: ,,btc ^M^ftz (Sd^önl^ett t|l in ®ott, 
unb bev Segrtff ber menf^ßc^en @(^5n]^eit kottb t>o(IIommen, je gcmS|er unb 
üBeretnfHmmenbet berfelBe mit bem l^öd^jlen Sßefen fann gebadet n>etben, 
n>elf^ed un^ ber Segriff ber (Sinl^eit unb Untl^eilBarleit t)on bet 
ERatctie unterfc^eibct S)iefcr Segriff ber ©^önl^cit ifi »ie ein au« ber 
SWatcrie burd^ö gcuer gcjogenet ©eifl, todä^tx p^ fu(!^t ein ®cf(i^Bj)f ju ct= 
}eugen no«^ bem (SBenBilb ber im Serftanb ber ©ottl^eit entmorfenen erfien 
vernünftigen Sreatur.^' (Er nennt bie ©d^önl^eit auii ,,ben l^öd^fien Sor- 
»urf nac^ ber ©ottl^eit". 

3ft nömlic^ bie ©ottl^eit mäf ^btin« Seigre bie ffMfftt (Sinl^eit, fönnte 
man fic^ in il^r bie ganje SRanni^faltigleit n)cltli(!^er S3efen üerfc^molgen 
benfen, »ie fic ja nur ein Ucberjkömen il^rer ^i\tic finb: fo liege fic^ nad^ 
jener (Definition ber ©ci^ßnl^eit bem ©afe tool^I ein ©inn aBgcn^innen, ,,bag 
bie J^oc^fle ©c^Bnl^cit in ®ott fei". (Sin Änalogon Bietet unö SBindtelmann 
in einem S3erg,Iei(^. ^^Soiroie bie ©eclc al6 ein einfa^e« SBefcn, tiefe toer= 
fd^iebene Segriffe auf einmal unb in einem ÄugcnBlirfe ]^ert>orBringt, ebenfo 
ijl e« aud^ mit bem fd^öncn jugenblici^en Umriffe, toc^er einfad^ fc^eint unb 
unenblid^ tjerfd^iebene äBttjei(^ungen auf einmal l^at". „3d^ fc^Iwg/ fögt er, 
meine Äugen niebcr wr biefer (KnB.ilbttrig (nomlid^ bie Sd^önl^cit, n^eld^e beii 
großen ftünfifern erfd^ien, gefc^aut ju l^aBcn), tt)ie bicjenigen, bencn ber 
^öd^fle gegennjärtig erfc^icncn njar, n>eil id^ biefen in jener ju erBIidfen 
gloubte. 3^ errötl^ete jugfcic^ üBer meine 3^^^^^^^ ^^^ ^^ erbrcijiet 
l^atte, in bie ©el^cimniffe berfelBen l^ineinjufd^auen unb ton bem l^öd^ftcn 
Segriffe ber SKenf^l^eit ju rcben". 

§ 124. 

(Sraf (Saijluö, ber fonfl n^enig cj^>anfio ifi, Brid^t einmal au« gegen 
bie ©t^flcme, biefe Äranf^eit bc« menf(!^fid^en @tiftt§, l^ertorgcrufen unb 
unterl^alten burd^ f(^ran!enlofe ©cIBfilieBe, unb Bcfc^rciBt bie ®^nH)tome biefer 
firanf^eit in fd^redfenerrcgcnber SBeife. (gr f^)rid^t im ®inn feiner Qtit, 
biefe« ^>]^ilofo^)l^ifd^=anti^)]^ilofoj)]^ifd^en Sal^rl^unbert«, ba« oerjlänbige 5tro(fcn= 
l^eit unb eingefleif^ter 35octrinari«mu« forttoäl^renb anreijte, ©tffteme au«^ 
unb fi(^ in bicfelSen einjuf^)innen, »al^renb bod^ feine ffe^)tif(^e UnBcjtänbigfeit, 
ba« SBiberfheBcn gegen jebe (ginf(^rSnfung, ber S)rang nad^ iWcuem immer 
toieber baju trieB jene Sauten nieberjureigen. 

On fflindfelmann« gcifÜger 3(u«rüfiung wax gewiß bie ®aBe ber @^ficm= 
faBrieation feine bei l^eroorragenbfien. S)ie ©^fiemmad^cr, mit bencn er 



176 3^^^ ^^^' ^ ^^ (^^i^^tt Ux iua% 3. ^t^fftm ba @ail)>tur. 

iufommettgetroffen tovc, litten tl^n mirig erbaut, dl^m fel^Itc Uelhtttg, Sfufl 
unb Säl^isf^tt; feine @ebaii!en unb (Sinflc^ten in gotm x>m (Sdftluglctten 
ben üfefent aufjunBtl^igen; aBer il^m fel^lte att<^ jener ^eroi^mu^ freimiiligeT 
Sfinbl^eit gegenftkt ben 2:i^atfa(l^en, bie nk^t in^ (Stfitm paffen. (Sx nxrrc 
nid^t im ©tanbe gen)efen, fu^ ben Sltd tn bie Sreite ber ^nfbvclt, ba9 
^ö)>fen au9 il^tet gülle bvrc^ ein Softem )}ctfftmntem }u laffen. 3)enno<]b, 
ba ja felBft int dnteQectneOen ni^t bieg Senoanbted bod Semanbte anjicl^t, 
fonbem auc^ ©egenfS^e fld^ fnd^n, unb man oft fti^a^t, n>a9 einem ^XDtt 
mtrb ober )>erf agt ifl , f o f e^cn n>tr auc^ SBincf elmann oft ton einem Softem 
rebcn , feinen (B^rgcij im Äuffcau eine« S^flemö ber ®<^5n]^eit , ber alten 
ftunft fu^en. 

Xa^ n>a6 er ju ©tanbc gcBrad^t, Bringt un6 jcneö SoB bcö (gnq)ebocIcfi 
in ben Sinn unb bcffen Bcibe ':}Jrinci^>icn ber Sett)egung, Ärcö unb S[<>l^robite, 
burc^ bie aöc Dinge cnlftanbcn finb. Äu(^ l^ier Bemcrft man fold^e cinanbcr 
entgegcnlaufcnbc Gräfte, einen t>cr!cttenben, Dcrcngcnbcn, au§tro(fnenbcn(S^flcm= 
gcift, unb eine cmjcitcmbc, BcIcBcnbc unb crnäl^renbc ffirfal^rung. Die nä^ftc 
3eit fül^Ite fui^ ftdliif gerabe t>on bcm crjlercn angcjogcn. 

,,3)ie 9totur — bad nxiren etn>a bie Sinflüflerungen be^ (S^ßemgeiflc^ 
-^ fheBt in ber Silbung beö SRenfd^en nad^ einer t>ott!ommenen gorm, bie 
in bem dnteUcct be^ ®d^o))ferd Dorgeseic^nct ifl. %Ber fie fielet fld^ burd^ 
eine n)iberfh:eBenbe SRaterie gel^emmt ; fie lommt il^rem ))laflif c^en UrBilb nur 
flttAueife nal^e. 3lf)x SBerf nimmt auf unb DoÜenbet ber ÜRenfc^engeiß, ber in 
ber fiunft bie äRängel ber 9latur erg&njt, inbem er )>ermittel(l ®cf(!^mad 
unb äBal^I bie in ber 9{atur jerfheuten fd^önfien Steile fammelt unb ein 
t>oU!ommned Sd^öne baraud Bilbet, ba9 dbeal. Die £unfl fd^altet baBei mit 
ber Statur »joßfommcn fcei, in Ircnnen unb ä^f^^wienfe^cn, (gntjiel^en 
unb {»ingufügcn, Dam)>fen unb 99etonen. (Sie com))onirt aud Stttcfen ber 
3nbit>ibuen ein neueö SBcfen. Sie erlauBt flc^ mand^rlei ^txlt ber OBcr= 
fläd^e JU Befeitigen. 3lf)x Zi^nn erfd^eint Weniger cUÜ ®d^en\ benn aU 
SSJcgne^mcn; feine leBengeBenbe Äraft ift t^, fonbem eine formenbe, Begren= 
jcnbe. Sic folgt in ber ä^'^^M^ß ^^ aBfhacten Oefcft einer Siuie, bie in 
berfelBen SBeifc unb aud bemfelBen ©runbe für menfc^lid^e ©lieber unb für 
Safen gültig i{L Sie oermifd^t (Sigenfd^aftcn Dcrfc^iebener l'eBcn^lter unb 
©efd^led^ter^ fie oemjertl^ct formen, bie folgen einer Serflümmlung flnb, 
felBfl tl^icrifd^e (Srinnerungen fügt fie ber mcnfd^lic^en gorm l^inju. Sffxt 
3been unb 3nf)>irationen ooQenbd flammen aud einer gau} anbem %egion 
ate ber 9{atur. Da^ Sd^5ne, bad fie fo gewinnt, ifl (Sine9, n>ie bie ®at= 
tung, n)ic bie dbec bed ÜRenfc^cn im Sd^5))fergeifl, toie bie äBal^rl^ett unb 
bie Sugcnb eine ifl. Der Suhfl ftnb freiließ dnbioibucn, Befonbere, menn 



§ 124. e*lu6. 177 

tatäf jum ^t\l ^>octif^c Scfcn barjufteßcn üfccrgcBcn; unb bicfe 'Jerfornn 
ftnb in uicl^r ober tpcniget aufgeregter ^anblung kgriffcn. äicr 'Jkrfoncn 
unb ^awblung fielet bie Äniifl nur an att ©elegcn^cit, un6 il^re 3beaIform 
.torjitfüJ^rcn, Äufibrud unb (S^aroctcr gefielet fic Sttrgcrreii^t nur ju, fowett 
fie mit ©iä^önl^it fl<!^ tjertragcn. gdbonl^ett fielet über SBal^rl^ctt — befi 
Cl^aractcröv über *2lc]^nlid^fcit — be§ Siftmiffe«, üBcr ?cBcnbig!ctt — ber 
äction. Die ©c^ßnl^cit bie nur Sine \% tfl namlid^ auc^ il^rcr gorm nacfi 
©nfoii^l^ett unb Sinl^eit, b. 1^. Äuflöfung bc§ Sontour« in einen 8inicnflu§, 
jnji^cn bcffen Eurocn fi(i^ feine ©renjcn angeBen laffen. 3)icfe Sinie ifi 
gcinnetrifc^ unBefKntmfcar, aber bod^ fe^r Bcflimmt. Qfebe 8D6tt>ei(i^ung ton 
tl^r würbe ba« reine ix^t ber ©c^onl^eit trüBen, Dal^er flnb Snbimbuatität, 
Gl^aracter, Äffect, unb tt>aö fonfl jur gemeinen Statur geirrt, UeBct tüelAe 
ber ^nfller fomel atö möglich unfd^ablid^ }u ma^en l^at, n)eil fie jene 
®(^nl^eit01inie nur t^ermirren fönnen. @r n^irb fle alfo b&m^fen, auf leife 
Snbeutnngen l^eraBje^en, ober gänslic^ au9f<i^lie|en. 9lux l^te unb ba Bebient 
er fi(^ eineö Bcfd^ibenen ä^f^fe^^ berfelBen, um bie SÄbnotonie bcö ibealcn 
Olt^nq)^ ber menf(j^Ii<i^n (S^froadffftxt ju !BieBe ttma^ mannic^faltiger unb 
intereffanter 3U mod^en. 3(Ber bad l^Bd^ße ift bie (StiQe ber ©ottl^eit, ober 
bie l^eroifd^e 9?ieberfäm^jfung ber inneren Snn>örung. @rajicn, ^arjcn unb 
gurien Bequemen flc^ in ber Äunfl unter berfelBen ©eftalt 3U crfd^cinen; 
eine Sugenb umficibet ÜRänncr, Jünglinge unb ©reife; bie l^ßd^ften Silber 
jlugenbÜcl^en $clbentl^um§ laffen felBfl ben Unterfd^ieb beö ©eft^Iec^t« jn?ci= 
beutig. !Denn au(j^ bie 3tt)ei^eit ber S^önl^eit ber ©efd^Ied^tcr wirb ber 
Cinl^eit bcö SbeaW jum D^>fcr gcBrai^t. 3)cr 2:rium)>l^ ber Äunft ift nidbt, 
»ie eö Biöl^er Bei SÜten unb üKobcrnen l^ieg, ba§ il^re ©eftatten wal^r, 
leBenßt)on, atl^menb, in 8en}egung, gleifc^ unb SUit feien, fonbem ,,n)ic reine 
©eifter unb l^immlifc^e Seelen'^ bie glei(!^ ben milbigen ©öttcm (S^curd in 
i^ren 3ntermunbien, fein ®Iut l^aBen, fonbem ,,glei<j^fam ©Inf', unb unö in 
einen fanftcn Iraum ber Gntjüdung t?erfe<jcn. — 

allein bie Änfd^uung, ber SBIid in bie mirflid^cn tunfhoerfe n>ar Bei 
biefem 9)lanne oiel ju m^tig, att ba§ i^n jeneiJ ®i^flcm l^attc aBl^alten 
lönnen, irgenb etUKiß }u feigen ober irgenb ettoa^ gefel^ened au$}uf^redften. 
Sr mar ba$ gerabc ©egentl^cil berer, n>eld^e i^re ©ebonfcn unb j£l^atfa(i^en 
nur auftreiBen unb jufammenraffen, um il^r ®<!^ema aufzufüllen ; um il^rcm 
fd^nSben 3i^8cIBau ober gac^werf mittelfl Itin^e, ©tttcfjieratl^en ober 3Baffer= 
forBen ein Snfel^en ju geBen. (Sr gel^örte ju ben ^ö^fen, bie jeben ^^ßunft, 
ben fle angreifen, fo leBl^aft ergreifen, ba§ fle jur 3«t bie üBrigen verloren 
3u l^aBen fd^eincn; pe fd^incn bann tjcrgeffen ju l^aBcn, bafe il^m fein 8iaum 
burd^ anbere Befhritten unb Beft^ränft wirb. Sie üBertaffen cö ber gotgc, 
wie er fic^ mit jenen anbcrcn ^JJunften auöeinanberfc^cn werbe, benen fle an 

dttfii» SSintfetinaim. II. 2. 12 



178 3^te9^u<^* II. Die <Se{(^i(^tc bct ßunj). 3. Sleji^it ber @cu()>tur. 

il^tcm Drt bicfclBc ^ingcl&ung n>ibmcn. 2Bai et auc^ t>oxi)at, immer fc^eint 
ex t>or bcm bomintrcnben iSunft bc6 ®anjen ju flehen. 

3a, bie ©^önl^cit ifl ®nc, unb (Sinem l^öc^ftcn, ftc^ immergteid^en Se= 
griff »erben flc^ alle ©eflalten naivem; bic Äfinftler fotten tl^rc Silber öon 
aDen ^»etfönlid^cn Steigungen reinigen; unb je nä^er fle i^rcm Qkl fommen^ 
beflo mcl^r »erben i^re ©efid^tcr unberührt fein »on (Entpfinbung, in gött- 
licher StiOc. 

SCber 3tction ijl ba^ erflc, ba^ jn^eitc unb ba« britte Crforbcrni| in 
bcr fünft, ©(^önl^eit ol^ne «uÄrud ift unbebeutcnb. S)ie fiö^fe ber ©ötter 
finb niAt weniger fcnntlic^ c^aracteriflrt, ate SSilbniffe l^tflürif<i^cr *}Jerfoncn 
fein würben. 

Da^ ©el^eimnig ber ®c^onl^eit liegt in ber Sinie, einem rSumlid^ fag- 
Ii(^en, baö burc^ Silber bom ©eeftranb, au« ber ©la^l^tttte bcranft^aulid^t 
n>irb. 3^r 35Berbe)>rocc6 tft eine Äette t>on SBe(^fcIn bcr ?inien. aber ttst^ 
pc burc^ foÜ^e Sinien l^erborBringt, ift ein til&erfinnlid^« : ,,reine ©eifier unb 
]^immlif(^e Seelen". Sie fällt nic^t unter S^f)l unb SWaafe; unb boc^ fmb 
Proportionen ba6 unerfd^üttcrtic^e ©runbgefeft be« 3beaW unb bie Urfad^e 
M ©emcinfamen in ber alten Sunfi i\^ ju i^rem (SrBfci^en. 

3)ic S'^atur ift im einjelnen über bie iJunft unb tm ganjen, n)enn au(^ 
feiten, il^r gleid^; bie Jlunft nal^ert pc^ bcr SJoHfommcnl^eit, inbem fie ftc^ 
ber SRatur, il)rcm Duell unb Urfprung nSl^crt, unb il^ren eignen Siegeln unb 
Softem in bemfelSen ÜRaaße a6fagt; unb bo(^ Bleibt ba« l^iJi^ftc S^tl ber 
Did^ter in bcr Sitnft: ,,üBer bie Statur erl^abene fiörper" barjufleßen. 

'DHcmanb wußte Keffer aW er, ba§ bie 9Jatur ba« ewig unerreichte 
SKuftcr ber DJad^a^mung ift, bon bem bie Sunjl ba« äuge nid^t abwenben 
fann, ol^ne ju ftraud^eln, bcr gegenüber pe auc^ nac^ i^ren fc^önfien ©rfolgcn 
il^rc S<i^ülcrfd^aft bcfcnnt. «ber cbenf o fcfl ftanb il^m , baß bic Jhinft bem 
menfd^Iid^cn ®eifl unb feinen 3been StuÄrurf teilet, 3bcen wcld^c nic^t auö 
bcr 5Katur ftammen, unb ba§ pc bic 3iaturfonncn wie Xßne jufammenbid^tet 
ju Schöpfungen, bon benen p(^ cbcnfaDö feine Criginate in ber 3tatur 
pnben. 

So näl^ert er pd^ feinem ®cgenftanb bon aDcn Seiten, -aebc Slnpd^t 
bcffelbcn fommt ju il^rcm JRed^t, bie räumlic^.-pnnßt^e, bie mat]^cmatif(^=mc6= 
bare, bie ibcal=)>oetifd^c, bie pttli(!^c, bic m^pif(^e, bie naturaliftifc^e unb bie 
l^iporifd^c. S)cnno<^ bleibt ba« ©cftt^l, ba§ no(^ ein uncrfannter 9iep 
übrig ip, baß alle biefe Segriffe unb Silber jufammcn ben ©cgcnPanb ni^t 
bedcn. !lenn bic Äunp ip ein Unenblid^c«. Sie bleibt eine« ber großen 
®e]^eimniffe bcr Siatur, auf einen matl^ematifc^ bcutliicn Segriff bcrji(^tct er. 

Senc Sage fd^cinen Pc^ fd^wer mitcinanbcr gu »ertragen; aber pc pnb 
nic^t wibcrfprcc^enber att lieben unb Sunp fclbp, bic, wie pe im Sd^affen alle 



§ 124. ^ö^m. 179 

^tilt bei m€nf<i^üd^cn SRatut Bcfc^äftigt, fo au^ mit SBcifieugcn oßcr Art 
begriffen »erben mu§. 

ÜDa^ aber^ bem SBincfelmann eigentlich jufirebte^ toar bte 6t!enntntg 
griccj^ifd^er $IafHf. 2)er ©egenftanb »ai il^m fester 3^*f ^^" P<^ ^^ 
jeber ^qiel^ung^ geniegenb roit erlennenb, nal^e gu bringen. SlUe eigentl^ftm- 
liefen 3^8^ f^^^^^ ^^^^^ 0^^ 93ei>b(ui^tnngen griet^ifd^er ^nfl entf))Tungen; 
unb beöl^aft ip biefe Seigre fo geeignet, unö auf beten Sl^aractcriffica unb 
©el^eimniffe aufmerffani ju machen. S)ie SRid^tung il^ter l^öd^flcn etfinberifd^en 
Äraft auf ©ötter, ibeate, übetntenfd^Üc^c SSJefcn; jene Scrmäl^Iung ber Sc* 
gciftcruttg für fmnlid^ fd^öne gotmen mit teligiöfer änba(i^t;-bie Sbealität, 
bem gric(^ifd^en ©inn fftr ^tmonifd^e ©angl^eit beö ?eBenÖ im ©egenfa^ ju 
banaupfd^er ©nfeitigfeit fo öcttt?anbtj baö ton ben Sieuetcn oft beneibetc 
5Raturgefti]^l; gegrünbet auf bie fd^dnfie SWenfd^enart unb bie reid^fie ®e= 
legcnl^eit ber ®eobad^tung; bie ^)l^ilofoj)]^ifd^e Sefonnenl^eit beim Setreten be« 
ftürmifd^en ©cbiet« beö Seelenleben^; enbU(^ bie ?inie — bie fo oftbie8e= 
»unbetung, bo^ ©tubium unb bie.33ctjtt)eiflung neuerer Silb^uer getoefcn ifl 
— ba^ afle« n?arcn gricc^ifc^c 3^8^^ ^^^ ^^^ SBindfcImann freiließ mit bem 
anf<)ru(!^ ber afHgemeingttltigfeit oufgcftcttt würben. 



IV. {)iftoHf(»er erteil. . 

gafl aflcö tt)orauf ber ©efd^id^tfc^reibcr SSSert^ fegte, »oö er ^ufammcn^* 
l^ängenbed über £unft gebac^t, n>ar in ben f^ftematifc^en l^^til gelommen^ 
aber nun tonnte er fld^ ber ^flid^t nid^t entjiel^en, bie eigentliche ®cf(^ic^te 
ber ftunfl nac^gul^ofcn, biefcr ßulturerfd^einung am gaben ber 3^^^ ^^^ 
Anfang be« SHtertl^umö biö gu beffen Untergang nad^gugel^n. 3^^^ ^^'^ *^ic 
fiunft ber ©ried^en feine ,,t)ornel^fte abfielt", aber eine Äun^gefd^it^te bc* 
,,aUert^mÖ" tonnte ftd^ au^fül^rfid^e „Sttirfe" »on äegij))tem, ^l^önidem, 
:^rfem, $>etruriem u. a. nic^t erlaffen. greilic^ l^otte er t>on ber Äunfl 
biefer Stationen ntd^t ml gu ergal^fen: ber £)rient n^ar nod^ ein unentbecfte^ 
8anb; oon ben äeg^^>tem (roo er nod^ am beflen »erfel^en nnir), lagen il^m 
nur n?cnigc, \d)on in alten 3riten nat^ 9tom tjerfd^Iagene arbeiten t>or; bad 
SKÖ) l^etrurifd^er fünft mar t>em)irrt burc^ ba6 altert]^ümrid^=gric<^ifd^e; oon 
^erfien n)u§te er nur auö Sieifebefd^reibungen; »on manchen anbem Äunfl* 
üölfcm, bie feit einigen Oal^rjcl^ten ein fo anfianbige^ Territorium in unferer 
ffiiffenfd^aft be]^u<>tcn: »on ben tljf^rern, näheren Sorläufem ber $eKenen 
ate bie äeg^tcr, oon ben ber Äunft Sfttica'« fo »crtoanbten Syriern (ton 

12* 



Onbicn ju fci^mctgcn), l^at Sindclraaun niii^t einmal bic-SRantcn. — SBorum 
fc^ricB er alfo ükr bic Sunfi bc§ Orient«? — (£« giebt S33er!c, bic, im 
©cfttl^l aBncl^menbcn 3ntcrcffc«, öon einer "Ikriobc bcr gorfd^ung bcn 
(Salbo gleiten, fie für bcn @tixauäf bcr onbem Dingen p<i^ jutoenbenbcn 
SKUs ober 9iad^n)elt abf (i^tic^en ) unb eö giebt SStic^er, bie, ein änfruf an bie 
3u!unft, eBenfoüiel *]JroBIcme ftcllcn unb uncrforfd^tc ©treden aBgrcnjen, aI6 
Sntbedungen mittl^cilen. $eute jeigt ein 93Ii(f anf bad äBindelmann'fc^c 2Bcrf, 
bie erflaunlid^e SJcrmel^rung unfcrcr änfc^auungen unb tenntniffc im Sauf bc5 
nac!^ il^m »erfloffenen Saculum«: aBcr wttrbcn »ir ol^ne jene erfle, fill^ne 
Goloniflrung bieg reiche ?anb unjer nennen? — 

3)iefc ©efc^id^tc jicl^t in bcm 39u(!^ etmafi jerriffen. 3)cr Orient n)irb 
im erflen Sl^eit untergeBrat^t, »eil l^ier bie Scfd^rciBung be« Stitt ^anpU 
\aäft toar unb bcr äg^|)tif(^e bem gried^ifc^en t>oraufging; inbem er ju ®riecBen= 
lanb üBergel^t, tritt bie (Srjäl^lung jurtid T>or bem Softem. Sie äuBetc 
@cfc^i(^te ber gried^ifci^n, i^re UeBerfiebclung nac^ -Slüm unb il^r gortlcBen 
bafetBfi fußt ben jttjcitcn $auj)tt]^cil be« SBerK, ,,bie fiunft na^ bcn äußeren 
Umfit&nben"; bie altrömifc^e Äunfi cnblid^ (Bi« gum gott SKacebonienö) folgt 
onl^ang^cife l^intcr bem Softem am 6nbe be« erflen Il^eite. 



§ 125. 

Son ber c^unft unter bcn äeg^^)tern 

fd^ricB SBincfcImann, att man t>on il^rcr Sauhinfl unb SRalcrei nod^ !aum 
eine äl^nung l^ottc, bicrjig 3a]^re i>or bcr Offenbarung jener SBunbenoclt 
burd^ bie frangöftfil^e (Ejp^ebition. S)o(i^ fonnte man fidf in 9iom (unb in 
8lom allein) feit einigen 3al^ren »enigftcnö bom ®til il^rcr ^lafii! ein 
gicmlic^ beutlic^eö Silb oerfc^ffcn, ja felBft bon ben menigcn Siüanccn, bic 
jener ®tU erlcBt. 3m Saläre 1748 l^attc »encbict XIV auf Seranlaffung 
eine« tetd^en i$unbd in bem fogenannten Sanc:pud bcr tiBurtinifd^en StUa 
einen Sg^^)tifd^n ©aal im Orbgcfc^og beß 6ai)itolmufeum« gegrünbet, unb 
cBenfatt« 6anoi>u8 getauft. S§ toar baß 3immer am ßflG(^cn ©nbe be§ 
«trio, in »e%m je^t bcr ßamiffu«, baö ^fcrb unb anbere 93ronäcn ftel^cn. 
®<^on öor biefer entbcdung neuSg^^tifd^cr ÄrBcitcn ^abrian'fc^er 3eit 
Tlll^mte fic^ bofi 6ai)itol einiger n)cit toflBarcren, altäg^j)tifc^en SBerfe, bic 
, nad^ gicoroni'ö 9totij im Siofyct 1714 in ber Signa ber Scrof^)i in bcn 
alten faIufUf(^en ©orten gefunben unb gleid^ Don Slemen« XI angelauft 
toorben nnircn. ^xm baten, 3Rn)ea, bie !B{ut!ier St^amfeß III oon fc^margem, 
unb eine )>tolemäifd^e dftd ton rotl^cm ©ranit, flanben gleid^ am (Singaa^ 
Ott« bcr Sorl^aHc beö aKufeumö in ben Eortite; gn?ei anbere, ^^toömäu« ^llSffU 



§ 125. ggon b€T Äunfl unter bcn Slegi^^jteni. 181 

lobclp^« unb ärfinoe l^attc ber "ßabfl int ^of bc^ (SonfeTüatorcn^3aIaflö, ju 
bcn @«itcn ber Siotna, ncBcn bcn gefangenen norbif(i^cn fiönigcn, in 6c= 
bcutung6i>ollcr ®TiH)<)irung aufrid^tcn laffcn. 3)aö Scn>itol vereinigte alfi> 
bamate (unb Bio jur ©rttnbung bcö ©rcgorianumö im SJaticait im ^al^rc 
183S, n?o eö feincö Cono^ju« berauBt tünrbe) aßc ^Jl^afen äg^j)tif(^er ®cutj)tur 
in lel^rreic^cTt Sjccm^jlaren. 

2lud; fonfl fa)^ man in 9tom arbeiten bicfer 3Jation, j. S. im ^Jalaji 
Sarbcrini, au« bem ber Jl^otl^ Jri^mcgiflo« nad^ 5WüncJ^en !am ; ba« SKufcum 
Siolanbi SKagnini tt)irb oft citirt. Der Sarbinal älbani tt)oBte cBcnfaßö 
feinen ßano^?ug l^aBen. Der 9iaum, in ben man auß bem ÜKittcIbogen bc3 
Semicircolo tritt, bie ^atte mit bcn jnjci fd^malcn gtügcln cor ber ©aDeric 
bc« Gaff ecl^auf e6 , toar cinfl ber ßanojjuö ber SSifla. ©u Sl^cil il^re« 
Smoentar« njanberte Bei ber fran3öflf(^en "^Slünberung nati^ ^^Jari«, unb fj)äter 
nacf) SKünc^cn, barunter ber coloffale Äntinou« üon rosso, $oruö, mel^rerc 
©^)]^in^e unb 'ISricjicr, ?lBcr bie Beiben njcrt^boöften, altäg^^)tifd^en SSBerfe 
— bie fc^tt)aiqe ©ranitjtatuc ber Oöttin "ißafd^t auö ©efoftri«' ^6X, unb 
Äijnig 3tmaft« fmb nod^ l^eute in ber SJiHa ^u feigen. 

ikz S<j^lüffe, »eld^e SBindfclmann au« biefcn ^tvj^tx^ auf bcn altäg^^)- 
tifd^cn Stil ma<^te, gingen barauf, baß bicfer Stil eine gcfe^Iic^e Scfcfiigung, 
ja ffirjiarrung ber erflen '^l^afc bc« alten Stil« unb feiner gcrablinigen 
ÜRanier gctoefen fei. Sr l^ielt il^r Sijftem für fo ftreng, ,,ba6 man jcbe« 
cingcinc aBgcBroc^cne Sl^cil einer ©tatuc unterfd^eiben unb fageu fönne, 
oB e« äg^^Jtifc^ ober gried^ifc^ fei. 6in Silbl^aucr jcigte mir einen ©d^cnfcl 
ncBft bem tnie einer fnicnben gigur t>on grtinfi(i^em ^ Safalt ate eine 
ägk^^tifcbc %rBeit; id^ Ben)ie« il^m aber au« bcn au«gebrücften ^o(^n unb 
Änorj)eln be« Änie«, baß e« ol^ngead^tet be« äg^^>tifd^cn Stein« eine gricc^ifc^e 
«rbcit fei". 

Die Urfad^en biefe« Stittflanb«, bicfer ©cIBftecrBannung in ben äußeren 
35or^of be« 2:em))el« ber ©d^onl^eit, l^at ber ®cf(^i(^tfd^reiBcr mit gleiß 
äu^ammcngcfud^t. 3n crflcr ?inie ftcl^t ba« ftreng confcrt>atibc SBcfen il^rcr 
Sultur in«gcfammt. ' ,,31^re ©efe^c f^ränften bcn ®cifi auf bie Bloße 9Zad^= 
folge ber SJorfal^rcn ein unb untcrfagtcn il^ncn aöc Sßcuerungcn; fl^ Bcjianbcn 
auf fhcngcr Befolgung ber uralten Sultu«anorbnungen. . . Der äbfc^eu 
gegen alle fremben, fonbcrlid^ gricc^ifd^en ©ebräud^c mußte il^rc ÄttnfHcr fcl^r 
gleid^gültig gegen bie Äunjl unter anbem 9?8lfern mad^en; biefe« l^emmte 
ben ?auf ber SBiffeufd^aft fotool^l al« ber S^nft". ®n fo oornel^me« ©tütf 
ber .^unjl n)ie bie änatomie fel^lte il^ncn gang: bie GS^rfurd^t »or ben Ser= 
Porbcnen ocrbot il^nen biefe« ©tubium. 

«ud^ bie ^Taflc brücfte bie Ätinftler l^erab. „31^rc Äünftlcr »aren bcn 



182 3n>«ted 8u4. II. 'S>k ^äfiäftt ber Stnnft. 4. ^fiotifc^ X^l 

^anbtDerfetn gletd^ unb ju bem niebrigfien (Stanb gered^net. . . Sd tval^Ite 
f\6) 9ltemanb bte ^unfl aud eingq>flan}ter Steigung, unb aud be^onberem 
Antriebe, fonbcrn ber ®o^n folgte . . . ber ?eBen^rt fetneö Sotcr«, unb 
einer fe^te ben Sug in bte ^pnx bed anbeTn, fobag nicmanb fc^etnt einen 
gu6t<q)fen gelajfen ju l^aBen, n)elc^er btffen eigener l^etßen tonnte, ^olgli«^ 
fann eö feine üerfc^icbenen Schuten ber Äunfl in äcg^j)tcn gegebeji ^Ben. 
3n folc^er SSerfaffung tonnten bie S-ünjHer toeber ßrjiel^ung nod^ Umjlänbe 
l^aBen, bie fä^ig toaren, il^ren ®cift ju erl^cben, fi(^ in baö $>o]^c ber ffunfl 
JU »agcn: e^ tt>aren aud^ »eber Sorjtige noc^ ßl^re fürbiefetten ju l^offen, 
»enn fie etttjafi augerorbentlic^cö ]^en>orgcBra(^t litten. Tai ÜReifient ber 
äg^^)tifc^cn Statuen tommt .bal^cr ba6 SBort Sifbl^auer in feiner eigentlichen 
erflen SÖebeutung ju". 

aber bie ^emmung^urfaci^en UKircn nic^t Blog gefcttfd^aftlic^er 2lrt. ;,^ie 
Silbung il;rer Söri>er l^atte nic^t bicjenigen Sorjtige, bie ben fiünftler burc^ 
Obeen l^ol^er ©c^önl^cit rcijen tonnte". Sr nennt pe ,,eine Sfrt fmcfifc^er 
Oeftaltung", bie aud^ jcbe äRannid^faltigfeit auöfd^to^. ^^t biefe« Zt^pn^ 
feien: ^)latte unb fd^räg gezogene äugen, plattt Sfugenfnoc^cn, flarf angc^ 
beutete unb crl^oBcne Sadfenfnoc^en , flcinli^eö Sinn unb baburc^ unt)ott= 
tommcnc^ Dt>al, ber S<^nitt bcö SRunbe^ unb ber (Sd^lug ber ?i^)^>cn aufr 
roärtö gcjogcn; bie Dt;ren Ijöl^crflcl^enb aW bie 9Jafe, bie ^änbe tt)ic an 
aßenfd^cn, bie nid^t llBelgcBitbcte ^anbe »crborBcn ober ücmad^läffigt l^aben, 
^)latte ijöfec; — ein Sitb ba^, bur(^ })artciifd^c Gonfrontation mit bem 
gried^if(i^cn Sbeal gcn?onnen, jenem f erlaufen, männlid^en 'X\)pvi9 fiioerlid^ 
gerecht toirb. 

9Jod^ in anbercif Scjicl^ungcn fott im SHltl^al feine ber Äunjl gtinjlige 
?uft gcl^crrfd^t l^aBcn. Sie feien ein Solf gemefcn, „todifc^ jur guft unb 
fjreube nid^t erfc^affcn f(^icn". (Sine falfc^ gclcfcne ^tilt StraBo'6 berteitct 
il^n JU ber 8cl^au^)tung (Bei ber il^m bod^ fogleic^ Bange n?UTrt)c), baß bie 
aWufi! in Slcg^})ten ni(^t gcüBt njorben fei! Sie l^ätten alfo ,,burd^ heftige 
aKittel bte SinBilbungöfraft ju erl^iftcn unb ben ®eifl ju ermuntern gcfuc^t" 
•mic $ume bie SScrrticfttjeiten ber "ißuritaner nic^t üBcl au^ ber S?erBannung 
be8 äußeren ßultuögei)rängc^ aBleitetc). „^f)x Xcnttn ging bafi 9tatttrli(^e 
üorBci unb Befc^äftigte fid6 mit bem ©cl^cimnißboöen. 31^re 3)teland^olie 
Brachte bie crftcn ßrcmitcn ^ertjor". 

(£nbli(^ „tonnten fte gar nic^t ol^nc fiönig leBen" ! Xa nun ein unum= 
f(^ran!ter $err auc^ bie C^rc ber Statuen mit Siiemajibem in feinem Solfe 
tl^eilt, fo tonnte bie Äunfl au8 bem Bürgerlid^en ?eBen n?enig 9tu|cn unb 
SJad^öt^m em)jfangcn : „\it Befianb mel^rentl^eitö auf bie Sieligion ; il^r ®eifl 
toar burc^ ?IBcrglauBen an angenommene ©eflatten geBunben, il^rc Segriffe 
eingefd^ränft". 



§ 125. iSon ber jhinfl unter ben 9[eg^^tem. 183 

9lur in bcr Icd^ni! tt>aren fic fd^r^wett: ^.attc gtgurcn fmb mit uncnb= 
Itd^ent %ltx^t geenbigt, geglättet unb gefd^liffen, unb ed tft hine cinjige mit 
bem Biogen Sifen . t>oUig geenbigt, n)€tl auf biefem SBege bem ©ro^ntt unb 
83afalt feine glatte gläd^c 3U gcBen n>ar". (£t Bemcrftc an jnjci DBcti^fen, 
bem SarBerinVfd^cn unb bem ber ®onne, bic bamaK nod^ am 93oben lagen, 
bag bie giguren an ber @j)i^c tuie für baö ©el^en au« bcr klaffe auös 
gefttl^rt toaren. — 

Sine innere S3en)egung bermoc^te SBincfelmann in ben il^m oorliegenben 
9teflen nid^t 3U cntbecfen; bie 9lüancen bie er nxil^mal^m, nxtren bem l[eg^))= 
tifd^en burc^ ben ^eUeni^mu« bon augen aufgebrängt tDorben. !Die erfle 
3eit l^aBe gcbauert Bio auf bie (SroBerung be« SamBl^fe«, bie }n>eite; folange 
(SingeBorene unter ^)erfifc^ = grie<^if(^cn Stegenten arBeiteten; — l^ierl^cr feftt 
er, ttKgcn il^rer gracifirenben gorm, bic Beiben 3fiö üon f(i^tt)arjem Safalt 
(6a)>it. SRuf. 78 unb 80). 3Bogegen bie 97ad^a]^mungen ag^))tif(^cr SSerfe 
— bic genauen unb bic griec^ifd^c« mit ägif\)tifd^cm bcrmifc^cnben — t>er= 
mutl^lic^ fämmtlid^ unter ^brian gemoci^t feien. ,,!Z)ad ©anje l^at eine 
äg^l)tif4c ©cftalt^ aBer bie Jl^cile l^aBcn nic^t og^^>tif(^c gorm ; bic 33rufi ifl 
nid^t platt, fonbcrn mächtig unb l^clbcnmägig crl^aBcn"; er jäl^lt bicjcnigcn 
9Ru9(eln unb ^od^en auf, n>eld^c, gegen bic alte ©a^ung, im etn}elnen 
angegcBcn jtnb. 3)er SRarmcrantinou« im Sa))itol, bie Beiben ©tatucn bon 
rötl^lic^cm ®ranit bcr bem ^^Jalafl beö Sifc^ofö oon Üiboli, baö Siclicf eine« 
£)^)fcrjug« im $of SWattet, — 3äJerfc, bic Bi« bal^in für altäg^tifd^c gegolten, 
l^at S33in(fclmann bicfcr faiferlic^cn neu Sg^^)tifc^en Äunfl juge^iefen. 

Auf biefe brei Stüanccn gcl^t bcr SScrgleic^ ber Äunfi mit il^rem Sanbc, 
„einer großen oeröbctcn fiBcnc, toeld^c man aBer oon jmci ober brei l^ol^cn 
Jl^ürmcn üBerfel^cn lönne"; mäl^rcnb bie Äunfl ber ©ricAcn gleich il^rcm 
gcBirgigen Sanbc nid^t ju üBerfcl;en fei. 

aSBindclmann Bemcrftc üBtigenö, ba§ jene UnBcn>egli(l^feit nid^t fo fel^r 
bem Ungefii^icf il^rcr ^nftlcr jujufd^rciBcn fei, att einer fj)ccieff für Statuen 
gcltcnbcn 5Rcgel. 2ln OBcliöfcn nämlid^ unb auf anbem SBcrfen fel^c man, 
bafi fic iBren giguren auc^ ^anblung gcBcn fonnten. Unb bie SWalercicn 
(bic SEßincfelmann nid^t fannte, n)ic er aud^ il^rer reliefs en creux nid^t 
crtt)a]^nt) ^Ben biefe ©eoBad^tung Beflätigt: üBcrrafd^cnb ift il^r Slirf für 
rafd^c Semcgungcn, il^re UnBcfangcnl^cit in bereu äuffaffung. äud^ Bcmcrft 
er, baß bic SJilbung bcr äcg^})tcr auf bie ©rofel^cit ging, glauBt aBer, baß 
i^nen bic ©rajic unb bafi 9Walerifc^e gcfcl^lt l^aBc. Snblic^ ift il^m il^rc 
aReiftcrf(^af t in Sil^icrfiguren nid^t entgangen ; in biefcn, meint er, l^ättcn fic 
mc^r grci^eit gel^aBt pd^ ju jcigcn. ®tefc ^SKctflcrfc^aft Berul^t auf il^rcm 
©iun für ba« ©cfeftmaBigc, Gonftantc in «uffaffung bc« I^ift^cn jcbcr «rt, 
befi etl^nologifc^cn unb bc8 animalifc^cn, »al^rcnb ftc fic^ \pxiSt)t unb unju= 



gänglt^ Setgtcn gcßcnliBcr bcm 3nbiüibucttcn, Scclifc^n. 3^rc SWift!äfcr 
finb ntc^t mentgct grogartig mobeUtrt tok jene Sömen ber do^^itofötre))^^ 
ber Montana gelice unb bcr 33ifla 23orgl^cfe. Sefttcre nennt SBtncfelmann 
,,mit üicicm ScrftänbniB, mit einer jierlic^cn ÜKönm<i^faItigfcit fanft afe 
tcnfcnber Umriffc unb flttffig unterbrochener H^eile gcörbeitct. 3)ie großen 
Umbrel^er, n>e^e an ben menfd^Iic^ett Figuren unbeftttnmt übergangen ftnb^ 
erfc^einen an ben Spieren, nebfi bcr Siöl^rc bcr Sd^enfcl unb anbcren ®e= 
beincn, mit nac^brttcfliil^cr 3icrti(!^!eit au^gcffil^rt". — 

2Benn bte Sunfl ä(Itäg^))ten^ einer meitcn Sbene glid^, fo toartn bie 
(Sano))u6 bed Ca)3ttotö unb ber SiOa 3llbani feine ^^^ramiben, oon benen 
man biefc6 ©efilbc ^ttc ttberfel^cn fönnen, einö ber tm<)ofantejlen S(!^au= 
fj)ietc unter benen, »cld^e SWcnfc^enl^anb il^rcn Ur)>rung üerbanfcn. 9iät^fel= 
l^aft, Io%riffen flanben bicfe bunWfarbigcn aSJerfe. ba, tt>ie bie ßbeli^fcn 
römifd^cr "^läftc mit il^rcn §icrogIi?^)]^cn , neben bcm ' in mcl^r aW einem 
©inn bfcnbenben ixi^t gricd^ifc^cr aWarmore. Sein äRenfc^ ^ttc noc^ eine 
SD^nung i^on jener uncrfätttiti^en Silbcrlufi, njcld^c bie breiten Ztxx[!pdfiMftn 
mit ber ß^ronif iljreö ganjcn fcbcnö bcbcdtc; »on ber feierli(i^ = ttbertt)äfc 
tigenben SBirfung jener Soloffalftgurcn, bie com Steinrl^^tl^muö ber gelfen- 
bauten 'bcl^crrfc^t fd^eincn, big jum SScrf(^tt)inben jebcr eignen Jßegung; — : 
»jon bem ge]^cimni|t)otten SinHang cnblic^ .mit ber tro^jifd^en unb Tbcfonbcrcn 
Statur be« Sanbc«, idcIc^c bicfc Obcli^fen, Säulen, ®j)l^injc unb ^ß^ramiben 
nid^t weniger tt)ie bie ^]Jalmen, bie Lotosblumen, ben 9HI unb bie SBüfte 
gef(!^affcn ju l^aben fd^eint.. 

Xoi^ tt)ar äBindelmann ju fel^r ©rieche unb Unitarier ber Sc^ßnl^eit, 
aK ba§ er aurf; bann ?leg^^>ten gegenüber ben rein gefc^id^tlid^en Jon ge= 
funben l^ätte. (Sx fd^eint anjune^men, bie aufgäbe ber Sl^aracterifüf fei, 
auöcinanbcrjufctjcn, baß bie äeg^^)tcr feine ^ettencn toarcn, unb toarum fic 
feine §cflcncn n?crben fonntcn. ©ein 58ilb bicfer morgenlänbifc^cn SBclt 
liefert (tüie t)on bcr anbcren Seite l^er baö SRobcmc) bie notl;igen Sd^ttcn= 
^Kirtien für feine SieblingSfunft. ßr l^at jucrft ben S3cgriff beS Drienta= 
lift^cn umfc^ricben: bie flarre Unbemeglid^fcit unb Unfreil^cit ber ©aftung; 
bie aßirfung bcö !Def^)oti8muS unb bcr fajl auSfc^lieglic^ rcligüjfen Seftimmung 
ber Äunfl; il^re 5?eigung ju Si^mbolif unb Siätl^fcl; baß Sefongcnblciben 
ber Snnft im Sann bc6 §anbn)crfö. 

§ 126. 

35on ber Snnft unter ben "ß^öniciern unb "iPcrfern 

nmgtc ber Ocfd^ic^tfdftrciber „außer l^iporifd^cn 5Zad^ric^ten unb einigen allge= 
meinen Sln^eigen nichts beftimmte« ju fagcn", auc^ ^cgt er „tt?enig Hoffnung 



§ 126. ©on ber Äunfl unter ttn ^^Snicicrn unb Werfern. 185 

ju ffintbcdtungcn grofecr unb bctracl^tü(j^cr 2öcr!c bcr Sitbl^aucrci, auö tücld^cn 
incl^r Sic^t unb ^enntnife ju fc^öpfcit märe". Slbct ba er einmal bicfcn 
SSßlfcrn il^TC SRubrif in feinen Goßectanecn angefefet l^atte, fo fonntc et fid^ 
nid^t cntl^altcn, bic nad^ unb nad^ cingcloufencn 9?otigen ju einem So^jitcl 
5U geflalten. Dicfe Siotigcn tonnten tücnigflenö ju SJerrautl^ungcn führen 
über natürlich unb gcfeflfc^aftlic^ Urfad^en bct görberung ober ^mmung 
ber Sünflc bei jenen Orientalen. 

Srgcbenftber reijenben Äüfien, »cld^c bie "^l^ßnicict betüol^nten, be6 
immer gfeid^n $immeW Sartl^ago*^, ber ©c^ön^eit bct (SopffomSbz, ^a^- 
brubolfi Sod^ter, bc^ 3iamenö jene« SJolfÖ in Äriegös uub griebcn^geft^oftcn, 
il^rcr Spronomic unb Siec^enfunft, tor allem il^rcr Srftnbungen. @ie bauten 
®alomo'0 Ztvxpd unb Äönig^I;auÖ. Sf)x $anbel führte bie arbeiten^ fon= 
bcrlid^ in aKctaD, il^ret ÄünfHer burd^ alle SBelt, eö tijaren fold^e arbeiten, 
„bie aßent^albcn gefallen fönnen". Aber bie Sartl^ager SKUnjen, ba6 einjige 
»aö SBindtelmonn »Jon SSBerfen ^)]^onicifc^cr $anb toorlag, bie jel^n SWtinjen 
i>on Valencia im florentiner SRufeum unb bie ftcilifd^en mit ^)unifd^er Sd^rift 
— nad^ benen, aW tjon griec^ifd^en Ho^ burdf^ bicfe ©d^rift unterfd^ieben, bie 
Sartl^ager ,,3icrlic^fcit unb (Sinl^eit ber älrbeit" gefud^t l^aben^foßen — finb . 
SBerfe gried^if(^cr ®tenn>elfd^neiber. 

SJon ben Ouben glaubt er, mit SJcrufung auf ©caliger*^ Semerfung, 
„bafe fid^ feine 3uben mit ge})lctfd^ter 9fafc finbcn, ba^ il^re ^ilbung, toie 
bic ber "^^onicier, ju fd^onen Sbecn gefd^idft getDefen fei". Slber bie ©ilb= 
l^auerei xoax il^nen unterfagt, njenigjienß bie Silbung ber ©ottl^eit in meufd^= 
tid^er Oeftalt. SBenn man inbeg t)on taufenb ^nftlem in eingelegter arbeit 
tieft,, bie 3icbucabnejar tt)eggefd^le))^>t, fo mug mau annel^men, ba§ jle tro^ 
be§ gemeinen fd^led^ten S3egx*iffö ber Äunfi, in 3^^^^*^^fl ^^^ filufllidf^cr 
Arbeit JU einem gcn^iffcn l^ol^en ®rabe geftiegcn feien". 

®o tDarcn aud^ bie ^^Jerfer tool^lgefialtete SWenfd^en, nad^ ä^^gniffen 
unb 3)entmälem con regelmäßiger, ben äbenblSnbem äl^nfid^er »ilbung. 
3)ie ^Kkirt^er fallen bei ^erfoncn, bie ttber anbere gefegt toaren, auf ©d^önl^cit 
in ber %Ncrf on. Slber ba unbefleibete giguren ju bilben, tt)ie eö fd^eint, gegen 
il^re ^Begriffe beö SBo^lflanbö tt)ar, fo »urbc ber l^oc^fle SJorn^urf ber Äunfi, 
bie SJilbung beö ^lacften, üon i^nen nid^t gefuc^t. Sf)x ©otte^bienji n?ar 
ber vtunfl ganj unb gar nic^t tortl^eiC^aft: benn bie ®ötter, glaubten pe, 
Knuten ober bttrften ni^t in menfc^lic^er ©eflalt gebilbet »erben. 3)ie 
SRit^ra^bilber ftnb au6 ber £aifer ^dttn, Aber il^re ^)l^antafKf(^n 5ltigel= 
mefen ober ärimaß^Jcn bcn>eifen, baß baö !l)id^ten unb Silber ber Siubilbung 
]^cn>orbringcn ber fiunfl aud^ unter einem Soße eigen ujar, wo bie ©n= 
bilbung nid^t »jiel ^Zal^rung gel^abt l^at. 



136 S«>tiM 8u4. n. 2)ie ^«i<^te bcr toift 4. {>iflonf4et X^(. 



§ 127. 

Son bcf Äunfl unter bcn ^ctruriern. 

' !Cte etrudcifc^ ^nfit l^at für bte gef<^t(j^tli(^ Setrodbtung mel^r att 
einen 9ictj. Äuger bcm Stat^fcll^af ten — aW faft einzig übriggeBlicBencr Bpux 
bcö nterftüftrbigflen unb bunfclflcn bcr altitolifc^n SoBcr — ifi fic lel^rreic^ 
bur(^ ben 9tefle(, ben fte und t>on ben ScrßeDungen unb Skinblungen 
gried^if(^r ^nß gteBt, in tl^ren 3[nfangcn, n)0 btefe fetBfl no(^ t>on filetnaften 
lernte, unb auf ©trerfen, tt)0 unö erBarmungdtofe 3^^ß^w9 ber Originale 
berauBt 1^ (Enblid^ atö altefled B^^S^i^ italtfc^ ©cniclojtgfeit ki gro§er 
Snei^nung^fS^igfeit. Sie 9etrieBfam!cit bed Bilberfrol^n Sottd (man bcnh 
an bie 2000 sStatuen aud 99oIfena), beffcn Driginalität Domel^mGA auf 
?u|u^rtifel ging, erl^ielt fk^ in fortJoa^renbent SJerfel^r mit jenem f(^ö))ferif(^n 
^unftoolt bcd Ößend : unb aUe jenfeitigen SeiDcgungcn loerfe^ten ed in SRit^ 
f(^n)ingungen. So Begegnet und l^ier im !DunfeI einer fafi loerlornen $olK= 
gefc^ic^te baffelBe S<^auf^iel, tocld^ed und ]paUx bie 9t6mer (biefe orpifiaO^^tg 
alter äunfi) Bei ber grogen SBanberung grie(Bif(J^er fünft noc^ bem SBeflen, 
im l^ettftcn lagedlid^t unb im 3BeItrci(^dma§PaB geBcn. S)icfe Äncignungd= 
fal^igleit gel^t in Siften unb Spiegeln Bid ju SBenBürtigfeit mit ^eÜenifc^r 
3eu^nung ; fonfl frcilid^ fc^eint bie l^eflenifd^e gorm unter itaIif(JBen ^änbcn ju 
locrtoilbem (imbastardito , fagte Stofcb), ober t>on einem irbifc^eren $euer 
ergriffen ju tt>erben. — 

3Sa^ SBincfelmann t>en ]^etrurif6er ^nnft 3U fagen n)eiß, ift freiließ 
bftrftig, unb vaa^ fd^Iimmcr, cd rul^te auf unpd^ercr critifAcr SJafid. Slld er 
bie ©clegenl^eit gcl^aBt l^ättc, in lodcana, ^at er fi(^ offenBar, aBforBirt t)om 
flofc^ifc^en datalog, niiit 3^it genommen, bie bamald cBen t>on ben Strudco- 
logen aufge^uften Jil^cfauren audjuBeutcn, biefe flcinc SunjhDcIt in Storenj, 
Solterra, Sortona ju Befragen. ÜRif tt>iet)iel äRtt^c ^at er ncBcn ben Statuen 
bie ®emmen unb SDtünjcn fitr ben funfll^tftorifc^cn S^fxirat gemonnen; aBer 
Icrracotten unb ©cratl^cn, ®j)iegeln unb S?afen ttKinbte er nur im $orüBer= 
gelten einen Stidt ju : Bei ber (£ile bie zx l^atte, graute i^m t)or einer ÄrBeit, 
n)o ftd^tBare 9tefultate nur ald Summe unenblic^ «vieler unftd^tBarer 3)hnutien, 
atfo mit großem 3^ito^)fer gewonnen tt>erben fonnten. 

SBad bie «ctiologic bcr Äunfl Betrifft, fo fiel Bei bcn ßtrudfcm bie 
^emmungdurfad^e bcd l^cf^otidmud fort: fo eifcrfü(^tig n>arcn fic auf bie 
grei^eit (unter il^rcn SBal^Ifönigcn), unb f große gcinbe bcr ßnigüi^cn fWac^t, 
ba§ lefttcrc il^nen auäf unter t>crBtinbcten 3}öt!cm oerBaßt unb unerträglich 
roar. 3)ie t^rcil^eit, bie *13flcgcrin bcr fittnflc, bcr große ^anbcl ju SBaffcr 
unb JU fanbc, mclc^cr jene Bcfc^Sftigtc unb näf;rtc, muß unter i^ncn eine 



§ 127. fßon ber Jhtnfl unter bm ^tniTtem. 187 

9ia<3^eifcrun8 mit Ätinjilem anbetet SJoIfet cttDcdt l^aBen, fonbctlid^ ba bic 
ÄttnfHet in aßen ftcien (Staaten mel^r noal^tc (SS)xt ju l^offen unb ju etlangen 
l^aBen: in bet ^eil^eit fonnten fie ba^ $au))t etl^eBen. 

SSJarum alfo l^at il^tc fünft Die gricc^ifc^c bcnnoc^ nid^t etretd^? — 
2)ie UtfoAc lag in bet ©emütl^^att bet {»etturict, il^tem meland^olifd^en 
2:enq>etament («gl. § 54) unb ben auß tl^m l^etbotgegangenen ©eBtaud^en. 
ÜDie 92atut aBer unb il^ten (Sinflug auf bie ^nfl gu üBettDinben nxtten bie 
$etturiet nic^t lange genug glücflid^. 

S5Ja« bie SSorftcffung il^tet ©öttet unb gelben Bettifft, fo ^tten fic, 
öctinutl^Iic^ in golgc t)on (Sinctlcil^cit bc« Utfjjtung«, bic niciflen ©öttctBilbet 
mit ben ©tied^cn gemein; et etn>dl^nt bic ©ilbet bet OBetgöttct mit ^^lügeln 
unb mit jBonnetf eilen , tt>oBci aBet üBctatf at(i^aifc^ = gtic^ifc^c SBctfe einge^ 
mengt tDctbcn. Äöc gelben feien fammt il^ten Stamen ben Oticd^n cntlel^nt; 
unb biefe S3ebotjugung ftember bot ben eigenen $ctocn etüött et auö bet 
©nfttl^tung beö gticd^ifd^en &p^ unb »jctglci(^t bic SetBteitung bet fttb= 
ftanjöflfc^en gitctatut im SKittelaltct, „att in bet ^tooenja in gtanfrcid^ bie 
etflen Äomane, obet ^clben= unb ?ieBc«gebid^tc in bet mittleten 3^it gemacht 
toutben, auö »elc^n anbete ©öüet, aud^ felBfl bic 3talicnct, bic irrigen jogcn". 

Son bet tunfi bet 3«i^^w^8 ^^^ gtauBt et, jic fei il^nen »)on ben 
@tic(^en gcBtoci^t tt)otben. Unb alß l^ict bic ctflcn Sctfuc^e, in golgc bet 
Beflänbigcn Enq^ötungen, untctgegangcn ttKitcn, jut Qtit bet botifd^cn aBan= 
betung, Bltt^ten bic Ättnflc in 3talicn : unjäl^Bgc il^tct SBetfc geigen offenBat, 
ba§ fic geatBcitct »otbcn, e^c bic ®tied^en felBji cttua« fötmlid^cö auf= 
tt)cifcn tonnten. 

3)tci Stile il^tct 3«i^w^^9 untctfd^eibet et: ben ältetcn, ben nac^= 
folgenben unb bcnjcnigcn, toclc^ct fu^ butc^ Slad^al^mung bet ©ticc^en in 
Untetitalien üctBcffett l^at. 

Die Sigenfd^aften bcö älteten ©tite flnb ctfllid^ bic getaben Sinien il^tct 
3cic^nung — ba§ bet Umriß fic^ tpcnig fenft unb etl^cBt, n)efi]^alB bic gigutcn 
btinne unb f^)ißenmaBig au^fcl^n — , ncBji bet fleifcn Stellung unb gc= 
jwungcncn b. ^. nic^t natfttlid^en ^anblung il^tct giguten; 3n)citen« bet 
unt)oD!ommcne, bem altgtict^^ifc^cn äl^nlid^c Segtiff bet ©d^önl^cit beö ©efic^t«. 
,,3)ic gotm bet Ä8^)fc ifl ein länglich gejogencö Dbal, treld^eö butc^ ein 
f^)itigc« Äinn flcinlic^ ctf^cint; bic äugen fmb j)latt gcfd^nittcn unb fd^tag 
auftoStt^ gejogen, unb liegen mit ben äugenfnod^cn gleich, unb bet SDtünb 
jie^t fid^ in beffen .SBinfeln cBenfaUö aufmättö". Diefe ©cfu^töfotm, cBenfo 
n)ic bic ®cn>anbung ücttatl^cn „eine angenommene Sitbung obet SDianiet". 

3n bicfcm ctflcn Stil flnb au§et t>ielcn flcincn Stjfigutcn bic Statue 
einet l^o^fd^toangetcn gtou in SJitta 9Rattci, mcDcid^t einet SJotflel^ctin bet 
Sd^UKingctn unb ©cBätctinnen — , mit ^jataßel gefd^loffencn gttfecn. gctnct 



18S S^M eu(^. II Die ©ef^id^te ber ^nft 4. C>iftorifc^ X^L 

baö (ittcftc 33a^rcUcf in SRotn, ton grobfömigcin gricefiifc^cm 2Rannor, ,,bic 
Srjiel^ung beö 99ac(^u9 burd^ Seucotl^ea in $i0a ällbani. £ct <StiI bc^ 
@cn)anbc^ 3cige t>cUigc SRonotonic: baffcIBe fcnne nic^t einfältiger gebac^t 
mcrbcn, bic nur cingcf^nittcnett galten feien n>ie mit einem .^arnm gejogcn. 
lEicfe ^jaraKet laufcnbcn ©nfAnittc, je pm cinanbcr gcnäf^ert, gelten tl^cite 
f(^nurgerabe fcnfrec^t, tl^eitö frttmmcn fie ftd) in fel^r flocken S^ogen. . . I^ic 
$am>tf;aare flnb in fanftgefd^längclten gurcj^en gejegen, über bcr (gtim albcv 
unb ben 2d;Iäfen in rcil^cnmci^ gcorbnete txtppxi^tt iMäftn, SiingcIAcn gelegt". 
Aber biefc^ SBerf, cbcnfo n?ie bie Srjflatue cineö »ermeinten ,,®cttiu«" im 
^aloft 9?crg]^efe „t>on platter 3cici^nung, cl^ne tefonbcrc Sfnbeutung ber ^T^eilc, 
mit gleid^ficl^enben fJüEcn" ifl ar(ftaifd) = griec^ifc^; n?al^renb ber „»ermeinte 
^Jrieflcr" in berfclben »itta \pat arAaiftifc^ ifl. 

,,!riefen erften geraben unb fieifen Stil »erticBen bie etru^cifd^en fiünfller 
unb fud^ten jur SWad^al^mung ber JJatur jurüdjufcl^rcn, fic bcrfeMtcn aber 
ben 2Beg. Icnn fie ttberfd>ritten bie ©renjc unb »erfielen toieberum in 
eine 9Ranicr. liefer Stil ifi burc^ bie ©emtil^ung bebeutenb unb gelehrt 
ju erfdKinen, l^art unb üfcertrieBcn gcn>orben". 6« ifl bieg ber Stil ber 
bi« bal)in unb auc^ in ber gctge für ben cbaracteriftifc^ etru^cifd^en galt 
(S. Seite 263). Sr »crgleid>t;i]^n mit einem rci^enben ©cwäffer, ba^ ungeftihn 
jn)if(i^en fili})^)en über Steine l^infAie^t !renn Steßung, §anblung, Äufibrudf 
unb Bewegung ifl gcn^altfam: „um ben gefud^ten parfen Stuöbrud unb bic 
em^jfinblidje änbeutung ju erl^alten, fcftte man bie gigurcn in Stänbe unb 
^anblungen, tt?»rin fw^ jene^ am pAtbarflen äußern fonnte ; man njäblte ba^ 
@cn>altfame, anflatt ber SRul^e unb Stille, unb bie Sm^)finbung »urbe gtciAfam 
aufgcblafen, unb bi^ an ibrc augerfien ©renjen getrieben", ©emeinfc^aftlic^ 
mit bcm erficn Stil l^at biefer ben SRangel an ©rajie unb bie ge^mungene 
Arbeit an ben ©aaren, 

§icrber reebnet er in bcr crften Aufgabe ncd) ben 8l})off im Saj)itoI 
(T. III, t. 14); einen anberen im 'J.^alafte , Conti, unter Snnocenj XII Sonti 
(1722) auf bem Vorgebirge (Sirceo in ber 9Rarmomifd>e eineö Heincn 
Iem^)clö am Ufer beö fago bi Sorcffa gcfunbcn, ber bei Äblaffung be« 
See'« in« 9)?eer 3um S?orfcbein fam. gemer bie I^iana au« ^l?om^)ci (S. 375) 
unb mebrere bebeutenbe 9ielief«, ben ca^)itolinif(ben 9?runncn mit ben jwolf 
@ottbciten — benn eine bocca di pozzo werbe f(bn?erli<!^ in @rie(benlant) 
gearbeitet fein — , ben großen breiedigen ?tltar ^orgbefe, bie runbe ca^>itormif(l^c 
ara mit ftpoü, SKercur unb Tiana, bic »icrcdige mit ben 3n>clf Arbeiten 
bc« $>ercule« »om 9Kar!t ju Älbano, — njcil ber f^ji^ige S9art be« gelben 
unb bie ringelfermigen l^cdAen bei Cinffibrung bcr gricibifdien ^Hunft in 9fom 
ni(bt mebr übtid» gcn?efcn feien. 

$ier i»arb bc« $>iftorifer« Urtbcil irre gcfß^rt burcb ^JUAtbcoAtung 



§ 128. Urfa^^n bed Sl^orps« gtieci^ifd^ itun% 189 

bcr aBgcmcin t^erbtcitetcn 5Rc^>robuction fold^cr altcrt^llmlid^cr gönnen 
burc^ alle ^txttxi, Befonberd in gotte^btenftltci^n SBetfen. SUle genannten 
äßerle jinb dou ar(^aijiifc^em Stil; nur bie fogcnannte SJeflalin (ober $eftia) 
im $alaft Oiufiiniani (je^t Bei lorfonia t>etBotgen) ift tüirftic^ alt, aber nid^t 
etru^iW, fonbetn gried^ifd^. ör l^ielt e6 für „nici^t glauBli^, bag man eine 
folc^e gignr, an ber nt(!^t einmal bie Sü^e ftd^tbar flnb, ouö @rie(^enlanb 
na<i^ 9iom gefül^rt l^aBe". 

äte fidlere 3^W9wiff^ etrnÖcif(^er Äunftoeifc BleiBen nur einige ®cmmen 
tiBrig: bie Beiben ftofd^ifd^en SarneolfcaraBäen ber fünf gelben nnb be^ 
Sieben« fa. a.£).), ©el^n'ö äc^at mit ^^eleu^, ber fld^ bie ^aare an einem 
Srunnen tt>äfd^t, — unb bie Bronjene (S^imora in §lorenj. 

3um brittcn ©til enblid^ rcd^net er bie mer äfd^enfiflen auö Soltcrra, 
bie 1761 in bie SJiUa iOBani gelommen n>aren. ^ierl^er würben auc^ 
mel^rere Sronjen bcr Uffijicn gcl^Brcn, bicfe aBer t>erban!en bie Stennung an 
biefcr .(Stelle »ol^l nur il^rem gunbort: bie SKinerüa t>on Ärejjo, beren i?o^>f 
,,bem grie(^if(^cn DöBig ä^nlid^" ifi, ber Oeniuö loon $efaro (1530 gefunben) 
,,einc ber fci^önfien Statuen in (£rj, todiit ftd^ auö bem Slltertl^um erl^altcn 
l^aBen", unb ein vermeinter ^aruf^jej. — 

S)iefe SlufjSl^lung !ann )>eranf(^auli(!^en, toxt menig (Stru^cifd^e^ SSincfel^: 
mann fannte, n)ie fd^mal bie !DentmälerBaft9 n)ar, auf ber er fein @eBäube 
errid^tete. 3n ber erflen äu^gaBe M SBer!« fängt bie Sermifd^ung be^ Stlt^ 
gried^ifd^cn unb be@ $)ieratifd^en mit bem ^etrurifd^en erfi an, fld^ ju ent? 
njirren; \pcittxt äenberungen geigen, baß feine 3^if^I ^m attitalifd^en 
Urf^)rung mand^r bicfer SBerfc im ä^^^^^^^w Begriffen tixiren. 3"^ ®w^= 
urtl^cil, ja felBft jur 3njhuction biefeö l^eBemfd^^italifc^en öigent^umfi^>roceffeö 
nxir bie 3cit nic^t reif. 6r felBfl legte ber äufiförung internationaler Äunfl= 
Be}ie]^ungen gu tt^enig Sßertl^ Bei. ÜDennod^ l^at.il^m fo n^eniged genügt, eine 
nal^eju BcfriÄigenbe El^aracteriflÜ etruöcif^er fiunfl ju ffijjiren. SBol^ltl^uenb 
Berül^rt baBei, nad^ ben aBenteuerCu^en ^imgef^infien ber Strudcologen, bie 
9?üd^tem]^cit feiner (ErgeBniffc. !Die lienbenj au$ ben SBerlen il^rer Sinnen 
eine felBji ber l^ttenifd^en an älter unb SScbeutung tt)eit üBerkgenc italifd^e 
ÜrcuUur unb Urfunfi aBjuleiten, l^atte ben »irflid^n, ©ad^oerl^lt auf ben 
Äo}>f gefießt. Diefe Sefonnenl^eit n)urbe il^m crlcid^tert burd^ feine Äül^lc 
gegenüBcr bem n>ad er ftd^ aud alten unb mobernen 3^8^^ ^^ ^^ l^tru^^ 
rifd^=to6canifd^cr ®cfc^madÖ= unb ©eific^art jufammengefcftt l^atte. 

§ 128. 

UrfacBen bcö Sorjugö gricc^ifcBcr Sunft. 

5ttod^ biefen morgenlanbifc^=italifcben ^roj)i^läcn Betreten tt)ir baö 3nnere^ 
bie fiunft unter ben ©riechen. 



190 S^ta 8n4. II. !£>ie ®ef<^<j^tc ba Stnnfi. 4. $ifU>nf<^r %^l 

!Dort n^urben und (ebeuteitbe 9(tifSnge Dorgefül^rt: aber aU bte 3^it 
erfd^icn, »o bic gtctl^cit unb ^cifjifftit bc6 Schönen aufgcl^n foUtc, Blieb btc 
ftunft, »ic üon einem 93ann ergriffen, an ber ©^»cttc ftel^en. 3)a]^cr fanb 
bcr ®cf(^id^tf(!^rcibcr fid^ aufgeforbcrt, »omd^mfid^ ^emmungdurfcu^cn aufju= 
fud^cn. de^t l^ingcgen mirb bie ©unft ber ju i^rer 9ufnal^me jufainmens 
n}ir!cnbcn Umfiänbc fc außerorbcntlit^, wie bic ffirfolgc. Siun n?irb für 
einige 3^^^ t)cr ^iftoriler }um "^l^ilofo^l^en; bie (SrjS^Iung 3um Softem. 
3)enn Sd^önl^eit, n^ie Sßal^rl^eit unb ®üte, gel^örcn nic^t in bie SSelt bcd 
SBerbenö unb Scrge^cnd : nxid f d^ön \% nniö ttKil^r, tt)irb nid^t bur«^ bie ^tit 
unb n)e(^fclt ni^t in il^r, cd ift. ,,3(^ njeig cd, fie pnb etoig, benn fic fmV\ 
9ür bic gefd^id^tlid^e (Srjäl^lung bleiben nur bic äußeren Umftanbc übrig: 
b. ^, bie öugerfttnftlcrifc^cn (ginfittffe, üon »cld^cn il^r Steigen unb ginfen 
abl^ängt 3n bcr Sammlung unb ®ru^>|)irung folc^cr climatifc^cn, fittengc= 
f(!^i(j^tli(^en, j)olitifd^cn 3)atcn jcigt fid^ SBincfelmannd ]^iflorif(!^er Sinn mel^r 
old in Urfunbenaiti! unb »al^rl^eitdgctrcucn 33ilbern ber ^^'^^tter, auf bie 
er ju f^>re(^cn fommt. (5r folgte bem 3wg "^^^ 3^^^ ^^^^ l^iflorif^^e ?ieb= 
lingdform nxir: „®cift ber ©cfe^c, @cift bed mofaifd^cn Äed^td, Sonfibcra= 
tionen über ©röge unb SScrfatt". 

!Dicfcr Äbfci^nitt ergänzt in einem "^unft bic gel^rc »om SäJcfen bcr Äunjl. 
!Die I^eoric fannte nur fd^öne gormen, bie abgeleitet tt>crbcn öom „®ef(^madf 
ber gried^if(^cn Äünjller", jenem Sinn für 9?üancen, für bad poco piü unb 
poco meno. 3ener 3cit war cd nod^ gan3 frcmb, bie Äunfl einer „Sjjrad^e" 
gleid^jufe^cn , il^rcn ©d^lüffcl ju finben in Culturelementcn, bcren ,,Offen= 
barung" fie ift, fle old „Äudbrucf" bed 3d^d ober bcr Oftof^ncrafte eine« 
filinjilerd ober einer Solfdtl^ümlii^fcit ju beuten, bad ©d^öne aW bie 3bec 
ober bad ®öttlid^e in ftnnlicl^er Srfc^einung ju beftniren. S)enno(l^ nxir 
Sindfelmann biefe flofftic^e Betrachtung nid^t gang frcmb. (Er nnir ed, n^eld^cr 
juerfl auf bic CommunicationdfSben, bic ®efa§e gleic^fam, mcld^ ber Äunfi 
aud bem übrigen 8ol!dKr^>er unb feinen p^t/fi^i^ = gcifKgcn ©liebmaßcn ?eben 
gufttl^rcn, aufmcrffam gemoci^t l^t; er gab bcn anflog, 9?acentirt>ttd, öffent= 
Itd^c ©itte, '^Joeflc, (Sage, ^^ilofo^)l^ie, 9ieligion gur örflärung ber Äunfl, 
il^rer SorflcDungen, i^rcd 5©i^^«>rtragd l^cranjujici^cn. 

S)ad Stüd „öon bcn ®rünben unb Urfad^cn bcr Äufnal^mc unb bed 
Corgugd bcr gric(^ifc^n ßunfl wx anberen Solfcm" fofl nac^toeifen, toa» bic 
©ried^cn ju einem großen Äunfteolfc gemad^t l^at. 

l. ÜDaö 5Koberne. 

» 

3n ber nun tcrgangcncn ^cxt, ate man noc^ an einen 33egriff „^umos 
nitSt'' glaubte unb oft im antifen aSBcfcn bcffcn nal^eju bolöommeile SSer^ 
wirllid^ung annal^m, l^attc man aM |$olic einen Segriff bed SRobcmen, gu 



§ 12S. Utfa<!^n M $!^OT3Ug9 gried^if^er ^nft 191 

bem SKontatgnc bie crftc ©ftjje gcmcui^t, in totUt/tx Entfernung ton 5Watut, 
©nfatt unb ©ciflcöflarl^cit, «ctlufi urf^^rünflÜc^cn lact« unb 3»aa6c«, C)etf(i^aft 
njittfllrl^ erfonnenct abftractioncn , furj Scrbilbung bie SRcrfmale maren. 
,,Unfa^igfeit bc^ ©eifieö, Unfrud^tBarfeit, ®tum»>fl^cit be« ©efül^Ö, loomel^mlid^ 
oBer jcneö unanfd^aulit^c Orttkln, jene gurd^t tot ^ingcBung in jtnnlid^c 
(Enbrüdfe, mc^e ba6 ganj% einfeitige SScgtiffölcBcn fo Itxä^t ctjcugt" — fo 
(i^aracterifirt SRumol^r baö SRobernc in ber Äunjl. 

an biefem Silbe bed aKobcmcn l^at aud^ SBincfelmann mitgcl^olfen. 
Die 3RobeTnitä mar i^m aKejcit bod bunfle'^^^al, aud bem fein Slid ^u bem 
Olt^nt<> griec^ifd^er ©efialtcn l^inauffheBtc. 

^crfönlid^c (KrlcBniffc geben bem Silbe garBe. dt mar fo glüdHid^, aud 
„ber in 9lcBel unb ®ilnfie eingel^ttQten 9latux bc^ Jlorben^" nun ben Haren 
!?ttften unb bem milben ^immel ©ried^enlanb^ na^er gerüdft ju fein. (St 
freut jt(^ an ben mäd^tigen „®ett)äd^fen'' be« ©üben«, % ber i>Iafhfd^cn 2Ro= 
beflirung i^rcr gormen, bem fcäftigen ®unlel il^rer ^aare, unb beult baBei 
an norbifd^c Silbungen mit il^rem 5KangeI an (ginl^cit, an cbler SerBinbung, 
an %^üt, mit il^rcn mageren (g^>annungen unb eingefallenen f^Bl^lungen, an 
jene ©efid^ter mit l^alBenttoorfenen, unBcjHmmten unb unBebeutcnben ä^gen. 
gr Bcba^ert bie Silb^auer, n>eld^e mit „ber ben Äör^jer ^^reffenben unb 
l^emmenbcn ÄIcibung, bem ängjHi(^n 3^^"fl w'^^ ^^^/ ^^ Cinfc^ränfung 
ber ©itten burc^ einen gcmiffcn Bttrgerlid^en SBol^Iflanb" gu !ämi>fen ^Bcn. 

Unter jenem trüBen $)immel erjeuge [xdf SKeland^oIie, »cld^e im ^ang 
jum ®cPaItlo«=unenbIid^cn, in ber ^oejte j. 95. gu unmalerifd^en Silbern 
^ertjortritt, njic benen 5KiIton'«, „bie bem ©el^ör groß finb, aber flein bem 
Serfianb, unb fein Sonourf eine« eblcn '^infett". 

„Unfer ®ei^ — er »enbet f«^, im Sinn 8o<fe'd, gegen mobeme (gr* 
jicl^ung — »irb, Bi« er aBnimmt, unebel genäl^rt; ber unmünbige Serflanb, 
njcld^er wie eine jarte SRinbe ben ©nfd^nitt Bel^alt unb cttocitert, tt)irb mit 
Bloßen Sinnen ol^ne Segriffe unterl^alten ; ba« ©cl^irn ba« gleit^ einer Sa5ad^«= 
tafct nur eine gemiffe Snja^I aSBortc unb Silber faffen fann, ift mit Iräumen' 
erfüllt, votnn bie SSÖal^rl^eit '$la$ netjmen miß. ©elel^rt fein, b. i. ju miffen 
ma« anberc gemußt ^Ben, mürbe Bei ben ©ried^en f^>&t gefuc^t, benn t9 
mar eine (SiteÜcit menigcr in ber SEBelt, nämlid^ oiel Sucher ju fennen, . . 
Da« (B^renmort SaiBent mürbe einigermaßen für öeräd^tfid^ gel^aften". 

®egcn bie mobeme 5Koral rid^tet fl(^ ber «udfaH (ogl. Sanb I, @. 66) 
gegen bie 3^ugenben, „burd^ bereu UcBung unfere Segriffc Pnfcn unb cmic= 
brigen", gegen bie „nieberträc^tige ®ebulb"; ba« SoB be« Ältertl^um«, ba« 
nur ungefd^minft Befc^eiben fein mollte, ton einer felBfberläugnenben, gegen 
bie menfd^lic^e Watur gemalttl^dtigen Demütig aBcr feinen Segriff l^atte. 

Der Drudf einer fold^en ffirjiel^ung, bie ©d^m&c^en ju Stugcnben l^eiligt, 



Beg&nfHgt ben X^ed^Qtt^mud, ber iviebcr fcinerfcitö l^cl^e^, freiet. üDenfen 
lö^mt, auö bcm bo6 aOetn @Tose$ in ber ^unft tommen fann. äSindfel: 
mann fc^ilbert in erft^rcdenb UKil^ren, l^cute a(er gunt @Iü({ faunt mel^r ter= 
ftanbUd^n äiudbrüifen, eine $an)>tlalamitat bantaliger £ttnß: „tük bie 
C^re unb bod ©lud be^ ^ünfiler^ t>on bem Sigenftnn eined untDiffenben 
StoI^S aB^nge, toie il;re SBerfe n^ bem elenbcn (Scfcj^od ober mulb bem 
üBelgcfcbaffencn 9uge eine^ bnrc^ Sd^meii^Iei unb ^cc^tfd^ft aufgen)orfenen 
Kid^terd geBilbet n>etben, unb tote bie ^unfl auf SIeinigfeiten ober auf @))iel= 
koerfe burc^ Sinfc^^ranhing bed £)rtd ((Eabinetmobrei, $orceIIan)>u)>))en), ober 
tvixäf bie Jüjieml^eit be« Sigcnt^ümerÖ (©rfineö ©motte) l^eruntcrgefe^t 
koerbe. . . !Der £ed)>otidmu§ fd^ranft bad Selb ber fiunfi ein, inbem auf 
einer ^^rfon aQein bad 9ted^t rul^t, grog in feinem Scß ju fein unb ftcb 
mit «Su^fc^lieBung anberer oeren)igen 3U tonnen'^ SSindelmann ^atte ja 
fieBen dol^r lang ba^ treiben an einem SRuflerl^of BeoBad^tet. ^tx SJerfoU 
ber fünfte f(j^eint i^m oon ber (Smanci^tion be^ mobemen ^ftrftenaBfoIutid^ 
nrnd }u batiren. „(i^ ift Beinal^e ein da^rl^unbert oerfioffen, ba ein groger 
2]^eil einer ^J^ation mit Slinbl^eit gef(^{agen, nic^td ate n>a^ neu toar f(Ba|te, 
unb bicfe '^Jeriobe ^ißt Bei il^nen bie gillbene 3^it ber .Qunfl. . . So toar 
btejenige 3^^^/ ^^ ^^^ ^^^I^ ^xa&t ber $öfe üBcrl^b nal^m, unb bie Ser= 
jartclung, gauH^eit unb Änec^tfc^aft ber SöOer Beforberte. Die ©c^riften 
ber SSBcifcn wx^ ®rie(i^nlanb njurben fon)enig aö bie Statuen i^rer ÄünfÄcr 
angefel^n". 

2. antifcö. • 

Dad 93ilb griec^ifcBcr 3uf^^iib^/ ^elc^cd SBincfelmann bem gegenüBer^ 
fiedt, gel^ort gu ben @[an}))artien feinet äBerl^. dene liej^eooQ^unBebingte 
$ingaBe an ba^ ©rie^ent^um, bie Balb noc^^er aOent^tten auftaud^te, fltt^t 
fk^ }um S^eil auf bie l^ier gefommelten 3^S^* ^^^^ nxiren biefe nKtrm 
gef d^rieBenen Slätter geeignet, ben ?ef er ein juncl^men : ber SSerf äff er glauBtc 
eBenfo fefl baran, toie er intaefftrt nnir änbere für feinen ©lauBen ju 
gen)innen. SieKetd^t entf))ri(^t ed nic^t mel^r unferen Snfprüc^en an ein ®e= 
fd^ic^t^Bilb ; eß ftnb allgemeine, burc^ ba^ 3Rebium alter Sc^riftfleüer unb il^re^ 
^tl^od gegangene 3fnn?rcffionen, Daten berf(^iebener 3«^*«^* "«*> Orte, bie 
mit i^l^ntafle }u einem fc^ttenlofen ®ilbe au^gef)>onnen ftnb, oorgeffil^rt im 
getragenen 24)n eine^ ^jkmeg^ricud. 

©(^on ate ©üblänber mußte ber ©ried^e „feiner" fein aK toir. Der 
©üblänber madbte ftM auf norbifc^e SeoBod^ter ben Sinbnuf größerer 9iaf(B= 
l^it, ©enxinbtl^eit im äuffaffen tt)ic Änfaffen ber Dinge, S5acon fanb fte 
im attgcmeinen geifheic^cr (more ingenious) aW unö, oB»o^I im Siorbett 
bie ©enicd ju einer ^cl^cren Stufe fi(^ erl^eBcn. gontcnefle fiettt jtd^ oor. 



§ 12S. Urfa4en be9 Sorju^^ gtiei^ifd^ tmift. 193 

fai bcr Äältc ctfricvc bie ^antafic unb fonfl faiiftc gute aWcnfij^cn nSl^tnctt 
eine «tt SBilbl^cit an« S)u »oö »iß bic üKalcrei unb !E)i(!^t!untl bem ^oU 
nic^t näl^cr rttrfcn laffcn aW ^oBanb, unb feftft ba fei bie SWalerei morfondu. 
fbxäf ^rnne gebenlt ber SReinung, bag bie Smpfinbungcn ftc^ nad^ bem @&- 
ben jtt oerfeinetn, bag bcr (Sinn fttr @(^dn]^eit unb (SIegan} mit j[ebem 
Steitengtab fu^ läutete. Sßincfelmann glaubte biefe (Srfd^einnng feI6ft in 
ben ganbfd^aften StaUen« Beobachtet ju ^Ben; tüie ber 9lca^)oIitanet feinet 
nod^ unb fd^lauet fei alö bct JRömet, fo bet ©icilianet mel^t M jener; bct 
@rie(i^e aBer üBertreffe felBfl ben Sicifianer. greilic^ f<>ri(!^t man ton i5«in- 
l^eit in fel^r »erfd^iebencm Sinn^ \t>\x »erben ben l^eutigen ©ricd^en f(^n)er= 
Hif um bie Art gcinl^eit Bcneibcn, njcld^e il^n im Orient Bcrül^mt mod^t. 

$)ume l^atte Bemcrft, bag bie (Bpxoditn im (Sübcn fanfter unb melobifd^er 
fmb, »Sl^renb bie norbif(^cn l^arfc^ unb unmufifalifc^ feien (ogl. I^ @. 149 f.) 
,,aBie il;rc ®j)ra(^c malerif(j^ ifl, Bcmcrft 3BincfeImann , fo l^atten ftc au(^ 
malerifc^e Segriffe unb Silber. . . 3^re Sinne, toctcbc burd^ fd^neffe unb 
cm^)finbrid^e 9tcroen in ein fcingeioeBtc^ ©cl^irn toirftcn, entbedtten mit einem 
male bic oerfd^iebcnen ßigenfd^aftcn einc^ Sonourfö unb Bef(^äftigtcn flc^ 
oomel^mlic^ mit ber SetracBtung bc« (Schönen in bcmfelBen. 3]^re 3)ic^ter 
oon ^omer an, reben nid^t attein burc^ Silber, tt)ie bie 3!)id^ter jenfeitö bcr 
Vbßtn, fonbcrn fle gcBen unb malen au(^ Silber, bic oiclmaW in einem ein= 
jigen SBorte liegen, unb bur(^ ben Slang beffelBen gejeic^net unb n?ie mit 
tcBenbigen garBen cntioorfcn tocrbcn". 

?[Ber tt>ie bie SRatur in ©ried^cnlanb bcr .^unjl oorgearBcitct unb toie 
bie ßultur il^rc StrBeit fortfe^jte, inbem bic O^mnafti! bcr Silbung bie große 
unb mannfid^e Sontour gaB, ^tte SBincfelmann fd^on in Dreöben au^gcfttl^rt. 
Die Äunfl oerbanftc bie ^ätftc il^re« Srfolg« bem baß fic (S^)icgel biefcr 
fd^önen 9latur mar. ©cl^örtc fic nid^t gcnjiffermaßcn fcIBfl ju ben a[eußc= 
rungen biefcr? ©d^Snl^eit erjeugt fdbBne Sen)cgungen, fennt il^rc gttnjlige 
anficht unb n>aÖ fic fd^mttdft, enocrft ben 3Bunfd^ il^r Silb fejljul^altcn, ein 
fd^öneö Sott fennt ben fflcrtl^ ber ©döSnl^cit unb mirb Balb jencö große 
aKittel, fic ju oeroicif altigen , ju fieigcrn, bic Äunjl, tiBen lernen. „3)ie 
fd^one Silbung ber ©ried^cn Begeiferte bie alten Ätinfilct"; benn „ÜRcnfd^cn 
)>on ^rad^tigen unb flarfBegeid^neten ^rmcn fd^einen gleid^fam für Silb^uetei 
etfdBaffen ju fein''. 

(Ene ftunfi wie bie grict^ifd^e unb bie un« faum Begreiffw^e, il^rcn 
äBetlen felBfl erfl nad^ unb na<^ aBsuletnenbe ^einl^eit bed gormenflnnd, 
ol^ne bic fte gat nid^t möglid^ ttjar, feftt eine pnnlid^c Denfart, eine ©d^&^ung 
ber äußeren (grfd^einung torauS, bie feitbem aBl^nbcn gcfommen ifi, unb 
fftr immer. Sltt man nodb „flnnli*c Segtiffe oon ©öttem" ^atte, badete 
man ttBer^aujjt öom ©innlid^cn l^öl^er, man abcltc bic ©innlic^fcit, bie feit 

dttfli, XBindelnumn. IL 2« ^t3 



194 ^xciiM ^n^. II. 2>ie ©efti^id^tc ber Stmt^. 4. ^tflorifd^ Xf^l 

bcT ällcml^crrfc^aft bcö ©ciflc^ im Skxtfft gcfunfcn ifl, ja jum D^cil.init 
bctn 2RafeI bcr Unrcinl^it kl^aftct. Son einer reichen, fiarfen, fd^önen 
{tnnlid^en &:f(ä^einung f)>Ti(^t man oft, nicä^t blo^ Bei bem 3Ranne, in einem 
%on bcr 3ronie. Xaö ©cgentl^eil jener flnnßd^en (Denhöeife ifl ber tcleo? 
logifc^e Srnfl, ber, toenn er au(^ nui^t a^cetifc^ fi(^ üBerftetgt, bo(i^ fletö nur 
auf ferne, »eitfd^i^tigc ^xdc jtc^ f}>annt, üBer bai^ Dafcin aBer unb bie 
(äeflennxtrt mit il^rcn cinfati^cn realen ®titem l^intt)egf(^reitet. SSJir op^tm 
bic ©cgenmart, bie aDein »irflid^ ift, ber 3wtunft, bie tl^eiW nid^t mel^r unfer 
ijl ober bie unö gleid^gttltig geworben ift, n)cnn ttjir pe erreichen. 

9t'ur ein ®<i^önl^eitgcultu§, getricBcn Don einem gangen $ol! 3a]^r]^un= 
berte lang — fammt atten Sfcrgenüffcn in feinem ©efolgc, ben gcl^Iern feiner 
lugcnben — fonnte jene ffunfl crgcugcn. 

„I^ie ®ric(^cn n>arcn ftc^ il^reö 9?orjug6 bcr ^oxm Bcn?ugt, unb unter 
!cinem 3?olf ifl bie Sdjöul^cit fo ^od) aW Bei il^ncn gcad&tct lüorbcn. . . -Sa 
eö mar bicfcIBc fafl ein 53erbicnfl jum SRul^m, unb n?ir finbcn in bcr gricd^i= 
fc^cn @cfcBi(Btc bic fd^cnflcn ?eutc angcmcrft. . . 3Bcttf<>ielc bcr ©(^önl^cit 
njurbcn Bereits in ben ältcftcn 3citcn angcorbnct; an bcm S^fte bcS )pif)\U- 
pfd^cn %poUo n)ar auf ben getcfjrtcftcn Sug unter jungen Scutcn ein fxcx9 
gefegt. . . ®j)artanerinncn peilten Statuen be§ äpottö unb Sacc^uS, beö 
SWarciß unb ^i^acintB, be§ EaPor unb iJoüuj in il^rcn Sd^Iafgimmern auf. . . 
33Jeil pc baS ®elernte bcm morin bic iRatur pcB üürncT^mtic^. auBcrt nat^= 
festen, tt?arcn bie crpen ScIoBnungen auf JeiBeSüBungen [patt etn>a auf te(^= 
nifd^c ober litcrarifd^c geipungen] gefegt. 

„5)a bic ©d^önl^eit bcrgepalt gettjünfd^t unb geachtet ujurbe, fo fuc^tc eine 
jebe f(^ene *^.^crfon burc^ biefen 35orgug bcm gangen SJoIfc Befannt gu n>erben 
unb p(^ inSBcfonbcrc ben Ättnpiem gcfSIIig gu geigen, njcil biefe ben '^}rei§ 
ber Sc^öuBcit Bcpimmten, unb cBcnbaburc^ l^attcn pe ©degenl^eit, bic ®ci^en= 
l^eit täglidi oor Stugen gu feigen. Xic fc^öne Diatur geigte pd) unocr^üttt, 
gum großen Unterricht ber ilünpter, bereu Schule in ben ®^mnapen tt?ar" 
(®. I ©. 391 f.). 

Sftur mUcx, bercn !Dämon ber 3tt>etfBegrip ip (®oct]^c nannte il^n 
„aBfurb'Of pnb cBcnfo l^art gegen bie menfd^lid^e 5Katur in Änbern tt)ic gegen 
bie in pd^ fcIBp. 3)ie ®riedbcn, tocld^c il^rc ^äl^igfciten unb SrieBc Barnuy* 
nifd^ auSlcBten, maren l^uman, ober in aBindtelmannS ®^>rad^c, »on „gütigem 
aSBefcn, h>ei(^cm |>ergcn, fröl^lic^cm Sinn, — Sigenfc^aftcn, n?el(^e gu ent= 
n)erfung fc^öner, lieBIid^cr Silber cBcnfooicl afö bic 9?atur gur3«Mgung ber 
©ePalt Beitragen". !SDie $eiter!eit bc« ©cmtttl^S gaB Bereit« in ben oltepen 
3citcn Sfnlaß gu tl^catralifÄcn unb anbem ©(pielcn, um, »ie "ipericleö fagtc, 
bie Iraurigfcit au« bem gcBcn gu ocrbrängen. I)a]^er il^r aBiberprcBcn gegen 



§ 129; 2)ic grei^eit. 195 

btc Blutigen römifc^cn ®diau^p\dt, (Sin !I)id^tct fagtc, bic ©tabt fftl^cn ttjiffc 

oBcin SRitlcib ju tragen; l^ter fanbcn 35cbrangtc attcjcit ä^Pw^^^- 

„ÄMe^tf(^ft«feffctn einer Seit Bereiten, 

3ft nid^t too« i5>elkttcnbru|l m^^xt*\ (SB. t). ^.) 

,,® tft bcr gric^tfti^cn Station eigen, attc il^rc 3Bcr!c mit einem gemiffen 
offenen SBefen unb mit einem Sl^racter ber grcube ju Bejcid^ncn : bic SWufcn 
lieben leine fürd^tcrlid^cn ®cf^>cnjicr". 

Ol^rc Humanität geigte fi^ in ©cj^ä^ung geijiiger SJorgttgc, unb folglid^ 
avi&i bcr Äunjl. „Sei ben ©ricd^cn toar ein »eifer SKann ber gecl^rtefie,. 
unb biefcr nxxr in jeber ©tabt toic bei un6 ber xtii^ftt Befannt. Unb ju biefcr 
ät^tung tonnten auci^ bic Sttnfticr gelangen ; fic tonnten ©cfe^gcBcr unb gttrficn 
n>crben, ja il^rc ©tatucn neben bic ©öttcrflatucn gefegt feigen. Die 93cIo]^nungen 
i^rer 33Ber!e festen fic in ben ©tanb, il^rc Äunfi über alle Slbfid^tcn bc^ ®e- 
njinn§ unb bcr SJcrgeltung gu crl^cbcn, n>ie '^ol^gnot ol^nc (gntgclt bic ^oecilcgu 
ätl^en ausmalte. 3).al^er arbeiteten bic £ttnftler für bic Stt)ig!eit; benn bcr 
beflc Arbeiter in bcr gcringftcn ©ad^c tonnte gur S?cretoigung feine« 9Za= 
men§ gelangen, h)ic benn bic ©ried^cn ton ben ©öttcrn axLäf bic Unflcrbßd^Icit 
il^rc« ®cbäd^tnijfc§ gu erbitten ^jf^egtcn, SBic fcl^r mu^ e§ bic Sßad^al^mung 
in bcr Äunfi beforbert l^abcn, tvcnn gange ©tobte, eine t)or bcr anbem, eine 
tjorgüglid^c ©tatue gu l^abcn fuc^tcn, bereu einige bloß burd^ eine foI(^c be= 
fannt ttjaren". 

§ 129. • . 

3)ic grei^cit. 

• Unter ben tcränberlic^cn Urfa^en, Joc^c bic Äunft bccinfluffcn, ift bic 
mic^tigfie bic ^^olitifd^c grcil^eit. (E^cr gange Il^cil ,,t)on ben äußeren Um= 
ftänben" fdbeint nur gcfd^ricbcn, um bicfe $)^^)ot]^efe gu begrftnben. ,,Äu« 
biefcr gangen ©cfd^i^tc erl^ellet, ba§ c« bic grcil^cit gen>cfcn, n^clc^c bic Äunji 
cm^jorgcbrad^t l^at". S/ieß fing an ber ®eijl ber 3^^ gu n>erbcn. „& 
liegt nic^t in bcr 9?atur cineö §ofe§, fagte fc^on ©l^aftcSburJj, ben ®efd^marf 
gu oerbeffern, 'mcl c^cr ir)n gu tcrberbcn". 

aBie aber l^at man fi(^ bicfen (Sinfluß j?orguflettcn? — 2:i^citt geifiig, 
auf bic 2)cnftocife, tl^ciW gcfeUfd&aftlid^, burd^ Sroffnung eincö größeren gelbe« 
t)on auftragen. Cr finbct g. S. einen bcmocratifd^en 3«8 ^" ^^'^ unbcfdbran!= 
tcn ®en)a]^rung öffentlicher »ilbniBftatucn. . „SiiemaK ifi für ÄünfHcr unter 
irgenb einem SJoIFc oon je an eine fo l^aufigc ®elegenl^cit gctoefcn fid^ gu 
geigen ; benn jebcm ®rie(^cn flanb ber 9Beg offen, fein 2fnbcn!en burd^ feine 
gigur mittelft bcr fiunft crl^altcn gu feigen; man tonnte fogar bic ©tatuen 
feiner Äinber aud^ in ben 2!cm^>eln auffteflen. Sine ©tatue be« ©ieger«, ^ 

13* 



196 S^tt» ^U(i^- II. 2)ie ®cfd^i*t< bet ftunjt 4. ^iftotif«^ Xf^l 35 

in t)cffcn @Iet(^l^cit unb Äcfenlid^fctt, an bcn l^cifigfien Ott in ®tied^cntanb 
gefegt, unb wn beut ßanjcn Solle gefeiten unb x>txt^xt, v^x ein mad^tiget 
antricB, nic^t n^cniger biefclbc ju uio^cn, al8 ju erlangen", «u* t?crbientc 
55ttx:gcr — in ben "ipetfcvfara^fen — erlangten bic ö^rc einer gtatuc, aU 
gefeiten üon ben ^Jriefiem. 

I)ttr^ bie Stei^eit ferner HieB bie 5hinft J?erfc^ont mit bcn Pannen ber 
äRäcenaten. „Xk aJkifeften be^ ganjen SJoIfc« urtl^ciltcn unb Belcl^nten bie 
Ätinfticr unb il^rc SBerfe in ber SUerfammlung aller ®ricd^cn ; unb ju !Delj>^o^ 
unb Sorintl^ n)aren 3Bettfj5ieIe ber SDJalerei unter Befonbcren basu bcflettten 
Äici^tcm. . . ®er ©eBraud^ unb bic änttjcnbung ber Siinfi erl^ielt bicfelBe in 
il^rer (Srofel^eit: bcnn ba fie nur bcn ®8ttcrn gen^eil^t unb für ba^ l^ciligfle 
unb nü^Iid^fle im SJatcrtanb Beftimmt n?ar, in ben $)5ufern ber ®ftrgcr aber 
bte SWagigfeit unb (Sinfalt n)ol^ntc, fo ri>ar, raaö ber Huftier mad^te, ben 
flotjen Segriffen beö ganjen SJoIf6 gcmäfe". 

i)loii lieBer überfiel fidb SBinrfelmann ber SSetrad^tung ber folgen ber 
grcil^cit auf bie ©cnfart. „!Eur(B bie grei{;eit crl^oB fld^, toit ein eblcr 
3tDeig auö einem gefunben ©tamrn, ba^ Denfen beö gcrnjen ?JoIW (f. I, 
®. 221). 9iac^ ^erobot mar bie grcit;cit ber @runb r>on ätl^cn^ @ri>ge. 
Sie J)Panjte gleit^ in ber ®e6urt fcI6fi ben ®amen ebter unb crl^aBcncr @e= 
pnnungen. . . . 31^re Srjiel^ung n>ar Bebac^t, ba^ $erj unb bcn ®cift 
em^)flnblid6 ju machen gegen bie nxi^re 6^rc, unb bic 3ugcub ju einer männ= 
Ud^cn, grofemütl^igen lugenb ju gemö^nen, tt)el(Bc atte Keinen äBficbten, ja 
boÄ ?eBcn fclBft »erachtete, tt>cnn eine Unterncl^mung ber ©roßt i^rer 
3)en!ung«art nicl^t gemäß au«fiel^'. 

UeBer biefe $)^^>otl^cfe lägt fid^ biet flreitcn. Ätl^n unb %loxtni flnb 
bie großen Sendeten ber .^unft, njclc^c uu6 bie SUerfed^tcr berfelBen oorl^alten. 
äud^ SSindtelmann t>crgteid^t ba6 bemocratifd>e ätl^cn mit Slorenj, „tt)o bie 
aBiffcnfd^ften unb Ättnflc in bcn neueren ^tittn nad^ einer langen 5infier= 
nig anfingen Beleu^tet gu werben". 3talien6 ,^unfigcfd^id^te ifi angetan, 
unö fttr fic einjuncl^men. greie Stäbte toarcn ber ®d^oo§ feiner todU 
Befannten ©c^ulen, »äl^renb 9iom unb 9iea^)el unfrud^tBarBlicBcn, unb poren= 
tittifd^ Äunfi bon bcm «ugcnBlidt an fan!, atö il^r ber funftlicBcnbe 3)c§<)0= 
tiömuö feiner mebiceifc^cn ^tx^o^t neueö ScBen ju gcBcn fc^icn. S)odb ifl 
aud^ nnil^r, baß bie Beiben größten Florentiner bie 3been unb bic Srl^eBung 
JU il^ren größten SBerfen nic^t bal;eim, fonbcm in SWailanb unb 9iom fan= 
bcn, unb in 9Iom flnb fafl aßen bal^ingerufcnen bie glügel getoac^fen. ftann 
man Bei «tl^cn^ $errlid&!eit '^periclcö »cgbenfen? Sci<^t »irb ftd^ ber 2cfcr 
felBft bic SRotte ber Söller unb Staaten aufflcHcn, n)o Bei monardbif*em unb 
beö^>otifc^em Sicgiment biefe SWufcn fi(^ n)o]^lgcfü]^lt, Bei gefe^lid^cm ober bemo= 



§ 129. 2)ie greift. 197 

crotifd^em alber Ui)axxl\ä} abgefel^nt l^afccn flc^ nieberjulaffcn, attcr ©nlobungcn 
unb ilocfungen ungeachtet. 

SBal^r ifi, in einem rcid^en Stäbtcictcn crjeugcn fid^ mand^c Scbingungcn 
ber Slufna^me bct Äünjle : ba6 ©ic^^ertjottreiben unb =®teigcm bcr Talente 
butd^ Sifcrfud^t, bie 3tnfammlung tec^nifc^ = ftiliftifd^cr UcBeTÜefcrung in 
fünften, bct in engem 9iaum Icbenbigc ©cmeinfmn, mc^cr (wie ber ^)ct= 
fönlic^c unb JJamilienel^rgci^) bie Sleid^tl^ttmet bem ©d^murf ber Stabt, be6 
^alafl^, be§ @ratmaW, ber Äircf^c jutt>enbct. 

Xodf mcnn feiere municil>alc 3^1^^^^« ^^^ SäJad^ötl^ura bct tünfte U^ 
förbcrn: fo brüdcn jic il^ncn aud^ einen 3wg bcr iBcfd^ränftl^cit auf; bie @lei(^= 
l^cit unb bie re^)uBlicanifc^c Deconomie fann biefen aud^ unBcquem n^rbcn. 
3ener munbertare JReid^tl^um ber latente unb ber 9tcgfamfeit, jeneö Sei= 
f ammenfein fo üicier bebeutcnbet SRenfc^cn in glorenj' unb ätl^enö ÜWauem, 
tDar üicl weniger eine fjolge bcr Demoaatic, ate il^rc Urfat^e: Bei glcid^= 
ma^ig niebrigem Sitbungßttiöcau ifl bie bcö^>otif^c §ptm cBenfo natürlich, tt)ic 
Bei ungctoöl^nlid^cr gttßc eigcntl^ümfid^er Formationen bie fttamme 3wfammen= 
faffung bcr 8tegicrung«göoaIt faji tjon felBfl gurüdtritt, unb jeitnjcife jenem 
3erfatt einer 9?ation in Heine Sanbfd^aftcn, ©töbte^ unb re^JuBlicanifd^cr S3ict 
unb Scr6fi:^crrfd^aft $la$ mac^t. SBcr aud^ ba gcl^ßrt ju ben l^öc^ftcn 
Seiftungen ber ^nfi immer cttt^a^ monatc^ifc^c ^^rac^tlicBe, etma^ Slnfamm- 
lung bcr 3Rittcl in einet $anb, etn^a^ Utf)>rung bcr 3becn au6 einem 
£o^f unb UnBcfc^ränftl^cit bcd ^ißlanend Bei biefcm (Sincn. 

®ett>i§ ift nur SBinrfelmannö 33cgciflctung für bie grcil^cit, fein ©tre= 
Ben, biefem i^m tl^cucm ©egriff eine ^uürigung borguBringen. (5r gefielet, bag 
bicfc grcil^citöIicBc ctwa^ i>l^ilologifc^=anti<|uarif(!^c^ l^aBc: ,,bic aBgemcine 
Senntniß bcr ©ried^n lel^ttc im 1 6. 3al^l^unbcrt bcnfen toie fie, unb burd^ 
bie Seifen Breitete fid^ bcr ®eifl ber tjtcil^cit aud, welcher, toie ^oBBe6 Icl^rt, 
nid^t leidster ctjltdft tt>etben fann, att wenn bcr 3ugenb bie gcfung ber SKten 
untcrfagt »titbc''. ©eine fümmerlid^c Ougcnb, in bcrcn ©d^mcrjcn er bie 
$anb be^ Bi^ ju x^m ^craBrcid^cnbcn alt^jrcugifd^cn !l)c^j>oti^muÖ cm^>funbcn 
JU ^aBcn glauBte, fein ie|igcö ungcBunbcnc« ?eBen unter bem ÄrummflaB 
bcr fitummftSBc flcigerte bieg "Patl^oö. SJon bem wirHid^cnScBen einer gried^ifd^en 
@tabt l^attc man bamatö feinen Segriff. Äcinct bicfcr ^>]^iIologtf(^cn 9?e^)u= 
Blicancr mürbe bort gmet läge außgcl^altcn l^aBcn, unb jttKXt tt?egen ber äu^* 
fd^fiegung bcr aud^ il^m unentBcl^rlid^cn ^)erfönlid^tt Steilheit. SBindfcImann 
f(^rciBt tt)trnid^ bie S!(uf]^eBung beS ^önigtl^umd in ©ried^cnlanb ber %ufFIärnng 
gu: ,,bic greil^eit l^at in ©ricd^enlanb attejeit ben Sifr gcl^aBt, au(^ ncBen 
bem Ül^ron bcr Äönige, »eld^c t>äterlic^ regierten, cl^c bie ÄuffUrung bcr 
Vernunft il^ncn bieSügigfeit einer oöttigcn greil^eit fc^medcn lieg". 2lufa 



Körung bcr SJemiuift in (Staaten, wcld^e bic ^J]^ilofo<>^cn »erfolgten unb 
tcrbanntcn unb bcn Socratcö töbteten! 

3)od^ barf man nid^t üBcrfcl^cn, xoa^ für cl^rcnmertl^c ©cfmnungcn fic^f 
unter jenem tagen Sort »erBcrgen: bie erftcn SSMungcn bcö SJationaU 
geftt^W gegenUBcr ber §of= unb Sabinct^iDirt^fd^aft, ba« entfemtcfie a»orgen= 
grauen bcö ©erlangend na(^ ^)oIitif(^cm i?cben, att nod^ bic ÜWillioncn tiefe 
jjofitifc^e Stacht bedte. greil^eit ttar baö 3Bort, njeld^c^ jene nebelhaften 
Stauungen unb Siegungen an einen £aut, an einen ©ebanfen hiiH>fte, ein 
'fünft, um ben ©ejtnnungen, ©cbanfcn, SJorfa^e fid^ crt^ftaflifiren tonnten. 
Sfud^ ba6 3Btttbegefül^l ber c^unjl, bamate jur iut;ferifc^en Sciaöin eitler 
^run!fudbt emicbrigt, erl^eit pc^ jum crftcnmal in jenen @a^en, bic nic^t 
unBead^tet tcrl^aHten. 

§ 130. 
C^jocben gried^ift^cr ^UaftÜ. 

Dem l^eutigcn Sefer bcr Sunflgefc^iAtc !ann eö auffallen, baß 3Binact= 
mann, ber bod^ ton bcr gricd^ifd^cn Literatur l^er jur Sunft getommen mar, 
nid^t burd^ cingel^cnbere SSenu^ung ber 9Ja(^rid^ten unb 3nfc^riftcn ber alten 
fein SSilb oerooKfianbigte. Die SBal^r^eit ifl aBer, ba^ il^m tor affer Bloßen 
©ttc^crgcfd^id^te cfelte. S§ galt einmal, tocnn aud^ mit nodb fo f^)arli(Bem 
SKaterial, torerfi eine ©efc^id^tc auö Denhnalcm aufjuBauen, tt)ofern jene 
fd^riftlidbe UcBerlieferung irgenb einmal aufhören foffte, Bloßer SBortfram ju 
fein. „SäSindtelmonn'', fo Bcjeic^net $cinrid^ SKc^cr ben Befonbcren Hiu^en 
unb SJorjug beS SBcrW (unb nod^ l^cutc ift bieß ber Cinbrudt jebe« unBe* 
fangenen ?cfer«), „jeigte jucrft, ioie bic äntÜen, nac^ offcnBaren 2Kcrhnalen, 
in einer fteigenben unb fmfcnbcn, ton bcm ®cf(^madf, bem Stil unb bcr 
ärBcit geregelten golge ju orbuen flnb; auf »eld^em SBege attein bie in 
fd^riftlid^en 'JJac^rid^ten. fo mangcD^aft auf un^ getommene Oefc^id^te bcr alten 
ffunfi ttid^t nur ooßflänbigcr, fonbcm aud^ gleid^fam leBenbig in ben 
äRonumenten felbft bargeflellt njerben !ann". 

grcilic^ fcl^r langfam unb mtil^fam ttjaren bie erften Sd^ritte Bei biefem 
Unternel^men ! Joie n)enig batirBare Denfmäler Brachte SBindfclmann Bei ficBen= 
iäl^rigem Su(^cn in bem unermcßlid^en S?orrat^ 9lomö jufammen! SKit 
biefen wenigen l^at er feine Gl^aracterifiif ber ^feriobcn gcjimmert, bie dud^ 
ate er in ber golge n>eitcre Dcnhnaler l^injufanb, unocranbert BlieB. 2tu(^ 
l^eute no(^ ftcl^t bie 3<*^ bcr Beftimmten 3^iten unb SRciflem jugecigneten 
Denhnaler in feinem SJer^ältniß }um ©cfammtBeft^ ; bod^ flnb nnr reidB im 
Sergleid^ ju Sindfelmannd älrmut)^. Die beutfd^e äBiffenfd^aft ^at ba^ i^funb, 
mit bem bcr Stifter Begann, nii^t tergraBcn. 



§ 130. apod^n ^xiidtx\äftt ftofHf. 199 

SKati ^at c^ bal^cr ton jc^cr mit Siedet genial genannt, baß er tro^ 
t)etn, burc^ al^ncnbc Intuition, jene ßl^aractcrifitf in bct $am)tfa(^e rtd^tig 
gegeben l^at, unb mit fj>ätem gunben jiemlic^ üBereinftimracnb. 3)ic Sntbeiung 
aBgemetnfict ®efe^c in Statut unb ©efAiAte (n)aö fel^r tcrfc^ieben ift ton 
ber aSorts unb gonneIj>robuctitit&t ber 9Weta^>l^^pf) gilt für bic "^r&rogatite 
bc« I^Bc^ften ©rab« n)iffenf(^ftli(^er SJefal^igung. ,,3)ic größten ©eifter, fagt 
aigarotti, tcraögemeinern; bie großen ®taat«mfinner ft)re(^en in SKajimen, 
unb bic erflcn ©eometer fftl^ren aßefi auf gormein jurttdf". 35ie „groBcn 
unb allgemeinen Änfk^ten be« ®anjen, bie tiefftnnig aufgefaßte Unterfc^ibung 
ber Sortgänge in ber ffunfi unb ber terfd^iebenen ®tile'', ju ber er fl(!^ 
erl^oB, nennt auci^ g. a. SBolf ,,bic SJlume aOer gefci^id^tlic^en gorf(i^ung". 
Seine ßl^aractcrifti! ^at eine fo l^o^e ^)]^ilofo^>]^if(i^c (ginfaci^l^cit, baß fie ein 
"SüffCil feiner ©c^önl^eitö^ unb ^inientl^eorie n)erben lonnte (§ 117). ä6er flc 
f(^tt)cBt bcöl^aft niii^t in tager ÄOgcmein^eit üBer bem ©egcnflanb. „9Ba9 
SBindfelmann (brtidft f«!^ l^ierilBcr ein ju frül^ ber Ärti^aologie entriffener fein^ 
gorfc^er auö) über bcn l^ol^en (Stil beö ^^l^ibia^ fd^reibt, unb über bcn lieb= 
lidftn ®til bc« '^Jrajiteleö, bad flnb SBorte gcfd^rieben für alle 3^'ten, unb 
4Üd^t für bic Äunflgefd^ic^te eine« SJolW, fonbem aller Sölfer. Unb sttKir 
ftnb fic gcfc^riebcn mcl;r bitinatorif(i^, ate abfhal^irt au« einer torlicgenben 
^nfd^auung". !l)cm ^)J^ilofoj>l^cn muß inbeß aud^- bieß ©erfal^ren no(^ aK 
Sm^)iriömu« erfd^einen, tt)enn aud^ „ti^^^ wnb gcifttoKer" (gr. $if<^er, 
«eftS^cti« § 531). 

®oct^c, aU er auf bicß SBerf ju fj)re<^cn fommt, ttäl^lt mit SScrec^nung 
f;ol^e SBorte. ,,93alb erljob fid^ SB. über bic (ginjel^eiten ju ber 3bee einer 
@cfc^ic^tc ber ^unfl, unb cntbcrfte aW ein neuer SolumbuÖ, ein lang ge= 
al^nbetcö, gebcntcte« unb bcfi>roc^ene5, ja man fann fagcn, ein frül^cr fc^on 
gcfannted unb n^icber terlorne« ?anb". Äl6 3«wfl?i6 *i^^^ frühem ®efannt= 
fein« citirt er jn?ei ©teilen rBmifc^cr ©d^riftflettcr, Ouintilianö ^>aratteltfirenbe 
ßl^aractcriftif romifci^er SRebner unb gried^ifd^r Äfinßler, ,,bei ber er ol^ne c« 
JU »iffen ober ju njoflen, eine Äunflgefd^ic^te felbfl barjujlellen genötl^igt fei", 
bereu fummarifc^e Sa^je er, »ic ®oet]^ glaubt, auö ber Unterl^altung mit 
römifi^cn Sunfilicbl^abern fd^o^>fte. SBenn . bagegen SJcHejuÖ „bad al^nlic^c 
Steigen unb tjaflcn aßer Ätinfie" unb bcfonberÄ bic Crfc^einung, „baß flc 
fid^ nur furjc ^dt auf bem l^micn '}}un!tc ju crl^altcn ttiffcn", aud 9?ac^= 
eiferung, iJicib, S3ctt?unberung, SJerjmeiflung cxHärt, fo tabclt cd ber Did^ter, 
baß er nur fittlid^e Urfac^en angebe, finbct übrigenö, baß biefc auc^ be« 
SRömcrö „großem Sd^arffinn nid^t genugt^un". Gr l^atte aÖ ältcfien ®e= 
wa^römann n^al^rl^aft gefd^tc^tfi^cr Setrad^tung bcn Sucrcg anführen Knncn, 
ber i>räcifcr att irgenb einer baö ®efe6 atter SBerle menf^lid^cr Kultur au«s 
fi>rid^t, ein ©efeft, gegen ba« felbft l^cute nod^ nid^t bloß 2:^eologen fld^ auf^ 



lehnen. ,,äu(^ bic Bilbenbcn fittnfte Icl^ttc aßnial^l^ bie ifrftji« unb bic 
unterbToffene ffitfal^rung bc^ mcnfc^Ud^en ©ciftcö, bce ©i^titt fttr Sd^ritt 
Donoörtö ftrebenbcn. @o jiel^t bic ^di attmä^rui^ ^cgUd^eö l^cwor, unbtic 
«ctnunft fteßt c« auf im üi^t bc« lag«; bcnn cincd mußte au« bcm anbctu 
aufleud^ten, Bifi fie bur^ Äunft gum l^öc^ftcn @ij>fcl gdaugtcn" (V, 1448 ff.). 

©octl^c fcttft f^cint ba« Scrbienfi bcr SSJinrfcImann'fii^cn ®ef(^i(i^t«= 
auffaffung in bcm ju feigen, tt)a« er fcftft üou bcr Äunfll^iftorie fotbcrt: ,^btc 
gonjc tunfl ate ein 8eBet|bige« (^mov) anjufcl^cn, ba« einen unmeiffli<j^n 
Urf^rung, einen langfomen S&aä^^tifmn , einen glängenben älugenBlirf feiner 
IBottenbung^ eine ftufenfäHige äfinal^me, mic j[ebe« anbcre organif<i^e SBcfen, 
nur in meieren Snbitibuen notl^tüenbig barftetten muß". 

ll)iefe SJergleid^ung mit bcm ä^'^'i if* 3"^ üfccrfic^tlic^en @n4><>irung ber 
Il^tfa^en unb jur örfinbung i>a(fcnbcr Uebcrfc^rtften brauchbar; fonfl ober 
fann man e« für feine Befonbere Srieudfttung Italien, für S)inge, bic in ben 
l^eUen Stegionen be« 99en>u^fein« unb aBfid^töocQen ^anbeln« gefii^ffen 
»erben , in Analogien mit t)egctatt»en Vorgängen ber organifd^en 3iatur ben 
®<j^ÜlffcI ju finben. Diefe Steigung jum ^erabjiel^en geiftiger Dinge in« 
9tatürlid^e n>ar gu i^rer ^üt au« bem äSunfc^ entftanben^ bie Su|erlic^n^ 
}ufalligen unb oft gemeinen Urfäd^ÜiJ^feitcn ju oerBannen, unb }ur Sntbetfung 
einer l^öl^eren ©efeftmägigfeit anguiciten, im ©efül^l (tt)ie ©oet^c fagt), „baß 
eine Jiotl^enbigfeit l^ier iju 2^>icle \ft, bie fic^ au« freien (Elementen ni^t 
gufammcnfc^en läßt". 6« bürftc inbcß bie 3cit gebmmen fein, jene „orga= 
nif(^e" änfd^auung unb ©cnoffen mit üBanffagung ju entlaffen. SBie bie 
SKaterie unb bic Äraft fein SBerben unb Sergcl^en fennt: fo ift in ber ®c= 
fd^ic^te, n>iffenf(^aftli(i^ Betrad^tet, nic^t« oon 99lüte unb SerfaU, aud^ ft^ 
riobcn unb 39egriffe ejdftiren nic^t in il)r, tt>a« tt)ir 33Iüte nennen ijl oft ber 
Anfang be« önbe«, n>a« xm äJerfafl nennen, ber Seim neuen ScBcn«, unb 
ber Strom be« ©efd^el^en« unb ber (Saufalit&t ftel^t nie ftiüe. Da« äS^ort 
„SnttDiÄung^' l^at fooicl gebient, baß man e« nun für Äünftc, ©taatcn unb 
SBiffenfd^aften emeritiren unb Di«ci^tincn n?ie ber CmBr^ologie überlaffen 
barf, U)o e« ju $aufe ift; unb cBcnfo fann ba« 2Bort „^xoct%", ba« fd^on 
genug gu tragen unb aud^ in anberem 3tnn immer menig Segen gcBrad^t l^at^ 
ben 3uriften unb Sßd^^miflen jurtirfgegcBen werben. 

§ 131. 
Der ältere Stil, 

Joeld^er bi« auf ißl^ibia« ge^t, Begreift eine äujal^l fel^r oerfc^iebener SKaniercn in 
fid^, c« xft eigentlid^ fein ®tit, fonbern eine 9tei]^e oon formen ber Dar= 
fleBung, ein langer SSBeg, nic^t Blofe ber 3«^^ ^^^t fonbern aud^ ben intte= 



§ 131. 3)et ältere etU. 201 

Ten 993aiib(ungen na(^, ISnger ald bctjenige^ meld^eu bie ^nft wn ^lincS 
}>x^ }u tl^tem (£nbc butc^tna^. ÜKan braucht nur 92amen anfjujäl^len tote 
äReto)>en »on SeUnu^, ^Qo oon !£c|eo, 3)enfmal t)on Xantl^^, Xcgineten, 
ober fh^ bie fietigc Stetige ber in ben ^afenBilbern erl^altenen 3^i(^nnttancen 
jtt )}ergegenn)artigen. äBinctelmann al^nte feßft, ,,ba voix unter bem ättem ®ttt 
ben (angften 3^itt<tttf ^ grie<j^tf<i^ Sunft Begriffen, fo mfti^n bie f)>äter€n 
SEBerfe »on ben erftcn fel^r »crfc^ieben gctpefen fein", ©omit ifi biefer ältere 
®ttl n}eniger ein bejal^enber, ^oflttüer, al9 ein (nat^ tantö SudbrucQ litni:: 
tirenber ober unenblic^er begriff : ode^ mnfaffenb^ »orin bie Jhinft noc^ nid^t 
bie twQtommene ^errfd^aft ükr il^re lernten gefunben l^at. 

Sin bamatö no<^ unlB^Bared ^^roBIem nxtr bie Sc^ibung bed altgried^ifd^en 
vStttö tont etruf eiferen : man glaul^c jci in einer Stngal^I gried^if d^er XrBeiten 
$au))turhtnben M Strudcifi^en ju Beft^en. Leiber ©^aracteriftifen fallen fu^ 
bal^er }um Senoec^feln al^nlic^. äBogegen eine anbere Senotrrung tt)enigfien6 
angefangen l^atte flc^ aufjuflären: bie bed ec^t altertl^ttmlid^en upb be^ intt- 
tirten altertl^ttmlid^n ober ar(^ißifd(fen. SBincfelmonn, cBmol^I er ben etru^ 
ctfd^en ®til nod^ ^uj^tfiic^lid^ nod^ folgen ard^aiftifil^en SBerlen d^aracterifirte; 
»ar bod^ ber Sl^atfac^c Bereite auf bie S^)ur gefommen, baß ber alte ©til 
in mel^ ober n^eniger genauer 9^ad^BiIbung ju atten 3^tcn fttr iBiIbn>erfe 
beß rcligiöfcn Suttu^ in Änteenbung BlieB, unb nic^t BIo§ für bicfc, baß in 
romifc^cr ^Ai alle möglid^en ÜRanieren früherer ÜRcifier unb Schulen xtpxt^ 
bucirt n}urben. 

,,3Ran fann, mamt er, nid^t Be^tfam genug gel^n in SSeurti^eilung 
be« ältcrö ber ärBeit; unb eine Siflur, »elt^e l^etrurifc^ ober au« ber äüern 
tunfi ber @rted^en fc^eint, ift e« nic^t adejeit. (Sd fann biefelBe eine (So^ie 
ober 9iadba]^mung älterer 338crfe fein. . . ©ei -göttlid^en giguren fd^eint ber 
ältere (Stil eüoad angenommene« gu fein, gur Sm^edung größerer (S^rfurc^t . . . 
oermutl^Iid^ um benfclBen in folc^er @ef!alt ein l^ö^ere« Sltertl^um unb 
bur(^ bicfe« meljr Serel^rung cinju^)rägen. . . 3Bie bie ÜEingc in ber SBctt 
oiclmate im ßtrfcl gelten unb bal^in jurüdfcl^ren, tt)o fie angefangen l^aBcn, 
fo Bcmill^ten ftd^ bie £ünfiler, ben alten (Stil nad^^ual^men, XütlAtx bur(!^ bie 
n>enig att«fc^n>eifenben Umriffe ter äg)fptif(^n StrBeit nal^e fornmt; . . . einen 
biefem entgegengefe^ten ®ttl f Bunte man in einigen 9{elief« finben, meld^ 
Joegen einiger ^ärte unb Steife fttr i^ctrurifdj, ober für altgried^ifc^ ju galten 
n)ären, Xütnn e« anbere änjeic^en erlaubten". 33eneiben«tt>ertl^e ^txi, »o 
man al« mobeme« Xnalogon nur bie in Snglanb BelieBte GEoßümirung ber 
^4>orträt« ä la !Ct^cf anfül^ren fonnte! — 

335a« nun aBer ben'fu^eren Denfmalera<)<)arat biefe« ©til« Betrifft, fo 
erhalten wir freiließ l^ier glei(^ an ber ©(^ttjelle bie entmutl^igenbe (boc^ jum 
@lü(f )?oreilige) (Srtlärung, ba^ ftd^ Don SBerten ber Silb^auerei (b. 1^. ton 



(Statuen) btefed Stild in 9?om ntci^td er^Ucn l^at'S (3ie gingen nur unter 
anbcm Stowen.) Sinige SJafcn au« 3?ea^)el, einige SWünjen »on ®rog= 
gTie<!^enIanb unb ®icilien, barunter bie t>on 'ißaftum mit bem !Drei}a(ffd^n)ingen= 
genbcn 3?e^>tu« ,,im fogenannten l^ctrurifd&cn ©til**; bie flcfd^ifcl^c ©ennne 
bcö flerbenben Ot^r^abeö, bie ben ®til ber ^dt Snacreon« l^abcn niBge. 
„®ie arbeit ifl mit Steig geführt, unb eö fel^tt ben giguren nid^t an Sttö^ 
brttcf ; bie ä^^^^^^fl Verfetten aBer ifl ^eif unb ?>Iatt, bie ©tettung gcjtüungen 
unb ol^ne ©ragie''. S)ie Äö^jfe ber üRünjen flnb gejcic^nct tt>ie ber befannte 
^ttadto^>f auf ben atl^enifd^en : ^fein 2]^eil bcrfelben l^at eine fc^öne gorm, 
folglid^ aud^ ba« ®anje nid^t; bie 8(ugen ftnb lang ünb platt gejogen, ber 
^nitt be« äKunbe« gel^t auftDSrt«, ba« ^inn ift f)>i$ig unb ol^ne jierlid^e 
äBöIbung''. (Sr Bemerlt, ^nblung nvlo StcOung feien bamate l^eftig ge= 
n>efen : unb l^ierfftr f^^rcd^en manche SSitbcr ber jagenben Ärtemi«, ber ^ücS 
in Eingriff ^ unb jal^Ireic^e (Scenen bed bacd^ifd^en «Sd^nxirmd unb Blutiger 
Äaml[>fe jniri= unb ©ierfttgiger SWenfc^en. — (gubfu^ bie ,fS^txüd^ttit'' (für 
bie er bie Analogie unferer Ouattrocentiften anjog) fucj^te man in ber eBenfo 
fein gefalteten unb geglätteten, xok grajiöö getragenen unb ge^ltenen ®c= 
»anbung. 

(Sonft, n)enn er ton einem ^^angenommenen (S^flema ton (ibealifc^en) 
Siegeln" f<>rid^t, ton ber „@tmi^f)dt ber S!cnntni§, too alleö aufgebest tor 
Äugen liegt", ton ber „nad^brtidlic^cn aber l^artcn ä^xiinvLnQ, in loeld^er fid^ 
ber genau Bejcid^nete Umrig offenbare", t>on.„3Rangel an ©rajie": fo mirb 
man jufte^en, ba§ alle biefe SRerhnale ton ben @ieBclgru^)^>en 8egi= 
na*ö aBgenommen fein Knuten. !Eenn il^re gormen finb ton oottfommener 
fienntniß unb l^erBer Sal^rl^eit, bie ©efidfeter tt^^)ifd& (3Btnrfetmann Bemerft, 
baö ©eftd^t an »eiblid^cn Äö^)fen fei faft jUHiifctl^aft @. 217), bie $)anblung 
ol^ne malerifd^e ä^f^ttig^cit, ton ^>antomimifdbcr Strenge. 

§ 132. 

I)er Ijol^c Stil. 

3m jmeiten ober l^ol^en Stil l^atte fid^ bie 3cit auögebrWt, in weiter, 
nad^ bem einmtttl^igen Urtl^eil ber Sßtcn felbft, i^re größten SRcifter gcmirft. 
^6er fttr bie ^cxt bc« ^Jl^ibia«, "ipot^clet, ätcamcneS »ar bie üDenfmälemotl^ 
noc^ größer al« für il^re Vorgänger. . „Xtx SJame be« $:^ibiaÖ ifl ber Äunfl 
t^cilig, n>cil biefelbe burd^ feine Schüler unb i^re Stod^folger biö jur l^öd^jlcn 
SSottfommenl^cit gefül^rt tourbe". aber mel^r at6 ben l^eiligen Slamen gab 
eö aud^ faft nid^t, „3u einer beutlid^en 93eflimmifng ber Äenntniffe unb ber 
eigen jd^aften be« l^ol^en ®tiW ber großen Serbeffercr ber Äunjl ifl nac^ bem 
Serlujl i^rer SSJerfe nid^t ju gelangen". Sr ruft Analogien gleic^geitiger 



§ 132. 2>er ^o^e ®ttt .203 

SDid^tung ju ^ttlfe, ben Stiefenfd^Tttt bei S^ragöbie x>on ilefd^^lud ju ®op1fO' 
cled. <So tDerbe ed mit betn Ucbergang loon (Slabod }u '^l^tbtad, t)on Jlge^ 
loba« gtt 'JJoü^clct gexcefcn fein. „Vbcx bie 3«t ^at und ttkr Beibcr SaScrfe 
JU urtl^eifen Beraubt". 

3Kan nKxr alfo auf Sennut^ungen angcwtefen. (Sin Stnlnö^fungd^unft 
fitr biefe lag in ben 3Kangeln bed 6td(;erigen @tild unb feinet angenommenen 
@t^fiemd mit ben l^arten Umriffen unb ber geuKtltfamen Xcticn. Diefe alfo 
toirb bie Wcform ber großen ^dt Bcfcitigt l^aben. ÜRan nal^erte f\di ber 
SBal^r^eit ber Siatur. — 

S[6cr ,,9nnS^erung an bie ^JtatumKtl^rl^eit'' UKir tt)ol^I nic^t bad 
SBort. 9iic ifi bie Äunjl fo eine« geworben mit ber Statur, ate in jener 
l^crrlid^flcn ^tit Ätl^enö. Die ÜKarmorgru?>^>en ber ^rt^cnongieBel, »elc^e 
boc^ nur unter ^^l^ibiad Leitung gearbeitet n?urben, oon ^ünfilem oerfd^iebener 
9{i(^tung unb Ü^ed^nÜ, bie er fd^on oudgebilbet toorfanb^ fte nniren in btefer 
Sejie^ung bie größte Offenbarung alter ^un^, bie nn^ feit Sincfebnonn 
JU Sil^eil geworben ifi. 3e^t erft lernte man bie griec^ifd^e £unfl loon ber 
Seite i^re« 9taturalidmud fennen^ unb in einer iEBeife, oon ber SBindelmann 
leine 8(^nung gel^abt. Qx tücii}nt, jene ^nfllcr l^ätten bie Sc^ön^eit allein 
in ber üoWommencn Uebereinfiimmung ber H^eilc gefud^t^ unb ber großen 
aiid^tigleit einen getoiffcn @rab fd^öner formen aufgco^>fcrt. OBmol^I er fonji 
nic^t tertennt, ,^ba§ ber Stil oon einer ^dt in ber tunjl fomenig ate in 
ber 3(rt JU fd^reiben aDgemein fein fönne": fo überträgt er boc^ l^ier ba« 
£ra($ten ber 'j3eCo^onnefter nad^ bem ©efe^magigcn, SlQgemeingUttigen, &ör))ers 
liefen, Sanonifc^en, auf bie attifc^e ^nfl, bie ftetd oom @eifi ber ^eil^eit 
bcf eett war, bie ^>oetif(^en ßoncc^)tionen Äör^>er gab, unb eine Bpxadft cigent^üm^ 
Ii(!her äRenfc^en n>ar. ä(ber auc^ oon ^)$ol^cIct unb feiner Schule ifi ed 
fd^n^erlic^ nsal^r, ,,bag il^re ^ddinVaiQ nod^ etmad oom f)^fiematif<^en gehabt 
l^be unb oon bem »aö fic^ »on ber Statur entfernt" (Tratt. prel. LXV). 
3n jener @)>oc^e n>irb burd^ aQe l^e&cnifc^n ^nftfd^ulen ein 3^9 Begangen 
fein, »ie ber »eld^er um 1500 bie italicnifc^en ergriff, ßbenfo Kä)n, fo 
grünblic^, fo abfic^t^ooU fc^einen il^re äReifter fid^ oon ber l^erfömmlic^en Se- 
l^nblung^toeife lodgefagt ju ^ben, n)ie ettoa ÜRic^elangelo t>on ber !£rodfen: 
l^eit unb ber anbac^tigen, !ör^>erlofen goffaggine ber Öuattrocentiften, ober 
mie jijian oon ber Symmetrie unb alt ber unmalcrifd^cn '^einlit^Ieit, @olb= 
^^rad^t, SRcfferfd^arfe unb ßmaitglättc ber alten Scnejianer. SJieücid^t liegt 
auc^ barin eine Analogie ju bem ©cgcnfa^ pelo^)onnefif(^er unb attifd^cr Äunft, 
ba^ ber f$lorentiner ftd^ au« bem veralteten Stil in ein dbeal oo£ffommener 
£öri>erlid^lcit ttKirf, ber SJenejiancr aber malerifc^e gtci^eit unb SBirfung 
fanb. ®erabe fo fttl^lten bie @ric(^en bamatö, bag t9 mit jenen atl^tetifd^ 
l^crben 9tarmal!ör^)ern, jener 3i^ti<^'fcit be« Ocfältctt, jenen maWenl^aftcn 



204. B^citee iOu^. IL ^ie ®ef(^te ttx Stm% 4. f^ifbrifc^er Xl^eit 

@efid^tem unb jenen t^^lfd^en Sttituben genug fei ... 9!un tfi in il^ten 
äBerfen eine i^eii^ett t)on jeglicher Sefangenl^eit, bet UeBerHeferung nnb ber 
Spanier, »ie {te feCbfl ber grie(^ifd;en &unft balb mebet aBl^ben !am. 9He 
l^at fid) '}5f^e »icber fo leicht l^immctoärtö erl^oBcn, toic bei biefet il^rcr 
erften Sefiügelung. Sd ifl eine ^unfi, bie ber Statur jo }U fogen ol^ne jeben 
äSoQaft gegenüberftel^t. 3(6er man möd^te fagen^ bie Ütatnt ift ba$ n)enigfitel 
!Ca^ n?ad ftd^ l^ier eine (Srfcbeinung gejaubert l^ot, bie ber (Spiegel ctnfati^cr 
Siatur fc^eint, »aren bie größten ©cbanfcn, ein unenbtic^cr Sinn für an« 
mutif unb Scbönl^cit unb fttt malcrijc^c grcil^eit. Die (Stellungen fc^inen 
filr ben 9Koment angenontnten; ber ä){arnu)r folgt mit ber ®ef(&meibig!eit 
bed ^eben^ ollen S9iegungen, Krümmungen ^ ^reffungen, @cn!ungen be^ 
8leif(^e^. — 

Sincfclmomi »ugte, ate er bie Sunftgcfci^id^tc f(^rieB, nur gttjci äBcrfc 
biefet l^ol^en Stitt anjugeben: fo unfi^er ttwtr no<l^ fein Slid. 3)ad eine 
n>cr bie *^3otta5 ber Sifla ättani, jc^t in 3Wün(^en. 3n il^rem Äoi>f fei eine 
getoiffe ^ärte, bie aber beffer em^^funbcn afö befc^rieben n^crbcn fönne; man 
fönnc in bem ©cfic^t eine gen)if|e Orajic ju feigen »ttnfd^n, mie baffetbc 
burc^ mel^r Siunbung unb ?inbigfcit erl^alten mürbe. aSietteid^t ift bied 
nur ber ber ^üa^ eigne (aud^ in ber Soloffatttifle am fetten Ort miebcr= 
fel^rcnbc) 3ug, — in bera jungfräulid^c $erbc, Streitbarfeit, unb jene ®eifleÄ= 
fraft, bie ein $eer oon ©ebanfcn »ie litanen ju bänbigcn fd^eint, fid^ 
oerf(^rael3Ctt — ; unb toaö man ai\^ oon ber $er!unft ber ©totne bcnfen 
mag, gemi§ ifi, ba| wir und nic^t oorftcttcn fonnen, nne biefen 2^j)uß eine 
anberc ^txt l^atte fittbcn foHcn, aW bicfe, rrytld^c für bie l^ol^en, fönigßd^n, 
monnlid^eflnntcn 333eiber, bie ämajonc, bie $crc, bie pegenbe ä^jl^robite 
ein fo fid^tbare« Sl^ariöma l^attc. — 

ßtmad »ermirrt »urbc bie G^aracterifti! in ^olgc bed Serfel^end l^im 
fid^tlic^ bed 2co^>ad, burd^ baö bie 9Uobegru^)i>e (bie ex für baö Original 
l^iett) bem l^ol^cn ®til jufiel. ^icr mar nun freiließ oon jenem' ,,®d^cin 
ber §arte" nid^tö ju feigen, uiclmel^r eine „l^ol^c Sinfalt ber ganjen 3ßi€^= 
nung", ein ,,glcic^fam unerfc^affcner SJcgriff ber Sc^önl^eit''. 3)a foötenun 
oou ber angetiommenen ©efe^flrenge biefed ®tiW eine ®j>ur njenigflenö §u 
finben fein in ber Stnnäl^erung an einen einjigen, l^öd^jien ©d^önl^citöbegriff, 
in ber ,,ae]^nlid^fcit ber tö^>fe ber ^iobe unb il^rer lod^tcr, nntld^e unmerf- 
Ii(^, unb nur nad^ älter unb bem ®rabe ber ©(^önl^it in il^nen, »erfd^ieben 
feien." Xic »e^anblung beö äuÄnidd galt al« Se»ei«, bag biefe Ättnpler 
bie ©efu^ter ,,rein üon Gmn>finblic^feit unb entfernt üon inneren ffim^>örttngcn, 
mit einer frieblidieu immer gleichen Seele »orgeftcßt". Unb richtig ift, bap 
in ben l^öc^ftcn SBerfen biefer 3cit ffim^finbung unb äffcct nicbt tonangeben* 
beö SKotio finb, obmol^l ja ber ^^rtl^cnon*nid;t nur ein ^^attabion enthielt, 



§ 133. !2)ie beibett (^ra^ien. . 205 

fonbetn oud^ einen ©öttctfhett unb totlbc Sentaurenfcl^ben. äBcr bie ^ 
nat]^cnScni>rcceffi^n jcigt, tpic man fic^ andt in ©ccnen cm« bcm SeBen t>ott 
Onbbibualifirung in gcmeffcner gerne l^icft. 

2)er ougenfSDigftc ÜRongcI bcr SBinrfcImannfcj^en SE^cmric ift, ba§ bct 
@efld^tö<>unft ber 8incatf<^9n]^eit fid^ aöjn Breit in ben SJorbcrgrunb brängt 
SHJie feine ^tit fennt fein äfil^etifc^er 59egriffö<4)^>arat nic^t bie ffirflnbung, 
bafi (Srfd^ffen öon (B^oractercn, fo gut er biefc im ctnjelnen aufjnfaffcn unb 
jtt f(i^ilbern mijß. ^(ä)tx fel^lt ba« $au)>t^tacteri^icum biefer großen 
Sunfljeit — tt>ie jcbcr genialen ^tit : bie Originalität, bie iJeftftettung gött= 
lid^r Ztfpcn, unb jnxnr S^^en l^öd^fter Drbnung, Xtfi^n, in benen eine« jeben 
JD^nen für immer, unöerBeffcrü(^ , fc^Iec^tl^in gültige ©eftaft gewann. @o 
lange bie äRenfd^l^eit ba6 @Sttli(^e im menf^Iic^en 9^tlbe barßetten 3U fönnen 
geglaubt I;at, ^Ben bie Scl!er unb bie dal^rl^unberte l^ier gefunben, n>a9 
tl^re $]^antafie nie gcfunben t;&tte, unb ma« il^nen bod^ aU tl^red Verlangend 
nad^ @egennxtrt be$ Unenblid^en (Erfüllung ]ifktL „'S^cc^ ifi ba« @roge im 3eu9 
be« ^ßl^ibiaö, fagt Dio (S^r^fojiomuö, ba§ 'mtx xifn gefd^aut, nie ein anbcr 
©iß) in fid^ auffommen laßt, alfo, bafe er erft ^etta«, bann aHe SiatiDnen 
um biefc ®eflalt »erfammelt l^at". 

§ 133. 

2)ie Beiben ©rasien. 

S^iefe SBefd^reiBung beS l^o^en (Stil« n)ürbe un« bod^ toentg Befriebigen, 
n^enn ber @d^riftfleller nid^t burcb eine ©emerhtng be« '^ßliniu« über bie 
Orajie auf eine ©ebanlenrcil^c anbcrcr Drbnung gefüi^rt »orben ujäre. S)ie 
Sel^au^tung biefe« (Soin))ilator«, bag bie ©rajie burd^ Sl)>eQe« unb ''^ra^itele« 
in bie Äunfl eingeführt »orbcn fei, fra^)t>irte il^n. „Splglid^/ tüirb Semanb 
fagcn, hjarcn bie Serie be« '^l^ibia«, bc« ©cojki«, be« äW^ro, be« ^^Jol^clet 
ol^ttc ®rajie", ol^ne ba« „t}emünftig gefällige?" SQKrKic^ nennt er einmal 
il^rcn @til „ben l^ol^en Stil ol^ne ©rasie", unb meint, „bie Urfac^e be« 
gcl^len« bcr ©rajie in ben SBcrfen bc« ^l^ibiaö unb ^Joli^let liege in ber 
$% ber 3bccn, bie fle geBilbet, unb in ber Strenge il^rer ^tidfnMn^'^ 
HBer e§ tüiberfheBte il^m tief, bem ^JJI^ibia«, ber SäoBe bie ©rajie aBjus 
f<)red^en, „bie in ber öinfalt unb ©tiöe ber ©eele tpirft", bie feiner UeBer» 
jeugung na^ „üBer bie SBerfe be« Ältertl^um« fld^ allgemein crgoffcn ^tte". 
6r fragt fid^ oB e« nic^t auc^ im Slltertl^um gefd^madflofe (Srittfer gegeben 
l^aBe. 2)ie Sdfung be« 9{Stl^fel« fanb er in ber Slnna^me einer jn^ifaci^n 
©rajic, 6r erinnert baran, „ba§ bie ®rajien, tt)ie bie ÜRufen, Bei ben 
Slteflen Oricci^en nur in jtt)ei 9?amcn t>erel^rt »utbcn". 3^^^ ^^tn bie 
©teilen, auf bie er fid^ Beruft, ni(^t ganj; aBer bcr @eban!e, ben er baran 



206 S^M euä). II. IZ)ie ^6f\€ftt ber Stnn% 4. ^iflotif(i^ct Xf^l 

ftitt<)ft, bünft un« ntcl^r h>crtl^ aU jene lejtc. Sa« alfc jcitc @mSXjxi' 
mannet bc8 fliniu« ©rajic bcß Ä?)cffcö nannten, fei eine Bcfonbcrc ©rajtc, 
öon ber man eine anbete, bie et „^of)c @tajtc" nennen n^iB, untetf(^iben 
Anne. „^ l^aBc g^fud^t, ol^ne natfctl^eilig bon fo gtofcn Ättnfttetn jn 
uttl^etlen, einen Untctfcbicb bicfet ©tajic bcn einet l^Bl^etcn anjugeBen^. 
.I)em ©etfud^, Beibe Segtiffe gegenetnanbct'aBjugtenjen, tetbanhn njit eine 
bet l^ettlid^flen ©teilen feinet SBerfe, eine n>a]^te Jend^te bct fünft (f. 1 . S. 65). 
,,!Die ®tagie beS ^l^ibiaö nnb feinet ^citgcnoffcn tfl wie bie l^irnrnftfc^ 
S?cnuö, bon bet $atmonie gcBilbet, Beflanbig unb untjetanbetlid^. ®nc ®c= 
fctiin äffet ©öttct, fd^eint fie ftd^ felBfi genugfam unb Bietet fid^ nic^t an, 
fonbetn miff gefud&t n>etben; fle ifl ju et^aBcn, um fl<^ fel^t finnlic^ jtt 
mad^en; bcnn bqö l^öd^ftc l^at, toic ^lato fagt, Tein Silb. 2Rit bcn SSfcifen 
affein untetl^alt ftc fid^, unb bem ^öBel etfd^eint fie flöttifd^ unb unftcunb= 
Itd^, fie bctfd^tiefit bie 23ett)cgungen bet ®eele in fi* unb näl^ett {i(^ bct 
feiigen Stiffc bct göttlichen 5»atut/ ücn njelc^ct [idj bie gtoßen fünfHet, n>ie 
bie ättcn fd^tciBen, ein 93ilb ju entn>ctfen fuAten. 3)iefet ©tagic o^)fcttcn 
bie fftinfttct bc« l^ol^cn ©tite. a»it bem ^l^ibia« n^itftc fie in bct »ilbung 
be§ oIt^nH>if(i^cn 3u^)itct, ... fie rooIBte, n^ic in bem UtBiD) bc§ SünjiletÖ, 
bcn flotjen Segen feinet STugcnBtauncn mit f icBc, unb goß J^ulb unb ®nabc 
auö ttBet bcn Slidf feinet 3»ajeflät. Sic ftönte mit il^tcn ®efd&n>ifictn unb 
bcn ©öttinncn bct Stunben unb bct ScBön^cit baö $au^)t bct 3unc ju 
ätgo«, ate il^t 33Jet! »otan fic fic^ ct!anntc, unb an toelc^em pc bem ^^0= 
I^cletu§ bie ^nb ffi^ttc. 5tn bct Sofanbta bcö .Salami« lad^eltc fic mit 
Unfdftulb unb ??ctBctgenl^cit; ftc Dctl^ttfftc fi(^ mit äüd^tiget ®d^m in ®titn 
unb äugen, unb f^)iclte mit ungefu^tet S^tx\>c in bem SButfc il^tct Ätcibung. 
jDuttB biefclBc ttjagtc fid^ bct SKcipct bct ^HoBe in baß 9tcid^ un!öq|)ctIi(Bct 
3been unb ettcid^tc ba€ @eBcimni§, bie ÜJobcßangft mit bet ]^5d^flcn ®c^on= 
l^cit ju t>ctcinigcn: et n)utbe ein ©dböipfct teinct ©ciflct unb l^immlifÄet 
Seelen, bie feine SegicAc bct Sinne cttocdfcn, fonbetn eine anf^ulii^c 8c= 
ttadbtung qücx Sdbönl^cit mitfcn; bcnn pc fc^einen nid6t ^nx ?cibenfd^ft gc= 
Bilbct ju fein, fonbetn biefcIBe nut angenommen ju l^aBcn". 

„I'ic anbete (^tajie bagegcn — bie »otncBmflc (Sigcnfc^aft bcfi folgcnben 
StiW — ip Xüxt bie 5?cnuö oon bct Xionc gcBoten, mcBt bct 3Ralctci 
untctmotfen, eine JocBtct bct 3^^^ ^"^ ^^wt im ®efoIge bct ctftcn, tücld^c 
pe anfünbigt füt bicjenigen, njcldbc bct BimmlifAcn ®tajic nic^t geiocifet pnb 
(che non sanno i misten ec.) J^icfc laßt pdb Betuntct bon il^tet ^cBBcit, 
unb madbt p* mit 9KiIbigfcit, o^nc (gtnicbtigung bencn, bie ein Äuge auf 
biefcIBc tt)ctfen. tBcilfeaftig: pc ip ni6t Begierig ju gcfaffen, fonbetn nidbt 
unctfannt gu BIciBcn. IHc ftünPIct bcß fdböncn Stitt gcfcfften mit bct 
ctpcn unb l^Pcn ©tajie bie jmitc, unb fon>ic {^omcrS 3uno bcn ®ftrtel 



S t3d. S)te kiben ®Ya)ien. 207 

bcr SJcnufi nal^m, um beut 3[in>itcr gefälliger unb fiekn^würbigcr gu ctfd^cU 
ncn, fo fut^tcn bicfc SKctflcr bic l^ol^c Sc^önl^cit mit ^incm finnlic^ext 9tcij 
ju Begleiten, unb bic ©togl^cit bu^ eine juüorfommenbc ©efäDiglcit glcid^= 
f am gefeöiger ju moci^". — 

!t)icfcr t>on SBindelmann erfunbenc Segtiff ber l^cl^en ober jhrcngen 
©ragic Hang feinet ^At fel^r ftemb, benn fic räud^ertc einer ganj anbeten 
@rajic;.t}iclcn f^ien fie ein S35iberf^)tu<j^ im SJcifaft. SSdltaite j. 35. t»at 
ed f cl6ftt)etf}änbli(i^ : le s^rienx n'est Jamals gracieux; il n'attire point; 
il approche trop du sevöre qui rebute. SDtengS etflätt ftd^ in biefem 
^un!t aufö fc^ätfftc gegen feinen gteunb. „dx nenne bie ^cic^nung ?eos 
narbo'«, Stnbrca'«, @uibo'^, Slttano'ö f^ön, bie bcö ß^rreggio gragiiJö; ba« 
auflere atcr »ertrage f«^ nur mit bcm erl^aBencn, l^öd^fienö mit bcm fd^önen 
®til, gar nid^t mit bcm fü§cn unb anmutl^igcn, ba Strenge unb anmutig 
fld^ fd^nurfitrafß entgegenlägen", ffiinrfclmann l^atte juetft ttjicbet einen 9tcij 
geal^nt, bcr gett>aftiger ifi aW bcr 9ieij ber füfeen ©liefe unb bcr SBcHcnKs 
nien be§ ,,9Kalcr6 bcr ©rajif"*). 

3c me^r man fcnncn lernt t>on jener großen ^t\t unb an il^r feine 
Scgriffc t?crBcffcrt, um fo flarcr fielet man anäi, bafe in bcn angcftil^rtcn 
SBortcn bcr El^aractcr bcr £unft l^öd^ftcr Drbnung. gcgenüBer aller £unfl 
jtociter Crbnung üergcici^nct ifi, — ber funfi bic fid^ an bic cblen Slcmcnte 
mcnfd^lid^cr 5iatur wcnbct, an i^rc gS^igfcit, Grl^cBung in bcm ju finben, 
rtjafi pc JU bemtitl^igen fc^ciitt. 

3cu§, $crc, ^aOa«, auSgcfül^rt in bcr gcificrl^aftcn ©röße unb ^rad^t 
bcr OolbclfcnBcinhtnfit — unb fitr bicfe gebadet — , ftc tjcrfinnlicBtcn ba^ 
©öttlic^c in feiner Siul^c, ffirl^aBcnl^cit, UcBcrtücltlidfefcit, tt?o c« un§ bc« 
OefftBW feiner ®cgcnn)art tl^cill^aftig mad^t, inbcm cö un§ in bcn StauB 
ber (gublidblcit niebcm>irft. — I)ic tunfi fann baö ©öttli^e aud^ mittelfl 
bcr @celcnf^)ra(^c barflcHcn, burd^ bcn äuöbrudf jcnc^ l^öl^crcn ?eBcn^, jcnc^ 
gcftcigcrtcn ä^^P^^^W, bcr '-Plato ein gottöcrl^ongter fcBien, mcd^tcn e§ nun 
bic ÜRufcn fein, ober C&roS, ober bcr Ora!cl= unb SiÜjngott, ober IDiom^fo^, 
bic i^n gefaitbt. ?c^tcrc§ ttjar bcr SSJcg bcr folgcnbcn ^txt 

9lBcr bic SclBflgenugfdmfcit, bic fid^ uid^t auBictet, fonbcrn aufgefud^t 
töcrbcn ttjiö, bic ju crl^aBcn ifi um fi<^ fcl^ ftnnlid^ ju mad^cn unb bcr 
feligcn ®tiüc göttlid^cr 9?atur pd^ nähert,. uniranbclBar ttjic bic $immctt= 
Harmonie, bic ungefu(^tc ^xtx, baö ?äd&cln mit Unfd^ulb unb SJcrBorgcnl^eit, 
bic ©cftaltcn bic !cin ©inncnfcucr cntfa<^cn unb ni(^t jur ?cibcnfd^aft Bc^ 



*) 2)cn Sötcn »ar bcr Söcgriff nid^t ganj frcmb. Coeli nempc chorum rideribus 
comptum et coronatum siida terapestate visimus, pictis noctibus seyera gratia, 
torvo decore; anacipientes ' in hoc perfectissirao mundi, ut ait Ennius, clypeo, miria 
fnlgoribus yariata caelamina. Apul. de Deo Socr.'^.;^ 



208 3»^te« 8uc^. II. 2)ie ^ef^d^te bct ^uttft. 4. «iftorifc^r X^eit 

fttntmt f(!^incn — nie pwto SBortc bcm @c]^cininr| fo nal^e getreten, l^Bcn 
baö Unauöf^wed^Iid^e einer Äunfl faft tjcrrat^en, — bic nic^t« ju woBen 
ft^eint nrio aUc^ !ann; bie bol^inauf ^ tcrjHcg, ttjc ber ©cbanfe felbfi 
ni(i^t I}inrei(^t, unb n)a$ ftc bort ]ai), mit fold^r 39?cul^ti&oI]Dbmmenl^eit te9 
©eifteö unb ber ^anb^in bie ftör^jettoelt l^erabl^olte; bic jungfrSuIid^ rein nxtr, 
mib gegen bercn mSnnßd^smeiftcrfic^c^ Setnwltcn ber ©el^eintniffe ber ©innen» 
nnb @eiftertoeIt ade ^to^eBornen unmttnbig f(!^einen; bie burd^ nid^tS ben 
©innen cntgegenfentmt, unb bod^ ein Unenbliti^e^ nnfi flnnlic^ nafee Bringt, 
fftl^Ibar ntad^t. 

Ate fle biefe SBorte öemal^m, fing bie Äunfl an innc ju »erben, ba| 
jk gefallen, ba§ bic ®nabe »on il^r gett)i(j^en njor. So ifl ber ©eele jir 
SÄntl^e {xtcäi ber alten ©age), »enn i^r ein l^intmfifd^er SRagier (ber fid^ 
oufi unenblid^ fernen ^Regionen ju il^r l^eraMemtt^t) ba^ öilb i^eö Krlore^ 
nen, ja »ergebenen Saterlanbö »eift, ©eflalten t>off SKajeftat unb Sieinl^it 
unb ©t^ne in lichten SSilbcm töorf^)iegcIt, einp il^re ®efi)iclittncn; ein 
ÄnBIitf, ber in einem 9Komcnt ba« SBunber ber ^Reinigung, neuen SeBen«, 
ber ^eimfel^r üoßBringt. 

§ 134. 

3)cr fd^öne Stil. 

dlaäi foldben SBorten foHte man bcn!en, ba^ be6 %utor9 ©efc^mod unb 
Sieigung ganj in ber Stid^tung be« l^ol^cn ©titt liege. ÄBer toenn toir il^n 
nun öJ>n ben SBerfen be^ fc^öuen ©tiW fi>red^en l^ören, fo jeigt fid^ bie 
SRad^t ber ©egcntuatt, bie gett>altigcr ift ate bic Äl^nung beö 6ntf ernten, 
Sntfd&tounbcnen, ttjcnn auc^ ©rögcrcn. , 3m 9ieid^ ber ®eban!en mag er auf 
©eite ber l^ol^en ©rajic geflanbcn l^aBen, ben 3<*it^cr gelicBter Ställe l^attc 
ber fd^öne ©til für flc^. Unb ed n>ar nid^t Blo^ ba9 ^eltbunlel ber SC^nung 
gegenüBcr ber STage^l^eOe ber ©cgenmort. „3Benn man SGBindfelmann« Äunfl^ 
urtl^eile miteinanber Krgleid^t (Bemerft «. ®. ©d^legel), fo faßt in bie 
flugcn bag, tDiewol^I er mit Serel^rung t>on bem l^ol^en unb jtrengen ©til 
rebet, feine 9^eigung entfd^ieben auf gefällige Su^Bilbung ging, ^e n)enig 
fagt er t)on bem Äo?)f ber gubotoiftfc^n ^no, öon ber StioBe, nnb mit 
ttjelc^cr ?ieBe »crtücilt er Beim ©turj beö ^erculeö, Bei bem »aticanifd^n 
W^otit>, lauter 3Ber!cn bc^ geleierten unb gicrlid^n ©titt, worunter nid^t« 
au^ ber ^txt öor aUejcanber bem ®ro§en l^erftammt". 

„3Son bem fd^öncn (ober flicßcnbcn) ©til !ann man mit mel^r ^va^tx^ 
läfflgfeit rebcn att t)on bem l^ol^cn ©til: benn einige »on ben fd^Bnftcn %U 
gurcn bcö 2[ltcrtl;^um5 flnb ol^nc 3^cifcl in ber ^dt, in tücl^er bicfer ©til 
Blül^tc, gemacht, unb üiclc anbere, »on benen biefcö nidbt ju Bereifen x% 



§ 134, 2)cr Wönc Stil. 209 

fmb menigftcn« 9?ac^a]§mungctt üon jenen", tiefer Stil „l^cBt fld^ an t>on 
^ra^tcleö unb erlangt feinen Ijöd^flen ®Ianj burd^ ben W(>tUc^ unb ?^rq)<)." 
Sefttcrer fott bcnn cnbtid^ bcr SBcffenlinte, mie mir fd^on l^örtcn, jnm üeüigcn 
©ieg üer'^olfen l^aBcn. 

SRun njirb man gnjar ^mcifcln fßnncn, ob njirflic^ bie nnbulirenbcn 
gormcn (j. 93. beö »aticanift^en ,,?lntinon§"=$ennc«) bet 9Jatur fotool^t n)ie 
bcr Sd^önl^eit mcl^r gemäß finb att bie mit gläd^en unb SBinfeln (n^ie an 
bcm fogenannten Dor^^)]^oro§). Dod^ ifl jujugeBen, ba§ jene fanften Linien 
j. 99. einer tüeic^ angelcl^ntcn Satt^rpgur na^ ^rajitele^ ober eine« @auro= 
ctonoö, t?on unauöf<)re(j^Ii(j^em 9tcij umfloffcn fmb ; unb eBcnfo, bag jene jiarfcr 
anfc^tücßcnben SBaHungen an einem ©d^atcr in 33raccio nuoüo im ^txrlx6}= 
jlcn (ginllang [teilen mit bem Äu^brud rafc^cr Äction, atl^Ietifc^er @^>ann!raft 
ber 3RuöfeIn. 

greilid^ n^urbcn I;ier, toie Bei bem älteren ®til, fel^r t>erfc^iebenc ®d&utcn 
unb ü)Icifler unter einen 99egriff getrad^t, ber, menn er für alle ^>affen follte, 
fel^r t?ag fein müßte. !l)ie ffunfl be« ^^rajitelcö ifl nac^ gorm unb ®eifl 
grunbüerfc^icben »on ber be§ ?^fi})}); ber Saocoon fommt lieber au« einer 
anbercn ®^)]^äre; axn 2l})olIo unb lorfo ifl fc^on ber Ocfd^mad ber Saiferjcit 
ju f^)üren. 

Sm Bcjlen pa^t ba« 99itb ber jtvciten (Srajie .ujol^I auf bie jnjcitc 
attifd^e Schule, in ber bie Sunfl mit SorlieBe ba« ©eBiet bc« SnH)finbung«= 
IcBen« Betrat; tragifd^e unb fomifc^c Sffectc, Begeiflerte unb fentimcntalc 
3uflänbe ju tonangeBcnbcn SWotiüen mad^tc, njeldjc felBfi bie 33Jal^I bcr %ox^ 
min Bcflimmtcn. „3)a« aKannid^faltigc, erinnert aBindtetmann, unb bie 
mcfjrcrc 9Serf(^icbcn]^cit bc« äuöbrudf« t^at ber Harmonie unb bcr ©roßl^eit 
in bem fd^önen ®tit feinen- ßintrag: bie Seele äußerte fic^ nur njic unter 
einer ftißen glätte be« 93Jaffcr«, uhb trat nicmal« mit Ungcftüm ]^cn>or. 
3n 9Jorflenung be« Reiben« BleiBt bie größte $eiu »crfd^Ioffen. ÜDie Äuufl 
^>^ilofü})]^irte mit ben Seibenfd^aften". 

UnläugBar fmb bie reijüollfien ®(^ö<)fungcn bie üon ber ^^gef^ßigcn 
©rajie" inf^jirirten. Ol^re ©cBilbe rttl^rcn unö unmittclBarcr, leB^after — 
erfc^ütternbcr ober fc^mcljcnber. 3cne bcr l^ol^cn Orajic pnb bcm ^)rofanen Sinn 
oerfd^lofTcn, jtc forbem eine ®^)outaneität bcr (Srl^cBung; bicfc verlangen nur 
gm^>fänglid^!cit, ©aiten, bie in SRitfd^njingungen oerfc^jt tt)crbcn fönnen. 
Doc^ ifl bie SBärme, bie fic au«fhal;lcn, fcincötpcg« bie ®lut ber Sinne 
unb ber ?eibcnf^aft, ober nur in bcr 9Scr!lärung ber "^5ocfie, geläutert jum 
rcinflen 3)uft, ?fV<^c. Xk ffim^)finbung Ijat jene 3ugcnblid^feit, bereu ®c= 
niu« un8 crfd^eint im Sro« bc« ^]Jrajitclc«, noc^ untjcrgröBcrt unb unBcfc^njcrt 
burd^ bie junel^mcnbc SKaterialität bcr folgcnbcn 3a]^rc. „Tic greubc 
fc^mcBt njic eine fanfte ?uft, bie !aum bie 99lättcr rül^rt, auf bcm ®cfid^t 

3 tt il i , SS^intfclmoniu n. 2. 14 



210 3tt>«tc0 «uc^. n. 2)ie OJcfc^^id^tc bcr Äunjl. 4. ^iflorifc^^ X^l 

einer fcucot^ca". G5 ip bet l^crtUi^e *acc^u«foj>f im Saal be^ ftcrBcnben 
ge(J^tcr^ gemeint, jene« Silb unenbliti^ct ©enu^fal^ußfeit, aber im 3iiP^^*> 
gefättigter SRul^e, xüo bie fiürmifd^eren SBattungen ber JJreube nur mx^ fanft 
in ber ^J^antafic nac^jittcrn. 

'Xicfc gefällige ©rajie njurbe nad? SSindcImann juerfl in ber ÜKalcrci 
crjcugt unb burci^ biefe ber SÜbljauerfunfi mitgetl^eilt. ^/JJarr^fiuö ber ÜRatcr 
ift bur(^ bicfclfie unpcrHid^, unb ber crfle, bem fic pd^ gcüffenBart l^at. S« 
iji mcvfivüTbig, ba§ ber S3atcr biefer ©rajic unD 2[<)ene§, a^Ic^cr ftd) bic= 
fefBe üöüig eigen gcmad^t, unter bem njcttüfligen jonifc^en $immet unb in 
bem ?anbc geBoren tiviren, tt)o ber 33ater ber Xicfeter einige l^unbert 3a]^re 
üorl^er mit ber l^cÄficn ©rajic Begabt njorben »ar. 9Wit einer jartlicbcn 
Cmpfinbung Begabt, bie ein fotc^er ©immel einflößt .... fam ^rrl^afiu^ 
na<^ ät^en unb njurbe ein greunb beö 333eifen, bc6 ?el;rer^ ber ©rasie, 
tt)e((^er biefelBe ^em X^ato unb 3Ecnoj)l^on entbcdfte. (gr tt?ar ber erfie, ttKÜ^tx 
ben 5i9wrenföj)fen, bie t?or i^m eine l^artc unb ftrenge SKienc Ratten, ein 
l^eitereö Sefcn unb bie ©rajie neBft mel^rer 3^^^^^^^^^ ^^ ben paaren gab, 
unb fein größter SBorjug Bcflanb in bem fdjcnen Umriß, in beffen 9tunbung, 
in ?ic^t unb Sd^atten". — 

33eibe SCrten ber ®rajie finb nur ibeaten unb l^ol^en Sd^önl^eiten eigen; 
oBnjol^I bie Örajie fld^ aud^ üBer ®cfta(tcn ergoffen . l^at , bie nic^t bie toü= 
tommene 3bee ber Sd^önl^eit ^Ben, um, a^aö biefer aBgel^t, burc^ i^rcn 
(Sinfluß 5U crfe^en. Diefe i)l bie nicbrigere (Sra^ic, bie üomel^mlid^ vQinbcm 
eigen ift, afö an »eld^en bie gormen, bie bie Sc^cnl^eit Bilbet, noc^ n\dit 
üöüig au^gefül^rt-fmb, unb bie alfo jener ©rajie nic^t fällig fein fiJnncn. 
SBol^t erft bie 92ad)foIger l^aBen, ba fie bie ä^i^tlic^Ieit unb ©cfoüigfeit ge= 
fuc^t, au(^ bie linblid^e Diatur einen SJonüurf il^rer Sunfi fein laffcn. SKan 
Knute biefe bie fomifd^e, foane jene bie tragif(^e unb e^jifc^e nennen. ITie 
fomifc^e ©rajie (grazia correggesca) ift in ben iJöpfen t)on Saunen unb 
SSacd^anten au^gebrürft burd^ ein freubige^ Jäd^eln, »oburd^ bie äBinfel bc^ 
SKuitbcö in bie ^öl^e gejogen njerben; unb ba »o biefe ^tö^ßd^fcit fic^ burd^ 
folc^e 3^9^ Bejeid^net finbet, l^at allcjeit bie ®ilbung ein gemeine^ gefcnfte^ 
^rofil, ober eine vertiefte 9fafe". SSJincfelmann l^ielt ben Bprgl;efif6en Sau= 
roctonoS für njürbig ba« £tiginal be6 "pra^itclefi ^u fein, unb gfauBte in 
ben SRingem ju Slorenj baö S^m^ilcgma ber Se^}]^iffobor ober ^etiobor ju 
fetten. — 

Xicfe ©cgcnüBcrfteüung be« l^ol^cn unb fc^cnen Stilö erinnert an mW 
d^ertci "faraüelen auö ber neueren Sunfi (rgl. § 108), not^ me^r au« grie= 
(i^ifc^er lid^tung. £o unterfc^ieb ber Stl^etor Dion^fiu« einen l^crBen 
(avajr^Qoc), einen Bltil^enben unb einen mittleren Stil. iCer l^erBe ber 
"Pinbar, Äefc^t^tu«, Il^uc^bibeö ^aBe eine ftoljc (avd^udig) Sd^önl^eit, firaft 



§ 134. a)cr Wönc ^tit 211 

unb SBürbc, f(!^roff l^ingefc^tc Äcmmortc dI^hc Sorge für SJcrBinbung, ^ar= 
monic unb baö acujiifci^ ©cfäfligc; gd^cninttc Scwcgung, ^ang jum alters 
tl^ttmlii^en. SBogcgen ber elegante <£til bcr §efiob, ^w^p^o, «nacreon, 
©intonibcfi unb Suri^Jibc« bic $erBc unb Äti^nl^ett fd^cut, bagcgcn bcn glu| 
n>o]^I!lingcnbcr, glatter SSBortc, Harmonie unb äBgcmeffenl^eit bcr "^criobc 
lieBt. !Der mittlere ber ^onicr, ^erobot, (Bop^ockf, Demofi^cne«^ ÜDemocrit 
unb ^tato t>creinigt baö kjle auö Beiben, er ifl, ekn feiner SSi>fl!omnien= 
l^eit nxgen, ^totx ju d^aracterijtren, ja ju Benennen; er erfd^eint d^aractcr= 
lo«, n)eil er nic^t einfeitig ifl. 

%üt\n unter allen fo^en Analogien ifl feine, bie nid^t, Bei mand^er 
fra^)<)anten UcBereinflimmung ber Gl^aracterifÜca, ganj un^>affenbe 3ttgc ]^inein= 
Brad^te , feine fann SBindtelntann bie loeDigc Originalität ftrtitig* ntad^cn. — 

9?on ber vierten unb legten $eriobc ift »cnig ju fagen. Sloger Serfatt 
ol^ne Crfinbung neuer (TarfleBungSfonnen, tt>cnn aud^ untergeorbncter, gieBt 
feinen Stil. SBincf clmann fann »ol^l ein S^ad^laffen , fafl (grl5f<j^en ^ber 
f(^affcnben Sraft aufzeigen, aBer feine falfc^e SKanier, leine ©cränberung bcr 
©runbfä^e unb beö ®ef<^marf«, fein Sntfd^nnnben ber Scd^nif unb ber ^ox- 
menfenntni§. Die Äunfl Brid^t fafl mit einem mal jufammen, aBer Bio bal^in 
jcigt fic fid^, ttjcnn auc^ in immer ücrcinjcltercn Seiflungen, auf il^rcr ^öl^e, 
!tie mobernc ^laflif fönntc man infofern atö gortfe^jung ber alten Betrac^s 
ten, afö fie für ben SSJeg aBmärtö mit allen feinen Stationen manierirter 
Stitarten unö bie ffijrem^el liefert. SSJogegen nad^ unfcrem ©cfd^td^tfd^reiBer 
,,bem ältertl^um Bi« jum gaDe ber fiunfl ber 9ivX)m eigen BlieB, ba§ t9 
fl(^ feiner ©röße Bettjugt geBticBcn : ber ®eijl il^rer Säter nxxr nid^t ganjlic^ 
öon i^ncn getoid^en, unb au(^ mittelmäßige JBerfe ber legten 3^^^ f*^^ "^ 
nad^ ben @runbfä(jen ber großen SKeifter gearBcitct. Xie Äö^>fe l^aBen ben 
allgemeinen 33egriff oon bcr alten Sd^önl^eit Behalten, unb im Staube, $anb= 
' lung unb äfnjuge ber gigurcn offenBart fic^ imi^cr bie Sl>ur einer reinen 
aSaljrl^cit unb Sinfalt. Xk gegierte äi^^rfi^^'^i^f eine erjmungene unb ttBet 
wrfianbene ©rajie, bie üBertrteBenc unb üerbrel^te ©elenffamfeit, njoton auc^ 
bic Bcflen SBerfc neuerer Silbl^uer il^r H^cil l^aBcn, l^at bic Sinne bcr 
alten nicmaK gcBlenbct". 

Cr leitet ben SJcrfaß bcr tunft auö il^rcr f(^le(^tl^inigcn Sollcnbung 
nad^ Snl^alt unb (Jorm aB, bie feinen anberen 3Beg att ben ber 5Rad^al^mung 
unb be« fficlccticiömu« üBrig ließ. „"Jtk 9tac^al^mung aBer fd^ranlt bcn ®ci)l 
ein; tt>a« man ücrgmcifclt ju öBcrtrcffcn, wirb man aud^ nid^t erreichen". 
So fommt äBinrfclmann l^icr auf Segriffe, bic er Bei bcn frttl^eren Qtped^tn 
nid^t oerttKtnbt l^attc: Srfinbung, <>crfonli(^e Urfad^en. 



14* 



212 3»«te6 ©II*. II. 2>ie Okfiä^ic^tc ber Äuuft 4. ^^iftorifc^r Z^il 



§ 135. 
aSon ber 3)ialctci bcr Alten. 

3tn ea^)itcl t>on bei ©vtcd^cn Äunfi fielet aut!^ ein ©tüd (ba« fünfte) 
unter oBigem Sttcl. 2)aö 3Bct! tt>ütbe toentg t>erlorcn l^aBcn, tt>cnn biefcö 
©tüd njeggetfieBen njäre; c§ nKit nid^t nur tiBcrl^au^>t unBebcutenb, fonbcrn 
aviii mit äRafcln Bcljaftet, bie, alö ftc f<)5ter offenbar ttjurbcn, faft im Stonbc 
»aren, il^m bie greube an bcm ganjcn 33u<j^ ju ücrgäEen. @4on in 
ber DreÄener ©(i^rift l^attc ein SlBf^nitt üBcr bie 3Raferei gcftanbcn, tüctd^er 
ate ber am njcnigflen glüdlic^c unter allen betrachtet n>erben fonntc. ß^ 
f(^icn gefc^rlcBen ju fielen ^ ba§ l^ier eine jttjeitc »ermcl^rte Auflage jener 
lal^men S^)ifobe folgen follte. 

Ratten bie 3uniu§ mit ©teHenfatnmlungen bcr Pictura veterum goli= 
anten gefüllt, ,,an ttytUi^tn bie Äunjl geringen Slntl^eit l^attc" : f o n)ollte nun 
aSBindelmann au<^ l^ier fic^ ganj auf Ängefc^auteö grünben. 3)ie ^t\t fAien 
gefommen. ^eilid^ tt)irb unö bie l^eßcnifci^e ÜKaterei in ben l^crculanifAeu 
3Banbgem&Iben bur(i^ f^}ate !Decorationömaler üBermittelt: c5 finb nur bie 
legten fd^nxid^en a33ellcn!reife ber einfl üön geioaltigen aWcijiem erregten 0c= 
roaffer. Slber ba l^ie§ eö eben funftl^iflorifd^e ^^Jl^antaftc jeigen, in ßo<)icn 
3e]^nter $anb ©runblinien jener untergegangenen Originale al^ncn. 

ffitn)aö ber ärt fd^eint il^m einmal üorgefd^mebt ju l^aBen. ,,3Jon ber 
5Kalerci ber Slltcn !önnen mx ju unfern 3^^tcn mit mcl^r ^enntnife unb 
Unterrid^t ate oorljer gefti^cl^en fennte, urttjeilen unb f^>re(i^en, nac6 üicl 
l^unbert im alten ^erculano cntbedtcn ©emälben. 33ei bem aDen muffen 
n)ir Beflänbig .... »on bem n>aö bcm äugenfd^cin na* nid^t anber« aW 
mittelmäßig l^at fein !cnnen, auf baö ©d^önfte fd^licgcn, unb unö glUrftic^ 
fd^ä^cn, n)ie nad^ einem erlittenen ©c^iffbrud), cingelne Slätter jufammen= 
julcfen". 9tad^ einigen meift bclannten Dfotijcn über bie in 9tom feit einem 
3al^r^nbert aufben)a]^rten ©em&lbe fommt er aud^ ujirflid^ auf bie I;ercula= 
nifd^en ju f^)red^en, aber nur um unö bie auf feinen beiben Steifen gefanu 
melten %otijen aufjutifd^en. Der betaißirten unb trodenen SSefd^reibung bc6 
3nl^alt« (nid^t bcr £unfl) ber 1761 gefunbenen fd^önen 2afctn l^at er einen 
jo Uttt>erl;ältni§mä6igen ^la^ eingeräumt, njcil er ein Seif^)iel geben n^iD 
für bie Siegel, „mm foße fc^reiben, ober nid^t, maß mx n)ünfd^tcn, baß bie 
SHten gefd^rieben ober nid^t gefd^rieben l^atten"; b. 1^. fo, baß bcr ?cfer oon 
ben SSJcrfcn eine anfd^aulid^c, braud^bare aSorflcButig bcfommt. 3)od^ n>ottte 
er njol^l nur burd^ brül^toarmc äKittl^cilung biefe^ „9Jeuejlen" bcm ^tM 
bie SBürje bcr palpitÄnte attualitä geben. 3onfl aber l^at er, n)cit entfernt 
bur(^ Sd^lüffe, bie er auf jenen ©emälbcfd^a^ gebaut, ju 3Jcrmutt;ungcn über 



§ 135, »Ott bcr 3Rarcrci fcet %lttn. 213 

bic grü|c SJcrgangcnl^cit bcr SRaIctei aufjuflcigcn, nt^t cinntal für jene 
f^ätcrc ^nft eine üoHfianbige Sl^aractcrifit! in angriff genommen. 

@o pnft alfo l^icr bie ^Itung feiner ^ifloric mcrfiiti^. ^n bcm SO^cma 
Pelzen fold^e SJetjeic^niffc unb SKi^ceBcn in feinem SSerl^ältni^. ®^)ric^t bcr 
®ef(i^id^tfd^reiBer bcr alten ^nft f o üBer bie SRalerei bcr ©ricd^cn? 9Hrgcnb§ 
ift bie Unglcid^l^eit be§ fBktf^ auffälliger, überl^au^jt gicBt cö »enig S3ü<j^er, 
bie aii^ gäben fo üerfd^iebener Dualität gen>eBt flnb. ®oÖ ®tütf ,,t>ovx 
SSSefen bcr S^nfl" j. S3. n^ar luie ein mafflüer "ißraci^tbau für ^al^rl^unbcrtc; 
bicfcS l^ier tfi erfl ein SSorratl^ oon Satten, ä^^Ö^I" ^^'^ ®?>reu ju einem 
äuhinft^Bau X)on ätoeifcD^aftcr ^tit unb ©eftaft. S)ort ein ©anjeö ton 
SBal^rl^citen unb ©cl^cimniffcn bc§ größten Sunftaltcrö ber SBcIt : ^ier einige 
9Zooitaten ber ©caöi, 

laö fd^limmfle aber »aren bie Siac^rid^ten üon bcn fo cBen in JRom 
aufgetau(i^tcn, bie l^crculanifd^n nodj ücrbunfelnbcn antifen ©emälben, bercn 
cinc^ SWengö unb bie anbem ßafanoüa fabricirt l^attc. 8om ©an^mcb 
flanb gefd^ricBen, „bag beSgleici^en niemaW noc^ Bi^l^er gefeiten n>orben", ba§ 
ber Änabc „ol^ne ä^^f^^ ^^"^ ^«^ aüerft^önflen giguren fei, bic auö bcm 
Hltcrtl^um übrig pnb"; bie t>on Safanot>a fci^cincn il^m „au5 bcr SIcibung" 
bic aitefien »on äffen alten ©cmälbcn ju fein, (gr erjäl^lt be^ breiteren 
bie il^m aufgcbunbcne ©ef^id^tc \)on il^rem Sntbccicr, „bcm Stitter 3)icl t)on 
SDJarpgn^ auö ber Slormanbie, iücilanb Lieutenant t?on bcn ®arbc ®rena= 
bicrö bc^ fiönig« in granfrcic^, bcr fic l^eimÜd^ oon bcr SWauer abncl^mcn 
ließ unb biefcn fcltencn ®d^a^ in t>ielcn ©türfen nac^ 9tom bra(i^tc. . . Cr 
ftarb fij^leunig im äugufl 1761, ol^ne jcmanbcm »on feinen SSefanntcn bcn 
Drt bcr Sntbetfung eröffnet ju l^abcn, ttjc^cr not!^ ifto, ba id^ bieg fd^rcibc 
(«^ril 1762) unbcfannt ifl . . . 2)?an fanb eine Duittung öon 3500 ©cubi, 
ba^ berfclbc auS eben bcm Crt brei anbere ©emälbc »cggel^olt" u. f. to. 
3ti?ci @ti(i^ nad^* bcn beiben erfien, brei Sänjerinnen unb brei lod^ter be« 
Sccro<>^, bic jtd^ t)or ^offa^ tt)egen il^rcr Sicugicr cntfd^ulbigen , gieren bcn 
Anfang bc« fünften ©tu*: ba« Cuarto be« 33u(!^« reitet !aum für bie 
^Jlattcn. (gr l^attc „fic^ ba« ®clb t?om SWunbc abgejogen", um feinem 
333erfc biefcn feltfamcn S^txat^ jujunjcnbcn, — ein ÜDenhnal, folangc feine 
S'unPgefi^it^tc cjifHrt, ttjic er cinfl auf biefcn toclfi^cn ÄIii)^)cn fejtful^r. 

Unb hodf fonntc er p(^ aufgeforbert füllten, in bicfem fünfte SSorpci^t 
JU gebrauchen, ba er einige Saläre oorl^er einen frcilit!^ fcl^r ^)Iunn>en Setrug 
biefer ärt fclbfi mit juerfi crlannt l^atte. 3n bcr SKitte bcr 50cr mar ein 
mittelmäßiger Scncjiancr SKalcr 3ofe^>]^ ®uerra (f 1761) (le plus fameux 
faussaire de nos jours nennt il^n '^aciaubi) mit alten ®cmälben aufgctre= 
tcn, er l^attc nic^t nur bcn Cnglänbem unb Tcutfcj^cn, (j. 95. bcr SWarfgräfin 
öon ©a^rcutl^ uicr), fonbcm auc^ bcm ?atcr ßontucct für ba« tird^erfd^c 



ÜRufcum eine ganje ^nja^l (40) bctfcftcn öerfauft; bicfc Ic^jtcn jinb tt)unbcr= 
Barer SBcifc 5um 1S)txl noA ^utc bort ju feigen. Ätt aBindelmann n(u^ 
Ämn !am, »arcn bicfc Ocfuitcttgcmälbc ein 8cn)ö]^nric^ S^ana anti^uarifAcr 
Untcrl^altungcn. Sie n?aren aBcr offenbar niAt Bloß ol^ne trgenb toel(k 8c= 
lanntfc^aft mit alten ®ettialbcn, fonbcm aud^ ol^nc einen ©ebanfcn an Setrug 
gemotzt »orben; na<^ %ta fUib c« ICecoration^bilber ane bcm feAjcl^nten 
Oal^rl^uttbcrt, bie ®uerra oon einer erlittenen Uebetweifeung gereinigt l^atte, 
Der berwunbete ßtHiminonbaö, ,,€ine lange aBgejel^rtc gigur im Stil bcö 
®iotto'', tt)irb bon Solbaten in eifemen Stüfhingen au« ber SAlacJ^t gctra= 
gen ; ttBer]^auj>t flnb bic giguren f^jittenmägig longgejogcn. Sei einem 2:i^icr= 
gefecj^t flüfet fid^ ber jnfel^enbc Äaifer auf ben Änoj>f feine« blogen Degen«. 
Gontucci, ber biefc feine fileinobc nur au« befonberer ©efättigfeit jcigtc, 
Be]^aui>tete, fie feien oon ©icilien, ja oon 'ißalm^ra l^ergebrac^t toorbcn. "ipaciaubi 
erjäl^lte iBindelmann, fein 2Reificr ?li>ofiolo ä^no l^aBe foü^e gälfc^ungen eine« 
JU feiner ^tit Berül^mten SJenejianer«, 'ßietro gonbi, Befonber« in 3Jafen, Benufet, 
um feine Schüler an bie Untci-fc^eibung be« äntifen unb SWobemen ju flejoö^nen. 
Salbani jucfte bic «c^feln: „lA toeife nid^t »a« id^ 3]^nen fagen foß; ju= 
n)eilen mug man auf« SBort glauBen unb nic^t gar ju tief bie 3(ltertl}ilmer 
unb bie ©el^eimniffe ber 3efuitcn unterfuc^cn motten". SBindclmann fam 
burd^ bie Selanntmac^ung biefc« Setrug« etwa« mit bcm ßoffcgio SRomano 
au«einanber. 

@uerra, burc^ feinen Erfolg aufgeregt, bcrfud^te nun felBft falfd^e grc«= 
coBilbcr JU ^)robuciren, tooBei er bie injnjif^cn oeröffentlii^ten l^crculanifd^en, 
j. 8. beu ßl^iron, genau nad^al^mtc. S« »jerBreitetc fic^ ba« ©crttd^t, biefc 
SJilber feien au« ^erculancum geftol^lcn; man l^atte bereu na(^ "ihcopd ge= 
fi^id t ; in ifltap^l arBciteten jtoei ®cnuefer 33rocanteur« mit ©tilfc be« ®ote' 
fd^micb« ®ro^>atcfl in bicfem gac^, ganjc ©cnbungen gingen nad^ granfreic^, 
unb ber ncaj)elfc^e $of Beauftragte ((gnbe 1757) feinen römifd^en ®efanbten 
mit Unterfud^ung ber ©ad^e. Xcx Duca bi ßerifano erl^ielt SBeifung, bie 
®emalbc angulaufcn (er Bot ^nbert ©cubi fftr bier) unb fu^ bon ®uerra 
eine (Srflärung üBer feine gälfc^ung ju oerf(^ffcn, bamit ber SSctrug bcr= 
öffentlic^t »erben fönne. Gart III tt)otttc nid^t, baß .Oemanb glauBe, e« 
feien irgcnbnjo anber« al« Bei i^m ©emälbe au« ffircolano, unb eBenfon)cnig 
baß, n)ic ®uerra Be]^au<>tcte, Beffere alte ®emälbe al« jene ejriflirten. ©er 
®efanbtc ^tte am ÜeBflen ben äRaler oerl^aften laffen, baju aBer fonnte er 
bie 3wf*ittimung be« ®taat«fecretär« nid^t erl^alten; bod^ Bc!annte ®ucrra 
feine Url^eBerfc^aft unb erBot fid^ ein neue« Silb nad^ einem il^m aufgcgcBc^ 
neu Sujet ju liefern ; auc^ üBergaB er feine brei Imitationen Ärc^into. Se= 
rifano ©erlangte nun Bei jener Dt)cration einige Sad^berflanbige al« 3^"S^"f 
unter bem Sonoanb, man njünfd^e ®uerra*« Sefal^igung jur Äeflauration 



§ 136. fßon ber tunfl nad^ ben &ugeten Utnflanben ber 3^^. 215 

unb girniffung ber nco^>clfd^cn ©cmalbc, bic fcl^r gelitten ^ttcn, ju j>rüfcn, 
aBcr bieg üctTDcigerte ®ucrra, n^cil er bann fein tccbnifd^cö ©cl^eimnig t)cr= 
rötl^n mürbe. (Cr ücrfianb ben UcBcrjug (tartre) nac^jumad^en, mit bcm 
bie ©emälbc fid^ unter ber Srbe Bebedten, unb bte garBcn burd^ Sd^incrgcl= 
^jufoer JU fijiren). 9?id^t einmal ber Äauf ber Oemälbc ton ju Staube, meil 
Ärd^into bie ©el^eiml^altung be^ SetrugS njönfd^te, bamit ®ucrra, ber l^ier= 
toon tcBe, feinen Sd^aben IjaBc! !l)er tßnig üon dltapd »erlangte, bag in be§ 
Ic^tercn Ouittung ftel^c, da esso dipinti con particnjar segreto ad effetto 
di fargli apparire antichi, njal^renb bie 9tcmer Bejlanben auf: c. p. s., 
essendoßi ingegnato quanto ha potnto d'imitare Tantico ; • tt)ortiBcr Serifano 
fÄreiBt, er faffc nid^t, mie man eine fold^c ©auncrei ücrtl^eibigen unb t?er= 
Bergen njoffe coUe protezioni Eme. Unb f o öerlicf biefe ©ad^c im (Sanbe. 
9?od^ im 3a]^re 1760 faufte ein gnglänber fo% (SemSIbe für 600 ©cubi. 

aifo, tt)ar*eÖ benn mit SBindfelmann^ Äennerfd^aft »irflid^ fo BefleDt, 
n?ie fein alter ^^teunb ^cinefen eBen auö biefcm feinem Hngltidt folgerte? 
SBaren feine 51Werfmale, feine ßritcrien bcß Äntifen fo untofffianbig, fo oag? 
$ier ttjaren 3Ber!e t>on ?cuten, bic er tSglid^ ben ^infel fttl^ren fal^, gcmad^t 
in ber STbfid^t ju täufc^en, alfa gcnjig ol^ne jebcn Sntl^eil, i(^ n>iff nic^t 
fagcn be^ ©enieö , fonbern fünfttcrifd^en Cmfic«. ©enügte . atf o ein grabfis 
nige^ ^rofil, einige arc^aijHfd^en 9ielicfö na(^ge^>infelte galten, unb eine 
mit $ttffe cineö Belefenen STbate aufgetrteBene äR^tl^c, um tl^n in claffifd&eö 
6nt Juden ju »erfe^cn? SlBer mer fennt nid^t bte SKad^t be« SJorurtl^eiW in 
fold^en Urtl^eilenl ... 

aJJenn il^n bieömat ba§ »amenbc Dämonium im Stic^ lieg, fo nwir 
barin eine 9temefl^. ffir ber bie (B^re unb ben ©tolj ber neuem Äunfi, bte 
italienifd^e SWalerei, fo gern meiflertc, unb ©ttnbcnregijier berfelBen fd^ricB, 
foHte nun felBfl einmal aU armer ®ünber bajlel^en. 

§ 136. 

$on ber Äunjt na^ ben äußeren Umftänben ber ^c\t. 

Der jmeite unb fürjere ^aiXpttS^til ber Sunflgcfc^id^te, bie „©efd^id^te 
im engeren Serflanb", tourbe erfi niebergefd^rieBen, al« bafi ÜRanufcri^>t be« 
crflen Sl^eite fd^on nac^ Deutfd^lanb aBgegangen n>ar. 3)iefer D^eil ijl ton 
ungleid^ geringcrem ©el^alt aK ber crfle, oon leid^terer ÄrBcit, ärmer an 
Driginalgebanfen, unb burd^ mand^c Srrtl^ümer entflettt. SJon ben ]^ifiori= 
fd^cn 3becn, ttjcld^c f^on im f^ftcmatifc^cn S^eil ooffflänbtg mitgctl^cilt njorben 
Voaren, foUte l^ier bie äuöfü^rung unb berSeujeiö geliefert njcrben. ©roßen 
tüiffenfd6aftli(^cn Sertl^ fann man bem ®runbgeban!en bicfeö j:]^citt nid^t 
Beilegen. I)icfc „Sugeren Umftanbc" l^aBen für bie Äunflgcfc^ic^te nid^t bie 



Scbcutung, bafe man il^ncn bic .^älftc cuicö ®cfd)id^tftvcrM njibmcn foDtc. 
atßc $otcn}cu bc« SultutlcBcnö, ibcalc unb reale, $anbcl unb "ißocfic, i)Jatur= 
Äiffcnfd^aft unb ^Rcfigion, Staat unb ^l^ilofopl^ie fielen in SBec^fcftrtrfung, 
für jcbc fann man IciAt Analogien anc Scbingungcn in allen anbem pnben; 
aBcr mäl^rcnb jcbc auö bcin ganjcn ^ötptx ?cBcn jicl^t, tjat fic auc^ il^r cignc^ 
itltn, unb an bicfeö ^t fid^ il^rc £j)ecialgefd^i^tc ju l^altcn. I)er SKciftcr 
Blcilbt fein fäuBcrlic^ Bei ber Sad^e unb il^rem innern ä^^f^^^^Ji^öng, bct 
Dilettant fc^ttjeift in bereu Sejiel^ungen ju anbem l^in unb l^cr unb glauBt 
in fel^r »ol^Ifeilen "ijkirallelen äuff(^tüjfe üBcr fie ju finben. 

®D njottte SBindelmann alfo l^icr bie Sal^rl^unbertc ber grie(^ifc^=r6mifd^en 
©eft^id^tc burd^mejfen, um ben Urfac^cn be§ ©tcigcnö unb ®in!en6 ber tunfi, 
fotueit fie augerl^alB bcr Äunft liegen, auf bic ©<)ur ju !ommen;'ben $)inter^ 
grunb, ben ©oben, bie oft fiürmifc^ unb oon ganj anbcren ©eiftem Bctt?egtc 
UmgeBung tt>oIItc er jeiti^ncn, in n)clc^er bie ftißen, raeift einer fel^r t>erfc^iebcnctt 
SBelt angcl^örigcn Silber ber ^unfl ftcl^en. greifici^ Joaren be^ Scrfaffer« 
©tubicn in biefem gelbe nie fo tief gegangen, um gefc^id^tÜd^e ©emalbe ber 
3eiten l^erjufteßen; Bei ©tubicn aBer, bie man ad hoc, unb aüö OueHen 
tt)ie ä. ®. Saumgartenö allgemeiner SäJcltl^iftorie mad^t, ioirb man nic^t 
anberö tonnen, aW bie ©efc^ic^te njol^l oberüBcI für feine 3been inxtä^U 
gurüden. S)iefe Sc^ilberung ift tängft veraltet, nur einjelnc ©teilen l^aBen 
nod^ 3ntereffe; fte finb im nad^fblgenben JoiebergegeBen. 

äu(^ ba* Ion ftel^t l^icr oon Anfang niebriger. „3)ie Äunfl l^angt noc^ 
meBr ate bie SBiffenf^aft bon ber ^tit unb il^ren SJcranberungen aB; flc 
n)irb burd^ ben UcBcrfluß unb bicimate burd^ bie CiteÜeit genal^rt unb er= 
l^alten/' iDteg n)äre bcr alte ®cmein^)Iaft, bag griebe unb ?upiö bie ffftnflc 
nal^ren; unb fo fd^eint benn aud^ »irflid^ fafi jebcr griebcnöfd6Iu§ ein ©ignal 
JU fein für bie SttnfHer, in anfcl^nlid^cn ®ru^)<)cn l^eroorjutrcten, njo^rcnb 
jeber Ärieg aW enn>finbtid^cr ©d^lag fie läl^mt. ÜDod^ geigt pt^ njciterl^in, 
bag ncBcn biefen »ed^fclnben Sinflüffen auf ba^ äußere ©cbeil^cn bcr ffunfl, 
eine innere, geiflige UrfaAc mit im ©picl ift: bic grei^eit; bicf^ ift eö, burd^ 
toeld^e bie ftunfl affejeit em^)orgeBrad^t iuurbe. 

!Cicfc grcil^cit l^attc nun in ©ricc^enlanb attegcit il^rcn ©ift, aud^ ncBcn 
bcm 21^ron ber Könige, bic oatcrlic^ regierten ; unb felBft in jener „BctrüBten" 
3eit, aW, nad^ ber 50flen Dl^m^)iabe, ficBjig 3al^re lang ®rie(^enlanb bon 
t>crfdbiebenen J^rannen (»cnn aud^ l^umancn, bie ©efefte refj)cctircnben) üBcr= 
ii^äßigt tt>urbc, gaB c« fobicl JJreij^cit, aW bie £unft nötl^ig ^ttc. „2)ie 
©tatucn bcr ©icger in ben großen ©}>ielcn, mit meieren Sli^ aud^ fd^on oor 
bcm glor ber Sunft angefüllt mar, ftettten fooict 3?crt^eibiger bcr grci^eit 
tor: bie Xi^ranncn mußten bcm Scrbicnft baö a.ncrfannte JRcc^t n^iberfa^rcn 



§ 136. SBon ber Äunfl mö) bcn äugcrcn Umpänbcn bei Seit. 217 

laffcn, unb bcr ^tinplcr fonntc ju alten 3^^^^!^ ^^" SSJcr! üor bcn ätugcn 
bcö flanjcn SoIK aufftcffcn". — 

ÄW aber bic X^tanncn in ®ricd^cnlanb ,,t>crtilgct", ,,bic ®i>I;nc bcö 
^ififhatuö tjerjagt unb ermorbet waren", ,,um cBcn bic ^c\t, ba 93rutu§ fein 
SJatcrlanb befreite": crl^oBen btc ©ried^en i^r ^mpt mcf)x afö jemaK, unb 
cö !am ein neuer ®cifl in bicfe Station. Durcj^ ben Sieg Bei aWaratl^on, 
„Xi)dä)tx njunbcrBar in aller ©efd^id^te BleiBt", crl^oB fid^ ätl^en üBer aHc 
©täbte unb tt?urbc burc^ Snfcl^en unb SWad^t bcr t>ornc]^mfic Si(j bcr fünfte 
unb SBiffenfc^aften, alfo bag „bic S!unfl mit Htl^en immer einerlei ©d^idfal 
gc^aBt unb il^re äufnatjmc torjüglid^ üon bem SBol^Iflanbe biefer ©tabt aB= 
genügen l^at". 

Xam SRationaHriege folgten bic mcrftuürbigften fünfgig Saläre ®ried^en= 
tanbö. ,,Sin ®mnb jur ©röße tuar gelegt, auf bem ein bauerl^afte6 unb 
prad^ttge« ©cBäube fonnte aufgcfül^rt njcrbcn: bic SBeifen unb 3)id^tcr legten 
bic erfte $anb an baffcIBe, bic Äünftler enbigten e«, unb bic ®cf(^i(i^te fül^rt 
un^ burc^ ein ^)rä(^tigeö ^oxtal ju bcmfelBcn. . . ättc .^aftc fc^iencn in 
33cn?cgung ju fommcn, unb bic großen ®aBen biefcr 9?ation fingen an fid^ 
mcl^r ate jemaW ju jeigen. S)ic außcrorbentliti^cn 2)?enfd^en unb großen 
@eifler, iDclc^e fid^ üon Slnfang ber großen Setccgung in ®ricd^enlanb ge= 
Bilbet l^atten, famcn je^t aKc mit einmal l^ertor. ^crobot la§ feine ®c= 
fd)id)te JU SIi§ aOen ®riec^en t>or, äefd^^Iu^ trat mit bcn crflen regelmäßigen 
Iragöbien im crl^aBencn Stil an^ ?ic^t, man fing an, bic ®cbid)tc be5 
5>cmeru^ aBjufingen, bic erften Somöbicn njurben burd^ Spic^armu^ aufge= 
ftil^rt, Simonib^ö ber erfte (Dichter in Elegien gel^örte unter bic (grfinbcr 
biefcr großen ^t\t, ®orgia« gaB ber SRebchinft bic ®cftatt einer SBiffenfc^aft, 
in Stilen »urben ju Socrateö 3^^* ^^^^ änti^)]^on btc erften geridbtUd^en 
Sieben fc^riftlid^ ciufgcfc^t, ja bie SBciöl^eit fcIBft n)arb bort juerft öffentlid^ 
burc^ änajagora^ geleiert: ba^ maren bie großen SorBcreitungcn jur S}oß= 
fommen^eit ber Sunfi, ju njcld^cr fie nunmcl^r mit mächtigen ©d^ritten ging". 

J)ie 3al;rc be^ ^^Jcricle« maren bic glttdfeligftc 3cit für fie, iljr golbncö 
3eita(tcr, bic @^5od^c beö $I;ibia^ unb 'farr^ftuö, — n?o bic Sintrad^t 
arBcitcn mf, unb ba« entfd^icbcne 93crbienft eine« jcbcn bie (giferfuAt cnt= 
träftete. 3^a« Unglüdt fcIBjl mußte jur ®eförbening bcr Sunfl biencn, unb 
bic 3?erl^ecrung unb 3ctft8rung bcr Stabt gaB ben ^inftlern ®clegenl^cit,* 
fid^ glcid; anberen großen 5IKännem ju jeigen, Unb bic SBirfungen biefcr 
bcr Sunft I;ciligeu ^z\t bauerten nod) fort n>ä!^renb jencö Stieg«, ber jur 
gänjlic^en Cntfräftung bcr Station fül^rtc unb mit bem 93erluft bcr grcil^cit 
cnbigte ; benn in feiner crflcn DIt?mj)iabc Blttl^tcn bic 3Weiftcr bc« l^ol^cn Stil«, 
^^Jolt^ftct, Wtfxo, Sco^)a«, %^i)t]^agora«, Älcamenc«. Unb aU I^raf^Bul ber 
ßrretter bc« Satcrianb« oon bcn 3)rangfalcn bcr brcißig lijrannen würbe, 



crtiKic^tc bic Jlunfl »on neuem, unb bic SAüIct ber großen SWctftcr jcigten 
ftA: Ganoi^u«, 9?auci^be«, Xiomcb, i^atroclu«. — 

Xa^ Ic^te Älter ber großen ?cutc tu ©rieAcnlanb fing an, aW Qpa^ 
minonbaö, ber größte SRann attcr ©ried^cn, fein S?atcrlanb 2I;c6en modbtig 
machte : Xenoj>]^on unb $lato n>arcn in il^ren Beflen 3a]^rcn, unb XemofifecneÄ 
trat nac^ tl^nen auf unb rebetc unüBenotnblid^ für fein Saterlanb. !Camatt 
bliil^te '^Jrajitclcö, unb eine ^tit nad} i^m crfd^ien i^fv^p. Xk Beftcn biefcr 
Üid^ter unb fiünftler nxircn nod^ t>on bent Stamm, n?cIAer in bcm ©runbc 
ber floljen gtci^eit ge)>flanjt mar, entf<)roffen. 3)cr ®eifl ber Sunji n>ar 
freiließ ein anberer: ®rie(j^enlanb fd^medtc bie ^Süßigfcit ber f^rcil^cit o^ne 
SSittevfeit, in einiger ffimiebrigung, afcer in ßintrad^t; unb bie faft erlof ebene 
Sifcrfud^t, tuelc^e fic entfraftet l^atte, ließ il^nen, wie tt>enn il^rc ©utB in ber 
Siebe aufhört, eine flolje Crinnerung ber bcrmaligen ©röße unb bie 9iu^c übrig, 
lenn bie SWacebonier, bie ^cinbe i^rer S^cil^eit, — auö- bereu. ?anbc man 
c^cmatö nici^t einmal einen nüftcn leibeigenen l^aben fonnte — l^attcn [xd^ 
jipar über fte erlauben, begnügten fid^ aber, ber greil^eit nur bie 3EBaffen 
genommen ju ^ben, unb fuAten fem bon il^nen Abenteuer unb anbcrc JReid^e. 
3n biefer SRul^e überfießen fic^ bie ©rieAcn il^rer natürlid^cn 3?eigung jum 
SHüßiggöng unb ju ?uftbar!eiten : unb Sj)arta felbft ging bon feiner Strenge 
ab : ber 2Küßiggang füllte bie Sd^ulen ber *]>l^ilofo^)l^en, bie Suftbarfcitcn bc= 
fcbäftigten S)i<i^ter unb ffünftler, unb biefe fuAten nac^ bem ©efc^madf il^rcr 
3cit ba§ Sanfte unb ©cfättige, ber bie 9?aticn in ber SBeit^ic^feit il^ren 
Sinnen ju fd^meit^eln fucj^te. !Die Sitten beforbcrten bie lefte geinl^eit 
unb ben aufö l^öd^fic getriebenen ®eift in ben 333er!en beö SBi^eÖ unb ber 
fiunfl. — 

Stber feit Älcjanbcrö lob, in ben Sm<>örungen unb blutigen Kriegen 
ber Xiabod^cngeit, würbe ber* §orijont ber ffunfit nie lieber l^citer. Xa pe, 
bie ba§ Seben oon ber greil^eit erl^altcn, mit bereu Serlufl jtnfen unb faßen 
mußte, fo toirb il^r glor gewiß nic^t langer ate biö nad^ Älejanberß 3^b 
gebauert l^aben. greifiA würbe fte nad^ Slfrica unb ätfien gerufen, burd^ 
$tolemaer unb Seleuciben: aber unter einem il^r fremben ^immel wirb fle 
fd^werlid^ SBurjel gefaßt l^abcn, unb unter ber $of^)rad^t mußte fie biel oon 
ibrer @röße unb il^rem wal^ren SJerflänbniß oerliercn. SBenigftenÖ äußerte 
ficb^bamate in ber Literatur juerft ber oerbcrbte ©efd^mad ber ^^ebanten. 
Siubem er ba6 Siebengeftirn mit bem SKariniÖmuö bergleic^t, ©ermutiget er, 
„bei ber Sel^nlid^fcit ber Sdbidfale ber ^nft unb ber ®elel;rfamfeit werbe 
€Ö aud^ an Sorromini*« unb ©emini'ö nid^t gcfel^tt ^aben". 



§ 137. 2>ie tuitfl untn- bcn mmtxn; ©(i^tug. 219 



$ 137. 
3)ic Äunjl unter bcn {Römern; ©(i^Iuß. 

am Schlug beö erften ST^ctte ftel^t aud^ ein ßa^)itel t>on ber römifd^en 
Äunfl, in tijel^cm bic 9Ja(i^ri(!^ten üBer btefctbc jur ^txt bcö gretfiaatö ge= 
[ammclt fiub, bic römifd^e SKanucrfleibung 6cf(^rieBcu, namentlich öBcr bic 
Bei bcn römifc^cn Antiquaren l^crfömmlid^e unb au(i^ auf bie Ottramontani 
üBergegangene Sfnfid^t ,,t>on einer eigenen ärt romifd^cr ärBeit in ber tunft" 
tt>iberlcgt ttjirb. Diefer begriff eine« romifd^en Äunflfiite fei, fotueit unfre 
jetzigen Äenntniffc gelten, nid^tö' ate (ginBilbung, ein Sorurtl^cil entftanbcn 
au^ ber unrid^tigen ffirftärung m^t^ifd^r 93iß>cr burd^ SegeBenl^citcn ber 
römifc^en ©cfc^it^tc, unb anß einer „unscitigen (g^rfurd^t gegen bic SBerfe 
gried^ifd^cr Sünfticr; benn ba ftd^ üielc mittelmäßige SBcrfc finben^ entfielet 
man fldb, bicfc jenen Bci3ulcgcn, unb c5 fd^cint Btßigcr, bcn Stomcrn ate bcn 
©ried^en einen !Eabel anjul^ängcn. 2Bir njiffen, ba§ cö rcmifc^c Silb^aucr 
unb äßalcr gcgcBen l^at, unb e§ ifl nic^t ungtauBIid^, baß cd einige l^o^ in 
ber J?unft gcBrad^t l^aBcn unb üicten gried^ifd^en ju ücrglci^cn genjcfcn. Unter 
bcn griec^ifd^cn tfünfllcrn l^irtgcgen n^irb c5 aud^ mittelmaßige gelben, n>ic 
unter il;rcn (ScriBcntcn gcgcBen l^aBcn. SSJer »irb bcn 92icanber für einen 
großen 35id^ter l^alten, aU tücr nur fd^ön finbet, maö bun!cl ifl. 3)ie ^unfl 
toirb il^rcn Sficanbcr unb iljrcn Slratuö gcl^aBt l^aBcn. äBcr bie Äunftmcrfe 
mit römifd^cn 3nfd^riften unb bie Statuen mit Äünfttemamen pnb nid^t ]^in= 
längUdlj jum <S^flcma ber Äunft unb jur 33cftimmmig eine« Bcfonbercn t>on 
bcm l^ctrurifd^cn unb gricd^ifc^cn ücrfc^icbcncn StiK. 3n ber aHcraltcften 
3cit al^mtcn fic tocrmutl^tid^ bie $etruricr nac^, unb in il^rcn f<)ätercn unb 
BUU^enben ^tikn n)crbcn il^rc njcnigcn £ünpicr ©d^ülcr ber gried^ifc^en ge= 
jDcfen fein". — 

Der leljte 3P6f(^nitt ber ^unftgefd^id^tc erjäl^lt bicfc SZad^gcfd^id^tc gric^ 
d^ifd^cr Äunfl in 9iom. Die {Römer, fd^reiBt er, ,,na]^men ein empfinblid^c^ 
§crj (!) an gegen bic grcil^cit cinc^ anbcrcn SolK, unb O. glamininu^ l^attc 
im 33. Saläre fcincö SHter^ bie S^re, bie ©riec^n fttr freie Jeute ju crHären". 
3n ber Äunfl muß bicß glci^ ju f})üren fein: mir Brausen nur bie 155. 
CI^m^>iabc Bei ^^Jliniuö in bie 145. ju öcrtüanbcln, fo crl^altcn toir bie ®rui)))e 
«ntl^cu«, Saaijiuö, ^ol^clc«, äWetrobor unb t>ietteid^t ?l»)oIltoniu« 5Rcftor8 
©ol^n, bcn SKciflcr bc^ 24>rfo, eineö ber testen .üoHfommencn SBcrfe, njcld^c^ 
bic Äunft in ®ric(^cntanb cor bcm S3erluft ber grcil^cit ^crtJorgcBrad^t l^at. 
3ttJar ate feit SKummiuÄ ©ried^entanb ein Bepänbiger SRauB ber 9iömcr 
gcttjorbcn mar (er gicBt un^ bic S^fonif bicfcr erften Setl^ciligung ber 9tömcr 
an ber Äunft): muß bcn ©ricd^cn ber ÜKutl^ gefallen fein, auf öffcntlid^c 



220 ä^citt^ »ui3^. II. S5ic ©eWid^tc bei SbxnfL 4. ^»iftotifi^cr X\f(\l 

SBcrfc bcr Sunfl v^cficn gu tcm>cnbcn. Xoi} mürben bie fRomet auc^' 8c= 
förbcTcr bcr Sunjl, tücil il^rc ^rac^tUcBc eine Cucttc juni UntcrI;aU bcr 
ffünfticr anif in bcn ^^?robtnjcn »ar. — 

33on bcr 3^^^ an, njo bie £unfl na(^ bcm SBcficn n>anbertc, iüirb bic 
©rjä^Imig gang ^altloö. Sic Icfl fid^ auf in eine lodere «ncinanbcrrcil^ung 
üon l^iftorif^cn 9?otiäcn, funfttl^atfad^cn unb ITcnhnatcm, bic unter ücrf(!^ie= 
benem SJonranb an bic Saaten bcr ©taatcngcfd^ic^tc gcfnü^jft ttjcrbcn. Sl^rono= 
logift!^ fefte S)cnhnaler finben fid^ nur Jücnigc; no^ njenigcr mill c^ gelingen, 
Folgerungen üBcr SBanbtungen t?on Stil unb Ocfcj^niacf auö il^nen ju gießen. 
@ar oft giebt eine l^crfömmrK^e irrige (toieiool^I Bcrit^tigte) !tattrung, ober 
irgenb eine äuBcrlic^e Sejiel^ung bcn Sortoanb, einem fonfl unBeftimniBaren 
33Jerf feinen ?Ia^ in bcr Srgäl^Iung anjuttjcifcn. I)ie fogenannte Sleo<)atra 
im Sefceberc 3. S. fommt bei Slugufhi^, bcr fogenannte äntinou« cBenba 
Bei ^abrian gur (S<)ra(l^e; bcr t>aticanifd^c 8^>oß unb bcr Borgl^efifd^e ^tä^ttx 
Bei 9?cro, n)eil jtc t>on bicfem auö ©ricd^cnlanb nad^ "^Jorto b*9[njo gebracht 
feien; girci au^ JiBur gcl^oltc SKofaifen t>cranlaffen eine (gyifobe üBer 
ba« 3DJofaif unb üBcr bie focBcn in $omi>ci entbedten Stüde bcß jDioö= 
coribeö. — 

& pa^lx. ttjenig in fein g^jlem üBcr Krieg unb griebcn, Dcf^)otcn= 
tl^um unb greiflaat, ©riechen unb Stömer, ba§ bic rcftaurirte Sitnfl bcr legten 
ftürmifd^en ^cxUn bcr 9iq)uBn! unb bcr Äaifer gu loBen fein foHtc. „35ic 
Äunft in bcr (jTcigcIaffcnen Rauben fann ate eine bcr Urfad^en il^rc^ 9Jcr= 
fattö angefel^n merbcn". SlBcr bie 3Rüngen, Steine, 93üften geigen fafl au5= 
nal^mölo^, feiner ^l^ilofo^l^ic gum Jro^, untabtige SrcffTid^fcit, unb gji>ar 
gerabc an feinen Sriterien gcmcffen. ©ried^entanti Bietet in bcn testen 
tor(^riftIid^en Oal^rl^unbcrtcn üBcraß nur „traurige S<)urcn bcr Serflorung". 
äBcr in Safari ^zxt fallen bie 9?amcn Strong^Iion, bcr 9Kcificr bcr 8ma= 
gonc mit bcm fd^önen Sein, bcr ÜRaler limomat^u«, ärcefila«, beffcn 5KobcCc 
fo tl^cucr Bcga^lt n>urben, 'Spafttetc^, ^ofiboniu^, ?abu^ unb 3o}>^tu^. 3nbcB 
Braucht ja „bcr aBcrmaligc gaU bc« glor^ bcr Jhinft in ©ricc^cnlanb bicfelBe 
in einigen eingelnen Äünftlcm nid^t au^guf^IicBcn". 

SSJä^renb bcr Äaifergeit festen fid^ bic Äünpe in 9tom loic in il^rcm 
2)?ittcl)>un!te unb bic Bcficn SRcipcr njanbten fid^ l^icrl^cr. & njirb nun 
aß(c6 gufammengeftent tt)a§ i^on 2uju« unb Sanbafi^mu^, t>on aufmuntembcm 
Sntcrcffc, SicBl^aBcrcien unb JlBgcfd^madtl^citcn bcr Äaifer Berichtet mirb, unb 
n.nr feigen bic ^nfi, fold^cn allcrl^od^ftcn Faunen gemäß, mec^fetnb Blül^cn unb 
n>clfen, auflcBcn unb aBfierBen. 

T'Ck^ Sd^n?cigcn bcr 3)en!malcr fuc^t er n>iebcr burd^ -^^JÄrattclen au^ ber 
©cfc^id^tc bcr Literatur, unb gmar beö Stite, fomic bcr Saufunfl gu ergangen. 
Unter äuguft fc^ou feigen n?ir bcn guten Ocfd^mad in ber St^rciBart fallen, 



§ 137. !S)ie jhittfl unter ben Stömem; @d^tug. 221 

lefonbcrö burd^ ©cfatttgfcit gegen 3Raccn, bcr ba6 Ocjicrtc, baö ©^)iclcnbc 
unb boö ©anftc üeBtc, 3n bw Äunfi miß ftd^ freiließ feine änalogie baju 
finbcn, auger ben fogcnanntcn ®rote§!cn unb bcm Ztmiptl bcö Äugufiu^ unb 
bet 9ioma ju 3ReIaffi in Sarien! 9116er bic Statue bed ©ermanicud tu 
SJerfaittc« ifl ,,einc fel^r fc^öne ärBcit", unb fein Äi>J)f im Ea^)itoI ,,eincr 
bcr fc^onflcn f aifcrli(^en ßö^fe". SBunbctlid^c Scmerhingcn entf(^IiH)fen il^m : 
in ÜRarc Äurett 3(^rift feien, ,,au§er einet gefunbcn Wtoxal, bie ©ebanfcn 
fotool^I aW bic ©(^reibart gemein unb cincö ^tinjcn, n?el(^er ftd^ mit ©AreiBcu 
aBgieBt, ni(^t tüllrbig" (gicBt eö einen 'JJrinjcnftil? foß bet Untcttl^an obct 
Stotutiet mel^t (Stmuntetung l^aBcn, fd^Ied^t }u f(^tci(cn, oXS ©eteniffimu^, 
bcm eö BelicBt, [idf mit ©d^tciBen ,,aBjugeBcn''?); bic mct gtie<i^if(^en £itd^en= 
i>atet, 33afitiuö u. f. xo. fotten ,,bic SJetebfamfeit, bie ©(^önl^cit bet Sj)ta(6c 
nad^ einem gtogen SJetfall toicbetum in bic $ö1^c gcBtac^t l^aBcn, fo ba§ jic 
bcm '$lato unb S)cmofl^enc6 jut Seite ficl^cn fönncn" (33}et^tau(^qualm bcr 
Saaifiei !). 

,,SEBäte cö mögli(^ gctücfen, bie Äunfl ju il^tet üotmaligen $cttli(^!cit ju 
etl^cBen, fo toat $abtian bet SKann, bcm c3 l^ictju h>ebet an fienntnig, no(^ 
an 93cmttl^ung fcl^ltc: aBct bet ®cifi bet ^tcil^cit ttKXt auö bet 2Bclt gc= 
tüid^en, bic Oueßc jum ctl^aBcncn 2)enlcn unb jum ttKxl^ten Slul^m toat j)ct= 
f(^»unbcn". Daju fam bet aufgcflättc SlBctglauBc unb bic (^tiftli(^c ?cl;tc. 
//S)ie 3eit bet Sntoninc ifi in bet Äunfl, tt)ic bie fd^cinBate 33cffctung gc= 
fä^tli(^et fftanfct !utj tot il^tcm ßnbc, in tt)cl(^cn ba« ?eBen Bi§ auf einen 
bünnen traben bed ^aud^d gcBtad^t, bcm Sichte einet iaxto^ cS)nlidf i% n}cldl)cd 
cl^e cö gänjlid^ ctlofd^t, atte S^al^tung fammelt, in eine l^cttc glammc auf= 
lobctt unb j)lo(jlic^ octlöfd^t". äBct bie Statue bet Bciuaffnctcn 33cnu« t?on 
$ctobcg ätticuö, ,,bic nid^t baö Stijjc unb SSctUcBtc, fonbctn ctioaö SDJaun= 
lic^cö unb eine gtcubc toic na(^ ctl^altcncm Sieg jcigt, ifl ein öewciß, bag 
ft(^. bic tcnntnig bcd Sd^önen unb bc6 Stitö bet SUcn tiic^t gänjlic^ au^ 
bet SBclt octlotcn gel^aBt". Untct unb nad^ Sommobu« fott cnblic^ bic le^tc 
Sd^ulc bet ^nft (bic $abtianif(^e) unb bie fiunft fclBfl ju ®tunbe gegangen 
fein. ÄBct feine ÜRünjcn ,,finb in 3ci<^iiM"fl ""^ SttBcit untct bic fd^onftcn 
faifctlic^cn ju tcc^ncn, unb fein jugcnblic^ct Äoj)f im Sa^jitol mad^t bet Äunfl 
Sl^tc". — (Sigenttid^ ifi ctfi untct ®c))timiu« Scoctu« bic ®^)tad^c bet 3)cn!= 
malet unjmeibcutig im Sinn bc^ SSetfaDö : oot ben Siclicfö fcincö 2:tium^)]^= 
Bogenö ift mit $änbcn ju gteifen, bafe man in tafelet, aBfd^üffigct 95ctt)cgung 
Begriffen ift. Unb bo(^ tanift jc^jt getabe bet tcuflifd^c Catacatta auf, .bcffen 
Soj)f ,,oicttci(^t 2t}ii^p fclBft ni(^t ootttcfflic^ct gcBilbct l^aBcn ȟtbc". Unb 
toaö foH man fi(^ fttt eine SJotftcKung mad^en t>on einet SSctfattjcit, auf 
beten meiftc aSctlc pa^cn fott, ttxiö Songin üon bet Ob^ffcc fagt, „bag man 
in bctfelBcn ben $)omct loic bic uutctgcl^enbc Sonne fd^c, tjon tocld^ct äuget 



222 3to«tc« »u*. II. 2)ie Oefc^it^tc bct Äunfl. 4. ©ifloriWet X^dL 

\ffxcx SBithing bic ©rßßc üBrig BIctBt''? — Xcn ganslic^cn «crfaa bct 
^(aflif fc^jt CT in bic Qt\t bct großen Scmjirtung burc^ bie brci§ig Iljtanncn, 
ohxDci)! bic Saufunfi ncc^ Blühte. lic traurige (S^roni! bcr ^ctPörungcn 
cnbigt mit Salbuinö SroBcrung üon ßonflantinoipcl. 



Xa^ ©cmalbc, mclc^c^ l^icnnit f^lic^t, f)at ba« Sctbienfl gcl^aBt, in 
Bcrcbtcr (Bprai/c unb mit aOcn bamalö ju ®c6otc ftcljcnbcn l^iflorifd^cn unb 
^)l^irpfopl^ifrf;cn ©rttnbcn, no(^ mitten in einer 3<^it bcr $ofhinfi naA bcm 
SKuflcr ?cui6 XIV, Bcjcugt ju l^Bcn, bafe bic Jlunfl bcr ?llten, bic l^crrliApc 
£unfl aller Seiten, im ©roßcn unb ®anjcn, unb in i^ren gtorrci<3^jlcn SBcrtcn 
eine Sd^ö^fung bcS freien ©rieii^cnlanbö tt?ar, unb ba^ ^atl^oö mit bcm bic§ 
gcfcfcal^, barf nic^t tcrgcffcn »erben unter ben Urfac^cn, bic in bcr nSAflcn 
3cit baö ©tut unfrcr Äunfl n?iebcr crfrifc^t unb erneuert l^aBcn. — Xaö 
®emalbc jcigt sucrfi ein aßmal^Iid^eß Steigen, eine furjc iDunbcrBarc ®Iüte 
fobann, enblid^ einen langgcbcl^ntcn SBcci^fcI t>on SSerfinflcrung unb 9Bicbcr= 
aufIcucBtcn, aBcr n?ic bie Sage im ^crBfl, mit mad^fcnbcm ^atttn. 

3m Tctaif jcbod^ ifl baö ®cmälbc »eber n>al^rfd^cinÜci^ noäf crfreulici^. 
So Pcl^t in auffallcnber 3(Bgetrcnnt^ctt ton bcr Sprache bcr barin au^ge= 
flrcutcn iDcnftnalcr, bic il^m tJarBc unb 9telief gcBcn foßtcn. üCer gcfcicrtfte 
Icrfc crfAcint am (Snbe bc6 freien ®ried^enlanbÖ! 3cbc 3D?ttnjc mit einem 
fc^önen £oj)f (3. 33. ^Ji^rrl^u«, S^emctriu« -ilJoliorccteö, «gatl^oclc^), jcbc Ännbe 
ton irgenb njcld^cr Äunflinbufhric iS?erre6* S?afenfaBri! in S^racu^), ron 
einem ^rac^tjlüdf ($icro II SBunbcrfd&iff ) , ton einer ©tatucncommiffion fftt 
bie »itta bc« «tticu^, gicBt für bie Sunfl bcr 3eit gttnfHgfte «fj>ectcn. 3Bo, 
n)ic ^icr gefd^icl^t, nur bie fd^önc %otm Sritcrium ifl unb bic ßrfinbung 
üBcrfcl^cn, ja nid^t einmal jn^ifAcn @efc^macf unb lec^ni! untcrfd;iebcn »irb : 
ba l^ätte bcr gior bcr v^nfl cigcntlid^ bcr Tauer bicfcr tcd^nifc^cn UcBcr= 
lieferung unb atfo fafl bcr alten Gioilifation tiBer]^au^)t glci^gcfc^t merbcn 
muffen. Sine bcr Siöcontif^en al^nlicfie ®cfc^i(!^t«auffajfung fotttc man ba 
erttarten. 

Xer SJcrfaffcr fül^rt un« burc^ baö ältcrtl^um, um un« mit ennübenber 
SWonotonic immerfort baffelBe S(^auf<>icl ju geigen : bag jcber gricben«fd;lu§, 
jebe SBiebcr^crflcaung bcr 9fc^>uBIif eine &xvippc SilnfHer l^ertorjauBert, jcber 
Sricg bagcgcn unb SJerlufl bcr „5rcil;cit" ben 9?crbcrB bc6 -©efii^mad^, ben 
5a0 bcr fiunfl l^crBcifül^rt. Xa« ?cBcn bcr .«unfl l^ätte banad^ «c^nlic^fcit 
mit bcm l^cutigcn großen ®elb= unb ©cfc^aftöocrfcl^r, bcr fo empfinbli(^ ifl 
gegen jcbc 3w*wng bcr <>olitifc6cn SBclt. üRanAmal motzte man, in bcr Un= 
gcbulb üBer bie ewige aSBiebcrl^olung, an ßarlcquin benfen, bcr öfter« in 



I 137. Die funti unter ben 9Jömcrn; ^d^tuß. 223 

bcT '^^antomime tobt l^infällt, ja ate flcifct Jeic^nam üon $icttot aufgclabcn 
iüirb, cBiüo^l tüir getrofi fein fBnncn, bog er jur redeten 3cit wicbcr inuntct 
auf fernen gilfien fte^en unb flc^ $icrrot enn>ßnbli(i^ fül^ttar machen wirb. 

3n SBal^rl^eit l^at bic Äunji eine t>iel ro6uflere Sonflituticn. ®ic ifl 
feine glur beö SWorgenlanbö, bie ein paar Sage SonnenBranb au^bßrrcn unb 
einige Stegengüffe »ieber mit ®rün unb SSIumen Bcbcdfen. <gic ^at il^r eignet 
SeBen unb ifjre »eittoerjtDeigten SeBenöcanäle, unb bie 3a^re biefe^ ScBcn^ 
fmb weit länger aI6 bic furjen 3al^rc ber Talente, ml^t ®unf! unb @etb= 
fing einer t5riebcn6e))oc^e l^ertjorlodt !Die§ il^r IßeBen ttjä^rt fo lange aW bie 
Sultur, tjon ber fle, aW il^r Drgan, gef(!^affen n?orben ifl unb bie ifjrer 
Silberfipradjc Bebarf. Sein '^uföfc^lag tft langfam, -^ benn tt?a^ Srfinbung 
in aRotitjen, üarflcttungöntitteln, Jec^ni! anlangt, fo ifl ber jnenf(^Ii(^e @eijl 
merftüörbig träge. aBer bafilr ifl biefcr SSorratl^, baö SBet! ber Reiten, aud^ 
fo ungcl}cuer groß, bafe er nur burd; Tange fortgefe^te Stöße beö Sc^idfaW 
ju ®runbe gelten fann. Die fruc^tBarflen fiunflaltcr n?aren oft angefttttt 
mit äußeren unb inneren ge(;ben (bie ja nic^t Bloß 3^^^t^w^9f fowbern aud^ 
einen UcBcrfluß tt;ätigcr v^räfte anjeigen fönnen), unb juttjeilen fanf bic 
Äunfi i^on bem 9[ugcnBIid an, njo Stiebe, 9teid^t]^um unb 'ißrotection ju il^rcm 
^cil jtc^ tjcrBünbctcn. Sic nac^ ßl^amfort im ScBcn ber ©njelnen bie 3cit 
nad^ ben 3a^ren ber ?cibenfc^aften bic probuctiüflc ifl, — fo Befruchten üuI= 
canifd^e StuöBrüd^e bie ßrbe — : fo fc^cint nad; ÜDiberot aud^ ber forBccr 
ä(3otto'§ am fräftigften 3U grünen, tvcnn er üon 93eHona mit 93tut Bc= 
ne^t n)urbc. 

Somit fann ba^S SrBc ber v^unft fo n>enig burc^ fül^nc S^peculation auf 
einmat ücr^e^nfaci^t, nod^ aud^, n?ie ber Stcic^tfjum be^ "ipartjenu, auf einmal 
»crfd^tcubcrt »erben, ^^x ScBcn üBcrbauert Sricgc unb gtieben«fc^Ittffe, 
93erfaffungcn unb Staaten; bie großen Salamitäten werben quantitativ bie 
$)cn)orBringung oenninbcm, aBer nid^t bie eblen Il^eile Bebrol^en, il;re 9iid;tung 
öcränbcrn, i^rcn Cljaractcr fcrwanbctn. Dagegen, wenn bie (Sötterbämmerung 
il^rer ©eftalten l^ereingeBrod^cn ift, wenn il^rcSRittet baö mcnfc^lid^c ^erj ju 
Bewegen, ücrBrauc^t, il^re gormen auögelcBt ftnb: fo wirb Weber offenttid^er 
SBol^tpanb, .nod^ mcbiceifd^c ^ofgunfl, nod^ freie SJerfaffung, nod^ gkiß ber 
Sd^ulen, nod^ aBgöttifc^cr ^eroencultuö, no(^ l^o^c meta^>]^^fifd^c 93egriffe, noc^ 
©elc^rfamfcit, no(^ ^Reinigung be« ©cfc^madfg unb SuffieHung ebelj!cr 3Kufter 
t)or aHem 5Solf, einen leBcnbigen Sjjroß l^ertjortreiBen. (S5 l^eißt bann: 

YUi et quem dederat cursuni t'ortuna peregi, 

et nunc magna mei sub terras ibit imago. ^ | 

I 



n 



224 3tt)ctte« «u^. II. Die ©cfc^i^te bei Äunp. 



§ 138. 
UcBcr <Spxcid}t unb (Stil. 

SBincfcImann l^attc fic^ Jporgcfe^t, in bcr ÄuitflgcfÄidbte niit nur bic 
©lütc feiner gorjc^ungcn alter £unjl ju i>ereinigen, fonbem auc^ bic 
Sd^onl^cit bcr ®cban!en unb bcr Sprache auf« l^oc^fle ju trciBen. 3n bicfer 
Siograj)l^ie, »clever, h>a5 SSätudfclmann irgcnb gültige« unb BlciBcnbe« gcfagt 
]^at, eingenjoBen n>erben fottte, finb ^rcBen alter ber manniAfaltigcn 
Sittancen feine« ©til« t>orgefominen, unb an biefer Stelle reid^t c« l^in, bic 
(ginbrücfe be« ?cfer« bur(^ einige 933in!e ju refihnircn. 

SBincfelinann« S3ega6ung im ^un!t bcr gomt unb bc« Stil« jcigt fid^ 
nid^t hjcniger in ben allgemeinen SSorjllgen ber Spxad^t, bic il^m, tt)cnn er 
moHtc unb einen ©cgenflanb l;atte, ju ©cBote flanbcn, fonbern üornd^mfiA in 
ber iproteudartigen Sem3aublung«fäVig!cit feine« Stil«. Sr ^t fttr jcbe SaAc 
unb fftr iebe ^^erfon eigne Linien unb garBen. 

Sclbft in feinen Briefen !ann man bieg kofcac^tcn. iJicfe 93ricfe fmb 
»al^rc ©riefe, fie l^aBen bic $au^)ttugcnb ber ©riefe in »ollem SKaaße: bic 
UnmittclSarfeit. Sic finb ganj »oll com StugeuBlicf unb üon ber $erfon, bic 
il^m torfc6tt)e6t, unb fott)eit al« mcgÜd^ entfernt üon bcr ^dU unb ^taum^ 
loftgfcit bcr ?lBf;anblung. S(!^on i^re 3nbi«crction unb Stac^laffigfeit in bcr 
Sprache Bciücifi, baß er nic^t entfernt an einen mögli(^cn tüciteren OcBraud^ 
bcrfclbcn unb an anbere ?efer, al« ben Slbrcjfaten unb jmar in bem SWomcnt, 
badete. 3Ba« er in il^ncn ^)laubcrte, n>5re il^m fo fatal gett)efen, an bic 
Dcffcntlid^fcit gebracht ju fel^n, bag er Bei bcm einjigen Saß, bcr in biefer 
Scjic^ung ya feinen Obren brang; fi(^ ücrncl^men wollte, aUc Sorref^)onbcn3 
mit Dcutfc^lanb a6juBrc(^cn. Da^cr finb bic ©riefe bcr treue Sj)icgcl feine« 
3nncrn, b. 1^. ju jener Stunbe unb im Ser^altnijj ju jener $erfon, alfo bcr 
rafc^ n)e(^fclnben Oberfläche, nic^t ber unbcnjcglic^en liefe feine« 3nncrn. 
?lu« i^nen fci^(>^)fen mir bic für bic ©iograj)^ic unBcjal^lbarcn 3^9^/ »elcbc 
un« aBiudelmann al« 9Kcnfc^en, — in feinen Sd^mat^en unb in feinen noMeu 
5Regungcn malen. !t)ic !cftli(^c 9?aiüetät, mit ber er fic »errat^, erinnert oft 
an ben liebcn«tt)tirbigflcn S(^riftjleller ben e« gegeben l;at, ÜRontaigne. S« 
ifl nid^t in fheiten mit bcnen, toel^e fol(^e 3)icnfc^li(^fciten ni<^t »ertragen 
tonnen unb ftc au«gemer5t feigen mw^ten, al« fleinlic^c ^erabsic^ung großer 
aWänner (mal^rfc^cinfK^ tt)cil fie felbfl, bie bloß au« fol(^en befleißen, bereu 
Serfil^rung nitbt oertragen trttrbcn), unb bie »on ^erocn nur gerebet ^abcn 
m6d»ten, wie man in ?obrcbcn an Sd^ulfcflen einen (S^renmann jum ©orbitb 
l^inficKt. Aber aucb ba« lic^tcflc ©ilb geminnt ja bur* fleinc SdBatten nicbt 
nur 3S$al^r^eit, fonbcrri au(^ ?cben unb 9tclicf. 



§ 138. XUUt ^^rat^ unb @tit 225 

Dicfc Briefe, bcr treue ©^icgcl fcracr inneren {Regungen, bie ÄBIagemng 
feiner neueflen Sinfätte unb ^rojectc, feiner Se(^fel »on ßSrtli^feit unb 
ffinH)finbficl^feit in bcr greunbfc^aft, l^aBcn üor unjäl^Iigen anbem t>on Sl^n= 
Ii<^er Unnritteftarfeit üorauö bie gtißc unb ba« 3ntcvejfc bcö Snl^att«. 9ii(^t 
jtt?ar be^ geleierten, aBer ber 3^9« jw^i äJiO) feiner B^it- S)«^ Scrfaffct 
biefcö Sud^e«, ber in fc(^« 3a^rcn alle« gebrudte unb leanbfd^riftlid^e auf 
italienifci^n unb beutf(^en SJiBUotl^efcn unb Ärd^iüen über rßmift^c 3ttP5nbc 
Icnnen ju lernen fu(^tc, fanb, ba§ bie ©efantuitl^eit bicfeö umfangreichen 
SKateriaW ni<^t fel^r toiel mcl^r entl^iclt (aBgefel^en tjon ber lird^lid^s^jolitifd^ett 
®fiffaxt), aW n>a« in SBindefinfinn« ©riefen aüfbctüal^rt ifl. ^l^r 9teij liegt 
in ber tooMommenen UnBeföngenl^eit unb Wücffld^tÄeflgfeit cincö iWannc«, 
ber bcr ^eimatl^ fo njcit cntriWt if!, unb beffen ©riefe für bie, mit tDcld^cn er 
ju Iclen l^at, fo gut tüie naci^ bcm aRonb gcfci^riefeen pnb. 

Unäf in biefen flüchtigen, am '^optag eilig l^ingetüorfencn SlSttem nun 
ifl eö merftüürbig, tüie er für jcben einen anbem Ion ^at SWit ben alten 
Sameraben i|l er bcr alte, familiäre, tt)ie in bcr ©tubentcnjeit, er fd^maftt, 
^yral^lt üon feinen (S^rcn, feiner ©(i^lauiecit, feinem ®lü(f, tüie man mit Seuten 
f)>ri(^t, üor benen man fein ©cl^cimnig l^Ben fann unb benen man bo<!^ 
jcigen inBd^te, „tüie man*« fo ^errlic^ tücit gcBrad^t"; l^ier fci^reiBt er getüig 
ganj njie er \pxadf. 3^^^^ leibcnfci^aftlic^, in einer mit "^Poefic gefattigten 
@^)ra(iec jtnb feine 9?ac^rufe an jugcnbliciec greunbe; gctüäl^lt, Bilberreid^, 
funfboO f (abreibt er etn)a an einen a)ic^ter; eine gleichmäßige, fanfte SBärme 
in getragenem Ion nimmt feine Stcbc an gegenüber bcm f^ät crtüorBcncn 
greunb, mit bcm er jic^ üoßer UcBcrcinfUmmung auc^ in ben Dingen ber 
feinflen ßm^finbung Benjugt ifl. 8n anbere ®cnoffen, benen er jlc^ bort in 
glorcnj unb Stom ganj aufgcfci^loffen l^at, bie feine Änbcutungcn tjcrficl^cn 
unb üon benen er nici^t ju Beforgcn l^at, baß fte il^n mißücrflc^cn, fd^reiBt 
er fad^lid^, eilig, sans fa90D; ferner flcl^cnben 9lefpcct«j)erfoncn m^te er 
mit rcicj^licj^n 9iac^ric^tcn aufwarten unb fclBfl einigermaßen ju feinem 
SJortl^cil erfci^einen. 

Äuc^ wenn SBindclmann oon Sunfl unb ältcrtl^um Icl^renb fc^ricB, j^attc 
er mancherlei lonarten auf feiner 8^ra. Den 9teij ber grifd^c unb Unmittet 
Barfeit l^aBcn am mcificn feine SJeric^te üBcr 5uube unb Äu^graBungen, tüie 
bie t)on $)crculaneum ; ba« Gntjüdfen, in tüclci^c« folc^c Sloüitätcn ben 8tlfcr= 
tl^umöfreunb oerfeften, flingt nac^ in jenen ©u^jcrlatioen, bie jid^ flet« 
üBerBicten. 3n ben ©riefen an ©ianconi fommcn att ffiürjc l^inju bie 
Änecboten üBcr nea^)elfc^en unb anbem Unfug aßcr STrt; bem ^ofmanii 
gegenüBcr gaB er feinen ©riefen etttxx« oon ber §ärBung ber äRcmoircn unb 
bcr gäflcrd^ronif. Die fleinen Äuffäfee, tüie bie für bie SKonatöfc^ft, pnb 
cBcnfo flüchtig, aBcr boc^ für ba« '^JuBlicum l^ingctüorfcn n>orben. Sic gcBcn 

9ttfli, IBUidelmanii II, <. «15 



un^ ein &ü) bo&on^ mie ex al0 Sicexone 9iom9 IDentetcSeT erSorte, folgen 
^remben gegenüber, bcren Bilbtutg tl^m bte äRittl^eilung bed Be^en ttxkd ex 
l^otte, bex ^ttl^e vocxüf erfd^etnen lieg, ©d^neibenb, n)eg)oexfenb, bexB ifi ex 
gegen bte SRantextflen unb gegen bte mobexnen Sttb^uex; geifhetd^ unex:: 
^ö^fli(^ in ^axtattonen jenex @xunblc]^xen, bie ex fonß in ben gxo|en 3Bex!en 
in nni>exanbexli(i^x Raffung n>tebex^oU; biefe Slottex finb ein ®)>iegel jenex 
ganj eigenen geifligen 9tegfainlett, bte nux in 9iom fU^ entmtdEelt, tx>o 3)en!en, 
@ele]^x^mfeit unb Xnfd^auungen bc^ Xlten unb be^ flet# ätcuentbcdten fid^ 
gegenfettig beleben unb exfxifd^n. 

^ bex ^nßgefci^ici^te, befonbexd in bex legten )>9fl^nten Steboctton^ 
fUib auc^ biele 10% 3Rifce0en entl^alten. Itbex in bem ftexn bed fBkxH ßanb 
fein @til nid^, mie in jenen, untex Sinflug bex ^xgegennKtxtigung beflimnttex 
?ejex. aaäo l^ätte ex biefe aud^ ^nben foHen? 3n bie l^ol^xen Slaffen, an 
bie $9f e , tüo nux fxangd{ij<^e Sitexatnx galt, l^offte ex bantalS laum ein}U:= 
bxingen. (Sbenfon>enig untex bie @tltffxttn, bie ex fttx ftum^f ^ielt in S)ingen 
bex fiunft. ffixji nad^ bex SJoBenbung beö Sui^ö Icxnte ex i^xfönü^, bxief= 
li^ unb buxc^ ^i^xenfagen i^eutc !ennen, bie jenem, il^m in S)eutfd^' 
lanb ücxboxgcn gebliebenen, nun xafd^ fub mei^xenben Äxcife angel^xtcn, füx 
n^eld^en bie exn>ad^enbe 92ationaaitexatux e^ciftixle unb ben fte [lif f(^uf. 

SDa^ publicum, meld^cd ex int 9uge l^atte, max juno^fl ein ibealed, 
„bie SRoc^meft", f^nitex exft fanb ex einige lebenbe 8tei>xäfentanten bicfcx 
^ladfmdt 2Bcit niel^x abex inf^)ixixte feinen Stil bex ©egenflanb: biefe« 
toftxbig ju fd^xeibcn, nntx fein Ixac^ten, unb fein ©til foHte fielen auf bex 
^^t bex ®eifte«xegion, in bex bie ibealcn SBexfe bex gxicd^ifd^n $Ia{liI 
fd^joeben, biefe felbji l^aben il^ni bie ^nnit gelöjl, unb ex finbet fiix jebc« 
einen bcfonbexen Ion. SDic jeic^nenbe, j>lajKf<^e 35efd^xeibung xaumßd^ex 
Soxmen, bie ai^nungdüode 9}ad^bilbung be« ©ebonf^n«, bex Sifton be« ^nfltex«, 
bex l^inxeifeenbc SnÄxurf bex buxd^ ffunjhoexfe exxegten (&ni)finbung, oficd 
fielet il^nt in glci(^ex SBeife ju ®ebotc. !Die ^Jexfd^mcljung t>i>n ©c^ttjung unb 
fiunfi, Segeiflcxung (d-f/a f,iavia) unb Scfonnenl^cit {amtpQoovvr^ exinnext 
annneiften an ^lato'« Sieben. 

Ungleid^ mel^x 9iaunt ciÄ bie Sefd^xcibung nal^ra bie Sel^xe ein. (£x 
toitt un« bafi Si^ßem bex alten ftunfi geben, unb e« fott ou« bem ©inn ber 
alten Ättnftlcx felbfl gcfc^xicben fein. Dieg l^ielt ex fftx ba« fd^nsexfie unb 
l^ik^fle. ©einen ©äften mexft man e« an, bafe jle bie longfam gexeifte Sxiid^t 
anbaucxnbex SWebitation ftnb, bex gunfc bex au« einex SRenge »pn An* 
fi^auungen l^cxtjoxfd^lug, foöiel ex nux jid^ gegenmaxtig gu l^alten bcxmpd^te. 
»xcite unb Ontenfität beö ©enfen« »axen glcid^ gxofe. 2)iefe boOe Sieife bc« 
®eban!enö fammt bex (fttx bamalige «cx^ltniffe) «oHflänbigfeit be« 8l))j)axat# 
gaben i^m baö 8ie<^t ju bem fcl^x <>ojltit>en Ston. (Sx bxftdt fU^ fo ftw^ 



§ 138. Uekt e^rac^e unb etiL 227 

imb lacrnnft^ au^ mie mflgltc^; btefe @a^e foQen ftc^ atö BlciBeTibei Sefx^ 
bem. (SebSd^tnig eiiqNrSgeii^ nrie bte 8[))]^)endmen be^ $q>)>ocTate^. (St UeBt 
bod fcatengtöfe, btegmfd^c uiel mel^, al8 eine logifd^e IBerlettung ber ©cbcmCen; 
jehte @% tDoren ja ond^ nu^t tnxdf ©d^lilffe gefunben, fonbetn oud Sin? 
f<i^auungen oBgekttet, bte et ben Sefent . nid^t in bie $(utb geBen !onnte : fte 
mußten il^m glauBen unb bertranen» Seit entfernt, bem Sefer entgegen^ 
jnfomnten, butd^ bicdectifd^ S^Bexeitnng ober l^eraBIoffenbe Serbeutlid^ng, 
nötl^igt er üBer feine @&$e na^juflnnen, ü^re Sebcutung ju fud^en. (Sx 
f)nral^t aU SReifler nnb gieBt ju berfiel^n, bag ntan )9on ü^m }u lernen unb 
nttx }u lernen l^aBe. (£r l^atte bie Sbucefenl^eit in SRom fUr fid^, unb bo^ 
9eto»ngtfein feinet 9emfd. Bad er fagt, oud^ bie Siegeln, tdax fletd bod 8ilb 
einer gegenwärtigen ©od^e, ober einer @unnne bon fold^n, nie lieg er ftd^ 
berleiten, auf Seitem ber S)ialecti! in bie luftige, leere 9tegion milHül^rlic^er 
®ebanlenerjeugung oufsufieigen. Bad man i^m üBerall glcid^mägig onfttl^lt, 
\ft jein (ErfiiUtfein bon bem unenblic^en Bertl^ bed ^olt^, bie (S^rfurd^t 
bor bemfelBen mie t>ox etnntd ^eiligem, unb bon ber 93ebeutung beffen tood 
er, mit folc^em (Smfl, üBer il^n crforfc^t. (£r ift berloren in jenen dni^alt. 
3)al^cr gicBt cd toenigc Schriften, bie Bei otter ©enjäl^ltl^eit unb Seite fo 
n)enig bon (SiteGfeit, fobiel Beil^ l^oBen. (Er f))rid^t me^r mit ben ÜDingen, 
ate mit ben aHenfd^n. (Sd ifl bie Bttrbe, ber faft feierli(^e (Smfi, ben bad 
Sen>ttgtfein $rof>^et }u fein gieBt. ®ein äReiflerflolj ifl bal^er etmad ganj 
onbered ald ber fd^ale ©elel^rtenbünfel, ber fid^ auf quantitatit>ed 3Re]^m}iffen, 
ober auf bie ^anbl^aBung bed $anbn>erf^eugd unb bed Stotl^UTelfd^ ber @<^ttle 
grftnbet. (Sr !onnte n>ie (Sm)>ebocled jugleic^ ald ^orfc^er unb ald Selber 
feine Seigren audf))rcd^en. 

Sud biefem @runbe l^ielt er ftd^ aud^ frei bon $olemi(. 2)enn bie ge^ 
legentlic^en , lurgen B^^t^^fu^fl^^ greifen in bie (Erörterung ber @a(^e 
nic^ ein, {ie Begiel^en [\d^ auf ganj (Sinjelned, fie flnb mel^r ein 3ug feiner 
Sioftil, eine augenBliddid^e $er}enderleid^terung (n)ie eine frfiftige Sertottnfd^ung), 
ald bag er bad Sebttrfnig em^fnnben l^atte, fUt) mit anbem audein(giber}Us 
fe^en, ober gar ju red^ertigen. ©o tief er Angriffe em^jfanb, faum je l^at 
er bie Stttctftd^t auf frembe SReinuhg einen @a^, ja einen Sbidbmdt mobificiren 
laffen. SD2onatelang ging il^m n>ol^l ein ®egner im ßo^f l^erum, er ft>rad^ 
bon fc^arfen ®efd^offen, bie er auf feinen 93ogen lege, aBer wad jule^t l^eraud- 
fom, toar eine rul^ig aBlel^ncnbe ^^eriobe, ober ein berBcr ®tog im SorBei= 
gel^n, ol^ne ftd^ nur umjun^enben. 3Rit %ec^t l^ielt er ed fttr un))af[enb, in 
einer @(^rift bon ber ftunfi unb bem l^ol^en Xltertl^um mit SRenfd^en ein 
®ef^äd^ angufongen, bereu (Skbanfen mit ben feinigen (eine ©emeinfd^aft 
l^attcn, ©efd^eiBfel mit einer* (ErtoSl^nung ju Beeiden, bad er Bereute, üBert 
l^ou^l^t gelefen ju l^aBen. 

15* 



228 ^toeita ^udf. IL 2)te (9cr<^i<^te b<r ihuift 

,,2B.'« Stil, fagt ^crber, ifl toic ein ^unfhverl bcr Ältcn. (Skbilbet in 
ottcn Zfftilcn, tritt jcber ®cbanfc ^tvocx, unb flc^t bo, ebcl, einfältig, er« 
]^a(en, DoDenbet, et ifl. ®en)OTben fei er tt)0 ober tt)ie et moQe, mit fOtÜft 
obet ton felBfl, in einem ®rie<i^en obet in 32.: genug, bag et btm^ biefen 
auf einmal, toxt eine SKinettxk oud 3u))iter9 $au)^t, baflel^t unb ifi'^ 

993inc{elmann TteBte inbeg ni(^t ben tm\ojiftn, planen, eigentli(i^en Su^- 
btud bed fd^lid^ten €til9, beffen bie togifd^n £5)>fe ft^ gu Bebienen pflt%tn. 
2Bie aud^ in feinen italienifd^n unb lateinifc^en Setfuc^en, fhreBt et tot 
aDem noc^ Sigent^ümlic^feit bed 9u§btU(fd Bio }um (Seltenen, 92euen. @)>ri^= 
n>i^ttri^e, bialectifc^e SBenbungen GeBt et, 93i(bet unb $etglei<j^e, bie bnti^ 
nid^t gen>o]^nli(^e/ )un>eilen nut buti^ ®ele^tfam!eit mdglic^ dbeenaffociationen 
etlangt finb. SRit fatBIofet, A)enn auc^ Ratet unb )>t5cifet (Sigentlid^Ieit obet 
Snigemeinl^eit bed Hu^btucfd tooxt et nie gufrieben geA)efen. <So jufanraten' 
l^angenb et benft, et möchte alle ©liebet bct ®ebanfen!ettc in 8eif^)iele, 8n= 
fpielungen,- Silbet, Sitate ftciben. SBo et auf eine 3bee SBettl^ legt, obet 
auf eine 'fetfon, an bie et ft^teiBt, !ann man fielet fein, bag et in ben 
figfitlid^en Stil tetfäflt. 9iut fel^t feiten inbe§ (breift et an^ gefd^matflofe, 
atcjanbtinifd^e. 

3m ©a^Bau l^at et ben futjen, taf(ä^Bett)egten , etttKiö ftanjopfc^en 
8f^^t^mud bet Dteöbenct Schrift ganj tcttaffen. SoCtoid^tige ^eriobil, »ie 
fle bet gtiec^ifc^en unb bet bcutf(^cn S^Jtac^e gemäg ifl ; bet Sotbetfafe ettoa baö 
fotgf altig audgeföl^tte 33ilb, bet 3Ja(^fafe bie ©ac^; obet jenet bie §acta, 
biefet bie aKajdmc, jenet bie 93en)eife, biefet bet ®a^. 

(Sin gang eigene^ l^oo^ nxit il^m gefaDen babutc^ ba| et, ate beutfc^et 
S<i^tiftflcnct, ton bem leBenbigen ®cBtau(^ bct ^pxadft, bie et f(^tieB, fafl 
ganj aBgefd^nitten leBte, ja nic^t einmal butci^ Sectute mit il^t in 9{a))^ott 
BleiBen fonnte, unb ba^ ju einet ßeit, tt)o bie ®^>tad^e in leBenbiget 5ieu= 
Bilbung Begriffen ttHit. (£t fttl^lte beutlici^ feine junel^menbe Unftc^ctl^eit, unb 
ba(^te fel^t ftü)^ batan, italicnifci^ gu fc^teiBen. gut ^unfifac^en n>at il^m 
baö n}clfci^c 3biom tiel gelaufiget, ©eine f^)5tcten ©d^riften, unb mel^t nod^ 
Briefe n>immeln ton italienifd^en SBotten, SBenbungen, Safefotmen; ja et 
fd^teiBt äutt)eilen toic ein 3talienct bet feine ©ebanicn in^ !Detttf<^e mit $ttlfe 
be« Ccjicon^ üBetfe^t l^at. Ott felBfl „f(^Smt fld^ nid^t ju Befennen; ba^ et 
feinet eigenen aRuttctf<)tac^e ni(^t in i^tem töDigcn Umfang m&^tig fei, unb 
bafe e^ il^m an ticlcn £unfl= unb ©anbttetWmöttetn fcl^le, bie et Icid^tet im 
SBelfc^en l^aBc geBen fönnen". ©c^lcgcl finbet feine $tofa mel^t tetaltct, aW 
bie Seffing^, oBtool^l in aßen ttjefentlit^en ©ttirfen claffifd^. „SBit pnb atm, 
fagt et, an mufletl^aftcn ^tofaüetn, 33J. tagt untet ben n)enigen l^ot, 
©nfad^l^cit unb ©ttenge, eine gett)iffc altcttl^ttmlid^e SBfttbe, unb BefonbetÖ 
eine gtogattige 9iul^e in bet SJcgeifletung finb bie lugenben feinet ©d^teiBatt 



§ 139. ettmmen bet Sritit. 229 

!CaneBeti l^at fle aBet fafi oQe gtammattfc^en UiuooOIommenl^etten, bie fi^ 
tietinen laffen: fil^telcnbe UnSMidt, ungefc^idte SBortfleQungen, f(i^lq>^nbe 
aBrMrtfllgungen/ barau^ cntfid^cnbc Scttoorrcnl^cit, unb üBcrl^au^>t eine getüiffc 
Steifheit unb UnBel^oIfenl^ctt". 



y. 9lnfna|me »nli (Eintoirfttnn« 

§ 139. 
©timmen bet Sritil. 

3m 3a^Te 1764 leBte ^ifmxlxä^ 3emanb bot eine fod^htnbifle Sriti! bcr 
^nflgefc^id^te ju f(^teiBen im ©tanbe gen>efen toSxc. 9Ran l^ttc tox allem 
au« il^r JU Icrnin: bie tocnigen, n)c^e ben geleierten a[p^>arat gu ^>rüfen 
conq^tcnt »aten, njaten ina>m<>etcnt in SJcgug auf ben n^ »it^tigcren 
monumentalen: aud^ »etgagen fle ober »erf^J^oBen eß ober ad^teten c« für 
!leinli<^ unb unbanfBat gegcnüBer bem »irHic^ BctäuBenben (Sinbrud befi 
Sleuen, baß l^ier auf einmal bargcBoten njurbe. SBie oicl f am l^icr jufammen ! 
bcr erfle Serfud^ einer neuen SaKffenfcJ^aft, unb glei(^ ein fol^cö SWeificrnjcrf ; 
biefe Stimme mitten au« einer fremben, für bie 6inBiloung«haft mit fooiel 
Äeij außgeflatteten SBelt; bcr Balb l^inrcifecnbc, Baß) in anf(^uli(^cr Sreite 
Befd^reiBenbc, Balb naiö crgSl^lenbc Stil. 3Ran bergcgenn>5rtigc fid^ bie S)ürftig= 
feit bcr bamaligen "^rofariteratur, Bei bcm fcj^on ertoat^tcn unb in crjier 
ginie ber Siationalintcreffen pel^cnbcn SBäunfc^ fle enHJorjuBringcn. 

iDal^er bie Sreube, ein folci^e« Driginatoer! oon einem 3)eutf(^n ge= 
f(i^ricBen gu feigen. ,,(g« ifl eine (B^re für ÜDcutfd^lanb (fagt bie SiBliotl^cI 
bcr fd^önen SBiffenfc^aften, XI, 41 ff.), bag einer unter un« aufgeflanben ifl, 
bcr gucrfl cttoa« ©^flematifd^e« oon bcr ftunfl bcr «Itcn geliefert l^t. 9tid^t 
nur un«, fonbem au^ ben anbcm Stationen, tt)0 bie ftünflc Blöl^cn, fcl^lte 
e« an einem folcä^cn SBBcr!". Äud^ bie 8cij)gigcr Acta Eruditorum loBcn il^n^ 
bag er flc^ ber bcutf(^cn ©^jrat^c Bcbient unb bag er fle, toa^ Bißl^er nur 
i^agebom gelungen fei, bem ©egcnflanb gemag ^ptcift (at lingua ipsa ni- 
torem qnendam, et accomodatam artiam Bubtilitati exprimendae formam 
induat). 3^ aUcrerjl ncl^mc ie|t ein S)eutfd^r, inmitten bcr Sßation, bie 
im antiquarifd^cn gad^c allen boran fei, ja gu 9iom felBfl, in ©clel^rfamfcit, 
©d^önl^citöflnn, ©d^rfflnn, Urtl^eil unb Äennerfc^aft ben oBerflen "^laii ein; 
unb Bnne, n)a« er bon ben Otaficncrn cm^jfangcn, biefen unb ben anbcm 
SSSKcm f(^on mit neuen originellen ä^tl^öten Bereichert, gurüdgcBcn. Äud^ 



n 



23§ SaaM 8u4. n. 2)ie <^(!^te ber Jbmft 5. lufnol^me unb (Sinimtfitstg. 

bte ©Btthtger f^mul^ in btefem Sinn. ^^ it^vb, fem SSer! ott^ ber 
!Z)enfmolct!uitbe bon fobtd ®eme, (Skld^rfamfett tatb ®cfd^tii«f gtt fetmoi, 
er l^t ben ^S^onteTi dtie itü^i^e ^ebigt*). di^bta ber Slegani bec 
©arPcDuna (aud^ btc crflc cngßf^ ©ttmtnc im Ifoathly Ecview tftl^t, ho% 
ber geleierte «uter bom CnH)ortommcn unb Sortgang ber ftftnfle in a vcry 
satisfactoiy and enieriainmg manner l^anble) ini^onirte anfangt ant ntetflen 
bic ®€lel^rfani!eit. ,,9Ran ntug, fogt bie »iBKot^cf, ftBcr bie »elefenl^eit, 
bic fi<^ aÖcnt^aften jetgt, erfiauncn, unb e« ben geleierten Äenntniffen be« 
$erm 3B. unenbfi(^ Dan! toiffen, fobiel jerfheute unb Biöl^er unBefannte 
5Rad^ri<j^ten mit bem mfil^amftcn gleite gcfammelt gu ^aBen". — 

Die Sriti! l^eftete pd^ juerj! an ben jtt)eiten, fd^roäi^ren jB^eil S)ie 
aRangcl ber j)]eilotogif(ie=critif^cn aWetl^obe unb bie bal^er entflanbcnen 8ers 
feigen n>aren eö, tt>cld^e ben beutfti^en ©elel^tten jucrfl einen «ngriff^unft 
unb t^em Sebftrfnig bed Duxd^corrigircn^ nnb ^Icronßreic^S belegen- 
l^eit gur S5efricbigung barBoten. Der erfle ber bieg UÄtcmal^m, nxtr ber 
groge f^e^ne in ©Bttingen. Seit äBincfetmonn auf feinen ^rfd^Iog 1764 
gum SRitglteb ber ®9tttngcr ©cfeOfc^aft ber 99iKffcnf<l^en ernannt mar (m 
einem Briefe bom 22. DecemBer b. -3. bonft er ,,fttr bie "SlcaiftM/t ber il^m 
ton ber erbud^teten unb Berttl^mten ©cfeUfc^aft ergeigten Sl^e, meU^ bie 
erfte Bffentlid^ in feinem SSatcrlonbe fei'O, ^ifiAXt er mit bem @5ttinger ^pro= 
feffor öfter SJriefe gemei^felt, i^m Sßad^^ten bon gunbcn, e^rigra1^if^ 
u. 0. SKtdceQen mitge%ilt. $e^ne nxtr il^m axi^ Dreien aM ein SRonn 
bon ,,mttnterem @eift" erinntrli^, er l^offte 1768 — ,,niit feiner gangen 
%t^X\ijiAtf* — Bei üfm gu fein, eine ^^fel^nliij^ SBol^Uufl" nennt er bieg 
SBiebcrfcl^cn. 

Xm banfenftnertl^eften n>ar $ebne'd Xuffa^ üBer bie ftunße)>o(^n bei 
"^liniuS, auf nxld^e bie (S^ronologie ber .^nftgef((i(^te Bafirt mar. ffiintfel^ 
mann, ber fonfi mol;! mugte, ba§ ^liniuö ,,in bem mai bie Äunfl Betrifft, 
fein Soangelifl fei unb bielmatt nur bon $)drenfagen f^rei^e'', ^otte bie 
OI^m))iaben feiner Jtofllergnq»^ unBefel^en fftr bie S^o^ ber ^wpU 
tocrfe ober fpld^er Süßerer Umjlfinbc gd^altcn, unter bereu 3wf<**w^^o^i^^Ä 
bie ^Jtafitif enn>orge!ommen fei ^e^ne geigte, ba§ bie Sl^roniflcn, meiere 
^liniui Bei feiner (Sonq>iIation auifc^rieB, „bie ))oIitif<^en ^an^tBegeBenl^citen 
erft im B^fammenl^ang l^interemanber ergäl^It, unb nur ba, mo ber Serfolg 

*) £o8, qui ant, quantos sit studioram hnmanitatifl ambitnB, nesoiant, quaeque 
non intelligant, ipsi magnifice contemnant, aut, quantnin Ulud sit, se profitori peri> 
tum et doctorem hamanitatiB , non capiant, tralaÜtla quadam ei formularia doctrina 
content!, diobolares suos de stilo Latino aut antiquis ritibtts libelloe panlliaper de 
manibus deponero, atque hunc librum^ nisi penitus cogno§oere, (nam hio sensus viz in 
istorum paedagogicum stuporem cadit;) certc evolTere cupiamus etc. Acta lit 1764 
I p. 336 ff. 



f 139. etimmeti ber (Stitif. 231 

bet ®A^c 9htl^e^unftc batBot, bie 9lmnen großer SRcEnner, n>el(^e um bte 
3ett geleBt l^en, eingefd^Itet, bag feine Dft^in)>taben alfo feine jhtnfle^o^en, 
fonbem ®tidf\ift^täftn feien''. 

9(u^ fonft ntdd^te {^ne mand^e richtige Semerfungen ü6et Sßinde(= 
mmtniS KrBeiten, befonbet^ beren ®äfto&äftni bie ^ennbe finb ja oft ge- 
fd^icftet M bte ^etnbe^ bad fd^Iintmfte an un€ )u entbedcn. $e^ne toÄre 
feinem 3ugcnbfreunbc gett)i§ fel^r nil^Kd^ geh)efen, h>cnn er beffcn ft^mufeige 
SMfd^e beforgt l^atte: bur^ Sontrefiren unb Som^^Ietiren feiner (Sitate, 
CEorrtgiren feiner ®ebSd^tni§fe]^Ier, t^rage^eid^n neBen gen)agten ©eneraftfo^ 
tionen. Sr glaubte nun burd^ biefe unb anbere Sugetc^en uncrttifd^en Ser= 
fal^renö (ober ber ©le, mit ber SDinifelmann jenen aBfii^nitt gearbeitet) ju 
bem Urtl^eil Bercd^gt ju fein, ,,ba6 ber ganje l^iflorifd^e STl^eit tocgen ber 
un}&]^Iigen Unrid^tigfeiten in großen unb Reinen ©ad^n fo gut cl9 unBraud^^ 
Bar fei''; er ging nocft »eitcr, er f^jrod^ jenem fclBfl ,,bie fonfHgcn Sorjftge 
beutfd^cr ©c^riftfleHcr" aB, nSmßd^ ,,3uberISfflg!eit unb Seftigfcit in «n= 
fül^rung ber Siad^ric^ten, ©enauigfeit in ÄngaBe ber' einjelnen UmflSnbe, 
Sorflc^tigfeit in 93e^ut>tungen, SRigtrauen Bei allgemeinen ®&^en, bie au9 
einjelnen gaDen gejogen flnb, SefHmmtl^eit in ben 3^^*^"/ l5«^onen unB 
JocalumflSnben." 

ZBSl^renb man alfo Bi^er in !Z)eutfd^Ianb geglaubt l^atte, in SSindCel- 
mann einen baö getoBl^ntid^e 9Rao§ meit üBcrragenben ©d^riftfleffer ju Be* 
fi^n, fo erful^r man burd^ $e^ne, ba§ er bielmel^r unter bem 92beau beffen 
ftel^e, toa^ aW gemeine Xugenb beutfd^er ©clel^rten ju gelten <>flegte. dn 
biefcn unb anbcrn Urtl^eilcn ifl eine burd^ bie ©od^e ni(^t erflärlid^e @(^5rfe, 
eine Bered^nete, gerabe ben cnH)flnblid^flen ^unft : bie moralif d^cn ©genfd^aften, 
bie ®auBerfeit eineö gorfd^er« berbSd^tigcnbe $5rte bc« Äuöbrudf^, bie 
unjtoeibeutig einen gel^eimen $a6, bie ÄBfld^t l^craBjufe^en berrStl^. !Die 
OueBc biefe^ ^affcö »irb für ben Äenner ber äRenfd^en unb ber ^eijnc nid^t 
fi^njer ju finben fein. !Der ©lief be^ SJeibe« fiid^t um fo giftiger, je forg= 
famer er fld^ fonfl oerBergen ju muffen glauBt. $e^ne laugnet nid^t, ,,bag 
er fld^ lange ttBcr ben Sl^or.ber Blinbcn SJerel^rer geärgert ^aBc, aBcr nid^t 
ben SRutl^ ge^Bt, mit ber ®f>rac^e l^crau^jugel^en. S)ag e9 Sincfelmann^ 
©efd^id^te ber ftunfl be« «Itert^mö, fa^rt er fort, ein fo clafpfc^e« «ut^ 
pc fonfl \% an ^iflorifd^cr SRid^tigfcit fel^le, Bcmerfte man fr^ilid^ in ber crflen 
Beraufc^cnben SetDunbcrung nid^t; unb faum njagte id^ eö einige ^t\t nad^= 
l^er, mit ber Serid^tigung einer Änjal^l biefcr Unrid^tigfcitcn aufjutreten" (1771). 

3um 9hib ttBcr SBindelmann« SRu^m fam bie gänjlid^e Serfc^icbenl^eit 
bc« WatureM. 9Zi(^tö ifl ^eljnc offenBar fataler aW ,,93cgeiflerung", ,,®n= 
Bilbung«fraft", ,,93erebfam!cit"; ®orte tt)ie ,,grei]^eit", ,,crl^aBcner ®eniu«" 
gcBrauc^t er meifl in ironif(^em Xon; ja biefer I^jjufi beß beutfc^en Uni= 



232 B^^<9 ^tt^* ^^' ^^ ®ef(^t(i^te bev tenfl. 5. Xufnal^me unb (Sintmttmtg. 

t>erfitat8^)l^iUflcrö fd^teiBt f^ im Sctoußtfctn feinet ööttigen Gr^Bcnl^it 
üBet jene ©d^nxwi^l^eiten in ein fol^cß ©cfül^I bcr UeBcrlegcnl^eit l^inein, ba| 
er t>on ,,93el^aui>tungcn beö guten (!) 933." \pxxd)t. Su^ «tl^n unb ^rictc^, 
beten Sotfleüung ja mit aßen jenen il^m unangenel^men, ganj unBtaud^Bat 
unb Bebenflic^ fd^einenben S)ingen fo eng üettDOd^fcn nxit, möchte et, rociffx^ 
fd^einlii^ SSSindelmann ju gefallen, ein« anl^ängen; et fd^liegt feine öe^ 
f^te(!^ung be« ^toccffe« bc§ ^l^ibia« mit bet Keflejion, ,,tt)enn man Bebenfe, 
n>ie ba9 toenige n)a9 xoix Den bem ganjen B^^^^^^uf wf\tn, toebet bem '^l^ibiaS, 
neäf bem Stiele« , no^ ben Jltl^enetn f el^t jut (B^tc geteid^t : n>iebiel lajfe 
fU^ bann auf bie SoBe^tl^eBungen biefeö ^titolttx^ unb Stilen« teci^nen, 
bie mit fomclet Segeijietung unb fo gtofeem SBottge^)t&nge aufgefftl^tt ttKtben". 
Ct lommt flc^ fel^t njeltHug öot, inbcm et mit bet bamatt mobifd^n 2Rotit>2 
njei^l^cit — biefet $]^ilofoi>]^ic bet ©cmeinl^eit — SBindelmann« Jletiologic 
bet Äunfl meiflett gtcil^eit ßnne l^öd^flen« ate „Slul^mBegierbe" ihtnfigenie« 
nxrfen; beun Steilheit fönne oud^ ein untl^Stiget, ttaget, ,,t&mif(j^t" 3^^^^^^ 
fein, bon bielct Untul^e unb iBebt&ngniffen Beengt tDetben. äBol^C^aBenl^eit unb 
$ta(!^tlieBe feien bie unentBel^tlid^en Sebtngungen be« (Sm)>otIommen9 bet 
Äunfl, nut ba§ man jle ni(^t fttt fi^, fonbctn füt ben öffentlid^n gemeinen 
SJul^m geBtaud^c. „ÄBet Bei bem allen tt)itb immet noc^ etnxt« gefotbett, 
n>ad bie '^ta(i^tneBe auf ©eBäube, auf SKaletci unb SBtlbl^auetlunfi, unb nid^t 
auf ®<Bauf))ieIe unb anbete l^ußBatleiten xiifttt] ttma^ uki« bie Semül^ungen 
ettegt, Äünfilet ttvotdi, ba« ®enie ettüStmt, SBettfitcit öetanlagt, Äufmun- 
tetung gieBt, unb ba« ifi toebet Steilheit nod^ Slima, noc^ itgcnb ctmaö bem 
fil^nlic^e«, tS ifi immet etwa« fel^t ^n^äüi^t^, ein $pf, ein Sütfl, eine 
SRättejfe (!), ein SWiniflct, ein Demagog'' (man Bead^tc bie ©tabation). — 
Snfo getabe biefet ^Kitfümittc unb gc^)ubette Äotl^, ben un« SBinrfelmann att 
Utfod^e bet Ctniebtigung bet ffunfl anfeilen gelcl^tt, fci^ien bem fön. gto6= 
Btitannifci^en $oftat]^ baß SKiflBeet, auf bem fie tteiBc unb gebeil^e. 

S5ei bem atten Bebac^te ftd^ $e^ne !cinen äugenBlicf, afö bie Saffelet 
©efell^aft bet «Itcttl^ümet (1778) eine ?cBf(^tift auf SBindfclmann au^^ 
ft^tieB , fic^ mit bem SD?antel bcß ^^aneg^tiften ju btajjitcn unb in fo t>oII= 
tBncnben SBottcn bon bem gtogen Ätd^äologen gu fiptec^en, ba§ bie Biebeten 
^ejfcn il^m einmütl^ig ben ^tei« guetfannten unb auögal^ltcn. (St jeugt ba 
toon bem gtcgen Setbienpt bet ^nf^gefd^it^te, „bag fic baß ©tubium beß 
?ntettl^um6 in feinen tcd^teu (Sanal geleitet, in ba« ©tubium bet Äunfl. 
aac« . umfaffe fle tt)a« fttt bicfeö ©tubium »cfentlid^ fein fönne unb ^Be 
ben ßtfolg gel^aBt, bie »egtiffe bet Ältettl^umßfotft^et unb bet gieBl^Bet 
auf ba« ®anje, ben Umfang bet Äunfi ju Icnfen". (St fc^ilbett bie mtU 
feitige Äu^tüfiung, bie monumentatantiquatifc^e, gefci^ic^tlic^^Iitctatl^iftotifc^, 
te(^nifd^=aft]^tifd^e, bie bet 8(t<^äi>tog l^Ben mug. (St entttjitft ba« S3ilb be« 



:§ 139. etimmen btt (SritiL 233 

tüal^tcn Ätd^oDlogcn, unb feinen x>ox gcl^n Salären tjctettjigtcn grcunb inö Äuge 
faffcnb, toeiffagt er toic Sileam : „^OÜtttn in biefcm SWecrc »on ffcnntniffen 
mug fein ®cifi bie üßBige SBirffamfeit im Denfen, SSerglcid^en unb Se= 
urtl^cilen Bel^altcn l^aBcn; fein ©eftil^I fttr bafi ®^öne, SSJal^rc unb ®to|e 
l^t feine gange ©jxinnung, tt)el(i^e 9?otur unb SJcrfeinerung unb lange UeBung 
geBcn tonn, ßin ric^tiget fidlerer fflfidf, eine feurige, Iciti^t ju entflammenbe, 
an bie ^crrfd^aft bct Semunft gettjöl^nte Sinbitbungöfraft, ein fettige«, loicl 
umfaffenbe« ©ebäd^tnife, mit bct ttaft ac^nli(^feiten unb «et^Itniffe leitet 
gu bemetfcn unb jeben Untetfc^ieb aufjufinben, ein fid^etet unb gctcinigtct 
©efd^madt, bct in jcbet ©attung, jcbem 3«italtet unb jebent ©til bct Statut, 
bem Saluten unb ©d^önen ttcu Bleibt : bie« finb bie d^atactetifiifd^en Sigen= 
fd^aften cincö ©cificö, ben bie Sßatut jum Äntiquat Befiimmt l^atte". — 

3n bct üon $)c^ne angcgcBenen 33al^n Bewegte fu^ aud^ fctnetljin bct 
aintl^cil beutfd^ct ©clc^ttcn an bct bon SBindfcImann gegtttnbeten 2Bijfen= 
fd^ft „3)ie Äunfialtcttl^timet, fagt Cbuatb ©ctl^atb, bie ßl^tifi unb tlo|, 
S3edfet unb 93öttiget aud^ ol^nc aßindclmannö Sotgang bocitt l^aBcn wiltben, 
l^aBcn aud^ $e^ne, 2:i^ictf^ unb SRttttet nic^t njcitct atö jut fotgfältigcn 
©d^cibung bct Äunflj>ctioben auf SBindfcImannö ©tunblagen fottgcBilbet". 

Datum aBct batf man nid^t glauBen, baß bie ^mifd^cn ÄufifäHe bc6 
©öttingetö bie Deutfc^cn l^ctaBgufiimmcn »ctmod^t l^ättcn. 9?o(^ gu ©d^Iegcte 
3eit xoax c« aUgemeinct Jon, mit Setc^tung bon il^m gu f^Jted^cn. $etbct 
l^atte fein änatl^cma auf f old^e ®d^tt)5tgung bc« ©ttal^Icnbcn gelegt : „9licbet= 
ttöd^tig ipate tß, mic bie ©cpnnung bc« SKötbetß fclBfl, wenn wit Dcutfc^en 
bem gtoßen unflctBIic^cn SJctbicnfl unfeteö fanb^mannö butd^ flcinfügigcn 
critifd^en ©c^nicffd^nacf cntgcgentebcn unb il^m bcSl^alB ?oB aBfiptcd^en woKten, 
weil et gwat ungcl^cuet bicl, aBct nic^t attcö gcleiftct. . . . Dcmütl^ig foß= 
tcn wit, acabcmifd^c unb unacabcmifd^c SKüfpggängct, feinem ®eniu« füt 
jlebc üBetnommcnc 9Kül^e aud^ einet bctfcl^Iten STOutl^maßung, andf eine« un= 
ti(^tig angegogencn Datum« bct ^nfigefc^id^te, ban!en. Dct ^au^tgwccf bct 
®cf(^i(^tc ifi nic^t bctfcl^It. Ein jjtäd^tigct £cm^>cl, im cbelften unb teinflen 
®cf(^macf ftcl^t ba; wunbetfam baß untet folc^en Umjlänben Sine ^anb i^n 
cntwctfcn unb boöfttl^tcn fonntc; aud^ in feinen gcl^Ictn unb SKängeln l^öd^fl 
Icl^ncic^". 

SBinrfcImann wat fu^ bicfct Keinen ÜKängct wol^I Bewußt. (St l^atte 
bieß fd^on 1766 öffentlich Betonnt: ,,ct gcjlcl^c getn, baß et guWeifen einige 
ftteinig!citcn nic^t böHig richtig angegcBcn l^aBc, weil man oft bem @cbad^t= 
niffc gu fcl^t ttaue, obet ®ängc an entlegene Dtte ctfjjaten woHc; aBct wie 
c« fein Sd^aben fei, auf bct 3agb nic^t attc« SBilb gu fangen, obct 5cl^t= 
fd^ttjfc gu tl^un, fo l^offc aud^ et wegen be« UcBctgangcncn obct 93ctfel^ltcn 
(gntfc^ulbigung gu üctbicucn." 



234 3^t^ ^ud^. II. ^te df^^ttktt ber Ihtnft 5. Xufna^me unb (Simoirtmig« 

§ 140. 
gcffing. 

SBic anbcrö att ©c^nc brttdftc ft(^ ein tüirffici^ großer SKann, ber ©tolj 
unfcrer 9?ation, ein eBcnBörtigcr 9ti(^tcr au^! 

Seffing crl^ielt ba§ SSJerf hjal^rcnb bc« Drurfö feinet Soocoon. 3m 
XXVI. (Stü(f fünbigt er cö an. SWan fann m bie ©timntung eine« Äutor8 
borfieöen, beut toS^renb beö !Drurf« ein Sud^ jugefci^iit »irb, baö bon beni= 
fetten ©cgenflanb, üBer ben er fettfl 8e]^am)tungen ber einfd^neibenbfieh, 
^jrinci^jiettfien Art gettjagt l^attc, bie auöfül^rlid^flen, großtentl^eiÖ ganj neue 
auffd^Iüffe gleit. ,,3B. Äunflgefd^id^tc tfl erfd^ienen. 3d^ ttKXge feinen ®<^ritt 
tmUx, ol^ne biefeö SBcrl gelefen ju l^aBen. Bloß au9 allgemeinen Segriffen 
ilBer bie Äunfl bcrnttnfteln, fann ju ©rillen berfül^ren, bie man üBer lang 
ober furj ju feiner Sefc^amung in SBerfen ber ^nfi toiberlegt finbet". 
Ocnen ©d^ritt ^at Seffing nie get^an. Den ,,®ebanfen üBer bie 9?ac5al^mung'' 
terbanfcn ttjir ben Saocoon. S)ie Runflgefd^id^tc regte nid^t ben Sritifer unb 
Äefll^etifer, fonbem ben Antiquar unb ^l^ilologen ?efftng an. ®n ®ud^ 
Icfcn unb e§ gum DBject critifd^er D^jerationen machen, n^ar Bei ?effing ein0. 
SBie ein 3^'^^^w^^iP^^ ^^^^ SI<^tt eineö B^gfing« oor pd^ feigen fann, ol^ne 
richtigere, fließcnbere Linien l^ineinjucorrigiren : fo fonnte einem fiterarift^n 
(grjeugnig gegcnüBer Scffmgö critifc^er SRotl^ftift feinen «ugenBIid rul^ig 
BIciBen. Unb er glauBte bann ba$ $uBIicum auf fold^e ®emerfungen nic^t 
toarten lajfen ju bürfen. ©o n?urbe aud^ feine änfttnbigung ber tunfl= 
gcf(^i(^te, bie er nid^t ol^nc äBfld^t gerabc biefem 3Bcrfc Beifügte, ju einer 
SRcil^e oon äuSfleDungen, fflebenfen, 35orf dalägen — üBer ba8 3citalter bcö 
Saocoon, üBer bie Deutung be6 Borgl^ejifd^cn gcd^tcr^ auf El^aBria« (bie er 
fcttft Balb 3urticfnal^m) , gegen bie UeBertragung beö rl^ctorifd^cn Äunfhoortö 
'JJarentl^^rfo^ für ju l^od^ getricBcnen äuÄrui auf bie Bilbcnbe Äunfi. SlBer 
er unterBrid^t fid^ fettfl. „Docft id^ enthalte mid^, berglcid^cn SIeinigfcitcn 
auf einen Raufen ju tragen, — !tabelfud^t fonnte c6 jtt)ar nid^t fd^einen; 
aBcr n>er meine $)od^ad^tung für SB. fennt, bürfte e8 für ^of^Iegmo^ l^altcn". 
O^m entgingen bie fleinen glcden Beim erflen Durc^BIättem fo wenig aM 
^ct^ne; er fott gu einem ^rcunbe gefagt l^aBen, ber gan^c antiquarifd^e H^eil 
ber Äunftgef(^ic^te rul^e auf feid^ten (Stü(jen; aBer er gieBt bem labcl eine 
Söcnbung ^um ?oBc : „35ei ber unermcglid^en Selefenl^eit, Bei ben au3geBrei= 
tctflen, fcinflcn Äcnntniffcn ber ^nfi, mit tt)cld^cn fic^ SB. an fein SBerf 
niad^te, l^at er mit ber eblen 3wberfi(^t ber alten ärtiften gcarBeitct, bie all 
i()ven gleig auf bie $au}5tfad^e oextoanbtcn, unb n>a6 5WeBcnbinge maren, 
mit einer glcic^fam oorfä(jIid>cn SWac^Iäffigfcit Bel^anbcltcn, ober ganjlid^ ber 
erjlen Beflen fremben ^anb üBerlicßen. So ift fein geringe^ ?oB, nur fold^e 
gcl^Icr Begangen ju ^Ben, bie ein 3eber l^ätte ocrmciben fönnen". 



§ 140. t^effbig. 235 

ttnb tDQd IfcA 9Btn<f eimcmn ju biefem unerreid^ten äRctfimDerfe betftfä^ 
Q^titil unb ^ßroftt; ber gebatdeitretd^n^ }itf(rmmenl^&ngeiibfien , fo jettgemälien 
kme n^itbiTtg^oOeit @^rtft Scfftngd gefagt? Oeff^ntift^ l^ot er nur einmal 
tn tod^tx @)»ra^e im Trattato prelimiBare fl<j^ gang fut} unb mit acabe= 
mtfd^ Somel^ml^eit üBet bo^ ^xtolUx bed Soocoon etfiatt; et nennt Scffing 
einen sciittore giadizioBo ed eradito (p. LXXIX). üDefio leBl^fter mtb 
n^felnber toaren feine Brieflichen Säuberungen. 

SBindelmann glctuBte brnnoB l&ngfi ni^t mel^r^ bafi er je t>on feiner 
unBebingten @eringf<i^^ung ultromoutaner ©criBenten üBer Stmift eine Su^^ 
nol^me ju mod^n nbtl^ig l^äBen n^erbe. 3)ie Saune be9 B^f^^^ unb feiner 9Rt|s 
t>erftbibni{fe l^t vlxiR eine Stetige tön BriefTtd^en Steuerungen bed einen SKanned 
ttBer ben anbem Befd^eert (bie man ftd^ fo gern in l^ol^er @eifle^emeinf^aft 
3ufammenn>irlenb beulen mSd^te), Xeugerungen bie megen bed Sorgugd ber 
UnmitlelBarfeit fd^^Bar fein iDUrben, kvenu fte und nid^t ben 9Kenfc^n, ben 
fte und geigen, etnKid in ber SKenfd^^eit 9Iö|e geigten. Sener l^ält anfangt 
Sefjing, t>on bcm er nie ettoad gefeiten l^atte, für einen ©tubentenl^ofmeificr, 
,,cinen jungen Särenfttl^rer", unb auf bcd ®rafen ©c^IaBrenborf SrBieten 
roegen eine« ©rief« an ?cfjing, meint er f^)öttif(^, „M 3)id^ter Knute il^m 
tielleid^t mit ©onneten gebicnt fein". Si^m fotoie fflo^, ber eine Sriti! ber 
Jtttegorie gefd^rieBen, nic^t Blog in ber ®crrcbc, fonbem im %t^ feiner 
,,SlnmerIungcn" gu antnjortcn, tt)eip et l^od^fal^rcnb aB : tüie ber SScrIcger fid^ 
cinBilbcn lönne, ba§ er in bem 3Ber!e f cIBfl eine aSBibcrlegung gttjeier ^affenf er 
einflidfett »erbe, in einer Uuterfu(!^ung bcd cl^ttDttrbigcn Ältertl^umd unb ber 
erl^aBeuen Äunfi, bie Beiben ein ©el^eimnife BteiBcn müffc". 

aid er aBer ben ?aocoon gu ©cfid^t Be!am , ba fauD er fld^ cffenBar 
tiBerraf(^t fo audgeBreitetem unb* geijbott gcBrauc^tem 333iffen unb noc^ mel^r 
einem @til gegenüBer, ber il^m nad^ feiner Äcnntnig beutfc^er Literatur mic 
ein SBunber crfd^icnen fein muß. SBic er leBl^afte emotionen nie gurü(f= 
l^ielt, fo aud^ biefe crfle Scttjunbcrung ?cffingd nic^t. Cr entfd^ulbigt fid^: 
er giel^e feine äReinung gurüdf, bie i^m gu oergeBen fei, ba er löon biefem 
geleierten SKanne (leiber) öorl^er nid^td gclefen l^aBe, — ,,unb toenn berfelBe 
öor meiner SlBreife aud S)eutf^lanb burd^ etwa« Befannt getoefen, fonnte id^ 
cBenfaffö ni(^t njtffen, ba mein ©cl^im mit alten frdnfifd^en (S^ronilen unb 
mit ?cBcn ber $)ciligen angefüBt toox/' 3u ben «udgftgen, bie il^m @^IaBren= 
borf gcfi^idt, fd^eint il^m feine OegengaBc, eine frül^er üerf<)rod^enc S5efd^rei= 
Bung ber SSiaa SlBani, in gar feinem Serl^ältuiffe gu flcl^en. „Seffing fd^reiBt 
n)ie man gefc^rieBen gu l^aBcn münfd^cn möchte. ... SBic eö rftl^mlic^ ifc 
toon rü^mlic^en Seutcn geloBt gu njcrbcn, fo tann ed au(^ rtt^mlid^ »erben, 
i^rer Seurtl^eilung mttrbig geartet gu fein", ffir l^offtc, il^m auf bie tüürbigfie 
Art antn>orten gu fönnen, ja er mollte il^m glcit^ fcBteiBcn. S)ieg n?urbe gu= 



236 3^^^^ ®tt^* n* ^^ ®t\äfid^tt ber Stmt^ 5. fCufnal^tne unb (Stittmttmig. 

Tia(^fl burd^ bic 3la6)nä^t ton einer Steife ?cffiTtg« wrl^inbert, Salb aBer 
fel^e bie alte ScrfÜtninung gutüi Seine aBncigung tot Sriefme^feln mit 
!£)eutf(^Ianb itnb tiox £an)enBred^en mit beutfci^eit ©ele^rten, bad t^m gan3 
itTtfJ^m^)atl^if^ SBcf eil ber ?effingf<3^n 3)ialc!ti!, bie SBal^mel^mung ber ®ci^tt>a<j^ 
feiner Äunfianfd^unngen unb ein Hein tt)cnig 5Rcib gegen Jeffing« ©til er= 
Haren foÜ^e (Ztpaxptomc ber UeBellanne, »ie ben Hn^^prudf, ber SaiKüon 
möge ,,f(^Bn unb f^arfjtnnig gef^rieBcn" fein, ,jcbo<i^ nic^t ol^ne Wannte 
gel^lcr in ber ©prac^e; ftBer feine 3*^^fc^ ^^'^ (Sntbeifungen ^be er öiel 
Unterrid^t nßtl^ig. Cr tomme nac^ 8iom, um auf bem Orte mit il^m gu 
fj>re(^cn". !Cann aBer l^eigt eö »icber fd^offer : ,,3)iefer ÜRenf^ l^t fo tocnig 
ftenntniff, bag il^n feine Antwort Bebcuten' mürbe, unb e« »ürbe leidster fein, 
einen gefunben Serflanb auö ber Ufermar! gu üBerffil^ren, att einen Unit)er= 
fltatftüi^, ber mit ^rabojen fld^ l^ertortl^un »iß", ^u fel^r l^atte er fl^ 
gett>öl^nt, att eingige Autorität gu gelten, att baß er einer fo eBenBßrtigen unb 
fd^rf ausgeprägten ®rö§e neBen fld^ l^atte $Ia^ machen foffcn: 

ber groge SD'Sann Braud^t üBerafl bid !Boben, 

unb mehrere, ju na^> gc^flanjt, jcrflogen ftd^ bic Slefte. 

!Cie§ ift mcnfd^lid^; aBer tvic üicl ebler crfd^cint bod^ fcffing, ber Bei ber 
9?a(^rid^t »on ffiindclmanuS lobe, in einer jener il^m fo cigentl^ümlic^n, 
auö erl^aBcncr S-cIBftlofigfcit unb au9 tragifc^er Sitterfeit gemifd^ten 9tt^ 
gungen, jenem, h?ic er fd^ricB, „mit Sergntigen ein ^>aar Saf)xt i>on feinem 
JeBen gcfc^enft l^ätte". ©Icid^wol^I mar er fxdf mol^l Bemüht, er möge eBcnfo 
ungern SBincfelmann fein, att er oft Seffmg fei. Sr badete fogar baran, eine 
neue SluSgaBe feiner SBcrfe mit Slnmcrfungen, fauBerer att bie SBiencr Ännfl= 
gcfc^id^te, gu ücranftalten. — 

SDieg ifi aüc?, n>aS öon ber ^)crfönnd^en Serül^rung Beibcr SKfinner gu 
Berichten iftl iCort IcBl^aftcö, bauembeS 3ntcrcffe an ben SfrBeiten, ben 
Scl^reti, ber ^rfon be« anbcm, cm^>fangene Ompulfe für neue gelber ber 
gorfd^ung, ^roBlcme gum 9?ad^bcnfcn, neben bem frcicflen, üielfad^ üBerlcge= 
neu Urtl^eil: SJcrel^ning, faft SieBe; Bier nac^ einer oorüBerge^enben, burd^ 
UcBerrafd^ung aBgebrungcnen Snerlennung, berbrieglic^e äBfc^r, ber SJorfa^, 
nic[)tö n>eiter gu Igoren, gu fagcn, gu bcrl^anbcln. ©eltfame STngiel^ung unb 
SlBpofeung gnjeicr geiftefiücrmanbtcr 9Känncr, gu bencn mir att gu 2)toScu= 
ren »on Sunft unb Ältertl^um l^inauffcl^en ! 3)ort ber groge, einfädle, malere 
©^aracter, l^icr ber eiferfüd^tigc $irtuo«. SWan follte bcnfen ba§ SKänncr, 
bie bod^ einfam ftanbcn in il^rer ^tit, ben lag' att ein SeBenSglttd ge^ 
feiert l^ätten, mo pe f[(^ cntbedften. (£o f}>rid^t ©octl^e, oiefieid^t eigener 6r= 
leBniffe gcbenfenb, ben SBunfd^ an^, „bag Sindclmann in ben Salären bcö 
rul;igcn UcBcrBlidS feiner faufBal^n fid^ mit Jeffmg terBunben l^ättc, um 



§. 140. Scffmg. 237 

feine ©tunbfä^e ju größerer Älail^eit ju fcringcn unb äße Sebingungen ber= 
felBen genouer a6}un>agen''. 

33cibc, im Umganfl mit ben alten großgctüorben; l^atten ouö beten Di<3^= 
tem il^ten ®t\ö)mad, i^x (Sm)>finben, au$ ben ^^l^ilofopl^en il^re ©runbfät^e, 
il^ren Serßanb unb Sl^arocter g^nal^rt. @ie n^irlten mäci^tiger atö aSe, bie 
Begonnene geijüige Strömung in bie 9ti(i^tung bed Xltertl^umd }u lenfen, unb 
}n>ar ebenfo burci^ il^ren rttdftd^tdlofen £am)>f gegen ba9 SRobeme^ toie burci^ 
©c^ilberung ber ÜReijienoerle ber älten^ burc^ 3^^8ß^^M"8 ^^^ ^xajn^ be« 
$omer unb ^op^odt^ ; unb Bei bief em @e{<^aft l^atte nic^t Blo^ Sßimf elmann 
,,bie fiunfl felBfl geratl^en unb bie $anb gefül^rt". ?n« in unferer Dichtung 
bie ÜDammcrung nod^ mit ber ^inflemiß rang, famen Sriti! unb ®ef(!^i(^te, 
tor bcm ®d^affen unb bem ?eBen, ,,tt)ie ein Sic^tfhal^l au^ buuKen SBoIfen 
t)on toortrefflid^en Dcnfern l^eraBgcleitet". S3cibe erl^oBen jld^ üon S3ctra(^= 
tung ber Äunfhüerfe unb ^ra^ri« in ber ^oefle ju jenen „^aiipU unb ®runb= 
Begriffen", bereu gan3e ^errlid^feit freilid^, toit ©oetl^e fagt, nur bem ®c= 
mütl^ crfd^icn, auf baö jle il^re unenblici^e SBirffamfeit au^üBten, ba^ burd^ 
fie eineö üBcrfci^njenglici^cn 3Baci^«tl^umö jlt^ erfreute, unb ber ^t\t, in »elc^er 
jle crfel^nt, im rechten ÄugcnBlid l^erDOttratcn. 

9Siele fanben in biefen nid^t^ tt>cniger ate falten ober unbeutfc^en 9Wan= 
nem cttt?a6 ^tcmbeö, etmaö »on ber.^armorl^ärte unb SKannorBlaffe ber 
?lntife, 3U loenig mobemeö ^cUbunfel, bie l^o^e (Sinfalt bie fle leierten, iuar 
JU l^od^, JU unnacl^Pd^tig gegen baö tjiefoerfd^lungene ®ctt>eBe unfrer Sc^toa* 
d^en, lugcnben unb Sebürfniffc. Sie erfcl^icnen wie f}>atgeBorene Söl^ne 
einer früheren SBJcIt. Ällerbingö trafen il^re %^fcile eine folc^e Unjal^l mobcr= 
ner SJerinungen inö ^erj, ba§ fie auf einem ar(^tmcbe«^)unft augcrl^alB ber 
93en>cgung mobemen JeBen« ju (leiten fc^icnen : bie malcrifc^c ®cul^)tur (SB.) 
unb 'JJoefie, unb bie ^)]^iIofopl^if(^e, aDegorift^e SWalerei (S.)? baö falte 8cr= 
gntigen au6 ber (grtoagung ber ®efd^irfli(^feit, Joic e6 ber eine, bie $anbtt)crf^= 
fd^äftung, toie c6 ber anbere nannte; bie ®latte be6 51RarmorÖ unb ber Serfe; 
bie gaQifd^ ^öflid^feit flatt antifer UrBanität; bie romantifd^e SieBe flatt ber 
mSnnRc^en, uneigenntt^igen greunbfd^ft; bie falte ®alanterie flatt ber menfd^- 
liefen (Sm)>ftnbung; bie mobeme (Srjie^ung, todift ba$ @d)ixn mit 2!r&umen 
erfttUt unb ben unmttnbigen Serßanb mit Biogen Xönen ol^ne begriffe unter= 
l^alt; eine Demut^ lel^rt, toM^t bie eble (E^rBegierbe erftidtt (SB.)^ unb ein 
t5r))erlid^e$ äJebttrfnig in eine geifHge SoKfommen^eit tertoanbelt (S.)« 

3m ®d^n>anfen jmifd^en SSBiOfftr ber Siegel unb SBiOfar ber 92atur, 
jn)ifd^en Befreiung oon IBerBilbung unb Serfnöd^erung, unb formlofer (Sm^ 
ppnbfamfeit unb genialer ©elBftecrgötterung, micfew fle auf bie Alten, „beren 
8orre<^t eö ttjar, in feiner ©ad^e tt>eber ju otel nod^ ju tt)enig ju tl^un", 
auf jenen <Sd^n>cr)>unft, in bem bie ®x\täfcn il^r Beneibendn)ertl^e9 ®leid^s 



238 ^todM ^udf. II. 2)ie ©ef^fi^tt btt tinß. 5. lufnal^mc unb (Sintanttitstg. 

gt)9t(^t gefttnben l^otten. dm @<l^ncn, im ^Ueneittl^um iß bie SRilte ge« 
funbcn jkvifc^n aQen ätu^toeicl^ungen, ifl ber @treit «a^dgeglifi^ )tmf(|eii 
)|erßant> unb @tfttijH, (SmUvlx unb Statur, grei^eit unb Zrobition, ©enie 

auf fclti^r gcmeiut(^aftrid^en »afl« aBcr ttjor uoc^ ptoft fftr fcl^r öct^ 
fd^icbcnc, ja cntgcgcngcfcfttc @t\ftt9oxt 355ic ^lato unb «ripotclc« ^ ouf 
bcm gcmcinfamcn S9obcn bc« foaatifd^n 3bcafi«muö gcgenüBerftcl^en, tt>ie 
tastet Äant unb ^ctbcr, ©Ziffer unb ©oetl^c : fo finb unö au^ 2efpng unb 
aKncfclntann %tiptn fd^cibcnbcn SScrjianb« unb bcrcinigcnbct Änfci^auung. 

$icr bcr logifd^e to))f, bcr Äünfrtcr bcr 5)ialccttf, bcr ffSnig bct Sritif, 
jut ffirfinbung unb (Snttüirfclung fclbfi bcr eigenen ®eban!en angeregt burd^ 
aBiberft)rud^ ; bort ein infHnctiber, ^jofltiter ©cijl, aDe feine Äräftc bal^in 
»ereinigenb, eine Bebeutenbe grft^einung unb ffirfal^rung boffenbct, gett)innenb, 
l^inrei^cnb, toürbig barjulcgen. gafl üBerott, njo ?cfflng ein Bebeutenbe« 
Urtl^eil fällt, fielet man il^n ©renjBeflimmungen bomel^men : jnjifd^en "^l^ilofopl^ic 
unb ateligipu, gl^rifiengefül^l unb Ütl^eologie, »ie jtoifd^en rebenben unb Bifc 
benben tünfien , SBi^ unb ©enie. . gr bcffen l^öc^fic« Sebürfnig (grfennen 
ber aaSal^rl^eit n>ar, ber bcr 'poefie bie ^anblung, ben (S^aracter^ bie 2eiben= 
ft^aft, bie äccente bet 9?atur toiebergctoann, njoötc in ber fiunfi nur ©(^ön= 
l^cit l^aBcn, nici^t SSJal^rl^eit, nid^t Äctibn unb äuöbrud; fein gcl^rgebid^t, feine 
äffegorie. SBincfelmann bagegen fireBte in bem S9rcnn^)unft ber Äunfi atte 
©tral^Icn be« ®cifie«leBen6 ju fammeln: im magiooKen 8(ffcctöau6bru(! ber 
©tatue la6 er ®rö§c ber ©cele, 33Jeiö]^eit; er lieBtc bie attegorifd^en Silber, 
tml jte ben SJerfianb Befc^aftigen; unb baö (gntjüdcn gegenüBer ber l^ol^en 
©d^öhl^eit fd^ien il^m nicl^t »erfd^ieben ton ber ©eligfeit ber ^Religionen; bie 
(gjrifalt be^ Sontour« offenBarte bie mJ^jKfd^c Sinl^eit ©otteö ; üBeratt bioinirte 
er ouÖ SEBerfen ber Dichtung 3^9^^ i^ter oerlorenen Äunjijeitgenoffen; unb 
er fcIBp üBertrug funftoerfe in $^mnen in ungeBunbener 9tebe. 

dene ^dnlic^n nnb )H)Iemifd^en Sejiel^ungen unb biefe tiefe Serfd^ie- 
benortigfeit ber iRaturcn mar einfi 93eranlaffung, atte meU^e mit foli^en 
fingen fl(^ aBgaBen in gmei Heerlager gu f))alten. 9iac^ ben einen l^otte 
Sefflng — fo fd^rciBt ^erber — SBindetotann unüergeiJ^Kd^ gel^lcr gcjcigt, 
i^n )^iIofo)t]^iren geleiert, i^m bie ©rengen unb ba§ äBefen ber ^nft ge= 
toiefen, unb aufgebedtt, bag feine jbnntnig ber Xlten ein fc^manfcnber (Svunb 
fei. 3)en anbem mar Seffing ein mi^iger £o)>f, ein ©d^ul^l^ilofo))]^, ber mit 
ein pciax Unjen Saumgortenfc^er $]^iIofo)»]^ie ben 3BeItmeifen aOer 3^tten 
tro^ motte. — Wber m^ al9 btefe Sontrooerfen ISngfl t)er]^attt maten^ 
mugte man ftd^, Bei ottem 9tef))ect oor Seffiugd „iiß bol^in foum ttBerttoffe^ 
ner ^Ikrflanbedf<^<irft'^ bo(^ fagen, baf bie ©c^dnl^iteBeßhmnungcn, todäft er 



§ 140. Sefllng. 239 

<Mtf SBtndetmannd SBal^n i^erfuc^te^ „mit unenblt<i^ geringeter @a(^cnntni§ 
^vls> ktnal^e ol^ne aOe^ eigene ©efül^I bed ®(i^nen'' erfonncn ^aren. %U 
ex fein ^au)>tn)er! j^rieB, kfag er fafi gar (eine Xnfc^uungen^ er !4nnte 
t>ie Sunfl nur oud Sttd^m, felBfl bie ®ru)>)>e^ beren 9iamen ed fttl^rt^ 
l^aUe er nur in fiu))fern ^ox ft(^ gel^abt Siele ZS)at\Cidftn in* feinem SeBeit 
fai^ren auf bie Snnol^me, ba| bie Setrad^tung oon Werfen Bilbenber fiunfl 
n^eber ju feinen Sebürfniffen gel^rte^ rwä^ i^m Befonberen ^nug ge^oal^rte, 
ja il^n nur &f}]^etif(i^ bef<i^äftigt l^at. Oft t>erf&umte er unfd^a^Bare ©e^ 
legenl^eiten; baffkr vertraten tl^m jutoeikn bie Umflänbe ben 9ßeg, n>enn er 
n^oQte. On Berlin l^atte er fu^ torgenommen, in Italien bie 3(nti!e ^ 
ftubiren, ja in ©ried^enlanb bie clafftf^n ®egenben unb bie nod^ ttBrigen 
2)enhnaler fcnnen }u lernen. SSBal^renb er im Saterlanb (eine ^cimatl^ fanb, 
(am il^m jun^eilen bcr ®eban(e, in. Italien }u leBen unb gu flerBen. (Er 
n)are bort t>iellei(^t oor Sangn^eile gefiorBen. !Die 9teife, bie er mele dal^re 
j)>äter aB Segleiter be^ $er3ogd 2topolt> moxiftt, l^atte mit bem toa^ er ge- 
)>Iant, ni^t^ gu tl^un. SRerhoürbig ift bag gerobe bie @emmen, mit benen 
er fk^ fo grünblid^ Befd^aftigt, unb bie bamatö fafi ba9 einzige Sutl^entifd^ 
n>aren, n>oran man in S)eutf(^Ianb @til unb £unft ber SHten fhibiren (onnte 
(mie benn nad^ SSindelmann il^re %Bbrüde ^^jur ^enntnig be6 @titö unb ber 
<S<j^önl^it ungemein mel l^elfen (önnen^O^ i^m t>on biefer ®eite gang t>ers 
fd^Ioffen geBlieBen n>aren. S)ie ®emmen(unbe bientc il^m Blog alö ^Bel in 
feinen (Sontrot}erfen; in einem @togfeuf^er ttBer il^re bann freilid^ (läglic^e 
Xroden^eit nennt er bie antiquarifc^en Untetfud^ungcn ttBer]^au)>t ,,ein fel^r 
traurige^ Stubium". Cr üBerrebet fid^ fogar, in 3ufö^nmen]^ang mit feiner 
(ShriDe, bag Silber im kleinen nur f^mBoIif^e Silber feien, ,,bie ®emmen 
feien fd^äbli(^ für ba« Äunflaugc, ba bie ©d^önl^cit fid^ in fo Keinen gigu= 
ren nid^t beutUd^ genug em)>finben laffe, um auf bie Sludfttl^rung im ®ro§en 
einigen (Einfluß l^aBen }u (önnen''. 

SieQeifi^t fel^Ite Seffingd Ben^egßd^, fd^ibenbem unb fc^Iiegenbem 3n= 
teQect jene Befc^aulid^e Sä]^ig(eit, bie gur Vertiefung in )>lafiifd)e äBer(e 
unumganglid^ ifi; ba^ Sem)eilen in Blo§ anfd^aali(!^n £)Bjecten unb Bei 
Blo^ ftnnßc^en Siuancen koare i^m, nne 9iul^e ttBer]^att))t, Befd^ioerßd^, lang- 
n^eißg gen>efen. Srft feit il^m bie ^nfl ate Seranlaffung ßterarifd^er 2)i^^ 
cuf jionen, att Sntcreffe ber beutfd^n i?efett>elt entgegentrat, Betl^eißgtc er fui^ 
aud^ an biefen !X)ingen mit ber SeBl^aftig{eit, bie er in aUe^ legte; aBer felBfl 
ba toar t$ il^m n^niger um bie @a(!^ gu tl^un, atö um bie Xl^eorten, bie 
er baran (ntt))fte, um Serid^tigung aUerl^nb )>ofttio4i{fa'tifd^er Singell^eiten, 
cnbßd^ um ben Äanqjf: er ioar fid^, ttjie Siumol^r Bemer(t, toofjii Befugt, 
„bag feine ^nftfc^riften UBerad nur aud SufmaHungen ber äRipiUigung, 
ober be« SSJibertoitten« gegen BefHmmte Cinfcitigfeiten ober Serfel^rtl^citen 



240 3^^tc9 ^nä). U. S)ic (3t\^idftt bcr Jhtnfl. 5. SCufnal^me unb (Sinnnrhmg. 

feiner 3^^^8^^^ff^"' burd^auö ntc^t au^ einem ^)ofttitiv)cn S3eruf jur ^nfl 
entjlanben n>aren". 9ia(i&bem et betfid^ett ^t, ba| er nt(^t für ÜRaler 
f<i^reibe^ fonbem ü 6 e r fte, f S^rt er fort : „^äf n?ictte baö ®ef^)innfi ber @eiben= 
toürmer cA, nici^t um bic ®eibe fj>innen ju lel^rcn, fonbem auö bcr ®eibe 
für mii unb meinet ^Itiöftn Beutel }u mcu^en; 93cutel, um ia§ ©leic^nig 
fort^ufe^en, in iDeld^e id^ bie Heine SRttnje einjelner (£m)>finbunQen fo lange 
fommle, bi^ xä^ fie in gute »id^tige OotbfHUfe allgemeiner SSemerfungen um= 
fe^en, unb bicfe ju bem Sa^)ital feftftgebad^ter SJal^rl^eiten fd^lagen tonn". 
S)cr ttHtl^re Ärc^SoIog ijl ber, melci^er üBer bic f unfl ^)l^ilofo<>]^irt, t}orgefun= 
bene gormen auS *?rincipien bebucircn tonn: „ein anberer ift bcr Älter- 
tl^um^främer , ein anberer ber ältertl^um^funbige. 3cner benft nur !oum 
mit feinen Äugen, biefcr fielet auci^ mit feinen ®eban!cn. &)t jener no(^ 
fcigt^ ,,fo n>ar ba«!" tt>eig. bicfer fd^on, oB e^ fo fein !enne". SDcm ?ieb= 
l^aBer finb inbeg biefe Ältcrt^m^främcr, im n)örtlic!^en unb atgeleiteten 
Sinn, biet ju unentbehrliche, mit feinen glürflid^flcn ?c6enömomenten ber=« 
n>ad^fene SBcfen, aK baß er ba« SBort in jenem bcräc^tlic^en Sinne bem „fLU 
tert^m^funbigen" entgcgenfe^en mw^te; »äl^rcnb il^m, foBalb er oom „Selben 
mit ®cban!cn" unb 3)ebuctionen l^ört, bie Srinnerung an fo biel gcbrofc^enc« 
leeret Strol^ angft unb Bange mad^t. ®<^on bamatt gaB eö üBrigenÖ manche, 
bie glauBtcn, e« gcBc nod^ anbere 333cge aU foli^e ,,gclc]^rte Äa^Balgcreicn", 
um biefe Sachen ju förbem, bie Bcfannten, „nid^t eine ©tunbe an ber I^eo= 
pneufHc eine« $omer6 gcjnjcifelt ju l^aBen, o^ne ft^ bcöwegen an ber SBlinb= 
l^cit »cber feiner «Sd^oliaflcn nod^ ^oxlt 3U ärgern". 

S)oc^ gerabe n>cil ?effing fein BefefHgte^ ©anjeö eigener ®ef(^madf^= 
urtl^cile unb barau^ l^crborgegangencr '^rinci^>icn mitBrad^te, fonnte er auf 
SBindfelmann« burd^ ba^ Anfeilen ber ®ried^en unb eigene Änfd^auung gejHlfete 
Seigren mit jugenblic^er Äneignung^fäl^igfeit eingcl^en. UcBer]^au^)t tt?ar ?cffing, 
beffen a^)]^oriftifd^e ginmifd^ungen in bie 3^^tfr^8^^ P^ "^^^/ ^^^ ^' ^^^ 
3unftgete]^rtcn , an ein auggcarBeitete^ ©Aftern anlehnten, cBcnbeöl^alB im 
©tanbc, fid^ einer neuen (grfd^einung mit atter feiner ?eB^aftig!eit ju tiBer= 
laffen, inbcm er jebod^ attBalb Begann, fie bon il^rcm eigenen ®efid^tö^)unft 
au^ critifd^ ju Bcl^anbcln unb umjugcjlalten. ©eine ST^eorie tfl bürden« 
ein Sieflej oon SBindfelmann« Seigren, nid^t o^ne ba« SWcbium SKenbeKfol^n« ; 
ein intcreffante6 ®cmifd^ gclel^riger $ingaBe unb ganj eigenartiger 9tqf>ro= 
buction, logifd^er UcBerlegen^eit unb fad^lid^er ÄBl^ängiglcit, gefd^mcibiger Än= 
Bequemung an eineö i>on ber feinigen fo Beflimmt berfd^iebenen aWanneÖ 
I)enf= unb ®efd^marf0n>eife, Bei critifd^er Driginafitat. ffir gicBt ben SSe- 
griffen bc^ anbeten eine fd^orfcre Raffung, feinen ©äften einen flrcngcren 
3ufammen]^ang, aBer feine I^ialecti!, nic^t burt^ bie Änfd^auung in ^dfcdf ge= 
l^alten, entleert fie au(^ t)on 3nl^alt, unb er fommt auf ein ©ijflem, ba^ 



§ L40. ficfftng. 241 

)oenn ed (Einfluß ^tte gekvinnen fönnen^ eine getabeju audje^renbc StTfung 
auf bie Runfl geUBt l^aBen mttgte. 

gcfftng Beginnt mit bem alten ©cgriff ber Sftad^al^ung ber 9latur, bic 
CT aber i>on jebcr MknfHcrifc^n 35ebeutung entBlcgt , oX^ eine gang mcd^nif d^e 
O)>eration, ein Btoge^ Scrbienfi bed Xuge^ uid) ber $anb ftd^ tptßeat: 
ein ,,üw>igc^ ^rol^len mit ber leibigen ©cfd^idttid^leit"; fcIBji in il^tcr 1^= 
flen SoQIommenl^eit fann fie nid^t mel^r gemixten, M „txt^ Biege talte 
SergnUgen an ber getroffenen Sel^nlid^Ieit''^ l^at lein anbere^ al^ bad (ol^Ie 
Serbienfi ber ttBermunbenen ®c^kDierigIeit. 

3ta<]^bcm er ba6 Scrmtniß bc5 tünfilcrö jur 5Ratur ju einer gonj 
gcifilofen i^crtigfcit^ ben ftnnßc^en SeBen^queU itx ^nfi }u einem gar nic^t 
ber Sunft fcIBft angel^örigen SKittel emicbrigt l^at: BlieB il^m^für ba« Mn^ 
lerifd^e, für ben Äntl^cil beS @enic6, nur boö ,,3beal" , ober bie ©c^ön^eit 
ilBrig, ba er ja bic Spiele bcö aüegorifd^cn 3Biftc8 aBgen)iefen l^attc. STBcr 
fein 3bcal ifl ton ben moralifd^en unb mt^fiifc^en Sngrebienjen beS SBintfcl= 
mannfc^en Scgriff^ gcfäuBcrt, e« ifl nici^t^ aW bic ©attungöform, „ber 
SWcnfc^ üBerl^aujjt", ,,ba« 8ilb tt)ie c« fi(^ bie plafiifc^e 5Äatur — toenn c§ 
eine gieBt (tagt er ben Hugcn Conti bicfem proBIcmatifd^cn Segriff Beife^cn) 
— backte, ol^ne ben ÄBfoII, tocld^cn ber wiberfhcBcnbe ©toff unöcrmeiblic^ 
mad^t; ol^ne ba^ SJerbcrB, mit tocld^em bie ^t\t bagcgen an!anH)ft". 6ö ifl 
Sant« ,,äfl]^etif(^c SRormalibee" (@. 159 f.). 

?cfftng glauBt fid^ eine S)ebuction biefeö 3beate nic^t crlaffcn ju bürfcn. 
SJon bem ^^rincij) avL9, bag ber Sub^njed ber Sünfle SScrgntigen fei, fftl^rt 
i^n eine ©cbanfcnrcil^e ju bem <Sa|j, bag Äörj>er mit il^rcn fit^tBarcn ©= 
gcnfc^aftcn ®cgenflanb ber SWaterei feien; unb jnxir folc^e, bic angcnel^me 
GnUJftnbungen em>e(fcn. $ägtid^!cit aBer Bcleibigt unfer ®eftc^t, toiberflcl^t 
unfenn ©efd^madf an Drbnung unb UcBcreinflimmung, unb trtrycit 8[Bf(^cu, 
i<x ffifet. g6lgli(^ ifl ©(^önl^cit baö oBerflc ©cfeft ber Äunfl. .^SBäl^renb 
l^cutjutage bie äWalerei aW bie Äunfl, toe^e Äörj>er auf %laäftn naAa^mt, 
in i^rem gangen Umfang BetrieBcn wirb', fo l^atte ber toeifc ®rie(^e i^r 
engere ©renjen gefegt, fie Blog auf bie Stac^al^mung fc^öner ^or<>cr einge= 
fc^r&nft. Sein ÄünjWer f(^ilbertc nic^tö att baö Schöne, fcIBfl baö gemeine 
(Schöne, ba6 Schöne nicberer ©attungcn mar nur fein juf&ffigcr SJonourf, 
feine UeBung, feine Srl^olung. üDie Sofffommenl^eit beö ©cgenflanbS felBfl 
mußte in feinen 333er!en entjttdfen". 

3p bie ©(^önl^cit oBcrflc« Äunflgcfeft, fo toünfd^en ioir' junat^fl nicBtö 
mcl^r, ate ju »iffen, tt)a6 Sefjlng unter i^r p(^ gebadet l^aBe. Seine ?(eugc= 
rungen jeigcn, bag er ber Fachliteratur aufmerffam gefolgt, aBcr gu ein<»m 
fctBflänbigen Segriff nid^t gelangt toar, bcnn er Befennt [xif nad^ unb nad^ 
fafl JU aßen Definitionen, bie e6 bamatö gaB. Salb nennt er fie mit 

Ottfti, XDintfelmonn. n. 2. 16 



242 ^todM ^u4 II. Xit ^f^t(^te bet jhinft 5. ^fnol^mc imb (Simmttimg. 

Sauntgarten meta))]^^ftf(j^ ^,bie ftc^tBore ^üQe ber SoQlotnmcn^eit'^, ober 
,,bic unbcutlid^c SSorflcHung" einer feieren; tatb cnn>mfc^ mit bcn (guglänbcm 
,,btc übctcinfHimncnbc SBirfung manntd^faltiflcr ^t\lt, bie fxdf auf einmal 
üBerfcl^cn laffcn; tüenn bet Segtiff bcr ©nl^cit ber Härftc fei, fo ergebe fic^ 
(Bd^bn^it, »enn 9Kanm(^faltig!ett^ baö Crl^aBenc." Unb att $ogattl^ l^cröor= 
fam, Begrüßte er bie Xl^coric ber äScDenlinic aW ben SEBcg, bie tjcrf(i^iebcnen 
Segriffe ber 5D?enfd^cn üon bem nm^ f(^8n ifl, ,,auf etnxi^ ©emiffeö ju bringen, 
unb ba^ cicnbc S}>rüc^tt)ort^ ba| man über ben @ef<i^marf ttjebcr flrcitcn 
fonnc nodf bilrfe^ auö bem 5D?unb be^ ^öBeK unb ber ©elcl^rtcn ju öer^: 
bannen"; »obei er jcbod^ ^ogart)^ bie Originalität feiner ßntbedung bcfhcitet, 
bie er fd^on bei '^arcnt fanb, unb eine genaue SSefKmmung ber maleren 
mittleren S(i^8n]^eit§linie mit ^ülfe ber ^ßl^eren SWatl^ematif fcrbert! — 

333ie bem auc^ fei, jener oberfic ©runbfaft fe^t ben 6riti!er in ©tanb, 
fftr bie S^coric ber Üunfl unb ben ©cfd^mod gan3 unanfechtbare, allgemein= 
gültige Siegeln ju erfinbcn, er brandet il^n nur in feine ßonfequenjen ju 
»erfolgen. „2lllc^ n>aÖ fic^ mit bcr Sc^önl^eit nid^t vertragt, mu^ i^r gän^lic^ 
meieren, unb njcnn eg fic^ mit il^r verträgt, i^r ttjenigften^ untergeorbnet 
»erben." (Sine ber näcbften ßünfcquengen ifi bcr untergcorbnete SäScrtl^ bc5 
^^Jorträt«; bcnn c« (äffe »ol^I ein Sbeal ju, aber bie äel^nlit^feit raüjfc 
barüber l^crrfd^en ; e« fei ba« Sbcal eine« gen^iffen SRcnfc^en, nic^t baö 3bcat 
einc^ 2Renfc^cn überl^au^t. ^ 

S5on einem 3beal aber, unb folgliti^ üon Setl^eiligung beö ®eme§ tonn 
nur ba bie JRebc fein, „xt>o bie Diatur pc^ fclbfi etma^ befKmmteS botge^ 
fc^t l^at". ^toax foflte man meinen, baö 3bcal bejcic^ne gerabe ba^ tt)a^ 
ber @cift be^ 3Renfc6en, fei e^ aud^ nur burd^ SBal^l unb Kombination, jur 
5Ratur l^injubringt. (2o fal^ e« ÜRcng« an, bcr bcöbalb ein 3bcal auc^ bc« 
Colorit«, bcr 93elcu(^tung, bcö äu^brurfö unb bcr ßom^ofition annal^m. 
Scfflng« SScgriff gwingt il^n, ba« 3beal unb folglich ba« ®(^önc auf ben 
cngftcu 9taum, fafl auf einen ^unft gu bcfd^ronfcn. 2)er Umfianb, meint 
er, bafe e« ein 3beal för^)erlid^er ©c^önl^eit nur im äßcnfc^en gicbt , bei ben 
S:i^iercn ,,fd^on toenigcr", in ber oegctabilifd^cn unb leblofcn 9?atur aber „gar 
mdfV (l^at bie ^^atur l^icr feine SJorfäfee?), „bieg meift bcr SBlumen^ unb 
?anbfd^aft«malerei i^ren Slang an", b. 1^. einen fcl^r niebrigen. @« beginnen 
l^ier jene, bem Äunftfreunbe fo fatalen unb oft gang albernen Stangli^cn in 
ber tunfi= u^b @cifite«tt>elt ; al« tt)cnn bcr ganbfci^aftcr nid^t cbcnfogut bie 
ffbdfft^n Oualipcationen bc« Ocnic« geigen Knute, att bcr, für meldten nur 
äpotto unb bie brei ©ragicn oomcl^m genug flnb. 333ie untcrfc^eiben fld^ 
bcnn glaube'« unb "ipouffm« oon ^ßrof^)ectcn unb SJebuten? SU« SSemct 
(1757) feine ©ccl^äfcn untcmal^m, tabclte man il^n in "ißari«, ba§ er »om 



140. 8enUt9. 243 

^aifaffma ivan S#)>tßen ber Statut, t>om ^iflotieninaleT iitm $ortr&ttnaIer 
l^cnintcrgcfltcgcn fei. 

3hHXT ein StcBenibcal bcr SarnatiDn unb bcö Jjennanenten äu^btudf§ 
miß ?efflng gugcfiel^ii, öfter ein Obcal bcö Soloritö unb beö ttanfltorifc^en 
Su^brudd laugnet er. 

3n ber gel^rc »om ÄuÄrucf tonnte er SBincfcImann« Säfte ttjortlic^ 
l^crUBcmel^nicn; aBer jte »erben noc^ fhaffcr anflef^>annt. „& gtcBt 8eibcn- 
fd^ftcn unb ®rabc ber ?eibcnf(^aftcn, bic jid^ in bem Oeftd^t burd^ bie 
^S§li(i^jien Serjcrrungen äugcm unb bcn ganjcn Äorjjer in jo gctoaltfome 
©tettungen fcftcn, baß alle bie f(!^önen Linien, bic il^n in einem rul^igen 
©tanb umf(^rciBcn, t>erIoren gelten. !Dicfcr enthielten fid^ alfo bie ÄftnjHer 
enttDejDer ganj unb gar, ober fic festen fle auf einen geringeren @rab l^er^ 
unter, in nyeld^em fie eine« 2»aa§c8 »on @(i^önl^eit fällig flnb." ® jott 
alfo, tt)ie Siumol^r Bcmerft, baö geifiig unb fittCd^ Unerfreuliche burd^ eine 
getoiffe ^alBl^eit beö Singel^en« ober burc^ ein untoerraeiblid^ iüibrigeö ®(i^min= 
!en unb Scfd^önigen ju einem ©rgöftlid^en unb Stngicl^enben umgewanbelt 
toerbcn. äUein, wäl^renb boc^ SBintfclmann bafür l^ielt, ba§ ©d^ßnl^eit unb 
Äuöbrutf fl(^ nid^t entBel^ren fönntcn, ba§ jene allein „unBebcutenb" fei, 
^anblung fogar baö crfic, gleite unb brittc in ber Äunfi: fo öcrfieigt fid^ 
gefpng ju bem (Sinfaü, „auf ^iftoricnmalerei fei man nur öerfatten, um 
!ör^)erlid^e ©(^önl^eiten ton meljr al« einer Srt l^eröorjuBringen; bie $anb= 
lung fei BIo§ ein SKittct, bie Icfcte 3lBfid^t be« SRaler« ni^t ber «uöbrud, 
fonbern bie SKannit^faltigfcit ber ©d^ön^eit ju crreid^en". 

Suö bem 'IJrinci^) ber Sinl^cit ber ^txt, an tocld^e« bie Bilbenbe Äunfl 
gcBunben fein fott (dl^nli^ l^atte fd^on ©^afte^Bur^ räfonnirt), fd^Üeßt er nic^t 
BIo§ gegen bic 3"^5fpg!eit einer golge ton 3ci^o^ttenten in einem ©emölbe, 
fonbern gegen Semegung üBcrl^aujjt; felBft „®rajie ober ©d^önl^cit ber S3e= 
megung fei bem SWalcr »enigcr Bequem aK bem Did^tef". „©d^nettigfeit 
ifi lein Sortourf ber 9Kaferei". 

ßaum ifl n)o]^I je ein ©aft Bel^au^tct toorben, bem bie ganje ©efd^idbte 
ber Äunfl ein fo cinftimmigeß Dementi gSBe. Senjegung iji in ber äKoIcrei 
baß mit jletig mat^fenber Cntfd^iebenl^eit unb Srfolg crjircBte ^itV, unb 
n)enn man aDe )>oetifd^en unb )>rofaif(^en Seugerungen üBer SBerle alter unb 
neuer ^txt fammeln tt)pBtc, fo tottrbe fld^ tt)a]^rfd^einlid^ ergcBcn, ba§ bie 2Re^r= 
yäfl ben äußbrudf ber 93ett)egung ^>reifen. ®erabc bie ärt unb SBeife mic bic 
Äul^e, bie ©title gcloBt mirb, geigt, ba§ e« att ÄuSnal^me crfc^eint, »enn 
ber ^nfi gelingt, aud^ biefcn 3wpäuben einen l^ol^en Steig, einen l^öl^eren 
aW Setoegung felBfl, gu geBen. SRumo^r l^at ben gel^ler aufgemiefen, ber 
in ber Argumentation' Scffing« ficdft, bic SSertocd^lung beö ©egenpanb« ber 
DarfieÜung t^cite mit ben äugcrlid^fien, burc^ ben rollen ©toff ]^crBei= 

16* 



244 3^t^ ^^' ^^' ^^ (^äfidftt ber ftanfl. 5. lufna^me tmb Guumttmtg. 

fßifyctta 9ebtngungcn bet !Z)arßc0ung, tl^eitö mit ben etn}elnen 3ur 2)avßd[^ 
lung crfotbctßd^n ober tnitmirfenbcn formen. 

3)te ^ekna be$ 3^^^^ ^^^ ^^'^ t^8^^ ^^^^ $anblung, xoox für 
Seffhig bo« »ottenbetpe aWufler malcrif<i^cr ScJ^axiblung. — 

SäSir erfal^ren toon einem feiner J^eunbc, bag er auf ßolorit unb f)cH= 
bnnlel „fotiel att nit^tö l^ielf '. (Sr toiÖ bie brcifot^e ©cleud^tung in 9icq)^aeK 
^tTU§ nur loBen, jofetn ber 9Ralcr t)on ungcfal^r auf fie geft)mmen fei, 
D^ne ba^ fie feine )>ome]^mfle STbfU^t nKir. Scöl^aK f)>ri^t er ton ben 
S3amBocciaben, aW ob bie uneblcn formen unb ©cencn il^r f^?ecifif<i^eö 
SRerhnaT »ären, unb äBcrficl^t bie unBrj)crTic!^en Elemente, ben f)umor bcr 
Äuffaffung, bie malerif<]^en geinl^itcn, in n)c^€n cigcntlid^ il^r Sieij liegt 
^kmfon ber ÜRaler fel^lcr^ftcr unb l^aßlid^er Silbungen, ber in bcr t}cr= 
ficj^tüd^flen «rmutl^ leBt, ^reifu«, ber 9Rakr ber SSarBierfhtBtn unb f d^mufti^ 
gen SaSerfftatten, (gfel unb ftlld^cnfräuter, bcr ben B*^^^^^^« *^^ tot]^ma= 
ler« (?) 6c!am, tt)crben att bie ,,9lieberlanber" be« «Itert^um« oem)orf€n. 
S)a^ Golorit, totit entfernt, fftr biefe feine, Befd^eibenc fleinmalerei oI« 
©ngang^g ju gelten, fcl^cint il^m öidme^r feftj! ben SBirlungcn bcr ^ol^en 
ibcatcn SRalerci cl^cr l^inbcrlic^ ju fein. (Sine ©teile in ber 9ti(^rbfon feine 
$anbjci(^nungen an^)rcifl, gab Seffing folgcnbe ÄuMaffung ein — eine 8rt 
SrauBcnfd^u^ gegen ba« Solorit: 

„933enn eö n>al^r ift, bag ber tünftler, tt>enn il^n bie ®c^n)ierigfcitcn 
ber SarBung nid^t ^erflrcuen, mit aUer Steilheit ber ©ebanfcn gerabe auf 

feinen 3*^* 9^^^^ ^<^"^7 ^^^^ ^^ ^^^ ^% ^^6 ^^^ ^^ ^^*^ 3^i^^^"9^^ 
bcr Beflen äWaler einen ®eifi, ein ?cBen, eine ^ei^eit, eine 3ÄrtIid^feit 

pnbet, bie man in il^ren aRalcreien ijcrmigt; tt)enn eö ttKil^r ift, bafe bie 

gebcr unb ber Stift ®inge mod^en !5nnen, meldte bem ^infcl ju mad^en 

unmöglich fuib; ttKun^c« mal^r ifl, bafe bcr '^Jinfel mit einem cingigen Siquibo 

3)inge auöftil^ren fann, bie bcr, tocld^cr mel^rere garBcn, Bcfonberö in Oel, 

JU menagiren l^at, nid^t crreid^en !ann: fo frage id^, ob tt>ol^I baß Bctt)Uttbc= 

rungöttjcrtl^efic golorit unö für alle biefe Scrluftc fd^abloö l^altcn fonne? 

3a i^ möchte fragen, oB e8 nid^t ju tt>ilnfd^en »äre, bie ^nfl mit Dd= 

farBen ju malen, -möd^tc gar nid^t erfunbcn tt)orben fein". Unb bod^ foBte 

(fo btinft unß) feiner H^eoric jufolgc , ba§ bie SufgaBc einer Äunfi in bcm 

liege, toaß fie aHein unb ol^nc eine anbere ]^ctt>orjuBringen im ©taube fei, 

vxi)t in fc^öncn tjotmcn, bie aud^ bie '^Jlafti! Bittet, fonbem im Solorit unb 

$ell(bunfel bcr ©d^njerpunft ber SRalcrci ju fud^en fein. 

SBenn man aBer Seffingö Siafonncmcnt Silbttjerfe bcr Alten cntgcgcn= 

flettte, üon bcnen er ja crflärt l^attc, „toaß il^rc ÄünfHer getl^an, fofle il^n " 

Icl^rcn joaß bie Ättnjllcr öBerl^au^jt tl^un fotttcn": fo »erlangte er, bag ttian 

unterfd^ciben foBe jn)ifd^n tunfhocrfcn, »oran f!c^ ju mcrflid^ ®i)uren 



§ 140. «efiUig. 245 

gottc^btenflUc^et Setabrebungen jetgen, koo bte tnnfl ein BIo^ $iHf^ 
mittel ber 9tebe nKtr, unb foU^en, n>o @<i^önl^ett erfie uitb le^te 3(]6ft(^t gen>efeit 
unb bcnen mon allein bcn Sßamen Äunfhuetfe Bcifegcn bütfe". (fflictielc 
»ürben ba üBrig BIciBcn? ^UfnSbxnftddtttx Knnte biefe@renglinic jiel^cn?) — 

@o l^at Sefjing, nod^bem er, in eblem Sifer gegen bie r^a^enl^aftigleit 
^ d^fi^i^ ^^ bilbenben &nnft mit ber einen ^nb il^r lieBfie^, unb 
glftdlic^fted %tXs>, bie Sd^nl^eit ber fid^tBaren Qrfc^einung toiebergegeBen, il^r 
mit ber anberen faji oUed genommen, tooburd^ fie grog gen)orbQi ifit, Sud^ 
brud unb $anblung, SSetvegung unb Sonq>o{ttton, 3nbik)ibualitat unb (S^arac= 
tcr, SarBe, Beleuchtung unb 3)ra))erie. Qx, ber in bemfelBen 2Ber!e UBer 
bie @(i^nH)td^]^eit ber Deutfd^en {)>ottet, „aud ein paax angenommenen SBorts^ 
erüarungen bie fd^önften SDinge ton ber S35elt aBguleiten", ber un« leierte, 
,>a^ nur ber attfeitige ®ef(^macf ber malere fei", ber fonjl ber erfie Jüot 
n)0 ed galt, mit eignen 9ugen ju fel^n, !?cfflng glouBt l^ier old ®efe^geBer 
ber Äunp aufjutreten, tt>ie Äriftoteleö in ber $oetÜ, inbem er t>on ein ixiar 
allgemeinen <S&^en aud Bilberfttrmerifd^ mit gangen n^eiten Seibern ber £unft 
in§ ©erid^t gel^t; er toäl^nt ben reinen, fheugen, altl^eHenifd^n ®ef(^madf ju 
»erfechten, inbem er mit gugemad^tcn Äugen, Blinben Segriffen Blinblingö 
folgenb, bie l^errlid^jlen 35lumen im ©arten ber fiunjl ausrauft unb auf ben 
Unfrautl^aufen n)irft. ^ 

©eltfam! berfcIBe ber in ber ©id^thinfi bcn fommenben ®enieö toor= 
leud^tete, ber furd^tBarfie ®egner be^ contentioneOen dbeali^mu^, optxixt 
fjxtx mit ben lal^Ißen SBfhactionen bed eclectifd^en 9Ranicri^mu9. XBer man 
fann fld^ l^ier ber gragc nid^t ettoel^en, ©oute ber SWann, ber bort bie 
®)>rad^ oer Statur unb ber Seibenfd^aft ju (Sl^ren Brad^te, Bid in bad fd^eiuBor 
©emeine unb 92a(^Iäf{lge l^ineic, ber (Sfyak^pcoxt gegen SomeiHe erl^oB, ber 
bie Virginia aud bem anttfen l^ifiorif^en @til in bad SofUtm ber B^)>fg^it 
üBertrug, ber eine gefunbc $offe einem fd6fc<>^)cnben regetoiSgigen @ttt(!e oor= 
gog, ber bad (S|r)>eriment be$ Bürgerlid^en 2:raueYff>ieÜ Befftm^ortete: foUte 
?effing in jenen Säften mit feinem eignen (&n<>finben — toenn er fi(^ ^txt 
bagu nal^ — in UeBercinjHmmung gen>efen fein? ÜRan flette fid^ eine 
Äunft t)or, bie jenen ©d^önl^eit^grunbfaft fhcng Befolgte, unb frage ftäf, totn 
fie fd^neHer geIangn>eUt l^aBen mürbe- al€ Seffing, ber ja aud^ mit ber en)igen 
©eßgfeit bie CorjieHung ber Sangtoeile oerBanb. 

& fel^It nn^t an ®))uren bag Sefflng, menn er einmal feine Xl^eorie 
Mrgag unb fic^ ton (Sinbrücfen üBerraf(^en lieg, aud^ in ber ^nfl norbifd^, 
malerifc^ entpfanb. @o crgöJ^lt er g. 99. in Briefen axi^ $amBurg, mte i^n 
unter ben ©emolben beö Sürgermeificr^ ®reoe ein fd^öne^ urib mit auger- 
orbentli(^em gleig gemalte« „Äft(i^enflttdf" ton J^eobor ©aBenBurg, unb 
allerlieBfie tt)eiBli^ giguren in einer ganbfd^aft ton ^oelemBürg aufgefaöen 



246 3^^^ ^4* ^ ^^ ®ef(!^H^ ber Ibut^ 5. ^[ufnal^me unb (Sbnoitbrng. 

fitü). 3acoM ft<aiH)f * ton ©ogcnfelbt in bcr dol^onniöfitd^e l^cift ein 
treffft^ed ©emSIbe, n>eil bie Sßitbmg ber SRorgentBll^e auf ollen Stl^eiten ber 
gonbf^oft, bie «ction M Stdtpa», ba« gepi^dten 3acoM unb bcffen »e= 
gierbe, feinen @egner }u lennen, fomie bad Sodrei§en unb bie Semül^nng 
bed SngeU, ft^ nic^t crfennen }u laffen, in $anbtung unb (Skf^tem unge= 
mein fd^n au^ebrftdt fei. Dann fal^ er xtift gut, ba§ bie ,,niebrigen, 
)>of{irlid^n unb eleÜ^often ©egenfiSnbe^' Bei StcmBronbt nur eine Slebenfcn^e 
flnb, ba^ fte gar nic^t ju ^fflid^ SBirlung bmmen, tueil fie und in feiner 
,,tt>ilben unb unflcigigen 9rt'' in jenem magif(i^n 3^ielii^t erfci^inen, ,,tt)0 
tovc mit Vergnügen toufenb 3)inge feigen, n>eld^e beutli^ }u fel^n fein ^tx- 
gnttgen ifL'^ ,f®an} BesouBert'' enblid^ l^at il^n ein @tü<f \yon $ugtenBurg, 
bem @<^la^tenmaler ^nj (Engend,, bie (Sntfe^ung einer \yon ben Xürlen 
Belagerten ©tabt. ?lBer ni^t ber ,,ber ©d^nl^eit untcrgeorbnete Äuftmicf ' 
l^at il^n BejouBert; t}ergef[en ^t er ba§ ber tranfttorifd^ Sudbrud nie fd^n 
ip: ,,3Beld^ ein Äudbrud ber Äffcctcl ruft er, ber %VLxä^t, bcd ©«i^reifend, 
ber SButl^, bed (Sd^merjcd, ber 2!obedangfi! nnb xotUfc ©robotion in biefem 
«ufibrucf!" 



§ 141. 
3Beg ber ^unftgefd^id^te burc^ (Euro))a. 

Die Sebeutung bed Seffmgf(^n Saocoon, ber 3^^^^^ f^^^^^ Diatefti! 
lag ni(^t in ber ^nfi, fonbem in ber Did^tung, im Drama. Die ,,fd^6ne 
giteratur" »ar fo in ben Sorgrunb ber geijtigen 3ntercffen getreten, ba§ 
aud^ biefe DffenBarung ber ©riec^enfnnfl gunad^f! fafi aOein bcr ^oefle unb 
bann ber $l^iIofo)>l^tc gu gute !am. ^rau Don @tael fanb, ba^ SBtndclmann 
in Deutfd^Ianb mcl^r auf bie l^iteratur ate auf bie ^Itnfie eingen>ir!t l^aBe. 
„@eit jenem 3BerIe, fagt ©ertinud, fd^ien erfl bad 9teid^ bed ®<^önen für 
Deutfd^Ianb geBffnet; unb jeber ^nfiler nid^t nur, au(^ jeber Did^ter, unb 
aOe bie eine SC^nung t)on ben mod^tigen Anregungen einer Sunflmelt unb 
ber 9latur eined ffiblid^en $intmetö l^atten, tpanberten feit Sßindelmann nad^ 
Italien. Dort, fagt ©octl^e, Beginnt fttr jeben (Smi)fangßd^n bie eigentlid^e 
»itbungöei)od^e. ©oute ein ^>laflifd^cd Clement in unfre Did^tung gtt= 
rüifgefü^rt toerben, fo n>ar cd burc^aud nötl^ig, ba§ m ncBen bcr toiebergc- 
Borenen 2RufLf, bie fo fd^iücr auf Älopjlod tt)ir!te, bie Bilbenbe Äunfl glci<^= 
fattd neu BcIeBte, unb ber ©efd^madf an il^r gurttdgerufen merbc, um in 
einer anfd^auenbcn Dit^tematur, »te Ooctl^e toax, bie entfd^eibenbe @egen= 
tt)irfung gu fd^affen". 

„SBindelmannd Äunflgefd^ic^tc, f^ilbert ä. ©d^ött im $erberalBum, glid^ 
ber )>lö^Ii4cn Sudgiegung eincd großen 2:agd, in tozWftxa \tn9 bie ©eflaften 



§ 141« SBeg ber jhmfigefd(i(i^te butd^ (Suto^ 247 

ber grie^tfd^en ^l^antafie, bte Bt^l^et )>etem}eU int $aIBli(J^t ober Duttlcl 
geftcmben^ t)eTetmgt aU eine ganje SBelt bed @eniu^, entfaltet M ein 
£)&fnq> berRärter äKenfd^l^eit gu f^uen maren . . . SSSet nur au» unferer 
feltfam jufammengefe^cn unb berfd^n^rfelten S)afeindgeflalt l^erau^ . . . nod^ 
bem ftd^ fel^nte, toca man att Unf^ulb, @enügfant!eit^ iRatur Bi^l^er in (Er^ 
jiel^ttng^ibealen unb in 3bt^nenf)>ielen mel^ gcfud^t M gefunben l^atte, ber 
fa)^ e« jc^t l^crvorgeflellt in ber Äntilc, in bi^er auö lauteren 9?aturformen 
unb rein menfcj^lid^en ©runbgttgen cmHUi^fenen 3beal»elt. Sie erfd^ien aW 
ber böttige @^)iegel eine« in ber Slatur Befricbigten ©eiflc«, att bie Cer= 
ett)igung ber üugcnbgcfunbl^eit ber ÜRenf^l^it ... ber ©Btterfaal ber gric<l^i= 
fc^en ^laßil n)ie ein ©efe^uci^ bed ®dfintn felSfl, mortn bad @i^mBol bed 
Sebeutenben, bie ätic^tmaa^e bc§ 9u%ru(f9 unb bie Stl^^tl^men ber Xnmutl^ 
öerjeici^net feien". — 

Sto^folger fanb Sßindelntann unmittelbar gor leine, unb aud^ f)>ater 
nur für »ruc^tl^cilc feine« ©erbiepfle«. ffia« fel^lte? Der SWutl^, feine ^n 
gu Betreten? Ober bie fietige Stid^tung auf ba« l^öd^fie ^itl, unjerfheut 
txixdi bie gocfungen ber 99equemli<i^fcit »ie ber ©efci^äftigfeit? Dber bie an= 
geborene ®i«^>ofition für ben ®egenj!anb? Ober ba« ä^f^^ttttnentreffcn ton 
bem aUen ? 'Slodf n>ar lein dol^r feit feinem Xobe berfloffen, att ber fromme 
aSunfc^ au«gef^)rod^cn tt>urbe, ,,ba§ ein Seffing unb Berber, anftatt ben ^errn 
©eJ^eimratl^ Älo^ in bem fo furjen ®enu§ feine« gufhi ju BetrttBcn, il^rc 
SKuge unb Zalente tielmel^r 3U toUenbeten SEBerfen fammeln unb bie Ser^ 
bienfte eine« äBindelmann« um ben 9tu]^m feine« Saterlanb«, um bie Sau= 
terfeit unb SKad^t ber beutfd^en ^pxaäft, um bie SSieberl^rfteUung be« 
gried^ifd^en unb attifc^en ©efd^mad« an n>eifer 9tü]^e, ftttfamem dtod^brud, 
jorgfaltiger 9?a^lafflg!eit, ungejmungener SBürbe u. f. to. üBertreffcn mödi^ten". 
©0 fianb gefd^riebcn in ber Ä6nig«Bergcr S^^^wß ^^^ ß- S«Bruar 1769. 

aSa« bie beutfd^e $]^ilofot)]^ie anlangt, fo ^atte ^uerfl 3ßofe« aRenbel«^ 
fol^n 3Bind(elmannfd^ (Elemente für feine Sl^eorie Benu^t, unb bie Seigre oom 
3beal in feine Seft^etif bertDoBen. ®d^tHer« ®aBe, n)iffenfd^aftli<^ ^Eßa^x^ 
l^citen unb ÄBfhactionen mit ^>oetifd^en SBorten, Silbern unb Älängen 3U 
umlleiben, fanb in mand^en felBft fd^on )>oetifd^ angc^ud^ten %u«f)>rüd^en 
unb ©c^ilberungen SBindelmann« glttdflid^e SKotibe, bereu »ariirung man 
einige ber l^errlid^fien Sel^rgebid^te aller S^xttn berbanft, j. 8. ba« 3beal 
unb ba« SeBcn. Salb barauf oerlieg bie 'f]^ilofoj)]^ic bie fal^len ^Si^en ber 
SBtetai>l^j^rif unb ba« enge ©ccirjimmer ber ^f^^ologic, unb untemal^m 
e«, atte ^otenjen ber ueuaufBlül^enben ®eipe«Bilbung an fld^ gu jicl^en 
unb }u aBforBiren. Die %u«em)a]^lten, totliitn bieg 3neinanberf)>ielen unb 
=fd^iBern bon @j)eculation, Äunft, SÄeligion unb erotifd^=gefcIligen Aufregungen 
für bie Summe ber 3Bei«]^cit galt, trieBen anä) ben Sultu« ber ÄntÜe. 



24$ StctiM Sdnöf. II. 2)te etWü^tt ber ihmfl. 5. Kufna^me unb (Sintoitfimg. 

„StnÄcImaim" , fo beerte jene geifhcici^e granaBfln tl^re ganbWcute 
n0ii^ ben SingcBnngen tl^re^ rotnantifd^cn Stceroite, ,,cnttt>tdeUe bie je^ in 
aßen ftünpcn angcnomtncnen nxil^rctt Omnbfä^ Aber baS Sbeal, btcfc öcr= 
öoKfommnctc 9iatur, beten UrBilb in unfcrcr ^l|>]^antöpe \% unb nt<3^t augct 
un$. 2)ie 8(nU)enbung biefer ©runbfS^e auf bie Ißtterotttt ifl ou^nel^menb 
fra^tbor. S)ic $oetif allet Äfinflc toirb in feinen ©d^tiftcn unter einem 
®efl^tö)>nnTt t>erfannnelt, unb aOe l^oBen baBei gen)onnen. 9Rdn l^at bie 
2)l^t(unfi Beffet Begriffen burd^ \nt ®aifytnx, unb untgefel^rt, unb man ifl 
burd^ bie Äunji ber ©ried^n ju il^rer ^]^ilofo<>]^ie gcffil^rt »otben. Die 
ibeaüflif(i^e 9Reta^)]^^fl! l^at Bei ben ©eutfd^cn mic Bei ben @riec!^en jut 
Duelle ben Suttuö jener Urfd^önl^eit, bie nur unfer ®eip erfaßt unb toiebcr- 
erfennt: fle ifl boö Änbenfen be§ ^inmicW, unfre« alten Saterlanb«, biefe 
»unberfame ©(^önl^eit; bie SWeiflerwerfe bc« ^l^ibiaß, bie Iragöbien be« 
(Sdpffodz^ , bie Seigren be9 $lato traten für un$ in Harmonie, inbent fte 
un9 unter t)erf<!^iebenen gormen biefelBe 3bee gaBen''. 

Süer Bei ben Otalienem l^crKmmüci^c 3bealiömuö, beffen ettt>a^ berat- 
tete meto^l^^ftfd^e 83orfleaungen t>on äBindelmann bur(^ einige Beflintmt 
attf5un)eifenbe Xnfd^auungen neu BeleBt n>orben, njorb bon ben ^l^ilofo^l^en 
n>ieber in jene StteBelwclt jurüdgefttl^rt, inbent fle au« feinen ©olbBrnem 
für i]^ren ^c'ttncßram einigen SKetaKglanj gemannen. ,,S)ie ^etborBringung 
ibealif(ä^cr, üBer bie SBirflid^feit crl^aBener 9?atur fanmtt bem ÄuÄrud geifli^ 
ger SJcgriffe'' ber ftunjl att3W gegeben ju ^Ben, ba« ifl na<i^@il^c Hing 
ber große ©ebanfe, n^egen beffen er SBindelmann ba^ ?oB fingt, in ber Mfebe üBet 
ba« »ermtnig ber Bilbenbcn tttnfle jur Statur (1 807). «uc^ foff il^m ju« 
erfl ber @cban!e geroorbeii fein, ,,bie S33er!c ber £unfl ncd) ber SBeife unb 
ben @efe^n ewiger 9{atum)erfe ju Betrad^ten, ba Der unb na<i^ ibm aUe^ 
anbcre aWenfd^lid^e att S5kr! gefe^lofer SBimür Be^anbclt »urbe" (ügL ®. 200). 
I)eÄ^att gel^öre er burd^ <Sinn unb ®eijl nid^t feiner 3cit^ fonbem entn>ebcr 
bem Stttertl^um an ober ber ^txt bereu ®{^ö})fer er mürbe, ber gegcntt>Srti= 
gen. „fflindfelmann flanb in erl^aBener ©nfamfeit mic ein ®cBirg, burd^ 
feine ganje 3^^^' ^^^n antmortenber l^aut, fein "^uMf^Iag im ganjen meiten 
8teid^ ber SBtffenfd^aft, ber feinem ©treBen entgegen fam". — SBindfelmann 
mütbe fel^r erflaunt fein, menn er erteBt l^ätte, ma^ für ?eute fld^ für il^n 
ed^auffrrten, inbem fle il^m juglcid^ fein Horcö SBaffer trüBe machten, ma^ 
bann „liefflnn" l^ieß. 3eftt fielet man affmäl^Iic^ ein, bag jener liefftnn 
(mit bem man fld^ bamate üBer bie StufnSrung erl^oB) oftmals nid^td mar 
aK eine 9tebemeife, bie, ju Älarl^eit gejmungcn, auf Sraume ober @c= 
mein)>IS|e l^inau^Iäuft; unb baß aUe jene üermeintlid^en Sntbedfungen tiefer 
ihinfl unb SBci^it, mie pe j. S3. ©d^leiermad^er in ^Tato, bie 9tomanti!er 
in ®^afcf^>eare, unb anbcre in ber I)ogmati! fanben, eitel §imgef^innfte marcn. 



§ 1^41. f߀g be( Sbtn^efd^^te bitrd^ <tvcti)pa. 249 

^a^ SBctf l^tte ben fttt beutfd^ 99üi^et bamal^ Augerfl fdteneit (Er:: 
fo% fogIet(!^ ind t(u^Ianb }tt bringen, nnb ntd^t Blo§ }u 9<^iii&nneTn. 3)te 
t^Tanjofen jeigten, ba^ fie aiK^ bod f^embe, ba^ il^r ®eI6ßgefül^I wx^ 
le^t, krettmtHig anerfennen nnb fU^ aneignen, foBalb e§ il^ncii nur jug&nglt^ 
unb genie^Bor gemaii^t tt)iTb. 99$in(felmann feCbfl fonb nod^ in feinem 
Xobe^jal^t: ,,bie f^anjofen felBfi applandnnt; tocnn fle ein txkttiotifd^ $er) 
anii mtbet il^te ®criBenten nterfen'^ X)er SStlbl^uer (Sttenne gakonnet, 
beffcn »ebftrfni^, x>on ^c\t ju 3^^^ b"^ M^ißc «urtaffungcn üBet Ärnifl* 
angelegenl^etten fein @e^itti Don jlBrenben SSktQungen frei ju machen, tDtt 
eine 9ieil^e ton 9Snben ,^va3Xt9" t)etbanfen, bTttdt pyox au^ bie Ser« 
jHntnmng bet ^orifcr tftnftfet üBei SSindklmannd ®roBl^tt au« (in btefct 
^etaBfe^ung fei eBenfomel fanssetä att ind^oience); Befennt jjebod^, niä^ti 
Bcffereö üBer ba§ ©c^öne in ber Äunfi gelefen gu l^aBen; feine Seilten grün« 
ben fl<i^ auf bie einjige folibe Sofiö; möge et nun biefe ^l^xi^citen anbeten 
^nfrtem, ober cigenet SeoBad^tung t>etban!cn, jebenfaö« l^aBe et in« S^tl 
gettoffen. Die ®ef^id^te bet Äunfi fei toÖ ton fel^t guten gotf^j^ungen, 
einigen Setmutl^ungen unb mel^teten genntgten, 3un)eilen gefd^madlofen (Snbe 
uttl^ilen (d^cisions). 9aein jene Su«faDe \DUtben ton ben gftangofen um 
fo Itiifttx tctfd^metjt, je Bälbet il^nen felBfl bie ©^Batitenfunfl il^tct Sonc^et 
unb Couftou langttjeilig hjutbe, unb fte jut ÄBmed^Äung — unb jum 
©^tedfcn bet SWufen unb ©togien — einmal ^etBc S^ottioten nwrtben tooDtcn, 
bamatt aW bie Äßmct *?ctet SomeiKe'« ton ben l^ol^cn SStettctn in« ^ttcttc 
be« SeBen« l^etaBfHegett. 

Untct ben glSngcnben 5Wamen, beten bamaW gtanfreid^ fl(j^ nod^ tttl^mte, 
toox bet geifitoöfte 3)eni« Dibetot. Untet ben iWaletn unb Silb^auem, 
nje^e ben ©alon im ?outte ton 1765 Bi« 67 ftttttcn, »aten, fogat nad^ 
bem Uttl^eil ber ©egenttjott, ttjenig gute, bie meiflen atme ©ünbet; aBet fie 
njfttben einen l^intei^cnben 3^* ^^^^ IDafein« gel^aBt l^aBen, unb h?a« fle 
il^tcn (Htetn unb bem ®taat gefofiet, tttttbc angettanbt fein, »enn fle auc^ 
ni(^t« getl^an l^ättcn, al« ben ©alon ton üDibctot ju tctanlaffen; benn nie 
tt>iebct l^at ftc!^ fotiel gein^eit unb SBi^ in Äu«jleIIung«ctitif tetittt. 3)ibctot 
Jtat bet ctfle, bet bie eigcntl^ümlid^e Originalität unfte« 8anb«mann« Bcs 
metfte. (£t flellt biefen lieBen«n)ütbigen @<i^n?ätmet (cet enthonsiaste char- 
mant) neBen Scan 3acq«c«. „SBenn fold^c SRaturcn einmal jufSBig eine 
SBal^l^eit pnbcn, fo tetfünbigcn fte biefelBe mit einet (Snetgic, bie alle« jcr= 
Bri(!^t unb umfWrjt. 3n 'Iparabojen, wenn fle iBilbct üBet Silbet tl^fttmen, 
alle Ätdfte bet ©etebfamfcit ju ^ttlfe tufcn, 2Reta^)]^etn, fttl^ne SJerglcit^e, 
SEBenbungen (tonrs), ©emegungen, menn jle flc^ an ba« ©efttl^l, an bie 
$]^antafle Jtenben,* Seele unb (gttH>finbung«tcrmBgcn an allen benfBaren 
Ruften angreifen — bann ifl ba« Bloße ©^auf^)icl il^te« Wingen« f(^n. 



250 3^te9 eu4 U. 2>ie Okft^te ber ibrnft 5. lufno^e unb (Einkinrfimg. 

SBobittii^ finb ®fi^n unb ^tbtod ju tl^n SBerlen gebrntmen? er antwortet 
btr: Par le Beatiment de Ut libert^ qui ^l^ve r&me, et Ini inspire des 
grandes cfaoses; les r^compenses de la nation, la considdration publique, 
la Tue, r^tude, rimitation constante de la belle nature, le reepeot de la 
post^ritä, rivresse de rimmoiialit^, le travaü assidu, rheurense inflaenoe 
des moeurs et du climat et du g^nie. „Vbtt fo tociSft unb Bebcutcnb 
Sßuufelmannd (Snü^ufla^ntud x% \do er und bic ^nft gejd^t^tlt^ Begreifen 
lel^: fo falf^ unb trrlid^tcrif^ ifi er, too er in bie ^rojriö l^inüBcrf^toeift'' 
5Diefe S9emerfung motzte 2)iberot fd^on im dolore 1765, atö ber @til k la 
grecque fid^ erfi regte ,,gragt man i^n toeiter, oB man GeBcr bie fßotur 
ober bie Snttte ffatbiren foOe, fo antJDortet er unBebenRiii^, bie 9ntife! — 
et voilä tout d^un coup Thomme qui a le plus d'esprit, de ofaaleur et 
de goüt, tout au beau milieu de Tobose'^ 

Vl9 ^au bon ®tael tl^r 8u(^ fii^rieB, lonnte man fc^on SSHmfcImannd 
Serbienfi bal^in )>r&cifhcen, bag er bie Sermifd^ung beS'antilcn unb mobcmen 
®^dfmai^ aud ben ftftnfien berBannt l^oBt Unb bieg gefd^al^ burd^ jene 
l^ifiorifd^ SergegennKtrttgung bed ©ried^tl^umd, n^ie fte mit foU^r ^cSft 
unb Sreue l^ier eBenfoQd }ttm erflenmal borgefommen toat. ,,iltiemanb ^tte 
Dorbem forgfSItige, grünbli^ Unterführungen mit fo IcBl^after Semunberung 
bereinigt: aBer iiur auf biefcm SBege 'tcrfld^t man bie ^nfle. ^l^ntafte 
unb SBiffenfd^aft gaBen SBindelmann gleichmäßig il^r oerfd^iebened 2x6^1: Bid^ 
l^er glouBte man, fie oertrttgen fU^ ni<i^t miteinanber. 9!ttr burd^ Sertraut- 
^eit mit Sanb unb 3^^^ ^<^^ inan Sbrnft- unb S^id^termerfe leBenbig mod^n : 
bie (Selel^rfamleit muß ber (SinBiftungdfraft }u $Ulfe eilen unb fie Kuomög- 
lid^ }ttm Xugengeugen beffen mad^en, n>a9 fte fd^ilbem foS, jur 3^itgenofftn 
beffen n)a9 fie erjal^It £n s^aidant k la fois de rimagination et de 
r^tude, on r^eompose le temps, et Ton re&it la vie'^ — 

dtaliend Sigentl^um n^urbe bie ftunfigefd^id^te fc^on oor il^rer UeBer- 
tragung burd^ ben oom Serfoffer felBfi feinen Monumenti ooroudgcfc^tcften 
«uöjttg. (8. D. SSidconti nennt fie ein claffifd^d SBerf, beffen ganj unge= 
toJüffnViilt^ (singolarissimo) Serbienfl ftd^er ni(^t toerbunlelt n)erbe burd^ 
feine ficinen gledfen (nei). Die UeBerfefeer, ämoretti in SRailonb (1779), 
Carl gea in 8tom (1783 f.) l^aBen mit ^d^ bicfc SScrfcl^en unb Ungenauig^ 
feiten t)erBcffert; in ber 3)redbcner ÄuögaBc muc^fen bic Sloten ju einem 
fortloufenben Sommentar an (beffen toeit Bebeutenbere auf bie Äunfl Be= 
güglid^e Hälfte ^einrid^ SKe^er — ©octl^ed „Äunfhne^cr" — lieferte), ber 
bie 9rau(^Bar!eit bed Sud^ed um ein l^alBed dal^rl^unbert berlängert ^at 
Italien rül^mt fid^, bie einjige t)ottfiänbtge SudgaBe ton äßindelmannd 
SBerfcn ju Bepftcn (^rato 1831—35 in gtt>ölf Sänbcn). Dort ^)flegt man oon 
ier „©elel^rfamfeit unb ^antaflc" SBindfeUnannd, oon Ic^tercr mit einem 



§ 141. SBeg ber tuitflgef^i^te but^ (Europa. 251 

f!q)tij[(^en Äcccnt ju f^)rc(i^cn; „itocct (Bcmcrit Sicognora, bcr gortfc^t bct 
@ef(^id^te ber @€ttl)>tur über bte mittlere unb neuere ^zit) {inb* feine Slud- 
legungen nic^t aOe ard^Sologifd^ (Eanoned gebliebcfn, aber er l^at bte 3)en!s 
ntSIer n>ieber ber geBül^renben Serel^rung ttfeergekn; n)ten)o]^I feine ©d^riften 
bo(^ nid^t^ gtoged^ realem ^eroorgeBrod^t l^otten, toenn nid^t, toirffamer aU 
aSe Sorfd^riften^ bod S9eif)>icl (Sanin)a'd l^injugetreten toare'^ 

!Der ord^SoIogifd^-l^iflorifd^e Seftonbtl^eil ber ^nßgefd^id^te tonnte in 
2Bind(e(mann9 Sal^n unb ®eifi nur auf 9tinnd Soben fortgefftl^rt »erben, 
aber ed gefd^^ fafl nur oon beutfd^n ©elel^rten. 2)te üon il^m Begrttnbete 
Xrabition l^iflortfd^er Unterfud^ng alter ^nftoerle ift Bid auf bie neuefie 
3^it cmf beutf^e SEBiffen^aft Bef^ränlt geBIieBen. dtaUen, bad allein mit» 
jal^It, lennt nur antiquarifd^e ^ermeneutif. XSed anbere finb nur Blaffe 
UeBertragungen Don Xudjügen- beutfd^er KtBeiten. 9n ber äJerid^tigung ber 
)9on SBindelmann angegeBenen Stationen ber ^nßgefd^i^te, an ber SeleBung 
ber ®tred(en ba)n)ifd^en burd^ ÜRonumente, ifi fletig, emflg unb erfolgrei^ 
gearBeitet n)orben; toa^ er atö einzelner 9Rann aKetn auf feinen ©d^nltem 
trug, bad iji je^t bie SufgaBe eined ganjen beutf^en dnflitutd, einer Kolonie 
beutf^er SBiffenfc^aft auf beut Sa))itoI felBfl, etned leBenbigen ®d^ilb]^after9 
il^rer ffi^re in ber grcmbe, Jiur einmal »urbe Dcrfud^t baö ganie ^rioben= 
f^flcm in grage 3U flctten, ben ©tiHflanb ber Äunjl .feit UeBettoinbung be^ 
alten @tite Bid ^abrian n>al^rfd^einli(^ 3U mad^. äPber je mel^r ber W^pa- 
rat ft^ oen^oOflanbigtc, bie 9Ud(e in ben ®ang ber S)inge beutlid^er n)urben, 
um fo n)eniger finben mx Urfad^e, bie $od^ad^tung ein^ufd^ränfen für bad, 
n)ad er mit feinen aKitteln l^erpfleKen oermod^te. 9io(^ l^eute !ann gelten, 
n)a^-1808 aRiOin fc^rieB, aU er bie ^nflgefd^id^te einem Ztno^l tcrglic^, 
beffen gunbamente unb ^aaptÜfdU fo gut confhuirt finb, bag er für bie 
(Smtgleit ba }u fein fd^int, unb Bei allen SerBefferungen unb 3>^f^^n im 
einjelnen bie ©enauigleit unb @^ön]^eit be^ '^lanö unanfec^Aar BleiBt. 
Slu^ S. 3B. ®(^legel Bejeugt (IS 12), bad SBerl fei clafftfd^ geBIieBen, unge= 
achtet feiner t>ielen Südfen unb drrtl^ttmer: bte§ Bcn>eife feinen ungemeinen 
SBert^. „SBie oor feinem Äunfhirtl^eil ber ÄttnfHer, f^rieB 1842 ©eroinu«, 
fo mag oor feiner genetifd^en ©efd^ic^te bte ord^öologifd^e Anatomie unb 
SRicrologie fd^nntigen, bie fettbem unenblic^ oiel SRaterial jufammengetragen 
l^at, ol^ne ba§ einer gefommen tt)5re, bem eö gelungen »Src il^m auf feinem 
SBcge nac^jugel^en, unb bem baö ^erj auf bem §lei fage 100 eö il^m fa§". 

„3)ie Äunflgefd^id^te (fagt aBft^liefeenb Sbuorb ©erwarb 1856), bie er 
ate ein ®anje§ l^inflellte, ttjerbcn Bei fo fcl^r erweitertem Umfang crfi unfere 
9tac^!ommcn »ttrbig erneuern fonnen; fic »erben ba^ aBer nur auf bindet 
mann« ©runblage oermogen". . . ©ein Serbienfl nKir, „©cfill^i unb SSer= 
ftänbnig bed <Sd6onen gemalert unb gefd^id^tlic^ Begrttnbet, bie Stvinfä}bf}t bed 



252 3^t€9 en6}. IL 2>it ^c^e ber ftnnft 5. Sufnal^nie tmb (SimDttfnng. 

SQtertl^uind mcx^t, bte gefd^ic^tßd^ SnttDtdelung ber ^nft in £)enfmalent 
nad^getoiefen, bie !CcnhnaIeT feCbfi itn B^f^^^^^^^^^^S ^^^ ^^^ ^^^ ftltct- 
t^m etngel^cTib getofhrbigt gu l^aben. . . ^n^rtl^eU, ftunflge{(i^t(^te unb 
fel&fl bte b<U)on abl^Sngige anticfuaTif^e ^orfd^ntig l^aBen tm ®^oo§e bent« 
f(^et ©elel^tfornfett itiur tnangel^ft unb etnfeitig ftd^ enttvidelt, fo oft nxd^t 
aSBiniclmannö ©^Änl^eiWgefül^l, feine ^>l^ilofogif<i^e Sißmng, fein critifd^cr 
SItdC fftt S(^te§ unb i^alfd^e^, fein comBinatorifd^ed Solent unb bie bakt 
nnerlft^tic^e ^ttKe ntonumentalet Snfd^auung aud^ feinen Kod^fölgetm 3tt @es 
Bote ftanb. !Eie SScteinigung fo gtcßet ©genfd^ftcn ^t langfi il^n junt 
SKufierBilb ed^tct gorfd^ung gcuiad^t. . . Qaoax Crfolgc ju crrcid^cn, n>ie er 
fie gel^öBt, ip Icinent feiner 9?ad^f olger mel^r mögSd^: bem erftcn ©rünbcr 
ber Äuttfigef(^id^te, bem nie tcrfhinnnenbcn $erott ber Sunft ber i^effenen, 
bcm jeber äBfd^tood^ung feinet Äul^m^ frül^- Doran^geeiltcn ^xoplfttm unb 
iKarti^rcr für ffunfl unb Ältertl^um, gcBül^rt ntcl^r aW irgcnb einem ber oon 
feinem ^avcpt unjcrtrennRc^e erflc v^anj". 



§ 142. 
»lief auf bie Äunfl ber ßeit 

ätt ffiinrfclmann biefeö SBcrf fd^ricb, l^atte er ben in feiner (&rflGng«= 
fd^rift oorangefiettten ^totd, auf bie ffunft ber ©egennxirt einjmoirfen, böflig 
aufgcgeBcn ; bie naivere S3c!anntfd^af t mit bcren jcitigen Sertretem l^tte i^m 
bie |)offnung^Iofig!cit einer folii^en Reform gegeigt. SDa^ aBer bie 3Sefol= 
gung ber oon il^m mitgetl^cilten ©runbfa^e ber einjigc SEBcg gum ^eil fei, 
»ar nad^ toxt tox feine UeBergeugung. 3Bo er Bei ^nftlem (Sm))f&ngrtd^feit 
fal^, fl)ra(^ er fi<^ etttja in ber 35Beife auö, tt)ie er SBicbetoelt fd^ricB : 

,,@ud^ct bie eblc ©nfaft in ben Umriffcn unb in ber tteibung, unb 
fiettet eu^ in ©rmangclung ber Äo^)fe ber 9?ioBe einen fioi>f bor, beffen 
Umri§ 5Ra^)]^ael mit einem eingigen 3^9« ber ^t^tt fd^neU, aBer rid^tig unb 
gur Äu^fül^rung Beflimmt, unt>crBcfferlid^ cntnjorf. So fmb jene St&^^t 
georBeitet, bie nic^t gcma(!^t, fonbem gcBIafen f(^etncn, aBer burd^ einen 
^udf ber ^offa«, ber ben 9Kcnf(^en bcö *promctl^euß BeleBte. gliel^t bie 
geleierte 3tnbcutung oielcr Dinge be« ÜKid^elangcIo, unb fu<^et (wie ber 
Sf^wficl fagt) nid^t üBctujcife gu fein, ffirgcuget eine gried^ifd^e ©^Bn^tt 
unter bem cimBrifd^en §tmmel, bie nod^ fein Äuge gefeiten,« unb erl^Bct bie= 
felBe, »enn c§ mögßd^ ifl, llBcr alle Cm^jflnbung, njeld^e bie 3*^8^ ^ 
©dbönl^eit flörcn fönnte. Sie fei, »ie bie SEciöl^eit bie au« ®ott erjeugt 
»arb, in bem ®enu§ ber Scligfcit ocrfcnft, unb Bi« gur gSttlid^cn @tillc 
auf fanften Slttgcln getragen". 



S 142. md auf bie Staa» ber Seit 253 

2)0« l^fic tociö üon bcr ftunftgcfd^ic^tc gcfagt toetbcn lanti, ifl, ba§ 

fic bcn Anfang einer »cil^c mod^t, — in »örtlid^crem Sinn atö bic§ bon 

Sl^nlid^en ©ffc^inungen in bcr ©efd^ic^te ber äBijfcnfd^aftcn gefaßt n)crbcn 

lonn. 3)ie dbee^ ber $Ian, bie @tofffannnIung^ bod aUe« fommt auf Sted^^ 

nung bcö Sutor«, bcr nid^t auf ben ©d^ultcm feiner SorgSnger, fonbem 

auf eigenen tjftgen fielet Unb bod^ l^at er 3eit gel^abt, feine «rbeit fo reifen 

jtt laffcn, ba§ fie jugleid^ ate ßtcrarif^eö Äunjhuer! in bie SBett ausging: 

unb bicfc leftte ^anb bc« ÜRciflcrÖ iji für ba« ©i^idfal eine« SJuc^« ent= 

fci^eibenb: 

Sbtd^ baS befic »ad 3^r btibet, üft ein eioiger llkrfuc^, 
9htr totxm Stmt^ t» abeU, bteibt e9 flereot)^^ int Bdtenbud^. 

S)aÄ SBcr! ijl inbc§ nid^t Bloß ein Anfang, e« lann, in einer anbern 
Sejiel^ung, auc^ Betrad^tet »erben oI« Olieb einer Äette, bie fel^r toüt ju= 
rü(heid^t. 

aSaö ftd^ ate ber üRarfjiein bcr Wenaiffancc bem »ett)U§tfcin ber golgc= 
jeit fo tief cinge^>ragt l^at, nxir Bcfanntlid^ nur ber Sieg einer längjt Bc^ 
ftcl^enben Strömung, bie burd^« ganje aKittcIalter bon ^txt 3U ^tii an bie 
DBerfiSd^e tritt, ui^ Balb in biefer Balb in jener ^nfi formen be§ Sltcr^ 
tl^untd an ft^ jiel^t 993ad 9!iccoIo ^ifano aU rotl^fell^aften, bem Sauf ber 
3a]^r]^unbcrte üorgrcifenben Scrfud^ an bie Pforten bcr neueren ^^JlafH! geftcDt, 
berbr ftd^ BaÜ) n)ieber im ®trom frember (Elemente; e« fc^ien fttr immer 
bcrfd^n)unben in bem dal^rl^unberte, n)cl^e« bie eblc, ^armonif^e, no(^ mittel^ 
aUerlic^ em^funbene Slegan} ©l^iBcrti'd unb S^onateUo*« fftl^ner, rtt((ftd^t9= 
lofer 9tealidmttd Bel^errf^te; aBer e§ n)urbe im Sinflang mit bem d<^ttgeift 
unb mit gereifter ^aft bon ben (Sinquecentifien n^iebcraufgcnommen. Xn 
pm 'Ißuniten ]^au))tfä((li^ l^at bie neuere Slunfl bie Xntilc an fid^ gejogen: 
ba n>o fie auf eignen 993egen }U einer ^Jüfft be« i^ormgefül^Id gelangt n>ar, 
bie üBer bie Stuft ber dal^rtaufenbe l^in bie Xnttle ald beiit>anbt Begrüßte; 
fobann in 3^^^^^ ber (Srf^ö^fung, too fie ^{al^rung unb (Srleud^tung bon 
au|cn Beburfte unb fuc^te. S)ie (Elemente bie fi^ ilRantegna, ^cdp^ad, 
2:i}ian aud antilcn 9teftcn aneigneten, gel^Brtcn jur crfleren %xt, e« flnb 
S)etaifö: }utiel (Signet l^atte bie mobeme ÜRalerei in il^rcr leBenbigcn ^txt 
3tt fagen, aÜ bag 'fte auf eine formli^e Slad^l^mung ber Xntile l^atte r)tx= 
faOen Knnen, oBnjol^l feine ^txt n>ie fic biö^)onirt nxir, il^re unenblid^e 
S^önl^eit 3U ent|>ftnben unb ftd^ ju affhniliren. 9tiemanb fann meiter oom 
„©efd^madf bcr ©riechen" entfernt fein, att aWid^elangclo, ber bie golgejcit 
mit bamonifd^er SRad^t in feine Salinen tricB. <3elBf! in ber Saufunf! 
fonntc ftd^ ber boctrinare ^uridmu« bcr (Sinquecentiflen nid^t lange Uf^np- 
ten. (£rP in ber S^it ber Sclectifcr fing bie neuere Äunfl an pd^ ju folc^er 
©elBfteerlaugnung Bereit finben }u laffen ; f eitbem »erben antife 8teminifcenjen 



254 SrxmM ^(^* II. 2)ie i^^t^tc ber Stwxf. 5. fbtfnal^me itnb (Stiuoirbing. 

l^ättftger; ©uibo nannte bie 92tobtbenT9))fe feine Visioni di angioli; man 
rechnete il^m nac^, ba§ bic bcjlen ^tgurcn tn feiner Aurora tjon bcn fcorgl^s 
fifc^en jEanjerinnen flammten. Sm n>eitef!en ging einer, ber wn jenfeit^ ber 
Sd^n getommen nKxr, '^oufftn, ber erfle, beffen @til in feiner Sntfle^ung 
n^efentlid^ bur^ bie Slntife Beeinflußt n}urbe. 

Um bie äRitte bed 18. dol^ri^unbert^ n>ar bie italienifd^e Sunfl nal^e 
baran ju Derfiegen. (£rfi je^t brangen bie antifen formen mit SKoc^t in 
bie ^l^ontafie ein, ol^ne Sßiberftanb ju ftnben. Sktd man Bidl^er fttr mobeme 
gortBilbung ber Slntifc gel^alten, erft^ien att ffintfieüung, ate wibrige Ser= 
mif^ung; il^re )>ermeintli(l^e S^rocfenl^eit unb $alte atö ber tooiffxt ^lafHfi^c 
StiL ^ma erfienmale traten ftc^ SWobeme« unb Slntifeö aW jn>ei grunb= 
öerfc^iebene, feinbfefige ©cfialten gegenüber: ber SJcrgleid^ fiel burd^gel^enb^ 
3um iRad^tl^eil bed SKobemen oud. 3n jerrütteten Staaten entfiel^en bie 
Uto^}ien ; in l^albbarbarifd^en unb aufgelöfien @cfeflf(^aften ergeben fid^ ^eroeu,, 
tßro^jl^eten unb ^eilige ; bie tinbl^eit ber 9taturtoiffenf(^aft l^atte ben ©eniuö 
ber 9iatur^)l^ilofoi>]^ie. SBindelmannö Seigre ate ^)ractifd^er SBorfd^lag betra<^= 
tet ifl eine filnfitcrifd^e Uto^it, wie ber ©taat $lato'ö ober ber beö 2]^oma^ 
üRoore. 9tationaIeigent]^ümIid^!eiten, ^rf5nlid^e Steigungen tt)erben ^rl^orre^^ 
cirt, bie 9latur felbfl ifi eine aWad^t, bie l^alb erleuc^tenb l^alb irreföl^renb ifl^ 
unb ber man fid^ nid^t ol^he gel^örige $rafert>atiöe übertaffen barf; „®in= 
l^eit" ifi ja ba^ ®c^lagn)ort aHcr ®<i^n>ärmcr unb ©^fiemmod^er; Sarbc^ 
Seleud^tung, äffect, baö ©innlid^e in ber ßunjl tt)irb rigoriflifd^ ejnlirt 

2)ie mobeme Äunfi l^atte fld^ aufgelebt, unb nid^t« nxxr natttrtid^er, aU 
bafe man fie burd^ ba^ SWebium beö legten SSerfattö fal^. So toar eine ^txt 
ber (S^>igonen, ermattet, niebergebrüdtt t)on ber reid^en SJergangen^cit, i^e 
(Stimmung bad ©egentl^eil ber eroberung^Iufligen Eingabe an bie Statur in 
ben fd^ö^>ferifd^en 3^^^^^- 3Kan erinnerte flc^ einer gemeinen Statur in bcn 
geifhei(^=c^nifd^en 'ißöbeifcenen ber fogenannten 9taturaUften; man nat;m auc^ 
bie ^autfalten, ©rubelen unb fonfiige ftittofe ÜRinutien ber Silbl^auer fttr 
Staturalidmu^; man lannte ba^ milbe, n)unberlid^ 9laturell l^oQSnbifd^er unb 
tt)elfc6er Originalgenieö; man fal^ immer berber in ben ©emälben flämifc^c, 
nea^)oIitanifd^e, l^ifjHxnifd^e unb gaßift^e Statur fi(^ breit mad^en. SWun erft^icn 
t)on ber gacfel ber SBiffenfd^aft belcud^tet, bie ©ried^cnhtnfl in att il^rcr 
fernen ®Iorie. ©oute man annel^men, baß t>on ber fid^ felbfi unb ber 
Statur überlaffenen Äunfl ein SBeg ju biefer ^of)t fttl^re? . . . 

Unb c^ fmb Srfd^eirtungen gcfonraicn, meldte '^biefer '^rebigt t>on ber 
Stad^al^mung ber SlntÜc 9ied^t ju geben fc^ienen. Sindfelmann^ Seigre Icud^=^ 
tete tix größten 6^)od^e mobern^cOcnifd^er Äunfl t>ox. Stod^ öierjig dal^re 
unb man tonnte ju 5Rom au^ bem Atelier eincö lebenben SKeiflcr^ SKarmor^ 
bitter l^ert>orgel^en fel^n, bie feine So^>ien hwen , 938erfc eine« 3Rannc^ ber 



§ 142. md onf bie Stnn^ ber Beit 255 

fo genKiltig fd^uf; fo 3att unb potü^ erfattn n)te itgcnb ein ^tucttt, unb 
in bem bo^ aUcd, »ad man Bi^l^er afö ÜRono^oI ber ©rieben Bcttaci^tet^ 
toicber aufgelegt fci^icn. Sie aWcrfmale bcß ©egriffd ,,mobem" mußten oöHig 
umgeworfen werben. Der ®eifl bed Sebend nnir über bad Selb doU Slobtcn- 
geBeine gctommcn. Sänge fd^on war ber ©cfc^mad ber Slntife l^crrfd^cnb^ 
aber 9Ber!e femer Scrgangenl^ett BletBcn und aQegett fremb gegenüBerfiel^en : 
Xl^ortDolbfen fe^te und in ben (Stanb, fie mit bem 9lei) bed Sebend, ber 
Jieul^eit^ ber ©egenwart berei^crt ju genießen. Cd war norbif^er (grnji, 
Äeuf(^]^eit, Uebecottc Eingabe, bie bad ©ricc^entl^um »icbcr cnoedt l^attc; 
wn ber 9ll^etorif, ber ®innU(^feit, ber ©ejiertl^eit bed Slomanentl^umd rtsvc 
feine @^)ur mel^r übrig. 

Cd iji »al^r, man tonnte aud^ auf ber Semerfung bertücilcn, ba§ wol^l 
noci^ nie bie neuere ^zxt [id^ befd^ieben l^attc, fo mcnig cigned ju fagcn, fo 
wenig wad an bie 3Belt erinnerte^ bie auf bie Oötterbammerung bed Dl^nn>d 
gefolgt war, S)iefe SBcrfc waren wie wunberbar geniale ®u^)j)Icmente ju 
bem großen (Sf>od ber Sntife, oieOeid^t nid^t ganj gleid^Iautenb mit ben ocr= 
loren gegangenen Il^eilcn, üießeit^t ol^nc bie Siaturfrifd^e, ben Sebendl^aud^, 
bad ii^ioibucHc ®c^)rage ber Urbilber, oieHeid^t au(^ reiner, jarter emi>fun= 
ben ; aber il^rer (Bpxad:^ , il^rcr SJI^^tl^men ooßtommcn ma^tig. Cl^fcifd^e 
©chatten finb ed, bie in einer flarercn, fid^teren Suftfd^id^t ttber bem 8cb(jn 
fd^weben. aber ol^nc jene ©elbjteerlaugnung l^ätte man fol(^ed ni(^t erreid^cn 
fönnen. Dl^ne bad Srtöfd^cn ber mobemen SSilbl^auerei, ol^ne bie Untcr= 
brcd^ung il^rer Srabition, ol^ne bie ganjlic^c Äbfcl^r oom ©cfd^madt ber te(jtcn 
Sal^rl^unbertc, enblit^ Wol^l aud^ ol^nc ben (Eintritt bed 5Rorbend, ber ungc= 
l^cmmt bur(^ eigne Äunfttibcrlieferung, frei, offen unb fraftboH bie neuen oon 
ber ffiiffenf^aft oorgcjeid^neten Aufgaben angriff — ol^nc bieg attcd l^ätten 
wir bad ffiunber ni(^t gel^abt. 

®efe^t aber felbfl (wer weig ed?), ed Wäre unfrcr ^nji nid^t befc^ie= 
ben, biefen Ärängen noc^ weitere l^injujufügen , weitcrjugcl^en auf bicfcm 
SSJegc: braud^en wir benn nad^jual^mcn wad wir l^errlid^ pnben, mttffen wir 
werben, wad wir bewunbcm? 3n jenen bcbcnflid^en SReben oom „^inaud= 
gelten über bie 5Ratur" fann auc^ ber unwiberflcl^Iid^e 3<^w^^^f ^^^ unerrci(^= 
bare ^öl^e ber ©ried^en audgebrücft fein. ®ie. Welche ber Äunfl il^re äuf= 
gaben fo ^odf wie möglid^ gefteßt, befagcn bad ©el^eimnig, und in ftnnlic^en 
©efialten ia^ ©ilb einer ÜRenfd^l^eit ju jeigen, beren Änblidf unfre Segriffe 
oon ber ®rö§e unb bem S&el ber SWenft^ennatur in ber iH^at ttffb^t S)iefe 
©ejtalten erfc^cincn und wie Srinncrungcn cined oerlorcnen 2)afeind, bad 
bem göttlid^en Urfprung unfrcd ©efd^Ied^td näl^er flanb. "S^a^ SSolf, in bem 
fie il^re lebenbigen Wufter Ratten, iji für immer aud ber ©efd^ic^te t>er= 
fd^Wunbcn, feine fxttlid^n 3bccn, feine ©ewol^nl^eiten , fein ®laubc, fein 



256 ^to^Xt!^ ®ud^. XI. 2>ie <9cf4i^te txx tunIL 5. aufita^me unb Clmivirtung. 

Snßanb ftnb ein ©onjed^ Don bem unfre Sultur ftd^ immer toeiter entfernt. 
STber i^re SBerle Eonnen fttr und bod ^ikiftfte Bleiben, tiHid ber menf (l^li(^ 
@eifl in ftd^tboren formen gebockt l^ot; unb toir bürfen und glftcflic^ greifen, 
)Denn toir tDenigfiend t)on ernten, bur^ ©tubium und ollmäl^In^ biefe t)erx 
lorene SBelt cmffd^Ue^n. Ol^re 2rümmer finb 9tefie einer DffenBarung, bie, ■ 
»enn fte gon) untergegangen loarc, feiner mieberfinben n)&rbe. 2)a^er{inb, 
il^re Üeinflen 9te{le unf^o^Bor; ber Befd^rSnftefte SlrBeiter an iJ^rer £nt=| 
bedung unb Qntjifferung barf ftolj fein, an einem SBerl ber ^umanit&t mit=' 
}u]^elfen. Unb ton biefen heften fallt benn aud^ ein ttm>erganglid^r @Ian} 
auf bod Su(^; beffen audf&l^rlic^ Sef^re^ung eben in biefer Sebeutung bed 
@egenf!anbd eine Sntfd^ulbigun^ finbet 



§ 143. 
S)ae daBr 1764. 

^oUte man in bet JlunfleBbc be^ ad^tgel^nten dal^ri^unbertö ein dal^r 
nennen, meld^e^ ben tiefflen @tanb unb folglici^ ben SBenbepunft Bejeid^net 
()(oad bo<J^ bei bet Siel^eit ber l^ier neben etnanbcr l^er^^ ober nic^t paxoütU 
Imifenben (Sanfolteil^en ftrenggenommcn nid^t angelet), fo toötben mand^ 
(Stttnbe fax bad 3a^r bed Stfd^einen^ bet £itnflgefd^i(i^tt j^red^en, alfo bed 
SßtM, bad mel^r al^ iigenb ein anbere^ über bie le^ ^t\t ben ®tab gebto= 
d^en unb bie %ugen fttr neue Sßal^r^iten geöffnet ^at. 3Bie in notbifd^en 
@onunem&l^ten bie le^ten^Sid^ter ber untergegangenen ®onne fld^ mit ben erften 
ber oufgel^enben ))erfd^me]^n, ^Sl^nlid^ ift e^ mit ben 9i&^ten im Kulturleben 
ber »öBer. 

SBir fel^n in biefem 3cit1>unft eine Sleil^e ©röfen, ttjeld^ ber legten 
•JJeripbe l^öfifd^er Äunji ben 9iamen gegeben l^atten, öerfd^toinben. a)er 
föd^jlfd^ ffi^urfürfl, h)eld^er iCreÄen gur glanjöoßen 3Retro^)ole ber Äünfie in 
iCeutfd^lanb gemw^t, flarb balb nac^ bcm äuögang bc« Äriegö (ben 5. Oct 
1763); unb n>ie mit i^m baö ,,augufleifd^ ^ütalt^" ©ad^fen§ enbigte, fo 
n>ar ber lermin fftr bo« 3«it<^lter 8ubtt)ig XV ber SEob ber äRarquife oon 
^m<)abwtr (15. Ws^xxl 1764). „mi^ bleibt twn biefer grau, fc^rieb bamatt 
©iberot, bte un« SWenfd^en unb @elb au^gefogeu l^at, bte unö ol^ne ffl^re 
unb Äraft jurüdttieg unb bie ba« ©toatenf^flem (Suro<)a'ß umfillrjtc? S)er 
Vertrag t>on Serfaille«, ber folange bauem wirb ate er fanu; ber Amor 
©oud^rbon'fi, ben man etoig bctounbcm njirb, einige gefd^nittenc Steine 
@ua^'«, »eld^e bie Antiquare ber 3»*inft in Staunen fc^en tt)erben, ein 
l^übfd^ Silbern »anloo'Ö, bem man gutoeilen einen »litf fd^enfen mtrb, 
unb ein Raufen äf^e". 

Sinnen folgte @raf Sa^lu« (5. ®e)>tember 1765), über ein iKenfc^enalter 
in $ari« ber StrSger ber «rd^aologie, in ber l^iflorifd^en Betrachtung 

3ufii. BHiUEelmatuun« 2. 17 



258 3^te9 en6f. lU. 9{o<^tT&ge unb iRad^llSnge. 

SBintfcImann« niäffttt »orWnfcr; ferner ®raf «Igarotti (3. SRai 1764), 
bieg leBenbige S5anb jtoifd^cn Otaüen unb ben norbifc^n ^6^n, ber Kugufi III 
fo mand^ ^rle berf^fftc, ber lifc^enoffe Sriebri<^ II; Coric »anloo 
(15. dult 1765), Premier peintre da Roi — et de la naturey nne man 
bomaU fagte, tel roi tel peintre , tote e« l^ute l^etgt; Stetig SRid^I ©lobt}, 
M ftnabe »egen fetner Qngetögef!att mit Blonben l^aren SRic^l^Xnge 
genannt, woran« bie grennbe f^patcr einen jttjeiten äRid^elangclo mochten; 
»on il^m UKir in ®t. "^eter bie ©tatue bc« 1^. Sruno jnrttdgeMieBen. (gr 
foUte bie (^tmare bc9 nun »ergangenen Qtxtalttt^ t>em}irirt(^t l^Ben, ,,bie 
eble SEBal^rl^eit ber Statur mit ben fd^dnen formen ber Xlten unb Semint'« 
»erftt]^rerif<l^ ®rajic ju oerfd^meljen". 

«ber gu glcid^er ^tit txffobtn f\6f neue ©efiime am Wanbe be« ^orijont«, 
ob jnxir wx!^ SRiemanb al^nte, loeld^en Olanj fle einp t>erBreiten »ttrben. „Sn 
ber StBIioteca Sggeltca, fo erja^lt ba« rdmifd^e Diario oom 1 5. @e)>temBer 
1764, am 2)onnerflag Vormittag, Beftanb @ig. Snnio Duirino Si^nti, ein 
JhtaBe oon 12 Bid 13 Oal^ren, mit großer ©eiftedgegennKtrt unb }ur 9e? 
»unberung ber noBeln, fe^r gal^Ireid^n 3u^^^^^<^f^f eine Bffentltd^e ^rftfung 
in Trigonometrie, ftegelft^nitten, ülgeBra, 3ntegral=, 3)ifferentiat unb (Sfp^ 
nentialred^nung; mit t^eil^eit für debermann, il^m fragen üorjulegen üBer 
bie KufIBfung unb (Demonfhation ber £]^eoreme unb ^oBIeme ber eBenen 
Trigonometrie SBolff«, üBer ®ranbi'§ tcgclfd^nitte unb bie 86fung aller 380 
(inal^tifii^en ^roBIeme, bie ber genannte S$oIff Bel^anbelt. Xuf aOe il^m wn 
terfd^tebenen lunbigen Seuten gesellten lateinijd^n fragen antn>ortete er fo 
geleiert unb gaB fo flare 99cn)cifc feiner großen ®aBen, bag er ben au^er= 
orbcntfid^flcn SBeifaH erntete, Befonber« oon ben Sarbinalen ©aHi unb gan= 
tujgi, »eld^e ba« (S^amen mit il^rer ©cgcnnxirt Beel^rten, toie aud^ Derfc^iebenc 
^ralaten unb 9{eIigiofen t^ten, n^eld^e bie l^mien Kemter in il^ren £)rben 
cinnel^men." 

3n bcmfelBen ^Bp 1764 »anbeltc ein 22ial^riger Jüngling, ein 
9tomagnoIe aud ©aotarcangelo , }um erftenmale ßaunenb unter ben Sogen 
befi Soloffeum«, unb fol^ l^inauf ju ben granbiofen, vertieften ä^^len ber 
9tuinen, in meldten einf! längf} au^geBrod^ene 3RetanBu(!^flaBen geBettet ge? 
»efcn toaren, ^txltn, für bie er einfl neue gid^ter auffiedfen fottte: ®ae« 
tano SRarini. 

3m fetten Oal^re crfd^ien ©eccaria'^ SSäcrf t>on SJergel^en unb ©trafen. 
„9htn, rief man trittmi)]^irenb gu $ari«, l^at bie ^>]^iIofo<>]^if<^ ©Sl^rung bie 
Vfytn üBerfd^rittcn unb rtttft bem ^eerb be« HBerglauBcn^ nal^e. Da« 9iei(i^ 
bcö Unfinnö brol^t oon aflen ©elten ben ä^fftnimenflurg, unb toenn bie 8er= 
nunft enbli(^ il^ren ?Iafi einnel^men fottte, fo müßte e§ un§ leib tl^un, gu 
frül^ in bie SBclt gctommen gu fein". 



S U3. 2)0« 3a^t 1764. 259 

9n ^xÜ i)Mt man bie er^aBenfte ®d^ö))fiuig bed ®emud ©lud*«, ben 
£>q>]^ettd; unb ber (Sa)>eametfteT SRojatt üon (SaliBarg Ue^ feinen {leBen- 
i&^tigen ftnakn (Eoncerte geben, in n^eld^cn man, toie ©rimm j^rieb, 
„iHiSifft l^attc 3U glauben, nnid man mit eigenen Xugen fa)^ unb mit 
eigenen Öl^ren l^örtc". 

Sbet ber neue Xag ber ftunfl UKtr nodf fern: Sanooa n>ar erft oier 
dal^r alt, Jll^ortDalbfen no6^ nu^t geboren, erft gel^n dal^re f^&ter ifi Souid 
©oöib in 9tom erf<i^icncn. — 

S)ie ftunftgefd^id^te nnir bem gttrßen gcn)ibmet, Don bem man l^offte, ba| 
er bie Pflege ber f(^dnen ftttnfle jenfeitd ber Kb^vx in bef onrienerer unb erfolg- 
reicherer Skife aU fein Sater fortfe|en n>erbe, mit bem feine Silbung in 
bcmfelben Soben — einer itafienifc^n Äeife — tourjelte. ©d^on tocx burd^ 
(Srftnbung ber Xcobemie unter ^agebom« S)irection ein neue« ®^ßem ber 
ftunfhoirtl^fd^aft inaugurirt toorben. SSindelmann n>ar ^um Xuffel^ beS 
(Sobinetd ber Xntilen befHmmt, bie Bidl^er ein tobter ©c^a^ gcn)efen nniren, 
nun aber burc^ il^n ein »id^tiged Silbungdmittel totxitn foUten. ^^Les An- 
tiques (bemerfte ^agebom in feinen gutad^tlid^en R^flexions snr r6tat 
pr^nt des arte en Saxe) expoe^es dans un Salon ^ perBonne ne lenr 
ponrroit faire plus d'hooneiur qne FAbb^ W. k Rome, ögalement vezB^ 
danB )a Science des M^dailles'^ Xu(^ fonß l^atte debermann fi<i^ ber 
Hoffnung ttberlaffen, bag gfrtebrii^ Sl^rifHan'd 9iegierung befHmmt fein toerbe, 
bie Sßunben ©ad^fen^ }u l^eilen. S)er SuBUdf ber 3^^yii^S ^^ S)re9ben, 
bei feiner WX^ttäfx oon ÜRftnd^en am 30. danuar 1762, l^atte auf il^n einen 
unaudlöf^Iid^en Sinbrud gema<!^t. 

3)a lam atö Keujal^r^botfc^aft bie ftunbe, ba§ Snebrid^ (Si^rifHan nadf 
nur jmei ÜRonaten unb }tt>5lf Xagen 9iegierung üon ben blättern l^ingerafft 
fei (t 17. !December 1763). „3(^ toeig nid^t, f(^reibt SEßindebnann ben 
4. Oanuar an äBeige, tociiß idf }um neuen dal^re tottnfd^en lann, ba nid^tS 
}tt l^offen ifi, nad^ bem SaH bed ^ringen, ben @ott gum ^il feined SoHd 
mtt gegeigt l^at,'' — eine 9nf))ielung auf SirgUd 9RarceIIu9, bte man fd^oit 
bei SRarcel II gemod^t l^atte, ber nur brei Sßodftn $abfl n9ar (1555). „®eflem 
l^en toir biefe SRad^ri(^t erl^alten, bie mir toie ein ©d^toert burd^ SWar! unb 
^n gegangen if!. Unerfellid^cr Serlufl! burd^ n^U^en i^ juglei^ auf immer 
ton ©ad^fen getrennt bleibe, tool^in mid^ mit l^eimlid^er Serlöugnung aller 
l^iefigen Sortl^eile ein faß unttbertoinbfid^ 3^0 ^^f/ f^ ^^ i^ ^^ ^^^^ 
Stulpe l^Stte oerlaugnen ßnnen, um in ber legten $&Ifte meinet gebend 
nnebemm einen ©d^ulmeifler unb fiinberlel^rer, n>ad mein innerer 8emf n>ar, 
abjugeben''. . . Sffvx }u Siebe l^abe er j[ene§ 0)>f er n>o]^l bringen tooütn ; 
er l^abe eine ftberfc^menglid^e !E!iebe gu bem göttrtd^en bringen gel^abt, „n>eld^r 
baS Sl^nlii^fle Silb oon bem gütigflen ffiefen nxtr. . . $ier ifl nunmel^r meine 



^tte aufgefd^tagen, unb ita<^ Serloft bed anbetungitolb^igeit ^rinjcn^ ber 
jitm $)etl feinet Soltt twn @ott erbten loor, ift fa)l aOe 92etgung für bal 
£aitb . . . terfd^iounbcn^'. 

§ 144. 

Solid auf bte legten 3a^re. 

äBtndelmann l^atte nun bad (efie, bod n)td^tigfte, nKi§ er ber Sklt ju 
fdgen l^tte, gefagt. (Sin 34>n ber SSerul^tgung nm|te ful^ über bie folgenben 
dolore loerbreiten/ bie ii)m xu>if jugegäl^It nxiren im l^ol^en %om; n)emge HHxren 
e9; — litten bie @6tter ij^m bem t|>atgeBomen ©ried^en )tt gefallen fu^ 
tl^red oltgrie^if«^ Sl^octerfel^ler^, be^ 92eib9 koieber erinnert? Sr burfte 
(Anmitn, bag bad <S<^o beffen n>a9 er ber SBelt gefagt, bod (E(^o be^ üxiftaA 
2tt il^m jurftdRd^r(: e^ Blieb nid^t au^. (Seine (Stellung in 9tom ttxtr be^ 
fefKgt; mit ©od^fen n>ar eö Dorbei, bie Sll^ttr 9{ea))eU f(^ien fftr immer Der^ 
fd^Ioffen; für eine 9teife nad^ bem £)flen »or er nun }u bequem, de^t mx 
unb blieb er 9{5mer. 3lber loäl^renb er in dtalien nun gonj ^eimif(^ n>nb 
unb f^ <miif in ber bortigen Sefen>eU aU 6(^riftfieller einfül^rt, toirb er 
}ugleid^ im ^oterlanb ein loertl^er; l^od^gefeierter 92ame, aUe beutfd^en 9teis 
fenben Don a)ifKnction, einige ber geiftig l^od^fiel^ettbfien gttrfien fu(j^n il^n 
im ^lap an ben oier »runnen auf. !Cie n4<I^Pen brei dolore — 1764, 
1765, 1766 — tooren leidet bie glüdßd^fien, an menfdftlid^n Sqtel^ungen 
reid^ßen feinet Sebend. "Slciäf ber legten %nf))annung mochte er nun bod 
JRuber beil^angen unb fid^ t>om Strom, t)om SBinb l^intragen laffen. „3^ 
Ifoibt, fd^reibt er an ÜRari>urg ben 13. ?[^)ril 1765, bie Slul^e, in »cld^er 
einer ton ben fteben SEßeifen bad l^ö^fle @ut fe^t, noiSf t)ieler Srbeit l^ier 
erl^alten, unb ba meine äBünfd^e aSe^eit fel^r magig gen)efen, fo ift mir, n)0i8 
toenige fagen fdnnen ober koollen, bad l^ol^e Soo^ jugefaßen, mid^ rül^men pi 
IBnnen, für mi(^ nid^t^ ju iDftnfd^en übrig ju l^aben''. SBenn er fic^ bami 
in ber Scilla am @ee Klbano'^, unb am m^rtenbennul^fenen Ufer bed latei^ 
nifd^en 9Reer9, unb boft üor bem Zfyox @alara angefu^td bed fernen 
©o<^gebirge« ber träumerifd^en SBonne füblic^r SJatur überließ unb „eine 
ftolje atul^e" genoß, bann fagte er ftd^, er lebe bod^ nun, „tt)ie er e§ fu^ 
el^maW nid^t in Sträumen tottnfd^en Bnnen"; er fal^ ein, toie l^ier in 3taKen 
„aflein ber einjige ^afen feinet »nl^c ju ftnbcn" genjefen. SDicß ©cfffl^I ber 
(Sabbatl^ru^e, ber «benbfeicr ttm fo über biefe legten Oal^re beö nod^ frfif= 
tigen SKanne^ verbreitet, baß er fld^ eine Knbad^t^fhtnbe t&glid^ oudfe^te: 
„idf bringe eine l^albe @tunbe yx, ol^ne ju arbeiten, unb biefed ift bed 
SRorgen^, loo id^ meinem ®VSd nad^benfe. Sei biefer Setrad^tung fmge ic^ 
fteber au« bem lutl^erifd^en ®efangbud^, n>ie mir biefeften einfallen, unb bin 



§ 144. md anf kne testen 3al^re. 26t 

in btefem Sbtgenlfidf t)eTgnflgter (M bet groge SWogut . . . Die ganten, 
bic ttcr 3ttfricbcti]^ctt tnoraliflrcn, fotttcn ju mir totntncn unb lernen''. 

Diefc feine 9ttä}t »äre inbe^ für mannen cmbcm ßlcid^Bcbcutcnb mit 
«ragefirengtcr 2:]^Stigfcit getocfen. S^foox glaubte er guroeilen, er njerbe nun 
We geber feiern foffen. „1>xt Wdt, f<l^rieB er am äbenb beö I763fiett SoÜfc^, 
xfi glinq>fli(l^r mit meinen Sachen t>erfa]^ren, aU fte ed t)erbienten, id^ foK 
mid^ aBer erinnern bed 

Solre eenesccntem mature sanus equum.*' 

StBer xotan man nnr feine eigne Sergangenl^eit beerben fönnte! 2)ie 
frttl^en Saläre l^atten il^m fo mand^ed ^roject t^ererBt, bag ba9 groge äßerf 
famn aBgetl^n n^ar, fo nKtren aud^ fd^on brei anbere an feinen $Ia^ gerftdft^ 
mtb nid^t ^rerga unb ^ali)>imtena. Ouantttatit) n>aren biefe legten dal^re 
bie fmd^tBarflen. Da nxir fetn (£nbe aBgnfe^en, ber Sj>b aDein lonnte ein 
(Enbe mad^en. 3^^ '<^ ^^ ^ ^^ Deutfd^Ianbf n^urjelnber $Ian an 
bie 9teil^e. Son ber SrBeit an ber ^nflgefd^it^te l^atte i^n bie SBfenbung 
bed 9Ranufcrq>t9 feinedn)eg9 erlöft: ein fo^cd 9Berf nnrb jum @d^id(fal: 
ed tendiert im @eif}e fort, Befonberd in einer gttnfKgen 9(tmof^]^&re. ^totx 
Qofyct nad^ il^rem (Srfd^einen folgte il^r fd^on ein pmM 9Ranufcrt)>t, n>el= 
d^ed bem ^Blicum bie nad^gelommenen (SinfU^ten mitjutl^etlen eilte. üDa» 
mit nol^m er t)on !Z)entfd^Ianb HBfd^ieb: bod nSd^fie 9nd^ — fein itrnM 
|iau\>t»erl — loar in italienifd^cr ©^rad^e, fttr italienif^e Oelel^rte unb 
Ännpfreunbe gefd^rieBen; cfi leiflete il^m baffelBe fttr feine fiterarif<^ ©teDung 
in Selfd^Ianb, n)a§ jened fftr bie ^eimotl^. 

3)ie HrBeit an biefen SBerfcn nxir eine Bequemere, leichtere, oergtid^ 
mit ber Soncentration , au^ ber jened erfh ]^en>orgcgangen toar. @oU^e 
Segnungen verlorener l^ol^ Silber ber ^nfi, fol^e l^inien t)on SReijierl^anb, 
bie au6 ben Irümmem unb SReBelji, »eld^e bie 3^^t üBrig gclaffcn, eine 
©eflalt l^ertorl^olcn, jene« 9lingen mit bem ÄünfHer in bid^terifd^cn @j>rac^- 
formen, — biefe l^W^pen ©eifle^frSfte »aren l^icr »enig im ®pul; er fttl^Ite 
ba^ ber feine Oeifl, ber il^n cinfl in Setrad^ung ber ftunfi erl^oBen, »erraud^t 
war: bie foTgenben SBerfc jinb ÄrBeiten eine« ©ammicrö: 3Ber!e, n)ie jle bem 
gorfc^er, ber ein gro§e« unBelannteö ?anb fid^ eroBert l^at, ueBenBci jufaBcn. 
©efd^ricBen »urbcn flc inmitten larmenber ©itteggiaturen, in Stunben jtoifc^cn 
ben ®iri mit großen Ferren. 3fene Sorge, ic^ »iß nid^t fagen um bie 
JRit^tigleit ber Cinjcltl^atfad^cn unb jHlifKfd^e SJoÜenbung, aBer um fhenge 
äu^ttjal^l beö Scbeutcnben , um Änjtterifd^e Oanjl^cit, jie tritt jurttdt. (£r 
barf ftd^ jeftt ethxifi ©elBpgefttl^I erlauBen ; ber 5ttame bcö Scrfaffer« fei üBer= 
flftffig, Bemer!t er Bei einer ©d^rift, ,,ba er l^offe, fenntti^ genug in ber 
©d^rift JU fein". <gr fd^eiBt nic^t mel^r tt)ie einer, ber »ci^, baß bie SBelt 



\ffm mif @tnn9 biefef Bn(i^ erfl feine Xcmgortimig in i^rer SRebnng 

@o loenig ferne Snfere Stcanng ond^ )e^ eme güSnjeiibe eto fel^ 
f^ete nmiu, — ,,!aitm ^oBe vS^ ba6 Stetige eilaiigt, vsib xotx )oei| koic 
lange t(^ ed gentefe'' (28. damtar 1764): fü ^otte er M^ otel ton bcnt 
xo^ XkA menfd^ftt^ ^etj reeOed nnb etteM gn kg^ien ^egt <Sn 9tnf 
bet t^n n^ etitnml 9tont }n entffi^ren brol^te, effenboite nne fe^t nen tl^n 
in 9{mn f^^^te^ Bi^ ^inanf jnm ^ßoBfl: nene l^o^ @onncr famen jnni 
Serfi^n. 2)ie SetKnbnng feiner amtfiil^ StcUung mit bem f^^rtft= 
^elletifd^ 9tn^ gai i^ eine tntematimiole ©teOnng, ott gfi^ ber bnti^ 
@tanb nnb @eiji an^ejeid^netcn grrentben oOer ^anfjOL äRonatelong ttxocn 
benlfi^ 9&tflen fein taglii^ Umgang, feine dftnger in ber finnfL Sine 
fmn}9fif<^ ©efeOfi^ !am, bie i^n IbefHmmte, feine Segriffe Don biefer 
9{atiim Don iShmnb coA yx tefonrnren: Balb boranf Befd^tof er, ba| fein 
8eBenftoetI in ber neuen @efiaU fran}5f{f(^ erfd^inen fcOe. 3)er grB|te ^fftrft 
ber neueren 3^^ tDoOte il^n in feinen 3)ienß }id^. 

SBer nnfer ^eunb l^tte feine Section in ber @(^nle bed SeBen^ 3U 
grftnblid^ bnrti^gema^^t, ald bag il^m foU^e <2h:foIge l^Stten gn fto)>f fieigen Bnnen. 
(£r l^tte ein n>enig gelernt, ed fü gu mo^n n>ie bie artigen ftinber 6)>ictet0 
an ber Xafel bed SeBen^. S)ie @cala ber @ftter, bie er fi(^ geBilbet, mar 
nid^t bie in ber großen äBelt angenmnmene. 3)er t)ertraute Umgang mit ben 
gttrflen mar i^m ,,eine gro§e @<^ule ber B^fricbenl^eit''. S)cr SEBerÜ^ »ieler 
2)inge erBIagte in ber yt^t, nur ber ^eunbfd^ft BGeB er treu ol^ne äSBanlen : 
,,ybxvxMiift l^aBe id^ meiter nid^td ttBrig, unb ale 3)inge finb mir gegen bie 
Sfreunbfd^ft gleichgültig'^ 3)a§ er ol^ne aHe gctmitie bafianb, fc^eint für i^n 
nid^td nieberfd^Iagenbed gel^Bt }tt l^aBen : „^^ meine (ErBen Braud^ id^ nid^t 
2u forgen, unb ba mir eine unenblid^ (Emig!eit merben emftl^ft fein mttffen, 
fo miO i^ in biefem SeBen nic^t ben Skifen anfangen ju mad^n, unb 
t)ieOei^t lommt ^& bal^er, bag id^ nid^t fd^cine ju beraltem'' (15. 9Rai 1764). 
®ein @IüdE gli^ einem fonnigen $erBßtag, bie (Sommerfd^müle mit i^ren 
SBettern mar öorBci: — Äul^e ber »ejlgnation, ftftl^Ic ber Semunft^ Hare, 
farbige 8anbfd^aft«BtIber. 

« § 145. 

©erfud^ einer Allegorie. 

I. (Sntfiel^ung unb Xufna^me. 

S)te SrBeit be^ dal^re^ 1764 mar ber ,,Serfu^ einer HKegorie, Befonberd 
für bie Jtunji, ber »nigl. grogBritannifd^en ©efettfd^aft ber SBiffenfd^ten auf 
ber Berttl^mten ttnit>er{ität ju Hattingen gugeeignet'^ Sd mar t)on aQen 



S 145. Sctfu^ einet KSegovie. 1. (SatfUl^ung unb Stufnai^me. 263 

feinen Ktetcrrtfc^en ^ISnen ber ältefle, er l^otte tl^n au9 2)¥eft)en mit mif 
dtdien geBroci^t; <uu^ bie )>ractifd^e SObjmecfung ftimmt mit ber S)re%ener 
(Sd^rift. ^,d<!^ l^be auf biefed 9BerI gebcui^t, el^e id^ nac^ dtatien gegangen 
Bfn''. dn ber „^laifoXfrmm^'* § 163 Begegnet un9 bie 3bee eine§ folgen 
SerM fttr ftilnfller, einer aud biil^terifc^n, )>]^ilofo))]^if(i^en unb artifHfd^en 
OttcOcn ctOa 9S0tc alter unb neuer ^tit gef(j^ö)>ften, n^ol^lgeorbneten Wlt^ 
gorienfammlung, neBfl ©eBraud^mpeifung — , ein ungel^eurer $Ian, ber 
l^er freilid^ in fel^r rebucirter @ejialt jur Sudfft^rung gelommen ifi. 

3uer^ im duni 1759 mad^t er bie SRittl^eilung bon ©tubien ju einem 
,,Serfud^ ber SQIegorie für SünftUx'% unb pm an einen ihtnfhnann bed 
S)redbener ^eifed, — au9 bem ja biefe 3bee ftammte. ^gebom n)ar aud^ 
ber einzige, bem er \p&ttt (Sinfld^t in ba^ aRanufcri)>t geftattete, ttml bie 
©d^rift ,,anejeit baBei gewinnen n>erbe". Auf @runb jene^ S9rief§ l^atte 
^ageboin in feinen „SBetraci^tungen^' (1762) Hoffnung gemalt, ,^iefcr fienner 
bed Slltertl^um^ unb bed ®d^5nen toerbe^ fo oft er tüoüt, toxt ein l^nniBal 
Saro DormaU ben ©eBrübem 3u<^^^ (•)/ bie (Erfinbung unb SRül^e bem 
^nfUer crleid^tem Knnen''; er ertoortete Don il^m eine SerBefferung ber 
9li))a'fd^en dconologie. XBer erfl brei dolore f)}&ter erfSl^rt man: „Siii l^oBe 
je^t angefangen, an eine KSegorie für fiünßler 3u beulen^' (27. 9tot)emBer 
1762). 92un, nad^ SoÜenbung ber ^nßgefd^i^te, legt er emfllid^ ^nb 
an ben aBf^Iug bed SBerK, baS ,,mele da^re ]^inbur(^ eine 9ZeBenBefd^äfti^ 
gung für il^n getoefen, — an baö er neun Oal^rc gebadet, — an bem er, 
folange er in 9tom fei; nad^ unb na(^ georBeitet l^aBe'^ Unter foU^n 
ttmfl&nben burftc man gen)ig minbeften^ eine gro§e SüQe bon SKaterial 
ettDarten 

Sine Seranlaffung g^r S3efd^Ieunigung lag üieSeid^t in ber 1763 bon 
bem 99nd^]^anbler Sofiantini in Perugia angeKtnbigten unb oon bem SBate 
<£efare Örlanbi aud germo, bem Serfaffer eined SEBerM üBer bie ®tSbte 
Otafienö (1772—1776) BearBeitetcn, ocrmel^rten ÄuÖgaBe beö juerfl 1593, 
bann 1603 unb oft erfd^ienenen Ki^a'fd^en äBertt (Iconologia accrescinta 
d*annotazioni, e di fatti da C. 0., in fünf Ouartanten, Perugia 1764 — 1767), 
eine 2^atfad^e, tveld^e bie O)>)>ortunitat bed Untemel^mend Bereift. 

S)ie aeftimmung fttr ^nftter nKir üon (Einfluß auf bie Sel^anblung. 
Qx glauBte, „nü^Iid^, Brauc^Bor unb leidet'' fönne fie nid^t burd^ „allgemeine 
Betrachtungen" tocrben, fonbem „burc^ Ängeige ber Beflen ©itter". !Die 
2:i^rie ber SOIegorie fd^ien il^m mit jener aftl^etifc^n Seiftung bom dal^re 
1755 erlebigt, bc^ @ammelintereffe toar borl^fc^nb, jebe Sermel^ng feinet 
9tegifier^ nxir il^m bamald intereff anter, ate eine SBnSrung ber Segriffe, 
ober felBfi eine critifd^ ©lieberung bed fel^r Bunten ©tbffd. <Sr entfdftulbigte 
fid^ bamit, bag „ein^ ))]^iIofo)>]^ifd^ 93etrad^tung üom äBefen unb ®runb ber 



264 3>v«te0 ^4. m. S^ad^trfige itnb ^tOfOSn^ 

XSegotU bte gonje ®(j^nft mel^ einer aObl^aiiblung att (Sammhtitg S^nfid^ 
gcmod^t l^Ben n>ttxbe''; toenn %TwHt ben @til ^^nid^t fo angeitel^Tn unb aiif= 
gdeeift'^ fonb, mt frül^er, fo entgegnete et, ,,cin gcl^rBttd^ mttffe fo fein: 
ber Sertl^ bet a^l^ori^en be§ ^i^piyoctated Beftel^e in bet tftt}e unb (Sinfalf '. 

3m elften 6ntn«rf Don Änfong 1763 nnir bic ©d^rift ^,Hein", jtoet 
(&tt^td, wn bet XUegorie bet ®ricd^ Übttf)ccapt, unb oon ber ber Steueren. 
(Sr boii^te fte äRengd jujufd^reiBen, omi beffen Urtl^eil unb ^ifaO bie Hu^ 
fftl^rung be£ „(imbxtfo'' crlftl^angen foSe. SUd bie ^nftgef<!^i(^te gar niil^t 
er^einen totOtt, badete er fie ind dtoßenifd^e *}u überfein uvb felbfl )u 
t>erlegen. iSr l^atte e^ getl^on, f(!^reiBt er SRurra^, ,,n>enn nii^t tl^eitt bie 
Siek be§ Soterlonb^, tl^eild eine Seine (gtelleit ber 93en)egung9grttnb gemefen'^^ 
nfatlid^, „ben Sentfd^n etmad ju geben, tocsS unfere %ad^Bam ni^t auf=^ 
»eifen Bnnen". 

SßSl^enb feiner freitmUigen (Einfomfeit in ber tollen SiOeggiotur be9 
Sonnttcrfi 1763 Bringt er ben (gntwurf ,,in eine gong anbere gorm, — fo 
bftg ed je^t ein Beträc^tlid^ö Sßerfd^en in aObfid^t ber ©rö^e ift". 

dn ben n>ie intmer anwerft l^Sufigen (S^^^ctorationen tt)ä]^enb ber jtoei^ 
jSl^gen Xrieit Benterft man ncBen ber entfc^iebenen UeBerjeugung i>on bcm 
Sßcrtl^ feiner Seifhmg, fortn>al^renbe klagen UBcr bie 9efd^n)errid^feit ber 
ahrBeit, — eine UeBellaunigfcit, bie bem S5u(^ lein guteö ^ognofKcon fleDt 
nnb al^ i^orol^nung ber Iftl^Ien Hufnal^me Betrad^tet n^erben lann. (Sr ifi 
frol^, baö ^^mül^foine 3Bcrf", ,,biefe il^m fauer geworbene ärBeit, üBer ber er 
folonge gebadet unb gemortelt aU er in dtaGen ifl'^ fld^ „t>ovx $ate gefd^offt 
jn ]^en^^ Qtow i{! er üBerjeugt, nic^t nur bag „untnVlxi^ oiele 2)inge 
in ber ©d^rift erflärt feien", fonbem bo§ fie ,,feine Bcfie ärBcit" fei; Bes 
forgt aBer, bag il^m bad ^uBIicum feine WX^c nid^t geBül^renb bauten n>erbe. 
„9Reine XrBeit ift üBel angen)anbt". (£r miU mit biefem Sud^ oon Deutfc^- 
lottb SlBfd^ieb nel^men. (Snt)>finbli^ ttBer bod Su^BIeiBen be^ S)anU für bie 
Serg'fc^ ^\i\6^xx% jiel^t er bic SBibmung an 9Weng« jurüdt, eBenfo gicBt er 
e§ auf, fie (»ie er im augufl 1764 BeaBftd^tigte) „ber in ©ad^fcn ncugeflifteten 
Xcabemie ber fd^^nen fünfte }U3ufd^reiBcn". äRürrifd^ Berul^igt er ben Ser- 
bger in Segug auf bie nxdkiäft entarteten SlutorBcIäfligungcn unb l^inlenben 
Soten: ,,3Rit äntotinfd^ung eineö gefegnetcn neuen 3a]^rcö üBerfenbe id^ 
dienen bad aRanufcri))t oon ber XQegorie, fo ba^ nid^t^ boran mangelt, unt> 
id^ toerbe ouc^ feine 3«f^€ einfd^idten ... ber litel toirb gcbrudft, toie id^ 
il^n entoorfen I^Be, unb poax ol^ne meinen 9?amcn, ttjeld^e^ ic^ mir ani^ 
brftdfßc^ auäbitte, n>eil ic^ baju meine Urfac^e l^aBe, unb totil ber 92ame ttBer= 
flftffig fd^einen fann, ba id^ l^offe, fenntlic^ genug in ber ®^rift gu fein* 
& fott am^ fein Jhq>fer n)eber t>om nod^ leinten ongeBrod^t Werben, unb wenn 
fid^ aud^ demonb bagu crBicten woOte, foH 97temanb $anb an bie @^rift 



§ 145* 3krfn4 ehiet VOigom. 1. (Snt^c^img tmb Vufna^tne. 265 

legen'^ jhttj üor^er l^tte er fU^ gu einet Sßitomuttg an bte ®9ttmgcr 
©ocietat entfc^Ioffcn. Auf bic (Sfyct t^rct ÜRitgÜcbfil^aft, fttt bie et am 
30. äR&rg t765 ein lateinifd^d Xianff<^Yetben aBfonbte, legte et feinen gc^ 
ttngen 2Bertl^, et fd^ä^ ftif ißHii^, ,,etnigen »etfott eine« öffentl%n Sd^ter« 
ber fd^dnen SBiffenfd^ften in bem ebelfien ®i^e betfeI6en etiangt }n l^oBen'^ 
-*- (St etl^telt 30 Qtifvntn ^onotat nnb }n>ölf Srete|:enq)Iate; bat)on getft^tte 
eine« natütlid^ bem ,,toötbigen ^tofeffw Ocfet", ein anbete« bem ,,t«(i^ 
^affenen^' Stanfe^ ein btitte« O. dciltu«. Qxfi im dnli n)utbe et Bctul^igt 
ttJet bie gntd^t, ,,ba6 baö aKonnfcti^Jt SKobet obet genet öctjel^tt"; oö im 
Wcci 1766 bie (S^m))Iate einttafen, txm et anfangt übet ben frönen Dmdt 
,,ttngcmcin betgnügt'S aBet biefc Stenbc betbotfcen bie ÜDtudtfe^Iet; bet 
Sortectot l^aBe nid^t grie^ifd^ lefen IBnnen, ,,n>a« mid^ an einem ®ctij/itn' 
kftentbet; benn fein Satetlanb l^at et oettatl^en bntd^ ^cttoed^Iung bc« 3) 
unb Z, & ip olfo alle ^offnnng betloten, fc^fiegt et Bittet, Suchet ol^e 
gtoBe t^el^Iet in 3)eutf(i^Ianb ju btuden, ba nid^t leicht eine $anb{<j^tift beut- 
lid^et ate bie meinige fein tt)itb"*). 

S)a« $nHicum Benal^m {t(^ biegmal rnn fo unlieBcndmihbiget, ba SBin- 
delmonn e« Bidl^t fo benoöl^nt l^tte, inbem et feine Stn^attnngen ttBettvaf. 
3)ie SHIcgotie ma<!^te bi((t leintet bet ^nf!gef(i^id^te Xüxxllvii feine gifte %vgax, 
gang al^nlid^, tt)ie ftd^ in bet Dtc^bcnet gtftting^fd^tift bie Ocfet'fd^en ItSn^ 
meteien ttBet bie XUegotie „oXß bic^tefle ©d^ten^ttie an« (Snbe Iagetten'^ 
Siicmanb entging ba« (Sl^tifd^e unb bod^ iBüdenl^fte bc« aufgel^äuften Sot^ 
tatl^«, unb laum n)eniget am 2:age lagen bie fo gu fagen confUtutioneOen 
Sd^tcac^n bet Kniage. 

3n)at meinte bic 5Reue S5iBliot%f (III, 217), „nod^ Stiemonben fei e« 
geglüdtt, an einet Sammlung unb äSeuttl^eilung aüegotifd^ Silbet mit fo 
bielem (Stfolg gu atBeiten'^; unb aud^ bie $!ei^giget 9?euen 3citungen fanben 
ma« et geleiftet, tto^ aQem, „boc^ n>eit fc^ft^Batet al« alle« n>a« man bon 
biefet Htt Beteit« gcl^aBt l^aBc^' ; allein ein f o BefHmmt Begtengte« 8oB Hang 
bod^ ettoa« n)ic ba« SoB be« (Sinaugigen nntet äälinben. 3)ie SOgemeine 
3)eutf^e SiBIiotl^ef (geg. P.) gaB bie UnguIangUd^feit unb Unfettigfeit tfe« 
9Sctfu(^« gtoifd^en bcn ^tiUn gu lefen : „8« entl^Slt SWatetiaßen gut HOegotie 
fttt Äönfllct, öon einem ©elel^ttcn gefammett, bet gu feigen tt)U§tc, teid^e 
Seittäge gu bem nod^ unboStommenen Softem betfelBen^ biete unb manni(^ 
faltige ©etid^tigungen bon Otttl^ftmetn in biefet SBiffenfc^aft, üBet beten ^n= 
ci^ien man fid^ Bi« bal^in nod^ n)enig Stülpe gegeBen, unb cnblid^ fe^t gtoge 
Xu«{i(!^ten unb fel^t oetnünftige Siatl^fd^Iage fttt benjcnigcn, bet ba« fafi unaB- 

*) (Skteintgt ^on biefen gpledten nnb mit jal^treid^en atogen unb Heinen 3uf^m 
»etmc^rt ifl bie aUcgoric im Sa^t 1S(»7 üon Dr. 2tTbcrt Steffel in 9lom au« mnckU 
mann« ^nbq:em))Iat l^tau^gegeben tootben* 



266 3^t^ ^^* ^^L 91011^% itttb 9UafK&tt$t. 

fäßift %tVb beY alten unb netten XOegime einmal neu buY(^)uaY6etten Suft 
«nb ftrSftc l^akn mö^te''. 

3)er ivoi^fenben 92etgung für düti au8 bem SOtertl^um nutzte ein fo^efl 
SRagajin natftrli^ n>i(Hommen fein. 3)eT ntobemen ^ntafk (bie in ben 
legten gtoei dol^t^unberten au9 eigenen 9)titteln einen SBufl 3U Xage ge» 
flM>ert l^tte, bejfen Itnblxd leinen anbem @ebanfen anflomnten lxt%, att ben 
äßunf^ f)>uTlofeY Sertilgung juni Seßen ber 3lCBi)lommtn) fc^ien (eine ge^: 
flinbere Sta^mng geboten n)etben 3tt Snnen, aU bet ^^gel&utette, rege&nS§ige 
unb emfll^fte ®ef<l^niad ber Berttl^mteflen ^nfKer be9 Xttertl^um^, }u beren 
Selanntfd^ft il^r einer ber größten ftenner t)eri^alf. SBiei^iel S^l^Ier groger 
SReifler, rief man, n>Sren oermieben n>orben, totan fle t^r Urtl^eil burc^ äRufler 
gef^Srft l^ten? 2)ie Su^bger mortem oft fl<l^ unb bie f^Bnften ©teOen, 
n>eit fte bie ^nfl nic^t (ennen, n)ei{ fie oud 9^em unb 92af^ri<l^ten, ni<l^ 
aus Silbern unb S)enbnSIem erflSren^'. 

Da unfer 3^^^^^^^^ ^0 <^^^^ <^f ciBfhracte Segriffe gebrockt toirb, ber 
HQegorie ungttnfHg fei, fo erfc^ien biefe SlBl^Sngigleit att gau) natttrlic^. 
„Sffxt ^crrfd^oft auf ber SBelt ttKtrcn biejenigcn frftl^ren Beiten, ba bie 
Silberf^od^e bie allgemeine ®ptcnSfc n)ar; auS biefen entlel^nten bereite bie^ 
jenigen ^tiicittt, in benen bie fd^Snen fiünfie nod^ ni<l^t oon ben aBftracten 
Sßiffenfd^aften t)erbrangt n)aren unb in benen man no<i^ bie SieBe 3ur Xugenb 
bur<l^ bie ©^Bnl^eit berfelben }u entflammen fud^tc. IDiefe feineren 3^^^^ 
mail^ten au9 bem n>ad loorl^er Blog aBfiracte Segriffe aud}ubrtt(fen biente, 
fmußtl^ fd^Bne SorfleQungen, oerfd^Snerten unb t>erebetten gugleic^ bie SSegorien, 
unb fo flnb fle bie OueOe fon)ol^I aU bie Siegel in ber SKegoric für aOe 
3eiten" (®»ttinger ®. «njcigen). 

X)0(l^ Bemerfte fc^n ^Ut^, ba% ed mel^r loBentoert^e mobeme SQIegorien 
geBe, aU S93. ju glauBen fc^eine, unb ®(^Icgel (ber an Seonarbo^Suini'd Se^ 
fd^benl^it unb (Sitelfeit, an bcffetBen Sl^riftud unter ben $]^arif&em, an bie 
1^. SScilic erinnert) fd^tiegt: ,,!Die S^nfi ber ^{eueren nntr il^m ein oerfie« 
geltet Sud^, fonfi ^tte er feigen Unntn, bag bie grogen SReifier ISngfl unb 
n)eit üBer feine Segriffe geleifkt l^atten, nntd er oon ber 9RaIerei Begel^rt, 
nSmIi(^ bie SorßeUung unffa^tBarer, oergangcner unb juNinftiger jDinge'^ 

9?od^ weniger fcl^Ite ed fd^on bamaU an Stimmen, koeli^e Be^toeifelten, 
oB ber S^nfl oon ber SDegorie ttBer]^au)>t $ei{ erBIül^en Knne. (Sot^Iue 
njoKte au« ben ^nci<>icn ber Älarl^eit unb ^rSdpon, biefer Safl« aBer 
^nfitl^eorie, bie Sermeibung aDer XSegorie oBIeiten. Die ^(äjH ber burt^- 
®ttoo\)vifft\t oertraut unb attgemein )ttgSngIid^ gen>orbenen fei fo gering, bog 
fte gegen jene allgemeine Slu^fd^ßegung leine dnfktn} Bilben lönnten; jeber 
Serfiänbige n)crbe i^m Beitreten. 3)ie ©öttinger fanben bie ffittoartung, 
loeU^e er 00m ®eBrau(^ biefer Silber l^ege, fogor mit feinem eigenen $rinci)> 



§ 146. 8erfit<( einer fOIegorie. 2. Wt^or^dfvc Bettgefd^matf. 267 

in ©trcit : ^.infofem ©d^önl^eit bct ifM^ftc ^totd bct Äunfl tfl, ip bie Söllcgorie 
gar lein ©egcnflanb bcr SWalerci, fonbem BId| infofcm flc in bie ©rengen 
bet ©d^Snl^eit eintritt''. 

Sat nun bie @<i^rift fttr fiünfllet Bcftimntt, fo ^tte man ntd^t nur 
Sei^iclc, fonbem aud^ SJorfd^riften für beten ©ebraiid^ i^^vi^t, (Act getobe 
btefe t)etmigte fd^n ftlo^; e9 fel^Ic eine fefie Sl^eorie cknfo n>te %Wit bev 
ÜDarfleOung. SBindelmann l^otte au^ einet Seu§etung ^nt^ß gcfd^Ioffen^ 
biefe 9tecenfIon bet Acta litteraria (1766. III; 107—42) fei ein ..elften;: 
Tft]^rige8 ^^uiU'^ nie nxtt et fo aufgebtod^t gen)efen^ et fa^ feine „(Sfytt 
unb guten Ütamen, bad ebelfie unb eigenfle ®ut etned c^tlic^n 9R<mne9 
Bebto^t''; et Ilogte e^ bem (Sotbinal, bet ft(^ Beteit etfi&tte, feine (Sfyxt }tt 
ixtt^eibigcn unb ben S3Bfen)i(^t }tt güd^tigen, et ethtnbigte fU^ Bei ©tofd^ UBet 
bie Sßege, SHo^ Beim ft5nige gu Belangen, et xooUtt ^äf an ben ^ttngen fSbtxt 
gu SBien n)enben. Sittet rief et: ,,9ßa9 l^aBe id^ bem $I(^ getl^n, ba vi^ 
laum beffen Stomen gel^Stt? Unb foOte id^ betgleic^n t>on S)eutfd^en ettootten, 
bencn id^ leine ©d^anbe gemad^t l^Be? — UnbanfBoted Satetlanb!'' (Et lonnte 
nid^td BefHmmte^ etfo^ten; bad aBet flanb il^m fefi: ,,l^aBe et fid^ in bie 
ftunfi eingelaffen, ba et nid^td aU ftneflfd^e iDtufd^I))U)>))en in $oIIanb feigen 
Idnnen, fo ))etbiene et una lavatnra di capo senza sapone/' 

S)ie Stecenfton gaB l^ietgu leinen %nlag : Bei bet ^^ac^tung^ooDen 9tttd(fid^t'^ 
bie man in S)eutfd^Ianb gegen il^n gu BeoBad^ten fttt $flt(^t l^ielt, f)>tad^ fl(^ 
9ttemanb öffentlich fo au9, oBmol^I gemig t>iele fo enq>fanben tt)ie ^monn, 
bet ben 9$etfud^ ,,mtt n^enig ©enttge'' ^tte lefen Knnen, unb an $erbec 
fc^rieB : ,,9ß. ift gat nic^t bet 2Kann feinet dugenb mel^t. ©eine l^ifiorifc^en 
unb ))tactif(^n Sinfid^ten mSgen gunel^men, aBet id^ ftnbe nid^t mel^t bie 
)>]^iIofo))l^ifd^e ©alBung unb ba^ SRatl feinet Stfllinge''. Sluc^ Si^tt fd^rieB : 
,^on einem Bud^; batan*et üBet gel^n dal^te geatBeitet unb gefammelt gu 
l^Ben JootgieBt, l^Be id^ mit me^t t)etf<)toc^en". 

§ 146. 
11. 9(negotifd^et Settgefd^madK» 
Sreilid^ ttyax biefed 9ud^ gcfd^rieBen unmitteO&at nad^ einet gtogen Sn? 
fhengung, einet langbauetnben (Sammlung: ein SRoment bet SBf)>annung 
ifi gleic^fam in il^m furitt Qvlx (Etmattung lam bet Setbtug: bie ftunft« 
gefd^id^te nxit lange n>ie lotx^ä^oütn , e9 fc^ien ald n)enn 3)eutfd^lanb feine 
®aBcn ni(^t geBttl^tenb cl^te. (St l^atte untet bet ^nb gefammelt, alled tocA 
im aQetn)eiteflen @inn untet biefen 2;itel gu geböten fd^ien, eingettagen; 
aM et nun batan ging ein 9ud^ batoud gu mad^n, fel^Ite bie Sufi, n)ie 
bet 3lngriff9)>ttnft fttt eine benfenbe ©eflaltung bed (Stoffe : e9 BlieB Bei 
ÄegifietatBett. 



268 Sa^M 9u4. III. iRad^trage itnb dlo^ffänge. 

UeBettoieg glauBte et fi(^ ftftitfllem gegenüber t)on ^^aQgemetnen Se^ 
trod^tungett'' bt^^^ettfircn ^ bttrfen. X)ad 9Dgemeine fei in oDen 3Hngen 
leidster }U fagen, al$ ba^ (Eingelne anjugeBen. St^l^er fei ber jhtnfi fein 
gtoget Sortl^il aud aDen biefen aOgemeinen Setrot^tungen ernxid^fen, bcnn 
bad XOgemeine fei t>0Tnel^ntUd^ für ben Serflanb, bad (Sinjelne aBer nte^r 
für bie Xn^fttl^Tung, unb au9 biefent, nic^t aud jenem n^erbe bie Hnn^enbnng 
gegogcn. (5r üBerfal^, baß allein fofc^e ^rinci^jien ?i^t geBen für bie 8es 
nttl^eilung nnb für ben @eBrauc^ bed d^ODtifd^en SRatertald, ia bag f!e an<^ 
bem äutor allein jur Orbnung feiner ©antmlungen bcrl^elfcn Snnen, b, ^. 
bagu an^ einent 9?egifiter ein ^d^ 3U tnad^en. 

Ättd^ glauBte er totiffl in ber !Ctc0bener ©d^rift genug üBer Allegorie 
f^culirt }n l^aBen, nic^t all}u glüdtlic^ meUeit^t, ober n)enigflend ni^t fel^r 
imgineB, jebenfaü« fftl^lte er fl^ jenem ©ebanfenhciö cntfrembet ÜRan fotttc 
freilid^ meinen, bag er in 8tom jene gum Zf)til gcnj fe^erifd^n ©Sfte res 
formirt l^aBen n>erbe. ?tBer »ie mele ©elcl^rte fangen mit 2)enfcn an nnb j 
enbigen mit ©ammeln nnb Satalogtflren. dbeen fommen il^nen immer leerer 
nnb unfid^erer bor; Qtit unb ätl^em fel^It il^nen, um allgemeine ©efk^tös 
^^unfte an il^re reid^en Sorrätl^e ju Inä^)fcn. 

T»ie ,,attcgorie in ber SWalerei" hjar bamaW ein bielerörterteö S^l^ema 
äfll^etifc^er ßritif, unb biefe aBforBirte ja bamafö mand^e fcl^r gefd^eibte ?eute* 
©eitbem jene ^efi bc« 2Wanieriftnu« bie Äunfi be« 16. Sal^rl^unbcrt« er^» 
grif^n, Wetteiferte bie ©efd^madftoflgfeit ber SRalcr mit berjenigen ber ©e^ 
leierten im golbenen ©Senium ber ^ebanterie in Srfinbung affegorifd^ 
»Ätl^fcL !l)a bie ©roßtl^aten ber SKaria t>on SWebici unb 8oui« XIV in 
l^iflorifd^cr SBeifc felBfl auf glichen, tt)ic bie ber Scrfailler ^lafonbö unb ber 
OaHerie beö ?uyemBurg nic^t »ürbig gur IBarfieHung fommen fonnten, fo 
würbe bie SÖlegorie l^ctgcrufcn, um in einer ®nn><>e auöjubrüdfen, n?ie ber 
^)erücfenumlodftc a^)oIIo foüicie flanbrif<^e tScfhtngen, tro^ l^if^nifd^r, erfi 
oerfiedfter, l^icrauf offener SHIianj etoBcrt l^atte. I)icfc gemalten Olorien 
gaBen bann ben ÄBB^ö änlafe üBcr bie äHcgorie nac^jubenfcn. SBSl^renb bie 
meificn, j. 35. ©erl^arb bc Saitcffe, ganj bem Drafcl 9ti^)a folgte, regte fl<^ 
in anbcren ein ^rotefi M ®efd^mad^, etwa gegen SRuBen«* Bijarre S5er» 
mengung fjwnifd^er ^oftrad^ten unb §ofattituben mit flamifd^ traoefKrten 
SR^tl^ologicn. „S^x wollt, riefen bie Slflcgorifien , bie SWaler ju ffan<>len 
©efd^ic^t^rjal^lem l^eraBBringen, nid^t al^nenb, bag Srflnbung unb ^oefie baö 
SBefen il^rer Äunfi flnb; il^r woOt baö geuer au^ßf(^en, fraft beffen man 
fle für gMtlid^ SrBeiter achtet, um fle auf bad @efd^aft f)einlid^er Slnnaliften 
jtt rebuciren"? Die @egncr ctwibetten: ,,6^ gel^ört eine fnn^tBarcre unb 
richtigere ^l^antafle baju, bie 3üge ber 9tatur im SluÄrudf ber ?eibenfd^aften 
ju treffen, al« gur Srfinbung cmBlcmatifc^cr gigurcn". 



§ 146. Serftul^ einer ^Ukgorie. 2. tiaegonfc^ 3dtgef<^ma(l 269 

2)ad bamafige Otafel S)eatf4Iant)#, $agd>ortt, Bemftl^t jetne (Stelle in 
bet Keü^e {o gco^et Sunftlei^rer {t(^ e^tl'K^ jtt t>erbteneQ^ unb feiner beutfd^ 
grflnbfi^n ©^mere bie tSnjebtbe Seic^tigleit franjöf^tenben ©tiU einftbenb, lägt 
ba< B^S^i^ ^ critif(^n SEBage mel^rere Sa^itel l^inburd^ l^in^^ unb 1^= 
fi^nKinlen^ befennt [xäf aBer bod^ fd^Ueglic^ pm @eifl ber neuen ^tit 

Snerbingö, ,,bie Bilbenbe S^nfi mttrbe ber IDid^tlunfl un&l^nli^ unb eined 
il^rer grS|ten Sorred^te BerauBt fein, n>enn man il^r ni^t vergönnen tDoOte, 
IHnge bie ni^t in bie Sinne faCen, in finnlui^en Silbem üorjnfletten". — 
SRuT freiliii^, ff<>P€gt bie SorjieJIung einer ttrirttid^n toid^tigen SegeBeni^it 
unfer $erj leidster einjunel^men , aU bad ftnnreid^fle ©inuBilb ed gu tj^un 
»erraag''. — @anj gemiß, „aaä^ ber SieBl^Ber ber @ef<^id^te »irb nic^tt 
bagegen l^aBen, bag bie SKalerei nod^ erfüütem finnlic^en (Eii^Tucf bed ®t= 
ntalbed unb nod^ tttotittn inneren Snq^finbungen , in beren juf&digem Sei- 
»erl oud^ bem Kod^finncn ctttKi« üBerlaffe". — 9htr eTinncm bcrf er too^l, 
,^% in ©toffeleigentSIben bie 9tei(^t]^ttmer ber SOIegorie f^rfotner unb mie 
Stumen^Sludfd^müdhing eined jugenblid^en ©efid^tö mit SRS^igung Bebeu^ 
tenber angeBrad^t, ober ouc^ ol^ne Siod^tl^eil »ermigt njerben". — 3a, ,,toenn 
alle flnnBilbltd^en ©emalbe fo beutlid^ njären, toit jened 9Ub ber SBal^rl^eit 
unb ber ^dtV' — ÄBer frcilid^, „oB Bei SBieberl^oIung eine« Befannten 
©cbanlen^ mcl bid^terifd^e« ttBrig BleiBen mörbe?" — SBaren nur ,,atte @es 
l^eimniffe ber Sllten entbedtt, unb ü^r allgemeiner @eBrau(^ ben ftftnfllern 
gclSufigl" — Onbe§ ,,n)tirben fold^e Silber bann au<^ fortfal^ren un« ju 
reijen?" Sbvci, id^ fiage, ,,n>ftrben n>ir nid^t am (Snbe ber @))rad^e ber 
SßtQÜt^r unb Sinfe^ung fiBerbrttffig, und ber &ltefien unb leBl^afteflen ®t>rad^e 
ber Seibenfd^af ten ttBerlaffen, ber ®pxciiift, bie f är und nie ben äßertl^ ber 9{euig= 
feit üerÜert?''. 

SBindebnann mix^te beulen, bag ed feinem 47ja]^rigen altmarlifd^en fio^f 
nid^t anfielen n>erbe, mit ben @(^aulelfilnfien biefer üBrigend eil^tgermanifc^en 
unb gngleid^ d^urfod^fifc^ ]^fli(^en (SquiIiBrifienbiaIe!tit gu tnetteifem, unb bag 
er an einem Ort, „ber mie nid^t leidet ein Ort in ber 9Belt äRaterie gu 
eigentl^ümlid^en 3(IIegorten geBen lonnte", ju etoad anberem Berufen fei, att 
)Dad bu 93od in ^rid unb @ul)er in SBerlin eBen fo gut machen lonnten. 
@tatt ben dtrtl^um in feine @d^lu)>fminfel }u oerfolgen, flatt ber Snatomie 
bed Salfc^en, glauBte er, fftr mobernen Ungefc^modE geBe ed feine ^ffenbere 
S3u^e, ald einen @))a)iergang im St^en bed ^ricled, im 9lom bcd tfuguftud. 
^ten nid^t bie grangofen felBfl, neBen SerflänbUd^feit unb 9!otl^n)enbigfeit, 
bie Slutoriflrung )>on ben SUfegorten geforbert, für bie gttitigfie Sutoritat aBer 
bie bed mtettl^umd erflärt, n)etl fie unanfec^tBar ift? (S)e $ikd). 8Bar nid^t 
bad Befte im,9ti)^ njad er aud alten äRttngen gegogen? 3)u 8od unterfc^ieb 
gn)eierlci XOegorien: bie oor t)ie{en darren gur SBett gelommen ftnb, Ungft 



xfft @VUt gemod^t ^cihtn, auf Dtekn Sl^eatem aufgetreten ftnb, fo bog lAcr 
9Dtann wn SiOmiig fie an t^ten Vbitxdftn tennt, fut} bte in ber SRenfd^^ 
Stttgerrec^t befommen l^oBen. S)te anbem, nac^eBorene ©dl^ne^ t)ov l^nnbert 
dal^ren äRalergel^irnen entf)>rungen , finb oBfcnt, gens sina aven, leinet 
atioaSfnvaiQ tmüf, (Sffif^ctn, beten @<i^I&{fel 9tiemanb 1^ nnb SBenige fee^ 
gellten. 

3u jenen autoriftrten, einge&ftrgerten nun xooütt SMmfelmann ber finnft 
t)er]^elfen^ unb jnxtr nniren ed bte (Sdf&tjt ber X)enlm5ler, bie er }n erdffnen 
gebadete. ®o mürben im golbenen 9Iter ber ^nfi, gu 9i<üfXfodÄ 3^tt, bie 
S9ilber gu Sergierungen aaS alten S)enbnalem genommen. Sterin foK ber 
Sorjug feinet Untemel^men^ Dor ollen frül^eren Befleißen ; ,,benn $terio Sole^: 
riano in feinen $ierogI^^en ^t nur einige Silber ber ©ried^n oud ©d^rift^ 
fteOem gefammelt, unb 9^'9 Selefenl^eit ifl tl^eitö aud jenem, tl^itt au8 
9fi<i^em iM)n @innBiIbem entlel^nt; bie Silber oBer, bie in feinem eigenen 
@e]^im ernsa^fen, finb bergeflolt crbod^t unb enüoorfen, M totvn leine alten 
Dcnfmäler in ber SBclt mären". »i^Ki mürbe mieber »on Soubarb (1759) 
an^cf(^rieBen. 

§ 147. 
III. Xl^eorie ber SlUegorie. 

9ßa9 ber Serfoffer Don ^^allgemeinen Betrachtungen'' angefieSt l^otte, 
b. 1^. alle^ mad nic^t 9tegifler ifl, I&uft auf folgenbe ®a^ ^inaud. 

SBad ben Segriff ber Sttegorie Betrifft, fo fod banmter oerfianben merben 
„aOed ma^ butv^ Silber nnb3^i(i^<n angebeutet unb gemalt mirV'; medl^alB 
bie XBl^anblung att<l^ „3conologie'' l^ei^en tdnne; benn HDegorie fei att 
„Hnbeutung ber Segriffe burd^ Silber eine allgemeine Sptcuift oomel^mru^ 
ber ftlinfiler''. Danad^ i{} freilid^ flllegorie im l^erfömmli^en @inn nur ein 
2:i^ilBegriff aud*bem Umfang biefe^ otel meiteren Segriffd. Son ben &gi^ 
tifd^ ^ierogb^^en Bid gu ber !Z)arfleOung einer 3bee, mie fle etma im 
Xorfo be9 ^ercule^ gu finben mare, ifl aOed Xllegorie, foBalb nur irgenb 
ein ®ebanle, gleid^mel bnrd^ melc^ miafttrRc^ unb guf&dige 3been= 
affociationen baron gelnft)>ft, ba^inter erratl^n merben lann. 3)ie neue 
SiBliot^el tabelte biefe (Etmeiterung ber 9?amenderllärung meit üBer ben 
BefHmmten @^rad^geBraud^ l^inau^: ein Sd^riftfleüer, ben man gum iRufler 
mad^n muffe, foQe in ber Sktl^l ber $au|>tmorte fo forgfUtig fein att in 
ber ®ail^e felBfl. @ie unb bie ®Bttinger l^Stten ben anbem 9}<tmen lieBer 
gefel^n, dconologie, „Sammlung unb (Srilirung oon Silbern''. 

dnbeg bie (Srmeiterung bed Umfangt be^ 92amend mSre nid^t^ fo fd^ßmme^, 
menn nur eine ooDflSnbtge (Eintl^ilung biefc9 Umfangt nai^folgte. XBer eS 
f Snt il^m nid^t ein, bag ^ier f^ciftcirt merben fdnne : mie er in ber Zl^rie 



§ 147* 3. X^tte bet SOlegOTie. 271 

bet S^Snl^eit 3^8^ BelieBtet 9etf)>tele M ®attungtoettmale loemetibet unb 
)Be|<l^rettongen t>on dnbbtbuen in bte 3)efmition bed Segriffd trSgt: fo fufi^ 
fumtrt er l^ter bte CtnselfSIIe mit Uelbetf^ringung ber Xrten unter bie Gattung. 
Z)teg ifi bod @rttnbgeBre(^n bed Snc^d. ,fiiffm lettenbe ©runbfS^, Be? 
tncrft ®(^IegeI, fienert er aufd ©eratl^etDol^I auf bem toeiten 3Reere ber fd^on 
)>or]^nbenen ober möglid^n Allegorien uml^. 2)ad äBefen unb bie oer- 
fc^iebenen Urten ber menfd^lici^en ^txiftn^x^ }u ergrUnben, bie Vnlage 
bagtt in unferem ©eifle unb in ber Statur nacj^}un)eif en , l^at er t>erf&ttmt^^ 
Selbß im @eBrau^ bed Sßortd XDegorie gtauBte @(i^legel einen oierfod^n 
Sßec^f el 3u erlennen : dm Zitel fei e^ Xl^eorie ber aKegorifiJ^en iSorfiellung^: 
toeife ober Äe^jertorium ber 8.; ,,Ättegorie ber begriffe'' fiel^ für attegorifc^ 
©nKeibung; „«. ber ®8tter'' für allegorifil^e «BBilbung; ,,«. ber «Iten" 
fftr (Erftnbung aüegorifd^r S)ar{lcIIungen. 

Sßindfelmann fel^tten bie Iogif(^n @aben ber ®^cification uub X)is 
fÜnction eBenfo auffoKenb, n>ie fle 8effing in eminentem ®rabe Befag. Wcct 
er boc^ an bed alten äBoIff Hubitorio nid^t fo ganj oorBeigegangen! 

(Einige SBinle }ur Seigre ber %Degorie Begegnen und in ben ^^(Srinnerungcn 
ftBer bie ®ebanlen }u neuen Silbern unb ttBer bie Xudflll^rung berfelBen'^ 
Su^ Creujer, ber SBindelmann fonfi in biefer Schrift, n)ad ©elel^rfamleit 
toit !BarfleDung Betrifft, unter m felBfl fanb, gefielet, bag bie l^icr gcforberten 
brei Sigenfc^aften bod SBefentlid^e ber jD^eorie entl^alten. 

Die erße ifl bie (Einfalt, b. 1^. bag bad 93ilb mit fo n)enig 3^i(^en 
att ntöglid^ bie }u ^beutenbe @a<i^e audbrttde unb bereu unterf<l^cibenbe 
(Eigenfd^aften in fl(j^ entölte, de einfa(^r bad B^i(i^en, beflo Begreiflicher ifl 
ed. (Ein SSegriff foDte in einer ein}igen ^igur oorgcfleOt koerben, bie bann 
in aOen mdgli(^n SSDen angen^enbet n)erben lann. 

SDeutIi(^ finb Siaegorien, bie, bur^ fu^ felBß t>erfi&nbli(j^ (natfirlic^ 
fttr nic^t gang Ungeklärte), leiner Seifc^rift ndtl^ig l^aBen, eine nal^e ^ät^ 
giel^ung ouf bad XBgeBilbete, bad nac^fie Ser^SItni^ }u il^rem 99egriff l^aBen. 

(Snb{i(j^ foDen bie 93ilber lieBlici^ fein, nid^td unanflänbiged, ^fil\äft9 
unb fttrtj^terlid^ed i^aBen, benn bie jhinfi, bereu (Snb}n)e(f ifl }tt ergoßen unb 
in Bebtfiigen, foÜ adegeit eble Silber fuc^en. Ixäfcx (ann fte }. 9. feine 
Silber ber 9afler geBen. ®d^Mftit unb (Einfalt ftnben fid^ mcifl Beifammen : 
„bie gef(i^nittenen ®teine oon ber fd^nfien SlrBeit aud ber Beßen Qtxt finb 
oOeieit kic^ter aU bie SIteflen Steine ju erllftren'^ 

Onbeffen foUen biefe 9nn)eifungen Ieinedn)egd ben l^eute leBenben in ®tanb 
fe^en, auf eigene ^nb Allegorien gu erfinben. (Ed finb oemratl^lid^ „oiele 
alte Silber t>on groger Deutung unb gum 2:]^cil unentBel^lid^e verloren ge= 
gangen; allein ed ifl fo nxnig erlauBt, biefem 9RangcI mit eigenen ©ebanlen 
aBgn^elfen, att bem 9)tangel einer @)»rad^ burd^ neugemad^te SBorte, n^enn 



272 ä»dtt» »iMJ^. XU. SHo^äge tmb 9{ai^n2mge. 

mt bort tote l^iev tooUen berfhutben toerben. !Die UbfU^t btefe6 8erfu<^ 
tfl bie SUkgorie bet ©tied^eit, beten S33erfe*uiib tl^e ^ad^nmng nttfextc 
£ftitfller Xngenitierl fein foQen''. @elbfl Bei ben %n\dfU%tn jn neuen Wk? 
gorten tfi ed bo^ bad Sltertl^um <utd bem n»tt fte entlel^nai, loenn n>ir 
4at(^ alten SUbem eine neue Sebeutung geBen^ koie man einen S)ütften>et9 in 
nettem^ uneüDartctem @tnn antoenbet; — ober inbem n>ir @<i(t&aüft, ®)>rui^ 
tDörter, yaffenbe SoQe and ber ©efd^i^te ^u Sdegonen Benu^en. SKon mSge 
irgenbn» in 9tom ^tUÜfttt Silber aU SSSonbgemSIbe anbringen unb l^emo«^ 
fttifm laffen, fte koftrben boburv^ in ©eBtauc^ fommen. — 

& nntr SBindelmann leinetoegd entgangen, ba§ bie Sldegorie ald notftr^ 
Ii(^ SudbmdCdfonn bed 9)tenfd^nget{ied ber Sergongenl^eit ongel^dre. ^^Unfere 
3eiten ftnb ni^t ntel^r aOegorifd^ n>ie bai8 Sltertl^nnt , tt>o bie Allegorie asf 
bie Xeligbn geBaut unb mit berfelBen t)ertnil)>ft loar'^ ®tatt aBer jn folgern, 
bag, koo fein Seruf gum (Erftnben, ba anc^ lein Sebftrfnig bed ©eBraud^d 
fein tütx'Ot, f(j^log er baraud, bag n)ir Bei ber Vergangenheit in .bie iSd^nle 
gelten mftffen. 

„1>k älteften ^titS^tn ber ©cbanfen toaren mutl^maglid^ Bilbtui^ Sor- 
fledungen . . . benn bie @ebanlen malen ifl unfheitig alter ald biefdBen 
fd^ieiBen: fomit n>ar bie 9iatur felBfl ber fici^rer ber Allegorie, unb bicfe 
Bpxadft \äftint iffx eigner, ald bie na^l^er erfunbenen ^txi^n nnferer ®es 
banfen". 

(Sr ftnbet biefe „in S3ilbern rebenbe Siatur unb bie (Bpmtn oon Bilb- 
liefen Segriffen'' }. S. in ber UeBertragung ber ©efd^Ioi^ter auf Sßorte, pxt 
Segetd^nung ber Serl^altniffe bed 9Ritt^eiIend unb enq>fangend, bed SBirlen« 
unb Seibend, tt)ie Bei @onne unb äRonb, ^immel unb (Erbe. 

Sei ben %t%\}pttxn n>ar bie Sldegorie „allgemeiner ald unter anbent 
nnd Befannten Sölfern''; bie oerflanblid^en Silber (bie fid^ freilid^ ntc^t auf 
!})cnlmalem finben) Serben bie älteflen gemefen fein; bie $ierogI)^n — 
totifjH eBenfo n>UIItt^rIi^ tm bie SItefien Suc^fiaBen ber ®tnefen — exS&ren 
}u n>oDen, „iß ju unferen 3^^^^^ ^^^ oergeBener Serfu^ unb ÜRittel l&d^er= 
li(^ jtt tt>etben". 

Su(^ unter ben „©ried^en n>urbe oon ben älteflen äBeifen bie SSKffem 
fd^aft in bie Silberf^rac^ eingdReibet . . . unb ed oerl^ttdte fid^ biefelBe tote 
bie l^omerifd^e ^JaKad in SZeBel, um ft(^ fd^S^Bar )u matten. Snd^ bie etften 
$]^iIofo))]^cn oerlleibetcn il^re 9Reinungen, fonberlid^ biejenigcn, mit totUkn fie 
ftd^ nid^t offenBar nntgen koottten, in Silber; tocA 92emton Httraction nennt, 
l^ieg (Em))ebo€led SieBe unb ^ag. Sinfl tt)urben aud^ bort bie Segriffe ber 
@(^5n]^it ben ft^mBolif(^n SorfleSungen an benfelBen nad^gefe^t; ©d^onl^ 
n>ar noc^ nic^t ber ^MffU (Snigmd : ed gaB einen breiSngigen dnpiter, einen 
od^fenlB^figen Sacc^ud, einen oiellö)>figen W^oU, eine to^fe ©cred^tigfeit 



§ 148. 4. SUegoneitvcgiflet. 278 

„'S>mu M bie fikiff^eit anfing ntenfc^Iic^er ju totAtn unb ^i) taftffxm 
tntttl^eilen kooUte, tl^at ^e bie Xtdt ]^tnn>eg, unter »e^er fle f^toer ypi 
etfennen toat: fie BKeB aBer loerKeibet, bod^ ol^ne Serl^üIIunQ, fo bag ^e 
benen^ meU^ fie fud^ten unb l^trod^teten, (enntlid^ Mr. 3(19 bie ihtnfi eine 
f(^5ne @efialt Befommen l^tte, vxa ^cmtx bie üDme^nifie OueUe^ il^r l^öd^fter 
Seigrer: feine Slh^ foQte ein Sel^rBuc^ für ftSnige unb Kegenten^ unb feine 
JObiyffee ebenbaffelBe im l^öudßd^ Seben fein; ber 3^^ ^^d Sii^Uletf unb 
bie Abenteuer bed Ub^ffe^ finb ttur ba9 ®en>€Be jur SinKeibung. .(Sr ter- 
nKinbelte in ftnnli<i^e Silber bie Setrad^tungen ber äBeidl^eit ftBer bie ntenfil^s 
lid^en Seibenfd^aften, unb gab baburd^ feinen Segriffen gUid^fam einen StJitptK, 
toeld^en er burc^ rcij^e Silber Belebte," — 

KttffoQenb'ifl bie gänglid^e ßufantmenl^ang^Iofigteit biefer Sil^eotie mit 
ber Sd^önl^it^lel^re, eine Bufammen^ang^loflgfeit, bie ebenfoUd fcj^Du in ber 
iSrfKing^fd^ift bemerllid^ toar. 

S)iefc 3^^^f^unfl \^^^^ ©ebanlen über biefelben @egenfiänbe fd^int 
ein 9tat]^fel, fle l^angt aber }ufammen mit bem f^el^Ien be9 Segriff^ ber Sr^ 
ftnbung in feiner ftunfllel^e, unb meQeic^t mit einem ®inn für ®auberIeU in 
®onberung M heterogenen. 993a9 er StQegme nennt, erinnert aSerbingd jum 
21^eil an eine d^acterifKfc^e (Sigent^ttmlid^eit, einen n>efentlid^n Sorjug alter 
Äunji. ^ier tü&tt ber Ort gett)cfen (»ic ©d^Iegel forbert), „bie Stage )tt 
er&rtem, inwiefern bie alte ©ötterlel^re aSegorift^ ti>ar ober nid^t", ein SBort 
borüber gu fagen, n>eld^en n>eiten @)^elraum bie ©ried^en aai^ in ber ^ifiorien- 
maleret ben ^erfonificationen unb f^mbolifd^en ©efialten gaben, n»ie j. S. 
bie @cenen ^omyejianifd^ ®emälbe mit Serg«, Strom- unb Sanbe6gSttem, 
mit @ieged= unb @d^Iafgenien, mit (Sroten unb ®cof>ien beoSÜcrt flnb. SCber 
biefe ibcalifd^en äSefen t>erbanlen il^ren (Sinla§ bem contraren ©egentl^eil 
beffcn, kDorin nad^ SBindfelmann ber SBertl^ ber XQegoAe liegt: ni(^t ber 
©el^imtl^uerei ober bem 9ßunfd^ nac^ Uebung M SBi^eS, fonbem gerabe ber 
Sttfi an fidr)>erlid^feit, bie allem n>ad einen Segriff, ein äßort gefunben l^at^ 
auc^ 3U einer @e|ialt oerl^elfen, ei8 iDlenfc^ merben kffen mdd^te. 



§ 148. 
tV. «negorienregifler. 

SBo^ nun bie SBol^l unb Orbnung ber gefammelten Sonätl^e betrifft, 
fo ifl SSindtelmann, ber fonfl nur „Si^flematifc^ed'' geben mod^te, l^ier fo 
genftgfam, blog ein al)>l^abettfd^e9 Stegifler l^rjufieOen, ba$ nic^t einmal bie 
Wegiflertugenb ber SottflSnbigfeit l^at. Cr gefielet felbfl feine Seforgni^, bie 
(Ertoortungen nid^t erfüllt ju ^ben: bad beabfic^tigte 9te)>ertorium auf ade 
SSKe für bie, loeld^ allgemein Silber fud^n, ^e er nid^t liefern tBnnen. 

Quftl, maMmaa», H. 2. 18 



274 3^tc6 fbttät. m. 9lad^trlige unb 9tadfiStt%t. 

1>t8ffaTb fei et ouc^ mit feinet feinet ©Stiften futd^tfamet gewefen ]^eroor= 
gutteten. 

^ogt man noäi ben SefHmmung^tftnben bet 9vi9mciSjll: fo fSOt bo^ 
«ttfle gfeit^ auf bie SEitetootte ,,fftt bic ftunfi". S)iefe »efHmmung goB ba« 
fH^t jut «u^fd^ßegung aUet auf etgtieti^ifd^en, fon)ie bet ganj alten unb bet 
f^>Stetett Seiten be« Ältett^um«, ,,ba bie 9leligion bet ©tieci^en unb 9i3met 
im iDeitgefuc^ten «BetglauBen anbetet S55Ifet umneMt toat", — ein 3cttfl= 
niß, b«§ et Bei atten feinen SBunbetEd^fciten bod^ nic^t« gemein l^ttc mit 
unfetn ©i^mBorifetn, bie gctabe im ZxSbtn be« 3^^taItetÖ bet 9ieIigion«= 
mengetei am lieBfien ftfc^ten. 

Sftet fftt bic %u9mfjl innetl^ bfcfet 3eit^ unb Dtt«gtcnje bfttfte 
}äf(o^ ein fnndp gu finben fein. & Bleibt bcm @ef(j^ma4 be^ RttnfHct« 
anl^eimgefWIt, ttjett^e ällegotien et fftt Siegelringe, ©(Räumungen, ©tammBuc^ 
beöifen, gefibecotationen, SBibmung«t)ignctten, ÄanbataBeWen, wetd^e et füt 
^iflotienmaletei Benu^n tt)iff; ja eö ttjetben il^m gSDe genug aufflogen, xoo 
et bem ©elel^tten feine ©efc^nlc ate gang unBtaud^Bot gutttdtgeBen tovct, ba 
biefet jenen ätL\<ii^ auf bem litel offenBat »etgeffen l^atte. 

SBinielmann tcc^net bie ®5ttet (%ied^cnlanb« mit gu feinem H^ema: 
bet aWl^ti^u« ip eine «tt bet OTcgorie. 3)ie «flegorie bet ®5ttet „fei 
bem ftitnjHet unentBel^tliti^, tl^eiW ©Übet auö bet göBcl obet aufi bet $elben= 
geit gu enttoctfen, tl^cite Silbct attgcmeinet ©cgriffc au« betfelBen gu gicl^en 
obet gufammcngufe^en". SlBct foKte SBindelmann toiebctl^olen nxiö SJofflu« 
unb feine« glcid^en gefagt l^atten? ®ett)if nid^t, nut biejenigc ÄBBilbung 
bet ®8ttct ip et gefonnen gu geBen, toeld^c feiten ifi. ?lBet toaS in attet 
2Belt foO bet Ättnfllet mit biefcn feltenen ^tali»>omeni« bet SW^tl^ologie? 
3)ie 8ntiquit5ten mögen bicfen SSJuft bon ÄttriButcn fammeln unb tt)o mBg^ 
lid^ etftatcn, j)tactifd^ flnb fie, aW auf längfl oetlotcnen ^beenöctBinburigen 
tul^enb, öoIHommen toettl^lo«. ©ie flel^cn auti^ nut ba, tt)eil SBintfclmann 
getn angeBtad^t l^atte, nxi« öon feinen Soffectanecn in ben Sa^)iteln bet funfl= 
gcfd^ic^te oon bet „Sitbung" unb bem „Segriff bet ©d^Bnl^eif' bet ®öttet, 
®öttinnen unb gelben, bcm filnftlerifd^en Qxotd gemSg, feine Setnjenbung 
finben tonnte. Sene gclel^ttcn Ättd^enaBfallc, bic anbete in änmetfungen 
au«gejkcut ^tten, Bütbct SBincfclmann bem gtocitcn Sa^>itel bet ailcgorie 
auf, — „Dag but(% biefeö SBctf, fagt »lanfenButg gu ©ulget, baö »es 
btttfnig bet Äünfllet nid^t Befriebigt n>etbe, ift Befannt. Dct «etfaffet l^t 
fid^ mel^t in SBibetlcgung unb SSerid^tigung bet (gtflätungen unb SKcinungen 
anbetet ioetloten, alö bafe et glüdHid^e »ilbct fftt bie DatflcBung aufgcfuc^t 
l^ätte". — 

S)ct ftetn be« SSSetf« ifl ba« brittc Sa^)itel „öon BefKmmten Slffegorien, 
tootnel^mlid^ attgcmeinet »egriffe"; l^iet toitt et „oKc nufeBatcn «ttegorien 



§ 148. 4. SKegorienregifttv. 275 

famwcln". (8fi flnb »cnig üBcx l^unbctt Zitd, cibfiffalzü^ gcotbnct, beten 
mele md^r ald ein S3tlb entl^alten. !Z)ie Bunte Solge be9 l^eterogenflen mad^t 
ba9 ?efen btefed (Sa)>tteld ctn>a^ unerfteulid^, n^te ein aBf)>Tin9enbed ®ef)>t&(^; 
bet Orbnungöflnn be« ?efer§ fann jld^ nid^t öcrfagen, ba^ gufamntengel^öTiflc 
in Slaffen ju 8Tu^))tTen. 

Sniegorien im fhengen @inn {Inb bte menigjten. (Eine Sont^ofition biefer 
Art ip bie SJerlSnntbuna be^ Sl^)cHe^, Bei bcr man freißcj^ ba« $ifantc 
^jerfönlic^er ©ejic^ngcn unb bet unmittelBaien OegennKiTt l^injunel^men vxa^} 
bic SScfd^rciBung l^at fd^on ©anbto SotticeHi gu bem Bijatren^ gart gemalten 
9ilb<i^en in ben Uffigien gereigt. SQegorien t>om retnflen SEBoffct finb femer 
ber St ab et mit feinen pm Stangen, ,,bcr »oH eigener gel^Icr auf bem Wkitn, 
ber mit fremben (Sd^mad^l^eiten angefüllte auf ber 33mfl". Die ®elegen = 
l^ett nac^ S^f4>1>/ ein ÄnaBe mit bügeln an ben gftgen, ,,ber mit ben 
Suferften 3^^^" <*wf einer ftugel ftanb, in ber recj^ten einen Biogen Degen, 
in ber !^in!en einen 3^^^/ ^^ ^^^ @eiten bed ^au^td mit langen paaren, 
leinten läl^l". Die 3^^^ ^^^ ®^^^^ ^^^ Segeln, auf eine ^aefe gefiüftt 
unb an ben ©einen gefeffclt, ,,bie S^tüdC^altung bcr flttcj^tigen 3^^^ ö^^^= 
beuten". 

3a]^lteid^er ift bie am Bequemfien l^ergufleDenbe Slrt ber KDegme, dbeat 
figuten burd^ SlttriBute, <Stfmiolt, ober gär dnfd^riften, auf SiSfeld^en etn>a, 
gu Silbern t>pn SlBfiracti^ gu f}enq>eln. 3* ^- ^^^ 9itlig!eit mit SSJaage 
unb ÜRegrutl^e; bie Hoffnung mtt ber Silie aW einer ber erflen Slumen, unb 
»eil bie Slüte grud^t oerl^eigt. Da^ Olücf mit ©tcucrruber unb grud^tl^om 
„totxl bie Steic^tl^ttmer burt^ @<^iffal^rt lommen". Die Siugenb mit einem 
SCSfeld^en ^f]iiy ayav Befd^rieBen. Der 9iuf mit Slügeln, bie untertoärt^ 
t>otl Singen finb. Sänber= unb ©tSbteftguren, n>ie Sfrica, beffen $au^t mit 
bem 9ea be6 (Elq)]^anten(o))fd Bebetft ifl. 

(Sd fann flc!^ aBer fo treffen, bag bad SBilb, totVi^^ etmod anbere^ l^inter 
il^m flel^enbed angeigt, au(j^ al^ Bloge^ ^Ib äBert)^ l^at, ald ^üOe unb 
(Einlleibung fo f^ön ifi, bag e9 und Bei fl(j^ gu meilen einläbt, ol^ne bad 
©ebftrfnig beö SBeiterfragenö fofort gu emjeden. Sefiel^t nun gtt)if<^n bem 
einen unb bem anbem eine innere SSegiel^ung, eine Analogie, ifl il^r SSanb 
lein Blog gufSIliged ber 3becm)erlettung, bann fann bie (SntbedCung bed t>er= 
Borgenen @inn6, üBerrafd^enb unb einleuc^tcnb gugleicj^, ben 8leig beö Silbe« 
xoxt burd^ einen l^ingufommenben Sid^tfcBein au« ber ®eiflem)elt nod^ erl^Sl^en. 

„SSebeutenb unb fieBlici^" ifl baö ^omerifd^e 93ilb frttl^en lobe« : Slurora 
bie ein ftinb im Slrm forttrSgt. Die 9!ad^t mit fliegenbem ©etoanb t>oIl &.vcxit 
üBer bem ©aupt unb mit umgefel^rter gadtel ip eine ©ejtalt beö erl^aBenen 
@^auf^icld n>ttrbig, ba« fie Bebeutet. 993ie artig ifl ba« Silb be9 9KI »on 
ben fed^gel^n ftnSB<i^en nmf^ielt, »eU^e bie 16 ^g feiner Sbifd^toeDung Be» 

18* 



276 SitotiM 814. III. SM^rfige unb 92a(!^QS]ige. 

jcid^ncn. S)ic ,,9ta<I^ISffigfcit" ober ,,®orgIoflgIcit" in einem äRenfd^en^ Ux 
ein @eil «)on ®(^Uf btel^t, ba^ ein Sfel fogkid^ aBnogt, gie(t ein ottigetf 
©entelbilbi^n. 3)ic 9Rd)itatii>n fibcr bie. Un^tbtic^feit, ein ^^iLc^opff in 
SJetroc^tnng eine^ 24)bten!o)>f^, auf bem ein Sd^mettcrling fi^t, lann man 
fuj^ im <Bül 9temBranbt^ benlen. S)ie Itebentottrbigflen @<l^5))fungen SC^ox- 
n)aQ>fen% jene 9telief9 in todiftn reinflet grie^ifd^et gonnenobel mit mDbemcv 
®cxnMff9axt in (idl^ nie gedienter SBeife ftd^ iDeif^mitjt, gelösten biefer 
Srt ber SUegorien an. $iet toalöcn bie ollen ))ertranten Srigurcn ber 
SKl^tl^oIogie auf finnige Slrt bertDanbt. SBindCelmonn nennt dÜ ein f^Bne^ 
9ilb yx einem SegroBni^benlmal „f\ffi^, bie mit gefülltem $an)>te an 
bem t^§e eined @taBmate fl^t nnb xotvaV. 

3)en Silbem, bie nic^t einen il^nen fremben ®eifl, fonbem ben Be« 
beuten, mdb^er fb^ biefe kivptt felBfi geBout l^ot, näl^m fi(^ bie 3)at= 
fteUungen ber ©emiltl^dBekDegungen burd^ Figuren , njeU^e t)on benfdBen 
ergriffen f<!^inen« &ibenfd^aften tl^eilen felBf} ben Segriffen unb Spornen, 
bie toir fifar fie fd^affen, etn>ad t>on i^rem SeBen mit unb fd^affen ftd^ einen 
leBenbigen SeiB. ,,S)er ^lytn, fagte ®<^h)inb, ifl eine ^rfon". ^iPoü^gntW 
Surd^t ^It ftd^ bie ^nb t>0Y bad ©efid^t; bie 9iu]^ legt einen Htm auf« 
$au)>t; bie @i(!^eit legt fio)>f unb O^r auf bit teerte ^anb, n^^renb ber 
eine ^g mftgig audgeftredCt ifl. !Z)ie (Sc^m^ftigleit jiel^t fid^ einen ^leier 
WX& ©efu^t; bie SetrüBnig fift mit ben $5nben il^r jhiie umfaffenb. 

®av nid^ ein}un}enben roSxt gegen f olc^e SQegorien (aBer freiließ ent= 
femt ftd^ oud^ nid^td loeitet t>om Be^immten ®inn bed äBortd), Bei meiern 
,,^egorif(^'^ nuT Hngemcffet^eit }um ©egenftanb Bei SBal^I ))on Ornamenten, 
in 9aulttnfl unb in @erätl^n Bebeutet. SBindelmann toftrbe »ad man ^ute 
SudbmdE ber eonftructiben ^nctiDu in einem Saugfiebe nennt, Xllegime Ux 
Saufunfl genannt l^aBen. 3n biefem (Sinne finb i^m bie ®erStl^e ber 8(Iten 
aUegorifc^ Don ben Sanq^n an Bi« auf bie Stttffatngen. 3- ^- ^^ ^^^3 
bon DIben um eine Sam^, ober faüaS bie eine £)Iit>e audbrttdEt, ober eine 
fM^nbe ^ignr bie gegen bie Oeffnung bed S)i>d^td Bloft. StBmifd^ ^ümt 
wit ber SEBdIftn, Silber auf SBaffen, bie in ber folgenben Seit SBo^n 
mürben, da bag ber ^ggott Surotad bon (Sut^ibed //Pffig<^ Umriffe'' 
^t, fd^cine bafftr )u f)n;e(^n, bag felBfi bie 3^^^^u^0 aOegorifd^ fein 
Bnne. — 

9Ber man ma^ nid^t glauBen, bag biefe SUIegorien bie iDtel^rjal^l Bilben, 
ober öon bem (Sammler Befonbcrö BegünjHgt »erben. SBeit bie meiflen 
gcl^ören ber Slaffc ber ©ijmBoIe, ßmBIane an. Unter biefen jtnb einige ein« 
fad^, berfiSnblid^, anf))red^enb : in ber Seier, in jtoei ineinanbergelegten l^änben, 
im^ut, »irb man gern b^ 3)i(^ter, bie (Sintrad^t, bie ^eil^eit »teber- 
erlennen. 3)ie WkSpt auf Hrd^ilod^« ®raB malt ben Bei^enben @d^er). 



§ 148, 4. «flegorienrcgi^r. 277 

Stele aBet fnb toettl^ergel^ott, f^ielenb, gef(i^m(uflo9, ia I%tf(j^. S)et Sod 
bebeutet bic Iragöbic, bct ©totd^ btc ?tcBe bcr (2ltem ju bcti Äinbent, bet 
^afe aJo^famfeit, ein Än8<^I gcfHgfeit, $5mcT SWad^t unb ®cn>alt, bct 
Cfel Unerfd^rodenl^eU. Anbete Pub tnel^tbcutig: bet Wo'fyntop^ Bebeutct 
Schlaf unb f^d^Batfeit, bte 9tofe Setfd^totcgenl^tt unb 34>b, bod $eu^fetb 
SWufl! unb fc^Icd^te ^oeten, bie SWene ©etebfonifett unb eine Solonie. Sßa^ 
fott ein SKalet mit bct ©ctotbnung ©olonö, tot bet ißtautnad^t eine Ouitte 
jtt effen? .^S^^ifc^f Bemetft ©Riegel, fottte man beuten, e« fei il^m nic^t 
um Sotfd^ISge fftt bie ^nfi ju tl^un, fonbetn um (Etfinbung einet neuen 
^etogl^))l^nf<!^tift; unb einigemal n>itb man fogat an bie aBgef(j^mactten 
Stebuö etinnett''. 

3)ie Sejeifj^nung i9on Denbnatetn, Ztvxpün, ©taBmäletn butd^ Xttri- 
Bttte bet ^ßetfoUen, benen fle gen)ei^f flnb, gel^dtt cBenfalld }ut Stilegone. 
Xn (SI)^not0 ®taB fe^t ^omet ein Steuct; bad bet Sbnosone $i^^oI);te 
Bei 9Regata l^atte bie ®eflalt eined Xmagonenfc^ilb^, ouf ben ®ieBeIn bet 
du)>itettem))el ftonben VAtx, ein $itf(i^fo))f üBet bem Xl^ot eined 3)tanens 
tenq>el^. Det !Dta(^ im ©d^ilb auf bet ©taBfSulc bed S))aminonba8 Be- 
beutct feine XBfunft x>en bet cobmeifd^ IDta^enBtut; bet ^u^d^el in 
bet $anb bct Said am Ufet bed $encu9 f)>ielt an auf il^tcn Xob butd^ 
eifetfüd^tige tl^cffalif^ SSJeiBet. ©elBfl amtftnfignien, g. S. bet Senfot mit 
Ski^n>affctgefSg unb OcI}n)eig. !^a0 9ilb fann jtd^ aud^ Blog auf ben 
92amen Begicl^cn, vAt bet Sötoe auf bem @taB bcd Seonibad, bic @(i^ilbft8te 
auf SKüngen bet ®tabt (S^elcnc, bie Siene att mutl^magßti^e Segeid^nung 
be0 aRfinjmcifietd ÜRelitod. 2)et geftttmmte Xtm (ayxdp) Bcgeid^net tfncona, 
et ifl ein SiO) bet Sage biefet ©tabt. SBunbetKd^ iji bct ^etculeß mit bet 
$ifbta ton ©fen, aW Änf^jiclung auf bic l^atten SltBctten; bie buuÄe 
9atBc bed Ou)>itet n)cgen bet BIi^f(^tt)angeten Suft, bet Sacd^ud au$ SBein- 
unb ^cigcnl^ol}. 

!Die mcifien biefet 35eif^)iclc l^at et au6 5Wttnjctt, ©cmmen unb foW^cn 
95Bctfcn gcjogcn, »o bie ftunfl nut Bei einet il^t ftcmben 3^^cnf(i^tift ®e= 
fÄttig!eit«bienfie Iciflct, loic fie ja aud^ jut ©ctBcffctung bet Sud^flaBen= 
fotmen l^ctBeigcgogcn n^etben tonn, dene Qtxi^n flnb fo n)enig ftunfl, mie 
bie ®eb5(^tni§t)ctfe bet ®tammatifct ^oefle flnb. S)a aud^ bo« cd^tc ftunffc 
»etf itid^t feiten gu feinem SJetfianbniß l^iflotifc^et, gelcl^ttct Äenntniffe Bebatf, 
fo I9nnen f!c att Heine ScigaBen, bic eine gtoge Som))o{{tion ted^t n?ol^I 
)>ettt&gt, bet (Stinnetung, ben @cban!ent>etBinbungen gu $ülfe (ommen; tt)ie 
aBct bem SEBetf butc^ fold^e ©cigaBen ein ,,etl^aBenct ©efd^mad beö ffltet« 
tl^umö" gcgcBen ttjctben Brnic, octmögen mit nic^t gu f äffen. ®cIBp jene 
©epaftenfteubiglctt bet gtie<^ifd^n Äunp ifl tooffl ©cft^marf bet @<^önl^cit, 



278 S>«>eM 9u4. in. 9to(l^age ttnb 9^a4t(&nge. 

aBer ntd^t bed &ffaUntn, benn bad Srl^aBene ifl b«n Unenblid^ «»enoatibt 
Ätib liebt boö Sotmlofc 

Sßtndelmann aBer meint e9 ntd^t einmal fo. Sr tvxpfttfylt bie SKne^ 
mof^ne ober (Srinnerung butd^ eine Serftl^tung be9 £)]^rI5)>))(!ben9 mit ber 
^nb gu d^acteripten , »eil bie Sttten baö D^r beffcn fcerffl^tten, bem fie 
Begeugen loollten, bog fle in feinem ®eb&!^tnig gu BleiBen ta>ttnfc^ten. üDiefem 
und gang ftemben, geleierter 92cten Bebttrftigen ®eflu^ gieBt er ben Sorgug 
loor ber unenblic!^ anmutl^igen S)arflellung ber 9)tnemof^ne auf ber ^tl^eofe 
bed $mner ,,tn einer $rau^ bie bad Sinn mit ber einen $anb ftfi^t, n>ie in 
emfirn^em Sta^benfen gefd^icl^t'S er finbet fle .^nid^t bentlic^ unb BefHmmt 
genug''. Sei ben glttAic^flen aller aKegorifd^en @cenen, ben (SrotenBilbem^ 
vM er fU^ nic^t aufl^alten, n)eil fie gu benen gel^Bren, ,,bie gnntr angenel^m 
unb toi^ig feien, aBcr leine mcrftoürbigen Segriffc entl^alten". (8r loBt ben 
Qforbinat SKBani, ba| er ein 3ii>^^ ^^ f^^^^^ ^^^^ ^^M fM^ mttgigen 
unb Iceren 8anbfc^aften'' (e^ t^t ti>dft, foU^e )>ebantif<iee XBgefd^madt^eit 
ton Sßindtelmann gu l^Sren) tooQte ausmalen laffen. !I)anad^ n>ürbe man 
StC))^ino itppV^ 3)0mini€aneraOegorie in ber SRinenoa r>ox ^(üfXfatU ®<^ule 
Don %t^en ben Sorgug geBen muffen. 

3m gel^nten Sa^itel if) er fo gtttig gen)efen, ^^einige gute unb Brandts 
Bore Snicgorien ber neueren'' gu conflatiren. SBer toie unooDKommene Sinter 
nur bie ginflemig gu offenbaren <)Pcgen, fo fd^eint biefe^ SJcrgei(^nig nur gu 
BeflStigcn, ,ioo% bie Ängal^l oon guten neueren Allegorien fcl^r gering ift". 
grcili^ n)cnn er ,,unter fel^r öielen oon 3"cd^^ ^n ^lafl ber SiBa (5fle 
gu 2;iooli gemalten (SinnBilbem" oergeBenS gefud^t l^at, fo n)irb man fu^ 
nur n)unbem, bag er ba gefud^t l^at. ÜDonaiben auf einer l^oQanbif^n 
SRünge oon 1633 Bilben eine oergeBene %rBeit $oIger, ein toürbiger 
ftihtfllcr, l^at in einem $aufc in Vug^Burg bie Brttberfu^e SieBe unter ber 
gaBel beö Saflor unb ^ottujc öorgefleKt. ©ie ©rgiel^ung ber Äinber l^t 
$ietro oon Sortona in einem IDectengemälbe beS ^lafied 99arBerini burd^ 
einen Sären, weld^ feine 3ungen ledtt, angebeutet. Der gefd^minbe glug 
bed äRercur ifl wn ©iooan 99oIogna burd^ einen 2Binb^Io)>f DorgefieOt, auf 
toeld^em bie gigur mit einem guge fld^t. ÜDer loierjol^rige 8ubtt)ig XIV auf 
einem ))on ^anheid^ unb ber S^orfel^ung cnq>orge^aItenen @c^ilb geigt auf 
ben ©eBraud^ ber alten Raulen, bie il^re neuen Könige auf einen ewe^ox- 
getragenen ©d^ilb festen unb alfo bem SSolfe geigten. ÜDen trinfcnben ^rfd^ 
auf eorreggio'« 3o l^olt er för „einö ber fd^önflen Silber in ben ©emSIben 
neuerer Qüttn: benn eö malet baffelBe bie SBorte beö ^falmipen: Coneggio 
l^at l^ier bie Srunft in ber SieBe au^ebrütft" 

SJei einem ©d^riftfleaer, ber fttr bie ^ra^ri« fd^rciBt, tt>irb man ben ®es 
Brandt, ben er felBfi oon feinen SWajimen unb äcifi)relcn mad^t, aW eine 



§ 148. 4. «tttgorienredi^tr* 279 

$roBe bei leiteten anfeilen. & toSxt unBUIig ju t)etlangen, ba^ 3emanb 
nni^ er lel^rt aud^ machen Unnt, abtx toet am ®(^Itt| bie fd^toere Stolle be9 
(Srfinber^ jelbß ttlfrentimmt, )90ii betn njirb man beulen, bag fein Serfud^ ^^neuer 
Kaegarien'', So)). 11, bad 2:ü))feU^n auf bem 3 fei. 

!2)a Sl^aml^oi^'d äRalerei, ,,cine tovMift malenbe ^gut, mit t)eTbttn2 
benem iKunbe, ald finmme 3)i(l^tlunf}'^ nid^t aOgemein gefallen Idnne, fo fd^l&gt 
er wx, i^x eine junge fcj^ne $!an)e auf ben fto)>f }u legen, unb bie @hpa}ten 
mie eine üRftnje auf bie S9rufi ju l^angen unb ttbecbieg Heine 3[<ttBengef% 
anjubeuten. „(Sinen 9{eligion9f))i)tter !3nnte ^erculed Bilben, n>elc^er bem 
ftp9Üo feinen S)reifug nimmt. . . S)em S3ilb eined gerechten 9tid^terd IBnnte 
eine f$igur ol^ne. ^onbe 3ugegeBen n)erben, n)ie bie ®tatucn ber 9ti<!^ter )u 
Si^cBen in S[egt^))ten nniren. . . X)er bnmme ©toi; über eine unJoerbiente 
iSifxt, bie man nid^t ber $erfon, fonbern bem £itel erjeigt, ifl in ber $abel 
bcd (SfeM, n^eld^er mit ber @tatuc einer ©ottl^it Belaben ging, toorgefledt, 
bie ba« SJoIf anbetet, ber (Sfel aber eignet fid^ bicfe ffi^re jn. . . ©n t)er= 
Pud^tcr Ort lönnte angcgeigt »erben bur^ baö S5ilb, toie !urj t>or ber ©n= 
nal^me Sirojad bie ®ötter felBfi il^re eigenen Silber auf ben ©d^ultem icooon^ 
tragen. . . (Sin Unbanfbarer lönnte burd^ eine t^igur, meldte bie ©rajien au8 
einem ©efäg auf bie Crbe f(^üttct, flnnli(^ gemalt n)erben". Sür gftrftenc 
gräber fc^lagt er t)or bie %poti)te^t bed Sntoninu^ unb ber ^aufitna auf 
3Konte Sitorio. 5ür eine l^ol^e SJcrmäl^lung h)irb ein Bio auf bie garBe 
betaiairter 93orfd^lag nad^ bem SKufier ber ^od^geit Don $eleu9 unb Sl^etiS 
auf bem ®ar!o^)l^ag ber SiÜa SHBani mitgetl^eilt. — 3!)iefe Sorfc^läge fd^medfen 
fel^r nac^ 93ü(^erflauB. @elB{l in bem t)on il^m geringgefd^S^ten $alle fd^ienen 
Kleiber mit gried^ifd^n Sud^flaBen, audgefd^üttete ©rajien bem ©efd^mad 
etmaS }u ))iel }ugemutl^et Um @4lug ifl bie Sefd^reiBung be9 2:orfo lieber 
aBgcbrudft, ald ^aBe er ben ilBlen ®efd^mad be^ )>orl^erge]^enben burc^ biefen 
l^crrlid^en Iran! »icber ]^tnuntcrf^)ftlen motten. 

äßindelmann, ber für} t^orl^er fomel neue Sluffd^Utffe gegeben l^atte unb 
auc^ fonfl immer an bie 3^*1«?^ fld^ toenbct, BlieB in biefem fünfte l^ort^ 
nadig im ©efd^madt be9 3Ranieridmu9 Befangen. Sßir n}erben auc^ l^ier loie 
Bei ber ©c^önl^eitölinie an feinen 3^itgenoffen ^ogartl^ erinnert, ber eBenfatt« 
feinen ,/?infel in SSerftanb tunftc", unb in feinen SJilbem eine SKenge @e= 
tätige, SBanbBilber, Sttc^crtitcl auöf ate, bie attc eine erflSrenbe, intereffante, 
Bo^l^aftc Sejiel^ung l^aBen auf ben geheimen 9toman, ben xdxx aud bem Silbe 
felbfl — feiner Sttujhation — lennen lernen. 

(Ein SBer!, ba9 mel^r %egifier ald Sud^ n>ar, mugte im Stil ber Zxodtn^ 
l^eit terfatten^ unb fo flad^ bie SQlegorie au(^ in biefem fünfte merllid^ gegen 
feine anbern SEßerfe ab. 3)amit atteö fld^ vereinige, fo wimmelte fle oon 
IDrudf eitlem, jum SEl^il fatalen; n)%enb bie fonjl freigebig gef^>enbeten 



260 ^todta Btt^ in. StodHrSge itvb fUtOttOn^ 

Ämrfet Weftnal bur^ Stttocfcn^eit fliattjten. 3)agcgctt fing er (m imnlcr 
mcl^r ffiertl^ auf »cgifler gn legen, ju beni ber tctBeffcrtcn unb erSSrteii 
Stetten alter nnb neuer ©criBtnten (»eBei unter bcn neueren Kamen fa^ 
nur ,,33Jiberlegungen ungegrftitbeter Corgefcen, irriger Auflegungen, lieber^ 
fefungen, Cerf uc^e in 3ei(^ttung , unrichtiger 9»einungcn unb ©enierlungen'' 
berfümmcn) , unb ju ben merhotttbigen ©ac^n, fonnnt ein britte^ ber on^ 
geffil^rten Denhnaler alter nxA neuer ftunfl. 6r regnete fd^on barauf, feine 
SlU^er in ben $Snbcn ber 9leifenben in Ktm aM 92a<l^f^Iagefefid^ }u flnben. 



§ 149. 

ÜDie ^^Ännierfungcn ttbcr bie ©cfd^id^te ber ftunfi". 

SWitten in jene öiettewegtcn lagen, att ber a}>oftotifci^e Antiquar jtt>ei 
$rtnjen unb einen ©crgog ncbfl einem <Bdftoaxm nicberen 3lbcW auf beut ^alfe 
^atte, fiel bic Sbec unb äu^fül^rung eine« gang ftattli^en 95u(^e§, »Sl^rcnb 
glcic^jeitig bic legten Sorgen für ba« italienifd^e SBerf einen ganjen SRann 
ju forbcrn fcj^icnen. tWatürlid^ »crrät^ ba« Sud^ bicfc Umflänbe feiner Snt= 
flc^ng; toeitoetjtDcigtc Üntcrfuc^ungen JBnncn in gufSKig erbeuteten grei- 
flunben nid^t angelegt, neue fieime unb gcmiente ber (Srfcnntnife beut ©eifj: 
nid^t gefc^enft tocrbcn; aber eine frül^er Begrünbetc Oebanfenrcil^e, ein fd^on 
auögcfül^rter ^ßlan arbeitet im fußen fort, Detail«, toxt fie fortnja^rcnb auf 
romifc^en .®^)ajicrgangcn aufgejagt ttjerben, fügen fic§ öon fclbfi in bie ^xxffcnbe 
©teile bc8 ^lan« ein. 

©lüddic^ ber. Sutor , ber mit bem 2)ru(f gugleid^ mit bem @egenflanbe 
ftbfc^liegt! (Sr allein {ann auf feinen Sorbeem rul^n, in jebem dal^r fd^eint 
il^m fein SBer! flüger unb geleierter al« er felbfl. aBindtclmann nxir eine 
fold^e Stulpe nid^t befd^ieben. ©eine ^nftgefc^ic^te l^tte bie ©efommtl^eit 
be« römifd^en Denhnolcröorratiee« jur S5afiÖ, (cber gunb eine« neuen äBcrf«, 
jebe Seobod^tung an einem alten mobifidrte biefe @runblage unb xociß barauf 
flanb. ferner rüdft ein SBerl »ie biefe« ben Autor felbfl auf einen ©tanb« 
ort, öon bem er toiel mcl^r überfielet, al« auf bem »eldeen er oor unb 
n)&]e^enb ber SDBfaffung einnaJ^^ ^^}^ lamn bie Keinen ^el^^er, — unter 
benen benn bod^ einige red^t ärgerliche tooxtn. 

Unif Sßindelmann gel^^^ V^ benen, bie ba« toa« ße gentad^t l^aben, 
nid^t loeiSgt ©0 fd^on bei ber Dtc«bcncr ©d^rift. S)ie«mal l^Ättc er feit 
Kbgang be« 9Ranufai)>t« ^ufa^e gefammelt. (SSBeÜ^e« @Ud für ben 2>rud(er, 
bag jmifd^en Wom unb Seidig bic S(l|)en lagen!) 3)ie 64er au«gabe ber 
ftunflgefc^id^te tt>ar nur ein gcn^iffermaßen jufSBiger ©ufd^nitt in eine fhttge 



§ 149. SÄt «nmerlmigen iV^ bit ®e{^4te bct ihmfi. 281 

Stetige bcr tfoTfd^uTig unb Sammlung. ^,S)ag feine SEBetfe fo nne f(e bafiegen 
(jagt ©oct^e) crfl aW SKaitufcri^^t öuf baö ^a^ier getommcn, tinb fobann 
\pittt im S)Turf fttr bic ^clgejett fqcirt »otbcn, l^ing ton unenbltd^ mannt^s 
faltigen, Reinen Umflanben ab. Stur ein )>aat SRonate f^Stev, fo ^tten 
»ir ein anbere^ fficrf, richtiger an Oel^alt, befhntntter in ber gönn, wel« 
leiil^t ettoa« gang anbete«". 

de unmittelbarer bie Sßieberaufnal^me be« Sta^benlen« auf bte {krau«' 
gäbe folgt, befto nen>&fer )»flegen Kutoren gegenüber toal^rgenommcnen ÜRangdn 
il^re« ber Deffentli^Ieit ttberantmorteten (Ergeugniffed gu fein. UnBebeutenbe 
SSerfcl^en unb Slu^Iaffungcn fd^ctnen il^nen baß ©ange ju fd^finben; ein neu^ 
entbedftc« Seif^iel, eine bejeic^nenbere SBenbung fc^eint barau« ein Su<^ 
l^Bl^erer 9tangorbnung gu ma<l^en. @o Beburfte e« nur eine« Reinen fCn» 
fioged, um ben bringenben Sßunfc^ einer neuen Auflage aufzuregen, bie alte 
il^m ju t>erteiben. „SBir fmb l^eute flüger al« »ir geflem ttjoren", Bcfannte' 
er $e^ne fc^on am 13. duli 1765. „@obaIb \i) Suft befomme, n)etbe iif 
eine ))oQflSnbigere Xudgabe ber ®ef^i<!^te ber^nfi Beforgen". Unb ermatl^t 
fc^cn Snftaltcn bagu. denen ätnfiog gab bie gleich naif (Safanotxi'd Sbreife 
gemachte lEntbedtung be^ Setrugd mit ben antifen ®cmSIben. (St fd^rieB, 
»ie e« f^eint, an ben Verleger, erful^r aber, bag Bei ber fel^r Warfen Äuf= 
läge an eine jn^cite Ku^gaBe fc Balb nnl^t gu benfen fei. flEBalt^er l^tte 
1200 SlBjüge gemad^t, t>on n^e^en bie ®ud^^anblung nod^ Bi9 gum dal^re 
1824 auf Sager l^atte. (Sr n^odte nun eine „öffentli^e SrH&rung'' aM» 
gelten laffen ; Bef onber« ba er »on einer fran jöfijd^en UeBerf eftung l^örte (feit 
Anfang 1766), in SSetreff beren er aBer t}ergeBenö /^einigen Unterricht'' gu 
erl^alten fud^te, um tox bem S^ruc! bie nötl^igen Xcnberungen eingufd^iden« 
Äefonberö »ünfc^t er bie 3wted^tn)cifung SBateletö gu fhreic^n, ,>toeil er 
biefcn lieBenj^ürbigen SRann noc^^er )>erfcnli(^ fennen lernen, mit il^m Heine 
Weifen um 9lom gcmad^t unb baö tjerföl^nenbe ©efiänbniß feiner „ungttlang= 
fitzen CorBcreitung" erl^altcn l^atte. „^ l^aBe fogar ben ^oligeileutnant 
Don ^riö erfud^en laffen (n>al^rf(^inlid^ burd^ Sa 9tod^efoucaulb), bie &IauB= 
ni§ gum Drurf biefer UeBerfegung nid^t gu ertl^eilen, BcDor id^ notl^mcnbige 
9tac^rid^ten gu berfelBen cingefd^idCt l^&tte; bemol^ngead^tet l^ot man in bem 
?anb, »0 bie ^öfli(^!eit foB jung geworben fein, bic gcmöl^nlid^ ^Bflid^fcit, 
bem SJerfaffer oon ber UeBerfcftung feine« 335erf« Sßad^rid^t gu gcBen, Bei 
Seite gefeftt." S?eujal§r 1766 erfüllt er oon SBaltl^er, biefe UeBerfe^ung fei 
Bereit« l^erau«, am 11. duli f(^i(fte i^m ber junge S)uc ein (S(em)>lar. !Z)er 
el^emalige ^aßenfer ^rofcffor ©bttfrieb ©efi, fein Seigrer, l^atte jle fttr WcBert 
be (B^atcaugiron angefertigt (^ari«, ©aittont; Ämflerbom, ^arctelbt). 

Sr erllärte fld^ gang eimoerflanben bamit, ba^ Sßaltl^er einen 9}ad^brttd( 
biefer UeBerfe^ng nod^ im Sßinter 1765 oeranfialte. Diefer l^ttc gleid^ 



282 Btoett^ 9w^* ^^ VUOftx^t ttnb 9ku^QSnge. 

anfongd bie aBgebrudtten Sogen etn}elit ftberfe^ laffen tt)oDen (22. SRii] 
1763), um bo^ SBer! in (eiben @)>rac^en juglei^ and St<^t treten ju kffen; 
oBer er l^atte feinen tüchtigen UeBerfe^ gefunben. SBindelmann, ber ge^ 
merit ^tte, nne unDerl^SItntgmagig eine frangöftfc^ UeBerfe^ung ba9 Son^ 
tingent fetner Sefer t>erme]^ren n^erbe, fanb bod Srfd^eincn feinet Suc^ ,,in 
bcm äRobeRetbe unb in ben beutfd^en ^rm il^rer SieBlingd{)>ra<^e^' je^t 
gan3 in ber Dxbnnng unb Bebouertc, ba^ ed nic^t el^er gefc^e^n. ,,3)a @ie 
m entf<^loffen, UKid freili<!^ mit mel^erem Stoi^brucf 3nerß loon dienen l^Stte 
gef<l^]^en fönnen, biefe meine Srbtit unter ben üDeutfd^en felbfl in einer 
fremben ®)>r(u^e Belannter 3U mad^en : f o l^offe \if oon 3^rer mir Belonnten 
2)en(ung9art, ba§ ®ic ni^t ein Bloßer ÜDruifer fein nM>IIen. dfi cd d^nen 
tiKäfttx Smft, bat ^^^ ^^^^ ^^^^^ %or}ug )>or bcm $arifcr l^Ben foll, fo 
n)ill i^ bafStr forgen, unb fi»>iel Beträcj^tfic^c Bufä^« unb SCenberungen mad^, 
bag ber Unterfc^ieb ni<^t gn^eifcC^aft fein foQ. ... 34f maift biefe SrBeit 
ungern, n)cil fte mir txtl 3)ttt^ unb ^txt lofien n)irb; aBer n)eil bie ^an^ 
}ofen mi^ in biefe 92ot]^tocnbig!cit t)cx\^t, fo miQ i<^ mein mBgru^ficd tl^un^' 
(4. Januar 1766). 

3)iet ifl ber Urf^ng ber „Snmcrlungen ilBer bie ®ef<!^i(i^te ber ftunfi''. 
(Sr l^atte faum }n>ei S&ikf^ta an fob^en (Sinfc^ieBfeln gefammelt, ald er bie 
dbee un)>ractif(^ fanb. S)er franjofifc^e &|t, üBer ben bie SerBefferungen 
l^atten gemaij^t merben mttffen, lag i^m nod^ ni^t loiyr. SBieberum filierte 
il^n bie SCrBeit nnritcr att er )>or]^cr gebockt SEBaltl^cr n)erbc ni(!^t fo lange 
UKirten n>oIlen. 3)agegen nnir cd au<^ fttr il^n Bequemer, bie gefammelten 
Scmerfungen gu einem eigenen ®an)en gu oerarBeiten, ald fte mü^fam in 
ben Xe(t }u oetn^cBen. ferner fa^ er ooraud, ba^ er l^infort nid^t mcl^r 
)»or feiner Station in bereu @))ra(^e auftreten merbe. (Sr nxir nun ein 
©d^riftftcScr fttr (£uro)>a. S)ad nöd^fie 9u(^ n>ar italienifc^ gefd^ricBcn, 
frttl^ered foKte (Bei neuen 3(udgaBen) oon je^t an ber ScrBreitung n)egen 
„in franjöflf<l^er Irad^t" erfc^cinen. So fem flanb SBindclmann ber Se^ 
tocgung ber beutfi^n giteratur, ba^ er im Segriff nntr, t>on feiner ®^xaä^ 
aB}ufaQen, in bem SugenBßc!, tot> biefe fiii anfd^idte, il^ren 9tau)^nflanb gu 
t^erlaffen unb il^rcn cBcnBttrtigen ']ßla^ ncBen ben anbem einjunel^mcn. (£r 
n>oIIte alfo in einem legten beutfc^en Su<^e „oon feinem Saterlanbc HBf^ieb 
nehmen." & foBc aBer au(^ „bad Bcjlc" »erben, „ttxid irgenb aud feiner 
Beber gclommen'^ 2)tc Deutfc^en l^atten auf biefe, n>ie cd bamald f(^ien, 
le^tc ^nb bed SBcrfd, fttr bad fte il^m fo banfBar gemcfen, ein dtec^t. 3)ie 
franjBflf^e, unb eine ermartcte cnglifd^e UcBerfc^ung foHten „BleiBen, xoxt fie 
)oaren'^ 9htr oor ben SafanoDqlf^n ®em&Iben moQte er fte Be^tttcn. S)em 
Kac^rud Knne Sßaltl^er einen Sorjug gcBen burc^ SertoQßonbigung ber 
Kegißer, Befonberd bed britten ber IDenbnSIer. Sin fol^ed eri^iclten bie 



§ 149. 2)ie «nmertungen ü6et \nt Oefii^t^te ber Sbtnfl. 283 

^^Xnmerliingen^'; Steifenbe l^attcn ft^ in 9tom fdffifl ein fold^ Stegißer jut 
ftunfigef(l^i(i^te gemocht. 

JOflem 1766 foQte ber jn^eiU (^ifiorifil^e) 'SJftil fc^on jum Sbgang Bereit 
fein; bet crfie f^fiematif(^ n>at au§ bem ©tdBften entmorfen. 3)ie Se^ 
fd^Sftigung mit ben ^^Sremben t)on ®tanbe'' ton fiötenb ba}n)if4en. Um 
il^n in ^väft ju »oüenben, ging et auf^ Sanb. S)iefe SÜofd^l^cit erHSrt fU^ 
borou^, ba^ bie XrBeit n)efentUd^ nur Orbnnng bet fofort noc^ Wbfenbung 
bet ftunf}gef<]^i<]^te gefammeltcn 9lad|ttage nxtt. ,,$iet Sollte l^oBe et anf 
biefe SCtBeit geboc^t^' (bie ein 993etl t>on loiet äRonaten fd^ien) ,^nnb feine @es 
banlen jn betfelBen nctc^ unb nod^ tüt^ßi!^ angemetft'^ 3)o^ etfd^ienen bie 
,,Änmet!ungen" nic^t »ic gehofft in bet 3Ric^aeIi«=, fcnbetn in bet SReujal^t^ 
meffe. !Z)ie t)etf))toc^enen ftu)>fet n>aten auf eine Slitefoignette, eine il^m 
gel^Stige ÜRftnie SCntigonu^ I, jufammengef^nwljen. 

(St loetlangte btei ^tdfvnta obct S)ucaten (13. 3(f>til) filt ben Sogen, 
„xotil ed eine fel^t mid^tige, fc^n)ete, ndtl^ige unb nü^fui^e Sltkit fei, ba et 
otte^ feftfi f^teibe unb bie Wegiflet toctfettige". üDiefe gotbetung fanb bet 
@t1). Sommctjientat^ ,,tiBettticben" ; j[cnct abet gab ju Bebenfen, ,,ba6 et 
ni^t^ boBei 'gcn)inne unb einen anbetn ®tanb^ ettoSl^Ien muffe, n>ettn et 
aviif in 3)eutf<i^lanb ton biefen t>enneinten l^ol^en ©d^tciBegcBill^tcn leBen 

foOte @ott toeig (!) tt)ic fauct mit bie SttBeit n)itb , id^ mftnfd^te bag 

id^ tei(^ n>Ste, um, toxt xdf e$ mit meinet etfien ©d^tift gemod^t, aUed felBft 
btudfen 3u laffen, unb ^etn<^ oetfd^enfen 3U lönnen. SlQcin ic^ foK mid^ 
nic^t ftBeti^eBen. . . . 3Ran gieBt ja einem UeBetfe^et ffm Sil^alet fUt ben 
Sogen. 2)ie ©fitigfeit, mit xodiftx ba^ publicum meine 3(tBeit aufnimmt, 
lägt mid^ ^offen, man n>etbe nad^ bem 2)tud( ben oon dienen fd^on BefHmm- 
ten $tciö nid^t }u l^od^ finben, in ffittoägung, bag eö Dtiginalwetfe fmb.'' — 
SBaltl^et mugte fl(^ füt ba$ UBettrieBene ^onotat ju entfd^Sbigen, inbem et 
bad Su(^ fo com))teg btudtc, bag*bie Seite fafi ein S)tittel mel^t entl^ielt 
ald bie ßunfigefc^id^te (38 : 29), et Befc^nitt alfo jened um imil^ IDucaten, 
Beinal^e ein Siettel. 92immt man l^in^u, bag bie Sioten untetm Xti^ in 
bet ftunflgefd^id^te unglcid^ mel^t 9taum n)egne^men, fo etgieBt ftd^ aud ben 
©eitenjal^lcn (431 : 127), ba§ bet Umfang bet änmetlungen bie ^älftc bet 
ganjen Äunflgef(^id^te Bettagt, ein Umfang, mit bem ftcilic^ bet Snl^lt in 

feinem gleiten Setl^&Itnig fielet. 

Däicitt n)utbe ba« SajctI SBil^clm ©tofd^, mit bem ÜRotto Qui mores 
Lominum multorum vidit et urbes, „um ©clcgcnl^cit ju l^aBen, »on unfetet 
gqptüfteu gtcunbfd^aft, bie ton l^l^ctet Siatut ifl, ein ä^wgnig aBjulegen".*) 

*) ^ext Qoerl^toe fagt SonteneUe: U ayolt du goüt pour ces sortes de D^dicace«, 
et il aimoit mieux donner une marque flatteuse d'amiti^ k son ^al, que de ne pro- 
sterner aux pieds d'un grand, dont k peine peut-@tre ^toit-il aperQu. 



284 Breite« 9nif. UI. ^^ttB^t imb 9la^n&a^t. 

Sfftt ma^fsnbe ©tärfe in ber XBteefenl^ett no^ futjem )»eTf&nIt(^ Oeiutg 
ip ein 3^"9J^i6 ^^^^ 335a]^t]^cit; mit $ctj unb ®cifl ifl et il^m <mf oOen 
Keifen gefolgt : nur eine Suft l^aBen fle nic^t genoffen : ben ^ennb jn Bilben 
unb ju fd^affen. ,,3^enn n}ir nxiren einer für ben anbem bereite erfel^ne 
gteunbc^ TOic ber crflte 5Kenf(^ tt>arb, ober »ic ein l^ol^et ®ebanfc unb ein 
etl^aBened ä3ilb niti^t fttidn}ei9, fcnbevn auf etnntal in feiner (Sxh%t nnb 
Weife entfielt". 

1. S)er n)i(Uonnnenflc Seftanbtl^eil in biefen SJac^trSgen tooxtn bte 
neuen i^enhnaler^ bte aU n>eitere Seif^icle ber (Stile alter ^nfi oufgefunben 
&>orben maren: in biefem "^^unft nxir ja bie Xmiutl^ ber JhinflgefÜ^ic^te otn 
em)>finbli^flen. 

JBaö ben Sltercn <5til betraf, fo fanb er beffen ,,beHtIi<i^fie SWerhnale" 
in ber feitbent bom Sarbinal SKBani enocrBenen (ard^aiftifd^n) ^ßoUa^, bereu 
So^f bie fogenannte l^etrurifc^e Silbung l^Be, ja, menn er bon Safalt xoSxt, 
filr eine äg)^)pftif<l^e SrBeit gelten fönnte. Scrmutl^ru^ fei bie SDiona bon 
Bemaltem SRarmor anS $omyei ebenfo alt. 3^ann ber ,,un(efleibete Mtnger^' 
im 'JSalajl göniefc (ber eine an^ ber ®rm)^)e ber J^rannenmörber ^otmobiu« 
unb «rifiogito). SB%enb ber (niemaW aBgeKfie) Äo^)f eine Be^mmte ^rfon 
anbcute unb ben aKerSltcjlen auf SKfinjcn Sl^nlic^ fcl^c, ,,offcnBare fl^ in 
ber ganjen gigur foöiel Siffeufd^aft mit meificrl^fter «rBeit auögeflK^rt, bag 
biefelBe ber fc^önflen 3«t ber.filinfl »ttrbig fein lönnte." (Jnblid^ bie grofe 
aWttfe im ?alafl SarBerini ^d^l in aWön<i^en). Die galten ^ngen aDer=: 
bing^ nod^ fenfrec^t, mie in ber alten S^^^r ^^^ ^^^ ®efi<^t9BtIbung l^t 
regeXmagige gttge ber @<^ön^cit, fte nrirb alfo ^^auf bem SEBegc ber Äunfl jur 
©cUcnbung'' gema<l^t ttjorben fein, ,,ben Ägelabaö, aW ber ttHil^rfd^einRd^ 
5Keijler berfelBen, Betreten ,^tte". — „Sif »iß nid^t entfd^iben, oB bie 
®tatuen bed Qaflor unb l^oihx^ bon $egefta§ gearBeitet, bie el^old bor bem 
Xem^el be6 Jupiter tonans fianben, eBAibiefelBen finb, bie in coloffaßfd^ 
®xi%t auf bem Sam))iboglto fielen ; gen>ig aBer ift, bag biefelBen an biefem 
^ügcl gefunben Pub. & ffinnte eine geiüiffc ©Srte, bie ber «rBeit be« 
^cgepoö eigen »ar, ju einiger SKutl^magung filieren". — 

©el^r berfc^iebene« ip l^ier jufammengepcttt: »er Knute barau« ben 
»egriff eine« (gtite p<3^ Bilben? "^a« unb Diana pnb ard^aipifi^ ettltue= 
ibole; ber Slinger eine f(^öne eoj>ie ber @tVLppt ber SWörbcr be« ^^i^^JKrr^ 
bon Äritioö,. »eld^c bie oon 3Eerjreö. cntfül^rte ®ruj>^>e bc$ «ntenor erfc^n 
foBte; bie jteeite gtgur, ber ein fester Äoipf aufgefegt »orbcn ip, entbeifte 
SBindelmann erp nad^ bem Drutf. Die ÜÄufe ip ein majepStifd^ Apollo 
Sitl^arocbu«, ber un« el^er ben 95egriff „^t>f)zx ®rajie'' berpnnfid^n toürbe; 
nai^ ber Ungleid^l^eit ber SrBeit, bie am ®en)anb jiemlid^ l^anbmerldmStifl 
ip, »irb* er bod^ »ol^l eine (Jo^)ie fein. 



§ 149. ^e Kntnevhutgen über bie ^d^^te ber ftuitfl. 285 

®ne fel^ pxolltmctt^äft Seret^erungen bet folgenben ^riobe ifl bie ^vl- 
tttdbatiTung t>tß äRt^ton, bcr lange bot '^ßl^tbia^ gefegt roxti, auf @Tunb 
einer ^Untanifc^en Semerfung üBet feine altett^ttmlid^e 8e]^anblung ber 
^oore/ linb üBet bie ©itte, feinen ittanten auf einem nocften £^tl ber 
Statue anjuBtingen. @an} Sl^nli^ n>ie et ftttl^et kl ®co)>a^ eine t)etein' 
jelte Qinf<]^Iei^ung feinet Stomend Bei ^liniud gegen alle ttBtigcn ^(iifüif= 
ten btefed unb anbetet @d^tiftfle(l(et in bie 9Bagf(^aIe nxitf, um jenen Silb- 
l^auet }u einem 3^^^8^^^ff^^ ^^^ $]^ibia§ ju machen: fo ifl ed l^ict ein 
angeBU(^e£ (S^igtamm bet Stinna üBet bie Sbif), auf @tunb beffcn et gegen 
aQe d^ttfl^iff^ ^^^ 9Rvton mit (Etobad unb Xgelabad gtu)>))itt. 

3n)ei t]^5netne Qantp^oxtn Bei Sabace)»))i foOcn att ^)>ien bet Btim= 
jenen befi ^ol^clet gelten fönnen, bie Setre^; au^ äRefflna n^egnal^m, unb 
jnKit n)egen ^,einer gen)iffen $ätte, fonbetlic^ im SButf bet ^leibung unb in 
ben galten"; eBenfo fei tte gigut eine« ^aBcn im ^afl öotBetini, 
bet in ben Ätm einet anbeten, tetlotcncn §igut Bci§t, möglid^ettoeife eine 
do'pxt bet ftnjkl^elf)>ielet beffelBen 3Rtifttt9, tieUei(^t ^ttoclud, bet aU ^aBe 
im ©tteit üBet bieg @))iel feinen ^eunb Sl^fom^muö unt)etfe]^end tobtete. 

3)a ^^tl^agotod bet etfle tvax, meldtet bie $aate mit mel^t gleig auS^ 
atBeitete, fo mürben SSSetle mit fogenanntem l^cttutifc^em (ge3n)ungen geatBet? 
tttem) obet mit bcm n)enig au^geatBeiteten ^au^tl^aat (mie bie 92ioBiben) 
nid^t nad^ feinet ^txt gefegt »etben btttfen. 

üDad Stingetf^m^legma bet XtiBüne mivb (mte fdbon auf bem Strip^x 
V)on 1557) jut S'lioBegnH)j)e gete^net; c8 fei an bemfelBen Dtfe auögegta= 
Ben n)Otben, bie jüngctn Si^ne foQten ja Beim 9tingen getSbtet fein, unb 
e^ etfd^eine ,,fl5tliti^'' aud bet SltBeit in ffö^fen unb ^oatcn, ba§ ed oon 
bemfetten SWcifiet fein mftffe. 3n bet SBlcinung, baß bie ScioBe ein SBetf 
beiS ®co^a9 fei, BeflStlt tl^n augct betf ^aaten bet SBgug eined oon 9tom 
oetfi^tounbenen SHoBetoipfö. ffinige todift in biefcm „nxil^tl^aftig f(^6ncn" 
fto^f „mel^t 9tunbung (j. 9. am VngenhuK^en) Bemetften, au(^ ben 9Runb 
Beffet geBilbet fanben", »outen fti^liefeen, et fei oon bem malzten Äoi)f aBge^ 
nommen, unb bet je^t auf bet ®tatne fi^e, fei eine alte 9{e)»lil oon einem 
getingeten Äftnjttet. ®ie toftfeten nic^t, ba§ bem l^ol^cn ©til bie »unbung 
nod^ nid^t böDig eigen n>at, unb bag bie mel^tete iBeid^e btefefi to^^d auf 
fastete QtxUn beutet; man fönnte i^n fttt eine SBiebetl^olung bet 9lioBe au0 
bem fd^inen Stil unb bieSeid^t ffit ein S3etl M ^a^iteled l^tcn. 2)te 
Setgletil^ung Beibet ftB))fe leiste ben Untetfd^ieb be^ l^ol^en unb fd^önen StiU. 

(Einen Scgriff t)on ber jioeitcn obet gcfaOigen ®ta}ie foll man f^ au9 
ben jH^^en bet Seucotl^ea im €a)>itolinifc^ 9)tufeum mad^n. 3)et eine 
(ätmmct be« gauno toffo 25) ifl ein atiabne!o<)f, fein, fel^nfüi^tig, tjotnel^m; 
mit Befonbetd fd^önet (Eintal^mung be^ OoaM butd^ bie ^atlotfen. 3>et 



286 3^te8 Sbuöf. m maäfix^ imb S^a^nonge. 

Bebeutenbße, fftt jene ^^tunbltd^ gel^tenen ^otmen'' Befonberd Id^rreui^, tft 
bet Bereite in ber etßen Hn^aBe ongefül^Tte nmnberfome SRacäfMc^ 
(®. 200 f.) »0 jene unerfd^ö^fU^e SeBenMraft^ bie Bei untergeorbnetca 
9?atuten in Btaufenber 9en>egung l^etDortritt, in fofl ht^ccaliift, gottCi!^ 
9tv!fyt ttBerfe^t ijl. Die ^Mt ber frau^elixften ^oare, bie ettood gefeilten 
Xugenliber, bei efttxi^ geneigte fto)>f geBen einen 3ttg &on ©d^toere: ein (Sx- 
füOtfein be« Slutö unb bet ^antafie nm ©eifl bed SBeind, )>on Silbern 
nod^ffingcnbcr inft. 

(Sinem ntinbeßenS fel^t petfBnlid^en ©efd^aif ftBetl&^t er fU^^ tt)enn er 
Don bent coloffalen %ntinou9!o)>f }tt SRonbtogone terftii^ert, ,^er fei i^on fo 
großer nnb l^ol^er ffnnfl, bo^ e9 feine ße^erei f (feinen folte, jn fogen, ed 
fei biefe^ 3ßetf nac^ bent 3[))olIo unb Soocoon ba^ <Sd^6nfle nxi^ nn^ üBrig 
ifi; bie $aare unb il^re HuöarBeitung l^ätten im ganjen Sltertl^unt ni(^t il^teS 
gleid^en, ja man IBnne fagen, ber ßof>f fei eine^ ber f(^5nften 3)inge in ber 
SBelt". 

2. Sine (Entfd^abigung fftr bie geringere fod^Iid^e Scbentung biefer 9Rid= 
ceUen gcn)ä]^rt und il^re leBenbigc, }um S^eil ^rfSnlic^e ^SrBnng, ber $tttt 
bed gegenn)Sttigen SugenBÜrfd. 2)ad 3d^ bed Serfafferd tritt me^r oiU 
in frül^eren Schriften ]^crt>or: er »eig jcftt, ba§ e§ eine ©emeinbe gicBt, 
bie feiner Selcl^rungcn l^orrt, unb fftr bie t9 ein f(^tt)ertoiegcnber @mnb i^, 
ba§ ein ®a^ »on il^m lommt. Cr mad^t ©eflanbnijfc üBer ben ®ang feiner 
römifd^cn ©tubien, feine ©ntoeil^ung in bie SK^fiericn ber ©c^önl^it^ üBer 
feine literarifc^en Serfud^e, feine SWetl^obc unb feine ©runbfS^e. (Sr ffil^rt 
nod^ ledCer aU frül^er nid^t nur üBer btc mobeme ®cul))tur, fonbem ttBer bie 
größten SKalcr l^cr; er »irBt für feine Mouumenti, für fein 8ieifcj>roject 
nad^ (Slid; er Bringt bie im Sefi^ feiner Selannten (toit Q[aioace))|>i unb 
Äonbanini) unb ber »on il^m gcfül^rtcn Sieifenben (Änl^alt) Befinblic^en 
®tüde an. 

gör ©d^ilberungen Bcbeutenber ©tatuen fd^icn bie Slber ©ertrodnet; 
nur ber jihigflentbed^te fd^dne $an6Io)>f l^at nod^ einen fc^n^ad^en Stad^l^oD 
ctipcdft. ©iefcn ,,Saun" ^tte 6aieacci)^>i im a^jril 1763 ertoorBen; SBindd? 
mann fanb il^n ,,k)on fo l^ol^er l^immlid^er ©d^önl^eit, ba§ er aOed ftBertrifft, 
toad id^ gefeiten unb toad fein !ann. 35efi5nbig^ fagt er, beule id^ an ben- 
felBen^ unb bie 5Rad^t träume id^ baöon". (£r fürd^tet, ,,ba^ er tool^I enblid^ 
einem ©ritten ju 2:i^cil »erbe. SEBer JüiO unb tenn bergteid^cn auger biefer 
ytCLixcn Bejal^Ien? @o))iel ift inbeffen gen)ig, bag id^, folange e§ mdgüd^ i% 
üeri^inbem njerbe, bafe biefer Äo^)f aud 8tom gel^e". Unb fo finbet man il^n 
benn pytx Raffte f^äter att beffen glüdKid^en Seft^er; er foOte bie 9)eife 
nod^ Serlin mitmad^en, nxir aBer bie^al ,,ber ®efal^r eineS unfreunb? 
Bd^cn Slima'Ä entgangen" (fl>5ter »anberte er nad^ SWünd^cn). „& ift 



§ 149. 2)tt Slmnnfungcn fito bit ^efd^i^te ber Jtunfl. 287 

mein ©an^meb, ben id^ ol^tte Sergemt^ nel cospetto di tutti i santi fttffen 
lann". Der ÄtlnjHet l^aBc flc^ üBcr bie gen^öl^nlid^c gaunöibee erl^oBen unb 
baö Sitt einet l^ol^cn ©d^Bn^eit gegcBen, üBcr mläft^ fld^ eine unan^f^>rec^= 
Vxift ©üfeigfcit crgicgc, toic fUfy benn fonbetlid^ in bem m6gcf<i^Ii>ffenen 
Wtnnt eine fanfte (Sntjücfung }U Supern f(^eine. SRan n)ÜTbe nimntennel^t 
einen Saun in il^nt etfennen, ol^nc bie Keinen l^etborfeimcnben ^ötnet. SEBitfc 
lid^ l^t biefcr intercffante fto^^f einen eigentl^ttntlid^en, »on bem finnlid^en 
8efeen^geffil^I be^ Berttl^mten €at^t9 }. 9. fcl^t )>etf(^iebenen Ztjipn^. dn 
bem tänglid^en Obal, bem traumetif(^en atu^Tud, ber feitliii^en Üteigungr ' 
liegt ein ^andf fel^nfud^t^oücr 2Re(an^cIie, bon (Sinfomleit inmitten ber 
3Bctt, in ber er fld^ ni<j^t l^eimifti^ gu füllten fc^eint. 

(Sincr ber neuefien Sammler 9tomd »ar ber bem Sarbinal nal^efiel^enbe 
SKard^fe ÄJonbanini, bcffcn '^lafl am 9?orbenbe bc^ Sorfo au<j^ bie ®räfin 
O^eroffini Benjol^nte. (£r lieg 1764 feinen Sortile in ber SDSeifc ber ^öfc 
SRattei unb ©iufKniani, frcilid^ mit »iel fc^mad^ercn SWitteln, ju einem 
Keinen SWufeum bcn JReliefö, mobern crganjten lorfcn, ©raBinfc^riften unb 
®ranitfd^5ften l^errid^ten; ftBerrafd^t ifl man, ^ier bie unbegreiflich mißlungene, 
le|te ^ietad SKid^elangelo'^ }u finben. & feien nic^t leidet bolRommnere 
alte 8iIbni§B^)fe gu feigen, aW brei ft^ipfe biefe^ SWard^efe, barunter gtt)ei 
bon bemfelben SReifler, einc^ n^ol^l ber altere Sato, bon ;,fa|l unnac^al^mlid^er 
Jhtnfl". Derfefte fceftfte ,,bcn f<l^önflen Äol>f be« jüngeren »rutu«"; ,,eine 
oon ben kiben (bie anbre if! im Sai)itol) »al^ren ©tatuen be^ Sluguflu^"; 
enblic^ ;,bie eingige nml^re ©tatuc ?(lejanber^ (feine fonfl l^at ben Äojjf 
eigen) ; beren üBerbem gang unberle^ter Äoipf nie tom ftör^jcr abgetrennt ge= 
ttjefen" u. f. to. — 

UeBer bie neuere ©culiptur f<)rid^t er im Ion l^crau^forbember ®ering= 
fd^aftung. ,,2)ie n)cld^e glauBen, ba§ ein 9Wi(^elangelo, ein ?uget, ein 
giammingo, ol^nc fld^ oerfried^cn gu bttrfcU; neBcn einem «jjoffoniuö, ober 
einem ÄgaftaÖ auftreten Bnnen, mögen gum '^roBierftein biefeö SScrgleid^^ 
We ©d^önl^eit nel^men. SKan fange an, bie Beflen tö|>fe ber gelben (!) 
neuerer Jf unfl gu Bctrati^ten ; man lege il^nen bor ben fc^önflen Sl^riflu« bon 
SWid^clangelo, ben Bcrttl^mten fto^>f ber Rlugl^eit auf bem ©raBmal ^Bjl 
^ul III oon @utl. beOa $orta, be^ oorigen ©d^ttler, ferner ben »o>>f ber 
Befd^rieenen 1^. ©ufanna bon ^itttnmingo, unb ben bon ber 1^. ©iBiana be^ 
©ernini". Den (B^rifluöW^)fcn SWic^elangelo*« fd^rieB er eine ,,niebrige unb 
»)öBel]^aftc ®eflalt" gu. «Igdrbi'ö 1^. «gnefe fei oielmel^r l^äfeli^ att fd^»n. 

«Ber auc^ Äa<)]^ael h>irb nic^t oerfc^ont. „Die 3bee be« Stop^€ feiner 
©alatl^a ifi gemein, unb e« finben flc^ an aßen Orten fernere SBeiBer, 
unb ÄBer biefeö l^at er feine fjigur fo geflefft, ba§ bie »ruft, ber f^önfte • 
D^eil be« SBeiBed, burd^ ben einen Arm bBDig oerbcdft toirb, unb ba« eine 



fU^tlbare ftnie ifi tiel ju tnorptUi^t fftv ein JHgenblid^ Xltet, gef^toeige fitr 
eine fj/Mxäft 92i^m)>^c''. — 

@i^kgel ^ot fi^ fel^r mtftrt ftkv bte 9tat]^f<^Iäge, totU^ äBtndcImaita 
ber (^rifilu^en ftunft ju ertl^ciUn {i# untetfSngt. „Seine £j^t»fe, meinte 
btefex, tt>&cen unferen ^nfllem (effete ÜRbbelle )u ^guren ge^tligter düng- 
flauen getoefen, üte bie ber Xma)onen, unb benno^ ifl ed 9{iemanben eim 
gefallen. üDer Sltd ber Sntajone ift ni<^t friegerifd^ nix^ loilb, fonbent 
emfl^ft unb nix^ ntel^r att t» ^a^ ju fein l»f(egf^ „SMr fft^ren, Bc= 
merft ©Riegel, biefen aBenteuerltc^n Sorfc^Iog 99SindeImann9 nuT an, um ju 
}eigen, mte fo gar (eine Sl^nung wa bem SBefen ber (!^ifll((^n 3beak er 
ge^Bt'^ (Sr n)ütbe 3uno fd^ictrKJ^ finben. $iet aBer l^at ber „fftiom^i^" 
SHntfelmann einen richtigeren Xoft gejeigt, aU fein d^nfiru^::romantif^er 
Sriticud. & fc^eint faß, biefer ^Be mel^r an mobeme ntit'bem SBott 
Xmaione iDerIttfi)>fte Silber (etnKX an9 9tuBend) gebotet, afß an Statuen »ie 
bie t»enounbete Vma}one bed 6a)ntote unb bed Sroccio nuoDO. Diefen 
gegenüBcr erf(i^int ber Sorf(^ag gar ni(i^t fo aBenteuerGc^. -ffienigfienC 
ßel^t bem <j^rifHt<j^en (Sujet lein alter Z)^pn9 n&l^er. S)er !6nigli(^ @toI} 
ber 3uno, ber fhenge Xieffinn ber ^la^, üBerl^au^^t ba9 ftBer menfc^Gc^ 
@<^anfen erl^aBene ber ®5ttinnen, pa^t nid^t fftr eine .^gel^eiligte dungfrou^' ; 
n>ofjH aBer (natttrlid^ ))orBe]^aItUc^ einer (^rifUic^-fünftterift^n Saufe) baö reine, 
{henge ^elbenmäbd^en, bie e^ )^x\i^mSiift, aU f^Sne Srganjung bem florfen 
®ef^le(^t fi(^ an^ufd^Iief cn ; bie, ton 93egeifierung ^ingeriffen, vkUft t^re 
einfältige 9Iatur gan} auffüllt, in mSnnlid^en $anq>f ftc^ fUrjt, f(^itert, unb 
tobe^matt, loon ®<^mer) ttBem)aItigt, nun unter ber ®eflalt be9 9Rit(eib^ 
lieber ©egenflanb ber ^t^nqnttl^ie, ber fc^mcljenben (Enq>futbttngcn n)tTb, bie 
fle unter ber ®eflalt ber JicBc öcrfd^mSl^te. 

(SBenfo ifl t€ ein burc^ bie alt^riflli(^ !Z)arfieIlung bed Srldfer^ unter 
bem ÜDio^urent^^ud }u cntfc^Ibigenbe^ itlb, bag ^anniBal in feiner ^ietä }tt 
92ea))el (bie man freilit^ flBer ber 9tiBera'9 ^vgigt) „bcn $eilanb aM einen 
jungen gelben ol^ne 93art geBilbet, unb bemfelBen eine l^o^e 3bea gegeBen, 
bie er Don ben fd^Snflen ftöfpfen ber Xlten genommen l^aBe, um ben ©«I^Bnfien 
ber 9Renf(^n!inber oorjuflellen. SBie im Qtn^ ber 8art, ba^ el^rtoftxbige 
^au)>t]^aar allein ^tidfta bed Slter^ ift: eBenfo n)ttrbige Segriffe oon ber 
©ottl^eit, atö toeU^e leinen SBcd^fel ber ^txt annimmt, ^Stten unfern ftftnfHem 
no(i^ mel^r afö ben Xlten eigen fein foQen, unb ton fe^en gleid^tool^l in ben 
mel^rflen il^rer Silber be^ enngen Sater« einen Betagten ®m9 mit einem 
hl^Ien eöiSuV. 

3. Stielet bie le^te Stelle unter biefen SDHdceOaneen Be]^an)>teu enblicj^ bie 
antiqttarif<^en. %ikt (Srfl&rungen buuHer S)enfm&Ier UKtren freilid^ bie glei(^: 
jeitig gefammelten äRonumente Beflimmt; bod^ fat^ einige« aud^ l^ter ^lo^: 



§ 149. 2)ie »nmertungen über bie ^efd^id^te btt Stnnft. 289 

3. S. bie !Z)eutung be^ fogcnannten SinctnnatuS (einet ^igut, todift fldf 
bcn einen (Bd^nSf juBinbct), ber au§ Sitta Stegroni na(]^ SSerfailleö fam, auf 
3af on : be« fictbenbcn ged^ter^ auf einen ^etoÜ), unb jtt>at ben äntl^emocris 
tu§, toelc^er üon ben aRegatcnfetn emtorbet »urbc Die Umtaufung bei 
SJenuö bc« ägoracrituö jur 9Jenteflö etflärt er anß bcm möglichen 'S^opptU 
finn be^ geBogenen 9ixm9, mit bcm bie Sigur il^r ®ett>anb üor ber Stufl 
in bie ^ö^e ^ält; biefe äction foH Bei ©enu« ,,bie 3ü<^tiglcit unb ©d^am 
anjeigen" ; im anbcm gaH aBer aK S[nf^)iclung auf ba^ SRaag ber Oried^en 
(nvytiyy cubitus) baö richtige ÜRaag ber SJergcttung f^mBoIiflren, beren ®öttin 
Stemefl« ifi. Da« ^)alefhincnrifd^e SKofaif ftcHe bie ©cgeBen^eiten beö 3Rene= 
loo« unb ber $elena in S{eg^))ten bar. 

UeBer ba« Bi« }um Siel aBgel^anbelte 9iat]^feIn>ort $oI^cIet6, roonad^ 
fid^ bie größte ©d^n>ierig!cit im ärBeiten Sugere, ^,n>enn ber ijl^ott pd^ unter 
ben 9{ägeln fe^'', Bcmerlt et: bie ÜRobelle in Sil^on n)urben toie je^t mit 
einem SKobeQirfledfen gcatBeitet ... bie ^nfllet aBct nol^men oud^ bie ^nget 
mit }u $ttlfe^ unb fonbetlic^ bie 9!agel^ einige feine ^txU anjugeBen unb 
mit mel^r ©cfttl^l nac^jul^elfen. Diefe feinen unb em)^nblid^en DtudEe l^aBe 
er gemeint. 

3ßa§ bie ©I&ttung ber ©tatuen Betrifft, fo l^alt et ed für „mlfx alf 
toal^tfc^einlid^; bag einige alte ^nfllet na(^ bet (£nbigung mit bem Sifen 
unb bem UeBetgel^en mit Sim^ftetn bie 9Kuge unb @ebulb gel^aBt l^aBen, 
il^te äBetfe ton neuem ju UBergel^en, inbcm fie biefelBen fanft mit bem (Stfen 
nad^eorBeitet, tl^iM um il^nen felBfl bie le^te ^nb )u geBcn, tl^eil« boburd^ 
bie lOBetflod^e bed %ad(enben fanft ju mad^n unb bie ^nfi in tl^t loSIIigeS 
Sic^t iVL fe^n'^ 9S$ogcgen bet @lan} toeld^et Bei unfcten ©tatuen butd^ bie 
9teiBung mit Zxv^l unb Slei entfielet, auf bie Beleud^teten ^dlt einen fo 
gteQen ®(^ein n)etfe, bag babutd^ t)ieImaU bet mül^famfie ^Ux^ unfid^tBat 
n^etbe unb nid^t Bemettt tocxitn iinnt, tt>eil bad fiatle 3utüd())taKenbe ivift 
unfct Äuge temjorrcn mad^e". — „'ün Äö^jfen fei bie Seite, me^e aBge« 
n)anbt ifl, mel^rentl^eitö flacher gel^alten, ate bije anbete, j. 9. an ber 
SRioBe". — 

Diefe ©teQcn gcBen und eine SotfieUung boüon, tovt 993indEeImaini 
l^iet in feinen Untetfud^ungen n)ettetfd^ritt, unb bott Bei Keinen 3^f^^ 
}u bem ftül^cten flel^en BlieB. 



Oufii, XBindtlmoim. II, '2. 19 



n 



Siertee Co^tteL 

jiDer Antiqnario nobile. 

Die dolore, in n^e^e unfere Srjal^Ittng fSUt, nxtren in Sejug auf bie 
Xltertl^ümet eine 3^if(^n)eit, too bte tMif(^ SRegiemng n)enigeT aU frfil^er 
ober f<>atcr 3^it nnb ©urge üBrtg ^tte für fo^e S)ingc; flc finb bie ?aufe, 
totlSft ber größten dfodft )>al6ftti<]^en ©ammeleifer^ unb rönrif^er äRufeen:: 
f^ö<)fttng üuraufging. gaft ba« cinjige iSrcignt^ biefer Ärt^ todäft» bie 
ftanaUn (SIemend XTTT üetjeic^nen, n>ar bie HuffleOung ber beiben Sentou^ 
Ycn bed Sriflead nnb ^iad int Sa)>itol. ^u biefen int QciSfX 1737 »cm 
Silbl^auer 9tea)>oIione reflanrirten ^ro^tfUden lamen no(^ bie kiben in ber^ 
felBen ^abri€mdt>illa gefnnbenen SRofaile, bie XanBen nnb ein Slumenge- 
nnnbe. ®ie galten fftr bod »oUIoninienfle in biefer ©ottung Sor^nbene. 
!Z)er fUMRdfc Sefi^r, ber $rSIat ^urictti nxtr bnr^ biefe t^unbe 3U einem 
äßerle De mnaivis (1752), bem t>o(Iß&nbigf}en biefer %xt, angeregt n)orben« 
Senebict XIV l^atte i^n am 16. 9pdl 1741 im 9Ronte Sitorio Befn(^t nnb 
groged Serlangen (ejeigt, Beibe ÜReifierflüde fttr fein (Ea))itoUmufenm }tt Be= 
fmnmen. gurietti l^ielt fein lauBenmofaif für ba^ ton ^finiu« Befc^rieBcne 
bed @ofn^ in ^gamu^, ba9 ^abrian in feine Silla mitgenommen l^Ben 
folte, Blinb gegen bie Zl^atfai^e, bag (ungeachtet ber 160 ©teinc^cn auf 
einem Cuabratjoll) oon jarten t$arBenüBergangen, bem ©(^tten ber 9}5gel im 
äEBaffer, in bem feinen menig in feigen toar. Senebict XIV l^tte bem ^rSIo^ 
ten nie ben l^eiligen $ur)>ur gemäl^ren n)oIIen, ben biefer langß loerbient gu 
l^en glauBte (32 ©ü<j^er jö^Ite er auf [1757], beren 7 il^m bebicirt feien^ 
25 il^n loBen, — onde ben vede quant* onore a me si fa). SlBer auf 
einen il^m gegeBenen 3Bin! meint er, „biefe »ore »ol^l im ©tanbc, mir ben 
$ttr)>ttr }u faufen, aBer idf fenne bie ©tabt, i(^ roÜ ni<i^t ber Sarbinat 
Sentauro l^eigen'^ (Sxft SIemend XIU gaB il^m 1759 ba^ Sarbinalat oon 
©. Ottirico nnb ©t". ©iulitta. ?IBer er »urbe Balb finbifc^ unb parB ben 
14. Januar 1764. 2)er $aBß tooVitt nid^t, bafe fold^e 9taritaten and 9tom 



§ 150. 2>tr Antiquario nobüe. 291 

gingen: er Beauftragte ben (Sorbinal 9IBant mit tl^rer OitoerBung fttr bad 
SDtnfeum ber Saticanift^n Sibltotl^el; noc^ einer t>on ben SSilbl^em %acci 
nnb Sm>a€e)>))i gemad^ten Zqrirung jal^tte man bem Steffen 13000 @cubi. 
@te mürben am 20. 9Kai im Sa^ttol^ufeum aufgeflellt, me^ed t>on nun 
an att gefd^Iojfen galt. — 

Sei fo n>enig Xmt9gefc^ften tonnte SBincfelmann ^offen^ nun ganj 
feiner 2Ru^e ju leBen. XBer man l^t bie Semerlung gemad^t, ba| 3uf<^ * 
nnb SBed^fel fk^ mel^r mit unferen feßen planen ju f(!^ffen machen, al^ 
mit unferen loderen (Einfällen. 2Ber bad Unenoartete, Ungeal^nte erleben 
tooüt, foDe nur ben Serfuc^ mac^en^ bie 3u!unft in eine uuDermeibli^e ©e- 
flalt }u 3n>ingen; bann fomme bad Unt)or]^gefe^etie unb Bre<j^e unfern $lan 
in @tU(ie. SSxt oft^ menn man ein Serl^ältnig, eine Scfc^äftigung enbßd^ 
aufgelöfl }U l^aBen glauBt, lommt ein (Sretgnig n>elc^e9 baffelBe unaufQ^li(j^ 
modfi, 3Bie oft n>ar ber au^erfel^ene unb ermattete $afen ber 9txäft erft 
ber Sbt^ang^unlt be^ $au)>tdfclud ber drrfal^rten. 

!Z)er gegenwärtige Antiquar ber a))oßolif(^en ffammer l^atte in mfirbe^ 
looKer §eme loom Siceronentl^um t>on nun an gan} ]^6]^eren Qoytdtn }U leBen 
gel^offt. SRanc^erlei (Srfal^rungen litten il^n Belel^rt, ,^mie menig 3Renf<^en 
baö £)})fcr feiner Qtxt ©erbienten''. S33ie leer unb nuftloö tt>arett bie BiÄ= 
l^ertgen 93e}ie]^ungen }u Somel^men (mie IBrül^l^ 99erg) gemefen! 

W6er nad^ bem Wbfc^Iug be^ ^uBert^Burger' t$rteben$ tl^aten fic^ bie 
S^Ieugen bed gtembenflromd au^ 2)eutf<i^lanb auf, unb ilBerflut^eten bie @xn= 
fiebelei, in bie er fU^ l^atte ^urttcf^iel^en moHen. ©eitaB ju treten t)on biefem 
®trom ttHxr nic^t mi^glid^. (Sd mar bad erjlemal, bat ^^^f f^^^ ^^ dal^ren, 
S)eutfc^Ianb mieber nal^etrat. „^if l^aBe, f<]^reiBt er ben 30. SKarj 1765 
an SRurra);, Beinal^e in gel^n dal^rcn nväft^ au$ 3)eutfc^lanb gefel^n, tl^ettt 
meil ^ter geleierte äBaaren au$ Sffxtn ©egenben feiten ftnb unb \pa anlan- 
gen, ti^eil^ meil tc^ Bidl^er Blog unter Xobten unb unter Steinen gefeffen 
Bin, unb e^ ifl laum ein Sia^x, ba id^ juerft einige meiner ftleinigfeiten . . . 
gebrudt gefeiten l^aBe". 

S)ann aBer mar e^ bo<^ auc^ etmad, fomele Bebeutenbe Seute aller 
3ungen ju fh^ !ommen 3u feigen, bort mo fte bie formen aB}ulegen )>f(egen, 
unter benen fie fh^ bal^eim loerfleifen, il^re (Sinbrttdfe ilBer alle bie l^ol^en Dinge 
unmittelBar ju Demel^men, il^ren ©efc^mad }u Beßimmen unb }u Bilben unb 
fo feinen @mnbfä^en ben meiteflen (Sinflug }u t)erf(!^ffen, — bad alled aBer 
Bei öoßer greil^eit, baö @pid jeben ÄugenBUd ju terlaffen. „^in, fagt 
ein ateifenber jener üal^rc, geniest jeber Shfembe bie greil^cit, na^ feinem 
@inne ju leBen, er ^t eine ftiUfc^meigenbe (ErlouBni^, manci^e äEBeltconteniens 
jen Bei (Seite ju fegen, bie er in jeber anberen großen Stabt nid^t ol^ne 
Änfianb«oerleftung »emad^täffigen bürfte; SlBfonberung iji il^m gemattet, ol^ne 

19* 



bttfe er ein Scnbcrling f(^cmt ; »or allem abcx l^at et bcn Cottl^eil, jel^r oft 
einet bettä^tlid^n 3^^! au^cjeid^nctct, inteteffantet ^ktfoncn ouö aOen 
ganbctn gu l^egegncn". Die ©^attenfeite nwtt nur, ba| fold^c angchift<>fte 
Sanbe Bei bet äbteifc gcttjcl^nrid^ fttt immet aufgeBjl »utbciu ,,Dct ffleg 
l^ietl^et, fott)ic in bic ßtt)ig!eit, n)itb insgemein nut einmal gemocht"! 

9[u9 feinem bamoligen SeBcn etl^alt man einen leBl^aften Sinbtud ber 
* gang !o6mo)>Qtttif<^en Sin)ung bet l^öl^eten ®tänbe, fctoie ber internationalen 
Stellung bie er felBfl einnal^m. (Er terfel^rte }u gleitet 3^it unb glei^ )}ettrau' 
lic^ mit einem fd^leftfc^en 3un!er, einem froniBftfc^en !Z)uc, einem englifd^n 
^Demagogen unb einem n>elfc^en Sarbinal; er \ifOKbtt gmif^en SSerlin unb 
Korn; er \äfnti ein 99u(^ in italienifc^er (Bpxcui^t unb backte fein j^an)>tn)ctl 
in ftangöftfc^tt SeatBeitung neul^etauSgugeBen; er plante 9ieifen naä^ ^tcopd 
unb nac^ 2)eutf(^Ianb, ja fcIBß )>ot (Sried^enlanb unb 9(egt^))ten tpar et nrif 
immet nid^t ftd^et. 

SIRanc^e ißüftte i^tamen erftiegen bamald bie l^ol^en Xrc)))>en bed ^afM 
atBani, unb flo^>ften an jeneö 3^^*^^^ ^^ legten @tod, bcm man gleid^ 
anfal^, ba^ beffcn Onfaffe mel^r an feinen Siul^m, aW an feine foiinne 
badete. ,,$omer, (Suri^ibed unb einige anbere @ried^en n>aren feine SiBIio- 
tl^c!; aBet er l^atte ja bie 8ßBani*f(i^e gu feiner Verfügung, nad^ ber fonfl 
9Hemanb fragte, ©eine gonge. @atbetoBe Beßanb au9 gn>ei fd^n)at3cn ^Bit6 
unb einem gtogen ^Ig, bcn er cax9 Deutfc^lanb mitgcBrad^t l^atte unb im 
SBinter gegen bie Äälte Braud^te, benn fjeuer mad^te er nur für feine ffi^c^ 
colabe. 6r l^atte 9iicmanb gur Sebienung. Sein SKoBiliar ^ntfjjrad^ bem 
üBrigen, ba« eingigc ©tttdf ton SBertl^ n>ar ein gaun8fo»>f ber f^jater im 
©d^Iafeimmer bcö Carbinatt in ber SiHa ftanb". 

"ülaä) folc^en @d^ilberungen ber 9teifenben l^ielt man i^ bal^eim fftr 
einen armen ©c^ludf er, unb bie beutfd^en $rof efforen f a^n barin bie ©träfe 
fftr feine ÄBfd^ttJorung ber lutl^erifd^cn Sieligion*). 

(Sin bentf<l^er ^^anbdmann in SRom, in einem öffentlid^n S(mt, eine 
litcrarifd^e SeleBrität, unb Bcibe — ämt unb SelcBrität — auf baö fld^ 
Begiel^nb, »a« bie gtcmben nad^ 9lom fül^rte, n>a§ öon 3al^r gu 3al^r mel^r 
gur l^öl^eren Silbung gcred^net lourbe, ein foü^cr !onnte fein geleierte« (£in= 
fieblerleBcn fftl^ren. äBer loenn andfr fo ntögte man Begnxifcln, oB SBindet 
mann, tt>ie ßartejitt«, bet SKann gcnjefen »ätc pc^ mit feinen 9Rebitationen 
w)t bet SBelt gu wtfteden. ^w fül^ttc ein tcbnctifc^=^)abogogifd^t SRit^ 



*) Vivit ibi satis tenui oonditione, nempe conditione Ctceronis. Vocant autem 
ItaH Cieeronet homines antiquitatü peritos, qui deducunt homines peregrinos in loca 
antiqua. Hab^mns libros mtdtos in hanc artem scriptot. Talern ilomae agit ritam, 
ut saepe esariet, nisl forte veniat aliquando prineeps, qui pro officio sibi praefitito 
det ei aliquot aureoa. 3. Wt, ©eöntt Isagoge § 288. ©IJttittgen 1784. 



§ 151. iRotbifd^ (Sbettaite. 293 

tl^ctlung^icB itnmct wiebct unter 9Wcnf(i^cn; ,,bct ©t^ulmciflettticB mtU 
bctejlc^". 

Dod^ 'max bcr SJcrfcl^r mit bcn @to§cn für il^n !autn eine ®erftt(i^ung» 
ÄtM^ gieBt e^ leinen Ort, wo man bicfcr SitcHeit leici^ter tuiberflel^t^ al§ 
Äom, feinen tt)o man njcniger geftimmt i% anbere att reat^)erfönlic^e S}or= 
jfige gelten ju laffcn. (5r nennt ben vertrauten Umgang mit ben l^ol^n 
^erm ,,einc gro§e ®^ule ber 3ttf^i«b^w^«it/ »^nn man c« fonfi feinlönnc^ 
ober tüoUt'*. Die »al^rc gröl^li^feit fei uic^t il^r «ntl^cil, ja fie müßten un» 
fßdlxif fein, toeil fle ba« l^ö^^e menf(^fid^c ®ut, bie greunbji^aft, nid^t 
f<i^meden fönnten. „Diefe« , meint er, ifl ein« W)n ben, oBgleid^ nid^t merfc 
ßc^en ®egengen)ic^ten , bie @ott auf bte anbere SEBaagfc^ale , ber ^oi^l^eit 
gegenüBer, gelegt l^at, unb l^at biefen l^ol^en ®enu§ ben 2Beif?n ol^nc ^ol^l^eit 
oorBel^atten. Denn Steunbf(^aft ifi nur unter 9Kcnf<i^cn oon gleid^em 
©tanbe". 

§ 151. 
SRorbifc^e Sbelleute. 

993iff man einen anfang§^)unft fc^en fttr jenen grembenfhom au« bcm 
9?orbcn, fb »irb e6 ber SBintcr fein, in XüM^tm SBateJet mit feiner ®cfell= 
f^aft ndd^ 9?om fam. 3^^ Begegnen \xn9 mel^rerc (SbeHeutc, bie in ocr- 
fc^iÄencm Sinn Sad^fcn l^eifeen Knnen, — c^urfäti^ftfc^e, angctföi^fifc^e, niebera 
fäcBftf^e. 

3m DccemBer 1763 erfc^icn ju 9?om ein junger 5Wann oon l^o^er 
fd^tanfer gigur, mit leBl^aften geiftootten Äugen, „ein fel^r tt)ttrbigcr Saoa= 
licr". ß« ttjor 3oa(^im ®ob«fe, ber fünfte, aBer jum CrBen Beflimmte 
©ol^n beö bänifd^en £?Berl^ofmarf(^aII6, feit jDicfem Saläre auc^ SKiniflerö 
5ricbri(^ V, «bam ®ottloB ®rafen 9KoIt!e. "(gr Bra<i^te aW ®ef(^en! neun 
SSanbe ber „StBIiotl^e! ber f<i^önen SBiffenfd^afteu" mit, in benen SBindeU 
mann nid^t nur feine „Keinen iwxcftn^* jum erfienmate gebrucft fal^, fonbcm 
aud^ bie 8tecenflonen, Beffer Slogcn, feiner Schriften; „er fönnc fld^ nid^t 
Beftagen, gejlänb er, bag il^m Unred^t oon ben 3ournatifleft gef(^e]^cn; flc 
feien aflfe fel^r gKnH)fIi(j^ mit il^m oerfal^ren ; biefe il^m rül^müd^n 83ettrtl^i= 
lungen mustert mel^r Äufmerffamfeit er^edft l^aBen, aM bie ©d^riften felBfl, 
ttjeW^c in jenen mit einem CoBe ahgefünbigt feien, woran bie greunbfd^aft 
mel^r aW ber eigne SBert]^ Äntl^eit l^aBe". 

Der junge SKoltfe (1746 f 1818) l^atte bie Begonnene milit&rif^e 
SaufBal^n aufgegeben, unb eine fünf Qal^re baucmbe 8ieife tnö äu^lanb 
unternommen. 3n 8ei^)jig war er ®cnert unb SmcfK nal^cgetreten, »eitlem 
leftteren er Bei beffen StrBeiten l^lf unb bofür bie Cottegienau^gaBe be§ 



294 B^teS eviöf. IV. ^o^ ®5(ie intb e^^fSOa. 

jel^nten ^ifi be^ Oumtiltan bcbtcttt erl^telt. (Eine beutfd^ UeBerfe^ttng 
bcffcftcn 23ud^ »cn feiner $anb l^at 3. ^. ©d^Iegd 1776 in fto^^nl^gcn 
l^rott^egekn. 3m ^aufe feinet %ater9 fehlte tB niäft an nnfllerif^ 
Snregnngen. S)eT alte 9RoItfe, bet aß anner mellenBurgtfc^ (Sbelmann 
noc^ !Z)anemarI gelommen nxir, unb att bc9 ?anbe0 reid^fler @nt91^err ftarB, 
galt ald tl^atiger t^erer ber fünfte unb Sßiffenfc^aften. (£r teran^altete 
3iieBn]^rÖ arafcifci^ Steife fotoie ntcl^rerc Slotblanb^ol^rtcn; burd^ il^n erhielt 
ftli))>{b(f Beim Könige ^ittdtt unb jene '^fton, bie il^m nnc^l^Sngig ftt^ 
unb ben äRufen }u leben geflattete. 3n feinem ^aufe gingen bie 9taler 
unb S9ilb]^er £i>))en]^agen9, meifi t^rembe, and unb ein, unb er fommclte 
jene au^gett>al^Ite ©oOerie nieberlanbifd^er ÜKeiftcr, bie nod^ je^t eine S^tiltK 
biefer $au)>tflabt ifl. 3n biefer (SaQerie Bemcrft man auc^ eine Snjal^l t>on 
©emalben, »eilige ber junge SWolt!c »al^renb ber Steife laufte, auf totUftt 
toir il^n l^ier treffen. Cr fügte ben 3tamen 9iu^ßbacl, Icnier^ unb 8an 
ber SEBerff bie 9?amen Dietric^, ®rcuje unb SRcngö ^in3U. 

ÜRottfc unterl^ielt nac^ feiner SlfidEfel^r bie ScrBinbung mit bcm römift^n 
©elel^rten. Gr üBerrafAte il^n au§ Snglanb mit ber l^oc^fl ^)ra4tt>off ge= 
brucften ©laögonjer ^rad^tauögaBc be§ $omer, mit Glarfe'ö Jqrt, »ier Sonbe 
in Solio (1756—58), Bei bcffcn «nBIirf bie alte -Schwärmerei für fcBone 
grie^ifc^e ©rurfe toiebcr auflebte; er fd^rieB: „S^ l^aBe ein ttHxl^reö !inbi= 
f<i^eÄ Vergnügen über bief cö l^crrlic^c ®cf(i^enf ; unb ba ic^ baffelBc Beflonbig 
wx mir liegen l^oBe, fc BelufKgt fic^ 9uge unb ©emütl^ ol^ne Unterlag; 
unb n^enn xäf aud^ nic^t SRuge ^aBe 3U lefen, fo fcbaue id^ n>enigfien$ ben 
)»rSd^tigen Drudt an'^ 

3. ®. ÜRoItfe »urbe in ber golge felBf» banif(^cr 3»inificr (1781— S4, 
unb 1813 — IS). (Sr n>ar (StaatMann, DcUenbeter Cbclmann unb e^rHc^r 
9Kann; im Umfang ber @(^en!ungen für (Schulen unb geleierte 3(nfialten ifi 
i^m hin $rit>atmann noci^gelommen : il^r ®efammtn)ert]^ Beßef ftdb auf 
300,000 schaler. — 

3m SeBruar 1765 erful^r SBtndtelmann mit l^Bc^fler UeBerrofd^ung, bag 
ein beutfd^cr gürfi öon feiner Äunflgcfd^id^te „gegen aKe SKeufd^cn rebe", 
att bem erficn Sud^, baö er in )oernünftigen 3a]^ren gelefen. SiöBer glaubte 
er, aEe beutfd^en gürflen badeten »ie jener, ber „nid^t Begriff, »ie man 
beutfd^, unb im S)eutfd^en gut fd^reiBen Bnne" ; eö »erbe i^en üBel, menn pe 
nur SDeutfc^ Icfen l^örten. & toox ber ^rinj Subtoig Sugen 3c]^ann »cn 
SBürtemBerg (1731 f 93), ber jtt)eite ©ol^n ßarl Slejanberö unb jüngere 
aber unglei(i^e Sruber bed Befannten ^erjogd (Sari Sugen. (£r nKtr anfangt 
©olbat getoefcn, unb auf einer Äeife in bie 9?e^c beö »crfaifier $of^ gefdU 
len, l^atte bort S)ienft genommen unb u. a. im peBenjol^rigen Ärieg M 
Solontor gegen griebrid^ gef5nn>ft. Dann gaB er baö ftrieg^anbtoerf auf, 



§ 15U 9^0Tbif<l^ ®)eaeute. 295 

«ermS^lte ftif mit @0)>^te XIBettine @rS{in loon Seic^lmgen unb toutbe (ttne 
aBindcImann fagt) ,,cin toetfcr SWann"; gog ft^ auf ein ganbgut Bei Sau- 
fanne jurüd, tt)o er fetl^ß dolore mit bct^ bottigcn (SeleSritSten »erld^tte unb 
ber (Stgicl^ung feiner brci S:^ter IcBte. Q'p&t, in bet 3«t bct fReöoIntion«« 
Iriege, ifl er bod^ noc^ au§ biefer langen 9Ruge auf ben Xl^ton erl^okn 
»otben. Cr n>ar ein rebfid^r, gütiger, fe^r Icutfeliger ^>err, ben ©ef^&ften 
abgeneigt, unb ben gteuben ber 2afel ergeBcn. 3n goufanne nKtr t», »e 
Xiebefel feine 9elanntf<!^aft machte. „^ ^ttt, \6fxdU il^m äBindelmann 
3urüd, nimmermehr gegkuBt, ba§ ein beutfii^ $rin) ein ft^flematif<]^e9 beut- 
f(^e§ 9ud^ lefe, totwx @ic ed nid^t n>aren, ber ed fd^reiBt ÜDiefe^ yn^t, 
au^er bem Segriff einer ^ol^en 993ttrbigleit, ben @ie mir wn biefem $erm 
geben, jugleid^ einen Patriotismus unferer Station an. dd^ barf e9 alfo 
»Ktgen, ®ie 3U erfu^en, meine SBenigleit biefem bur(^laud^gften ^njen 
untertl^anigfl 3U em))fe]^Ien. dd^ n>ttnf4te bag i(^ biefeS felBfl )>erf8nli(!^ in 
9tm, in ^l^rer ©efettfc^aft t^un ffinnte". — 

!Z)iefe beutfd^ lot^Ie 9ufn)aIIung lagt für bie im ^erBfl beS da^red 
Bet>orfte]^enbe dmoafion t>on ©erenifftmi SefSnftigung re)>uBUcanif(^en Xro^S 
l^offen. 3)iefer dnioafton lam ein 3rrflem »orauSgefd^n^&rmt. SBindtelmonn 
foQte }um erfienmale einen jener SoßStriBunen unb 2^rannenmörber in 
gfcifd^ unb ©lut fennen lernen, mit benen er t)on jel^er, aBer nur auS ttjeiter 
gerne fi>nq)at]^iflrt l^atte. 

3ol^n SaSiÜeS (1727 f 97) »ar in jenem ^AtaUtt unangefod^tener 
CaBinetSn>irt]^fd^aft o^e 3tt)eifel baS ]^en>orragenbfle (£|rem)>Iar beS !Demagogen 
in (Suro^Kt. Cr Befanb ftd^ bamalS in einer 9lrt SerBannung. üDieg, fotone 
bag er in 9lom ,,aQein an il^n gen)iefen n)ar'' (nnil^rfd^inlu!^ burc^ gritmion 
in ÜRailanb), Beftimmte 993in<felmann ju bem Qorfa^, biefen „^einb ber je^igen 
Regierung in Cnglanb . . . unb jtoeiten äRilton" (!) „fo gu unterrichten — 
tottm er ©cfül^I l^aBe — n)ie ein fold^er SKann eö terbiene". SBiÜeö l^atte 
ftd^ in Salben clafftfd^e SBilbung ermorBen, unb felBft anacreontifc^^catuDif^e 
Ifieber l^erauSgegeBen unb üBerfe^t. 

9Bt(!eS nKir nur burd^ bie ungcfd^idte Verfolgung einer unBelieBten 
9tcgierung (ben fteBenjS^rigen ^ieg ber 9{egierung CnglanbS mit äßiOeS 
nennt eS Sorb ÜRal^on) ber ^eil^itSmann unb SSrutuS gen}orben, 3U bem 
il^n rtcber (S^aracter, nod^ lalent, no^ $rinci})ien quofipcirten: benn er ifi 
eine oon ben &leBritaten, bie Icbigtid^ burd^ )>oIitifd^e Verfolgung gefd^affen 
n)erben. ?ns SRenfc^ »ar er gtoar nid^t burd^uS ad^tBar, aBer fel^r interef= 
fant. Cr »Kir ein SSJüfiüng, baBei ein Joarmer greunb, oon unerf^8l)ffi(^en 
geBenSgeiflem im Umgang, unb im (Streite mit Äe<^tSgrttt*en, @o<>^i&ttett 
unb 'ißa^quitten mie mit bem 3)egen oon faltBIÜtiger Vertoegenl^eit, baBei 
ein gutmttt^iger 9Renf(^. OBn)o]^I er, n)ie er felBfi fagte, ber ^glu^fie 



296 ^tcatt» S^tOf. TV. ^e^ (S^fle nnb ^vkt. 

« 
äRann in (Snglahb iikit, fo „'oct^^ be<^ mand^ @<l^ne ftber beut 3<^^ 

feiner Unterl^altung fein ftniffare^ @(^ieten nnb feine ungliUfßc^e ^^fiognmnie''; 
et fagte c^nifd^, ;,he wanted nothing to make him even with the band- 
Bomest bnt half an honr at starting'^ da n>S]^Tenb oon feinem ^l&tti^n, 
feinen ^toceffen unb SDueUen 9!tentanb me^t n^ei^, t^erbantt et jener $ä^ 
li^teit feine UnflerBIiti^feit — butc^ bie Befannte Saricatur ^ogot^. 

9iad^ einer ^ütmifd^en dugenb, beten (Scenen auf bem Sanbfi^ 9Rebs 
men^nt 9P6tei {tt>o 9taBeIai^' Fay ce qne vondras üBet bem 3^ot fianb) 
l^ielten, mn^tt cS i^ta münfd^en^n^ettl^ etfd^etnen, einen einttSglid^n 'Soften 
}it Belommen, ttma aU ©efanbtet in 6onflantino)>el obet M @ottt)etneur 
wn Sonobo. Seine 99en)etBttngen fc^eitetten, toit et glauBte bntd^ ben 
l^temiet, ?otb Sute. Vi» bet 9t&(fttitt feinet @5nnetd Ztaüflt unb f\W» 
aOen feinen Su^fld^ten ein (Snbe ma^e, ,,Bef<!^Io^ et ein ^ttiot 3tt n}etben'^ 
dt gtftnbete 1762 The North Briton, bet butd^ feine unet^Btte ^eftigfeit 
nnb bie Sejeid^nung bet ÜRintflet unb ®einet iERajeflät mit au^efd^tietenen 
Kamen )»o)mIat tt>utbe. !Z)ie Stitil eine^ Knigliti^en ^lament^Bfti^iebd in 
9hr. 43 (23. fb^l 1763), ein fc^aale^ unb giftige^ 9)ta(i^n>etl, t>etanlagte 
feine Setl^aftung; bie jebo<^ aUBalb aufgel^oBen metben mu^te, n>eil äßitte^ 
^ttement^mitglieb toot. ffit »etflagtc ben Untetflaat^fectetSt; abet Bei 
SKebeteröffnung bet ©efflon (15. 5«oöcmBet) etfolgte ein jtt>eitet Angriff 
tt)egen eine^ fte(^en ®ebid^t§, einet ^atobie loon ^opt'9 essay on man unb 
be^ SEBorButton'fd^en Sommentot^ basu. 2)iefen eBsay on women ^atte et 
Smn $o]^n bem Sotb @anbmtd^ bebicitt, bet S3if(i^of wn ©loucefiet follte 
il^n commentitt ^Ben. Ddö 'ißatlament tetuttl^cilte bie 5Rummet 43 ^ut 
SetBtennnng butc^ ben ^enfet, füt^ \ifn auö bem %^atlament, bet (Serid^t^^ 
l^of ftc^tete il^n. !Z)a9 Soff teti^inbette bie (S^ecution mit bem 9{uf : Wilkes 
and Liberty for ever! dn einem Duett fc^n)et ))etn>unbet, }og et fid^ nac^ 
Sftanlteic^ }utttcf, n)0 et feine jottlic^ gelieBte Xod^tet in einem ftloflet 
etgiel^n ließ. 

Auf biefct Sontinentfitcife fäm et nun aud^ noc^ 9tom, unb j.tt>at 
toSl^enb be$ Satnetsitö, am 14. ^Btuot 1765. 3n ad^t Üagen ^tte ^in= 
ielmann ©clcgcnl^eit , „]tffx genau mit il^m Befannt gu metben'': „mic^ 
bSud^t, id^ l^aBe tl^m gefatten, berni et legte attcn te)>uBIi€antfd^en Stolj aB 
unb Bat mtcj^ infianbtg, benfelBen !lag Bei il^m }u effen, todtift^ x6f il^mJaBet 
oBgeft^lagen l^aBc". SRid^t nut ©clanntfd^aft, fonbctn ,,i^ fann fagen 
gteunbfd^aft" l^at et mit bem rocltBefannten aBtßeö gefd^loffcn. 

«m 21. teifle et nac^ 9?ea?>el. ,,S)iefet jtoeite SRilton . . . nritb i>on 
bet 9ieBe betgeflalt Bel^ettfd^t, big et eine fc^öne "JJetfon au« Senebig, bie 
jld^ Sorrabini nennt . . . t>on $atiö mitgenommen, um mit betfcIBcn einige 
äeit in 9?ea^>el ju leBcn". dlad^ einem anbetn SJricf tfl jie au« ^Jotma, 



J 



§ 151. 9?otbtf^e (SbOioxtt. 297 

nciii einem brittcn an^ Sologna. „S^abe, bajg bo^ fc^öne Ättib cttte 
25njcrin aBgegcBen l^ot (au^ in 335ien unb Stuttgart). Sie ^at baö mel^tfle 
Beigetragen, bcn cnglift^cn SonfuI in SSencbig falltt 3U machen. ®ic l^at ein« 
eigene (&|üi<)age unb leBt n>ie eine große 3)ante, aber alle« auf SKÜeö* ftoflen, 
alfo ifl bicfc« ein tl^urer Siffcn. Äie gingen mit t>icrgcl^n "^oMctben wn 
l^icr na(S 3itccißcV\ 

SRan fd^Iug äßimfelmann t>or, mit nac^ 9!ea)>el 3U fommen, nnb er 
gefielet, ba§ er in Cerfud^nng genjefen. „& f)at mir bicfclbc \>icl Ccrtrau^ 
lid^feit gemacht. . . Sd fdnnte gefd^l^en, baß id^ il^m unb> feinet ®(!^Bnen im 
^rBfl einen SScfud^ ma^te. . . SSeibe »ollen ^iwinter für mid^ in 9?ca^>el 
Bereit l^oltcn. . . ffir l^at bofclBfl ... ein Bequeme« $au« auf einer ange= 
nel^men $d]§e, ton bcm ©erfiufd^ entfernt, auf eiir dal^r genommen, um feine 
©efd^ic^te ton (Sng{anb, from the revolntioDy }U enbigen unb eine Aeuc 9u«s 
gaBe ton Sl^urd^iM SBerfen ju Beforgen^'. Oene ©cfd^id^tc nannte er ba6 
SBerl für feinen 9tul^m unb ^r ben ©dbBeutcI, (SifvndfiUi Skrfe nntren ein 
Sermac^tniß bc« ocrfforBcnen greunbe«. Cr ttJoHte ber 3BeIt jeigen, »ic er 
Sl^urd^iK geßeBt, unb meldte Wlaiit bie, n^eld^c er gelieBt, auti^ nad^ i^rem 
Eingang üBer il^n Befaßcn. Seim SlBfd^ieb ^tte i^m Sßindtelmonn eine 
aiaBafierurne gefd^cnft, auf bie SBiHe« eine lateinifc^ Onfd^rtft ju (E^rcn 
Sl^urd^itt« fc^te unb bic er ber ffiefhninfhraBtei Beflimmte (Carolo Churchill | 
amico jucnndo | poetae acri | civi optime de patria tnerito | P. | loannes 
Wilkes). 3n ©riefen an feine lod^ter Bcfc^reiBt er ftc^ ot« ton SWorgen 
Bi« 9CBenb mit Su(i^ unb gcber in ber $anb, auf ba« SBol^l be« Äinbe« 
leert er taglid^ ein ®Ia« oor il^rcm Silbnig. 

3Bcr cö mit englifc^n 9Riniflem, ^rlamenten unb IriBunalen aufnimmt, 
ifl barum no(^ nid^t einer tenejianifd^en iESn^erin genstd^fen. du 9tom 
ergäl^It man ftd^, bie fd^Bne Sorrabini fei ^Id^ßd^ t)erfc^n}unben unb gleid^jeitig 
ffimmtlid^c ^anbfd^riftcn il^re« ^teunbc«, mit benen flc fd^on auf bem SBeg nad^ 
?onbon fei. (£in junger ©trotte oon SSJindelmann« SSefanntfd^aft, © . . . H 
l^aBe baBei gcl^olfen. SBer ffliKe«, ber am 27. 3uni nac^ 9Rarfeitte aB= 
fegcltc, flcDte atteö in SBrebe. 9iod^ 1767 fanbte er ton ^ri« „eine fd^re*= 
li^e Sd^tift n>ibcr ?orb Sl^atl^am''. @^>ater ifl er noc^ breimal in« Untere 
l^u« gett>a]^U unb breimal für untüd^tig erf[&rt n>i$rben, brang bod^ enMid^ 
l^incin, ja er n>urbc Sttberman unb 1774 2orb SWa^or ton Sonbon, nsclc^e« 
Amt er mit ©cifoK , immer aBer im ®eifl rttdiffl^t«lofer Äeform ter= 
n^altcte. — 

9tad^ biefem 8cifj)icl ton fd^ncü em>orBener greunbfd^oft, ©ereitmiCligfeit 
JU „Unterrid^", Äeifefamerabfd^ft unb ®efd^nfen barf man inbeß nic^t glauBen, 
baß SBindfelmann fo leidet ju ^aBen gettjefen fei. SRein, folc^e fJSfle »aren 
eine ganj fj)eciette ®unfl, eine fcltine Äuönal^me ton grunbfä^lid^er 3ttrücfs 



l^oltttitg. SBtndeltnann machte ^ bomate Bereite fel^r lofiBor. X)eit meiftett 
Stemben toar er uiqug&iiglid^ , txdtn tDUtbe et t9 ncu^ ber erfien Subteti]. 
©el^r fc^Iimm Itef j. 8. Bei tl^m an ber t>i>n äStanconi enqsfol^Iene ®taf 
t>i>n (SallenBerg (1744 t 1795), CrBl^err auf ÜRu^tou (feine 2:o(^tet toccc 
t^, bie ben ®tafen ^üdler l^ettat^ete). SoUenBeig laoax fetner ton ben 
fii^Iimmflen , er reifte todf mit Sirgil unb $ora} in ber %ci\d^t, ftott mit 
atouffeau unb SreBiUon, er n)urbe in glorenj Hcabemiler Bei ben 9()>atifti, 
er üBerlicg fxdf gan} dtalienö steigen. SBer fein Sergel^n n>ar freißd^ bad 
unberjetl^Iic^flo. „WHxx ifl fürjßd^ Begegnet, nKiö (Sicero bon ftd^ fogt, ba er 
aU Ouafior au9 (Sicilien gurttdlam. (Sin junger f&l^ftfii^r ®raf !am ju 
mir ... er l^atte aDererfl in Sologna erfal^ren, ba§ id^ in ber äSSelt fei unb 
ttxociß gef d^rieBen l^aBe, er b)u§te nic^t tt^ ; er glouBte aBer, ed fei oQed in 
btteinifd^er (Bpxaiäft, unb l^iermit l^tte bie Unterrebung ein (Snbe. . . äRit 
feieren Seuten fann läf nur einmal reben''. iBianconi toat feit 1764 in 9tom 
att c^urfad^fifd^er ©efanbter; benn ba mit bem Xobe Ibtgufl III bie SJ^ur^ 
fttrflen nid^t mel^r Könige bon $oIen nKtren, fo l^tte bie Vertretung @ad^fend 
burc^ ben Carbinal^^rotector jener fircne aufgel^ört. (Sr leBte aBer meifl 
in @iena, too feine Zj^Ux erlogen toutben, Bei ber gei^eid^en unb TteBend^ 
n}ih:bigen SRarc^efa Sl^igi. 

^Qx feiere gaB ed gebulbigere Sicetonen, unb einer biefer Srt l^tte f^ 
nirißd^ in 9tom aufgetl^an, ja nxir bort burd^ 3Bin({eImann felBfi eingeführt 
»orben, ber il^n in ber fjolge öfter« aW feinen ©tettöcrtreter em})fal^I 
(27. duni 1767). dol^ann ^iebrid^ Steiffenflein (au« 9iagnit in Sitl^ouen 
1719 t 1793) fam aW Scgleiter be« nac^l^erigen bänifd^en Äammcrl^crm 
f^debrid^ Ulric^ ®rafen S^nar 1762 nad^ 9{om unb fagte Balb ben Cmtfd^lu^, 
fld^ in 9tt>m BleiBenb nieberjulaffen, unb pycxx, koie SSindFelmann atö auf= 
fottenb Bemerft, ,,o]^ne bie JReligion bcronbert ju l^aBen". ©ein Sflamt Be= 
gegnet un9 in aKen (Si)rref)>onben)en ber folgenben breigig dal^re; fein SRonn 
bon ©tanbe, fein Äünjller, ber nid^t mit ÜDanf feiner ©efattigfcit aW gttl^rer, 
al« Sommiffionär Bei ßunflanfäufen, aU Sermittler Bei (iopitn, -unb bor allem 
feiner fo freunbfd^aftlid^cn n>ie ,,bäterlid^en, unintereffirten SSertocnbung" für 
aufflreBcnbc Talente gebadete. 3)aBei co^>irte er fclBfl in ^afiett, unb fleDte 
mand^erlei ted^nifd^e Serfud^e an, }. S. mit @la«)>aften für (Sameen xa>n 
bielfarBigen 2agen, enfaufHfc^er äRalcrci, furj, er n)ar ein bielgefd^äftigcfi 
SDiännd^en: ,,ber el^rlid^c Siciffenflein, meint aßindelmann, bcrttcrt fld^ in 
Älcinigfeiten, unternimmt biele« unb Bringt nid^t« ju (gnbe". — 

üMvif im ^erBfl 1764 Begrüßte 2Bind(elmann in 9tom feinen erften 
^jrcugifd^en Sanbömann, ben greil^erm, f)>5ter ®rafen gricbrid^ aSßil^clm bon 
©d^laBrenborf (geB. 1743 ju Srcölau f 1803), ber mit feinem C)of= 
meijler, $crm bon filöBer bon (Snglanb fam. (gin ©rief SBifle'« Braute ben 



.$ 152. 8qie^ttngen )it ^teagen. 299 

erfien 9tt^ in feinen Sntfd^lug, ,,mit feinem au9 bent unbonftaren !Z)eutf(i^lanb^ 
mel^r eine ©tunbe gu üerfieren". „'lAt Beiben JReifenben foHen ben gnten 
(Erfolg 3lfyct9 Stiefel erfal^ren, ol^ne n^eld^e id^ tl^nen f<i^toerU(i^ meine 3^i^ 
getoibmet l^aBen mftrbc''. (Sr leiflete tl^m ^^oDe mdglid^n Dxtn^*', n}ofttt 
tl^m ber Sater, btrigirenber SKinifler ton ©d^leflen, 34 @cubi fd^tcttc. £>h 
gtetd^ bie anima beata del nostro amato S. in ber t^olge n>enig l^eBen^- 
3ei(^n ton fvif gaB, fo tooUtt SBinctelmann bo(^ biegmal gufrieben fein, i9on 
bcm ,,tt)ürbi0en", bem ,,t^ren nnb totxtSftn'' SWann n)eni8flenö ,,bie 8Jcr« 
fid^erung guten Snbenlend^' gu erl^alten, unb biefe^ n>ar Bei (Sc^IaBrenborf 
leine ^l^rafe. „36^ Bin öoH t)on ©a(^, fd^reiBt SBindelmann ben 10. Dct. 
1766, bie ic^ in ^l^ren ©d^oog au^f^ütten, aBer nic^t fc^reiBen fann'^ 
(Sd^IaBrenborf n^urbe f^&ter ftommerl^err unb (SrBoBerlanbBaubirector in 
©d^leften. 916 er, ber erfle feinet @tanbe9, ben n>unberli(]^en 2:itulatucen 
f6rmli(i^ entfogte (1795), fragte man, n)ad er fttr anbere aU jocoBinifc^e 
®rftnbe gel^aBt ^Ben fönne; er antn)ortete: SEBorum fragt man mid^ ni<l^t, 
megl^alB xdi Bei meinen ))ielen neuen @eBauben bie alten aBgefd^madten 
©d^nörfel öerBannc? 

(Sine feiner legten Selanntfc^aften, vdo nid^t bie le^te, nntr ber Sanier 
Sl^rtflian k)on SRed^el (geB. 1737), „ftu))ferfied^er be^ ^iat^ unb ber UniDer= 
fitfit Safcl", ber peBcn 3a^re in ^ariö gearBeitct l^atte (x>on n)0 er ein allcr= 
lieBfle^ SlSttd^en, Amonr mena9ant nad^ Sanloc mitBrac^e) unb im ©ommer 
1766 nac^ atom fam, um für ein SBer! ttBer bie äRttnjen feine« ganbfimann« 
^eblinger ju fammeln (erfc^icnen 1776). „ß« xft bcrfctte ein Begüterter 
SRann unb reift mit »ieler SBürbigfeit in Italien", (gr ftad^ SBinrfelmann« 
Porträt nad^ »ngefica in gro§ golio. ©^>ater errid^tete er in SSafel eine 
Äunft^nblung, eine 3eic^en= unb Äunfifc^ule, gaB ^olBeinö 2Bcrf, einen räfon= 
nircnben unb figurirtcn (£atalog ber 3)ttffeIborfer ©atterit l^erauö unb orbnete 
bie ©afferie beö Setocbere. „Unter bem engen Ältor ber greunbfd^ft, 
fd^reiBt il^m aßind elmann , ifl unfcrc SerBinbung üon mir Beigelegt, too 
berfelBen ein immcrtüäl^renbe« , reine« geuer unterl^alten n)irb, unter ber 
«uffl(^t ber Sugenb". 

§ 152. 

Sejiel^ungen gu '^reugen. 

3m 3uli 1765 fd^rieB bie anima beata einen ©rief in fel^r menig 
Beatcr Stimmung au§ ^alle a. @. , ber äBindclmann in große ^eiterfeit 
öcrfe^te. Silber feiner ©tubentenjal^re fHegcn »or i^m auf: mcld^cr <S(i^i(f= 
fattl^umor, bag ©d^laBrenborf, nad^bem er attc« ba« genoffen, toonac^ er, 
3BindfeImann, bamate in bunttcn SEBünfd^en getrachtet, nun l^interl^cr bie aca= 



300 3»«tc« *"*• IV. '^0^ m^t mh «®^üter. 

bctnifd^e ®^)ctfe i&erböuen fofftc, btc SBlnrfcIwann^ bei auö feiner alten üRatf 
bo^ einen tobuflen Upptüt mttgeBrad^t ^ttc, jtüifd^en ben QSfymn l^Sngen 
geMtcBen n>ar. 

3)et Äönig l^attc e^ üBel toermerft, baf fein ©cl^eimer ©taatömtnipcr 
baö ©öl^nc^en ol^ne feine ..mtöbtttcflid^c (gtlauBni|" auf bie gtofec lour gefi^idft 
l^atte. . St Befal^I, il^n, „jut ÄrSnfung'^ auf bie UnicetfitSt ju fenben. 
,,@eli8 finb ®ie, tröfht il^n SBincfelmann am 9. äugufl, na<i^ ben Seilten 
beö (Soangelü: n>enn il^t ni^t »erbet »ie bieÄinber, fo »erbet il^r nid^t in 
ba« ^intntelreic^ tommen. 3Benn bicfeö Sfyc varegov 7tQ6te^oy baju l^tlft^ 
»ttnf^e iäf Sfftitn ju ber golge ®IM, Bcbanre aBcr ben SBeg baju. 9,u%tx 
bem Sergnügen^ mid^ fd^riftlid^ mit Sinnen ju nnterreben^ erforbert bie ^fli^t 
ber aRenfd^Iic^fcit, ®ie in il^rer acabemifd^en Semjeifung ju tröfien^ unb »eil 
anbere Orünbe fehlen, bandet mic^, c^ erl^eBe, ber erfie fein an einem Orte, 
. . . unb in einem ?anbe (t>erjei]^en mirö bie Ferren ^rofefforen) ber Slinben 
atteinf el^enb ju fein. -. . . ^rebigen ®ie in 3^rem 3iitimer ben ^fefforen^ 
beren ©innc mift erl^ortct unb öcrfiodt flnb, bie ©c^önl^cit alter unb neuer 
SEBerfc. . .'' 

!I)er Sd^reiBcr bicfet SEBcrte al^nte nid^t, bat ^^ in bemfelBen SMonatc 
eine Stimme au« jenem ?anbe fommen »erbe, bie il^n fclBfl Bcinal^e in be« 
„i)tit rSmifd^en 8fcid^e. ®treufanbBtt(^fc" aurürfgelpdt l^ätte, »enn aud^ nic^t 
on bie Stcabcmie ton ^atte. 

SBte fern lag bie ^üi fd^on, »o er, ein breigigjäl^riger iKann, fein 
SJaterlanb, ol^ne (gd^merj, für immer uerlaffen l^atte! 9He l^atte er ba« bort 
crbulbcte t)ergeffcn, nie o^ne ®itter!cit ton bem Sanbe gef}>rod^en, »o er 
„auf jebem Sd^ritt baö bef»>otif«^ l^arte 3o<^ gcfül^tt". S)iefc »itterfeit »ar 
auf« ^ik^fle gefhegen, aW bie Äricgöffamme Sac^fcn, fein j»eitc« »aterlanb 
terl^eerte, fie »anbte fl6 aud^ gegen ben großen ffönig, ben „Serl^eerer", ber 
„M ein ^croprat unfcrcr 3^^* P<^ bwrd^ SJemic^tnng ber "Ältertl^ümer in 
2>re«ben l^aBe mcrt»ttrbig machen »otten'^*). 

S5ei allen biefen d^urfäd^fifd^ inf^)irirten Wuöfäffen ijl bod^ offcnBar, bo§ 
SBinrfelmann fl<^ ate geBorener '^ßreuge immer nod^ ge»ifferma§en aW Änge* 
l^örigen be« Äönig« f ül^lte, bag il^m ju »ieberl^olten SWalen ber SBunfc^ <iuf= 
fKeg, oon bem größten 5Kcnfd^en ,,in ber Äunfi feine« gleichen ju regieren" 
(Hamann) — alfo ouc^ fle ju ^)Iacircn — fid^ anerfannt ju feigen, nid^t um 



*) Ci capit6 la nuova del mai imma^nato sconfitto di quel distmttore del genere 
unanp, e Tallegria ne fu uniTenale, e ognuno ci rioonosoe la mano superiore la quäle 
pu6 sommergcre il tiranno quando h giunta all' ultimo segno del s^o oltraggio. 
30. 3uti. Si vede evidentemente che Bio h in ajuto degl' oppressi da un tiranno 
Boellerato. Gik n augnra il smembramento de' enoi stati e non gli reatar niente che 
la Marchia arenosa e sterile. . . , I Ducati di Magdeb. e Halberstad possono indenni- 
sare ü Rfe [di Polonia]. («n SW. «. ©tancom). 



f 152. 8c)i€]^undcn ^u ^reugen. 301 

Sudeten 9ioxti^iU to\&tn, nur um ^,bem großen 9Rann ju jeigsn, b^g ein 
gelbotner Untertl^n etnxid ȟrbiged l^enoorgefoat^t l^aW (17. S)cc. 1763). 

,,iStnen^ gYogen SKann, f(i^rieB et @toj^ ben 25. Suguß 1759, ia beu 
grögten äRann rxnffMRäi ju feigen, mng ber ntcl^fien ÜRenfd^en SRitletbcn 
cvtDtätn, gefc^h>cige bcnn betet ^ bte il^m dld beffen gebotene Untettl^anen 
gleid^fam eigen finb^^ Unb am 7. £)ctobet: „3^6t fveue mvii über bet ^teugen 
unenvarteted ®\M'\ 3)o^ fielet man au<j^ an biefem ^oSif ba§ bie ©eting^^ 
fd^ä^ung ttydä^t t^tiebtid^ gegen beutft^e 2)i<j^tttng unb äSiffenf^ft an ben 
STag legte^ leine^n^g^ entmutl^igenb tvitlte. „(Sx blieb, fagte man bamald, 
feinet eigenen Station ftemb, unb l^atte an bet ^teblung betreiben, nseU^e 
fein Qtxtüitt ebenfo el^nviitbig machte, n)ie bad 3^^<^^et !ßubn>ig XIV ge« 
n>efen, leinen anbetn Snfl^eil, atö bag et iDeutfd^Ianb }ut Sifetfud^t teijte, 
ftd^ butd^ eigene (Stl^ebnng an feinet Setac^tung }u tätigen''. — 

3u btei txtfd^iebenen 3^i^unften gtiff bet @ebanle an S3etlin in SBin- 
delmann^ tömifi^d Seben ein. 3^^^ ^'^^^ ^^^ Anlauf bed ftof<l^if(^ 
9Kufeumd. 

1. 3)ie notbif(i^en ^tttften l^ielten fi(^ befanntlici^ bamaI9 nid^t blo(| 
)>oIitif^, fonbetn auc^ litetatifc^ (Sonef))onbenten. SBatum foQte e^ nuj^t 
bet 9Rfl]^e n^ettl^ fein, auc^ in 9tom, mie in ^x\9, einen folü^n gu l^aben? 
Sttebtid^ foBte ,,einen gemiffen ©leim (— @timm), einen beutfc^en $oeten 
in ^xi9, mit einet anftänbtgen ^nfton untetl^alten, um i^m aQe nova Htte- 
raria et artificialia }u betid^tcn'' (7. 2)ec. 1764). äSie »enn ftc^ bet ^önig 
wn il^m tömif(^ ©tiefe l^&tte gefallen laffcn? — SJiefcn ffiinfatt l^tte et, 
M et eine Sefcj^teibung bet 9JUIa Xlbani an @tof(i^ in 2oviS>on f^iAe, bie 
et fftt bie „93etlinif(^ ©iblipt^ef" geeignet l^iett. 3)ct Äönig l^atte „mit 
t>ielem iob wn bet S)efcti^tton it\pxoi^n unb ben ^fi^et um ben '$tei^ 
biefe^ SKufei ftagen laffcn^'; bei ollen feinen Untul^n l^tett et noc^ immet 
tömifd^e tüftlet, }. 9. ®teinf(^neibet in ^tifcm, et l^atte eben eine ^iona 
malen laffen. Sßindelmann badete ft<^, bag bem föniglic^en kaufet be9 3Rufei 
,,SnmetIungen , Srilatungen unb 9}etbe{fetungen flbet ben C^atalog in ito» 
lienifcj^et @)>tad^e'' nic^t umoidlommen fein n)tttben. „Sdf lann nit^t uml^in, 
ben gto^en 3Rann, bet nad^ bet ®ebntt baö gtögte 9{ed^t an mid^ ^atte, 
ju t>ete]^ten ; unb id^ etbiete mid^, biefem SRonatd^ i^ti^te t>on Sntbedungen 
bet Slttettl^ttmet in italienifd^et @)>tad^e, mit Settad^tungen übet bief elben, 
fon>o]^I in Xbftd^t bet ^unft ald ber Slltettl^ümet in^befonbere )tt übetfenben, 
unb biefed o^ne aSe ^fU^t, t>on nxid füt Xtt bicfelbe am^ fein lönnte. 9{ut 
mügte ic^ gen)ig fein, bag bicfe @(^tiften unmittelbat in feine $anbe felbf} 
!5men, unb bag mein $of nid^t^ baton ctfül^tc. 3d^ ))etfid^ete ®ie, cd follte 
3]^nen feine ®<^anbe mad^cn, bcnn ba ic^ bie tJcinl^cit biefcd ^cttn fenne, 
fo tt)ütbe id^ biefcr gemäß ju fd^tcibcn fu^cn, unb ic^ glaube, ba§ i(^ fogat 



M\€U (Utidmad in tet Jhtnfl »crSfffeni ssü gart§ «Hka frvstc: dd^ tcc=: 
Um%t um ein ^loerUfftgcf 3^^^^ ^ berglcidkn Xnm^ taBfeKca as= 
§ttttfpn fein ivfMen, fo loii^be i<^ bomit anfangen; mb noc^cr cni anbere€ 
Qtidftttf ta§ t^n tod ct|te jn ^i&nbfn gcfpimwn^ fo loftibe id^ fortfä^roL 
£cT dhnttib tKnwn i{i btc (ßteOcit^ tex iA nid^ gonjC«^ cntfagcn hoKOf*. 

9i ifi nid^t Mannt, 9h Der ftonig bie| (Erbidcn mitget^cib ct^iett; 
^^mon ffatU bomott (eine ^t, an Soi^n bcr ftnn^ gn gd)cn!en''; mcOeiil^ 
ftc^t Mf ket folgenbe S^rfd^Iag ntc^t o^ne Sejtel^g bogn. 

SRit eifetfiU^tietr Scrac^tnng fa^ SBtndcInann anf @ogbf8fi), bcn 
„UM^^iftn'' Uuttt^iaMet, beffcn fU^ bcr ftdntg Bei @cmalbeffinfcn ie^ 
btcnte. Z^ etfie 9otf(^Iag, ben SBintfelmann gemalt l^e — bed meng^ 
fi^en (Shin^eb — »Ste freilu!^ eine fc^franne dnangnrotion feinet <Simtnttffa= 
tiatf getDcfen. 

2. S9 nntr int SeBtuor 1763, tuij nad^ ber 9t&ßt^x au9 Dfiia (@. 19 >, 
all Ufteri tt6er feine @efinnung im ^oO einel Ibtttagd wm SerCnet ^of 
Bei il^nt anfragte. Z)a§ eine foU^ Xnfrage asi9 S^^ ^<^^ ^^^ f^ V^- 
fammen. Suljer (1720 t 79), feit 1750 aWitglicb ber »erliner «cobcmie, 
^tte 3ur ^rfieanng feiner (Sefnnbl^eit einen UrlauB in bie ®6fa>t\i eri^Iten: 
ein ifungenleiben unb ber @rant üBer ben Ztlt> feiner gefieBten SßiO^ l^otte 
Begonnen feinen atl^letifd^n Ä3r^>er ju nnterminiren. Dort in ber ^eintotl^ 
war jwtfd^en i^m unb ben ßHixiftt grcnnben oiel t)on ffiinifelmönn bie Äcbe. 
Dtefer ^atte in 9tom noc^ leine anfltHung, unb man fannte feine 39ereit: 
»ißigfeit, eine gute ©tctte in Deutf<l^lanb anjunel^en. ©ei nal^Beoot- 
fie^enbem Stieben Begann man in ©erlin lieber, an Serufungen 3U benfen. 
Suljer ,,tteg il^m feine ^oc^ad^tung unb fein Serlangen, ü^n Balb wieber 
au0 Statten )uril((}ufe]^n, in ben oerBinbUd^fien XulbrfidFen Begeugen''. 

Diefer allgemein wegen feinet Sl^aracterd ^oc^gcfd^ä^te unb wegen feiner 
Unterl^altunglgaBe BeßeBte ®(^wei}er flanb }War bem $anig nic^t )>erfönli(l^ 
na^c, — bcrfcIBe l^tte il^n, fo fel^r er il^n fd^a^tc, nie gefeiten, erfl fcitj wx 
feinem Xobe, atö er t^n jum SHrector ber ^l^ilofo^l^ifd^en Slaffe gemad^t, am 
®»>foeflcr 1777, lic^ er il^n rufen*). Dagegen üBtc Sulger, auf mittelBare 
Skife, burd^ ben englifc^n ®efanbten 9Ritd^eII unb burd^ ben 9Rarqut9 
b'Srgenl auf Berufungen (Sinflug, er Brad^te mel^rere feiner Sanblleute an 
SJerttncr Scl^ranflaltcu unb in bie äcabemie, g, ©. SKerian unb gamBert, 
ilBcr^ou^t Btibeten in ber Unteren feit bem ÜRatl^ematifer Seonl^arb Suler 
bie Sd^weiger ein ^au^telement & lag in (Snijer ber SirieB, aQe^ fheBenbe 
)u fBrbem, allcl bc^jlacirtc an feinen '^^often ju Bringen. Z^U^ bon ^ro= 



*) U lui mUit enoore ane honneur ii receToix et un plaisir k goüter, aTant 
^ttt do voir difp«mitr« k »c^ne de ce monde. ^oge de Snlser. 



{ 152. Sqie^uitgen 311 ^teiigen. 303 

fefjten^ tWatttiforfd^cr burd^ Steigung, ttKir er ctfl oK ^auÄel^rer ju SWagbc^ 
Burg in bte ^oetifd^n Sefhebungen ber 3ett l^ineingejogen moTben, unb jtDat 
butd^ ben Äreiö jener gemtttl^totten tjreunbc unb ®ängcr (j. 83. ®leim), 
bie fld^ in ?aife6ßngcn^ an ben arcabtfc^cn Ufern ber ©oale, um ben Pfarrer 
gange unb feine üDori^ fanratelten. ©ulger, ein ganj enc^Io<)äbtfd^ ulib teleo= 
logtfc^ angelegter $o^f, oon acabemift^ - abntim{lratt)9er 9tic^tung^ t^emtod^te 
oud^ ber S)i(i^tung unb Äunft »ie Bi^l^er feiner SRaturtoijfenfd^aft, nur burd^ 
moralifd^e uvio gemeinnü^ige ©ejtd^t^unfte S33ert]^ aB}Ugemxnnen. (Sr fhibirte 
nid^t nur in SKBUotl^efen unb im 83ud^ ber 9?atur, er fanb Sel^rjiül^le 
ber *$]^iIofo)>]^ie auc^ in ben SBerlßatten unb Stelterd, in ben Somf>totr0 
unb ategierung^cottcgien, Bei ©artnem unb Säuern. 81Ö er nun fein lange 
erfheBteö S^d, bie «cabemie, burc^ ü)?au^)ertuitf com Äird^enratl^ ©ad ge^ 
»onnene gürf)>ra(!^ erreid^t l^atte, machte er ^,bie feinere 3ctgfieberung ber 
©ecle'" unb bie (8rforfd^ung be« fteimö ber Ättnfle in il^r jum 5Kittelj>unft 
feiner Sijrfd^ungen. Seit 1756 toar er burd^ SomBe'ß Dictionnaire des 
Beaux-Art» auf ben ©ebanfen einer „I^rie ber fd^önen Äünfle'' gelommen, 
eine Äefll^ctif unb ^oetif, bem ä^itgcfd^madf gcmSf aufgelöfl in ein ge^con 
(fett 1771), bie gruc^t freier "Raufen ber leiben^tjotten jn)etten $filfte feine« 
Seiend. SieQeid^t n)ünfd^te er SBindelmann für bie ^nfiartilel (n>ie Sobmer 
für bie j)oetifd^en) jur ©eite ju l^aBen. Sr l^atte ein Hare« Semugtfein »on 
ber SBürbe ber Äunfl unb t>on il^rer Seffimmung, ein Il^etl be« 9?ationat 
leBenß, ein (Element ber fiffentßd^en (grjiel^ung ju fein. @o toar e« in 
©ried^nlanb, too bie ©efe^eBung um bie Seförberung beö guten ©efd^madfd 
unb bie SlBtoel^r be« fd^lec^ten ^äf Befftmmertc. S38ie er in ber Äebe De 
r^nergie dans les -ouvrageg des B.-A. au^fül^rt, bie er in bemfelBen dal^r 
la^, xoo SBindelmann ben Stuf erl^iett, ttjirb bie Äunfi burc^ ben 3^* Biogen 
SJergnügenö, ober, tt>ie ju feiner äeit, ate Dienerin ber ^rad^tUeBe, begrabirt 
unb finft (n>ie ttjir jte je^t feigen) gu einem Biogen ©chatten beffen l^eraB, 
nni« pe fein fottte. SSäenn bie $]^ilofo<>]§ie un« üBcr bie moralifd^en 33ebäTf= 
nijfe crleud^tet, fo foH bie Äunfi, »eld^e ^l^antape unb $erj ergreift, jenem 
Sic^t bie Jbcaft l^ingufügen, meldte bie nadte Sal^r^eit ni(^t ^at. 3)ie grogen 
SRuPer jcber SoUtommenl^eit, »eld^c ber 3Koralift mit SWül^e bem Serjtanb 
öorfül^rt, gieBt ber Äünfller bem äuge ju feigen. ÜDie Pafli! Bittet bie Seele 
in SWarmor unb (8rj, benn ber 8eiB tfl bie fid^tBar geworbene ©eelc, unb 
bie ©eele ifl ein ©ilb beö l^ik^flen SSJefenö. SlBer nur bie ©ricd^en ^aBcn 
geffD^lt, bag nid^t Blog menfd^lid^e, fonbem fogar gi5ttlic^e (Sigenfd^aften bem 
äuge enq>ftnbBar gemacht »erben ßnnen. S)er 9tei} fUr bie Snfhengung bed 
®enie« fei bie ®^rc, ettoa« jur (Srl^eBung einer ganjen SRotion Beigutragen. 
!Diefer ®efi(^tö\)unft n>ar getoig rid^tig unb gefunb, er oerliert ni^t« 
ton feinem SBcrtl^ baburc^, bag ©uljer, »ie ©ötl^e fagte, „in« 8anb ber 



304 ^totiti» «tt«. IV. ^1^ O&fie tutb ^(^ttfor. 

^nfl nuT gereift, ttüi^t aber barin geboren unb erjogen nmr, nie barin gelebt, 
gelitten uttb genoffen l^ttc". — 

Auf SBindfelmann, ber eben au^ bcr befien romifc^n ®cfeHf(^ft bei feinem 
neuen @önner @)>ine£[i jurluffam, mo^te biefe (Eröffnung einen gentifc^ten 
©nbrud. „3(^ lann ni^t laugnen, fd^reibt er jurftrf, bg§ mir bei Ucber= 
benfung bed fuljerifc^n Sorfc^Iagd aQejeit ein Heiner 9SBibcm>i((e nnber mein 
Saterlanb auffleigt. . . 2)ic SBal^rl^eit 3U fagen, ed jiel^t mid^ fein ftarfer 
äRognet nod^ 2)eutf(i^Ianb''. !Z)er Domel^mfie (Shninb fei bie Siebe )ur 
^etl^eit: ,;i(i^ bin ein wilbe^ Sraut, meinem eignen triebe übertaffen ouf^ 
gemod^fen, unb id^ glaubte im Staube gen>efen 3U fein, einen anberen unb 
mi^ felbfi auf}uo)3fem, toenn ÜRihrbem ber 2:)^rannen (S^renfäulen gefegt 
n}ttrben''. Der römif(i^e (Staat, „ein ?anb, n» 9Kemanb befiel^It unb 9Hcuianb 
gel^ord^t'^ nxir gctpig ber !(nti)>obe ton ^^reugenl ä8a^ ben S)reA>ener ^of 
betrifft, fo fei er bemfelben „ebenfon^enig att ^reugen Derbunben, ba bod 
»entge uki^ er. in üiom genoffen, nämlic^ feit oier dal^rcn ja^rfid^ l^unbert 
SC^ür, eine Seiflcuer be€ SSeic^toatcr^ fei, ben er be^l^alb, unb bieg fei fein 
einjigeö ^beulen, fcl^r beleibigen n>Urbe^'; aber l^ier fagte er nid^t bie äßol^rl^eit, 
benn er »ugte (an 93erenbid 29. danuar 1758 u. a.), bag jene ^nfton aud 
ber ^)oatf(^atttlIe be^ ^önig^ lam. — Sr fürchtete bie ®)>arfamfett ^ebri^^, 
bic il^n nötl^igcn ttjerbe, „tinc geringe gigur gu mad^cn". 

3)a$ fatalfte an Serlin untren i^m bie bort bomtnirenben grangofen. 
„WIM toftrbe iif in SJcrlin fftr eine fd^Iec^te gigur mad^en, tt)0 fein ©elel^rter 
eine machen lann, gumal gegen b'SRembert, tskidfen ber ^önig jje^t fommen 
lagt, unb gegen anbere grangofen, bie in ber Xcabemie bafelbfi l^errfd^n unb 
ben j&n angeben'/' 2)ie matl^atifc^en SSiffenfd^ften, bie in jener Slcobemie 
obenan ftanben, bie 'ißl^ilofo^jl^ic ber Belle Wolfienne gormetj*«, il^re« Secre« 
tar#, l^atten n^enig t>erlo(fenbed. 3)er bortige $arifer ©efd^mod in SRoIerei 
unb @cul)>tur UKir allen Italienern ein !Z)om im Huge. @onfl galt ^erUu 
in 9lom fftr bie f<^önfle beutf(i^e Stobt, ber junge ^nci)>e !Z). Sartolomeo 
(Sorpni, ber 1753 bort UKir, erjal^Itc, 2:i^eatcr, «rfenal unb @«^log mürbe 
man auc^ in 8lom bemunbem. 

einen Keinen Äreifi t)on SJerel^rem l^ätte er tooSfl an ber ®^>ree gcfunben. 
äRofe«, 5Ricolai („gef^fi^te SRamen'O. ©nljer, ÜRerian („tl^eure SKonncr'') 
ioerel^rten il^n ^U Äunflautoritat, unb inbem ffe fk^ in feine ßel^ren l^nein* 
}uben!en fud^ten, fd^o^ften fle au$ i^nen Sltiregungen }um Stod^benfen über 
äfll^etifc^ Probleme, »on be^ „»ertl^en" SRofe« Schriften lägt er f^ ein 
SSnbd^en (ben ^^l^äbon) (ommen: er nennt il^n „eiif^ bon ben befteh ^d^m, 
toeld^e it^ gelcfen ^abe. ©d^be, bag er ein Deutfd^er ifi! mürbe ber ?>otd« 
bamifd^e $clb fagen". (14. @e<)tcmber 1763). 

aBindelmann meint, menn ©uljef ö «nfd^lag fid^ tcrmirRic^, fo ^,müffe 



§ 152. et^k^m^tn )u Vteugcn. 305 

bie evfle ®a(^e in Serßn fein, ben SRarqut^ b'llrgen9 fttt einen unn^tffenben 
Q^cl aufd ^dfliii^fle }U erRSren; fo^e SeUte feien ein ®<l^anbf(ed oller ge« 
leierten ©e^Of duften''; er bac^U baBei an ben 98if(^ flBet bie iWalerfc^uIen 
(®. 42). 3)ieg to)&re inbef übel ongeBrod^t gen^efen gegen&Ser einem 9Rann, 
ber fld^ fafl breigig dal^re long Srtebrii^^ ®unß ju erlitten gett)ugt l^at, 
ber Bei völliger Unerfal^renl^eit in $ofman8t)em, fem t>on Qal&alen, nur feinen 
Gterarifc^en SSerfud^en leBtc; att @<^riftflcner freiließ nur ein omttfantet, 
Bquemer ®c6n>Sfter, Bei bem bie geber, bie er einfl au« 5Rotl^ ergriffen, nic^t 
n)ieber jur Kul^e fommen n>ofite, unb ber aQe feine ftenntniffe au« 9ai^ie 
l^lte. Son bem n)ilben 9[Benteurer im S(Benbs unb SRorgenlanb nntr n>enig 
mel^r UBrig geBIieBen in bem hSnfliti^en l^t^^o^onbrifd^en ©elel^rten, att bie 
8eBl^aftigfeit feiner fun!cnf^>rü]^cnben Sonücrfation, fonfl nxtr er ,,gut Bi« jur 
^to&ift, orgle« Bi« }ur Seid^tglSuBigleit, ein bonhoimne om $of'^ oBer 
(no(^ gorme^) ber rcblid^fle, bicnPfertigfle grcunb ber ©d^riftflettcr. 31^m 
Dcrbonfte ©uljer jenen UrlouB, unb (grnefli, ÄoBener, OeDcrt, 9ici«!e il^re 
Ättbiengen in ®on«fouci. — , 

3. SieBer üemxilte SSBinrfelmonn Bei bem ©ebonfen, bog gricbri<!^ II 
ben (SinfoD l^oBen miM^te, felBfi nod^ dtofien }u fommen, unb bog er bonn 
ouf il^n Ol« (Sicerone ongemiefen fein n>etbe/' Od^ l^offe noc^, fd^reiBt er ben 
15. iDtoi 1764, ben ftdnig in "^reugen l^ier genou lennen }u lernen, benn 
er l^t on b^VIemBert gefc^rieBen, bog il^n nur bie je^igen UmflSnbe Don 
?olcn tjerl^inberten, no^ ^3to^lcn ju gelten". (Sr l^ttc bicfe Stod^rid^t \>on 
SBotelet, bem b'KIcmBert eine «Bf^rift be« Srief« gcfd^idft. !E)cr jbnig tt>or 
nii^t nur be« Stiege«, fonbem jutt>eilen ou(^ ber ^olitif mübc*). 

9}o(^ be« ftönig« eignen 9(eugerungen foQte man glouBen, bog dtolicn 
nid^t foöiel Äcije fttr il^n Befeffen l^oBc, um il^n cmpßd^ on eine Sfömerfol^rt 
benfcn ju loffen. Hl« feine ©d^meftcr, bie SRorfgräfin \>on ©o^reutl^, bicfe 
Steife mo(^t, fc^reiBt er nod^ dloreng, toic er fi(^ Stoßen t>orfleI(t, )>ergleid^t 
^6f inbeg mit bem ^ud^ in ber 9oBel, unb mit bem ölten @oleerenfclot)en, 
ber Don feiner SluberBonl bie freien Seute mit ®eringfd^a^utig Betrod^tet. 
dtoßen tft eine ölte (StK|uettc, bie fld^ nod^ für fd^ön l^&lt unb oQerbing« 
burd^ einige ®d^9n]^it«reße }u ol^nen gicBt, n)a« fic einfl gemefen. Singer 
ben ®)>ttren rdmifd^er (ShrJJge, ouger ben ©d^S^en bie frommer Setrug unb 
ÄBerglouBe Curo^ ÄBge^>regt, unb ouger ben SKeiftcrnjerfen ottgu|leifd^r unb 
leontnifd^r B^tolter, geBe e« l^eute nur noc^ bie ©c^roni, fc^ted^te maestri^ 
elenbe SRoler, ©ilb]^oucr, bie nod^ unter i^nen pnb, einen ^Bj! ber jum 
Slmofenier ber Könige gen)Otben, ol^nmfid^tige ftleinflooten, loicl Xrglifl, SBi^, 

♦) Km 4. 92ot>em6er 1766 fc^reiBt er an SWarie Antonie: Ah! Madame, que V. A. 
E. continiie de coltirer les arte; c'est le seiil bien r^el dont on piUBse jouir daxu le 
monde. II faut dire du reste, oomme Salomon: Tout est vanit^. 

Onfti, »tadetmami. II. 2. 20 



306 B^tte fßvtä^ ly. 9^ <B59e imb e#(er. 

oBer letneti ®tmi^, ein SoU, BefHnttnt fftr ba^ ®€l<u>cniod^ bc6 erßen (ErokterS, 
ein gdttlic^ (Slima, fc^Ud^te ©efeOfc^ft, mel Ketd^^um Bei ©eijigen, SRdn^ 
ttnb Pfaffen oller Sorten^ t>iel ^tlotiimn^ unb feine Steßgion, mel Unto^iffen- 
l^t unb Sorurtl^U: Iutj bad dtaGen ton l^eute gtcid^ bem Seo'd X n>ie 
eine fd^Ie^te ftreibeietc^nung einem ©emSIbe ®utbo'd. 

92a^ 9tom, meinte et, n>erbe tool^I baö ftBrige dtofien leinen Sergleitl^ 
Ottdl^alten; er lönne fld^ benlen, n}ie feine IDenImSIer un6 ben SMteioBereTs: 
gelten nol^e rüdten, fo ba^ bort i^r Slul^m, i^re IDenftocife auf nn« üBer= 
gugel^n fc^ctne. XBer toenn Stanlrei^, SDeutfc^tonb, ®ipatAtn, (Englanb unb 
$oIen bie ®ef(i^enle ber Sorfol^ren }urü(fforberten (fd^retBt er auf bie (Sc^it 
berung ber S^tttoeä^\ fo n)ürb.e ber l^eilige Sater mit fammt bem l^eiligen 
SoIIeg in ben Stuinen bed (£amf>o Saccino toe^ntn, förd^n mit ©trol^bSd^m 
l^en, unb Seter mit saquebute bie eingige ÜRufil fein. 

£)er ^iinig lieBte itaßenifd^e unb ns^ mc^r beutfc^e 3RuftI; er fonb 
©efd^mad an ben Saumeiflem bed Cinquecento ; nur in ben Bilbenben Mnßen 
fttl^ltc er ganj franjöjifc^. 3)cr SSaron i>on ÄnobetÄorf, ber UrBaucr bed 
Olpcml^aufe^, l^otte auf feiner italienifii^en Steife (1738) entbedt^ bafe bie 
grangofen mel^r Xalent für bie ®culj>tur oW für bie ÜRalerei l^&tten, er t>er= 
eierte Sanloo unb be Iro^, oon 3talicnem fei nur ©ofimcna noc^ ber alten 
3eiten n}ürbig. SSoud^arbon, Xbom unb ^igaOe l^&tten bie ®culptnx gur 
SoQenbung geBraii^t 2)ie Selbl^ermvoal^Ka auf bem Sil^elm^^Ia^ mürbe 
foU^en gelben üBertragen. 9Bad tt}ftrbe ber ftönig gefagt l^aBen, n^enn er 
nnter bem litet ^, unterf c^amte Urtl^cile " - baö Urtl^eil eine« Äuffen öon 
©taube ttBcr feinen iWercur oon ^igalle gelcfen l^otte, ein ©cfd^enf ?ubtt)ig XV. 
SJindelmann n}ünfd^te in ber f^eil^eit Stom« einmal gu bem ftönig in foU^em 
Ion f^>rc<i^cn gu ßnnen. „Sif toottte l^ier, »o id^ mit gtci^it f^rec^ !ann, 
in 24 ©tunben einem ^ringen, fonberlid^ aud 3)eutf erlaub, too aQe, bie nid^t 
Äuölänber finb^ gittern^ mc^r SBal^rl^citen fagcn ate berfclBe, i^ ttjiff ni(^t 
fagen gelefen, aBer gel^^rt. ®ie glauBen aBer nic^t, tokovd mtfyc Sinbrud 
eine ungemol^te ^pxai^ einem ^ringen mad^t, aU eine ^ofHDe. SBoHte 
©Ott i(^ Knute l^ier ben ^ringen fcl^n, mit tocld^em id^ außer feiner trieg^= 
fd^ulc gu \pxtdftn »ttnfc^te". 3m ^al^rc 1755 fatjb ber ffönig gu feinem 
eignen (grflaunen, baß er eine große, gute ©emalDefammlung in ^ot«= 
bom aufgefleflt l^atte, eine angencl^me ^romenabe für il^n Bei fd^lei^tem 
Setter. 3tt ber aiotunbc bafelBfi flanb bie gamitie be§ 2j>comebe^, ba« 
fiofd^ifd^e SKufeum unb bie SWüngen. S)aÖ ^olignac'fd^e SaBinet l^tte er 
1742 fftr 20000 SEl^alcr gcfauft; auf ein (5:onq)timent Soltairc'^ fc^rieB er 
toörtfi* gurüd: 

Pourquoi remuer ä grands fraU 
Les d^combres de Borne enti^^ 



§ 159. 9hif no^ Berlin. 307 

Ce marbre et cette aotique pierre? 
Et pourqiioi chercher lei portraits 
De Yirgile, Horace, et d'Hom^re? 
Leur esprit et leur caractere, 
Pluft estimables quc leurs traitB, 
Se rctrouTent tot» dans f^oitaire»\ 

2>p&ttx Ite| er but(i^ Stanccni (27) Statuen unb Srußbtlbet auffoufen 
(25. ^li 1767), Sotoace)))» l^atte fte gu ergänzen. 

!Da9 ©uljer'fc^e ^toject n>at fc^metl^ i\9 t>ox bed ftöntgö Olsten ge^: 
Bro^t n}i>rben, unb üBetl^au^t fd^einen leine toeitcten Sd^ritte gemad^t ju fein; 
SBindelntann fa)^ e$ att Befettigt an, BefDnbet^ nad^ feinet Xnflellnng, nnttf 
tS fogat meit t)cn fiäf, unb nid^t ol^ne ^tterfeit. 993ie Setg f^ricB, ging 
im $crBp 1763 in fel^r guten fflerüner Käufern bie Siebe — ,,bet ftönig 
in ^teugen laffe tnid^ fttt feine ätcobemie lontmen, unb id^ fei Bereite nntet:: 
n>egd, n^otan ^kvifmoffl bet ßönig fctoenig, atö lif Suß ba}u Begeigt l^Stte, 
gebac^t l^aben n)irb, }umal ic^ ein !Deutf<i^et Bin, bet il^nt nut junt (Stfd^iegen 
gemalt ju fein ^tmV\ S3efonbetd ätgetlii^ n^ot il^m bet baBei geBtoud^te 
„j)öBeI^afte" Äuöbtudf, „bag et batum fu^><)Iicitt l^aBe". S)a et Befotgt, 
biefe „ungegtünbete SRebe'' ntdd^te nad^ ÜDte^en btingen, fo Bittet et ^anfe, 
au^ feinem SKunbe bad ©egentl^eil 3u Be]^au)>ten. „ÜRit n)a9 füt einem 
$et}en, tuft et au$, mtttbe id^ mid^ t>on bem l^öd^ßen ^eunbe (9PD6ani) ttennen 
Bnnen!'' 3n Setiin, too ein ftanjöflfd^et Defjwjtiömuö in bet Äcobemie 
l^ettfd^e, t5nne et nic^t l^offen, h)ie in ©öttingen, beten iDtitglieb 3un>etben; 
eBen l^aBc bet Äönig »iebet fftt bie neue Ätieg^fd^ule lautet gtanjofen »ct^ 
fd^teiBen laffen, n}ie Zouffaint „23enn mit aud^ t)om Könige felBfl ein 9iuf 
fame, fd^teiBt et bcn 16. duli J764, fo glauBte ic^ fo eitel )u fein, mid^ 
aud üBtiget SieBe gegen ©ad^fen 3u Bebanfen''. (St fd^S^e bie Suft mel^t, 
aU Sffen unb Stinfen. 



§ 153. 

9tuf nac^ Setiin. 

3n3n)if(^en otBeiteten bott oBen o^ne fein äßiffen gfteunbe in feinem 
Ontcteffe. 9m Sa^xt 1765 flatB bet Bnigfic^e ©iBliot^ecat, bet ®e]^etme= 
taü^ ®aultiet be la Stoae, mit beffen Smt aud^ bie SuffU^t üBet bad SaBtnet 
bet SQtettl^ftmet unb SRebaiden t>etBunben gett)efen toax. Die StBliotl^el nxnr 
in ben legten dal^ten bed ftSnflid^en alten $ettn fel^t in Unotbnung gerotl^n 
unb aud^ Don bem jtdntg gfinißd^ oetnad^lSff igt motben ; f o tt>utbc, n>ie SKlfe 
mttt^eilt, feit 1749 Bei jebem dal^te^fd^lug ein Bebeutenbet UeBetfd^ug oon 
bem Cutotot jut 3>i^o{ition bed Ädnig^ unb meifl gegen beffen eigenl^Snbige 

20* 



308 3^te9 8tt(^. IV. ^ol^ i^äfte unb ef^fiter. 

Ouittung an bcn $offiaatfircntmctflcr aBgcßcfett Die 93ibUo%! |lanb noc^ 
immer (feit 1661) im ©eitcngcbSube beö @(JIoffe« naä^ bcm ?uftgarten ju, 
in bem gtofeen (Baal ü6er bcr $ofai>otl^efc, benn bct "ßlafe, »o ber jeftige 
^laji fielet, »utbc ctfl 1774 gefauft, unb ber aW ,,bc8 ÄSnig« alte Commobc" 
Bcfanute Säau'oon S5ouii;iann, nod^ einem önttourf gifAcr« bon (Jrlat^ fftr 
baö (gingang%Baube bcr teifcrli^en Surg, 1780 boQenbet 

I>cr ftönig BcaBpd^tigte nun jene Beiben ©teilen ju trennen; eine 
Sabinetöorbre bom 24. SuR 1765 übertragt ba« Cutlobcnamt bcm feit elf 
Salären an ber »ibRotl^el Befc^afttgten ^ofratl^ ®tofc^, ber felBigeÖ f(i^on feit 
1761 Beforgt ^ttc; er Befal^l ferner am 25. 3uli bcm Staat^minificr 3)or= 
bincy „einen gelehrten unb gur «ufftc^t unb Untcrl^altung einer 5ffentfi(!^en 
SiBliotl^e! rcd^t fel^r ca<>aBetn unb in bcn SBiffcnfii^aften geüBten 2Rann in 
Sorfii^Iag ju Bringen unb attcnfatt« in $ottanb aufjufud&cn". O^ne aBcr 
ben ©ngang be« ©erid^t« (bcr am 29. gcBruar 1766 erfolgte) aBjmüartcn, 
erging jene Anfrage Bei SBinrfelmonn; ttxil^rfd^cinticB tt>ar eö ®tofc^, bcr 
bie ^foäft Bei fo^cn, bie ber Äönig 1^5rte, angcBrat^t l^atte. Der Bcfanntc 
DBrifi O. Scifiuö (SBinrfclmannö Gommifitone au« $aDe) war c«, ber il^m 
burc^ bcn S9u(!^l^änbler griebrid^ Slicolai fdbrciBcn ließ. & l^icg, ber Äönig 
]^Be il^m bie ertebigte ©tcDc bcö Sluffcl^er« ber SSiBliotl^ef unb be« 9Künä= 
unb 9Ktertl^ftmercaBinetÖ jugebad^t. !Ciefc ©tcßc, rodAt nur 500 2^atcr 
trug, n>ottc er mit einer augerorbcntlic^cn ^cnflon ,,SBintfcImann anne]^ra= 
Ii<i^er maci^cn"; er fBnnc, fd^ricB Slicolai^ „bie Bctr&c^tliii^flcn Scbingungcn 
mad^en, toeil ber ÄSnig il^n l^od^fc^aftc unb tängfl ju tl^un gcwünfd^t, rooö er 
je^t tl^ut. (3)er ffönig nju^te, bag aSindfetmann fein "ißcbant roar. 3)enn 
att 1770 eine bcm>anbtc ©tette Befe^t »erben foHte, fdbricB er an bcn Staub 
eine« »crid^tö, bcr ^e^nc nannte: „3d^ tottt leinen ^cbanten'O. ^ gtcBt 
mir ferner ju bcrflel^cn, b'a§ bcr Äönig 150Ö 2:i^alcr Bi« ju 2000 gu gcBcn 
cntfd^Ioffen fei". SBie er bcrmutl^ctc, bcnücd^fclte il^n bcr Äßnig mit 
einem ehemaligen äubiteur bom ^rinj $cinrid^ö=9icgiment auß @)»artbau, 
(gnxxlb, einem ©id^ter bon S^igrammen, ,,einem irren äRcnfc^cn^, bcr il^n 
„nadft unb Blo§" 1759 in JRom aufgcfud^t unb bicl ge^)lagt, cnbXid^ gar 
bcrfül^rt ^attt, um il^m au« feiner 9fot]^ ju l^elfcn, „ftd^ in baß SSdfcl^rung«^ 
gefd^ft JU mengen"; c« UKir fein crfler unb tbie e« fd^cint caiif le^tcr 
äRtffion^erfud^. 

äud^ tt)enn man jl(^ erinnert, bo| HutrSge in ©cflalt bon ^roBlcmen 
eine gan} onbere Seurtl^ilung erfal^ren, atö folc^e, tütlä^ bie Sntfd^ibung 
tDtdlid^ in unfre $anb legen, fo tfl man bod^ ttBerraf(^t, ffiincfclmann, ber 
am 1 3. a^>ril gcfc^ricBen, „^ feien ttjcber ai^c^cinungen nöd^ ®rttnbe, 9iom 
gegen fein Saterlonb ju ber»cd^fefa", aU nun toirflid^ jener »rief am 
29. Sluguft 1765 in 9tom eintraf, fo ol^nc jeglid^« SE>eben!en jugreifen ju 



S 153. 9{uf m6) Sbtxim. 309 

feigen, üb eine ttcinc ScIäfHgung, bic er furj t>orl^cr t)om l^ciKgcn Dffij 
crfal^tcn, mit Im ®pid toax? dt Befcitnt, bamaW jum crflcnmalc in Äom 
bei üMcr Soune gc»cfen ju fein; benn ^,Bei feinet f(^n>etcn Arbeit fei il^m 
anf Cefel^l be«^ "ißabfted t>on ber l^iL Onquifltion na<^ »orl^crgcganflener Set* 
eibigung, eine f<!^u^ere unb l^öd^fl »erbriepd^e Arbeit, bie in lurjer ßtxt ge^ 
enbigt n)erben müffc, aufgetragen »orben (ein Snbej); aber bem ©efel^I bc^ 
IribunaW bürfe man nic^t ttjiberf^rcc^n". SBie bem aud^ fei, er »ergag ton 
©tunb an nid^t blo^ bie granjofen ber Äcobemie, ba« bef^>otif<i^e 3o(^ unb 
bie märfifc^e ©anbtoüfie, fonbem auc^ bie ctt)ige ©tabt, feinen alten 
(Jatbinal unb feine eignen ^I5ne. ©d^cn am 31. fd^rieb er gurüd: ,,3d^ 
l^abe ben l^ol^en 9tuf überlegt nnb ncl^mc il^n an". !t)er „erl^abenfte unb 
reblid^fle greunb", ber il^m „affc^ in allem tt>ar", ber „in feinem l^ol^en 
alter in feinen Armen ju fterben getoünfc^t l^attc", tonnte jnxtr „biefe bcforg= 
Gc^ Trennung nid^t öerfd^merjen'', er ,,njttnfd^t il^m abjuratl^cn''; „aDcinbie 
(E^e unb Sortl^eile finb aD}u übem>tegenb, ald ba^ eine (Einn}enbung flatt» 
fSnbe: er fle)^ ber Siebe bed Saterlanb^ in mir nad^". ^on bem ito^ 
lienifc^en 2RDnumentenn>erf l^atte ber Sbbrucf einer platte f(^on begonnen, 
aQed »urbe nun unterbrod^n, e$ foOte in Berlin an9 Sid^t treten. $l5^lid^ 
eittbeifte er in flc^ einen bi^l^er fd^lummembe ^trioti^m : ,,dc^ emf>finbe je^t 
mit einem SRale, toic mad^tig bie Siebe be« Caterlanb^ ifl, in njeld^eö id^ 
mit ben größten (B^ren jurtidgerufen njerbe, .... bie mir torl^er unbefannt 
mar unb fein tonnte, ba e$ mir auger bem Saterlai^ n}ol^l gegangen ifl, 
fonberlid^ in Äom". 3)oc^ melbeten fid^ aud^ Stimmen ber ^flid^t: fein 
innerer unb natftrlid^er SSeruf fei, ein Seigrer ber Sngenb ju fein, unb bieg 
moQte er nun n)erben mit ^intanfe^ung aQer feiner Qtit unb Sequemlid^feit, 
er „mttnfd^t nid^td eifriger^ atö allgemein unb einem jeben in^befonbere 
nü^lid^ fein )u fönnen". 

9ßa9 enblid^ bie Sebingungen betrifft, fo n)ar e9, al^ ob er bie Berufung 
fd^on in ber STafd^e ^abe, nnb ber öconomifd^e ftSnig il^m l^atte f agen laffen : 
Sorberc nur! „S)amit burd^ $in= unb SBiberfc^reibcn feine 3cit verloren 
gcl^e'', nal^m er gleid^ ba^ in äu^fid^t gefleQte SKa^imum, 2000. Daju bie 
nötl^igen 8leifetoflen, unb jttxir foOten fie